Monetarismus erklärt den Inflations­schub und spricht für einen Rückgang

In meinem Podcast am 22. Mai 2022 geht es um die Aussichten für die Inflation. Ich spreche erneut mit Tim Congdon, Gründer und Leiter des Instituts für internationale Währungsforschung an der Universität von Buckingham (GB). Condong ist ein führender Vertreter der monetaristischen Lehre und  sagte frühzeitig die Rückkehr der Inflation vorher. So auch in Folge 83 (und #84 im Originalgespräch) von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“.

Die Rückkehr der Inflation

Zur Einstimmung einige Beiträge:

Heute ein Auszug aus einem der jüngsten Newsletter von Longview Economics. Chris Wattling, Gründer und Geschäftsführer war übrigens in Folge 79 zu Gast.

  • „(…) in recent decades, monetarism became seen as a failed experiment, and was replaced by Keynesian ‘demand management’ with central banks charged with hitting a consumer price inflation target. With that, and starting with Greenspan in the late 1990s, central banks have quietly, and at several points along the way, dropped key money supply measures/analysis.“ – bto: Dies lag daran, dass es den Zusammenhang nicht mehr so gab – siehe Beitrag gestern.
  • The evidence of the past 2 years, though, with the introduction of helicopter money and aggressive policy responses in many parts of the globe, has seen a resurgence of the importance of monetary analysis.“ – bto: Nun war es offensichtlich, dass die Geldmenge eine Bedeutung hat.
  • „(…) while various factors are important in the current inflation story (including lockdowns, substitutions effects between goods and services, commodity price shocks in part due to wars, absenteeism due to Long COVID, and so on), the dominant factor driving inflation is the massive surge in money growth brought about by the ‘helicopter money’ policies employed by the West.“ – bto: so unangenehm es den Kritikern der Monetarismus auch ist.
  • „This is clearly evident in FIG 6 below which shows annual M2 money supply growth and consumer price inflation back to 1872.“ – bto: diese Abbildung zeigt aber genau wie wir gestern gesehen haben eine Abnahme der Korrelation in den letzten 40 Jahren.

  • As the chart shows, almost all prior spikes over 10% annual M2 growth in the past 140 years have been coincident with, or generally shortly followed by, a rapid acceleration in consumer price inflation. As the money supply growth then slows, CPI also slows (often, although not always, with a lag).“ – bto: Nachdem die Geldmengen deutlich weniger wachsen, ist ein Rückgang der Inflation absehbar.
  • Risks to that, as with all forecasts, are high. One major concern is the tightness of the US labour market (and the associated high service sector inflation). Less money to go around (as money supply growth slows), though, is more likely to lead to margin compression at companies rather than inflation (as a result of higher wages). In other words, when money tightens up, it becomes harder for companies to protect margins when faced with higher wage inflation (unless productivity growth is high). A second concern is that the money stock is still too high relative to nominal GDP (or put it another way there is still considerable excess savings in household bank accounts/i.e. future spending power). If that’s put to work, demand will remain too high for the available supply of goods and services – and inflation will remain at high levels.“ – bto: Aber auch das wäre ein vorübergehender Effekt.  
  • In the 1970s, as the US and the west came off the Bretton Woods monetary standard, the prevailing economic ideology of the time was that fiscal policy should be used to fine tune the economy and ensure that unemployment was at low levels (i.e. 4% or lower). Monetary factors were, in many ways, largely ignored (until Volcker in 1979). (…) Today’s central bank targeting of the headline CPI growth rate, while not pure monetarism, does achieve its goals by (indirectly) controlling money supply growth. As such, it’s a stronger institutional framework for controlling inflation than that of the 1970s, with the implication that a repeat of the wage price spiral of the 70s is much less likely.” – bto: Das leuchtet mir ein. Dann haben wir einen Rückgang der Inflation, der zusätzlich durch die Straffungspolitik der Notenbanken verschärft wird. Also doch das Risiko einer Rezession?
Kommentare (11) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Andrea Saalburg
    Andrea Saalburg sagte:

    Verehrte BTO community,

    Ich höre jeden Podcast, aber leider fehlt mir die Zeit, anschließend noch alle Kommentare und Ko-Referate zu verfolgen. Mich würde mal interessieren, ob überhaupt noch jemand bezweifelt, dass eine neue Inflationsära begonnen hat.

    Die Entstehung einer Lohn – Preis – Spirale gibt dabei wichtige Hinweise. Die Atlanta Fed veröffentlicht ihren US – Inflationsindikator. Leider können hier keine Grafiken geteilt werden, aber unter dem nachfolgenden Link ist eine Version davon abrufbar. Dieser Indikator ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen.

    https://www.atlantafed.org/chcs/wage-growth-tracker

    Marcel Fratzscher kennt diesen Indikator wahrscheinlich nicht.
    Eine Stagflation scheint in den von mir verfolgten Medien bereits Konsens. Mir fallen keine guten Gründe ein, die gegen eine schwere Rezession mit hoher Inflation sprechen (Roland Leuschel nannte es Rezflation) – außer vielleicht die Hoffnung auf die Allmacht der Zentralbanken.
    Dann fragt man sich allerdings, warum es in der Finanzgeschichte immer wieder Rezessionen gegeben hat.

