Is inflation about to return?

Printing money does not create wealth.

Inflation is the topic of this episode of “beyond the obvious – the economics podcast with Dr Daniel Stelter”. Will it return permanently or are we just experiencing a short boost after the Corona crisis has been overcome? In conversation about this, British economist Prof. Tim Congdon, founder and director of the Institute for International Monetary Research at the University of Buckingham (UK) and a leading exponent of monetarist thinking.

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Kommentare (19) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    @ Dietmar Tischer

    „Es ist ANMASSEND, von einem monetären Irrgarten der Zentralbanker zu reden.“

    Ihre Einschätzung bleibt Ihnen unbenommen.

    Fakt ist, dass die Zentralbanken dieser Welt noch bis in die 80er Jahre einem monetaristischen Geldmengenkonzept auf Basis des irrigen Geldschöpfungsmultiplikators huldigtem (Bundesbank und SNB noch deutlich länger), dann aber feststellen mussten, dass es hier überhaupt keine Kausalität gab/gibt, sondern lediglich eine zufällige temporäre Korrelation. Dennoch wurde dieser Unsinn an den Schulen und Universitäten nicht nur in Deutschland bis 2007 – und leider auch danach – weiter gelehrt: https://zinsfehler.com/2014/09/04/bankmythen/. Zudem: Was soll ein Geldmengenkonzept, wenn man noch nicht einmal weiß, wie hoch tatsächlich die relevante Geldmenge ist, weil man insbesondere den Einfluss des Schattenbankensektors/Eurodollar auf die Geldmenge gar nicht messen kann?

    Nachdem sie dann festgestellt haben, dass sie überhaupt keinen relevanten Einfluss auf die Geldmenge haben, haben sie sich ein neues Steckenpferd gesucht und fabulierten seitdem von so etwas wie der Zinssteuerung (der Name meines Blogs ist hier Programm). Im Jahre 20 von QE kommen sie allmählich nun zu der Erkenntnis, dass sie weder die Geldmenge, noch das Zinsniveau jenseits homöopathischer Beschwörungsformeln beeinflussen können.

    Als Höhepunkt des Ganzen gibt es dann Reverse-Repos, damit die sinnentleerte Überliquidität, die durch QE im ersten Schritt verzapft wurde, nun wieder im zweiten Schritt über Nacht eingefangen wird.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Die Zentralbanker agieren seit vielen Jahren völlig orientierungslos und erfinden zwischendurch immer wieder neue Geschichten, damit das ehrfürchtige Publikum auch weiterhin die Mär von der Zentralität der Zentralbanken glaubt.

    Das heißt nicht, dass sie alles falsch gemacht haben. Aber statt die Märkte des wichtigsten Kollaterals zu berauben (Staatsanleihen), hätte sie sich auf ihre Funktion als LOLR konzentrieren sollen; und zwar ganz im Sinne von Walter Bagehot.

    Insofern: Raus aus dem Irrgarten und back to the roots.

    Antworten
    • Rolf Peter
      Rolf Peter sagte:

      “Aber statt die Märkte des wichtigsten Kollaterals zu berauben (Staatsanleihen)…”

      Niemand muss sich verschulden, auch kein Staat, um den Banken Sicherheiten zur Refinanzierung zur Verfügung zu stellen. Wenn es Kreditnehmer gibt, dann hat jede kreditgebende Bank eine Sicherheit, nämlich den vergebenen Kredit. Der liesse sich auch als Wertpapier verbriefen und wird dann als Sicherheit liquider. Diesen Kredit bzw. das Wertpapier kann die Bank verpfänden.
      Die Begründung, ein Staat, also Sie und ich als Steuerzahler, muesste sich verschulden, weil dem Finanzsystem sonst die Sicherheiten ausgehen, ist daher falsch, auch wenn sie in komplizierten Verwurschtelungen von J. Snider kommt.

      Das gegenwärtige Finanzsystem hat sich so entwickelt, aber das heisst nicht, dass es nicht ohne ginge. Man muss natürlich vorsichtig sein, wenn man das ändern will und darf es nicht übers Knie brechen, aber langfristig, muessen wir das gesamte Finanzsystem “gesundschrumpfen”.

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ Rolf Peter

        Ihren Gedankengängen kann ich durchaus folgen. Allerdings sollte man dann auch die Konsequenzen mitdenken.

        1. Die Refinanzierung über den Interbankenmarkt wird wegen des Risikoaufschlags deutlich teurer; im Minsky-Moment vermutlich unbezahlbar.

