Wir sind die Sandwich-Generation

Dieser Kommentar erschien bei manager-magazin.de und im September 2016 bei bto. Er passt zu den Überlegungen zur Demografie von heute Morgen:

„Uns geht es gut“, jubelte unlängst SPIEGEL ONLINE. Neue Zahlen des Finanzkonzerns Allianz belegen, dass die Geldvermögen weltweit weiter anwachsen, beinahe doppelt so schnell wie die Wirtschaftsleistung. Zwar merken die Experten der Allianz kritisch an, dass dies auch auf die Politik des billigen Geldes der Notenbanken zurückzuführen ist, die alle Vermögenswerte von Anleihen über Aktien bis zu Immobilien nach oben treibt. Dennoch blieb das gute Gefühl: Wir werden immer reicher. Noch erfreulicher dabei ist die Tatsache, dass auch die Mittelschicht profitiert, es also nicht nur in die Taschen der oberen zehn Prozent fließt.

Schaut man genauer hin, muss man jedoch konstatieren, dass es keinen Grund zum Jubel gibt. Vordergründig mag es uns finanziell gut gehen, in Wahrheit stellt sich die Situation völlig anders dar. In den kommenden Jahren werden wir recht unangenehm aus unseren Träumen erwachen, doch da sind die Meldungen von heute lange vergessen. Dies liegt vor allem an diesen Ursachen:

  • Die Erträge der kommenden Jahre wurden durch die heute bejubelten Wertzuwächse bereits vorweggenommen. Doch kommt es mit Blick auf die Altersvorsorge auf den gesamten Ertrag an.
  • Während die Finanzmärkte von den steigenden Bewertungen profitieren, wachsen zugleich die Lücken in den privaten und staatlichen Altersvorsorgesystemen.
  • Parallel zum Anstieg der Vermögen sind auch die Schulden weltweit weitergewachsen. Da Letztere zu einem immer größeren Teil nicht mehr bedient werden können, droht eine entsprechende Anpassung bei den Vermögen.
  • Die demografische Entwicklung wird zwangsläufig zu einer Anpassung der Vermögenswerte führen, weil mehr Verkäufer weniger Käufern gegenüberstehen.
  • Die Inflationsrate dürfte vor allem bei nicht-handelbaren Gütern wie Dienstleistungen in den kommenden Jahren deutlich anziehen und den realen Wert der Ersparnisse zusätzlich mindern.
  • Die politischen Mehrheiten werden noch stärker als heute auf die Umverteilung satt die Schaffung von Wohlstand setzen.
Gerade die Babyboomer-Generation der 1960er-Jahre wird diese Trends mit voller Wucht treffen. Sie ist die Sandwich-Generation, gefangen in fallenden Vermögenswerten, Leistungskürzungen, steigenden Abgaben und höheren Kosten. Noch kann man sich darauf einstellen. Viel Zeit bleibt jedoch nicht.

Vorweggenommene Erträge

Richtigerweise verweist die Allianz auf die Politik der Null- und Negativzinsen, wenn es darum geht zu erklären, weshalb die Vermögen fast doppelt so schnell wachsen als die Wirtschaft. Denn letztlich können die Vermögen nachhaltig nur zunehmen, wenn die Volkseinkommen entsprechend steigen. Tiefere Zinsen erlauben es, diese Einkommen mit einem geringeren Satz abzuzinsen.

Zukünftige Zahlungen sind bei einem Zins von einem Prozent heute deutlich mehr wert als bei einem Zins von fünf Prozent. Deshalb sind wir heute bereit mehr für einen Vermögenswert zu bezahlen. Legt man jedoch einen längerfristigen Horizont an, wie zum Beispiel in der Altersvorsorge, kommt es nicht so sehr darauf an, wie groß mein Vermögen heute ist, sondern wie groß es zum Zeitpunkt des Renteneintritts ist.

