„Schulden und Sühne“

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Guten Morgen. Es ist wieder an der Zeit, zum normalen bto-Rhythmus überzugehen: neue Beiträge also. Die letzten Beiträge meiner Serie Best-of 2016 kommen im Laufe des Januars.

Heute beginnen wir mit einer treffenden Zusammenfassung aus der FINANZ und WIRTSCHAFT, die zeigt, dass der größte globale Schuldenüberhang aller Zeiten und die damit verbundene Schwächung der Wirtschaft kein  Erkenntnisproblem ist. Die Highlights:

  • Acht Jahre sind seit der schlimmsten Rezession der Nachkriegszeit vergangen, und noch immer wirkt die Wirtschaft blutleer. Wachstum ist kaum zu sehen. In der Bevölkerung hat sich Unzufriedenheit festgesetzt, eine Wut gegen die bestehende Ordnung, die sich in allerlei Volksvoten entlädt.“ bto: Die Party ist halt vorbei und es zeigt sich, dass die EU wie auch die Demokratie gute Zeiten brauchen, um akzeptiert zu sein. 
  • Die Gründe für die Blutleere sind ebenfalls vielschichtig; Demografie, sinkende Produktivitätsraten, länderspezifische Faktoren. Doch der Hauptgrund liegt – wie immer nach einer Finanzkrise – im Schuldenüberhang, der auf die Weltwirtschaft drückt: Nie zuvor in der Weltgeschichte lasteten auf der globalen Wirtschaft höhere Schulden als heute.“ bto: Deshalb wird die Anpassung auch so schmerzhaft wie noch nie. Hinzu kommen übrigens die ungedeckten Versprechen an eine alternde Gesellschaft. 
  • Nun sind Schulden nicht per se schlecht. Sofern sie Investitionen in den Kapitalstock finanzieren, sind sie nützlich: Sie erhöhen dauerhaft die Produktivität. Von ökonomisch zweifelhaftem Nutzen sind dagegen Schulden, die laufenden Konsum finanzieren oder die für den Kauf bereits bestehender Vermögenswerte – vor allem Immobilien – benutzt werden.“ – bto: Das ist der Grund dafür, dass nur Immobilien deutlich im Wert gestiegen sind, was auch Piketty in seinem Buch übersehen hat. 
  • Wer für den Kauf bestehender Vermögenswerte Kredit aufnimmt, geht davon aus, dass der Wert dieser Assets steigen wird. Wird diese Meinung von den Banken geteilt, entwickelt sich ein sich selbst verstärkender Boom, in dessen Verlauf immer freimütiger Kredit erteilt wird. Doch dreht sich die Preisentwicklung plötzlich ins Negative, ändert die Mechanik: Kreditnehmer sind überschuldet und nehmen ihre Verpflichtungen nicht mehr wahr, die Gläubiger leiden unter faulen Guthaben, refinanzieren fällige Kredite nicht und fordern den Notverkauf von Vermögenswerten – was deren Preis weiter einbrechen lässt.“ – bto: Irving Fisher: „The Debt Deflation Theory of Great Depressions“. 
  • 2007 lasteten auf der globalen Wirtschaft gemäss Daten von McKinsey aggregierte Schulden im Umfang von 269%  des Welt-BIP – ein Rekord. (…) Die Ursache für die grösste Finanzkrise seit den Dreissigerjahren waren zu hohe private Schulden. Der Sturm war die Quittung für den Boom der vorangegangenen drei Jahrzehnte.“ – bto: richtig!
  • In der Zeit nach 2008 ist (…) das Volumen der auf der globalen Wirtschaft lastenden Schulden ist weiter auf rund 290% des Welt-BIP gestiegen. Sie haben nur da und dort die Bilanz gewechselt: In den USA, Grossbritannien oder Spanien sind Schulden vom Privatsektor auf die Staatsbilanz gewandert. Gleichzeitig haben sich diverse Schwellenländer, allen voran China, einem gewaltigen Kreditboom hingegeben.“ – bto: Wir haben eine durch zu viele Schulden ausgelöste Krise mit noch mehr Schulden bekämpft. 
  • Der zu einem beträchtlichen Teil unproduktive Schuldenüberhang lähmt die globale Wirtschaft. Damit sie wieder Tritt fassen kann, muss dieser Überhang abgebaut werden. Doch wie?“ – bto: Die Frage, um deren Antwort die User von bto und ich schon lange ringen. 
  • Es gibt im Normalfall nur drei Wege, wie Schulden abgebaut, respektive das Verhältnis von Schulden zu BIP gesenkt werden kann. Erstens, indem die Schuldner zurückzahlen. Zweitens, indem die Gläubiger abschreiben. Und drittens, indem die Wirtschaft nominal schneller wächst als das Schuldenvolumen.“ – bto: alles keine erfreulichen Aussichten. 
  • In der ersten verzichtet der Schuldner auf Ausgaben und setzt die gesparten Mittel ein, um Schulden abzustottern. Wenn jedoch viele Schuldner gleichzeitig ihre Ausgaben kürzen, sackt die aggregierte Nachfrage zusammen. Im schlimmsten Fall droht eine deflationäre Depression, mit dem Resultat, dass das BIP schneller schrumpft als der Schuldenberg.“ – bto: wie in Griechenland zu besichtigen. 
  • „Die zweite Option ist der Default: Gläubiger schreiben im grossen Stil ihre Guthaben ab. Doch die Gläubiger sind in erster Linie die ohnehin fragilen Banken. Müssten diese Milliardenguthaben abschreiben, würden zahlreiche Institute kollabieren.“ bto: was nichts anderes bedeutet, als dass die privaten Gläubiger verlieren (über ihre Lebensversicherungen etc.).
  • Wachstum, drittens, ist einfacher gewünscht als erreicht. Die Zentralbanken versuchen mit ihrer Geldpolitik seit 2009 genau das: das nominelle Wachstum durch höhere Inflation zu steigern. Doch die Nullzinspolitik hat den perversen Nebeneffekt, dass sie den Schuldenzyklus weiter anheizt (…) und damit die Basis für die nächste Krise legt.“ – bto: Gegen Wachstum sprechen nicht nur die hohe Verschuldung, sondern auch Demografie und schwache Produktivitätszuwächse. 

