Tiefe Zinsen passen zum Kondratieff-Zyklus

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In vielen Beiträgen bei bto habe ich die aktuelle Entwicklung in den Kontext des Kondratieff-Zyklus gesetzt so in „Wie die großen Ökonomen Schumpeter und Kondratieff uns vor der nächsten Schuldenkrise bewahren können“ und natürlich in meinen Büchern „Die Billionen-Schuldenbombe“ und „Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Dabei habe ich den Kondratieff-Zyklus so erklärt:

Der klassische Kondratieff-Zyklus ist eine lange Welle der ökonomischen Entwicklung, die in der Regel 50 bis 60 Jahre anhält und in vier Phasen zerfällt:

  • Phase 1, der „Frühling“, ist, basierend auf Innovationen und der Umsetzung neuer Technologien, eine Expansionsphase, die den allgemeinen Wohlstand steigert und schließlich eine Inflation produziert. Diese Phase dauert rund 25 Jahre.
  • Phase 2, der „Sommer“, hält nur flüchtige fünf Jahre lang an. Die Expansion erreicht ihren Höhepunkt, dann entstehen Probleme. Überproduktion führt zu Engpässen bei den Ressourcen, was die Kosten treibt und die Gewinne sinken lässt. Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich.
  • Phase 3, der „Herbst“, währt rund zehn Jahre. In dieser Phase kommt es zur ersten Rezession des Kondratieff-Zyklus, danach tritt die Wirtschaft in eine Zeit mit stabilem, aber niedrigem Wachstum ein. In dieser Hochphase steigt dank niedriger Inflation und guter Wirtschaftsaussichten die Kreditaufnahme.
  • Phase 4, der „Winter“, zieht sich im Schnitt über 18 Jahre hin. Er beginnt mit einem durch die hohe Verschuldung der Herbstphase ausgelösten langwierigen, rezessionsähnlichen Abschwung, der bis zu drei Jahre anhalten kann. Darauf folgt eine Periode von bis zu 15 Jahren mit niedrigen Wachstumsraten, bis der nächste „Frühling“ kommt.

Nun habe ich in einem Beitrag ein paar schöne Illustrationen für den Kondratieff-Zyklus gefunden.

Zunächst die schematische Darstellung:

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Quelle: GOLDSEITEN

Dann die Übersicht über die vergangenen Phasen der langen Welle der Konjunktur:

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Quelle: GOLDSEITEN

Sodann der Versuch, die heutige Entwicklung einzuordnen:

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Quelle: GOLDSEITEN

Dabei verweisen die Autoren darauf, dass die heutige Wirtschaftspolitik, vor allem die Geldpolitik alles versucht um den „Winter“ zu verhindern: „Bei jedem Eingriff in die natürlichen Zyklen ist damit zu rechnen, dass er sich eines Tages in Form von unbeabsichtigten Folgen rächt und auch die aktuelle Phase der wirtschaftlichen Exzesse wird in einer solchen Korrektur enden. Der Winter des aktuellen Kondratieff-Zyklus begann im Jahr 2000, in Übereinstimmung mit der Dotcom-Blase. (…) Der letzte Abschnitt der Phase der Depression wird voraussichtlich von 2016 bis 2020 andauern (…).“

Sehr schön sichtbar ist der Rückgang des Zinsniveaus im Zusammenhang mit der Winterphase des Kondratieff-Zyklus. Stimmt diese Theorie, wird dieser Trend in der heutigen Situation noch durch die bereits diskutierten Faktoren wie Demografie verstärkt, was unsere Situation von der Dimension her besonders macht.

GOLDSEITEN.de: „So überstehen Sie den nahenden Winter in der Wirtschaft“, 19. August 2016

 

 

 

19 Kommentare
  1. Dietmar Tischer says:

    Ergänzungen:

    Wie lange welche „Jahreszeiten-Phase“ andauert, sei einmal dahingestellt. Die Phasen werden immer von Einflussfaktoren bestimmt, die den eigentlichen Treibern, vor allem technologischen Entwicklungen, nicht GLEICHERMASSEN immanent sind. Dazu kommen externe Bedingungen, die einen wechselnden Einfluss haben.

    Nach der hier aufgestellten Rechnung 25 Jahre + 5 Jahre + 10 Jahre wäre der Winterbeginn 1990 gewesen, wenn wir bei einem Nachkriegs-Frühlingsbeginn von 1950 ausgehen. War er aber nicht, zumindest nicht spürbar.