        2. Eine Refinanzierung über die Zentralbank hätte zur Folge, dass die Zuständigkeiten und Kompetenzen im zweistufigen Geldsystem vermischt werden. Die Zentralbank wäre nun mit der Aufgabe der Bonitätsprüfung betraut, für die sie gar keine Kompetenzen hat. Dies ist die zentrale Aufgabe der Geschäftsbanken. Damit es hier zu keinen Konflikten kommt, müsste zuvor eine wirklich unabhängige Ratingagentur gegründet werden; ein Prozess, der viele Jahre dauert – Kompetenz fällt ja nicht vom Himmel – und zudem zusätzliche systemische Kosten verursacht.

        3. Im Minsky-Moment muss/sollte der Staat massiv gegensteuern, damit nicht auch noch die Realwirtschaft mit in den Abgrund gezogen wird. Spätestens dann wird die Staatsverschuldung massiv ansteigen.

        LG Michael Stöcker

    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      Selbst, wenn Sie Recht hätten mit dem, was Sie Fakt nennen, bleibt meine Kritik bestehen, denn Ihre Fakten treffen sie nicht.

      Ich behaupte:

      Die Zentralbanken verhindern das SCHLIMMSTE (Kollaps des Systems) und sind DAHER nicht im monetären Irrgarten zu verorten, was immer auch ihre Geldpolitik SONST NOCH leistet oder nicht leistet.

      Dem könnten sie entgegenhalten:

      Es gäbe das Risiko des Systemkollapses NICHT, wenn die Zentralbanken in der Vergangenheit eine ANDERER Geldpolitik betrieben hätten.

      Diese These müssten Sie belegen.

      Ich würde dagegen halten, dass REALWIRTSCHAFTLICHE Entwicklungen, selbstverständlich auch unter dem Einfluss der betriebenen Geldpolitik, letztlich URSÄCHLICH für den prekären Systemzustand sind.

      Sie überziehen bei der Zuschreibung von Merkmalen wie „völlig orientierungslos“.

      Selbst, wenn es denn so wäre, wie Sie behaupten, dass die Zentralbanker „zwischendurch immer neue Geschichten erfinden, damit das ehrfürchtige Publikum auch weiterhin die Mär von der Zentralität der Zentralbanken glaubt“, kann man ihnen NICHT Orientierungslosigkeit zuschreiben.

      Sie ORIENTIEREN sich in diesem Fall genau am „ehrfürchtigen Publikum“.

      Kein Punkt, den wir weiter diskutieren müssen, aber pauschales Abwatschen bringt nichts.

      Die Zentralbanker sind keine Idioten.

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Die Zentralbanken verhindern das SCHLIMMSTE (Kollaps des Systems) und sind DAHER nicht im monetären Irrgarten zu verorten, was immer auch ihre Geldpolitik SONST NOCH leistet oder nicht leistet.“

        Sie haben das SCHLIMMSTE verhindert; darüber gibt es keinen Dissens. Dennoch wandeln sie im monetären Irrgarten. Das eine schließt doch das andere nicht aus.

        „Es gäbe das Risiko des Systemkollapses NICHT, wenn die Zentralbanken in der Vergangenheit eine ANDERER Geldpolitik betrieben hätten.“

        Das Risiko des Systemkollapses ist systemimmanent. Genau deshalb gibt es ja Zentralbanken, damit sie im Minsky-Moment einspringen können und für die nötige Elastizität sorgen.

        „Ich würde dagegen halten, dass REALWIRTSCHAFTLICHE Entwicklungen, selbstverständlich auch unter dem Einfluss der betriebenen Geldpolitik, letztlich URSÄCHLICH für den prekären Systemzustand sind.“

        Ja, das sehe ich auch so. Es sind insbesondere der Matthäus-Effekt sowie die tendenziell fallende Profitrate.

        „Sie überziehen bei der Zuschreibung von Merkmalen wie „völlig orientierungslos“.“

        Auch diese Einschätzung bleibt Ihnen unbenommen: We agree to disagree.

        „Die Zentralbanker sind keine Idioten.“

        Soweit wie Jeff Snider würde ich hier in der Tat auch nicht gehen; zumal ich davon ausgehe, dass sich die Anzahl der Idioten im Finanzsektor statistisch gesehen recht gleichmäßig verteilt.