bto: Es gibt auch die Version der geordneten Restrukturierung, bei der der Schaden über Steuern verteilt wird. Also eine Einigung von Schuldnern und Gläubigern und eine Finanzierung der Verluste über eine Besteuerung beispielsweise von Vermögen. Dies setzte jedoch erheblichen politischen Mut voraus, der nirgendwo zu sehen ist. Deshalb wird es zu Option 2 kommen, in Europa gepaart mit Austritten aus dem Euro.

  • Eine vierte Option, eine Art Reset-Taste, wird als Tabu betrachtet: Helikoptergeld. Die Bank of Japan, das Fed, die Bank of England und die EZB halten Anleihen ihrer Heimatstaaten im Wert von mehreren Billionen Dollar in ihrer Bilanz. Sie könnten diese theoretisch mit einer Umbuchung zum Verschwinden bringen: indem sie sie zu zinslosen, ewig laufenden Anleihen umwandeln.“ bto: wie auch an dieser Stelle immer wieder diskutiert. So hier: → Monetarisierung: Rettung oder Desaster?
  • Dieser Kniff, eine moderne Version der von Milton Friedman propagierten Helikoptergeldidee, ist mit horrenden Risiken verbunden. Die Finanzmärkte könnten abrupt das Vertrauen in die Währung verlieren, Hyperinflation könnte einsetzen, Politiker könnten sich daran gewöhnen, dass der Staat Geld umsonst kriegt.“ bto: Tja, oder es merkt keiner und wir machen einfach weiter. Japan wird es uns vormachen. 
  • „… die gegenwärtige Ausgangslage ist bestechend klar. Erstens: Nach einem fast vierzigjährigen Kreditboom lastet auf der Weltwirtschaft heute der grösste Schuldenüberhang aller Zeiten. Zweitens: Das Schuldenvolumen ist so gross, dass es die Wirtschaft abwürgt. Das führt, drittens, zur Erkenntnis, dass der Schuldenüberhang abgebaut werden muss.“ bto: ja. Bestechend klar, aber keiner will es wahr haben!

Fazit FuW: „Pick your poison

bto: Leider können wir nicht auswählen, denn dann wäre der geordnete Prozess, wie hier immer wieder gefordert, der beste.

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Schulden und Sühne“, 23. Dezember 2016

16 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    „Die Finanzmärkte könnten abrupt das Vertrauen in die Währung verlieren, Hyperinflation könnte einsetzen, Politiker könnten sich daran gewöhnen, dass der Staat Geld umsonst kriegt.“

    Von daher ja keine monetäre Staatsfinanzierung sondern monetäre Bürgerfinanzierung: http://makronom.de/14-argumente-fuer-ein-zentralbankfinanziertes-buergergeld-17593. Und wo soll bitte schön die Hyperinflation herkommen, wenn DIE FINANZMÄRKTE das Vertrauen verlieren??? Die Finanzmärkte spielen immer mal wieder verrückt; das liegt insbesondere daran, dass dieses finanzkapitalistische Krebsgeschwür hyperinflationär gewuchert ist und die Staaten samt seiner Bürger kujoniert.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Ich will alte Schlachten nicht noch einmal schlagen, deshalb nur so viel dazu:

      Sie können zwar mit guten Gründen für Helikoptergeld als Lösung plädieren, aber nicht das damit verbundene RISIKO unter den Teppich kehren mit einer Differenzierung (Staatsfinanzierung vs. monetäre Bürgerfinanzierung) und dem Hinweis, dass die Finanzmärkte immer mal wieder ver-rücktspielen.

      Warum stimmen Sie das Risiko betreffend nicht einmal A. Turner zu, der hier sehr deutlich geworden ist und gerade DAMIT seine Glaubwürdigkeit gestärkt hat?