    Von solchen Betrachtungen abgesehen, bleibt bedeutsam:

    Die ökonomische Entwicklung wird von fundamentalen REALWIRTSCHAFTLICHNEN Entwicklungen abgeleitet. Und: realwirtschaftliche Entwicklungen bestimmen den Lauf der Dinge statt Geld-Akrobatik in der Zirkuskuppel (wobei die natürlich auch einen Einfluss hat).

    Zu den rein technologischen würde ich als den „Winter“ – ab 1990 nach obiger Rechnung – verschärfend Globalisierung und Demografie hinzufügen. Für die Globalisierung passt das sogar punktgenau mit dem Fall des Eisernen Vorhangs.

    Wenn man dann noch die Überlegung einbezieht, dass möglicherweise die technologische Entwicklung SELBST einen in der Wellentheorie nicht vorgesehen qualitativen „Sprung“ macht, nämlich zu WENIGER Beschäftigung im Technologiebereich (siehe u. a. Oxford-Studie), dann sind wir in uncharted territority.

    Sollte das auch nur annähernd richtig sein, dann muss man den Stabilisierungsanstrengungen (Fiskalpolitik, Geldpolitik der Notenbanken) im besten Fall einen letztlich hilflosen Aktionismus vorwerfen.

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  2. Ondoron says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    wenn Sie jetzt auch Zyklustheorien in Betracht ziehen – was ich für absolut richtig halte – dann frage ich mich, was Sie von Martin Armstrong halten? Mit seinem Sokrates-Modell? Armstrong erklärt auch seinen War-Cycle.

    Was halten Sie davon? Auch Jim Rickards et al. gehen davon aus, dass die linearen Modelle – nach denen wohl auch die Zentralbanken operieren – falsch sind. Ihre Meinung dazu würde mich interessieren – und andere Leser sicherlich auch.

    Vielen Dank!

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  3. Johannes says:

    Der Ableitung des Kondratieff-Zyklus liegt letztlich eine mathematische Art der Mustererkennung zu grunde. Die Erscheinungsformen von Mustern sind vielfältig und ihre Deutung häufig schwierig bis ganz widersprüchlich.

    In diesem Fall, des Kondratieff-Zyklus, hat sich die „Mustererkennung“ bislang bewährt und weitestgehend bestätigt, wobei Herr Tischer berechtigterweise auf exogene Einflussfaktoren eingeht (weltweit koordinierter Eingriff der maßgeblichen Zentralbanken, Fiskalpolitik).

    Den Winter aber verhindern zu wollen, ist in etwa so aussichtsreich wie der Versuch, den Sonnenaufgang verhindern zu wollen.

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    • Johann Schwarting says:

      @ Johannes

      Der Kondratieff-Zyklus, „The most important chart of the century” über die Nichtproduktivität der gegenwärtigen Verschuldung (abnehmender Grenznutzen), die babylonischen, griechischen und römischen Zinskurven aus dem Buch von Sidney Homer und Richard Sylla, die Erkenntnisse von Heinsohn/Steiger und Paul C. Martin weisen auf unumstößliche ökonomische Wahrheiten hin. Da die Geschichte eine Folge von Auf- und Abschuldungen und nur ökonomisch zu verstehen ist, stellen die Maßnahmen der Finanzökonomie eine Spielverlängerung dar. Es stellt sich die Frage, ob das auch dabei herauskommt, was vorher („… weltweit koordinierter Eingriff der maßgeblichen Zentralbanken, Fiskalpolitik …“) geplant war. Schon Thukydides wusste in seinem Bericht über den Peloponnesischen Krieg zwischen dem Kriegsanlass und den dahinter verborgenen Kriegsgründen zu unterscheiden.

