„Rising recession risk leaves Europe acutely vulnerable to no-deal Brexit shock“

Leicht lässt sich aus Brexit, Handelskrieg, Ucitalia und Geldpolitik das Szenario eines (globalen) Wirtschaftsabschwungs und  einer neuen Eurokrise ableiten. Alleine die Tatsache, dass es so einfach geht, sollte alle Alarmglocken leuten lassen. Wie immer gelingt es Ambroise Evans-Pritchard, eine schöne Mischung zusammenzustellen:

  • „Germany and Italy are flirting with recession while eurozone business growth has slumped to a four-year low,(…) The closely watched IHS Markit index of German manufacturing fell to 50.2 in November, close to the ‘boom-bust line’ that divides growth from contraction. It is the weakest level since the tail-end of eurozone banking crisis in 2013. Foreign export orders fell to a six-year low. (…) Italy’s economy has also stalled. Peter Praet, the European Central Bank’s chief economist, warned that the country is uncomfortably close to a fresh crisis as the budget showdown between Brussels and the insurgent Lega-Five Star coalition in Rome continues to escalate.“  bto: Es zeigt aber auch, dass der Aufschwung eine monetär erzeugte Illusion war.
  • „Hopes that the economic slowdown in the third quarter would prove nothing worse than a ’soft patch‘ have been dashed as a blizzard of ominous figures point to further trouble in the fourth quarter. The eurozone’s open trading economy and heavy reliance on export demand makes it more leveraged to the ups and downs of the world cycle than the US economy.“  bto: weil es eben auch in China nicht mehr so gut geht.
  • „Risk spreads on 10-year Italian bonds have been stuck above 300 basis points for nearly two months, gradually tightening the noose on the economy. Italian banks are mostly unable to roll over their bonds, forcing them to curb lending. (…) Mr Praet told the Handelsblatt that there would be no ECB reprieve for Italian lenders at the next meeting in December, a warning that may cause alarm in banking circles.“  bto:  Es ist klar, dass die EZB wieder tut, was nötig ist, wenn es ernst werden sollte.
  • „It is becoming clear that the credit crunch in emerging markets  caused by vanishing dollar liquidity  is doing more damage to Europe than anticipated. So is the economic slowdown in China, where monetary and fiscal policy stimulus has so far failed to gain much traction. (…) The abrupt downturn in Germany and Italy has echoes of mid-2008. We now know that the two economies went into recession in the second quarter of that year, leading the rest of the eurozone into crisis.“  bto: Es ist nicht ausgemacht, dass das diesmal auch so ist. Doch gibt es zweifellos Gegenwind!
  • „The ECB (…) it is nevertheless taking a risk by proceeding with pre-set plans to wind down quantitative easing and halt bond purchases at the end of this year  not least because it has been the lonely buyer of Italy’s net debt issuance for almost three years.“  bto: Wir alle wissen, sie kauft wieder. Dazu muss aber das Problem so offensichtlich sein, dass die Politiker offiziell „Danke“ sagen können, gerade bei uns. Bisher war sie ja auch nicht zimperlich:

Quelle: The Telegraph

  • „The reduction in QE has mechanical effects on the growth rate of broad M3 money, and therefore constrains bank lending. M3 was growing at around 5pc a year during the peak QE period when the ECB was buying €80bn of bonds a month. It has been slowing ever since. The rate dropped to 2.1pc in September on a three-month annualized basis. ‘On announced policies M3 will stop growing completely in 2019. Frankly, they are setting themselves up for a catastrophe unless there is a change of course,’ said Professor Tim Congdon from the Institute of International Monetary Research. ‘The eurozone is in state of monetary civil war. There is a game of chicken going on between Italy and the protestant ethic countries of the North, and Germany in particular. This is very dangerous for the whole world economy,’ he said.“  bto: Klar, wenn die Eurozone platzt, hat das enorme Auswirkungen. Hier immer wieder erläutert und diskutiert.

→ telegraph.co.uk: „Rising recession risk leaves Europe acutely vulnerable to no-deal Brexit shock“, 23. November 2018

Kommentare (32) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Wolfgang Selig sagte:

    „There is a game of chicken going on between Italy and the protestant ethic countries of the North, and Germany in particular. This is very dangerous for the whole world economy,’ he said.“

    Das mit der „game of chicken“ = Hasenfußspiel / Spiel mit dem Untergang würde ich schon gerne noch etwas zerpflücken.

    Der Klassiker ist James Dean in seinem Film „Denn sie wissen nicht, was sie tun“. Zwei Jugendliche rasen jeder mit einem Auto parallel auf einen Abgrund zu. Wer als erster rausspringt, ist der Hasenfuß. Wer zu spät rausspringt, ist tot.

    Das ist mir zu theatralisch. Es gibt keine Möglichkeit mehr, jetzt einfach ohne Probleme rauszuhüpfen. Außerdem geht es den Beteiligten gar nicht mehr ums Gewinnen, sondern nur noch um kurzfristige politische Punkte. Nichts, was man nicht in einem faulen Kompromiss zu einer Einigung bringen könnte.