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      • Michael Stöcker says:

        Ich stimme doch mit Turner in vielen Punkten überein: Kleine Dosis, kleine Wirkung; große Dosis, große Wirkung. Turner will eine einmalige Entschuldung des Staates über die Zentralbank, womit das private Schuldenproblem aber noch nicht einmal im Ansatz gelöst ist und zudem in Europa gegen bestehendes Recht verstößt.

        Mein Vorschlag: Kleine Dosis = 100 EUR/pro Kopf und Monat als kontinuierlicher und somit für alle planbarer Zugang (pro Jahr ca. 2 % des BIP). Wer hieraus eine Hyperinflation ableiten möchte, der möge mir bitte den volkswirtschaftlichen Wirkmechanismus erläutern, warum sich deshalb der repräsentative Warenkorb zukünftig pro Jahr verdoppeln oder gar versechsfachen könnte bei weitgehender europaweiter Kapazitätsunterauslastung ; denn von Hyperinflation sprechen wir doch erst ab Inflationsraten von 50 % pro Monat.

        Ein wirksames Mittel gegen die Assetinflation ist eine höhere Erbschaftssteuer. Dass es im Kontext eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes zu einer moderaten Erhöhung der Inflation kommen kann, das habe ich nie bestritten, sondern immer wieder darauf hingewiesen. Daran ist auch gar nichts schlecht; denn nun hätte die EZB tatsächlich einen Grund, die Refinanzierungssätze zu erhöhen und somit das Zinsniveau wieder auf einen längerfristig positiven Pfad zu führen, mit dem auch die Verwalter der Illusionen (aka Banken und Versicherungen) leben können.

        LG Michael Stöcker

  2. Paul Ziegler says:

    Derzeit tätigen Anleger (private und institutionelle) allerlei törichte Investments, wie etwa Aktien zu KGVs von 30 und mehr, Immobilien mit Mietmultiplikatoren von 50 und mehr, etc. im Vertrauen auf den (zumindest nominellen) Wertzuwachs. Banken fördern dies mit allerlei Krediten zu Niedrigstzinsen. Dies funktioniert nur solange, bis entweder wenn die Zinsen steigen (und das tun sie bereits erheblich für längerfristige Finanzierungen) oder die Marktpreise der Kreditsicherheiten sinken (aus welchen Gründen auch immer).
    Dann wird in ziemlich kurzer Zeit das ganze Geld, das in diversen Finanzanlagen „gebunkert“ ist, in andere Märkte fließen, höchstwahrscheinlich dann in Gütermärkte, insbesondere wenn dann die Preisinflation schon gewisse Höhen erreicht hat (wie jetzt in Deutschland schon fast die berühmten 2%). Dann haben wir eine Hyperinflation, ausgelöst durch Vertrauensverlust auf den Finanzmärkten. (ad Hr. Stöcker: In Ihrer Analyse dieser stimme ich Ihnen zu, glaube aber dass der Grund für das Wuchern die Fokussierung der Notenbanken auf Assetpreise ist und Banken daher Wertpapiere und Immobilien zu zu geringen Sicherheitsabschlägen kreditieren. Das erklärt für mich, warum die Zentralbanken in aller Welt koste es was es wolle die Assetpreise in den aktuellen Höhen halten wollen, die FED hat ihre erste Intervention 2008 auch nicht grundlos „Troubled Asset Relief Program“ genannt.)
    Wie ja hier oft thematisiert, wenn der Preis von Vermögenswerten stark über dem historischen KGV liegt, ist es nur eine Frage der Zeit, bis entweder der Preis nach unten (deflationär), oder Rendite nach oben gehen (inflationär), bei Unternehmen wären dies Preise für alles mögliche, bei Immobilien die Mieten, bei Anliehen die Zinsen.

    Wie Helikoptergeld hier eine Art „4. Weg der Schuldenrestukturierung“ oder „Reset“ darstellen soll verstehe ich überhaupt nicht. Zusätzliche Mittel (durch QE, TARP, etc.) an Banken sind ganz überwiegend in Vermögensmärkte geflossen. Regierungen und Bürger geben Geld ganz überwiegend für Konsum aus, es würden also erhebliche zusätzliche Mittel in die Gütermärkte fließen. Dann würden kurzfristig wahrscheinlich die Unternehmensgewinne steigen (die KGVs also sinken), und nochmehr Geld in die dann plötzlich wieder attraktiven Assets fließen. Diese kurzfristige Margenerhöhung wäre aber alles andere als nachhaltig, sodass ab dann immer größere Helikoptergeld-Maßnahmen folgen müssten und werden. Ein „pump priming“ von Wirtschaftswachstum durch Konsum hat noch nie funktioniert, man erinnere sich die 1970er Jahre.
    Falls (wie NICHT gewünscht) Helikoptergeld in signifikanter Höhe zur Schuldentilgung verwendet werden würde (Abschreiben der Staatsschulden über die Notenbank-Bilanzen wäre am Ende das gleiche), wäre dann das „Verschuldungspotenzial“ wieder gegeben und es würden kurze Zeit später wieder hohe Kredite aufgenommen, von Staat und privat, und der Effekt wäre derselbe. Man müsste also Banken gleichzeitig sehr strenge Regeln der Kreditvergabe auferlegen, was unweigerlich zum abrupten Sinken der Vermögenspreise führen würde und daher zum deflationären Szenario von oben.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Einen Teil meiner Antwort finden Sie bei Herrn Tischer weiter oben. Hier nun der Weg der Schuldenreduktion:

