Coronavirus: Folgt nun Lehman 2.0?

Dieser Kommentar von mir erschien bei manager magazin und gehört zum HOTSPOT CORONOMICS:

Am Aschermittwoch forderte ich mit Blick auf die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus einen ökonomischen Notfallplan. Am Tag darauf telefonierte ich mit meiner Bank, um meinen eigenen Notfallplan in Gang zu setzen. Die Absicherung meines Aktienportfolios gegen den – damals noch unwahrscheinlich erscheinenden – Fall, dass wir es nicht mit einem „V“, sondern eher mit einem lang gestreckten „U“ zu tun bekommen.

Mein Banker war nicht begeistert, schließlich waren die wirtschaftlichen Folgen weiterhin höchst unsicher, und der DAX hatte gegenüber dem Höchststand am 19. Februar bereits rund 1000 Punkte verloren. Wäre es nicht eher der Zeitpunkt, um wieder in den Markt zu gehen? Nach einigem Hin und Her beschlossen wir den Kauf von Verkaufsoptionen zu 11.000 Punkten mit Verfallsdatum 17. April 2020. Diese Optionen, weil deutlich out-of-the-money, also deutlich unter dem damaligen DAX-Niveau von rund 12.500 Punkten und mit verhältnismäßig kurzer Restlaufzeit, waren sehr billig. Wir beide gingen davon aus, dass mein Geld praktisch verloren ist, aber so ist es, wenn man sich absichert. Es war eine Versicherung. Wir nannten es „Armageddon-Put“.

Jetzt, weitere gute 1000 Punkte im Dax tiefer, ist es keineswegs mehr so unmöglich, bis zum 17. April unter 11.000 Punkten zu landen. Rund fünf Prozent fehlen noch und in sechs Wochen kann viel passieren. Natürlich läuft die Zeit gegen mich, wie immer beim Kauf von Optionen, sodass ich sie bald verkaufen werde. Bisher hat die Versicherung aber funktioniert. Sehr gut sogar.

Wars das?

Flossbach von Storch hat den Infektionsverlauf in China untersucht und kommt zu der ermutigenden Feststellung, dass dort das Schlimmste hinter uns liegt. Es gibt weniger Neuinfektionen als Geheilte, wir nähern uns wieder der Normalität. Träfe das zu, könnte die Wirtschaft in China gerade noch rechtzeitig in Gang kommen, um das Schlimmste für die weltweit vernetzte Wirtschaft zu vermeiden. Es käme zu einer raschen, fast schon v-förmigen Erholung in China, und der Rest der Welt würde sehr knapp an der Rezession vorbeischrammen.

Dies setzt allerdings voraus, dass das Virus nicht auch in anderen Ländern die Wirtschaft lahmlegt. Nomura rechnet in einer Studie vor, dass bis zu 890.000 Menschen weltweit infiziert werden könnten, wenn außerhalb Chinas nur halb so rigoros gegen das Virus vorgegangen wird. Gerade die USA könnten hier ein negativer Ausreißer sein, verfügen doch viele Amerikaner über keine Krankenversicherung, während illegale Migranten sich ebenfalls nicht trauen, zum Arzt zu gehen. Eine ideale Brutstätte für die Verbreitung des Virus. Kommt es zu einer Epidemie in den USA, ist die Rezession garantiert.

Noch überwiegt die Hoffnung. Mit Blick auf frühere Epidemien rechnen Berater der Boston Consulting Group vor, dass die Wirtschaft sich durchweg rasch erholt hat. Das „V“ ist demnach die typische Form von Rezessionen, ausgelöst durch einen exogenen Schock wie einen Virus. So war es bei SARS, bei der Hongkong-Grippe von 1958 und selbst bei der Spanischen Grippe 1918. Warum sollte es heute anders sein?

Spielen die Börsen „L“?

Doch warum befinden sich die Börsen dann im Sturzflug? Eigentlich müssten doch beherzte Käufer, die sogenannten „starken Hände“ schon längst zugreifen. Galten Aktien – namentlich in Europa – vor vier Wochen noch als alternativlos und vor allem als relativ billig zu Anleihen, so hat sich daran nichts geändert.

In der Tat liegt die Dividendenrendite von Aktien durch die Bank weg über der Rendite, die mit Staatsanleihen zu erzielen ist: in den USA mittlerweile rund ein Prozentpunkt, in Europa bis zu vier Prozentpunkte, wenn man den gesamten Markt betrachtet. Und auf der Ebene der Einzelaktien durchaus mehr. Und vor die Wahl gestellt, der Republik Österreich für 100 Jahre Geld zu unter einem Prozent pro Jahr zu leihen oder die Aktie von beispielsweise Nestlé zu besitzen, fällt mir die Entscheidung nicht schwer.

Allein: Die Käufer kommen nicht – beziehungsweise: Wenn sie kommen, dann hält ihre Kraft, den Markt zu drehen, ein paar Tage oder Stunden. Dies spricht dafür, dass die Börsen aus anderen Gründen als nur dem Virus skeptisch sind. In der Tat neigen zyklische Aktien, Rohstoffe und die Schwellenmärkte schon deutlich länger zur Schwäche. Die Zinsen auf Staatsanleihen fallen in den USA seit dem Sommer 2018. Während die Börsianer eine Party feierten – 2019 war ein sehr gutes Jahr – kamen von hier lange vor Corona echte Warnsignale.

Diese Warnsignale sind durchaus ernst zu nehmen. Und sie weisen alle in die gleiche Richtung. Auf eine Welt, die immer mehr dem japanischen Weg in Stagnation und deflationären Tendenzen folgt. Die Indikatoren dafür sind zahlreich:

  • Der Aufschwung seit der Finanzkrise war lang, aber schwach. In den USA, aber vor allem in Euro-Europa, lagen die Wachstumsraten eindeutig unter früheren Werten und unter dem Vorkrisentrend,
  • dies trotz eines noch vor Kurzem für undenkbar gehaltenen monetären Feuerwerks der Notenbanken
  • und trotz weiter deutlich wachsender Verschuldung, nicht mehr der privaten Haushalte, dafür der Staaten und Unternehmen;
  • mit absehbar noch geringeren Wachstumsraten angesichts des als „demografischen Wandel“ harmlos; umschriebenen Niedergangs der Erwerbsbevölkerungen und unzureichenden Produktivitätszuwächsen.
  • mit gleichzeitig verfallender Globalisierung angesichts zunehmenden Protektionismus und abnehmender Kooperationsbereitschaft;
  • steigende politische und soziale Spannungen, von der Außengrenze der EU über den Konflikt der USA mit dem Iran bis zu wachsender Ausländerfeindlichkeit.

In diese Gemengelage trifft nun der exogene Schock aus China. Allein dies spricht bereits für eine deutlich tiefere und längere Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Aktivitäten. Ein „V“ wird das also nicht, mindestens ein „U“.

