Reformen statt Schulden – was Europa wirklich brauchte

Es ist erschütternd, wie wenig Fortschritte wir in den letzten fünf Jahren gemacht haben. Denn genauso alt ist dieser Beitrag von mir. Wer jetzt aufhört zu lesen, verpasst was. Denn die Punkte, die ich damals definiert habe, gelten heute umso mehr! Wir haben nicht nur keine Fortschritte gemacht, sondern im Gegenteil alles verschlimmert. Mit Blick auf Deutschland muss man sogar sagen, wir haben unsere Ausgangslage für die nächste Stufe der Krise nachhaltig verschlechtert. Eine Erkenntnis, die den Medien dämmert, kommt doch die BILD beispielsweise gleich mit einer „kleinen Serie“ über die schlechte Politik unter Frau Merkel. 

Wusste sie es nicht besser? Doch. Denn was ich damals schrieb und seither regelmäßig wiederholt habe, ist den Regierenden natürlich bekannt. Sie haben wider besseren Wissen das Richtige unterlassen und das Falsche verstärkt. Nicht nur in Deutschland: 

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bleibt ihrer Tradition treu. Der frühere BIZ-Chefvolkswirt William White warnte frühzeitig vor der Finanz- und Wirtschaftskrise, doch niemand wollte auf ihn hören. Stattdessen wurde der „Meister“ Alan Greenspan für seine Politik des immer billigeren Geldes von allen Seiten gelobt. In diesen Tagen ist es genauso. Im neuesten Jahresbericht warnt die BIZ erneut in deutlichen Worten vor den Nebenfolgen der heutigen Wirtschaftspolitik und fordert eine drastische Umkehr. Die aggressive Geldpolitik würde die Probleme der Realwirtschaft nicht lösen. Stattdessen wären neue Blasen in den Finanzmärkten die Folge, weil Anleger in verzweifelter Suche nach Rendite immer größere Risiken eingingen. Die Aktienmärkte hält die BIZ für deutlich überbewertet und verweist darauf, dass die Aktien in Europa letztes Jahr um 15 Prozent zugewonnen hätten, während die Wirtschaft stagnierte und die erwarteten Gewinne um drei Prozent zurückgegangen sind. Fundamental zeichnet sich aus Sicht der BIZ keine Besserung ab. Im Gegenteil: Die Investitionsschwäche in den Industrieländern hält an und das Wachstum der Produktivität nimmt weiter ab. In der Tat ist weltweit die Produktivität im letzten Jahr sogar gesunken. Hinzu kommt der beginnende Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter.

Was wäre also die Alternative zur heutigen Wirtschaftspolitik? Wie müsste ein Programm aussehen, welches die Industrieländer und damit die Weltwirtschaft wieder zurück auf einen nachhaltigen Wachstumspfad bringt? Nach Lektüre des Jahresberichts der BIZ ergibt sich ein klares Programm:

1. Schluss mit Wachstum auf Pump

Obwohl immer von „Sparen“ geredet wird, ist in Wahrheit nichts davon zu spüren. Die Verschuldung von Staaten und Privaten ist in den Industrieländern aber auch den Schwellenländern seit 2007 weiter angestiegen. Die Staatsverschuldung der G7 wuchs um immerhin 40 Prozentpunkte auf nunmehr 120 Prozent des BIP. Auch der Privatsektor macht immer mehr Schulden. Weltweit stiegen die Schulden um beeindruckende 30 Prozent seit 2007. Trotz dieser rasanten Schuldenzunahme diagnostiziert die BIZ ein schwaches Wirtschaftswachstum, was angesichts der bereits bestehenden Schuldenlast nicht überraschen kann. Ein großer Teil der neuen Schulden dient nur dazu, dass bestehende Schuldengebäude vor dem Einsturz zu bewahren, führt aber nicht zu neuer Nachfrage und schon gar nicht zu mehr Investitionen. Der Versuch eine Krise, ausgelöst durch zu viele Schulden und zu billiges Geld, durch noch billigeres Geld und noch mehr Schulden zu bekämpfen ist damit offiziell gescheitert. Umso schlimmer, dass die Politik in Europa – nun auch noch unterstützt vom deutschen Wirtschaftsminister – und die EZB, statt dies anzuerkennen, auf eine Verstärkung der Dosis setzt. Nach dem Motto: Es wirkt nicht, also nehmen wir mehr davon.
Richtigerweise müssten wir der Tatsache ins Auge sehen, dass ein großer Teil der Schulden – ich schätzte den Betrag auf rund fünf Billionen Euro im Euroraum – nicht mehr bezahlt werden kann. Besser wäre es, hier einen Schnitt vorzunehmen und dann neu zu starten, als das Spiel auf Zeit fortzusetzen und das Problem damit immer weiter wachsen zu lassen. Realisierungswahrscheinlichkeit? Vorerst gering. Die Politik wird sich lange nicht trauen, diesen Weg zu gehen. Am Ende wird sie aber nicht darum herum kommen, freilich erst nachdem noch weiterer und größerer Schaden angerichtet wurde.

2. Entschärfen der Demografie-Bombe

Bereits im Jahr 2011 hat die BIZ in einer Studie aufgezeigt, dass die Versprechen der Politik für künftige Renten, Pensionen und Gesundheitsleistungen unter keinen Umständen finanzierbar sind. Würden Staaten wie Unternehmen bilanzieren, wäre das offensichtlich. Die wahre Verschuldung liegt zwischen 400 und 800 Prozent des BIP. Die BIZ hat damals berechnet, was die Politik tun müsste, um dieses Problem zu lösen. Selbst bei einem Einfrieren der Kosten für Rentner auf dem heutigen Anteil am BIP würden die Staatsschulden in vielen Ländern wie USA, UK und Frankreich weiter ungebremst ansteigen. Deutschland sah in diesem Szenario besser aus, allerdings war dies noch vor den Rentengeschenken der Großen Koalition. Dabei muss man bedenken, dass ein Einfrieren auf heutigem Niveau natürlich pro Kopf eine deutliche Kürzung darstellt. Dennoch ist ein Umsteuern durch längere Arbeitszeiten, höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und geringere Rentenniveaus unerlässlich. Realisierungswahrscheinlichkeit: immer geringer. Sobald die Mehrheit der Wähler Transferempfänger ist wird sich die Politik nur noch an deren Interessen orientieren. Die Politik der deutschen Regierung gibt da nur einen Vorgeschmack. Dass es am Ende zu einem Kampf zwischen Alt und Jung aber auch zwischen Alt (vermögend) und Alt (unvermögend) kommen wird, ist kein guter Ausblick.