      Wenn man die Geldvermögen nicht fiskalisch umverteilen möchte/kann, dann gibt es noch das Kreuz der Zentralbank, an das man die Schulden dieser Welt festnageln kann. Womit werden finanzielle Schulden getilgt? Mit dem gesetzlichen Schuldentilgungsmittel, das ausschließlich von der Zentralbank stammt. Das Kreuz der Zentralbank ist ihre Bilanz mit einer linken (Aktiva)und einer rechten Seite (Passiva). Da eine Zentralbank in ihrem eigenen gesetzlichen Zahlungsmittelstandard NIEMALS illiquide werden kann, kann sie hiervon grundsätzlich so viel erzeugen, wie es ihr sinnvoll erscheint (macht sie ja jetzt schon über QE). Im Falle eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes bucht sie auf der Aktivseite eine ewige zinsfreie Forderung (auch Staatsschulden werden stets revolviert aber nicht zurück gezahlt) und auf der Passivseite bei Barauszahlung den Banknotenumlauf oder aber etwas moderner und mit weniger Druck- und Transportaufwand verbunden die noch zu schaffende Position „Bargeldloses Bürgergeld in Umlauf“. Der Unterscheid zum klassischen QE: QE4P gelangt unmittelbar in den Geldkreislauf der Privaten, während traditionelles QE den Geldkreislauf der Banken nicht verlässt. Wir haben es eben mit einem zweistufigen Geldsystem zu tun.

      Da eine Auszahlung/Gutschrift dieses Bürgergeldes über die Finanzämter organisiert werden sollte, können fällige Steuerschulden unmittelbar verrechnet werden; ebenso wie vorliegende Kontopfändungen u. ä. Darüber hinaus ist es die freie Entscheidung des mündigen Bürgers, ob er zuerst seine Schulden reduziert oder aber weiter auf Pump leben möchte.

      Und wie entschuldet sich hierbei der Staat? Durch höhere Steuereinnahmen, da höhere Umsätze/Gewinne, höhere Beschäftigung und/oder geringere Kreditabschreibungen. Und dann kann der Fiskus auch noch sehr sozialverträglich die Grenzsteuersätze auf alte CDU-Werte erhöhen (56 %); es müssen ja nicht gleich die relativ hohen 83% der 70er Jahre in GB sein. Und nicht zu vergessen: die Erbschaftssteuer.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Paul Ziegler says:

        >Da eine Auszahlung/Gutschrift dieses Bürgergeldes über die Finanzämter organisiert werden sollte, können fällige Steuerschulden unmittelbar verrechnet werden; ebenso wie vorliegende Kontopfändungen u. ä. Darüber hinaus ist es die freie Entscheidung des mündigen Bürgers, ob er zuerst seine Schulden reduziert oder aber weiter auf Pump leben möchte.Und wie entschuldet sich hierbei der Staat? Durch höhere Steuereinnahmen, da höhere Umsätze/Gewinne, höhere Beschäftigung und/oder geringere Kreditabschreibungen.<
        Wie oben beschrieben, Konsumausgaben sind immer unproduktiv. Es ist unmöglich, nachhaltiges Wirtschaftswachstum (im Sinne von Produktivitätswachstum, das sich in höheren Steuern niederschlägt) durch erhöhten Konsum zu erzeugen. Tatsächlich würde es allerdings bei steigender Güterpreisinflation höhere Steuereinnahmen geben – das nennt man kalte Progression, die aber wiederum nur zur Umverteilung von Privaten zum Staat führt. Und nachdem beide überwiegend konsumptiv "investieren", macht auch das keinen Unterschied.

        Aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass es tatsächlich bald zu Helikoptergeld kommen wird: 100€ pro Kopf und Monat mehr läuft den gleichen Gütern nach, die Güterpreisinflation steigt. Daraufhin steigen die Margen von den meisten Unternehmen, die Gewinne, die Löhne und die Kursziele und Bewertungen, Mieten und Immobilienpreise. Im Gleichschritt nimmt das Kreditvolumen (durch gestiegene Assetpreise "gedeckt") auch weiter zu. Und dann? Mit den 100 € bekommt man jetzt weniger als zuvor, ebenso mit dem Geld aus Sparkonto, Lebensversicherung, Rente und Hartz4. Das würde auch noch der allerletzte Geld-Sparer merken, noch mehr Geld würde in die Assetmärkte fließen zur Inflationssicherung. Es entstehen leerstehende Häuser mit beheiztem Pool und Golfplatz, Manufakturen für nutzloses Allerlei in Premium-Qualität, je nach Finanzminister evt. auch Brücken ins Nichts. Gleichzeitig würden die Sozialausgaben (stark!) ansteigen, an Schuldentilgung des Staates ist nicht zu denken. Also mehr "Bürgergeld", hat ja so gut geklappt und bald sind irgendwo Landtagswahlen. Die Spirale dreht sich weiter.
        Und will man das ganze mal wieder stoppen, hängen die Preise für alles mögliche im Himmel und haben sich von der Produktivität völlig entkoppelt. Düstere Vision für mich.