Fallen die Börsen weiter, deutet das noch mehr darauf hin, dass kein „U“ gespielt wird, sondern ein „L“. Also ein Einbruch, von dem wir uns nicht so schnell wieder erholen. Das ist ein ernst zu nehmendes Szenario. Was vor allem daran liegt, dass – allen Beteuerungen der Politiker und Notenbanker zum Trotz – die Finanzstabilität keineswegs besser ist als vor elf Jahren. Die Medizin der Notenbanken ist in den vergangenen Jahren nämlich nicht beim Patienten Realwirtschaft angekommen, sondern überwiegend in die Spekulation geflossen:

  • Unternehmen haben sich massiv verschuldet.
  • Diese Verschuldung hat zu einer deutlichen Abnahme der Kreditqualität geführt. Sowohl in Europa wie in den USA dominieren die Unternehmen, die gerade noch Investment-Grade (BBB) sind.
  • Deshalb ist der Zinsdeckungsgrad heute tiefer als vor der Krise 2009, obwohl die Zinsen deutlich tiefer sind.
  • Diese Schulden wurden überwiegend nicht für Investitionen verwendet – warum sollte man auch investieren, angesichts von Überkapazitäten und geringem Wachstum? –, sondern zum Rückkauf eigener Aktien oder zur Übernahme anderer Unternehmen.
  • Beides – die höhere Verschuldung und der Rückkauf – führt zu höheren Gewinnen pro Aktie und steht so hinter dem Aufschwung an der Börse. In den USA waren Unternehmen die größten Käufer im Markt.
  • Zeitgleich haben die Investoren ebenfalls mit immer mehr Schulden gearbeitet, um die Rendite zu verbessern.
  • Und immer mehr Leute, die nicht ausreichend Kenntnis von den Risiken haben, sind in Märkte gegangen, die früher nur Profis vorbehalten waren.
  • Indexfonds und andere ETF suggerieren derweil den Privatleuten tägliche Handelbarkeit und geringe Risiken.

Wie 2009 glauben alle, es gäbe keine Risiken oder sie wären in guten, starken Händen. Wie 2009 glauben sie, dass die Notenbanken sie schon raushauen werden. Wie 2009 dürften sie sich irren.

Lehman 2020?

Natürlich werden die Notenbanken und Regierungen eingreifen, wenn es sich weiter zuspitzt. Der Versuch der US-Notenbank Fed, mit einer Ad-hoc Zinssenkung in dieser Woche die Märkte zu beruhigen, hatte eher den gegenteiligen Effekt. Nach dem Motto, „Was weiß die Fed, was wir nicht wissen?“ wurde lieber verkauft statt gekauft.

Aus 2009 wissen wir, dass es lange dauern kann, bis die Maßnahmen radikal genug sind, um den Markt zu drehen. Ohne Helikopter-Geld, also notenbankfinanzierte Programme der Staaten, wird es nicht gehen. Hongkong machte es mit 10.000 Hongkong-Dollar pro Kopf schon mal vor.

Um zu ahnen, wie weit wir noch von diesem Gedanken entfernt sind, muss man nur auf die nun auf den Markt kommenden Ideen von Politikern und Ökonomen blicken. Als würden Konjunkturprogramme oder die Senkung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte geeignet sein, einen Melt-Down unseres überschuldeten Systems aufzuhalten. Dazu bedarf es schon deutlich massiverer Geschütze, und da dürften die USA letztlich die Nase vorn haben, was Radikalität und Konsequenz betrifft. Das haben sie schon 2009 bewiesen, als sie konsequent die Banken rekapitalisiert haben, egal, ob die nun wollten oder nicht.

Aber da war doch noch Lehman? Den Fehler haben die Amerikaner auch begangen. Stimmt. Und den Fehler werden sie nicht wieder machen? Richtig. Und deshalb kann es keine neue Finanzkrise geben? Falsch.

Lehman war prominent und zweifellos ein Schock. Der Grund für die Finanzkrise war der Kollaps der Bank nicht, genauso wenig wie Griechenland der Grund für die Eurokrise war. Beide waren nur Symptome für ein überschuldetes Finanzsystem, das sich verspekuliert hatte. Wir brauchen kein neues Lehman für eine neue Finanzkrise.

Dabei scheint es viele Kandidaten für die Rolle der gefallenen Bank zu geben. Der Euro-Stoxx-Bankenindex notiert bei knapp über 50 Prozent vom Buchwert der Banken. Der Markt denkt demnach, dass die Banken fast so schlecht dastehen wie 2012 zum Höhepunkt der Eurokrise. Es gibt also 2020 genügend Kandidaten für die Rolle von Lehman.

Vermutlich kommt der Schock aber aus einer anderen Ecke. Ohnehin werden alle Banken gerettet, egal was die Politik erzählt. Der wahrscheinlichere Auslöser ist beispielsweise ein Hedgefonds, der auf die falsche Seite gewettet hat. Oder ein Industrieunternehmen, das angesichts von Rezession und zerfallender Wertschöpfungskette die Illusion, noch „BBB“ zu sein, nicht mehr aufrechterhalten kann. Nicht zufällig ziehen die Risikoprämien im Markt für Unternehmensanleihen bereits an.

Der Hedgefonds-Milliardär Ray Dalio brachte es in einem Kommentar so auf den Punkt: „(…)it seems to me that this is one of those once in 100 years catastrophic events that annihilates those who provide insurance against it and those who don’t take insurance to protect themselves against it because they treat it as the exposed bet that they can take because it virtually never happens. These folks come in all sorts of forms, such as insurance companies who insured against the consequences that we are about to experience, those who sold deep-out-of-the-money options planning to earn the premiums and cover their exposures through dynamic hedging if and when the prices get near in the money, etc. The markets are being, and will continue to be, affected by these sorts of market players getting squeezed and forced to make market moves because of cash-flow issues rather than because of thoughtful fundamental analysis.“ Genau das also, was auch 2009 der Fall war: ein Margin Call.

Damit legt das Virus nur die fundamentale Krankheit einer Wirtschaft offen, die zunehmend auf Spekulation statt auf Investition setzt. Die Börsianer ahnen das und bereiten sich vor. Ich denke, das ist keine schlechte Idee. Gerade als Unternehmer sollte man sich nicht darauf verlassen, dass es beim „V“ bleibt. Cashflow-Sicherung hat jetzt höchste Priorität.

Nachtrag: Am Montag, 9. März 2020, habe ich die Hälfte der Put-Optionen verkauft.

→ manager-magazin.de: „Was Corona und die Lehman-Krise gemein haben“, 7. März 2020

Kommentare (44) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Tobias W. sagte:

    Es hängt halt davon ab, wie lange man das Geld im Markt parken kann.