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  4. Ralph Klages says:

    Seien Sie vielmals bedankt, Hr. Dr. Stelter für diese Darstellung. Jetzt kenne ich auch den Kondratieff-Zyklus. ;-) Hat was. Natürlich fragt sich jeder ökonomisch Interessierte, ob es eine Regelhaftigkeit im Auf und Ab der Wirtschaftstätigkeit gibt – und versucht davon zu profitieren. So auch Ihre Leser bei bto. Einig sind wir uns vermutlich darin, dass tatsächlich ex post betrachtet Muster vorlagen, ex ante aber immer auch die Glaskugel mitschwingt. Und natürlich treibt uns alle das Prinzip Hoffnung um, was soll es sonst sein.
    Man bedenke: So wie die letzten drei Jahre kann es getrost noch zehn weitere gehen. Und länger. Aber genauso gut kann in sechs Monaten -oder so- alles ganz anders sein. LG

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  5. Johannes says:

    Ein weiterer Versuch, den Winter aufzuhalten findet sich in der NZZ:

    http://www.nzz.ch/finanzen/anleihen/weltwirtschaft-und-finanzmaerkte-comeback-der-finanzpolitik-ld.113493

    „Seit Jahren rechnen die Finanz- und Kapitalmärkte mit Unterstützung der Notenbanken. Zu den Zielen der Geldpolitik gehören hoch bewertete Finanzmärkte als ein Transmissionsriemen zu höherer Inflation und kräftigerem Wirtschaftswachstum. Die Märkte konnten weitgehend sicher sein, dass keine geldpolitischen Massnahmen ergriffen werden, die zu Kurseinbrüchen führen. Marktteilnehmer sprechen wahlweise von Greenspan-, Bernanke-, Yellen- oder Draghi-Put. Nun zeichnet sich eine neue Sicherheit ab: der Keynesian Put (Michael Hartnett von BofAML) oder die zunehmende Erwartung von fiskalischen Massnahmen gegen Schwächeanfälle von Wirtschaft und Märkten.“

    Der „Keynesian Put“ ist doch nicht wirklich neu…und auch nicht minder schädlich (auf Dauer gesehen).

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  6. KBX says:

    Imho müsste man berücksichtigen, dass die Zeitspannen zwischen den großen Innovationen immer kürzer werden und wir erst am Beginn vieler neuer Technologien stehen. Die Überschuldung/Umverteilung von Vermögen ist ohne Frage ein Hauptthema, wird jedoch den Fortschritt nicht aufhalten. In Wahrheit ist all das Jammern zzT auf einem sehr hohen Niveau/ eine Krise schaut anders aus…

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  7. Dietmar Tischer says:

    Die letzte Kondratiev-Welle lief der Theorie nach entsprechend der ersten beiden Schaubilder von 1900 bis 1950 mit E für „Improvement“ in den 40er Jahren, also schon während WK II.

    Soll das etwa heißen, dass ein WK III erforderlich ist, damit es wieder aufwärts geht?

    Schaubild 3 bringt einen auf diesen Gedanken.

    Andererseits: WKI war angeblich Sommerzeit (P für Prosperity).

    Auf jeden Fall haben wir seit Anfang der 80er Jahre einen enorm langen Herbst – so lange wie in den letzten 100 Jahren nicht. Dabei ist m. A. n. offen, ob wir seit 2000 von einem Winter sprechen können. Eine Depression mit Massenarbeitslosigkeit wie in den 30er Jahren haben wir nicht. An der Dotcom-Blase und den Bond Yields allein kann man das nicht festmachen.

    Bei allem, was sie wert sind – man sollte nicht zu viel in solche Schaubilder hineininterpretieren.

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  8. Felix Kurt says:

    Hallo zusammen,

    hier noch ein Link zu einer interessanten, kurzen Publikation zum Thema Kondratieff. Dort sind die Autoren etwas flexibler bei der Bestimmung von Anfangszeitpunkten und Längen der Zyklen, denn sie nennen einen Kriterienkatalog, der erfüllt sein muss und ordnen dann erst zu. Die Publikation ist von 2013 und überschrieben mit „Der grüne Kondratieff“.

    http://www.allianzglobalinvestors.de/MDBWS/doc/Market-Insights-Gruener-Kondratieff.pdf?930e6b6c3ca86400a65be837986ce513d5551e5bwebweb

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    • Dietmar Tischer says:

      Soviel ich weiß, basieren die Muster (Zyklen) Kondratieff nach NUR auf technologischen Entwicklungen.

      Wenn ich damit richtig liege, gibt es mindestens zwei Probleme mit diesem Erklärungsansatz:

      a) Technologische Entwicklungen sind ganz sicher nicht die einzigen fundamental beeinflussenden Megatrends. Die Betrachtung bzw. Erklärung ist demnach mit Blick auf Ursächlichkeit defizitär.

      und

      b) Jeder technologische Innovationsschub größeren Ausmaßes, also gerade die bei Kondratieff relevanten, setzt qua seiner technologischen Einzigartigkeit spezielle Bedingungen für die folgende Entwicklung.