    • Renée Menéndez
      Renée Menéndez sagte:

      Hallo Herr Stöcker,

      man muß ausgerechnet dann, wenn man der Auffassung ist eine valide Kritik an einer mainstream-Auffassung zu äußern, höllisch darauf aufpassen, daß man nicht selbst, bei all der Verve, die in die eigene Kritik gesteckt wird, irgendwelche schnöden Anfängerfehler begeht. So ist beispielsweise die “positive money”-Bewegung davon geprägt ausgerechnet das Sujet ihrer Kritik nicht korrekt zu erfassen, indem sie – was für nur-englisch-Sprechende praktisch typisch ist – Geld und Kredit nicht auseinanderhalten können – und darauf auch noch stolz sind. Oder die “Pluralen Econs” gefallen sich darin irgendwelche “woken” “Lösungsansätze” (klingt wie: gewollt und nicht gekonnt) zu propagieren, übersehen aber völlig, daß der Schlüssel zu einer alternativen Ökonomie in der Geldtheorie liegt – die sich nicht (!) als programmatischer Punkt findet. (Deswegen sind die “pluralos” wahrscheinlich eine U-Boot Abteilung!)

      Oder nehmen wir mal Ihren neuesten Link-drop: Murau (auch so ein Nur-englisch-Sprechender) behauptet doch tatsächlich, daß man Geld auf der Passivseite von Banken finden kann, weil ja die Gegenbuchung ein “asset” sei – selten so gelacht. Der ganze Unfug findet sich in zwei Zeilen: “…commercial banks issue deposits as liabilities, and they are used by households and firms as assets and they operate. So they use them as money.” Dieser Schrott steht wohlgemerkt in einer Publikation, deren Anspruch es ist über die Laienvorstellung hinauszugehen und eine “richtige” Weltsicht zu präsentieren. Ich würde sagen: als Laienmeinung kann man es durchgehen lassen…

      Das kommt übrigens davon, wenn man seine podcasts als Transkripte publiziert, denn daraufhin habe ich den zitierten Satz in 3 Minuten gefunden, während ich beim Anhören zu diesem Zeitpunkt längst weggedämmert wäre.

      Was den “Irrgarten der Zentralbanker” betrifft: ich erinnere mich an ein Papier von Peter Spahn, der darin argumentiert hat, daß die Bundesbank ihre “monetaristische Wende” lediglich publiziert hat, während sie in ihrer Politik nach genau denselben Grundsätzen verfahren ist wie vorher. Soll heißen, alle die die Bundesbank wegen ihrer angeblichen Geldmengensteuerung kritisiert haben, sind selbst die Gelackmeierten, weil sie sich nie die Mühe gemacht haben zu erforschen, ob das, was kommuniziert wurde überhaupt umgesetzt worden ist. Auf diese Art kann man sich selbst ins Bein schießen und merkt es nicht mal.

      Vielleicht noch eine Anmerkung zum Schluß: den “lender of last resort” gibt es seit der Aufhebung des Goldstandards nicht mehr, denn diese Bezeichnung stammt aus Zeiten, als Banknoten als Forderungspapiere von den Emittenten in Gold eingelöst werden mußten. Seitdem die Zentralbanken (Bar-)Geld autonom erschaffen können, während die Banken nur die “Geldmenge” (die keine Menge von Geld ist) d.h. Schuldverhältnisse erzeugen, sind die Zentralbanken zum LOFL (“lender of first liquidity”) geworden. Aus diesem Grund ist auch Bagehot nicht mehr aktuell, weil die Zentralbanken nicht mehr wie früher in einem Medium (Gold) zahlen müssen, was sie nicht selbst schöpfen können. Man kann sich natürlich fragen, ob die alte Bagehot-Regel (offenes Diskontfenster bei hohen Zinsen) nicht auch heute noch gültig ist, aber das Argument kann man nicht auf der ursprünglichen Argumentation aufbauen. Dazu muß man mal neu nachdenken…

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        Hallo Herr Menéndez,

        Muraus Muttersprache ist Deutsch und er hat seine Karriere an der LMU gestartet. Ansonsten ist er stark geprägt durch den „Money View“ von Perry Mehrling und somit durch die Geldhierarchie; ein Ansatz, den auch ich als korrekt einschätze, um unser Geldsystem richtig zu verstehen.