    Wer noch 15 bis 25 Jahre hat, in denen man nicht auf das Kapital in bar angewiesen ist, hat momentan keinen Grund alles abzustoßen. Wenn tatsächlich alles den Bach runtergeht, dann ist auch Geld keine Sicherheit, denn wenn die Notenpresse angeschmissen werden muss, um einen „Kriegszustand“ zu finanzieren, dann kostet ein Brot auch wieder eine Million Mark wie zu Omas Zeiten. Und auch Gold hat sich nicht besonders wacker geschlagen. Von Armageddon Panik Verkäufen halte ich nichts. Wer versucht, den Markt zu „timen“ verliert meistens Geld.

    Man muss eben realistisch bleiben. Wird uns diese Krise finanziell weh tun? Ja, sicherlich. Mein Depot hat 30% an Wert eingebüßt. Aber das ist relativ. Mein Depot ist immer noch wertvoller als vor weniger als 12 Monaten. Ich habe bis jetzt mit den größten Einzelpositionen etwa ein halbes Jahr Wertzuwachs verloren – das heisst nur meine Zukäufe im letzten halben Jahr sind im Minus. Auf einen Zeitraum von 10, 15, 20 oder 25 Jahren wird dieser Wertverlust eine temporäre Delle sein, auch wenn es vielleicht noch weitere zehn Prozent abwärts geht.

    Dieser historische Einschnitt wird langfristige Folgen haben, die die Zusammensetzung eines Portfolios beeinflussen werden. Fluglinien, Flugzeugbauer, Kreuzfahrschiffsunternehmen usw. sollte man nicht im Portfolio haben – aber diese Papiere waren auch vorher schon hoch riskant.

    Die Art und Weise, wie wir arbeiten hat sich jetzt schon rasant verändert und ich glaube nicht, dass wir zu einem „wie vorher“ zurückkehren werden. WeWork hat schlechte Karten – Home Office rules. Und damit alle Produkte und Dienstleistungen, die das ermöglichen. Die momentan abgestraften Tech Riesen (inklusive meines Arbeitgebers) werden sich mittelfristig gut erholen und dieses neue Marktpotential ausschöpfen.

    Costco, Amazon und Walmart stellen in den USA hunderttausende neue Mitarbeiter ein, um die Lieferkette bis ins Home Office bewältigen zu können. Das wird kein Verlustgeschäft für diese Unternehmen.

    Es wird wie immer im Leben Gewinner und Verlierer geben. Wer als Anleger einen kühlen Kopf bewahrt und ein bisschen mitdenkt, kann noch als Gewinner aus der Sache hervorgehen.

    Ich freue mich beispielsweise darauf, in Kürze mit meiner Bank über eine Refinanzierung unseres 30 jährigen Kredits auf unser Haus zu sprechen. Die Fed hat in den USA die Zinsen auf quasi Null gesenkt, Bonds sind massiv eingebrochen, das sollte sich bald auf die Zinssätze der Lender auswirken. Über unsere verbleibende Laufzeit und den verbleibenden principal werde ich durch eine Refinanzierung hunderttausende US Dollar sparen können. Das ist mehr als ein Ausgleich für meinen temporären Portfolio Wertverlust. Und solange ich nicht gezwungen bin, mein Haus unter Kaufwert zu verkaufen, tut mir auch ein Einbruch des Immobilienmarkts nicht weh – im Gegenteil, die hohen Eigentumssteuern werden kurzfristig runtergehen, was mehr Cash Flow für mich freisetzt. Bis wir das Haus verkaufen müssen, haben wir noch gute 20 Jahre Zeit.

    Doom and Gloom hat noch niemandem geholfen. Augen aufhalten, ruhig bleiben. Solange man ein Dach über dem Kopf hat, Einkommen hat und das im Markt angelegte Geld in den nächsten 10 Jahren nicht braucht, sollte man sich nur über die Struktur des Portfolios Gedanken machen.

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    H. Deppi sagte:

    Auch wenn es die Chartverläufe der Aktienindizes nicht zeigen:
    Ich kaufe weiter ETF, in den letzten Wochen insbesondere Emerging Markets.
    In 15 Jahren werde ich wissen, ob ich damit richtig lag.
    Freundlich Grüße
    Deppi

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    Richard Ott sagte:

    Jetzt wird die Lage wirklich kritisch, sogar die Berufsdemonstranten von den Grünen reagieren:

    „Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus sagt die Klimaschutzbewegung Fridays for Future für Freitag geplante große Demonstrationen vor den bayerischen Kommunalwahlen ab. ‚Schweren Herzens sagen wir die für Freitag geplanten großen Klimastreiks ab‘, schrieben die Aktivisten am Dienstag auf Twitter. Statt auf den Straßen wolle man online ‚umso lauter‘ protestieren. (…) Die Aktivistin Luisa Neubauer sagte in München, auch in anderen Staaten werde erwogen, Demonstrationen abzusagen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Für kommenden Freitag werde stattdessen zu ‚massiven Digitalstreiks‘ aufgerufen – das bedeute etwa, Bilder von Protestschildern im Internet zu posten.“

    https://www.n-tv.de/regionales/bayern/Fridays-for-Future-sagt-wegen-Coronavirus-groessere-Demos-ab-article21631711.html

    Das virtuelle Spammen von Bilddateien (hoffentlich ohne Viren) gilt jetzt also als „Digitalstreik“, naja, dazu sage ich lieber nichts, sonst werde ich schon wieder gerügt…

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    Dietmar Tischer sagte:

    Wer NOTFALLPLAN erwägenswert findet, sollte hier mal reinlesen. Weitet den Horizont:

    https://www.faz.net/aktuell/politik/trumps-praesidentschaft/coronavirus-prepper-bereiten-sich-auf-den-ernstfall-vor-16670549.html?printPagedArticle=true – pageIndex_2

    Ist etwas befremdlich, zeigt aber, zu was eine gute Ausbildung (Harvard) befähigt.

    Wir sind da sicher etwas defensiver eingestellt und halten uns an tröstende Zuversicht:

    „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“.

    Einfach den TV einschalten, da wird jeden Tag verkündet, was die Retter verordnen.

    Funktioniert bisher einigermaßen gesittet.

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      ruby sagte:

      Herr Tischer, Trump will die payroll tax zur Wahl geben und der Bond Market kickt up to Streber Yield curve.
      Da kann die FED nächste Woche die Zinsen wieder erhöhen (Humor).
      Mit welchen Steuersenkungen will die EU das Überleben für die nächsten Tage, Wochen, Monate anfeuern?
      Volatilitätspotential für Banken der EU?

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      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @ruby

        „Mit welchen Steuersenkungen will die EU das Überleben für die nächsten Tage, Wochen, Monate anfeuern?“

        Das Anheizen von Konsum durch Lohnsteuersenkungen bringt gar nichts, so lange die Ausbreitung der Epidemie nicht eingedämmt ist.