Da die Erträge der Vermögenswerte jedoch unverändert bleiben  die Anleihe zahlt weiterhin fünf Euro pro Jahr, egal ob ich dafür 100 oder 500 Euro bezahle – sinkt die Rendite. Die Tatsache, dass die Vermögenswerte schon gestiegen sind, bedeutet nichts anderes, als dass die Renditen auf diesen Vermögenswerten auf Jahre hinaus mau sein werden.

Das mag jenen egal sein, die schon für das Alter vorgesorgt haben. Wer jedoch weiterhin für das Alter spart, muss zu den heutigen hohen Preisen kaufen und garantiert damit geringe, wenn überhaupt positive, Erträge. Wahrlich kein Grund zum Jubeln.

Vermögensminderung wird unterschlagen 

Schon lange ist bekannt, dass die staatliche Rente nur dann „sicher“ ist, wenn der Staat sich deutlich verschuldet, die Abgaben erhöht oder Leistungen kürzt. Auf bis zu 400 Prozent des BIP werden die Kosten der derzeitigen Zusagen geschätzt. Wenig tröstlich, dass Deutschland nicht allein steht: In einer aktuellen Studie beziffern die Analysten der Citigroup die Lücke in den staatlichen Rentensystemen der westlichen Industrieländer auf atemberaubende 78 Billionen US-Dollar.

Da die staatliche Rente bekanntlich ohne Rücklagen arbeitet, trifft das tiefe Zinsniveau diese nicht. Anders ist das bei den privaten Altersvorsorgeeinrichten. Bei den Lebensversicherungen genügt ein Blick nach Japan, um abzuschätzen, was auf die Branche zukommt. Mit Null-Renditen lassen sich die Leistungszusagen nicht erwirtschaften.

Zwar wird die Politik keine Pleiten von deutschen Lebensversicherungen zulassen. Aus Sicht der Versicherten ist das Resultat jedoch eindeutig. Die Renditen werden deutlich geringer ausfallen, als heute noch erhofft. Die Ablaufleistung deutlich kleiner sein als erwartet. Allfällig staatliche Rettungsaktionen werden uns als Steuerzahler belasten.
Ebenso schlimm trifft es die Pensionskassen der Unternehmen. Schon für das Jahr 2014 wurden die Pensionsdefizite der Dax- und MDax-Unternehmen von Flossbach von Storch auf 153 Milliarden Euro bzw. rund 27 Prozent des Eigenkapitals geschätzt. Wenig tröstlich, dass es um Unternehmen in den USA mit einer Lücke von mehr als 600 Milliarden noch schlimmer steht. Tiefe Zinsen wirken auch hier. Statt der erhofften fünf bis acht Prozent jährlicher Rendite werden nur noch ein bis drei Prozent erwirtschaftet. Wenn überhaupt. Bekanntlich ist nicht so kraftvoll wie der Zinseszinseffekt. Nur wirkt der eben in einem Nullzinsumfeld nicht mehr.

Die Wirkung der Schulden

Bereits bei früheren Kommentaren an dieser Stelle anlässlich von Vermögensstudien habe ich erklärt, dass ein ganz entscheidender Faktor hinter der Vermögensentwicklung die Zunahme der Schulden ist. Dieser Faktor wird auch von Wissenschaftlern wie Thomas Piketty völlig vernachlässigt. Dabei ist die Vermögenssteigerung eng mit der Zunahme der Verschuldung verbunden. Die Möglichkeit vorhandene Assets mit Schulden nachzufragen, führt zu einer Preissteigerung von diesen Assets, was wiederum ermöglicht, die Verschuldung zu erhöhen.

Nicht zufällig waren Immobilien in den letzten Jahrzehnten die Vermögensposition, die am meisten an Wert gewonnen hat, relativ zu den Erträgen. Man stelle sich nur das Preisniveau am deutschen Immobilienmarkt vor, wenn die Zinsen bei sechs Prozent lägen und die erforderliche Eigenfinanzierungsquote bei 50 Prozent.