        Der Cantillon-Effekt (bezugnehmend auf Ihren oben verlinkten Makronom-Artikel) wäre unter diesen Umständen noch viel ausgeprägter: Zwar hat das neue Helikoptergeld keinen Erstnutzer-Effekt, allerdings würden die aktuell sehr ungleich verteilten Vermögen profitieren. Diejenigen, die heute Sachvermögen in Aktien, Immobilien, etc. halten würden von den stark steigenden Bewertung massiv profitieren, während für alle anderen nur der Inflationseffekt spürbar wird. Selbst wenn jemand sofort bei Zuteilung des "Bürgergeldes" in Sachvermögen investieren würde (mit 100 € gar nicht mal so einfach), würde er einem Sachvermögens-Besitzer sein bereits jetzt sehr hoch bewertetes Asset abkaufen und somit unmittelbar Kaufkraft zu diesem transferieren. Ganz zu schweigen von denjenigen, die wie im Sinne des Erfinders ihre Geldgeschenke konsumieren. Diese haben es mit fortlaufender Zeit immer schwieriger, werthaltige Assets zu vernüftigen Bewertungen zu kaufen.

      • Michael Stöcker says:

        „Wie oben beschrieben, Konsumausgaben sind immer unproduktiv.“

        Vorsicht mit Allaussagen. Konsum ist auch Voraussetzung für Produktivität (mancher mindert auch die Produktivität, mancher ist durchaus kurzfristig leistungssteigernd: http://www.wiwo.de/erfolg/trends/drogen-am-arbeitsplatz-so-pushen-sich-manager-nach-oben/13049470.html), kann zu einer besseren Auslastung der Kapazitäten beitragen und verbessert somit aufgrund der Fixkostendegression die Gewinnsituation.

        „Es ist unmöglich, nachhaltiges Wirtschaftswachstum (im Sinne von Produktivitätswachstum, das sich in höheren Steuern niederschlägt) durch erhöhten Konsum zu erzeugen.“

        Produktivitätswachstum muss nicht unbedingt zu höheren Steuereinnahmen führen; es kann auch zu niedrigeren Preisen führen. Und: Was ist für Sie nachhaltiges Wirtschaftswachstum? Auch hier empfehle ich Steve Keen: https://www.youtube.com/watch?v=f8KhlejNwyU.

        „das nennt man kalte Progression, die aber wiederum nur zur Umverteilung von Privaten zum Staat führt.“

        Es handelt sich immer um eine Umverteilung von Privaten zu Privaten; der Staat ist nur der Distributor.

        „100€ pro Kopf und Monat mehr läuft den gleichen Gütern nach, die Güterpreisinflation steigt.“

        Dies gilt nur bei Vollbeschäftigung an der Kapazitätsgrenze. Davon sind wir in Europa weit entfernt.

        „Mit den 100 € bekommt man jetzt weniger als zuvor, ebenso mit dem Geld aus Sparkonto, Lebensversicherung, Rente und Hartz4.“

        Nicht so statisch denken. Höhere Preise bedeuten auch höhere Unternehmensgewinne, bedeuten höhere Zinsen, bedeuten höhere Überschussbeteiligungen bei den Verwaltern der Illusionen.

        „Das würde auch noch der allerletzte Geld-Sparer merken,“

        Das glaube ich kaum. Es merken ja noch nicht einmal diejenigen, die es eigentlich wissen müssten: http://makronom.de/die-inflations-ghostbuster-sind-zurueck-18704.

        „Gleichzeitig würden die Sozialausgaben (stark!) ansteigen“

        Das verstehe ich nicht. Wie sehen Sie hier den Wirkmechanismus?

        „Zwar hat das neue Helikoptergeld keinen Erstnutzer-Effekt, allerdings würden die aktuell sehr ungleich verteilten Vermögen profitieren.“

        Wieso hat dies keinen Erstnutzereffekt? OK: Für unsere Ackermänner sicherlich nicht. Steigende Preise werden zu einem höheren Zinsniveau führen. Höhere Zinsen reduzieren den Gegenwartswert vieler Assets. Höhere Erbschaftssteuern bewirken ebenfalls eine Assetdeflation.

        LG Michael Stöcker

  3. Dietmar Tischer says:

    Alles richtig und dennoch einige minimalistische Anmerkungen:

    >Die Ursache für die grösste Finanzkrise seit den Dreissigerjahren waren zu hohe private Schulden. Der Sturm war die Quittung für den Boom der vorangegangenen drei Jahrzehnte.“ – bto: richtig!>

    Von einem BOOM der vorangegangenen drei Jahrzehnte kann nun wirklich nicht die Rede sein. In den vergangenen drei Jahrzehnten hat man durch steigende Verschuldung Nachfragedefizite ausgeglichen, um den Output der entwickelten hochproduktiven Volkswirtschaften zu absorbieren und somit Arbeitslosigkeit und in der Folge soziale und politische Destabilisierung zu vermeiden. Das ist hervorragend gelungen. Jetzt wird die Rechnung dafür serviert und keiner will zahlen.