3. Wachstum stärken

Ohne Wachstum wird es unmöglich sein, die bestehenden Herausforderungen zu lösen. Je geringer die Wachstumsrate der Wirtschaft, desto mehr Schuldner werden nicht in der Lage sein, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Auf Ebene der Staaten beweist das Beispiel Italien, dass allen Bemühungen zum Trotz die Schulden immer weiter ansteigen, wenn es nicht gelingt, das Wirtschaftswachstum nach oben zu bekommen. Angesichts der tiefen Inflation – oder gar der Gefahr einer Deflation, die die BIZ übrigens mit Blick auf historische Daten nicht so problematisch sieht – kann es nur darum gehen, dass Realwachstum der Wirtschaft zu stärken. Mit Blick auf die schrumpfende Erwerbsbevölkerung ist höheres Wirtschaftswachstum nur denkbar, wenn es gelingt, die Produktivität pro Kopf zu steigern. Schon seit Jahrzehnten nimmt das Wachstum der Produktivität ab und ist in Europa seit mehr als 15 Jahren schon negativ und in den USA nur noch knapp positiv. Die BIZ fordert konsequente Reformen, um das Wachstum zu stärken.

Zum einen müssten Staaten und Unternehmen wieder mehr investieren. Der Kapitalstock ist in den meisten Industrieländern so alt wie schon seit Jahrzehnten nicht mehr.

Die Staaten müssten dazu die Einnahmen anders verwenden, also weniger Konsum und mehr Investition, da die Verschuldungskapazität bereits ausgeschöpft ist. Zwar gibt es Experten wie Paul Krugman und Larry Summers, die die Staaten angesichts des billigen Geldes zu drastischen Investitionsprogrammen auf Pump drängen, doch dürften die Folgen fatal sein. Der unbedienbare Schuldenberg würde nur noch größer. Und andere, die wie Wolfgang Münchau in der FINANCIAL TIMES (FT) von heute eine direkte Finanzierung der Konjunkturprogramme durch die EZB fordern, hoffen eigentlich auf eine Bereinigung des Schuldenproblems durch die Hintertür. Entweder über einen demokratisch nicht legitimierten Schuldentilgungsfonds über die Bilanz der EZB (deutscher Anteil: 28 Prozent) oder die dann doch einsetzende Inflation, die, wenn sie denn kommt, sicherlich nicht bei vier Prozent pro Jahr stehen bleibt.

Die Unternehmen müssten auch mehr investieren. Doch warum sollten sie? Mit vorhandenen Anlagen und unzureichendem Wettbewerb lassen sich Renditen erwirtschaften, die bei weiterer Ausweitung der Kapazitäten nur sinken können. Da ist es besser, eigene Aktien zurückzukaufen oder Wettbewerber zu übernehmen. Beides dient zwar dem Aktienkurs, aber nicht dem Produktivitätswachstum der Volkswirtschaft. Besser wäre angesichts der Demografie gerade in Deutschland ein Boom in der Automatisierung. Doch die Unsicherheit ist den Unternehmen zu hoch.

Der Staat müsste zudem effizienter werden. Damit ließen sich mehrere Ziele auf einmal erreichen: geringere Kosten für den Steuerzahler, bessere Leistungen für die Bürger und weniger Bindung von Humankapital im öffentlichen Sektor und damit die Freisetzung von fähigen Mitarbeitern für die Privatwirtschaft. Was für die Privatwirtschaft die radikale Automatisierung und Umstellung auf Roboter ist, muss im öffentlichen Dienst die Durchforstung der Aufgaben, die radikale Vereinfachung der Prozesse und eine viel weitergehende Automatisierung sein. Nach dem Motto: Was wird gemacht, wie wird es gemacht und wer macht es? Wie auch in der Privatwirtschaft wird es nicht damit getan sein, schrittweise Verbesserungen zu erzielen. Gefordert ist stattdessen eine fundamentale Transformation. Diese sollte angesichts der Finanzlage, vor allem aber angesichts der auch im öffentlichen Dienst offensichtlichen demografischen Probleme leichter zu realisieren sein, als die Politik befürchtet.

Verbleibt als weiterer wesentlicher Faktor die dringend nötige Verbesserung unseres Bildungssystems. In einem immer intensiveren globalen Wettbewerb werden wir nur dann bestehen können, wenn wir unsere wenigen Kinder überdurchschnittlich gut ausbilden und die gesamte Bevölkerung intensiv fortbilden. Kein Politiker, der dies nicht in Festreden betont – und dennoch nicht umsetzt. Die geringen Fortschritte in den PISA-Tests täuschen darüber hinweg, wie groß die Probleme im Bildungssektor sind. Zweiflern empfehle ich den Besuch einer örtlichen Schule.

Keine neuen Themen und Forderungen. Realisierungswahrscheinlichkeit: sehr gering. Richtige Wirtschaftspolitik wirkt langsam und ist zudem oft unpopulär. Kurzfristige Wirtschaftspolitik ist angenehm und verlagert Probleme in die Zukunft.

4. Finanzsystem sanieren

Für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bleibt der Schuldenberg und die schwache Kapitalisierung des Banksektors weiterhin eine Belastung für die wirtschaftliche Entwicklung und ein systemisches Risiko. Zwar hofft die BIZ, dass der Stresstest der EZB die Banken zur Offenlegung ihres Kapitalbedarfs und Sanierung ihrer Bilanzen zwingt, doch darf an dieser Hoffnung zu Recht gezweifelt werden. Studien beziffern den Kapitalbedarf europäischer Banken auf bis zu 800 Milliarden Euro. Wer soll diese Lücke schließen? Staaten und Banken sind noch mehr als vor sechs Jahren wechselseitig voneinander abhängig und stützen sich wie zwei Betrunkene, während die EZB den Nachschub an Bier sichert. Ohne eine Bereinigung der faulen Schulden, eine strengere Regulierung der Banken und deutlich höhere Eigenkapitalanforderungen wird es nicht funktionieren. Realisierungswahrscheinlichkeit: null. Die Politik scheut sich, den Bürgern die Wahrheit zu sagen, denn ohne eine Bereinigung der faulen Schulden von rund fünf Billionen Euro kann man auch die Banken nicht auf eine stabile Grundlage stellen. Solange unklar ist, wer wie und in welcher Höhe die Kosten übernimmt, wird das Thema nicht angegangen. Zwar werden die Rufe nach Vermögensabgaben immer lauter und Politökonomen wie Thomas Piketty liefern eine Argumentationshilfe für die Politik, aber noch traut sich die Politik nicht daran.