Wir haben das System über mehr als dreißig Jahre immer höher geleveraged. Das Problem ist jedoch, dass die Schuldner zunehmend Schwierigkeiten haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Das ist ja auch der Grund, weshalb die Notenbanken die Zinsen immer tiefer treiben. Unweigerlich muss es jedoch zu einer Bereinigung der Schuldenlast kommen. Diese wird die Vermögen in zweifacher Hinsicht treffen: weniger Leverage dämpft zunächst die Vermögenswerte während Schuldenschnitte und Zahlungseinstellungen direkt immer auch die Gläubiger treffen. Diese sind in letzter Konsequenz wir. Unsere Forderungen stellen sich dann als nicht so werthaltig heraus, wie wir heute noch denken.

Mehr Verkäufer als Käufer  Hauspreise werden wieder fallen 

Hinzu kommt, dass eine alternde Gesellschaft Angebot und Nachfrage nach Vermögenswerten nachhaltig verändert. Sind die Zinsen in den letzten Jahren unter anderem auch wegen einer Flut an Ersparnissen und zu wenigen Investitionen gesunken  ein Trend, den die Notenbanken durch ihre asymmetrische Politik unheilvoll verstärkt haben  so droht nun eine Umkehrung dieses Trends. Die Analysten von Barclays haben analysiert, dass mit jedem Prozentpunkt, um den die Anzahl der Rentner steigt, der Zins um 1,15 Prozentpunkte steigt.

Auf den ersten Blick wären dies gute Nachrichten für Sparer. Das Problem für unsere Vorsorge ist, dass  wie wir oben gesehen haben  die heutige Bewertung der Vermögensgegenstände, von Aktien, Immobilien bis hin zu Kunst, durch die tiefen Zinsen getrieben wurde. Steigen die Zinsen, kommen die Bewertungen entsprechend unter Druck.

Hinzu kommt, dass das „Entsparen“ der nicht mehr Erwerbstätigen die Vermögenswerte ebenfalls belastet. Wer von seinen Ersparnissen leben will, muss Aktienfonds, Immobilien und Anleihen verkaufen.

Vor allem selbstgenutzte Immobilien in Vorstadtlagen dürften unter erheblichen Preisdruck kommen. Rentner wollen sich verkleinern und lieber nah an medizinischer Versorgung und Infrastruktur leben. Zugleich gibt es weniger Familien, die ihre Kinder im Grünen aufziehen wollen.
Mit weiteren Wertsteigerungen ist aber auch sonst kaum zu rechnen. Insgesamt schrumpft die Bevölkerung nun mal. Daran ändert auch der Flüchtlingsstrom nichts. Und so wird die Nachfrage allgemein sinken, was auch in guten Lagen zu Preisdruck führt. Steigende Zinsen treffen gerade auch Immobilienbewertungen empfindlich.

Die Inflation kehrt zurück 

Unabhängig von den bisher erfolglosen Bemühungen der Notenbanken, die Inflation anzuheizen, um auf diesem Wege die Schulden zu entwerten, droht auch aufgrund der demografischen Entwicklung ein Anstieg der Inflationsraten. Vielfach wird erwartet, dass eine alternde Gesellschaft wie Japan eher in eine Deflation fällt, doch dies ist keineswegs sicher.

Unstrittig ist, dass die Konsumneigung mit dem Alter abnimmt. Der Höhepunkt der Ausgaben liegt meist im Alter zwischen 30 und 55 Jahren, wenn Familiengründung und steigende Einkommen den Konsum befeuern. Im Rentenalter hingegen sind die Leute sparsamer und fragen weniger nach. Diese Faustregel gilt immer noch, auch wenn Rentner heute aktiver leben als vor 30 Jahren. Insofern wird die Wirtschaft wohl weniger wachsen und die Preise werden tendenziell fallen  so, wie wir es in Japan gesehen haben. Selbst wenn das BIP pro Kopf wächst, wie in Japan, genügt dies nicht, um den Rückgang der Erwerbsbevölkerung zu kompensieren.