        Ich kann nicht erkennen, was an der Aussage von Murau falsch sein sollte. Durch jede Kreditvergabe entstehen zugleich eine Forderung sowie die korrespondierende Verbindlichkeit in der Bilanz der Bank. Während die Forderung (Asset) der Bank jedoch auf die Zukunft gerichtet ist, ist die Verbindlichkeit (Liability/Deposit) der Bank JEDERZEIT zu erfüllen. Und diese Verbindlichkeit ist für eine Nichtbank/Kunden wiederum ein Asset; denn zu jeder Forderung des einen gehört IMMER zugleich die Verbindlichkeit des anderen. Sowohl Bargeld als auch Giralgeld sind aus der Kundensicht ein Asset, mit dem sie schuldbefreiend bezahlen können. Von daher liegt Murau völlig richtig mit seiner Aussage. Auf der Kundenebene haben Bargeld und Giralgeld die gleiche Funktion; auch dann, wenn es sich hierbei systemisch um zwei kategorial verschiedene Geldarten in der Geldsystemhierarchie handelt.

        Zu Bagehot: Ich halte seine Regel auch im aktuellen Kreditgeldstandard für geboten. Ob ich das nun LOLR oder „neudeutsch“ LOFL nenne, ist dabei mAn einerlei. Der Goldstandard war ja schon immer nur eine Schönwetterveranstaltung, der im Fall der Fälle einfach suspendiert wurde.

        LG Michael Stöcker

  2. foxxly
    foxxly sagte:

    @ tischer 13:16
    >>Niemand glaubt, dass der Menschenverstand, über den er verfügt, nicht reicht, die Probleme, die sich stellen, zu lösen.
    Dieser Satz ist streng genommen zwar falsch des „Niemand“ wegens, aber ich glaube schon, dass er das Selbstverständnis vieler Menschen wiedergibt.<<

    das ist nicht der entscheidende punkt:

    das wissen ist ganz sicher vorhanden, natürlich nicht bei allen menschen, – kann es auch garnicht sein.

    der entscheidende punkt ist die maßgeblich herrschenden aus dem finanzbereich. diese bestimmen die richtung der politik.

    diejenigen, welche sich dagegen stellen, werden verselbsmordet, oder sonst kalt gestellt. und viele andere glauben davon auch zu profitieren. die masse schuftet für deren eigen beherrscher.

    Antworten
    • Michael Stöcker
      Michael Stöcker sagte:

      Als ultimative Empfehlung für alle, die unser Geldsystem RICHTIG verstehen wollen: Steffen Murau im Interview mit David Beckworth: https://podcasts.apple.com/us/podcast/steffen-murau-on-eurozone-international-monetary-architecture/id1099277290?i=1000526227122. Dort sind auch seine wichtigsten Paper verlinkt. Alle sehr lesenswert.

      Murau auch als Interviewpartner auf bto wäre eine echte Bereicherung und würde sicherlich den einen oder anderen Leser aus dem monetären Irrgarten der Zentralbanker herausführen.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Für Herrn Michael Stöcker ein Zitat zum Thema “Irrgarten der Zentralbanker”:

        “Nichts ist so gerecht verteilt wie der gesunde Menschenverstand.
        Niemand glaubt mehr davon zu brauchen, als er hat.”

        René Descartes (1596 – 1650), französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissenschaftler.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        Jetzt mal Butter bei die Fische und was anderes als Ihr üblicher Linkspam:

        Haben Sie Ihren privaten Gold-Portfolioanteil aufgestockt?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        Der PUNKT, den Sie setzen, angebracht:

        Es ist ANMASSEND, von einem monetären Irrgarten der Zentralbanker zu reden.

        Die Zentralbanker erreichen zwar mit ihrer Geldpolitik NICHT das, was wünschenswert ist, nämlich ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum und damit ein höheres Zinsniveau.

        Wenn sie es TROTZ dieser Zielverfehlung aber schaffen, dass das SYSTEM nicht kollabiert (wozu die Politik offensichtlich nicht fähig ist), dann ist ihre Geldpolitik KONSTRUKTIV, aber kein monetärer Irrgarten.

        Stöcker fliegt über den Wolken und lässt mir ab zu mal ein paar Brocken fallen mit dem Geruch „höherer Weisheit aus der obersten Ebene“.

        Das ist nicht ergiebig, um eine Diskussion zu führen.

        Fußnote zu R. Descartes:

        Ob der erste Satz richtig ist, kann offenbleiben, zumal nicht klar ist, was unter „gerecht“ zu verstehen ist.

        Der zweite lässt sich NICHT aus dem ersten ableiten.