        Wie viel Steuersenkung müsste man Ihnen denn bieten, damit Sie während einer Quarantäne ordentlich einkaufen gehen?

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        ruby sagte:

        @Richard
        80 Milliarden kann die FED monatlich kaufen, daß kann doch je Euromitgliedsbürger direkt a u s g z a h l t werden 1. Gleichheitssatz der populären Zentralbankgeldsubventionierung.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @ruby

        „80 Milliarden kann die [EZB] monatlich kaufen, daß kann doch je Euromitgliedsbürger direkt a u s g z a h l t werden 1. Gleichheitssatz der populären Zentralbankgeldsubventionierung.“

        Ich verstehe schon, dass Sie hier den advocatus helicopterii geben. Aber was soll diese Überweisung dann konkret und unmittelbar bewirken? Gehen die Leute dann groß einkaufen, während gerade Quarantänemaßnahmen laufen, so wie in Italien?

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        ruby sagte:

        Herr Ott, alleine die Umschichtung zum Bürger hat positive Wirkungen und der heimische Wochenmarkt ist eine örtliche Adresse der besten Güte.

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    jokl sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter
    Ich war zu feige abzusichern und zu zögerlich um 50% zu verkaufen. Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ich halte einen L-Verlauf schon für möglich, da ich einen sich länger hinziehenden Verlauf der Corona-Erkrankung für gut möglich halte.
    Aus epidemiologischer Sicht kann ich mir vorstellen, dass die Corona-Virus-Epidemie sich viel länger hinschleppt, als die spanische Grippe, da Corona scheins nicht so ansteckend ist, wie die 1919-Influenza, die Symptome anscheinend bei vielen milder sind, und wahrscheinlich die Abschottungs- Quarantäne-Maßnahmen 1919 wohl nicht so konsequent durchgeführt wurden, wie teilweise heute. Deshalb denke ich die „Durchseuchung“ und damit die Entstehung einer Immunität größerer Bevölkerungs-Teile wird länger dauern und es besteht die Möglichkeit, dass lange Zeit immer wieder neue Herde aufflammen und auch schon früher betroffene Gebiete nochmal betroffen werden, da eben zu wenige Personen dem Virus ausgesetzt waren und so zu viele nicht immun sind (auch nicht in den betroffenen Quarantäne-Gebieten). So kann das Virus wieder erfolgreich zurückkommen.
    Ein starke schnelle Verbreitung wird sinnvoller Weise verhindert, um die wenigen schwer Erkrankten, jeweils gut versorgen zu können, was eben 1919 nicht der Fall war (auch wegen geringere medizinischer Möglichkeiten) und so 1919 auch zu relativ hoher Sterblichkeit und vielen schwer Erkrankten führte.
    Ob höhere Temperaturen in den Frühjahrs- Sommer- Monaten die Infektions- und Erkrankungs-Häufigkeit senken, bleibt abzuwarten, dann wäre aber eine Verschlechterung in der Süd-Halbkugel zu erwarten, und eine Rückkehr der Infektionen ab Oktober November bei uns, falls nicht ein Impfstoff schnell zur Anwendungsreife gebracht wird und in ausreichender Menge verfügbar ist.
    Wenn dieses Szenario eintritt und die wirtschaftliche Entwicklung weiter unter Quarantäne-Maßnahmen leidet, würde ich einen L-förmigen Verlauf nicht für unwahrscheinlich halten, vor allem auch einen neuerlichen Corona-Crash ab Herbst / Winter 2020 / 2021.
    Trotzdem habe ich heute wieder begonnen ein wenig einzukaufen und hoffe das nächste mal den Mut zu haben früh genug stark zu reduzieren.

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      • Avatar
        Alexander sagte:

        Meine Absicht war nicht Marc Faber zu verfüttern. Anders als die üblichen Verkäufer hat dieser alte Mann nichts womit er seine Zuhörer abgreifen könnte.

        Relativieren und lächerlich machen gehört schon länger zum guten Ton dieser BRD, danke für die Erinnerung.

        Natürlich ist jetzt DIE Gelegenheit – „greifen Sie zu“ …meint der Kiesplatzhändler ihres Vertrauens.

      • Avatar
        troodon sagte:

        Ach Alexander, nun seien Sie doch nicht so…

        „Natürlich ist jetzt DIE Gelegenheit – „greifen Sie zu“ …meint der Kiesplatzhändler ihres Vertrauens.“
        In den vergangenen 28 Jahren war es richtig bei einem VDAX Stand, wie gestern früh zuzugreifen, wenn man einen Zeithorizont > 9 Monate hatte. 1998 war es taggleich sogar das Tief beim DAX (8.10.1998). Es gibt gute Gründe, dass es dieses Mal anders sein kann. Tendiere eher dazu, dass die Tiefs noch vor uns liegen.Wir werden es sehen, wie es tatsächlich kommt. An schwachen Tagen mit extrem hohen VDAX etwas kaufen und aber auch an starken Tagen, so wie (zwischenzeitlich) heute bereit sein wieder etwas zu geben, erachte ich für eine sinnvolle Strategie für die nächste Zeit + immer liquide bleiben. There is no free lunch.

  6. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    @ ruby

    „Gina Gospinat stotterte das ganze Rettungsprogrammgesäusel der Finanzindustrie und Fiskalkräfte cool herunter.“

    Hier gibt es vor allem einen, der stottert. Sie schaffen es ja noch nicht einmal ihren Namen korrekt zu schreiben; und das zum wiederholten Mal.

    Wie Perry Mehrling völlig richtig vor einem Jahren betont hatte: Liquidity changes everything. Einfach mal lesen UND verstehen.

    Das weiß selbstverständlich auch Gita Gopinath, die immer wieder die Bedeutung des Dollar für das internationale Finanzsystem analysiert hat. Zuletzt hier: https://youtu.be/y4ZLQOYlMI4?t=946

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    Quintus sagte:

    Verlassen wir einmal die monetäre Seite und widmen uns der menschlichen Tragödie wie sie uns in 2-3 Wochen wohl ins Haus steht. Glücklich kann sich schätzen wer weder eine Vorerkrankung, noch ein fortgeschrittenes Alter aufweisen kann.
    zur Einschätzung der Lage, hier ein Covid-19 Kalkulator: https://causalapp.com/models/1432

    Interview mit Christian Salaroli, Narkosearzt in Bergamo aus ‘Corriere de la sera’ vom 9.3.2020, übersetzt von Eva-Maria Michels:

    Sie treffen also wirklich eine Auswahl ?
    Selbstverständlich. In diese Einheit werden nur Personen aufgenommen, die wegen der COVID19 Lungenentzündung mit respiratorischer Insuffizienz haben. Die anderen : ab nach Hause !

    Was geschieht dann ?
    Sie bekommen nicht-invasive Beatmung. Das ist die erste Etappe.