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        MFK sagte:

        Exakt, das Thema QE vs Zinserhöhungen hatten wir hier schon oft diskutiert. Deswegen wundern mich die Grundsatzdiskussionen jetzt. QE hat die Bankern mit Exzessliquidität ausgestatten, auch um das Vertrauen in die Banken zu stärken und einem Bankrun vorzubeugen. Koo sagt die US Banken verfügen über USD 2,5 Billionen (deutesche) an Überschußliquidität. Das ist solange kein Problem, als es keine Kreditnachfrage gibt. Steigt diese, kommt es ohne ein frühzeitiges Handeln der Notenbanken zu einer Hyperinflation. Also müssen die Notenbanken schon vorher tappern und QE zurückführen. Das antizipieren die anderen Bondholder aber.

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        Michael Stöcker sagte:

        „Steigt diese, kommt es ohne ein frühzeitiges Handeln der Notenbanken zu einer Hyperinflation.“

        Diesen Mechanismus müssten Sie schon erklären, wie es ohne Krieg und sonstige massive Kapazitätsvernichtungsereignisse zu einer Hyperinflation kommen kann. Auch die massiven Kreditexpansionsraten in China haben nicht wirklich die (Welt)Inflation in Wallung gebracht. Von einer Hyperinflation ganz zu schweigen. Ich befürchte, Sie sind hier in die alte monetaristische Multiplikatorfalle getappt.

        LG Michael Stöcker

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        MFK sagte:

        Ich zitiere hier Koo aus o.g. Video. Vielleicht dramatisiert er etwas aber 2.5 Billionen Dollar sind schon eine Hausnummer.

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    Michael Stöcker sagte:

    „The reduction in QE has mechanical effects on the growth rate of broad M3 money, and therefore constrains bank lending.”

    ??? Was bitte schön hat die Kreditvergabe der Banken mit QE zu tun? Hierdurch wird keinesfalls die Kreditvergabe eingeschränkt, sondern vielmehr die Überschussliquidität im System erhöht.

    „Frankly, they are setting themselves up for a catastrophe”

    Nein, sie bereiten sich nicht auf eine Katastrophe vor, sondern das mangelhafte Verständnis für den Kreditzyklus sowie persistente Leistungsbilanzungleichgewichte BEWIRKEN eine Katastrophe. Ray Dalio hat schon vor längerem erklärt, warum. Hier noch einmal der Link: https://www.economicprinciples.org/de/index.html

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Ich bin zwar kein Geldtheoretiker, möchte meinem Verständnis nach jedoch anmerken:

      Eine Reduktion von QE, d. h. ein zurückgehender Verkauf von Anleihen im Bankbesitz an die Notenbank verringert das Wachstum der Überschussreserven bei den Geschäftsbanken.

      Gleichzeitig steigen c. p. die langfristigen Zinsen.

      Damit wird die Finanzierung von Investitionen für die Unternehmen teurer, somit wird tendenziell weniger Kredit nachgefragt.

      Es ist zwar richtig, dass durch die Reduktion von QE die Geldschöpfung der Geschäftsbanken per se nicht beeinträchtigt wird, sie steigt aber aufgrund der zinsbedingt abnehmenden Kreditnachfrage nicht mehr so stark.

      Das ist der „mechanische Effekt“, wenn QE zurückgefahren wird.

      M. A. n. spiegelt das M3 nach Definition der EZB von M3.

      Allerdings drückt sich Ambroise Evans-Pritchard missverständlich aus, wenn er sagt, dass die Reduzierung von QE deshalb die Kreditverabe der Banken einengt („constrains“).

      Richtiger hätte er sagen müssen, dass durch Reduzierung von QE die NACHFRAGE nach Krediten nachlässt und DADURCH die Banken weniger Kredite vergeben, obwohl sie bei der Kreditvergabe nicht eingeengt sind.

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        Michael Stöcker sagte:

        „Gleichzeitig steigen c. p. die langfristigen Zinsen.“

        Nein, das tun sie nicht. Das wäre nur dann der Fall, wenn auch die Kreditvergabe deutlich anspringt und die Wirtschaft an ihre Kapazitätsgrenze gelangt. Davon sind wir in Euroland noch meilenweit entfernt.

        „Damit wird die Finanzierung von Investitionen für die Unternehmen teurer, somit wird tendenziell weniger Kredit nachgefragt.“

        Dann muss man es aber schon mit deutlich größeren Zinsschritten machen und nicht mit Homöopathie. Oder glauben Sie wirklich, bei Aussicht auf Renditen jenseits der 10 % fallen 1 bis 2 Prozent höhere Zinsen ins Gewicht? OK, bei Buybacks vielleicht schon, aber die sind ja sowieso ein Krebsgeschwür der Realwirtschaft und haben mit Investitionen nichts zu tun.

        Zudem sollten Sie beachten, dass auch der Unternehmenssektor schon seit geraumer Zeit Nettosparer ist: https://www.capital.de/wirtschaft-politik/wenn-die-zinswelt-aus-den-fugen-geraet-3957

        LG Michael Stöcker

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        Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker

        „Die Aussicht auf Renditen jenseits der 10 %“ sind in welchen Branchen und ab welcher Betriebsgröße üblich? Bitte um Beispiele von nicht börsennotierten, Inhabergeführten Unternehmen ohne Marktmacht = 99.6% des Marktes.

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        Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker

        Sie haben keine Ahnung wie sich die Rendite eines Unternehmens ohne Marktmacht (=99.6%) zusammensetzt, daraus folgt, dass alle ihre Aussagen komplett BULLSHIT (Zitat: MS) sind.