      Demnach reicht Kondratieff lediglich für eine VERÄNDRUNGSERKLÄRUNG, aber wegen a) und b) nicht für einen WIRKMECHNANISMUS mit Prognosepotenzial.

      An einem Beispiel dargelegt, was ich meine:

      Im Jahre 1950 lebten noch 70% der Weltbevölkerung auf dem Land. Seite dem Jahr 2008 wohnt mehr als die Hälfte der erheblich zugenommen Weltbevölkerung in Städten. Im Jahre 2030 wird der städtische Anteil auf über 60% steigen und in 2050 nach Prognosen der UNO rund 70% erreichen. Eine Umkehrung also in gerade einmal 80 Jahren!

      Diese Entwicklung hat ganz sicher etwas mit Technologie zu tun.

      Aber es ist auch ein Trend, der neue Lebensweisen damit AUCH Verwerfung von Technologie bedeutet, m. A. n. auch die:

      Der Individualverkehr mittels Automobil wird einer der Verlierer sein, auch wenn mit regenerativer Energie das E-Mobil als vollkommen gleichwertige Alternative möglich wäre.

      Kurzum, auf was ich hinaus will:

      Ihre Referenz, die Abhandlung „Der grüne Kondratieff“ ist letztlich nur cleveres Marketing, um die Kunden, hier Anleger, bei Laune zu halten. Weniger vornehm ausgedrückt: Es ist Dummenfang, der den „Winter“ mit der Thematik, dass neue nachhaltige Technologien bereitstünden, überspielt. Wer Kondratieff ernst nimmt, muss erst einmal auf den Winter verweisen statt einen neuen Frühling zu verklären.

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      • Felix Kurt says:

        Gut, das ist Ihre Sichtweise. Der Wandel in vielerlei Hinsicht hat sich insbesondere seit der industriellen Revolution beschleunigt: Industrielle Fertigung, Skaleneffekte, Produktivität, Ressourcenverbrauch, Materialien, Lebensweise, Bevölkerungswachstum, und ganz sicher die Geschwindigkeit des technischen Fortschritts und der Medizin. Und last but not least nimmt das Wissensuniversum und seine Verfügbarkeit zu jeder Zeit an jedem Ort dramatisch zu, will sagen die Halbwertzeit des Wissens sinkt.

        Unter diesen realen Umweltzuständen, einschließlich der Zunahme der Vielschichtigkeit und gegenseitigen Abhängigkeiten sollte man m. E. flexibler mit Analogien zu Kondratieff umgehen; ihn „weiterentwickeln“ – wenn man ihn zur Anwendung bringen möchte -, anstatt ihn starr mit seiner ursprünglichen ausschließlich technischen – i.S.v. „Mechanik“ – basierten, seinerzeitigen Sichtweise zu vergewaltigen. Falls nicht, sollte man es bei einer für die damalige Zeit angemessenen Episode belassen.

        Wer kann denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Sicherheit sagen, welche „Technische Basisentwicklung“ von den unüberschaubar vielen die eine Neue/die Nächste im kondratieffschen Sinne sei? Eine neue und nachhaltige Lösung für das Energieproblem einer stark wachsenden Weltbevölkerung hat m.A.n. durchaus das Potential dazu. Denn viele Länder können – o.k. vielleicht besser: ‚könnten, wenn sie wollten‘ – ohne die Umwege über „schmutzige“ Energien und Ressourcenverbrauch Entwicklungsphasen quasi überspringen.
        Vielleicht müssen wir doch schneller über „LOS“. „Dummenfang“, wie Sie es nennen finde ich da etwas plump.

  9. egp says:

    Seit Monaten beobachte ich mich dabei, wie ich immer mal wieder auf die Kondratieff-Zyklen schaue. Retrospektiv die letzten 17 Jahre und dann die weiteren davor liegenden Jahrzehnte betrachtend, schien mir die Validität der Kondratieffschen Thesen (cum granu salis) an Bedeutung zu gewinnen, zumal die Betrachtung der Konjunkturzyklen denen der Austrians nicht so ganz fern ist.