    Was sind die folgenden ?
    Früh morgens kommt der Narkosearzt zusammen mit dem Pflegepersonal der Notaufnahme. Seine Meinung ist entscheidend.

    Weshalb ist seine Entscheidung so wichtig ?
    Neben dem Alter und dem allgemeinen Zustand bewertet er die Fähigkeit des Patienten, einen Eingriff zur invasiven Beatmung zu überleben.

    Was heisst das genau ?
    Die Infektion, die der Coronavirus verursacht, ist eine interstitielle Pneumonie. Eine sehr aggressive Form, die die Versorgung des Blutes mit Sauerstoff brutal behindert. Die am stärksten angegriffenen Patienten leiden unter Sauerstoffmangel : Sie haben nicht mehr genug Sauerstoff im Organismus.

    Wann wird die Wahl getroffen ?
    Sofort nach dem Besuch des Narkosearztes. Wir müssen diese Wahl treffen. Maximal ein oder zwei Tage nach der Aufnahme. Die nicht-invasive Beatmnung ist nur ein Zwischenschritt. Leider gibt es ein Missverhältnis zwischen den Krankenhausmitteln, den zur Verfügung stehenden Betten auf der Intensivstation und der Anzahl der Kranken in einem kritischen Zustand. Wir können nicht jeden intubieren, [d. h das Beatmungsschlauch wird nach einem Einschnitt in die Luftröhre direkt an diese angeschlossen, invasive Beatmung].

    Was geschieht in diesem Moment ?
    Diejenigen, für die wir entschieden haben, dass die Pflege fortgeführt wird, werden sofort intubiert. Wir legen sie auf den Bauch, um die Belüftung der unteren Lunge zu erleichtern.

    Bezüglich der Entscheidung, gibt es eine schriftliche Regel ?
    Aktuell, im Gegensatz zu dem, was ich lese, nein. In der Realität, auch wenn es schrecklich klingt, dies zu sagen, begutachten wir sehr genau die Kranken, die auch schwere kardio-respiratorische Krankheiten haben und die Personen mit schweren Herzkranzproblemen, weil sie sehr schlecht einen akuten Sauerstoffmangel vertragen und wenig Chancen haben, die kritische Phase zu überleben.

    Und dann ?
    Wenn jemand zwischen 80 und 95 Jahre alt ist und grosse Atemprobleme hat, führen wir in der Regel die Behandlung nicht fort. Das gleiche gilt, wenn eine mit dem Virus infizierte Person eine Insuffizienz in drei oder mehr lebenswichtigen Organen aufweist. Diese Personen haben statistisch gesehen keine Chancen, das kritische Stadium der Infektion zu überleben. Diese Personen werden bereits als tot angesehen.

    Sie schicken sie also weg ?
    Das auch, das ist ein schrecklicher Satz, aber die Antwort lautet ja. Wir haben nicht die Möglichkeiten das zu versuchen, was man gewöhlich ein Wunder nennt. Auch das ist die traurige Realität.

    Normalerweise ist das nicht der Fall ?
    Nein. In normalen Zeiten gibt es auch eine Beurteilung, um zu wissen, ob ein Mensch einen Hauch einer Überlebenschance bei einem Eingriff hat. Aber jetzt haben wir es mit einer ganz anderen Anzahl von Fällen zu tun.

    Und Sie als Ärzte, ertragen Sie diese Situation gut ?
    Einige von uns gehen daran kaputt. Vor allem die Jüngsten, die ganz Jungen, die gerade erst ihre Arbeit begonnen haben und nun plötzlich von jetzt auf nichts über die Frage nach dem Leben und dem Tod eines Menschen entscheiden müssen.

    Und Sie ?
    Bis jetzt schaffe ich es noch, nachts zu schlafen. Weil ich weiss, dass die Auswahl auf der Hypothese beruht, dass einige Fälle, fast immer die Jüngeren, bessere Überlebenschancen haben als andere. Wenigstens das tröstet.

    Was denken Sie von den letzten Entscheidungen, die die Regierung getroffen hat ?
    Eine Quarantäne, um den Virus auf bestimmte Zonen zu begrenzen, ist eine gute Idee. Aber es ist eine Massnahme, die mit zwei Wochen Verspätung kommt. Das wichtigste ist eh woanders.

    Das heisst ?
    Bleibt zu Hause, bleibt zu Hause, bleibt zu Hause. Ich kann es nicht genug wiederholen. Ich sehe zu viele Leute, die auf der Strasse spazieren gehen als sei nichts. Sie haben nicht die geringste Idee davon, was sich in den Krankenhäusern abspielt und Sie wollen es nicht wissen. Bleiben Sie zu Hause.

    Fehlt Ihnen Personal ?
    Ja. Wir arbeiten fast 24h und sind erschöpft. Körperlich aber auch emotional. Ich habe Krankenschwestern weinen sehen, die 30 Jahre Berufserfahrung haben, Ärzte erleiden einen Nervenzusammenbruch. Keiner kann sich vorstellen, was gegenwärtig in den Krankenhäusern geschieht. Aus diesem Grunde habe ich dieses Interview akzeptiert.

    Gibt es noch ein Recht auf Behandlung ?
    Gegenwärtig ist es dadurch bedroht, dass man nicht gleichzeitig eine gewöhnliche Situation und eine Ausnahmesituation managen kann. Die Standartbehandlungen können sich verzögern und das kann schlimme Folgen haben.

    Können Sie ein Beispiel geben ?
    Normalerweise wird ein Anruf wegen eines Herzinfaktes innerhalb von Minuten geregelt. Heute muss man eine Stunde und länger warten.

    Haben Sie eine Erklärung für all dies ?
    Ich bevorzuge es, nicht danach zu suchen. Ich sage mir, dass es so ist wie die Kriegschirurgie. Man rettet nur noch diejenigen, die eine Chance haben. Genau dies geschieht gegenwärtig.

    Originalartikel: „Coronavirus, il medico di Bergamo: «Negli ospedali siamo come in guerra. A tutti dico: state a casa»“
    https://www.corriere.it/cronache/20_marzo_09/coronavirus-scegliamo-chi-curare-chi-no-come-ogni-guerra-196f7d34-617d-11ea-8f33-90c941af0f23.shtml

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Quintus

      Traurig für alle und tragisch für diejenigen, die sterben.

      Aber auch EHRLICH.

      Es wird eine WAHL getroffen zwischen den Patienten:

      Die einen überleben (wenn es gut geht), die anderen sterben.

      Warum muss sie getroffen werden?

      Angebot und Nachfrage:

      Das Angebot an Personal und Geräten ist nicht so hoch wie die Nachfrage (Zahl der Infizierten).

      Wie wird die Wahl getroffen?

      Nach den CHANCEN, geheilt zu werden.

      Wie ist dieses Verfahren zu beurteilen?

      Es ist FAIR und damit GERECHT.