        Sie sind mit ihrer Irrlehre in prominenter Gesellschaft, auch Marx hatte davon keine Ahnung, wie 100% seiner Schüler.

        Dem Wettbewerb „draußen“ sind sie Herr Stöcker keinen Tag gewachsen.
        Liebe Grüße aus der Wirklichkeit

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Gleichzeitig steigen c. p. die langfristigen Zinsen.“
        Nein, das tun sie nicht. Das wäre nur dann der Fall, wenn auch die Kreditvergabe deutlich anspringt und die Wirtschaft an ihre Kapazitätsgrenze gelangt. Davon sind wir in Euroland noch meilenweit entfernt.>

        Erst einmal müsste es Kreditnachfrage statt Kreditvergabe heißen.

        Zweitens hängt die Kreditvergabe nicht nur von der Nachfrage bzw. Kapazitätsgrenze der Realwirtschaft ab.

        Wenn der Staat in Finanzierungsschwierigkeiten kommt, etwa wenn die Sozialleistungen hochschießen und die Nachfrage schwach ist in einer Rezession, steigt die Kreditnachfrage des Staats.

        Warum übersehen Sie das, wo Sie doch immer eine expansive Fiskalpolitik predigen?

        Kurzum:

        Sie widerlegen mich nicht.

        Denn Sie schließen den Mechanismus, den ich dargelegt habe, nicht aus, sondern bestätigen ihn vielmehr – auch „meilenweit entfernt“ ist eine Bestätigung.

        Wo ich Ihnen recht gebe:

        Die WIRKUNG c. p. wird vermutlich nicht dramatisch sein.

        Sie könnte allerdings dramatisch sein, wenn zur angekündigten Reduzierung und dann verfolgten Reduzierung – wenn sie denn verfolgt würde – eine Rezession hinzukäme.

        Das wäre aber dann nicht mehr Reduzierung von QE c. p.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Alexander

        Ich frage mich, auf welcher Basis Sie hier Ihre Urteile fällen. Sie scheinen mich besser zu kennen als ich mich selber.

        Es wäre hilfreich, wenn Sie vor Ihren Kommentierungen erst einmal kurz darüber nachdenken, über WAS hier eigentlich diskutiert wird. Dietmar Tischer hatte Ihnen hierzu schon mal vor einigen Tagen ein paar hilfreiche Hinweise gegeben, die Sie aber leider nicht verstanden und/oder umgesetzt haben.

        Kleiner Tipp: Lesen Sie nichts hinein, was ich nicht geschrieben habe.

        „Sie sind mit ihrer Irrlehre in prominenter Gesellschaft, auch Marx hatte davon keine Ahnung, wie 100% seiner Schüler.“

        Mit welcher Irrlehre? Und wovon hatte Marx keine Ahnung? Denn dass er von „meiner Irrlehre“ keine Ahnung haben konnte, dass erklärt sich wohl schon von selbst. Und ich staune doch sehr über Ihre geradezu göttlichen Fähigkeiten, 100 % der Schüler von Marx einzuschätzen zu können.

        LG Michael Stöcker

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Erst einmal müsste es Kreditnachfrage statt Kreditvergabe heißen.“

        Nein, es muss Kreditvergabe heißen. Da kann die Nachfrage noch so groß sein; ohne Vertragspartner kein Kredit. Und ohne Kredit keine zusätzliche Kaufkraft.

        „Wenn der Staat in Finanzierungsschwierigkeiten kommt…“

        Sie wechseln den Kontext. Ihr Ausgangspunkt war „die Finanzierung von Investitionen für die Unternehmen“. Insofern übersehe ich hier auch nichts.

        LG Michael Stöcker

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        Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker

        Zitat wörtlich, MS:
        „bei Aussicht auf Renditen jenseits der 10 % fallen 1 bis 2 Prozent höhere Zinsen ins Gewicht?“

        Darauf meine Frage, Zitat wörtlich:
        „Renditen jenseits der 10 %“ sind in welchen Branchen und ab welcher Betriebsgröße üblich? “

        Antwort, MS – wörtlich:
        „Competition is for Losers“

        und weiter Stöcker:
        „Ich frage mich, auf welcher Basis Sie hier Ihre Urteile fällen“

        =Behauptung ohne Quelle und Herleitung- also keine Ahnung.
        =bullshit haben sie letztens ins Spiel gebracht, touche.

        Ihr Hinweis auf Dietmar Tischer ist wieder so ein Ablenkungsmanöver, typisch.
        Dabei wäre es einfach.
        Wie Buchungssätze kann man die Bestandteile von Gewinn herleiten und die Höhe bestimmen. Wenn man das täte würde man bemerken, wie weit ihre Phanstasie „jenseits von 10%“ mit der Wirklichkeit auseinander lägen.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Alexander

        „Antwort, MS – wörtlich:
        „Competition is for Losers“”

        Mit ein wenig Nachdenken wäre Sie sehr schnell zu der Einsicht gelangt, dass dieses geflügelte Wort Peter Thiel zuzuschreiben ist, aber keinesfalls mir; geschweige, denn, dass eine solche Aussage zu meinen „Irrlehren“ rund um den Matthäus-Effekt passt (Superstar Effekt: https://www.nytimes.com/2010/12/26/business/26excerpt.html?_r=0 ). Ich habe Ihnen lediglich eine Begründung dafür geliefert, WARUM die Renditen der 99 % gegen Null tendieren. Insofern rennen Sie mit Ihrer Rendite-Kritik bei mir offene Türen ein und müssen keine Widersprüche konstruieren, wo es gar keine gibt.