    Jetzt aber hat die Entwicklung in Euroland den Orbit der kondratieffschen Zyklen verlassen – für die EU-Südstaaten zu einem Zeitpunkt der tiefen Depression, für Deutschland zu Gipfelzeiten. Vollgeld ist das Stichwort. Vollgeld in Form von zunehmender Unternehmensfinanzierung (andere Varianten vorbehaltlich). Die heimliche, under cover (nicht ganz Tautologie) Finanzierung von Unternehmen durch den Staat ist eine Abkehr von der bisherigen Wirtschaftsordnung, der Geldschöpfung durch adäquate Schuld. Wir sind also (noch teilweise) wieder bei vielen Fürsten- und Königtümern des 17., 18. oder 19. Jahrhunderts.

    Angesichts dieser und der vielen politischen Volten reißt die EZB damit jegliche moralische Barrieren gegen ein totales Catch as Catch Can nieder und rechtfertigt den Weg zu kurzfristigem In and Out.

    Wer will da noch investieren? Bei uns, der Firma, sind die Würfel gefallen. Obwohl mit politischen Wind im Rücken wird kurzfristig nur noch defensiv gedacht. Nach politischem Gutdünken verteilte VollEUROs sind für eine seriöse Firma der Chemieindustrie keine ausreichend solide Basis für eine langfristige Geschäftstätigkeit.

    Das Denken und Handeln in kodratieffschen oder austrian oder sonstwelchen Konjunkturzyklen ist akzeptiert, der von der Politik avisierte ständige Aufschwung ist nichts als eine politsch-ökonomische Vision. Kondratieff wird auch diese Aberration wieder einfangen. Somit kehren wir irgendwann, irgendwie wieder zu einem sonstwie genannten Zyklus zurück, denn letztendlich hat sich der Mensch doch nicht geändert: auf Depression folgt die Manie.

    Demographie, Produktivität und andere externe Einflüsse sind nicht berücksichtigt.

    Antworten
    • NoFiatMoney says:

      @ egp

      Was Sie schrieben („…der von der Politik avisierte ständige Aufschwung ist nichts als eine politsch-ökonomische Vision. Kondratieff wird auch diese Aberration wieder einfangen. Somit kehren wir irgendwann, irgendwie wieder zu einem sonstwie genannten Zyklus zurück, denn letztendlich hat sich der Mensch doch nicht geändert…“) unterschreibe ich unter Anbringung kleiner Ergänzungen:

      Der von der Politik avisierte ständige Aufschwung ist nichts als eine politsch-ökonomische Anmaßung von Wissen, die sich zur Hybris steigerte. Die Kräfte des menschlichen Handelns/des Marktes wirken in Zyklen und werden auch diese Aberration wieder einfangen. Somit kehren wir irgendwann, irgendwie wieder zu den Wirkkräften/auf den Boden des Natürlichen/Evolutionären zurück, denn letztendlich hat sich der Mensch doch nicht geändert.

      Und der Mensch wird sich nicht ändern, so sehr es all die Konstruktivisten, die vielfarbig lackierten Gleichmacher auch wünschen und zwingen wollen.

      Bevor das aber -erneut- zu verstehen versucht werden wird, wird nach dem Stand der Dinge die Vernichtung stehen. Das macht mir die Sache so unbehaglich.

      Antworten
  10. Dietmar Tischer says:

    @ Felix Kurt

    >Wer kann denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Sicherheit sagen, welche „Technische Basisentwicklung“ von den unüberschaubar vielen die eine Neue/die Nächste im kondratieffschen Sinne sei?>

    Das sage ich doch auch.

    Und Ich sage darüber hinaus:

    Weil wir das nicht mit Sicherheit sagen können, können wir auch keine prognostischen Aussagen über den Ablauf des jeweils nächsten Zyklus machen.

    Regenerative Energien sind da, werden eingesetzt und lösen andere ab.

    Das können wir sagen, weil es geschieht.

    Was wir nicht sagen können, weil wir es nicht wissen:

    Wie regenerative Energien den nächsten Zyklus beeinflussen.

    Wir werden es erleben müssen.

    Kurzum: Sie missverstehen mich.

    Meine Kritik bezog sich auf die INSTRUMENTALISIERUNG von Kondratieff für ein bestimmtes Anlageverhalten.

    Wenn man Kondratieff ernst nimmt, kann man das m. A. n. nicht tun.