      Geld, um sich Heilungskapazität zu sichern, spielt keine Rolle, sonstige Mittel und konstitutive Eigenschaften jenseits der organischen Befindlichkeit auch nicht.

      Das Auswahlkriterium ist vielmehr:

      Mit welcher Wahrscheinlichkeit sichert eine Einheit Heilungskapazität wieviel Lebensjahre (wenn die Anzahl derjenigen mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit die verfügbare Heilungskapazität überschreitet).

      Dieses Kriterium beruht auf MEDIZINISCHER Erfahrung.

      Es ist ein RATIONALES, aber dennoch WILLKÜRLICHES Kriterium.

      Sollte besser gewürfelt und so bestimmt werden, wer unter denen mit Überlebenswahrscheinlichkeit die Heilungschance erhält?

      Warum oder warum nicht?

      Vergleichende Bemerkung:

      In der siechenden Realwirtschaft wird nicht GEHEILT, sondern mit Geldinfusionen wird VERMIEDEN, dass es Tote gibt.

      Folge:

      In der Realwirtschaft trifft man daher auf eine Gesellschaft fast durchweg krankheitsbedingt Dahinleidender.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Warum muss sie getroffen werden? Angebot und Nachfrage: Das Angebot an Personal und Geräten ist nicht so hoch wie die Nachfrage (Zahl der Infizierten).“

      Das zielt am Kern des Problems vorbei.

      Warum ist denn die „Nachfrage“ plötzlich so viel höer als das ziemlich inelastische Angebot? Weil die Quarantänemaßnahmen zu spät und zu zaghaft umgesetzt wurden. Dadurch ist die Kapazität des italienischen Gesundheitssystems im Bereich der Intensivmedizin mittlerweile überlastet.

      Was die Infektionszahlen betrifft, ist uns Italien um ungefähr 7 Tage voraus. Nächste Woche werden wir genau die gleichen hässlichen Diskussionen auch in Deutschland haben, sofern nicht ganz schnell umfangreiche Maßnahmen angeordnet werden. Es würde schon helfen, wenn wir jetzt *sofort* das kopieren, was Italien leider zu spät umgesetzt hat, um die Überlastung seines Gesundheitssystems abzuwenden.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Warum ist denn die „Nachfrage“ plötzlich so viel höer als das ziemlich inelastische Angebot? Weil die Quarantänemaßnahmen zu spät und zu zaghaft umgesetzt wurden.>

        Das ist richtig.

        Es ist aber NICHT richtig, daraus umstandslos FEHLVERHALTEN abzuleiten (was Sie nicht tun).

        Beispielhaft:

        Hätte die Regierung in NRW z. B. FRÜHZEITIG reagiert und alle Faschingsveranstaltungen und Karnevalsumzüge verboten, wäre was gewesen?

        Die Reaktion wäre dort gewesen:

        Ein paar Infizierte 500 Km weg in Bayern und DESHAB wird den Aktivisten ein Jahr Arbeit und den Menschen die Lebensfreude geraubt?

        Was soll das, die Landesregierung spielt verrückt.

        Wäre es DANACH zu keiner Ausbreitung in NRW gekommen oder nur zu einer vergleichsweise geringen, wäre die Reaktion was gewesen?

        Alles nicht so schlimm, wir haben ja von Anfang an gewusst, dass die Regierung verrückt gespielt hat.

        KEINER wird sagen:

        Wir wissen nicht, warum es keine bedrohliche Ausbreitung gab, es hätte aber möglicherweise eine geben können, daher waren die Verbote gerechtfertigt.

        Die Regierungen müssen aufpassen, dass sie nicht zu Schuldigen werden und noch mehr Vertrauen verlieren.

        Es ist eine Abwägung.

        Ich glaube, dass Bundesligaspiele vor leeren Rängen angesichts der steigenden Zahlen hierzulande und der Maßnahmen in Italien akzeptiert werden.

        Wenn in Leipzig demnächst Infizierte festgestellt werden, die mit den vollbesetzten Rängen beim heutigen Spiel in Verbindung gebracht werden, wird es eng für Kretschmer und seine Regierung in Sachsen.

        Ohne irgendetwas wirklich von der Sache zu verstehen, erscheint es mir gefühlt MEDIZINISCH und POLITISCH zu riskant, vor vollbesetzten Zuschauerrängen in Leipzig spielen zu lassen.

        Zugegeben, ich urteile hier als einer, der bezüglich seines Alters Glück haben muss, dass eine Maschine für ihn da ist, wenn es hart auf hart kommt.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „KEINER wird sagen: Wir wissen nicht, warum es keine bedrohliche Ausbreitung gab, es hätte aber möglicherweise eine geben können, daher waren die Verbote gerechtfertigt.“

        Auch in dem Fall, dass Quarantänemaßnahmen sich hinterher als überzogen herausstellen (so einen Fall haben wir beim Coronavirus aber weltweit noch nicht gesehen), wäre es trotzdem das Richtige, das zu sagen. Dafür braucht man aber Politiker, die bereit sind, harte Entscheidungen zu treffen und auch zu verteidigen. Wer alle Leute glücklich machen will, sollte lieber als Weihnachtsmann-Darsteller im Kaufhaus arbeiten. Das scheint aber auch wieder ein typisches Problem unserer Politik-Eliten in Deutschland zu sein, man kennt es ja auch von anderen Politikfeldern, wo sich um unpopuläre Entscheidungen gedrückt wird.

        „Hätte die Regierung in NRW z. B. FRÜHZEITIG reagiert und alle Faschingsveranstaltungen und Karnevalsumzüge verboten, wäre was gewesen? Die Reaktion wäre dort gewesen: Ein paar Infizierte 500 Km weg in Bayern und DESHAB wird den Aktivisten ein Jahr Arbeit und den Menschen die Lebensfreude geraubt?“

        Ach Gott, es ist doch nur Karneval. Zur Not kann man das sogar im Sommer nachholen, die Karnevalisten würden sicher nicht ablehnen.

        „Ich glaube, dass Bundesligaspiele vor leeren Rängen angesichts der steigenden Zahlen hierzulande und der Maßnahmen in Italien akzeptiert werden.“

        Eben. Mit Verweis auf die Situation in Wuhan hätte man Ende Februar so auch eine Absage von Karnevalsveranstaltungen rechtfertigen können und ich glaube, es wäre akzeptiert worden.

