Es gibt kein Mangel an Studien, die zeigen, wie politisch motiviert Bargeldverbote sind

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Auch die NZZ hat sich mit dem Thema „Bargeldverbot“ beschäftigt. Die Kernaussagen bleiben die Gleichen:

Letztlich ist das auch der Tenor einer Studie der Deutschen Bank, die mir ein Leser freundlicherweise geschickt hat:

→ Bargeld Deutsche Bank 2017

Einige Highlights:

 

Fazit: Bargeld wird genutzt: Es bietet eine Sicherheit vor Bankenkrisen, es hat nichts mit Schwarzarbeit zu tun, es ist weniger betrugsanfällig und es ist relativ zu den Bankeinlagen vernachlässigbar. Noch Fragen?

→ NZZ: „Wieso es Bargeld braucht“, 2. Februar 2017

16 Antworten
  1. Wolfgang Selig says:

    Bei diesem Thema sollte man aber nicht vergessen, dass größere Mengen Bargeld auch sicher aufbewahrt werden müssen. Das gibt es nicht umsonst Versicherungen, Tresore, etc.). Und richtig lustig wird es, wenn Sie in ein paar Jahren eine größere Menge Bargeld irgendwo einzahlen wollen und belegen wollen, dass sie dieses versteuerte und legale Bargeld einfach nur ein paar Jahre außerhalb des Bankensystems aufbewahrt haben. Ich wünsche viel Vergnügen bei den dann folgenden Debatten mit Banken, Finanzamt und Kriminalpolizei…^^

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  2. Dietmar Tischer says:

    Die Schlussfolgerung, die mir am wichtigsten erscheint:

    Die steigende Bargeldnachfrage und –nutzung ist vor allem ein Zeichen für den VERTRAUENSVERLUST der Menschen.

    Die trauen nicht mehr den Institutionen (Banken), vielfach auch nicht der Technologie (Kartenzahlungen) und auch nicht mehr den Politikern.

    Das Misstrauen steigt noch einmal, wenn an der Abschaffung von Bargeld gearbeitet wird, u. a. durch die Abschaffung des 500 Euro-Scheins.

    Wenn dann noch Ökonomen wie Rogoff mit 5 bis 6% Negativzinsen argumentieren, damit die Geldpolitik WIRKSAM werde, die Krise zu bewältigen, gießen sie Öl ins Feuer (und zeigen ganz nebenbei, dass auch brillante Ökonomen von der gesellschaftlichen Realität keine Ahnung haben können).

    Nimmt man alles zusammen, muss man sagen, dass diejenigen, die das Mandat zur Krisenbewältigung haben, HILFLOS sind, wenn sie so GEGEN die Befindlichkeiten der Bevölkerung agieren.

    Ob mit oder ohne Bargeld, die Perspektiven sind düster.

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    • Horst says:

      „Ob mit oder ohne Bargeld, die Perspektiven sind düster.“

      Ein Fazit, lieber Herr Tischer, das ich gerne unterstreiche, jedoch Ihrem sonst so sehr vertretenem Bivalenzprinzip gar nicht entspricht.

      p.s.: Ich bin mir darüber hinaus sicher, dass es im Verlauf der humanen Evolution durchaus Phasen düsterer Perspektiven gegeben hat.

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      • Dietmar Tischer says:

        Ich verstehe nicht, was Sie mit dem Bivalenzprinzip meinen, das ich angeblich vertrete.

        Helfen Sie mir, am besten mit einer dafür beispielhaften Auffassung oder Aussage.

        Es ist sicher richtig, dass es im Verlauf der HUMANEN Evolution Phasen mit düsteren Perspektiven gegeben hat. Und es hat dennoch immer ein Leben nach dem Tod gegeben. Daher gibt es uns noch. Auch das, was ich hier mit düsteren Perspektiven meine, ist nicht der Weltuntergang. Ich meine damit, dass wir uns auf Zeiten wachsender Instabilität einstellen müssen. Das ist keine Bedingung, unter der sich das Wohl der Menschen befördern lässt.

    • Wolfgang Selig says:

      Ich denke, Ihre Aussage zur Hilflosigkeit trifft den Nagel auf den Kopf. Die heiße Kartoffel der zunehmenden Verschuldung ist seit Jahrzehnten von einem Verantwortlichen zum nächsten weitergegeben worden und jetzt wird den gerade Amtierenden klar, dass es durchaus noch während der eigenen Amtszeit zum Reset kommen kann. Da den Entscheidungsträgern bewusst ist, dass der Überbringer der schlechten Nachricht gefährlich lebt, suchen sie verzweifelt nach „Strohhalmen“. Wie ein Ertrinkender.