    >Wenn jedoch viele Schuldner gleichzeitig ihre Ausgaben kürzen, sackt die aggregierte Nachfrage zusammen. Im schlimmsten Fall droht eine deflationäre Depression, mit dem Resultat, dass das BIP schneller schrumpft als der Schuldenberg.“ – bto: wie in Griechenland zu besichtigen. >

    In Griechenland ist das BIP von 2010 an geschrumpft, zuletzt ist es wohl bescheiden gestiegen. Wenn ich es richtig sehe, hat – durch die Gläubiger erzwungen – ursächlich nur der Staat seine Ausgaben gekürzt. Inwieweit in der Folge andere griechische Schuldner ihre Ausgaben gekürzt haben bzw. kürzen mussten, kann hier offen bleiben. Es genügt für deflationäre Tendenzen jedenfalls schon, wenn ein HINREICHEND großer Schuldner, der Staat eben, seine Ausgaben kürzt. Genau deshalb stemmen sich Regierungen in Italien, Frankreich und Portugal mit Händen und Füßen gegen die Konsolidierung der Staatsausgaben.

    Das ist nachvollziehbar.

    Nicht nachvollziehbar ist, dass man durch ausufernde Fiskalpolitik eine Lösung der Schuldenproblematik erreicht will. Man kann damit – auf Zeit – nur die erforderlichen Anpassungsleistungen aufschieben. Politik gerät so in der jämmerlichen Situation, ihr Gestaltungsvermögen aufgegeben zu haben. Die Menschen quittieren das mit Radikalisierung. Das ist mehr oder weniger der Mechanismus, dem gegenwärtig praktisch alle entwickelten Volkswirtschaften unterworfen sind.

    >Das führt, drittens, zur Erkenntnis, dass der Schuldenüberhang abgebaut werden muss.“>

    Zu der Erkenntnis führt es nicht. Führte es dazu, würden die Erkennenden auf den Abbau hinarbeiten (wenn sie rational handelten). Es führt zu der Erkenntnis, dass der Schuldenüberhang abgebaut werden WIRD. Mit dieser Erkenntnis setzt sich niemand unter Zugzwang.

    Abseits dieser Anmerkungen:

    Wenn das, was hier in FINANZ und WIRTSCHAFT dargelegt und von den POLIT-und MACHER-ELITEN als schlüssige Situationsbeschreibung zur Kenntnis genommen wird (wovon man ausgehen kann), dann fragt man sich, warum die Thematik nicht HANDLUNGSRELEVANT diskutiert wird.

    Mir scheint, dass wir ein besonderes Stadium gesellschaftlich pathologischer Deformation zu konstatieren haben.

    Antworten
  4. Michael Stöcker says:

    „Mir scheint, dass wir ein besonderes Stadium gesellschaftlich pathologischer Deformation zu konstatieren haben.“

    So ist es. Und diese Deformation spiegelt sich insbesondere in einer widernatürlichen germanischen Erwerbskunst wider, die Aristoteles als Chrematistik brandmarkte. Neudeutsch heißt das dann Merkantilismus oder auch Dagobert-Obsession: http://vignette1.wikia.nocookie.net/disney/images/e/ef/Finanzen.jpg/revision/latest?cb=20140828163553&path-prefix=de

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    >Wer hieraus eine Hyperinflation ableiten möchte, der möge mir bitte den volkswirtschaftlichen Wirkmechanismus erläutern, warum sich deshalb der repräsentative Warenkorb zukünftig pro Jahr verdoppeln oder gar versechsfachen könnte bei weitgehender europaweiter Kapazitätsunterauslastung ; denn von Hyperinflation sprechen wir doch erst ab Inflationsraten von 50 % pro Monat.>

    Wirr und wieder nichts.

    Ich mache Ihre Position so stark, wie man sie nur machen kann, UNABWEISLICH sogar – und das bei VOLLER Akzeptanz des Risikos.

    Das geht so:

    Wenn es einmal als Mechanismus der Geldschöpfung akzeptiert ist, steht Helikoptergeld praktisch UNBEGRENZT und KOSTENLOS zur Verfügung. Es ist daher so etwas wie ein perpetuum mobile, um Interessen zu befriedigen. Es wird genutzt werden und zwar mehr als die Gelschöpfung mit Verschuldung betrieben wird, die immerhin noch Restriktionen wie Bonität aufweist. Helikoptergeld wird HEMMUNGSLOS genutzt werden. Alle Ihre konzeptionellen Hürden wie Regeln, institutionelle Barrieren oder die Kontrolle der Kontrolleure, die die Entscheider im Zaum halten sollen, helfen da nicht.