        Vielleicht sollten Sie noch einmal ganz grundsätzlich darüber nachdenken, inwiefern Marx und Schumpeter mit ihren „Irrlehren“ nicht vielleicht doch in einigen ganz wesentlichen Punkten richtig gelegen haben könnten (Kapitalakkumulation, Gesetz der fallenden Profitrate, der Kapitalismus wird an seinem eigenen Erfolg zu Grunde gehen…).

        LG Michael Stöcker

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        Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker

        Immer wieder die Umkehrung der Beweislast. Wer hat denn hier „Renditen jenseits von 10%“ in den Raum gestellt ohne einen Beleg, dass diese Behauptung eine Tatsachenwahrheit ist – oder Flunkerei.

        Nun ihr Schwenk, die Rendite der 99% tendiere gegen null. Muss ich dazu 50 Minuten in YT investieren oder geht es schlüssig in eigenen Worten mit wenigen Sätzen?

        Wenn nun die Rendite der 99% tatsächlich gegen Null tendiert, wie soll diese Marktmehrheit höhere Zinsen bezahlen?

        Ihr Zitat, wörtlich: „fallen 1 bis 2 Prozent höhere Zinsen ins Gewicht? “

        Was ich an dieser Schusseligkeit nicht durchgehen lasse, ist ihre show von Makroökonomie, die einfach 99.6% der Unternehmen ausblendet. Mit Geldmengen hantieren und Geldpreise definieren wollen, per Steuern umverteilen aber bloß keine Wirklichkeit…..

        Marx war tatsächlich an der Frage gescheitert, wie sich Gewinn zusammensetzt und wie hoch er sein könnte. Die schulische Antwort lauter immer „soviel der Markt hergibt“, was dem Schüler genau null nützt. Auch der Spruch von den Erfahrungswerten ist wertlos für Unerfahrene.

        Buchhalterisch ist Gewinn nichts anderes als Rendite auf eingesetztes („Eigen“)Kapital. Die Rendite kann höher ausfallen, wenn besonderes Wissen im Unternehmen liegt oder die Wettbewerber schlafen, beides immer nur vorübergehend. Meist wird Gewinn durch Wettwerber zerstört, die nicht rechnen können und als Zombies auch nicht wollen/nicht liquidiert werden.

        Wenn also die Kapitalkosten nahezu NULL sind, wird die Eigenkapitalrendite nicht >10x höher sein – jenseits von 10%.

        [Eigenkapitalrenditen können natürlich bis 30% gehen, wenn das Eigenkapital nur 2% der Bilanzsumme von 2500Mrd.€ beträgt – wie z.B. bei der Dt. Bank zur Zeit von Ackermann. Deshalb nennt man diese Krise auch Finanzkrise…]

        Wolfgang Münchau hat in seinem Buch zur Finanzkrise v.2008 gefragt, wie lange die großen Konzerne den Kapitalzins um den Fanktor 2 schlagen können. Heute wissen wir, dass diese Phase gerade im Co²/NoX erstickt.

        Ich verstehe ihr humorisitischen Spitzen genau so, wie sie gemeint sind. – ordoliberal natürlich…

        Schumpeter erfährt nur deshalb eine gewisse Aufmerksamkeit, weil er ein auch nur ein Sozialist war.

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        Frank Präuner sagte:

        Sehr geehrter Herr Alexander,
        ich muss Herrn Stöcker hier schon beistehen. Man muss ja nicht alle Theorien von Herrn Stöcker richtig finden, aber man sollte zumindest Marx (das Kapital) und Schumpeter( Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie) gelesen haben, um zur Einsicht zu kommen, dass nicht alles was die beiden Herren geschrieben haben, einfach als Quatsch abzutun. Und Schumpeter als Sozialisten zu bezeichnen ist vollkommen abwegig.

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Alexander

        „Wer hat denn hier „Renditen jenseits von 10%“ in den Raum gestellt ohne einen Beleg, dass diese Behauptung eine Tatsachenwahrheit ist – oder Flunkerei.“

        Ich! Und das ganz ohne „Flunkerei“; denn die Einschränkung auf

        „Bitte um Beispiele von nicht börsennotierten, Inhabergeführten Unternehmen ohne Marktmacht = 99.6% des Marktes.“

        haben Sie ANSCHLIEßEND gemacht und nicht ich. Bei Siemens ging es immer um Renditen ab 25 %.

        Wenn Sie sich dazu durchringen möchten, zukünftig endlich mal logisch und stringent zu argumentieren, dann geben Sie bitte kurz Bescheid. Ansonsten ist eine Diskussion leider nicht zielführend, sondern raubt uns beiden nur Zeit und Nerven.

        Noch zum Thema „Sozialisten“: Für HHH war auch von Hayek ein Sozialdemokrat. Und für von Hayek war Friedmann eine Keynesianer. Somit wäre „selbstverständlich“ auch Milton Friedman ein Sozialist.