5. Normalisierung der Geldpolitik

Nachdem die BIZ die Geldpolitik für gescheitert hält und erhebliche schädliche und risikoerhöhende Nebenwirkungen sieht, ist die Forderung, diese Politik zu beenden konsequent. Dieser Sicht kann man nur zustimmen. Ausführlich diskutiert die BIZ die Erfahrung mit ähnlichen Situationen in der Vergangenheit und erwartet Verwerfungen an den Finanzmärkten, sobald die Geldpolitik ihre Richtung ändert. Diese seien aber umso größer, je länger man mit der Normalisierung wartet. Realisierungswahrscheinlichkeit? Absolut null. Wenn die Notenbanken ernsthaft ihre derzeitige Politik beenden, wird offensichtlich, dass nur die Flut billigen Geldes den Booten Auftrieb gegeben hat. Das Schuldengebäude würde zum Einsturz gebracht werden. Und genau deshalb wird es nicht dazu kommen. Zwar mag die eine oder andere Notenbank mal eine Verlangsamung des Gelddruckens versuchen, eine Rückführung der Bilanzexpansion steht nirgendwo zur Debatte. Ohne die Notenbankstützung müsste sich die Politik der harten Realität stellen. Und nicht nur die Politik, sondern auch die Bevölkerungen der Industrieländer.

Weil wir das nicht wollen, ist ein anderes Szenario viel wahrscheinlicher: Die Notenbanken werden nicht weniger, sondern immer mehr in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen. Immer mehr Liquidität soll die Wirtschaft stützen. Immer mehr zweifelhafte Schulden werden in den Büchern der Notenbanken landen, so lange, bis diese letztlich zu Bad Banks geworden sind, zum Endlager für wertlose Wertpapiere. Diese können dann zins- und tilgungsfrei gestellt werden und die laufenden Defizite der Staaten nebenher auch noch finanziert werden. Einige sehen darin die perfekte, schmerzlose Lösung. Andere – wie ich – zweifeln daran, dass es möglich ist, sich so einfach aus dem Problem herauszumogeln. Zu groß ist die Gefahr des Vertrauensverlustes in unser Geld- und Finanzsystem.

Eine Prognose wage ich jetzt schon: Auch im nächsten Jahr wird die BIZ warnen, die Zeitungen darüber berichten, ich einen weiteren Kommentar schreiben. Aber wirklich was verändern wird das nicht. Die Politik wird sich nicht ändern.

Kommentare (39) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Michael Stöcker sagte:

    @ Dietmar Tischer

    Wenn Sie zuerst ein wenig nachgedacht hätten, dann hätten Sie sich Ihre Zeilen sparen können. Vergleiche der Gegenwart beziehen sich IMMER auf die Vergangenheit; also x-n. Die Zukunft ist grundsätzlich ungewiss.

    Und noch etwas: Debitismus ad infinitum muss nicht zwingend bedeuten, dass die Schulden immer weiter steigen müssen. Man kann sie auch ad infinitum revolvieren oder auch einfach via Erbschaftssteuer bereinigen.

    @ R. Ott

    „Glauben Sie das wirklich? Ad infinitium?“

    Ja, das glaube ich wirklich. Die Gesellschaft löst sich ja nicht so einfach über Nacht auf.

    „Sie können sich also vorstellen, dass eine Zentralbankbilanz irgendwann eine Bilanzsumme aufweist, die dem Zehnfachen oder Hundertfachen oder Tausendfachen oder Millionenfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung des zugehörigen Währungsraumes entspricht?“

    Nein, das kann ich nicht. Habe ich aber auch nicht behauptet.

    „Tja, und was passiert, wenn ich jemanden finde, der mir eine Maschine baut und dafür barbarische Relikte wie zum Beispiel Goldmünzen als Bezahlung annimmt?“

    Wie ich bereits geschrieben habe, können Sie sich selbstverständlich im Rahmen der Vertragsfreiheit sowie der Rechtsordnung auf jeden beliebigen Erfüllungsgegenstand einigen. Sie sollten sich aber doch ein wenig Gedanken über die Transaktionskosten machen, falls Ihr Maschinenbauer in Taiwan oder Seattle sitzen sollte; und auch darüber, warum es sich um ein barbarisches Relikt handelt: https://www.tdh.ch/de/projekte/kinderausbeutung-goldminen-bekaempfen

    LG Michael Stöcker

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Wenn sich Vergleiche der Gegenwart IMMER auf die Vergangenheit beziehen würden, gäbe es KEINE von Gegenwart und Zukunft, u. a. würde niemand Prognosen erstellen, weil die einen Vergleich von Zukunft und Gegenwart implizieren.

      Es gibt sie aber.

      Daher ist schon faktisch falsch, was hier erzählen.

      Wenn die Zukunft ungewiss ist, was der Fall ist, dann sind eben auch die Vergleiche ungewiss.

      Das schließt sie aber nicht aus.

      Ich habe nicht gesagt, dass die Schulden immer weiter steigen müssen, sondern nur Ihre Aussage analysiert.
      Das ist etwas anderes.

      Unter Debitismus verstehe ich das VERFAHREN, mit dem Geld geschaffen wird.

      Das ist etwas anderes als die Höhe der Schulden.

      Ich habe von einem logischen Debitismus ad infinitum. gesprochen, Sie gehen offensichtlich von einem empirisch erlebbaren ad infintum aus, das allerdings an die Bedingung geknüpft, dass „nicht irgendwelche Realmystiker“ den Stecker ziehen.

      Ob Realmystiker oder nicht, es gibt Leute, die den Stecker ziehen können und es gegebenenfalls auch tun werden – und sei es auch nur, weil Druck gemacht wird, ihn zu ziehen.

      Kehren Sie zur Wirklichkeit zurück.

      Das entwertet per se nicht tragfähige theoretische Ansichten.

      Sie werden dadurch jedoch aller Erfahrung nach glaubwürdiger.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Daher ist schon faktisch falsch, was hier erzählen.“

        We agree to disagree.

        „Ob Realmystiker oder nicht, es gibt Leute, die den Stecker ziehen können und es gegebenenfalls auch tun werden – und sei es auch nur, weil Druck gemacht wird, ihn zu ziehen.“

        Nichts anderes habe ich geschrieben.

        „Kehren Sie zur Wirklichkeit zurück.“

        Ich habe sie nie verlassen. Es ist nur partiell eine andere Wirklichkeitserzählung als die Ihre.

        Insofern: Kehren Sie zu einer konstruktiven Diskussion zurück.