Es gibt aber auch einen gegenläufigen Trend. Das Arbeitskräfteangebot wird sinken. Dies spricht für eine Umkehrung eines Megatrends der letzten Jahrzehnte. Statt fallender Löhne, könnten wir es mit steigenden zu tun bekommen, die sich dann auch in steigenden Preisen niederschlagen. Zunehmende Automatisierung wird diesen Trend abschwächen, die erforderlichen Investitionen werden die Unternehmen sich allerdings auch bezahlen lassen. In Summe also ein Szenario, in dem vor allem nicht automatisierbare und nicht handelbare Güter und Dienstleistungen teurer werden. Dies betrifft aber einen großen Teil der Ausgaben der künftigen Rentner: Gesundheitsversorgung, Betreuung und Lebensmittel.

Wir sollten uns darauf einstellen, dass die Lebenshaltung für die Babyboomer im Rentenalter deutlich teurer wird. Dafür vorzusorgen, erfordert angesichts des tiefen Zinsniveaus heute noch mehr Ersparnis.

Noch mehr Umverteilung

Geringe Kapitalerträge, ungedeckte Versprechen für Renten und Pensionen, drohende Forderungsverluste wegen Schuldenschnitten, fallende Vermögenswerte und steigende Preise für die relevanten Güter führen zu einem Sandwich-Szenario für die Generation der Babyboomer. Vonseiten der Politik wurde in den letzten Jahren nichts getan, um diese Zeitbombe zu entschärfen. Im Gegenteil wurden die Lasten noch erhöht. So wird es auch in Zukunft sein.

Wir müssen realistisch davon ausgehen, dass der Staat Renten kürzt und mit Steuern und Abgaben gerade bei jenen Rentnern zugreift, die über Ersparnisse und andere Einkünfte verfügen.

Eine politische Mehrheit für solche Eingriffe ist zu erwarten. Bei der Bundestagswahl 1980 lag der Anteil der Wahlberechtigten im Alter von 60 Jahren und darüber noch bei 26 Prozent, 2013 waren es schon 34 Prozent; 2030 dürften es mindestens 43 Prozent sein.

Uns geht es gut? Ja, aber nur vordergründig.

→ manager-magazin.de: „Die Sandwich-Generation“, 23. September 2016

27 Kommentare
  1. Avatar
    MFK sagte:

    „Da die staatliche Rente bekanntlich ohne Rücklagen arbeitet…“

    Das ist nicht ganz richtig, jedenfalls wenn man die Beamtenversorung auch unter den Begriff „Renten“ zusammenfasst. Auf der Grundlage des § 14a BundesbesoldungsG werden beim Bund und den Ländern Versorgungsrücklagen als Sondervermögen gebildet.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ MFK

      Sie haben recht.

      Der Punkt ist aber, dass die Versorgungsrücklagen hinten und vorne nicht reichen werden, die gegebenen Verpflichtungen zu erfüllen.

      Daher hat es schon Fälle wie vor Jahren den des Rücklagenfonds Bran-denburgs gegeben, der noch während der Zypernkrise in zyprischen Staatsanleihen investiert war, weil die aufgrund ihres Risikos höhere Zinsen abwarfen.

      Die verantwortlichen Politiker wissen um die Problematik.

      Aber nur nicht daran rühren.

      Das macht die Leute nur scheu.

      Besser vergleichsweise satte Lohn- und Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst vereinbaren und den Leuten Kitaschließungen ersparen.

      Dass sich damit die Rücklagenproblematik AUTOMATISCH verschärft, ist kein Problem.

      Denn die Probleme von morgen sind keine Probleme – HEUTE.

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    Michael Stöcker sagte:

    Off topic!

    Wer sich intensiver mit dem Thema Helikoptergeld/Bürgergeld auseinandersetzen möchte, der findet hier eine detaillierte Analyse von einem Mitarbeiter der SNB. Ein echtes MUST READ!!!