        Solche Klassifizierungen langweilen mich unendlich! Für mich zählt ausschließlich das bessere Argument. Es ist mir völlig egal, ob dieses Argument von Linken, Rechten, Liberalen, Homo-, Hetero-, Transsexuellen, Libertären, Feministinnen oder wem auch immer vorgebracht wird.

        LG Michael Stöcker

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      Bernhard-Albrecht Roth sagte:

      @Michael Stöcker

      Wenn – wie Sie schreiben – die Überschussliquidität der Banken (gemeint sind wohl die Überschussreserven) durch QE steigt, dann steigen logischerweise auch die gesamten Reserven, wodurch sich mehr davon für die Mindestreserve zur Erhöhung der Kreditvergabe an Nichtbanken einsetzen lassen. Insofern kann QE sehr wohl Einfluss auf die Kredivergabe der Banken haben, wenn diese für den Kauf von Staatsanleihen Überschussreserven eingesetzt hatten.

      Anders wenn die Banken den Kauf der Staatsanleihen über die Zentralbank refinanziert haben, dann war der Kauf von Staatsanleihen Reserven-neutral (da keine risikogewichtete Aktiva). In diesem Fall hätte nur die Zinsdifferenz Einfluss auf die Kreditvergabe an Nichtbanken.

      Ich frage mich auch, warum Sie die Erleichterung der Kreditvergabe durch QE anzweifeln, nachdem QE doch explizit dafür geschaffen wurde und sich auch tatsächlich eine gestiegene Kreditvergabe nachweisen lässt, seit QE eingesetzt wird?

      Oder bezweifeln Sie das von der EZB mit QE verfolgte offizielle Ziel einer erleichterten Kreditvergabe durch die Banken, weil Sie davon ausgehen, dass es in Wahrheit nur der verdeckten Staatsfinanzierung dient?

      Diese These können Sie aber nur dann aufrecht erhalten, wenn Sie nachweisen, dass der Löwenanteil der von den Banken erworbenen Staatsanleihen über die EZB refinanziert wurden und darüber hinaus erklären können, warum genau seit QE existiert die Kreditvergabe der Banken angestiegen ist! Können Sie das?

      Beste Grüße,

      Bernhard-Albrecht Roth

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Bernhard-Albrecht Roth

        Vielen Dank für Ihre konstruktiven Fragen und Anmerkungen, die uns im Erkenntnisprozess voran bringen.

        „Wenn – wie Sie schreiben – die Überschussliquidität der Banken (gemeint sind wohl die Überschussreserven) durch QE steigt, dann steigen logischerweise auch die gesamten Reserven, wodurch sich mehr davon für die Mindestreserve zur Erhöhung der Kreditvergabe an Nichtbanken einsetzen lassen. Insofern kann QE sehr wohl Einfluss auf die Kredivergabe der Banken haben, wenn diese für den Kauf von Staatsanleihen Überschussreserven eingesetzt hatten.“

        Das ist veraltete und zugleich falsche monetaristische Denke, Herr Roth. Die Mindestreserve hat NULL KOMMA NULL Einfluss auf die Kreditvergabe. Ich zitiere mal aus der aktuellen Sonderausgabe der Bundesbank Seite 24:

        „Dennoch ist die aktive Geldschöpfung nicht daran gebunden, dass die Geschäftsbank zum Zeitpunkt der Kreditvergabe über eine entsprechende Überschussreserve bei der Notenbank verfügt, also über ein Zentralbankguthaben, das über die Mindestreserveerfordernisse und die im Kundenverkehr üblichen Bargeldabhebungen hinausgeht. In der Regel wird die Bank bei der Kreditvergabe auch nicht prüfen, ob sie über genügend Zentralbankgeld verfügt, um die Mittelabflüsse im Zahlungsverkehr bedienen zu können (vgl. Werner 2014). Sie muss allerdings über die Möglichkeit verfügen, sich gegebenenfalls schnell Zentralbankgeld beschaff en zu können. Unterschreitet das Zentralbankkonto einer Geschäftsbank wegen Bargeldabflüssen bzw. Reserveabflüssen im Zuge des Überweisungsverkehrs die Mindestreserveerfordernis, kann sie sich Zentralbankgeld von anderen Geschäftsbanken auf dem sog. Geldmarkt beschaffen – sofern sie über eine erstklassige Bonität oder hinreichende Kreditsicherheiten verfügt, wie z. B. Bundesanleihen. In diesem Fall würde beispielsweise Bank 2 der Bank 1 einen Kredit gewähren und ihr im Gegenzug dafür Zentralbankgeld überweisen. Eine Möglichkeit, die der Geschäftsbank immer offensteht, ist die Teilnahme an den wöchentlichen Refinanzierungsgeschäft en des Eurosystems (vgl. Deutsche
        Bundesbank 2017, S. 198 ff .).“

        Wie schreibt Dr. Naser so passend als Einleitung auf Seite 18:

        „Mit Blick auf Zentralbanken begegnet man nicht selten der Fehlvorstellung, dass diese unmittelbar die Geldversorgung der Geschäftsbanken und darüber deren Geldschöpfung steuern würden. Zentralbanken steuern aber im Normalfall nicht die Menge der Liquidität, die sie den Banken zur Verfügung stellen, sondern den Preis dafür.“ https://www.bundesbank.de/de/service/schule-und-bildung/unterrichtsmaterialien/sekundarstufe-ii/geld-und-geldpolitik-759192

        Alan Holmes, Federal Reserve Bank of New York (1969), brachte es bereits vor einem halben Jahrhundert auf den Punkt:

        „In the real world, banks extend credit, creating deposits in the process, and look for the reserves later. The question then becomes one of whether and how the Federal Reserve will accommodate the demand for reserves. In the very short run, the Federal Reserve has little or no choice about accommodating that demand.”