        LG Michael Stöcker

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        ruby sagte:

        Herr Ort,
        nehmen Sie die Entscheidung über die Bewertung einer Bilanzposition die entscheidet welcher Betrag dort angesetzt wird.

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Aber wirklich was verändern wird das nicht. Die Politik wird sich nicht ändern.“

    Doch, Herr Dr. Stelter, langfristig wird sie das ganz sicher. Aber natürlich nicht, solange die Wähler ihr Wahlverhalten nicht ändern. Und das wollen sie bisher aus egoistischen Motiven nicht. Das werden sie aber dann, wenn die Kollateralschäden überhand nehmen. Ob das dann die Zunahme der Kriminalität, das Kürzen von Sozialleistungen oder die aufgelaufenen Fehlallokationen in der Privatwirtschaft sein werden, ist eigentlich egal.

    Ich vergleiche das gerne mit einem Hauseigentümer, der nach einem Gespräch mit dem Dachdecker und nach persönlicher Inaugenscheinnahme weiß, dass er das Dach sanieren müsste, aber jedes Jahr einen anderen Grund findet, es nicht zu tun. Im ersten Jahr muss erst noch die schon lange versprochene Kreuzfahrt zur Silberhochzeit gemacht werden. Im zweiten Jahr wird das neue Auto fällig, weil das Alte schon 100.000 km drauf hat. Im dritten Jahr will ein Kind eine Anschubfinanzierung für die Selbstständigkeit, das man doch nicht alleine lassen kann. Im vierten Jahr kommen die dritten Zähne daher, weil die Optik nicht mehr so ist wie mit 20 und der Vereinskollege schon dämliche Witze gemacht hat. Und so weiter und so fort, was man halt so an mehr oder weniger guten Gründen findet. Und irgendwann regnet es ins Haus rein, die Balken sind durchfeuchtet, Schimmel zieht ein, der Estrich ist nass usw. Und dann wird die Sanierung wesentlich teurer und langwieriger als wenn man sie rechtzeitig gemacht hat. Aber bis dahin hat man mehr Spaß als der Langeweiler, der sein Haus rechtzeitig saniert.

    Genau so kurzfristig denkt die Mehrheit der Wähler und genau das liefert ihnen die aktuelle Politik. Im Moment sind wir m.E. irgendwo in der Mitte zwischen der beginnenden Erkenntnisverweigerung und dem harten Aufprall in der Realität, der sich nicht vermeiden lässt. Steht alles schon übrigens nett beschrieben in der Bibel bei dem Gleichnis von dem Mann, der sein Haus auf Sand gebaut hat. Also keine wirklich neue Erkenntnis.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      >Doch, Herr Dr. Stelter, langfristig wird sie das ganz sicher.>

      Langfristig – das ist richtig.

      Darum geht es aber nicht.

      Denn Dr. Stelter sagt:

      >Auch im nächsten Jahr wird die BIZ warnen, die Zeitungen darüber berichten, ich einen weiteren Kommentar schreiben. Aber wirklich was verändern wird das nicht. Die Politik wird sich nicht ändern.>

      Heißt:

      Die Politik ändert sich nicht AUFGRUND der NÄCHSTEN Warnungen von der BIZ und von Dr. Stelter, was selbstverständlich nicht ausschließt, dass sie sich aufgrund anderer Ursachen in anderer Weise ändert – übrigens schon VOR deren nächsten Warnungen.

      Das nur nebenbei.

      Was ich fragen will bezüglich Ihrer Analogie:

      WER soll denn hierzulande der DACHDECKER sein, der mit den Wählern redet und sie dazu veranlasst, Deutschland so in Augenschein zu nehmen, dass sie wissen, Deutschland MÜSSTE saniert werden.

      Ich sehe diesen Dachdecker nicht.

      Ich sehe auch keine Wähler, die sich als Hauseigentümer verstehen.

      Ich sehe vielmehr Hausbewohner, die fortwährend Mietzuschüsse verlangen.

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    Michael Stöcker sagte:

    @ Dietmar Tischer

    „Auch wenn der Schaden noch GRÖSSER wird, kommt es politisch GEWOLLT nicht zu einem derartigen Schuldenschnitt.

    Denn spätestens dann kommt vielmehr die Stunde der Notenbanken mit der STERILISIERUNG von Schulden und parallel dazu der
    MONETARISIERUNG der Fiskal- und/oder Privatwirtschaft (siehe Japan, siehe Helikoptergeld).“

    Wie ich am anderen Thread geschrieben habe:

    „Statt den „größten Crash“ werden wir den größten Debitismus ad infinitum erleben.“

    Darauf Sie:

    „Wir erleben mit Ihrer Aussage gerade den größten Unsinn aller Zeiten.“

    Sterilisierung und Monetisierung ist der größte Debitismus aller Zeiten, Herr Tischer. Oder gab es in der Vergangenheit JEMALS größere Zentralbankbilanzen? Und das kann in der Tat ad infinitum gehen, wenn nicht irgendwelche Realmystiker den Stecker ziehen und das System verdampfen lassen. Mehr zu den Realmystikern sowie deren kategorialen Irrtümern gibt es hier: https://soffisticated.wordpress.com/2013/01/22/logische-typenlehre-und-die-okonomie/

    LG Michael Stöcker

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Sie haben geschrieben:

      >… werden wir den größten Debitismus ad infinitum erleben.>

      Beispielhaft dafür (nahe am Schuldenberg, aber sinnlich vorstellbar):

      „… werden wir den größten Sandhaufen ad infinitum erleben“

      Das heißt:

      An einem Tag x werden wir den größten Sandhaufen erleben.

      Am Tag x + 1 werden wir den größten Sandhaufen erleben.

      Am Tag (x + 1) + 1 werden wir den größten Sandhaufen erleben.

      Und so weiter – ad infinitum.

      Aufgelöst, WARUM das Unsinn über alle Zeiten hinweg ist:

      Wenn der Sandhaufen am Tag x + 1 der GRÖSSTE ist, dann war der am Tag x NICHT der größte.

      Wenn er am Tag (x + 1) + 1 der GRÖSSE ist, dann war der am Tag x +1 nicht der größte und der am Tag x war es auch nicht.

      Kurzum:

      EIN GRÖSSTES – was immer es ist – kann es NUR einmal geben.

      Ad INFINITUM ist aber nicht „nur einmal“, sondern „immer wieder ohne Ende“.

      Was Sie hätten sagen können mit den beiden Begriffen „Größte“ und „ad infinitum“:

      Wir werden einen immer größeren Debitismus ad infinitum erleben.

      Das heißt:

      Am Tag x werden wir einen größeren als zuvor erleben.