    Das denkbar HÖCHSTE Risiko also, dass die Geldmenge eine vorhandene oder sogar steigende Gütermenge so sehr überschießt, dass Geld zusehends an Wert verliert bis hin zur Hyperinflation. Das IST der Mechanismus.

    Und dennoch sollte man es ausprobieren.

    Hier die Begründung:

    Die gängige und fortgeführte „Lösung“ aus der Verschuldung zu kommen, ist mehr Verschuldung. Das führt NOTWENDIGERWEISE zum Crash. Notwendigerweise heißt: Es gibt KEINE Chance, dass es nicht zum Crash kommt (immer vorausgesetzt, dass es keinen geordneten Entschuldungsprozess gibt, was nach der Interessenlage so ist – auch notwendigerweise so ist.)

    Das Risiko, das ich oben für Helikoptergeld kurz dargelegt habe, ist eine RISIKO, aber die ungehemmte Geldschöpfung unterliegt keiner inhärenten Notwendigkeit wie der Verschuldungs-Crash. Es gibt also auch eine CHANCE, dass mit Helikoptergeld keine hemmungslose Geldschöpfung verbunden ist.

    Das ist die ÜBERLEGENHEIT dieser Alternative gegenüber der verfolgten Verschuldungslösung, um dem Crash zu entgehen.

    Ich schätze die Chance wie dargelegt als sehr, sehr gering ein. Sie liegt irgendwo bei null.

    Aber es GIBT sie.

    Das ist der Unterschied, mit dem das Plädoyer für Helikoptergeld begründet werden kann.

    Es ist argumentativ stark.

    Aber nur argumentativ, nicht empirisch.

    Die empirische Basis ist Hoffnung, mehr nicht.

    Antworten
  6. Paul Ziegler says:

    >Alle Ihre konzeptionellen Hürden wie Regeln, institutionelle Barrieren oder die Kontrolle der Kontrolleure, die die Entscheider im Zaum halten sollen, helfen da nicht.<

    Selbst wenn die konzeptionellen Hürden helfen würden, das Helikoptergeld als solches zu begrenzen, auch das würde nichts helfen. Aktuell kommt nur rd. 5-10% des Geldmenge überhaupt von Zentralbanken, der Rest von Geschäftsbanken. Warum sollte sich das unter Helikoptergeld-Bedingungen ändern? Wird die Basisgeldmenge erhöht, erhöht sich auch die umlaufende Geldmenge. Die steigenden Bewertungen von Assets werden schon dafür sorgen, insb. in inflationärem Umfeld.
    Allerdings ist die Basisgeldmenge schon seit 2009 viel stärker als die umlaufende Geldmenge angestiegen, es gibt also eine Verzögerung: Die QE-Mittel sind in Vermögenswerten gebunkert, solange sich Investoren mit Minmalstrenditen auf alles und jedes zufrieden geben. Ich wäre nicht überrascht, wenn der aktuelle, noch leichte Anstieg der Güterpreisinflation und insb. der Zinsen das ändern wird. Kein privater Investor kauft Assets mit Renditen unterhalb der Güterpreisinflation, insb. bei steigenden Refinanzierungszinsen, kein Sparer lässt es (freiwillig) zu negativen Realzinsen auf der Bank. Erst werden langlebige Konsumgüter gekauft, dann immer kurzlebigere und alltäglichere. Die umlaufende Geldmenge wird sich erhöhen, mit oder ohne "QE4P".
    In den 1920ern und 1970er stieg die Güterpreisinflation auch lange nach dem Anstieg der Basisgeldmenge, aber dann rasch und plötzlich. Wie war das nochmal mit der Ketchupflasche?

    Ansonsten stimme ich mit Hrn. Tischer in allen Punkten überein: Helikoptergeld ist brandgefährlich, aber es wird kommen als letztes Aufgebot.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Aktuell kommt nur rd. 5-10% des Geldmenge überhaupt von Zentralbanken, der Rest von Geschäftsban-ken. Warum sollte sich das unter Helikoptergeld-Bedingungen ändern?>

      Weil man mit Helikoptergeld PROBLEMLOS(er) Interessen bedienen, d. h. den Menschen Kaufkraft verlei-hen kann als mit Geld, dessen Schaffung an die Interessen der Geschäftsbanken gebunden ist, also Restriktionen unterliegt.

      Der Anteil des von der Zentralbank generierten Helikoptergeldes würde im Fall seiner Einführung und grundsätzlichen Akzeptanz daher kontinuierlich steigen. Und irgendwann würde auch die Umlaufgeschwindigkeit erheblich und immer schneller steigen.

      Helikoptergeld ist wunderbar, wenn dessen Generierung der „reinen Vernunft“ unterliegen würde. Die Ent-scheider können aber nicht nach Vernunftgründen für ein übergeordnetes stabiles Ganzes entscheiden, sondern sie müssen Partikularinteressen bedienen, weil ihre Entscheider-Position von Partikularinteressen abhängt.