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      • Rob says:

        Das haben Sie gut zusammengefasst, wie ich finde. Zumindest lässt sich betreffend zunehmender Staatsverschuldung einen Reim daraus machen. Politiker gewinnen (von der Tendenz her) Wahlen eher, wenn sie mehr ausgeben als einnehmen. Irgendwann ist logischerweise schluss (mit lustig…).

        Der „Strohhalm“ ist hier wohl die EZB. Kauft sich Zeit, damit Politiker an Lösungen arbeiten können. Lösungen, die aus von Ihnen genannten Gründen nicht kommen.

  3. Johannes says:

    „Nimmt man alles zusammen, muss man sagen, dass diejenigen, die das Mandat zur Krisenbewältigung haben, HILFLOS sind, wenn sie so GEGEN die Befindlichkeiten der Bevölkerung agieren. “

    In der Tat, dass Potpourri an bereits getroffenen und bereits andiskutieren Maßnahmen (z.B. Helikoptergeld) – allesamt ohne den erhofften Nutzen, lässt nichts Gutes ahnen. Fahren wir fort im vorbereiten.

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    • Dietmar Tischer says:

      Die Einlagensicherung kann so manches abfedern, aber nur dann, wenn nur eine oder ganz wenige Banken betroffen sind.

      Kommt es zu einem Dominoeffekt von Bankinsolvenzen – sehr wahrscheinlich, weil die Banken untereinander verschuldet sind – ist die Einlagensicherung überfordert.

      Die meisten Menschen realisieren das nicht, weil es zumindest in jüngster Zeit noch nicht passiert ist, auch nicht in der Griechenlandkrise nach 2010, von der vor allem französische Banken gewaltig gewackelt hätten, wenn das Bankensystem nicht durch Staatsgarantien stabilisiert worden wäre.

      Denken Sie an die Lehman-Krise als Merkel und Steinbrück gemeinsam vor die Bevölkerung getreten sind und sinngemäß gesagt haben: Haben Sie keine Sorge um Ihr Geld (i. e. leeren Sie nicht ihre Konten und horten Sie kein Bargeld), wir haben das im Griff und garantieren für die Sicherheit. Später hat Steinbrück einmal gesagt, dass es um die Beruhigung der Leute gegangen sei, das Versprechen hätte man im Falle eines Falles nicht halten können.

      So ist es.

      Wenn das so ist, werden sich immer mehr Menschen fragen, warum Sie dann noch IRGENDEINEM Wort der Regierenden glauben sollen.

      Das verheißt nichts Gutes.

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    • Bagehot says:

      @ Alfred

      Es gibt in Deutschland mehrere Systeme zur Sicherung der Kundeneinlagen.

      1. Die gesetzliche Einlagensicherung betrifft alle Bankkunden. Der Staat zahlt pro Kunde (nicht pro Konto) bis zu 100.000 Euro.

      2. Parallel zur gesetzlichen Einlagensicherung haben die drei Banksysteme, die es in Deutschland gibt, jedes ein eigenes Sicherungssystem – also die Sparkassen, die Kreditgenossenschaften und die privatwirtschaftlichen Banken. Die Haftungsgrenzen sind bei den Privatbanken erheblich höher als beim Staat, sie gelten aber nur für Banken, die dem Bankenverband angeschlossen sind.

      Bei Vermögen, die über die Haftungsgrenzen der diversen Sicherungssysteme hinausgehen, müssen die Bankkunden ebenso bluten wie Aktionäre und Anleihegläubiger.

      In den seltensten Fällen sind die Vermögen aber völlig weg, wenn eine Bank Pleite geht. Laut historischen Erfahrungen können im Mittel mehr als 50 Prozent der Forderungen aus der Konkursmasse bedient werden. (Banken werden vom Staat relativ streng kontrolliert; bevor alles Geld verpulvert ist, schreitet die Bankenaufsicht ein.)

      Wenn eine Großbank wie die Deutsche Bank Konkurs macht, sind natürlich die gesetzliche wie auch die private Einlagensicherung völlig überfordert. In diesem Fall würde der Staat eingreifen – entweder mit Bürgschaften , mit frischem Kapital oder mit einer – entschädigungslosen – Verstaatlichung.