      Am Tag x + 1 werden wir einen (noch) größeren erleben.

      Am Tag (x + 1) + 1 werden wir einen (noch) größeren erleben.

      Wir werden JEDEN Tag den BIS dahin GRÖSSTEN erleben, aber es wird NIE der DER größte sein, weil wir am nächsten Tag einen noch größeren erleben werden.

      Ob das EMPIRISCH so sein wird, spielt keine Rolle, LOGISCH kann es so sein.

      >Sterilisierung und Monetisierung ist der größte Debitismus aller Zeiten, Herr Tischer.>

      Das wäre nur dann richtig, wenn Sie AUSSLIESSEN würden, dass es zukünftig KEINE größeren Schuldenberger als den „Schuldenberg zum Zeitpunkt des Einsetzens von Sterilisierung und Monetarisierung“ geben wird, weil „ALLE Zeiten“ auch die zukünftigen Zeiten einschließt.

      Das wollen und können Sie nicht, also ist diese Aussage nicht haltbar.

      Richtig OHNE weitere Qualifikation wäre es, wenn Sie gesagt hätten:

      >Sterilisierung und Monetisierung werden dafür sorgen, dass der Schuldenberg, den es bei ihrem Einsetzen gibt, nicht der größte gewesen sein wird>

      Und jetzt reden Sie sich nicht mit irgendeinem Crash raus.

      Das „statt“ rettet Sie nicht.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      „Sterilisierung und Monetisierung ist der größte Debitismus aller Zeiten, Herr Tischer. Oder gab es in der Vergangenheit JEMALS größere Zentralbankbilanzen? Und das kann in der Tat ad infinitum gehen, wenn nicht irgendwelche Realmystiker den Stecker ziehen und das System verdampfen lassen.“

      Glauben Sie das wirklich? Ad infinitium? Sie können sich also vorstellen, dass eine Zentralbankbilanz irgendwann eine Bilanzsumme aufweist, die dem Zehnfachen oder Hundertfachen oder Tausendfachen oder Millionenfachen der jährlichen Wirtschaftsleistung des zugehörigen Währungsraumes entspricht?

      Irgendwann ziehen ganz normale Leute, vielleicht mit gelben Westen oder ähnlichen Erkennungszeichen, dem System den Stecker, weil sie das Vertrauen in die von so einer durchgeknallten Zentralbank ausgegebenen Währung verlieren.

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    Michael Stöcker sagte:

    @ troodon

    „M.S. geht es aber fast immer um die gesamtwirtschaftliche Betrachtung.“

    So ist es.

    „Die Wortwahl von M.S. „müssen immer“ ist missverständlich und in dieser allgemeinen Aussage aus meiner Sicht dadurch falsch.“

    Da es Geldvermögen bis auf wenige Ausnahmen nur durch korrespondierende Schulden geben kann, ist diese ALLGEMEINE Aussage korrekt.

    Insofern: Klären Sie doch einfach mal für sich ab, wo denn dieses Geldvermögen seinen Ursprung hat, mit dem Sie aus individueller/spezieller Perspektive eine eigenkapitalfinanzierte „Investition“ tätigen.

    Dabei im Gedenken an Wolfgang Stützel immer schön die Gegenbuchung des anderen beachten.

    „Selbstverständlich kann eine einzelne oder mehrere Investitionen auch durch EK gleistet werden.“

    Geleistet ja, bezahlt nein. Eine Investition muss nicht nur finanziert, sondern auch BEZAHLT werden. Und das geht nun einmal ausschließlich mit Geld, sofern nichts anderes vereinbart wurde. Und bezahlen kann man ausschließlich mit Aktiva (Vermögen), aber niemals mit Passiva (Kapital). Und dieses Geld erblickt diese Welt im Ursprung IMMER durch ein Schuldverhältnis.

    Merke: Geld ist nichts anderes als umlauffähige Schulden.

    Über diese simplen Zusammenhänge sollten insbesondere auch R. Ott und Evi Dent einfach mal ein wenig nachdenken. Dieser Beitrag kann dabei hilfreich sein: https://zinsfehler.com/2019/01/23/warum-konnen-wir-unser-geldsystem-nicht-richtig-verstehen/

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      „Geleistet ja, bezahlt nein. Eine Investition muss nicht nur finanziert, sondern auch BEZAHLT werden. Und das geht nun einmal ausschließlich mit Geld, sofern nichts anderes vereinbart wurde. (…) Und dieses Geld erblickt diese Welt im Ursprung IMMER durch ein Schuldverhältnis.“

      Tja, und was passiert, wenn ich jemanden finde, der mir eine Maschine baut und dafür barbarische Relikte wie zum Beispiel Goldmünzen als Bezahlung annimmt?

      Antworten
    • Avatar
      Alexander sagte:

      @Michael Stöcker

      „Investitionen auch durch EK ….leisten“

      Angesparte Überschüsse in Form von Giroguthaben spiegeln sich sehr wohl im Eigenkapital/passiv wieder….auch wenn das „nur“ die Schulden anderer Leute sind.

      Interessant werden eigenkapitalfinanzierte Investitionen, wenn die Pfänder bereits auf 1€ abgeschrieben sind oder als Immobilien weit unter Verkehrswert bilanziert und weit höher belieben werden.

      Das sind die Parameter die zinsgünstig belohnt werden müssen und nicht das Versagen->faule Kredite->faule Vermögen->mit endloser Prolongation zu Negativzins.

      Ich bestaune ein ums andere mal, wie sie revolutionäre Geldpolitik mit der Angst von Hyperdeflation->Machtergreifung a la Hitler begründen…während wir alle zusehen, wie entgrenzte Geldpolitik amtierende Politik zu grenzenloser Macht verhilft.

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    • Avatar
      troodon sagte:

      @ M.S.
      Danke für Ihre Erläuterungen. Da Sie „vorfinanziert“ schrieben, hätte ich es eigentlich selbst merken müssen.

      „Da es Geldvermögen bis auf wenige Ausnahmen nur durch korrespondierende Schulden geben kann…“
      Welche Ausnahmen wären das ?
      Und da es die Ausnahmen gibt, ist ja vielleicht doch statt „immer “ ein „fast immer“ passender.