        „Wenn in Leipzig demnächst Infizierte festgestellt werden, die mit den vollbesetzten Rängen beim heutigen Spiel in Verbindung gebracht werden, wird es eng für Kretschmer und seine Regierung in Sachsen.“

        Nicht nur für Kretschmer, sondern auch für die jeweiligen Politiker in den Landkreisen, welche die Entscheidungen der örtlichen Gesundheitsbehörden zu verantworten haben. (Leider waren erst vor kurzem Oberbürgermeisterwahlen in Leipzig.) Allerdings kann man der Landesregierung hier vorwerfen, nicht straffer zu führen. Die Behörden in Sachsen handhaben die Absage von öffentlichen Großereignissen im Vergleich zu anderen Bundesländern bisher sehr locker, mit einer fast schon Berliner Wurstigkeit.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Dafür braucht man aber Politiker, die bereit sind, harte Entscheidungen zu treffen und auch zu verteidigen… Das scheint aber auch wieder ein typisches Problem unserer Politik-Eliten in Deutschland zu sein, man kennt es ja auch von anderen Politikfeldern, wo sich um unpopuläre Entscheidungen gedrückt wird.>

        Ist ja richtig.

        Man kann das aber nicht ABSOLUT betrachten, sondern nur mit Bezug auf die Bevölkerung, u. a. ihre Bevormundungstoleranz, ihre Erfahrung und ihr Vertrauen in die Politik.

        Deshalb:

        >Mit Verweis auf die Situation in Wuhan hätte man Ende Februar so auch eine Absage von Karnevalsveranstaltungen rechtfertigen können und ich glaube, es wäre akzeptiert worden.>

        Kann sein, ich würde es nicht abstreiten.

        Auch wenn es die Situation in Wuhan nicht gegeben hätte, würden Virologen hierzulande vermutlich in der Lage gewesen sein, begründet darzulegen , warum man auf einer sehr viel sichereren Seite ist, wenn man die Karnevalsveranstaltungen absagte. Es hätte aber Geschrei gegeben, Karneval ist im Rheinland ein heiliges Ritual, nix Sommer.

        Ich will damit nur sagen:

        Es gibt GRÜNDE, warum die Politik sozusagen jeden Tags aufs Neue die Rasierklinge justieren muss, auf der sie sich bewegt.

        Ob sie die IMMER angemessen justiert, ist eine andere Frage, die ich nicht beantworten kann.

        Unabhängig davon bin ich überzeugt, dass es zu unappetitlichen Schuldzuweisungen kommen wird, wenn die Ausbreitung der Infektionen dramatisch zunimmt und Maßnahmen wie in Italien erfordern würde.

        Wir werden sehen.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    vielen Dank für ihre offenherzigen Worte. Ich denke ja, Sie haben die Puts zu früh verkauft. Die Unterbrechung der Lieferketten ist noch gar nicht beim Endkunden angekommen und die Infektionswelle ist nach Aussage aller Experten auch noch lange nicht auf dem Höhepunkt.

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      troodon sagte:

      @ SFR
      Bei einem VDAX von über 60 war es von Dr.Stelter absolut sinnvoll gestern einen Teilgewinn bei den Puts zu realisieren.
      Heute konnte/könnte er sie sicherlich deutlich preiswerter wieder kaufen.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @troodon: Danke für den Hinweis. Leider bin ich im Timing immer absolut mies, vielleicht hätte ich mich hier besser zurückgehalten…^^

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ SFR
        Bridgewater/ Ray Dalio sind auf Ihrer Seite :)
        https://twitter.com/BreakoutPoint/status/1237421437985722371

        Kommt halt immer auf die genaue Ausgestaltung der Puts bzw. short Positionen an. Bei Dr.Stelter war der Hebel beim Einstieg enorm, die Laufzeit nicht besonders lang, so dass sich die Gewinnrealisierung gestern aus meiner Sicht anbot.

        Und bei den aktuellen Bridgewater short-Positionen weiß man eben nicht, was da als Gegenpositionen besteht.
        Will sagen „9,5 Bio $ short Positionen“ hört sich dramatisch an. Wenn die aber immer noch netto-long insgesamt sind, ist es schon wieder weniger aussagekräftig ;)

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      ruby sagte:

      Der Wirtschaftszwang zum Cash-Flow wird die EU in ihrem Kern der gemeinsamen Wettbewerbspolitik treffen und Anforderungen an die Versorgung und Aufrechterhaltung werden die Staaten des Euro aus diesen Zwangskorsett herausbrechen – einer nach dem anderen siehe Italien. Das ist meine Prognose, eher im Gegensatz zu Frau Susanne Fink-Röpke. Aber Unterschiedlichkeiten bereichern die Welt.
      @troodon
      Die Kriegskasse ist gefüllt und wenn es eine U-Form gibt, ist der beste Zeitpunkt zu finden.

      Antworten
    • Avatar
      Hansjörg Pfister sagte:

      @Susanne Finke-Röpke,
      „Ich denke ja, Sie haben die Puts zu früh verkauft“
      ich schätze Ihre Beiträge sehr, aber in diesem Punkt irren Sie sich. Es ist ja nicht so, dass die Marktteilnehmer solche und ähnliche Gedanken nicht auch hätten. Das ist doch schon alles eingepreist. Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Es kann noch gewaltig runtergehen oder wieder rauf, wer weiß. Ich verkaufe meine Shortposition jetzt auch. Oder morgen oder so ;-)

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      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Hans-Jörg Pfister: ich verweise auf meinen Kommentar zu troodon…

  9. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >Wir brauchen kein neues Lehman für eine neue Finanzkrise.>

    Richtig.

    Es könnte nämlich auch auf anderem Weg eine neue Finanzkrise geben:

    Kommt es zu einer neuen REALWIRTSCHAFTLICHE Krise, gibt es eine ganze Anzahl von Lehmans, d. h. eine Finanzkrise vermutlich eines ganz anderen Ausmaßes.

    Wie weit sind wir von einer neuen realwirtschaftlichen Krise entfernt?

    Das ist nicht zu sagen, weiß keiner.

    Was gesagt werden kann, weil es BEOBACHTBAR ist:

    >The markets are being, and will continue to be, affected by these sorts of market players getting squeezed and forced to make market moves because of cash-flow issues rather than because of thoughtful fundamental analysis.“>

    Warum sind die Marktteilnehmer der Finanzwirtschaft mit „cash-flow issues“ beschäftigt statt mit „thoughtful fundemental analysis“?

    Das ist die Gretchenfrage.

    Im konkreten Fall einzelner Marktteilnehmer gibt es ganz sicher differenzierende Antworten.

    Es gibt aber auch eine übergreifend zutreffende Antwort.

    Sie lautet:

    Die Analyse fundamentaler Gegebenheiten in der REALWIRTSCHAFT zeigt, dass mit der Vergabe von Krediten für Investitionen und Konsum praktisch nichts mehr zu verdienen ist.

    Es fehlt an hinreichender Nachfrage für Kredite.

    Je niedriger die Kosten dafür sind (Zinsbelastungen), desto deutlicher zeigt sich dies.

    Denn es werden auch bei fallenden Zinsen, nicht spürbar mehr Kredite für Konsum und Investitionen nachgefragt.

    Folglich muss auf andere Weise, eben mit „cash-flow issues“ Geld verdient werden.