    • Avatar
      Bernhard-Albrecht Roth sagte:

      @ Michael Stöcker

      „Das ist veraltete und zugleich falsche monetaristische Denke, Herr Roth. Die Mindestreserve hat NULL KOMMA NULL Einfluss auf die Kreditvergabe. Ich zitiere mal aus der aktuellen Sonderausgabe der Bundesbank Seite 24….“

      NICHT SO VORSCHNELL URTEILEN, lieber Herr Stöcker, denn hier stößt die allgemein gültige THEORIE, die Sie sich zueigen machen, auf die REALITÄT und nur darum kann es doch gehen!

      Es is völlig unstreitig, dass die Beschaffung von Zentralbankgeld bei den Banken grundsätzlich erst nach der Kreditvergabe erfolgt, ich verzichte deshalb auf die Kommentierung Ihrer Zitate von Bundesbank & Co.!

      Aber für welche Banken ist QE denn gedacht? Für gesunde Banken wohl kaum, denn die brauchen QE nicht, weil diese – wie Sie zurecht zittieren – auf die normalen Möglichkeiten zur Beschaffung von Zentralbankgeld zurückgreifen können!

      QE richtet sich aber an die Masse der südeuropäischen Banken, die entsprechende Kreditleichen im Keller liegen haben und bei denen die normalen Möglichkeiten der Zentralbankgeldbeschaffung weitgehend ausgereizt sind und die Kreditvergabe deshalb stagniert. Gerade den Interbankenmarkt können solche Banken nach den Erfahrungen aus der Finanzkrise eben nicht mehr anzapfen. Zudem haben viele auch nur noch wenige werthaltige Assets, was schon daran zu erkennen ist, dass die EZB die Anforderungen an solche Assets erheblich zurückgenommen hat. Nicht ohne Grund wurde nach dem Ausbruch der Eurokrise kolportiert, dass die EZB jetzt jeden Mist als Sicherheiten akzeptiert!

      Ergo kommt es für diese Banken sehr wohl darauf an ihre Reserven zu erhöhen, um neue Kredite vergeben zu können, und dazu trägt QE eindeutig bei!

      Das Zitat von Ben Bernancke bestätigt übrigens meine und nicht Ihre Ansicht:

      „Well, the problem with QE is it works in practice, but it doesn’t work in theory“.

      Sie haben übrigens die Frage noch nicht beantwortet: Warum die Kreditvergabe der Banken insbesondere in Sudeuropa – während QE – wirkte zugenommen hat!?

      Beste Grüße,

      Bernhard-Albrecht Roth

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        Michael Stöcker sagte:

        „Ergo kommt es für diese Banken sehr wohl darauf an ihre Reserven zu erhöhen, um neue Kredite vergeben zu können, und dazu trägt QE eindeutig bei!“

        Das wäre doch nur dann der Fall, wenn die Leistungsbilanz von Italien wieder ins Minus rutschen würde.

        „Sie haben übrigens die Frage noch nicht beantwortet: Warum die Kreditvergabe der Banken insbesondere in Sudeuropa – während QE – wirkte zugenommen hat!?“

        Hat sie das? Schauen Sie sich doch mal die Situation in Italien an: https://www.bancaditalia.it/pubblicazioni/economia-italiana-in-breve/2018/iteconom_139_eng.pdf?language_id=1 . (Grafik Seite 8). Zudem sollten Sie vorsichtig sein, von einer Korrelation – aufgrund einer ganz gewöhnlichen Tendenz zur Normalisierung der Kreditvergabe nach dem vorherigen massiven Einbruch – auf Kausalität zu schließen. Das gilt dann mAn auch für die Aussage von Bernanke.

        QE wirkt nur dann, wenn simultan die Staatsverschuldung steigt; und das war in den USA der Fall. Nicht umsonst betont Draghi in der von Herrn Tischer verlinkten Rede am anderen Thread:

        „What made the euro area different from other economies was the absence of a readily available area-wide fiscal capacity to complement monetary policy.”

        Wie gesagt: It takes two to tango.

        LG Michael Stöcker

    • Avatar
      Bernhard-Albrecht Roth sagte:

      @ Michael Stöcker

      Wie Sie aus meinen Ausführungen ersehen können, stimme ich der Aussage zu

      „The reduction in QE has mechanical effects on the growth rate of broad M3 money, and therefore constrains bank lending”

      und habe dargelegt, warum ich Ihre Schlussfolgerung

      „??? Was bitte schön hat die Kreditvergabe der Banken mit QE zu tun?“

      für nicht zutreffend halte, weil es in der Realität entgegen der allgemein gültigen Theorie eben viele marode Banken in Südeuropa insbesondere in Italien gibt, die ihre Reserven erhöhen mussten und weiterhin müssen, um wieder Kredite vergeben zu können und deshalb ohne QE darin eingeschränkt (geblieben) wären.