      „das geht nun einmal ausschließlich mit Geld, sofern nichts anderes vereinbart wurde.“
      Wenn aber etwas anderes vereinbart wurde, z.B. Bezahlung per ottschen Goldgnugget, den Hr. Ott eigenhändig ausgegraben hat, um bei mir Holz, welches auf meinem Grundstück gewachsen ist, für den Bau seines Lagerhauses zu erwerben, dann wäre auch keine Vorfinanzierung per Kredit notwendig. Klar,Ausnahme, aber eben nicht unmöglich. Deshalb habe ich mit dem Begriff „immer“ in diesem Zusammenhang meine Probleme. Dies brauchen wir aber nicht ausdiskutieren.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Damit ich nicht missverstanden werde, vorab:

    >Wir haben nicht nur keine Fortschritte gemacht, sondern im Gegenteil alles verschlimmert. Mit Blick auf Deutschland muss man sogar sagen, wir haben unsere Ausgangslage für die nächste Stufe der Krise nachhaltig verschlechtert.>

    Volle Zustimmung.

    Und jetzt meine Kritik:

    >… ist den Regierenden natürlich bekannt. Sie haben wider besseren Wissen das Richtige unterlassen und das Falsche verstärkt.>

    Das ist ein falsches Politikverständnis.

    Es gibt in der Politik nicht das Richtige und das Falsche.

    Es gibt nur ein Handeln aufgrund von INTERESSEN der HANDELNDEN und der BETROFFENEN, etwa die Macht nicht zu verlieren, einen Konsens herzustellen oder eine bestimmte Schlechterstellung zu verhindern, etwa in den internationalen Handelsbeziehungen.

    Derartiges Politikhandeln kann PRIZIPIELL nicht richtig oder falsch sein, weil es KEINE übergeordnete Instanz gibt, die etwas setzt, das als KRITERIUM für richtig oder falsch gelten könnte.

    Politisches Handeln hat wie anderes Handeln auch aber bestimmte KONSEQUENZEN.

    Man kann sie BENENNEN als Konsequenzen des Handelns oder Unterlassens.

    Das geschah auch:

    >Der frühere BIZ-Chefvolkswirt William White warnte frühzeitig vor der Finanz- und Wirtschaftskrise, doch niemand wollte auf ihn hören. Stattdessen wurde der „Meister“ Alan Greenspan für seine Politik des immer billigeren Geldes von allen Seiten gelobt.>

    Und ganz richtig, es geschieht wieder:

    In diesen Tagen ist es genauso.

    > Im neuesten Jahresbericht warnt die BIZ erneut in deutlichen Worten vor den Nebenfolgen der heutigen Wirtschaftspolitik und fordert eine drastische Umkehr.>

    WARUM ist das so, warum will niemand darauf hören – warum ein politisches WEITER so TROTZ kompetenter Warner?

    Weil die Warner aus SYSTEMSICHT warnen.

    Das ist nicht nutzlos, bleibt aber ohne politische Wirkung, weil SYSTEME keine Interessen haben.

    So auch die erste und wesentliche Maßnahme dieses „Reform-Beitrags“ – die Politik wird sich nicht danach richten:

    „Besser wäre es, hier einen Schnitt vorzunehmen und dann neu zu starten, als das Spiel auf Zeit fortzusetzen und das Problem damit immer weiter wachsen zu lassen.“

    Dr. Stelter weiß selbst, dass NIEMAND ein Interesse an einem umfassenden geordneten Schuldenschnitt hat:

    >Realisierungswahrscheinlichkeit? Vorerst gering. Die Politik wird sich lange nicht trauen, diesen Weg zu gehen>

    Lange nicht, aber dann doch einmal?

    >Am Ende wird sie aber nicht darum herum kommen, freilich erst nachdem noch weiterer und größerer Schaden angerichtet wurde.>

    Auch wenn der Schaden noch GRÖSSER wird, kommt es politisch GEWOLLT nicht zu einem derartigen Schuldenschnitt.

    Denn spätestens dann kommt vielmehr die Stunde der Notenbanken mit der STERILISIERUNG von Schulden und parallel dazu der
    MONETARISIERUNG der Fiskal- und/oder Privatwirtschaft (siehe Japan, siehe Helikoptergeld).

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      Alexander sagte:

      @Dietmar Tischer

      > siehe Japan

      Könen Sie die Frage beantworten, wieviele Japans diese Weltwirtschaft tragen kann?
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/242823/umfrage/laender-mit-dem-hoechsten-durchschnittsalter-der-bevoelkerung/

      Die Traumauswanderungsländer kompensieren ihre Fertilitätsraten durch jüngere Migration aus der schrumpfvergreisenden ersten Welt, wie die BRD aus dem Personal Osteuropas.

      Japan weist als Exporteur eine positive Leistungsbilanz auf und verhindert damit den Vertrauensverlust in seine Geldpolitik.

      Eltiche Länder der EU altern ähnlich, verloren an Exportfähigkeit nach Euroeinführung, weisen eine negative Leistungsbilanz auf und werden sozialistisch regiert. Den 125 Mio Japanern stehen 511 Mio der europäischen Union gegenüber, deren Leistungsniveau zuletzt durch Zuwanderung aus dritten Welten stetig gemindert wird.

      Innerhalb der EU Gesellschaften ist die Fertilität bei Frauen mit Migrationshintergrund nicht annähernd so unbefriedigt, wie bei Frauen die schon länger europäische Papiere besitzen.

      Ich bezweifle, dass unsere Sozialsystem nach Änderung der Parlamente entsprechend der existierenden Parallelgesellschaften so zementiert bleibt, wie aktuell. Mit dem Verfall der Leistungsfähigkeit (nach geringerem Bildungserfolg) wird auch die Bereitschaft Transferzahlungen an alte, weiße Minderheiten zu leisten, abnehmen.

      Im Augenblick braucht das keinen Rentner oder Pensionär zu stören, man darf die Früchte seines entbehrungsreichen Lebens in den Jahren der Bonner Republik ff. , geprägt durch Zinspolitik/ununterbrochene Erwerbsbiographien/Vermögenspreisgewinne und Karrieren noch eine Weile genießen.

      Aus diesem märchenhaften Wohlfühlgefühl heraus dominieren oder verhindern genau jende Generationen jeden Wandel, der eine Chance auf Reformen übrig ließe.

      Diese Kreise haben kein Mitgefühl zu erwarten, wenn ihr Traum geplatzt ist.
      Man schuf diese Umstände eigenverantwortlich.

      Das Rentensystem ist Sollbruchstelle, falls die Geldpolitik noch ein wenig trickreich durchhält.