      Allerdings ist heute die Gefahr einer großen Bankenpleirte deutlich geringer als vor der Finanzlkrsie von 2008:

      1. Die Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten, mit denen die ausgereichten Kredite gedeckt werden.

      2. Zugleich müssen die Kreditinstitute mehr Liquidität ausweisen.

      3. Banken dürfen bestimmte riskante Geschäfte wie den Eigenhandel mit Aktien etc. nicht mehr betreiben.

      4. Großbanken müssen sich regelmäßigen Stresstests unterziehen, bei denen geprüft wird, ob sie bestimmte Krisenszenarios überstehen würden.

      Sie müssen also heute weniger Angst als 2007 haben, dass ihre Bankeinlagen futsch gehen könnten.

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      • Paul says:

        Ist das Ihr Ernst oder ist das Satire?? Selbst wenn das alles in einem Krisenszenario genau so halten sollte, müsste eine enorme Menge an Geldeinheiten neu geschaffen werden, um die Forderungen an die Bank(en) abzulösen. Und das wäre nicht Geld, dass wie bei QE auf Zentralbank-Konten oder in Assets an den Finanzmärkten gebunkert wird, sondern das DIREKT in den Wirtschaftskreislauf fließen wird. Ich wünsche Ihnen Erfolg dabei, diese Währungseinheiten tatsächlich gegen Güter aller Art einzutausen.

  4. Bagehot says:

    Die Überschrift zu der Grafik mit der Nummer 3 lautet:

    „Anteil von Barzahlungen kein verlässlicher Indikator für die Größe einer Schattenwirtschaft“

    DFas ist nicht ganz richtig. Würde man eine egscheite Regressioonsanalyse machen, ergäbe sich eine deutlich steigende Gerade, die etwa bei den Koordinaten 30/5 beginnt und bei den Koordinaten 100/25 endet.

    Die relativ enge Korrelation springt unmittelbar ins Auge, wenn die beiden Ausreißer Österreich (AT) und Schweden (SE) entfernt werden.

    Es gibt also sehr wohl einen recht engen Zusammenhang zwischen dem Umfang an Barzahlungen und dem Ausmaß an Schattenwirtschaft in den einzelnen Ländern.

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  5. Bagehot says:

    @ Tischer

    „Später hat Steinbrück einmal gesagt, dass es um die Beruhigung der Leute gegangen sei, das Versprechen hätte man im Falle eines Falles nicht halten können.“

    Na ja, ganz so war es nicht. Der Staat hat mit seinen nach der Erklärung gestarteten Rettungsprogrammen dafür sorgen können, dass kein einziger privater Bankkunde Geld verloren hat!

    Für diese Maßnahmen haben Bund und Länder insgesamt etwa 50 bis 70 Milliarden Euro aufgebracht.

    Diese Summen mögen hoch erscheinen. Man sollte aber berücksichtigen, dass die Bankenrettung ganz erheblich mit dazu beigetragen hat, dass sich die deutsche Wirtschaft nach der schweren Rezession von 2009 sehr schnell wieder erholt hat. Das Wachstum hat zusätzliche Steuereinnahmen generiert, mit denen die Bankenrettung dann letztlich relativ rasch finanziert werden konnte.

    Immer dieser Pessimismus und diese Politiker-Beschimpfung! Die Erklärung von Merkel und Steinbrück war m. E. völlig gerechtfertigt. Ich glaube nicht, dass deswegen Wähler in nennenswerter Zahl das Vertrauen in die Politik verloren haben (aus anderen Gründen vielleicht schon).

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    • Dietmar Tischer says:

      >Der Staat hat mit seinen nach der Erklärung gestarteten Rettungsprogrammen dafür sorgen können, dass kein einziger privater Bankkunde Geld verloren hat!>

      Das stimmt.

      Die Frage ist aber, ob ein staatliches Rettungsprogramm gereicht hätte, WENN es TROTZ der Erklärung der beiden zu einem bundesweiten BANKRUN gekommen wäre. Nach Steinbrück war das nicht der Fall.

      Natürlich war die Erklärung angesichts der Lage gerechtfertigt. Es war aber dennoch eine, die letztlich ein leeres Versprechen war. Dass dies Gott sei Dank nicht getestet wurde, ändert nichts daran.