      Ob QE aus der Makro-Perspektive (Volkswirtschaft Italiens oder Euro-weit) gewirkt hat oder wirken kann (it takes two to tango), ist eine ganz andere Frage.

      Der Focus der EZB war und ist mit QE ganz offensichtlich darauf gerichtet, die monetär erzeugte Illusion eines funktionierenden Geld- und Finanzsystems durch eine steigende Kreditvergabe aufrecht zu erhalten, sowie den Euro zu retten, selbst wenn sie dann keinen Tango mehr tanzen kann!

      Insofern kommt es für die EZB gar nicht auf die Frage an, ob QE – wie Sie meinen – nur wirkt, „wenn die Leistungsbilanz von Italien wieder ins Minus rutschen würde.“

      Um volkswirtschaftlich wieder in die Spur zu kommen, so wie es Ray Dalio mit seinen 4 Schritten zum Schuldenabbau beschreibt, bräuchte es in der Eurozone den politischen Willen, der ggfs. durch die Folgen des kommenden Abschwungs erzeugt werden kann. Sollte das eintreten, hätte die EZB mit QE erfolgreich auf Zeit gespielt! Denn der Sündenbock dafür steht doch heute schon fest – Donald J. Trump!

      Beste Grüße,

      Bernhard-Albrecht Roth

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        Michael Stöcker sagte:

        „weil es in der Realität entgegen der allgemein gültigen Theorie eben viele marode Banken in Südeuropa insbesondere in Italien gibt, die ihre Reserven erhöhen mussten und weiterhin müssen, um wieder Kredite vergeben zu können und deshalb ohne QE darin eingeschränkt (geblieben) wären.“

        Ob es in Italien viele marode Banken gibt ist nicht Gegenstand einer Theorie, sondern ein Frage der Bilanz/Bilanzierung. Und ja, viele italienische Banken sind marode und vor allem unterkapitalisiert. Von daher verstehe ich das/Ihr Reserveargument nicht. Das Haupthindernis für eine Kreditvergabe sind zum einen kreditwillige potenzielle Schuldner und zum anderen, wenn es sie denn in ausreichender Zahl gäbe, die Unterkapitalisierung der maroden Banken sowie die unzureichende Liquidity Coverage Ratio (LCR) in Verbindung mit den ungenügenden High-Quality Liquid Assets (HQLA) nach Basel III.

        Beim Sündenbock bin ich ganz auf Ihrer Seite.

        LG Michael Stöcker

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      Bernhard-Albrecht Roth sagte:

      @ Michael Stöcker

      „Ob es in Italien viele marode Banken gibt ist nicht Gegenstand einer Theorie, sondern ein Frage der Bilanz/Bilanzierung.“

      Ich dachte es wäre klar geworden, was ich mit Theorie meine: Erst Kreditvergabe mittels eigener Geldschöpfung, dann Beschaffung des dafür erforderlichen Zentralbankgeldes, so wie es bei gesunden nicht unterkapitalisierten Banken in der Regel abläuft. Vielleicht sollten wir uns nicht auf den Begriff „Theorie“ sondern auf „Idealfall der üblichen Praxis“ einigen. Sie haben dazu Alan Holmes bemüht, der sagte:
      „In the real world, banks extend credit, creating deposits in the process, and look for the reserves later“.

      Sie schrieben: „Und ja, viele italienische Banken sind marode und vor allem unterkapitalisiert. Von daher verstehe ich das/Ihr Reserveargument nicht.“

      Was ich versucht habe Ihnen zu verdeutlichen ist, dass dieser „Idealfall der üblichen Praxis“ für viele Banken in Südeuropa eben nicht mehr gegeben ist, weil sie über mehrere Jahre durch Kreditausfälle höhere Abschreibungen als der Bankendurchschnitt hatten und einen darüber hinausgehenden Abfluss an Zentralbankgeld an andere Banken durch die schleichende Verlagerung von ein- und ausgehenden Zahlungen hin zu den großen Banken, oder durch die Verlagerung von Wertpapierdepots zu den Online-Brokern, hinnehmen mussten.

      Der damit verbundene Effekt ist, dass diese Banken immer mehr Assets zur Deckung ihres Zentralbankgeldbedarfs hinterlegen mussten und müssen. Eine Entwicklung die bereits aus Großbritannien bekannt ist, wo es deshalb kaum noch Reginalbanken gibt, aber auch aus Spainien, wo die Sparkassen das Reginalprizip aufgegeben haben und folglich Kreditausfälle besonders im überregionalen Bereich hinehmen mussten.

      Banken die aus den oben genannten Gründen nicht mehr ausreichend kapitalisiert sind, müssen erst wieder Reserven aufbauen, um in den „Idealzustand der üblichen Praxis“ zurückkehren und neue Kredite vergeben zu können. QE hilft also die Reserven mit denen Staatsanleihen erworben wurden, wieder frei zu bekommen. Genau deshalb kommt es zu dem von Ihnen beschriebenen Umstand, dass es „die Unterkapitalisierung der maroden Banken sowie die unzureichende Liquidity Coverage Ratio (LCR) in Verbindung mit den ungenügenden High-Quality Liquid Assets (HQLA) nach Basel III“ in dieser Größenordnung gibt. Ich sehe es deshalb genau wie Ben Bernanke: „Well, the problem with QE is it works in practice, but it doesn’t work in theory“.