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      ruby sagte:

      Herr Tischer, ich wüßte nicht, daß die Deutsche Bundesbank noch fähig ist, Geldautomaten zu befüllen oder bei den paar Zahlstellen noch eine Währung unter das Volk zu bringen. Ihre „Monetarisierung“ hier in Deutschland gehört eher zu den Visionen eines Helmut Schmidt.
      Aber vielleicht bringen die Bauern nach der Haushaltsdebatte frisches Geld auf den Treckern in die Heimat, ansonsten landen die Politiker über kurz oder lang in den Jauchegruben und auf den Misthaufen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ ruby

        Die Deutsche Bundesbank müsste keine Geldautomaten befüllen.

        Sie hätten ein Konto bei der Deutschen Bundesbank, das diese mit Daten „befüllen“ würde, was nichts weiter heißt, dass Sie (Helikopter)Geld erhalten, über das Sie nach Belieben verfügen können.

        Wenn Sie Ansprüche an die GRV haben, wissen Sie, was ich meine:

        An jedem 1. eines Monats wird Ihnen von der ein Betrag auf dem angegebenen Konto gutgeschrieben.

        Die GRV bestückt auch keine Geldautomaten, um Ihre Ansprüche zu erfüllen.

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        ruby sagte:

        @Herr Tischer
        Wir sind doch lange in Analyse seit etwa 2010 und sollen Wissen, daß es kein direktes Zentralbank für EU Bürger gibt. Spätestens wenn ein Staat es versuchte würde das wegen Wettbewerbswidrigkeit sofort zum Kampf zwischen den Staaten kommen.
        Helikoptergeld für Staatsbürger funktioniert nur in Einzelstaatlichkeit ohne den Gemeinsamen Binnenmarkt.

        Ich bin ein Verfechter eines persönlichen Bundesbankkontos als staatlsbürgeriche Ingredienz von Rechten und Pflichten.
        Nur dieses heute in irgendeiner Form als relevante Lösungsvariable anzunehmen ist akademischer Natur.
        Es gibt weder Hardware noch Software oder einen Ansatz von Rechtsrahmen, um souverän eine Gesetzesinitiative zu starten und eine Institution mit Daten und Summen zu füttern.
        Hier gilt es Realitätssinn zu wahren.
        Erst kommt der Crash, der bestandstechnisch als Investionslücke bereits als fehlende Aktiva und Eigenkapital erfolgt ist, dann eine Neuordnung, die auf diesen geschrumpften und verrotteten Aktivas auf Tiefenniveau
        begönne sowie fortführen.

        Die GRV arbeitet übrigens mit der der Postbank in Berlin, einem Relikt aus den Zeiten von Hoheitstätigkeiten, das auf Zerschlagung oder Umwandlung wartet, als Kontoführer zusammen und zahlt seit 2004 nachschüssig.
        „Die Deutsche Rentenversicherung überweist jeden Monat gut 23 Milliarden Euro, im Durchschnitt etwa 1100 Euro pro Rentner. Das Geld geht zunächst an den sogenannten Rentenservice der Postbank, zusammen mit den Daten, welcher Rentner welchen Betrag erhält. Die Postbank überweist es dann weiter auf die Konten der Rentner bei deren Banken. Es ist vorgeschrieben, dass das Geld am selben Tag bei den Rentnern eingehen muss, an dem es die Rentenversicherung der Postbank anweist.
        Dass die Postbank dafür zuständig ist, hat sich historisch so entwickelt. Früher war die bundeseigene Post für die Auszahlung der Renten zuständig; die Rentner holten sich ihr Geld am Postschalter ab. Als die Rentenversicherung dazu überging, das Geld zu überweisen, übernahm die Postbank die Funktion, da die Rentenversicherung keine eigene Banklizenz hat.“

        Huawei wird vielleicht demnächst über die Telekom-Auspionierung einsteigen und kann dann eine HelikopterApp fürs Smartphone für alle Staatskassen herausgeben inklusive Punktesystem…

        Deutschland ist bis dahin weiter zu gar nichts Handfestem in der Lage. Alt bis jung haben keine Umsetzungsfähigkeiten, wie Sie immer wieder so rational erklären.

        So sieht mein Ausblick aus.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ ruby

        Es geht bei der diskutierten Problematik NICHT darum, was es ab 2010 gibt oder nicht gibt.

        Es geht darum, was funktional MÖGLICH ist in der Zukunft.

        Heißt:

        „Empirie heute“ spielt keine Rolle.

        Sondern:

        Ist es möglich, dass eine bestimmte Empirie zukünftig möglich ist oder nicht – unabhängig davon, ob sie realisiert wird oder nicht?

        Meine Behauptung, Sie hätten ein Konto bei der Bundesbank, ist als MÖGLICHKEIT nur durch die glaubwürdige Darlegung zu widerlegen, dass dies technisch unter welchen Umständen auch immer nicht realisierbar sei.

        Diese Darlegung kann nach Lage der Dinge niemand leisten.

        Also bin ich nicht widerlegt.

      • Avatar
        ruby sagte:

        Herr Tischer,
        es geht um die Fähigkeit, Sinnhaftigkeit, Wirtschaftlichkeit und die Rechtmäßigkeit. Diese sind durch Begrifflichkeiten besser Worthülsen wie „Helikoptergeld“ oder „Klimanotstand“ nicht behandelt.

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    TvZH sagte:

    Der krampfhafte Versuch des Menschenimports schafft immerhin zwei Dinge:
    Es erhöht die Prokopf Zahl was man zur Simulation eines Produktivitätszuwachses beim Menschenmaterial nutzen kann und es hält die Mieten und damit die Immobilienbewertung hoch, so dass keine Bewertungskorrektur bei den Immobilien erfolgen muss die das (Kredit) Kartenhaus gefährdet.
    Ob die Integration dann auch gelingt ist eh zweitrangig.

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    Michael Stöcker sagte:

    „was Europa wirklich bräuchte“

    …wären Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Das scheint so langsam aber sicher auch die Sicht von Jens Weidmann zu sein. Viele gute Fragen und Antworten und nur sehr wenige Aspekte, bei denen ich tendenziell eine differenziertere Sicht habe: https://youtu.be/5PPXCqPkNzY

    „1. Schluss mit Wachstum auf Pump“

    Dann kann es kein Wachstum mehr geben. Investitionen müssen IMMER per Kredit VORFINANZIERT werden. Eine Erkenntnis, die als goldene (Finanzierungs)Regel schon mal zum Allgemeinwissen gehört hatte.

    LG Michael Stöcker

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      „Investitionen müssen IMMER per Kredit VORFINANZIERT werden.“

      So ein Quatsch. Haben Sie noch nie eine Investition aus eigenem Vermögen finanziert?

      Sie klingen wie ein aufdringlicher und unseriöser Bank-„Berater“, der verzweifelt versucht, Kreditverträge zu verkaufen.