      Im Übrigen teile ich Ihre Meinung:

      Zum einen wurde die Rezession – bis minus 5% Wachstum! – durch die Bankenrettung UND andere Maßnahmen, u. a. subventionierte Kurzarbeit und Verschrottungsprämie schnell überwunden. Das war gekonnt, muss man anerkennen.

      Außerdem habe auch ich die daran anknüpfende Politiker-Beschimpfung bis zur Griechenlandrettung – die Banken wurden gerettet, für die Menschen wird nichts getan – und darüber hinaus immer für erbärmlich gehalten. Denn wenn wegen der Kreditverkettung das Bankensystem kollabiert sein würde, dann wäre die Realwirtschaft in SCHOCKSTARRE gefallen.

      Schon richtig, dass heute die Sicherungssysteme besser sind. Aber ausgeschlossen ist ein großer Bankencrash längst nicht. Die Deutsche Bank mit ihrem gigantischen Derivatebestand wurde erst vor wenigen Monaten vom IWF als riskanteste Bank der Welt angesehen. DESHALB ist es mehr als fahrlässig, wenn die promovierte Ökonomin Wagenknecht fordert, dass man die Banken doch pleitegehen lassen könne.

      Antworten
      • Hans-Peter Stumpf says:

        @ Herr Tischer:
        ich stimme nahezu allen Ihren Aussagen uneingeschränkt zu mit einer Ausnahme:
        Die Forderung von Frau Wagenknecht (ohne dass ich jemals LInke wählen würde) halte ich für absolut notwendig. Viele hier diskutierte Problembereiche gibt es nur, weil nach wie vor keine systemrelevante Bank pleite gehen kann. Solange dies so bleibt, wird es für viele andere Teilbereiche keine Lösung geben.
        Selbstredend muss da vorsichtig und schrittweise vorgegangen werden (ähnlich wie in der Richtlinie der EU)
        Aber man sieht ja schon beim ersten Härtetest (Monte del Pasci Siena), dass sich kein Politiker traut der Realität (Bank ist defacto pleite) in die Augen zu schauen.
        VG Stumpf

  6. Dietmar Tischer says:

    @ Hans-Peter Stumpf

    Ich glaube, dass wir gar nicht auseinander sind.

    Sie haben vollkommen recht damit, dass es ERFORDERLICH wäre, Banken wie auch andere Unternehmen pleitegehen zu lassen.

    Nur:

    Wenn die Lage so ist in der Finanzbranche, dass die Banken nicht ohne immensen, nicht überschaubaren Schaden in der Realwirtschaft pleitgehen können, dann dürfen sie NICHT pleitegehen.

    Diese Differenzierung und eine daraus folgende Forderung nach auch schmerzhaften, teuren Regulierungsmaßnahmen, die ein Pleitgehen ohne weitgehende Kollateralschäden ermöglichen würden, meidet Frau Wagenknecht. Denn dann käme sie nicht darum herum, auch ihrer Klientel zu erklären, dass diese in der einen oder anderen Form zu Kasse gebeten werden würde.

    Es ist daher nur zu verständlich, dass sie ihrem Sendungsbewusstsein folgend als profilierte GERECHTIGKEITS-Politikerin auf der politischen Bühne auch mit ökonomischen Dummheiten agiert.

    Dabei ist die Lage nicht nur ökonomisch instabil.

    Sie haben auf die Monte del Pasci Siena verwiesen. Diese Bank MÜSSTE schon deshalb in die Pleite geschickt werden, weil ihre Erhaltung den Schaden vergrößert, insbesondere für andere Banken.

    Das ist politisch aber nicht machbar, weil dann Italiener, die Anleihen dieser Bank gezeichnet hatten, Verlust in Milliardenhöhe erleiden würden.

    Die Folgen sind nicht absehbar. Sie könnten der fehlende Funke sein, der das Land möglicherweise politisch so entflammen würde, dass jegliche Löscharbeiten aussichtlos sind.

    Stimmt ja, dass ich hier wieder einmal sehr pessimistisch bin.

    Politiker der obersten Ebene in Europa sehen das aber im Grunde nicht anders, wenn sie große Besorgnis äußern und hinter den Kulissen schon beinahe verzweifelt nach „Lösungen“ suchen – beispielhaft für diese italienische Bank – die mit artistischen Begründungen an den vereinbarten Regeln vorbei am Leben erhalten wird.

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