    Antworten
    • Felix Kurt says:

      @ D. Tischer

      Hallo Herr Tischer, es handelt sich nicht um ein Missverständnis. Ich habe eine andere Sichtweise. Ich bin halt der Ansicht, dass das starre Abzählen von Jahren dem Kondratieff’schen Modellgedanken in einer sich dynamisch und schneller verändernden Welt, vgl. Ihre eigene Aufzählung zur Verstädterung der Lebensweise, nicht mehr gerecht wird. Wir reden ja nicht über ein Naturgesetz, eine physikalische Gleichung. Daher finde ich einen flexibleren Ansatz angemessener.

      Nachhaltige Lösungen z.B. für die (dezentrale) Energiegewinnung, –verteilung und -speicherung sind nach meiner Ansicht ein maßgeblicher, fundamentaler technologischer Fortschritt. Nicht das E-Auto. Das wurde schon in den 18xx Jahren erfunden. Porsche hatte bereits in den 1890ern zu seiner Zeit in Wien den elektrischen Radnabenmotor entwickelt. Oberleitungs-Busse kennen sicher auch viele. Tesla will jetzt elektrische LKW und Busse entwickeln ??!! Toll, die gab es schon vor langer Zeit. Das spannende daran ist ab er, dass heute die elektrische Energie dafür auch dezentral, umweltgerechter erzeugt und gespeichert werden kann, so dass bspw. auch die Wiederauflage in Form von modernen Elektrofahrzeugen tatsächlich eine andere Qualität entwickeln kann. El. Fahrzeuge sind aber nur ein Teil dieser Entwicklung.

      Also – m.A.n. sollten wir versuchen solche Basistrends einzuordnen. Zumindest den Mut dazu sollten wir haben. Kondratieff nur ex post zu bestätigen, finde ich unbefriedigend – und langweilig.

      Der Umstand, dass der Artikel von einer Kapitalanlagegesellschaft verfasst worden ist, diskreditiert ihn nicht! Da missverstehen wir uns nicht, sondern unterscheiden uns. Ich glaube auch nicht, dass es ein Marketing-Gimmik oder „Instrumentalisierung“ ist, denn – wenn überhaupt – lesen diese Publikationen wenige Privatanleger und längst nicht alle sog. Institutionellen Anleger.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Wir liegen in vielem nicht oder nicht sehr weit auseinander:

        Auch ich bin gegen das starre Abzählen von Jahren nach dem Kondratieff’schen Modellgedanken. Vor allem bin ich dagegen, daraus ein „Gesetz“ zu machen aus genau den Gründen, die Sie nennen – einer sich dynamisch verändernden Welt

        >Nachhaltige Lösungen z.B. für die (dezentrale) Energiegewinnung, –verteilung und -speicherung sind nach meiner Ansicht ein maßgeblicher, fundamentaler technologischer Fortschritt.>

        Sehe ich genauso.

        >Also – m.A.n. sollten wir versuchen solche Basistrends einzuordnen.>

        Ja, aber:

        Wir sollten NICHT versuchen, sie in BEZUG auf Zyklen von Kondratieff einzuordnen.

        Das ist eine Vorbestimmung, die völlig falsch sein kann.

        Ich bin mir zwar auch sicher, dass die dezentrale, regenerative Energiegewinnung einen Einfluss auf die zukünftige technologische Entwicklung haben wird.

        Ich habe aber keine Ahnung, wie RELEVANT diese Entwicklung sein wird.

        Das ist mein Punkt.

  11. RrrZeee says:

    Alan Greenspan in den 1960er Jahren (lange bevor er dann von August 1987 bis Januar 2006 Vorsitzender der FED war):

    „Ich wäre gern Vorsitzender der amerikanischen Notenbank, wenn der Kondratieff-Winter kommt. Ich denke, ich könnte ihn außer Kraft setzen, indem ich die Zinsen senke und genug Geld drucke.“

    „Die Finanzpolitik des Wohlfahrtsstaates macht es erforderlich, dass es für Vermögensbesitzer keine Möglichkeit gibt, sich zu schützen. Dies ist das schäbige Geheimnis, dass hinter der Verteufelung des Goldes durch die Vertreter des Wohlfahrtsstaates steht. Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für die „versteckte“ Enteignung von Vermögen. Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess. Es beschützt Eigentumsrechte. Wenn man das einmal verstanden hat, ist es nicht mehr schwer zu verstehen, warum die Befürworter des Wohlfahrtsstaates gegen den
    Goldstandard sind.“

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