    „A central bank distributing money to citizens! At first sight, this proposal may seem far-fetched. However, as the quote from Murray Rothbard at the beginning of the paper suggests, a closer look at the functioning of the current credit-money economy reveals that lump-sum monetary transfers to citizens are more benign than credit expansion. First, lump-sum transfers are more effective at controlling inflation because they stimulate economic sectors more evenly and raise the price of a broader range of goods than credit expansion. Second, lump-sum transfers do not manipulate the credit market and interest rates, and, thus, do not contribute to building up intertemporal discoordination and financial imbalances. There are therefore good reasons for a responsible central bank to prefer lump-sum transfers to citizens over credit expansion and interest rate manipulations, whose success in increasing aggregate demand and inflation is mostly uncertain but whose unintended consequences are only too well understood.“ https://www.vollgeld-initiative.ch/fa/img/Vertiefung_deutsch/TheCasefortheSeparationofMoneyandCredit.pdf

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        Horst sagte:

        „Die Wirkung der Schulden

        Bereits bei früheren Kommentaren an dieser Stelle anlässlich von Vermögensstudien habe ich erklärt, dass ein ganz entscheidender Faktor hinter der Vermögensentwicklung die Zunahme der Schulden ist. Dieser Faktor wird auch von Wissenschaftlern wie Thomas Piketty völlig vernachlässigt. Dabei ist die Vermögenssteigerung eng mit der Zunahme der Verschuldung verbunden. Die Möglichkeit vorhandene Assets mit Schulden nachzufragen, führt zu einer Preissteigerung von diesen Assets, was wiederum ermöglicht, die Verschuldung zu erhöhen.

        Nicht zufällig waren Immobilien in den letzten Jahrzehnten die Vermögensposition, die am meisten an Wert gewonnen hat, relativ zu den Erträgen. Man stelle sich nur das Preisniveau am deutschen Immobilienmarkt vor, wenn die Zinsen bei sechs Prozent lägen und die erforderliche Eigenfinanzierungsquote bei 50 Prozent.

        Wir haben das System über mehr als dreißig Jahre immer höher geleveraged. Das Problem ist jedoch, dass die Schuldner zunehmend Schwierigkeiten haben, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Das ist ja auch der Grund, weshalb die Notenbanken die Zinsen immer tiefer treiben. “

        Ist das nicht nur für Neu-Schuldner relevant, resp. für die Schuldner, bei denen eine Refinanzierung der Kredite anstand in der Phase der niedrigen Zentralbankzinsen.

        ad Herr Stöcker:

        Bitte geben Sie mir noch einmal einen Link, in welcher Höhe Zentralbank für die Geschäftsbanken bei der Vergabe von Krediten notwendig ist. Dankeschön.

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      Dagobert sagte:

      Nachdem sich die SNB den Titel Zockerbude gefallen lassen musste, liest sich Verantwortung aus der Feder eines Thinkers der SNB besonders manierlich.
      http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/schweizer-franken-die-hochriskante-wette-der-schweizer-notenbank-a-876739.html

      Wichtiger als die Einschätzung des Spiegel ist in jedem Fall die Beurteilung von Gunnar Heinsohn über die 40 Monate der SNB….
      https://www.malik-management.com/de/die-vierzig-monate-der-snb-von-prof-dr-gunnar-heinsohn/

      “ Fehlt also einer Zentralbank die Möglichkeit zur Beschaffung frischen Eigenkapitals, hülfe auch die jederzeitige Liquidität in der eigenen Währung niemandem mehr. Vor einer dann nur noch durch die Druckerpresse besicherten Währung würden einheimische und fremde Geschäftsbanken
      entsetzt zurückweichen. Vor einer solchen Perspektive steht die Schweiz nicht. Durch ihre unbestrittene Fähigkeit zur Rekapitalisierung würde die SNB längere Strecken mit negativem Eigenkapital und ausfallendem Gewinn überstehen. Dass dies für etliche der 19 Emissionsbanken im Eurosystem nicht gilt, beweist die nicht
      endende Arbeit an den Rettungsschirmen. „

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Für ein „echtes MUST READ“ muss man lesen können!!!

      Es beginnt mit VERSTEHEN.

      Das Zitat von Murray Rothbard, das der Autor seinen Ausführungen voran stellt, lautet:

      “While credit expansion by a bank seems far more sober and respectable than outright spending of new money, it actually has far graver consequences for the economic system, consequences which most people would find especially undesirable.”

      Was sagt Rothbard hier?