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        Horst sagte:

        „So ein Quatsch. Haben Sie noch nie eine Investition aus eigenem Vermögen finanziert?“

        Sie haben nichts verstanden, Sie armer Tropf. Ein Offenbarungseid.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        Die Wortwahl von M.S. „müssen immer“ ist missverständlich und in dieser allgemeinen Aussage aus meiner Sicht dadurch falsch.

        Was aus Einzelsicht machbar und sinnvoll ist (Investition durch EK), endet gesamtwirtschaftlich, wenn dies alle vorhaben, in der Depression.

        Selbstverständlich kann eine einzelne oder mehrere Investitionen auch durch EK gleistet werden.

        M.S. geht es aber fast immer um die gesamtwirtschaftliche Betrachtung. Wenn hier alle „sparen“ würden, mit der Absicht später eine Investition mit EK zu finanzieren, würde sich eine Abwärtsspirale in Gang setzen.

        „Vereinfacht gesagt, argumentiert der Keynesianismus, dass sparen im Sinne von Geldvermögensbildung zwar eine individuelle Tugend sein mag, aber aus makroökonomischer Sicht in die Katastrophe führen kann. Wenn die privaten Haushalte und Unternehmen zusätzliche Nettogeldvermögen bilden möchten, aber nicht zusätzlich investieren möchten, zerstören sie durch das Zurückhalten von Ausgaben für Güter und Dienstleistungen die Einkommen von Unternehmen und Beschäftigten, die entsprechend wenige Güter und Dienstleistungen verkaufen können. Unternehmen, die ihre Güter nicht absetzen können, und Arbeitnehmer, die arbeitslos werden, dürften nach dieser Sichtweise ihre Ausgaben für Investitionen und Konsum noch weiter einschränken, so dass die Volkswirtschaft in eine Abwärtsspirale geraten kann. Hierdurch fallen die Einkommen der Volkswirtschaft, so dass die ursprünglich geplante Ersparnis in Form von Geldvermögensbildung nicht realisiert werden kann. Diesen Zusammenhang bezeichnet man als keynesianisches Sparparadox: Die gesamtwirtschaftlichen Ersparnisse fallen, weil die gesamtwirtschaftlichen Einkommen fallen, weil zu viele Haushalte und Unternehmen ihre Geldvermögen erhöhen wollen, statt Güter und Dienstleistungen nachzufragen. “
        http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/schuldenkrise/239938/sparen-und-investieren-i-geschlossene-volkswirtschaft

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      MFK sagte:

      Langfristige Investition mit möglichst kurzfristigen Krediten finanzieren? Das ist nicht Ihr ernst. Wie wäre es mit Finanzierung aus dem Eigenkapital?

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        Evi Dent sagte:

        Natürlich kann ich verstehen, dass es Situationen gibt, wo das Eigenkapital nicht reicht. Hier sollte die Kreditaufnahme unter dem antiquierten Begriff „Schulden“ verstanden und auch wieder zurückbezahlt werden. Dennoch bin ich der Auffassung, dass eine Anschaffung erst angespart werden sollte und evtl. aufgeschoben werden .
        Z.B. unterbleibt halt der Urlaub unter Palmen, als Anschaffung betrachtet, wenn die Kohle nicht da ist. Mich hat einmal ein Bekannter zum Essen eingeladen und gleichzeitig angepumpt, damit er das bezahlen kann. Damit kommen wir zur gegenwärtigen zinspolitischen Schizophrenie. Wenn sparen nichts mehr wert ist, die ansonsten gelobten Tugenden der schwäbischen Hausfrau über Bord gegangen sind, dann kommt die Gesellschaft auf die Zielgerade des Zerfalls.
        Finanzierung MUSS den Finanzierern Anreize bieten! Warum soll ich anderen Geld leihen, schliesslich schenken, damit die damit tun, was ich gerne selber getan hätte?
        Wirtschaftliches Wachstum mit Preisstabilität gab es in Deutschland zwischen 1871 und 1914. Dies ganz sicher mit viel weniger Krediten als heute. Bitte nicht missverstehen, ich wünsche mir keinen Kaiser oder König zurück und auch keinen Sozialismus gleich welcher Art. Dazu gehört auch, frei nach M. Thatcher, dass keinem anderen mein Geld ausgeht.

      • Avatar
        Dagobert sagte:

        @Evi Dent

        > Preisstabilität gab es in Deutschland zwischen 1871 und 1914

        An anderer Stelle wurde dieser Irrtum schon aufgeklärt. Obiger Zeitraum war weltweit als die große Depression durchlitten worden. Die Firmenzusammenbrüche („Gründerkrise“ nach Kreditboom – frz. Reparation 1871, Gründung dt. Bank) versuchte man durch Staatswirtschaft zu mildern, insbesondere durch Auslastung systemischer Branchen – z.B. Krupp.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Depression_(1873%E2%80%931896)

        Die Schaumweinsteuer zur Finanzierung der kaiserlichen Kriegsmarine und kluge imperiale Versuche in Afrika begleiteten diese Illusion bis zum Kriegsausbruch 1914. Ludwig von Mises schrieb dazu, dass der NationalSozialismus schon um die Jahrhundertwende fertig ausgeprägt war und nur auf seinen anFührer wartete.

        In den USA wurden divers bunte Liquiditätskrisen durch Gründung des FED Systems beendet, aus dem gleichen Grund warum man heute Kreditausfälle mit viel mehr Kredit zu heilen hofft.

        1929 war kein Zufall.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      >„1. Schluss mit Wachstum auf Pump“

      Dann kann es kein Wachstum mehr geben. Investitionen müssen IMMER per Kredit VORFINANZIERT werden.>

      Das können sie auch und in der Folge kann es auch Wachstum geben, wenn VORHER ein Schuldenschnitt durchgeführt worden ist.

      Den hat Dr. Stelter AUSDRÜCKLICH im Text unter der Überschrift gefordert.

      Geben Sie sich hier nicht schlauer als schlau, sondern kommen Sie runter von Ihrem grandiosen Baum
      fehlgeleiteter Besserwisserei.

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Wir haben nicht nur keine Fortschritte gemacht, sondern im Gegenteil alles verschlimmert. Mit Blick auf Deutschland muss man sogar sagen, wir haben unsere Ausgangslage für die nächste Stufe der Krise nachhaltig verschlechtert.“

    Was natürlich in einem Artikel aus dem Jahr 2014 fehlte ist die Empfehlung, keine unkontrollierte Zuwanderung von Unqualifizierten in die europäischen Sozialsysteme zu ermöglichen.

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