    Die dafür zuständigen Märkte konnten sich ausweiten und ausdifferenzieren, weil in den letzten Jahrzehnten eine Vielzahl neuer Produkte geschaffen wurden – letztlich für Spekulation OHNE realwirtschaftlichen Bezug.

    Auf Deutsch liest sich das mit einem einfachen Satz so:

    >Damit legt das Virus nur die fundamentale Krankheit einer Wirtschaft offen, die zunehmend auf Spekulation statt auf Investition setzt.>

    Nebenbemerkung:

    Die Darlegungen in diesem Artikel für das manager magazin sind einfach nur richtig.

    Die Kompetenz ihres Autors wird nicht dadurch unterstrichen oder bestätigt, dass er mit dem Kauf und Verkauf von Verkaufsoptionen auf den Dax richtig gelegen hat.

    Sie sind lediglich ein Ausweis seiner Sensibilität für sich ändernde Preise seines Aktienvermögens.

    Zur Sache tragen sie nichts bei, außer seinen Lesern mitzuteilen, dass es auch in Deutschland Experten für „cash-flow-issues“ gibt und sein „Banker“ einer davon ist.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Warum sind die Marktteilnehmer der Finanzwirtschaft mit ‚cash-flow issues‘ beschäftigt statt mit ‚thoughtful fundemental analysis‘? Das ist die Gretchenfrage.“

      Das halte ich für ziemlich offensichtlich, egal welcher Marktteilnehmer konkret mit der Aussage gemeint ist. Niemand interessiert sich für Profitabilitätsbetrachtungen (das wäre ja das Gegenteil zu „Cash flow issues“) so lange man einfach Verschuldungsgrad und Geldmenge im System immer weiter erhöhen kann. Und bei Nullzins- oder Negativzinspolitik und QE geht das sehr lange.

      Warum sollte man sich dann mit komplizierten Rentabilitätsrechnungen abmühen? Die eigene Bezahlung kann man ja auch aus dem Cash Flow nehmen, er darf halt nur nicht ins Stocken kommen, dann muss man schnell nach einem Rettungspaket schreien.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Niemand interessiert sich für Profitabilitätsbetrachtungen (das wäre ja das Gegenteil zu „Cash flow issues“) so lange man einfach Verschuldungsgrad und Geldmenge im System immer weiter erhöhen kann.>

        Nein, richtig ist:

        Praktisch jeder im Finanzsektor – war vor Jahrzehnten nahezu identisch mit dem Bankensektor – hat sich mit Profitabilitätsbetrachtungen beschäftigt, als die Wirtschaft noch spürbar GEWACHSEN war.

        In den unmittelbar WK II folgenden Jahren waren derartige Betrachtungen bzw. Erwägungen praktisch ein Kinderspiel, weil die Nachfrage und das Wachstum so groß waren, dass die meisten Kredite so etwas wie Selbstläufer waren (o.k. BWM war praktisch pleite und Borgward und andere gingen pleite, aber Sie verstehen was ich sagen will).

        Egal ob schwierig oder leicht, HEUTE kann sich die Finanzwirtschaft sich für Profitabilitätsbetrachtungen in der Realwirtschaft NICHT mehr interessieren, WEIL keine Kreditnachfrage mehr besteht (pointiert übertrieben ausgedrückt, aber tendenziell dennoch richtig).

        Sie MUSS daher den Profit bei „Cash flow issues“ suchen.

        Und richtig:

        Das kann die Finanzwirtschaft auch, weil die Notenbanken die Geldmenge im System kontinuierlich erhöhen.

        Kurzum:

        Die Erhöhung der Geldmenge ist nicht die URSACHE für die Abwendung von Profitabilitätsbetrachtungen (in der Realwirtschaft), sondern sie ist die BEDINGUNG dafür, dass der Finanzsektor mit Cash flow issues profitabel sein kann.

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        ruby sagte:

        Den Kasseneingang bei kranken beschäftigsbeschränkten Arbeitern will Trump heute in seine Ankündigung erläutern.
        Kasse für Nichts für Jeden.
        Die geretteten Banken dürften bereits auf die Scheckeinlösung vorbereitet werden.
        Die FED bringt den Repo Drucker auf Drehzahl.
        Das EZB System dagegen wird seine Überflüssigkeit die Beschäftigten zu erreichen als Debakel quittiert bekommen.
        Vive la caisse💰💸
        Gina Gospinat stotterte das ganze Rettungsprogrammgesäusel der Finanzindustrie und Fiskalkräfte cool herunter.
        Geld ohne Wert.

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      Christian Hu sagte:

      Ich teile Ihre Analyse.

      > Warum sind die Marktteilnehmer der Finanzwirtschaft mit „cash-flow issues“ beschäftigt statt mit „thoughtful fundemental analysis“?

      Aus meiner Sicht liegt die Antwort an den finanzwirtschaftlichen Rändern in Schwellenländern wie der Türkei, welche sich lange über das Schattenbanksystem günstig mit Dollars eingedeckt haben und jetzt Schwierigkeiten in der Refinanzierung haben. Der Libanon hat als Krisenland bereits den Staatsbankrott erklärt.

      Das ist unter anderem dadurch begründet, dass ein großer USD-Pool außerhalb der USA – China – durch sein Leistungsbilanzdefizit selbst mehr und mehr zum USD-Schuldner wird und sein Auslandsvermögen zurück holt.

      Angesichts der Risiken, die fernab der eigenen Sichtweite entstehen KÖNNEN, hole ich als westlicher Investor also ebenfalls lieber erst einmal mein Geld zurück, bevor ich mich langwierigen Analysen hingebe. Das folgt erst im nächsten Schritt, wenn ich auf Schnäppchenjagd gehe

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        jobi sagte:

        @ Christian Hu

        Das Anlegerverhalten, das Sie so treffend beschreiben, ist momentan extrem ausgeprägt, denn ALLE wissen, wie weit sich die Bewertung der Aktienmärkte von fundamentalen Maßstäben entfernt haben.

        Die „finanzwirtschaftlichen Ränder“ halte ich in diesem Zusammenhang für unbedeutend.

        Seit Mitte 2019 signalisieren langlaufende US-Staatsanleihen, Goldpreis, Insiderverkäufe und nicht zuletzt die Erschütterungen am Repo-Markt das heraufziehende Unheil.

        Die Coronakrise ist also nur das Streichholz am Benzinkanister.

        Sie wird in den kommenden Wochen offen legen, wer ohne Badehose schwimmen gegangen ist, wie Buffett es ausdrücken würde.
        Die richtige Verunsicherung der Märkte steht somit wohl noch aus, der Verlauf der Viruspandemie ist nicht allein entscheidend.

        Das Drehbuch ist geschrieben.

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    Marco sagte:

    Die Puts auf den Dax kann man noch ne Woche halten. Dann steht Deutschland genauso still wie Italien und an der Börse fließt erst richtig das Blut.

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