      Antworten
    • Michael Stöcker says:

      „Aktuell kommt nur rd. 5-10% des Geldmenge überhaupt von Zentralbanken, der Rest von Geschäftsbanken.“

      Sind Sie sich hier sicher? Nur das Bargeld ist Bestandteil der relevanten Geldmengen M1/M2/M3. Eine Erhöhung des Bargeldumlaufs ändert aber nicht M1/M2/M3; dazu müssten tatsächlich die Hubschrauber sprichwörtlich zum Einsatz kommen. Heben wir am Automaten Bargeld ab, reduzieren sich unsere Sichteinlagen bei der Bank (Transformation von Giralgeld in Zentralbankgeld). Wenn sie sich die Grafik der Bundesbank anschauen, dann werden Sie feststellen, dass sich bei einer Erhöhung bzw. Senkung des Bargeldumlaufs lediglich die Linie zwischen Bargeld und Sichteinlagen nach oben oder unten verschiebt. M1 bleibt dabei konstant: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Bilder/Geld_und_Geldpolitik/die_geldmenge_euro_waehrungsgebiet.jpg?__blob=poster&v=6

      „Wird die Basisgeldmenge erhöht, erhöht sich auch die umlaufende Geldmenge.“

      Bei Helikoptergeld ja, bei klassischem QE nein.

      „Die QE-Mittel sind in Vermögenswerten gebunkert, solange sich Investoren mit Minmalstrenditen auf alles und jedes zufrieden geben.“

      Wo soll hier etwas gebunkert sein? QE ist ein asset-swap: http://noahpinionblog.blogspot.de/2013/10/of-course-monetary-policy-is-asset-swap.html

      „In den 1920ern und 1970er stieg die Güterpreisinflation auch lange nach dem Anstieg der Basisgeldmenge, aber dann rasch und plötzlich.“

      20er: Kriegsfinanzierung und Reparationszahlungen als Ursache (Monetisierung via Zentralbank; denn zu diesem Zweck wurden ZBen gegründet: http://www.handelszeitung.ch/konjunktur/ubs-praesident-weber-mehr-spielraum-fuer-notenbanker-795596). 70er Jahre: Lohninduziert sowie radikale Änderung der terms of trade aufgrund des OPEC-Kartells. Alles andere sind illustre Fantasien einen naiven Monetarismus: https://soffisticated.wordpress.com/tag/kreditmultiplikator/.

      „Helikoptergeld ist brandgefährlich, aber es wird kommen als letztes Aufgebot.“

      Nur wenn es als letztes Aufgebot kommt, ist es brandgefährlich. Aber dann brennt die Hütte so oder so schon.

      LG Michael Stöcker

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  7. Joachim Brunold says:

    Um im Jargon der linksdominierten deutschen Politik zu bleiben: Bürgergeld für Alle ist ungerecht. Es kann nur Bürgergeld beantragen, wer Schulden hat. Denn nur der ist belastet und muss seine Schulden abtragen. Die Gewährung von Bürgergeld wird von einer eigens eingerichteten Bürgergeldstelle vorgenommen. Da Bürgergeld nur für die Tilgung der eigenen Schulden eingesetzt werden darf, kontrolliert die Bürgergeldstelle die korrekte Verwendung des Bürgergeldes.

    Und weiter: Bürgergeld ist ein Schritt in die richtige Richtung, muss jedoch umbedingt mit dem bedingungslosen Grundeinkommen gekoppelt werden. Welches aus Steuergeld, sprich aus über die Zentralbank aufgenommenen Krediten (o. ä. Instrumenten) finanziert wird.

    Die Zukunft ist sicher, der Bürger gibt mehr aus, der Staat sorgt dafür, dass insbesondere alle `bisher benachteiligten´ Mitbürger mehr ausgeben können. Die Wirtschaft wird angekurbelt (wobei die Investitionsgüterindustrie etwas hinterherhinken wird) und alles, alles wird gut.

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    • Michael Stöcker says:

      Mit einem BGE wird natürlich nicht alles gut. Arbeit hat auch eine fundamental soziale Integrationsfunktion. Ein BGE wäre die billige Abspeisung der Ausgestoßenen, damit der Pöbel nicht aufbegehrt (Tittytainment). Hier vereint sich der linke Gutmensch mit dem neoliberalen Zeitgeist: http://www.zeit.de/politik/2016-04/bedingungsloses-grundeinkommen-schweiz-volksinitiative-neoliberalismus-humanismus/seite-2.

      Vor dem Gesetz sind alle gleich. Von daher gibt es ein niedriges zentralbankfinanziertes Bürgergeld selbstverständlich für ALLE Bürger von Euroland; auch für Hoeneß & Co, die übrigens ebenfalls Schulden haben können, weil sie noch einen Kredit für ihre Drittvilla abzahlen müssen oder einen Effektenlombardkredit zum Margin Trading von ihrer Bank gewährt bekommen haben. Die nationalen Regierungen haben es dann in der Hand, ob sie die Steuerprogression ein wenig nachbessern, um den Finanzhaushalt auf dann noch stabilere Füße zu stellen.

      LG Michael Stöcker

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