        Denn die tatsächliche oder angebliche Verteilung besagt nichts darüber, was Menschen GLAUBEN bezüglich des Gebrauchs IHRES Menschenverstands.

        Mit dem zweiten MEINT R. Descartes m. A. n.:

        Niemand glaubt, dass der Menschenverstand, über den er verfügt, nicht reicht, die Probleme, die sich stellen, zu lösen.

        Dieser Satz ist streng genommen zwar falsch des „Niemand“ wegens, aber ich glaube schon, dass er das Selbstverständnis vieler Menschen wiedergibt.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @DT

        OT, aber: „Niemand glaubt, dass der Menschenverstand, über den er verfügt, nicht reicht, die Probleme, die sich stellen, zu lösen.“

        Echt? Ich glaube das öfter, wenn ich über diverse Probleme nachdenke.
        Ich habe aber auch Descartes so verstanden, dass niemand sich bei der Verteilung von „gesundem Menschenverstand“ benachteiligt fühlt. Wie auch: „Gesunder“ Menschenverstand ist der, wo Kopf und Bauch im Einklang sind. Und jenes Maß an solchem Verstand, das man hat, evaluiert sich selbst.

        Selbstreflexion setzt ja überhaupt erst dann ein, wenn man begriffen hat, dass die Funktionsweise der Welt oft auch kontraintuitiv ist – und schwupps, hat man im Selbstbild einfach eine neue Kompetenz dem eigenen, „gesunden“ Menschenverstand hinzugefügt. Hier ist wirklich für jeden das Glas immer voll ;-).

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >Ich glaube das öfter, wenn ich über diverse Probleme nachdenke.>

        IHR Problem (und auch meines) sind die PROBLEME, über die Sie mit Ihrem gut ausgebildeten Menschenverstand nachdenken.

        >Selbstreflexion setzt ja überhaupt erst dann ein, …>

        Kann man so sagen, wobei ich dies wie folgt interpretiere:

        Wenn die Welt kontraintuitiv zu dem funktioniert, was mein Menschenverstand feststellt, dann fügt der Menschenverstand bei vielen Menschen geradezu gewohnheitsmäßig hinzu:

        Wenn die Welt kontraintuitiv funktioniert, dann müssen korrupte Politiker, Eliten – vornehmlich die „Herrschenden aus dem Finanzbereich“, s. Top an diesem Thread – oder Verbrecher am Werk sein, denn nach „gesundem“ Menschenverstand sind die Probleme zu lösen.

        Feststellungen dieser Art quasi aus dem Handstand treffen zu können, sind dann sozusagen die neue Kompetenz.

        Zweifel am eigenen Menschenverstand, speziell wenn er „gesund“ ist, kann es nicht geben, weil das als Kränkung der Person zu verstanden wird.

        Damit zusammenhängend können viele Menschen nicht zugeben, dass sie mit ihren Auffassungen falsch liegen, auch wenn es keinen Zweifel daran gibt, dass sie falsch liegen.

        Zu meiner Lebenserfahrung, über die ich reflektiere, gehört u. a.:

        a) Individueller Verstand ist begrenzt und kann viele Probleme nicht lösen – das Leben besteht nicht im Lösen von mathematischen Gleichungen –, sondern sollte mitunter EMOTIONEN in die Problemlösung einbeziehen, auch wenn das für den Verstand schwierig ist und ihm mitunter auch widersprüchlich erscheint

        und

        b) viele als bedeutend angesehene politische und gesellschaftliche Probleme sind selbst mit der Summe besten Sachverstands NICHT so zu lösen, wie das von vielen gewünscht wird.

        Ich habe Menschen wie du und ich getroffen, denen man Derartiges nicht verständlich machen kann.

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @DT

        Oh ja. Ihr b) gerinnt in der oft autistisch (das Wort steht hier mit Absicht) anmutenden Feststellung „man muss nur…“

        Selbst theoretisch banale und technisch gleichzeitig auch noch mögliche Lösungen sind oft unerreichbar, v. a. wenn die Zeit begrenzt ist. Hier wäre ein Gedanke über die Konsequenzen dieser Erkenntnis fruchtbar.

        Solches gesagt fühlen sich dann aber nicht mehr nur jene angegriffen, die ein Weltbild gegen jede Evidenz pflegen, sondern auch noch die weit größere Gruppe derjenigen, die „man muss doch nur…“ meinen. Also eine veritable Mehrheit in Summe.

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