      Ein weiterer Aspekt – und da stimme ich Ihnen zu – ist die Tatsache, dass es an kreditwilligen Schuldnern mit ausreichender Bonität und/oder werthaltigen Sicherheiten fehlt. Die Banken umgehen dieses Problem aber dadurch, dass sie mit den Kreditfonds der Schattenbanken zusammenarbeiten, die Kredite unterschiedlicher Bonität bündeln, so wie es bis zur Finanzkrise mit den Immobilienkrediten gemacht wurde. Siehe: https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/fonds-etf/debt-funds-der-unheimliche-boom-der-privaten-kreditfonds/23632340.html?ticket=ST-3545577-IovEqAgxpQOshrFmJevf-ap1

      Beste Grüße

      Bernhard-Albrecht Roth

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        Michael Stöcker sagte:

        „Banken die aus den oben genannten Gründen nicht mehr ausreichend kapitalisiert sind, müssen erst wieder Reserven aufbauen, um in den „Idealzustand der üblichen Praxis“ zurückkehren und neue Kredite vergeben zu können. QE hilft also die Reserven mit denen Staatsanleihen erworben wurden, wieder frei zu bekommen. Genau deshalb kommt es zu dem von Ihnen beschriebenen Umstand, dass es „die Unterkapitalisierung der maroden Banken sowie die unzureichende Liquidity Coverage Ratio (LCR) in Verbindung mit den ungenügenden High-Quality Liquid Assets (HQLA) nach Basel III“ in dieser Größenordnung gibt.“

        Tut mir leid, Herr Roth, aber auch hier kann ich Ihnen gedanklich nicht folgen. Staatsanleihen können Geschäftsbanken IMMER als Sicherheit bei Refinanzierungsgeschäften gegenüber der Zentralbank einsetzen. QE ist hierfür also NICHT erforderlich. Und die Unterkapitalisierung ist eine Folge von zu wenig Eigenkapital. Mit QE wird kein Eigenkapital geschaffen; es sei denn, man macht ein mittelbares Mastprogramm (Free Lunch) wie die Fed mit ihren Zinsen auf Überschussreserven (IOER). Die EZB macht es aber genau anders herum und erhebt einen Strafzins. Nun gut, der trifft die Südländer nicht, sondern die Banken der Nordländer mit positiven TARGET-Salden.

        LG Michael Stöcker

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      Bernhard-Albrecht Roth sagte:

      @ Michael Stöcker

      Habe Ihren letzten Kommentar erst heute zur Kenntnis nehmen können, deshalb die verspätete Antwort!

      Sie schrieben: „Staatsanleihen können Geschäftsbanken IMMER als Sicherheit bei Refinanzierungsgeschäften gegenüber der Zentralbank einsetzen. QE ist hierfür also NICHT erforderlich. Und die Unterkapitalisierung ist eine Folge von zu wenig Eigenkapital. Mit QE wird kein Eigenkapital geschaffen.“

      Das Problem bei einer mehrtägigen oder über Wochen geführten Diskussion ist, dass man nicht immer alle Argumente und Formulierungen der Diskussion im Blick behalten kann.

      Der Dissens in der gegenseitigen Argumentation beruht auf der unterschiedlichen Annahme der risikogewichteten Aktiva für Staatsanleihen und sonstigen Anleihen die im Rahmen von QE von der EZB erworben wurden.

      Wenn wir von der rein theoretischen Möglichkeit ausgehen, dass Banken nur Staatsanleihen und sonstigen Anleihen mit 0% risikogewichteter Aktiva (Level 1) in ihren Büchern haben, würde QE die Reserven der Banken nicht erhöhen und somit auch die Kreditvergabe nicht ankurbeln können. Hier stimmen wir völlig überein!

      Jedoch haben die Banken der Eurozone in erheblichem Umfang auch Staatsanleihen und sonstige Anleihen die eben nicht nur unter Level 1 sondern unter Level 2 fallen, die mit einer risikogewichteten Aktiva von 7 – 30 % anzusetzen sind.

      Folglich sind je nach Höhe des Engagements der Banken in diesem Sektor Reserven gebunden, die bei Verkauf an die EZB wieder frei werden. Details hier: https://www.berenberg.de/cgi-bin/fir/fir.cgi?rm=show_doc&ial=1&sb_userid=0&sb_eventid=0&doc_id=1941

      Ergänzend – und das ist ein zusätzlicher und bisher noch nicht erwähnter Aspekt – will die EZB durch den Aufkauf der Staatsanleihen mit 0 % risikogewichteter Aktiva deren Renditen drücken. Folglich sinkt die Attraktivität diese Staatsanleihen und erhöht die Bereitschaft der Banken (mit den frei gewordenen Reserven aus dem Abverkauf der Level 2 Staatsanleihen und sonstigen Anleihen an die EZB) die Kreditvergabe an die Wirtschaft zu erhöhen! Die Erhöhung der Geldbasis trägt zu einer steigenden Inflation bei, was in Teilen der Wirtschaft auch die zögerliche Kreditnachfrage ankurbelt.

      Beste Grüße,

      Bernhard-Albrecht Roth

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