      Er sagt etwas über die fehleingeschätzte Befindlichkeit der Menschen bezüglich schwerwiegender FOLGEN für das ökonomische System durch die AUSWEITUNG der Kreditgewährung mittels des Bankensystems.

      Ich lasse einmal dahingestellt, ob das mit der Befindlichkeit („find especially undesirable“) so richtig ist, wenn man sich ansieht, wie gut immer noch eine Menge US-Bürger und eine große Anzahl der anderer Nationen (China !) leben mit dieser Ausweitung des Kreditsystems und deren Folgen.

      Dass ein expansives Kreditsystem schwerwiegende Konsequenzen für das ökonomische System haben kann, ist nicht ernsthaft zu bestreiten, aber ein anderes Thema, das Rothbard mit reingepackt hat in seinen Satz.

      Wie viel könnte denn in Deutschland oder anderswo NICHT umverteilt werden ohne Verschuldung und hier insbesondere Staatsverschuldung?

      Das soll ruhig mal einer den Leuten erklären.

      DAS – sage ich und nicht:

      Mit einem anderen Geldsystem kann noch mehr umverteilt werden oder dieses oder jenes geschehen.

      Dies nur nebenbei, der Punkt ist:

      Rothbard sagt NICHT, dass „outright spending of new money“ KEINE schwerwiegenden oder sogar schwerwiegenderen Konsequenzen hat bzw. haben kann für das ökonomische System als die Expansion der Kreditgewährung.

      Der Autor unterstellt das aber, wenn er schreibt:

      >… as the quote from Murray Rothbard at the beginning of the paper suggests, a closer look at the functioning of the current credit-money economy reveals that lump-sum monetary transfers to citizens are more benign than credit expansion.>

      Zugegeben, der Autor ist clever, sich mit “suggests” zu begnügen statt “beweisen” zu sagen, aber dennoch:

      Das Zitat von Rothabard gibt das nicht her und „benign“ schon gar nicht.

      Der Mann wird hier missbraucht:

      Als Libertärer hatte er einen Horror vor der Abhängigkeit der Menschen, die mit Verschuldung und speziell Staatsverschuldung verbunden ist – in erster Linie deshalb ist er
      gegen das Schuldgeldsystem.

      Mehr Honig ist aus diesem Zitat nicht zu saugen.

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    Jacques sagte:

    Lieber Herr Stelter, mit diesem Beitrag kann ich nicht konform gehen.
    Die wahre Sandwichgeneration sind doch nicht die 60er Babyboomer sondern die aktuellen Jüngeren U40! Die Babyboomer haben voll von der BRD profitiert, aus heutiger Sicht sind die gebratenen Tauben direkt in deren Mund geflogen. Die heutige U40 Generation kämpft mit Dingen, mit denen sich die Babyboomer nie beschäftigen mussten: unbezahlte Praktika, befristete und prekäre Beschäftigung zugleich, dadurch völlig lose Lebensläufe, dafür deutlich höhere Steuerlast über ihr Erwerbsleben als früher (denken Sie an ihre anderen Beiträge hinsichtlich Spitzensteuersatz), höhere Sozialabgaben, bei Pflegeversicherung wird in Zukunft noch mehr zugegriffen und falls die Eltern ihre Pflege nicht zahlen können sind die Kinder dran, Lebensversicherungen sind obsolet geworden, Lebenshaltungskosten gerade bei Energie durch die Politik immer weiter am steigen, Immobilienpreisen in unerreichbarer Höhe und somit wieder eine Chance weniger Vermögen zu bilden oder wenigstes im Alter mietfrei zu wohnen.

    Hab ich was vergessen?