    This time is different?
    I don’t think so

    Antworten
    • Bauer
      Bauer sagte:

      @ A. Saalburg

      >> “Verehrte BTO community”, das Thema ist doch ausgelutscht. Bringt Euch in Sicherheit!

      >> “This time is different?
      I don’t think so”
      Stimmt.

      Antworten
  2. jobi
    jobi sagte:

    Eine Korrelation zwischen Geldmengenänderung und Inflation ist nicht völlig verschwunden, hat sich aber abgeschwächt, weil “shadow money” ein relativ größeres Gewicht im Geldsystem bekam, einhergehend mit einem stärkeren Einfluss auf die Assetpreise.

    Wirkung entfaltet neben dem Betrag einer Geldmengenänderung vor allem deren Geschwindigkeit.

    So dürfte aktuell der globale fiskalische Impuls eine der bestimmenden Größen für die Inflation sein, überlagert durch starke Einflüsse von der Angebotsseite.

    Die starken positiven Geld- und fiskalpolitischen Impulse der Pandemie sind inzwischen negativ !

    Mehr noch:

    Im aktuellen geldpolitischen Umfeld mit revidierten Wachstumsprognosen droht Ungemach, wenn infolge eines Rückgangs bei den Assetpreisen der monetäre Impuls negativ wird, der heute ganz entscheidend vom Risk On / Risk Off an den Finanzmärkten mitbestimmt wird.

    Für am wahrscheinlichsten halte ich daher folgendes Szenario:

    Während der monetär induzierte Anteil der Inflation verschwindet oder je nach Aggressivität der Notenbanken sogar negativ wird, bleiben die strukturellen Treiber länger wirksam.

    Die genaue Quantifizierung ist unmöglich.

    Die beste Schätzung liefern immer noch die Inflationserwartungen der Anleihe-Investoren.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Mit Teilaspekten, wie der Geldpolitik der Notenbanken sowie – dazu genommen – die Fiskalpolitik kann man nicht die Inflation erklären.

    Was u. a. fehlt:

    Wenn man den Staat als Akteur einbezieht, was richtig ist angesichts der Nachfrage generierenden Fiskalpolitik (Staat als Beschaffer von Gütern und Dienstleistungen sowie sozialstaatsbedingter Transferleistungen für mehr Konsum), dann kann man sein REGULATORISCHES Agieren nicht außer Acht lassen.

    Die Gesellschaften des Westens wollen und werden immer stärker durch Regulierung die Wirtschaft transformieren.

    Regulieren heißt u. a.:

    Gesetzlich ZWINGEN, bestimmte Nachfrage zu tätigen.

    NICHT mehr relative Preise bestimmen die Nachfrage, sondern das verordnete MUSS des Staates.

    Dies wird u. a. die Nachfrage nach Handwerksleistungen so erhöhen, dass es bei dem nicht behebbaren Facharbeitermangel zu Lohnsteigerungen kommen wird, durch die mit Multiplikatoreffekt eine Lohn-Preisspirale verstärkt wird oder in Gang kommt.

    Dies nur beispielhaft.

    Ich will nur darauf verweisen, dass man aus Teilaspekten, so richtig sie auch sein mögen, NICHT auf DIE INFLATION schließen kann.

    Antworten
    • jobi
      jobi sagte:

      @D.Tischer

      Regulatorische Eingriffe nicht nur in die Realwirtschaft sondern v.a. auch ins Finanzsystem !

      Basel III, IOR, Repo-Faszilität, Ankauf von Unternehmensanleihen u.MBS, RRP für Nichtbanken usw usw ….

      Antworten
  4. Ofelas Andre
    Ofelas Andre sagte:

    Die Rückkehr der Inflation wurde 2011 von Prof Steve Keen, Jim Rickarts, Peter Schiff, etc klar argumentativ unterlegt. Das dauerte dann 3-4-5 Jahre bis es in Deutschland angekommen war. Diese Gruppe und einiger mehr, sind sich über die Auswirkungen einig, der völlige Zusammenbruch unseres Geldsystems. Heute wissen wir, es mündet alles im digitalen Zentralbankgeld.

    Antworten
    • Schwarzenberg
      Schwarzenberg sagte:

      Digitales Zentralbankgeld wäre in der Bilanz der Notenbank nichts anderes als Papiergeld, einfach nur in anderer Form.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Schwarzenberg

        Mag ja sein. In Ihrem persönlichen “Geldbeutel” wäre digitales Zentralbankgeld allerdings etwas grundlegend anderes als das Geld, das Sie bisher kennen.

  5. weico
    weico sagte:

    bto:„As the chart shows, almost all prior spikes over 10% annual M2 growth in the past 140 years have been coincident with, or generally shortly followed by, a rapid acceleration in consumer price inflation. As the money supply growth then slows, CPI also slows (often, although not always, with a lag).“

    ..man kann ja bekanntlich aus jedem Chart/Statistik/Plan “etwas” herauslesen bzw. interpretieren.

    Die Antworten der letzten 2 Forentage waren so köstlich amüsant und “aufschlussreich”, wie Kurt Felix mit seinem Schnittbogenmuster-Experiment :

    https://www.youtube.com/watch?v=0zdvX5okQC0

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