    Die Babyboomer der 60er konnten dagegen aus dem Vollen schöpfen.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Umsatzsteuer (19 % statt früher 11 oder 14 %), Grundsteuer“reform“ (kommt erst noch massiv), Autobahnmaut (kommt auch noch), Währungsrisiko € bzgl. Wechselkursverlusten gegenüber Hartwährungen, Bargeldeinschränkungen, Wegfall § 23 steuerfreie Wertpapiergewinne nach 1 Jahr, zusätzliche Restriktionen bei Vermietung einer Eigentumswohnung als Kapitalanlage, Dieselentwertung, höhere Versicherungssteuer, höhere Grunderwerbsteuer (war mal bei 2 %, heute bis zu 6,5 %), höhere Wohnnebenkosten für Wasser, Abwasser, Strom, usw., höhere Handwerkerpreise aufgrund unsolider Geldpolitik mit folgender Immobilienflucht, dysfunktionaler ÖPNV mit Ausweichzwang auf eigenen PKW, usw. Die Aufzählung ist nicht abschließend.

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      Michael Stöcker sagte:

      Und nicht zu vergessen die Anbetung der schwarzen Null, die jetzt sogar durch den „Hüther“ des freien Marktes in Frage gestellt wurde.

      Ja, Sie haben richtig gelesen: Es handelt sich dabei tatsächlich um den Zentrallobbyisten der deutschen Großkonzerne sowie des Finanzkapitals, Michael Hüther: https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/defizitregel-oekonomen-stellen-schuldenbremse-infrage/24035638.html

      LG Michael Stöcker

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      @Jacques: „Die Babyboomer der 60er konnten dagegen aus dem Vollen schöpfen.“
      Aber nur deshalb, weil sie viel geleistet haben. Es gab die 40-Stunden -Woche und Samstags war noch Schulunterricht.
      „Aus dem Vollen“ ist auch relativ. Als Student fur man Velo-Solex und kein Auto und Flugreisen waren undenkbar, statt dessen fur man per Anhalter.

      Wer heute z.B. Ingenieurwissenschaften studiert brauch keine unbezahlten Praktika zu machen und die Einstiegsgehälter sind schwindelerregend.
      Sie jammern auf hohem Niveau

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        Jacques sagte:

        @ Ulrich:
        Auch mit Ingenieurwissenschaften muss man mehrere Praktika absolvieren! Ein Pflichtpraktikum ist sowieso meistens mit dabei, das ist dann meistens unbezahlt. Freiwillige Praktika natürlich nicht, aber früher musste man im Grunde gar kein Praktikum absolvieren. Praktika bedeutet mehr Stress im Studium, wo der Notendruck auch deutlich höher ist als früher durch das Bologna System. Früher hat man zum Abschluss bereits den Konzernjob in der Tasche gehabt, man konnte im Grunde frei wählen.

        Heute? Müssen viele Ingenieure froh sein beim Dienstleister zu landen.
        Die Babyboomer der 60er haben sich ins gemachte Nest gesetzt. Wohlgemerkt, Herr Stelter meint damit die in den 60er Jahren Geborenen und nicht die 68er Studenten! Zu behaupten das diese Generation besonders viel geleistet hätte, halte ich für übertrieben im Vergleich zur Kriegs- und Nachkriegsgeneration. Die haben wirklich geleistet!

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger & Jacques

        @ Jacques, ich tendiere zu Ihrer Sicht.

        Aber man muss auch differenzieren.

        >Heute? Müssen viele Ingenieure froh sein beim Dienstleister zu landen.>

        Na ja, nicht alle.

        Aber vermehrt ältere aus der Produktion, die ihren Job verloren haben und zu sehr in „alter Industrie“ spezialisiert sind.

        Es kommt darauf an, was sie können.

        Wer in der Informatik bewandert ist, bekommt problemlos einen Job.

        Aber natürlich soll die Frau auch einen bekommen und natürlich muss auch der attraktiv sein.

        Kurzum:

        Die Ansprüche sind heute insoweit höher.

        Sie MÜSSEN aber z. T. auch höher sein, etwa was die Beschäftigung des Partners betrifft.

        Denn der muss mitarbeiten und will es auch vielfach aufgrund der Ausbildung/Bildung, weil die Ge-samtbelastung zu hoch ist im Umverteilungsstaat.

        Zudem und das sind m. A. n. die größeren Probleme der unter U40 Generation:

        Sie wird in großer Mehrzahl kein Vermögen bilden können und auch nicht mehr so viel erben wie die Ü60. Und die Sicherheit, die der Staat verspricht, ist auch nicht so viel wert, wie sie es einmal war.

        Die U40 Generation ahnt und weiß es:

        Ihre Perspektiven sind schlecht.

      • Avatar
        Ulrich Remmlinger sagte:

        @Jacques
        „als früher durch das Bologna System“ – Sie bringen da was durcheinander. Der frühere Diplomstudiengang wurde durch den jetzigen Bolognaprozess abgelöst.
        Für ein Ingenieurstudium mußte man schon immer ein Industriepraktikum absolvieren, entweder vor oder während des Studiums. Bezahlt bekommt man dabei ein Lehrlingsgehalt.
        @Jacques, @D.Tischer:
        Ich kenne als Ingenieur die Automobilindustrie von innen. GUTE Ingenieurabsolventen bekommen immer eine Anstellung, wenn nicht gerade wegen einer massiven Krise wie 2009 ein genereller Einstellungsstop herrscht. Und mit einem Anfangsgehalt für Absolventen von 4500 Euro kann man gut leben.

        Mit der Bemerkung über die Leistung der Babyboomer meite ich diejenigen, die zwischen 1950 und 1960 geboren sind. Nach 1960 kam der Pillenknick und der Babyboom war zu Ende.

      • Avatar
        markus sagte:

        Die Babyboomer-Generation hatte im Wesentlichen eine Karte, die anderen Generationen nicht zur Verfügung stand und die sie auch voll ausgespielt hat: ihre Gewicht in der Gesellschaft.

        Wieso gab es z.B. in den 80ern und Anfang 90ern massiv neues Bauland für Familien, jetzt aber nicht? Weil der politische Druck da war. Ich bin mir sicher, dass die Babyboomer-Generation den Nachteil, nun zusammen geballt in Rente gehen zu müssen, auch durch ihre geballte politische Macht abzuwälzen versuchen wird. Und es wird ihr zu einem großem Teil auch gelingen bzw. es ist schon geschehen.

      • Avatar
        markus sagte:

        @Ulrich Remmlinger:

        Zu den Gehältern:

        Die Gehälter waren früher einfach anders. Meine Babyboomer-Kollegen haben bei gleicher Qualifikation (prom. Naturwissenschaftler oder Ingenieure), ähnlichem Alter und OHNE mehrjährige Auslandserfahrung bessere Einstellungsgehälter gehabt (bekannter „deutscher“ Konzern). Über Zahlen wurde natürlich nicht geredet, aber die sind gleich aussertariflich eingestellt worden, was bei jemandem meiner Generation völlig außer Frage stand.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ markus
        „bei gleicher Qualifikation (prom. Naturwissenschaftler oder Ingenieure),“
        „(bekannter „deutscher“ Konzern)“

        Wenn das Ihre Qualifikation und der Arbeitgeber ein deutscher Konzern ist, dann dürfte es Ihnen doch aber auch möglich sein, eine angemessene monatliche Sparleistung zu erbringen, oder ?

      • Avatar
        markus sagte:

        @troodon:
        Nicht bei drei Kindern. Und genug für ein Eigenheim auf jeden Fall nicht (wenn man nicht sehr ueppig Eigenkapital hat).

        Ziel des Vergleichs war jedoch das Einkommen von Babyboomern mit dem von nachkommenden Generationen bei vergleichbaren Bedingungen. Und da schneiden die Boomer definitiv besser ab.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ markus
        Okay, bei drei Kinder ist es mit dem Sparen sehr,sehr schwierig. Da kann ich mit ebenfalls drei Kindern ein Lied von Singen. Wünsche Ihnen alles Gute und mögen Ihre Kinder gut gedeihen.
        Aber denken Sie besser nicht zu sehr darüber nach, ob es früher eventuell besser war. Das verdirbt einem evtl. nur die Laune und hilft heute nicht wirklich weiter.
        Und wenn es nach Dr.Verena Brunschweiger geht, sind wir beide sowieso die die größten Umweltverschmutzer, weil wir Kinder in die Welt gesetzt haben. Es kann also immer noch schlimmer kommen…

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