„Keep Eye on Sovereign Debt for Next Minsky Moment“

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Die Erkenntnisse zur Ursache von Krisen und Finanzmarktturbulenzen von Hyman Minsky sind sehr bemerkenswert. Deshalb verwies ich in meinen Kommentaren und in Beiträgen, die ich bei bto verlinkt habe, häufig auf seine Thesen. In einem Kommentar bei Bloomberg warnt ein anerkannter Fondsmanager vor dem nächsten „Minsky Moment“, also der Wiederholung der Finanzkrise (ich würde sagen Fortsetzung):

  • Today, we may be approaching a second Minsky moment. After the 2008 debt crisis, central bankers reacted with unconventional tools. If the problem was excess debt, the remedy applied was to lower interest rates and buy large quantities of it. Quantitative easing helped to avoid an even deeper recession, but it didn’t solve the root causes of the crisis. Global debt levels are up 276 percent in the last decade to $217 trillion, or 327 percent of GDP, according to the Institute of International Finance.“ bto: Lesern von bto ist dies wohlbekannt.
  • Daneben gibt es erhebliche Nebenwirkungen: „The first is a misallocation of economic resources. By keeping rates at record-low levels, central banks have made it easier for inefficient firms to survive, as in a rising tide that lifts all boats. The second is a rise in wealth inequality, where the wealth effect from rising asset prices benefited asset owners and the old more than the young and the poor. The third is a suppression of risk premia and volatility across financial markets.“ bto: Das Erste schwächt das Wachstum, das Zweite führt zu noch mehr staatlichen Eingriffen (auch schlecht für Wachstum) und Letzteres macht die Märkte gefährlich.
  • Unlike in 2008, the culprit isn’t low-quality subprime mortgage debt, but sovereign bond markets. Central bank purchases of government paper reduce yields and volatility. In turn, this pushes investors to search for yield in other markets, such as investment-grade and high-yield bonds. This search for yield lowers funding costs for firms, but also risk premia associated with default risk and credit volatility. The next step for investors is to turn to other means to achieve yield, selling volatility for example. Over the years following the crisis, short volatility strategies have flourished, gathering record sums of assets under management. Similarly, credit spreads and implied volatility from option premia in equities, rates and currencies are at or near record lows.“ bto: alles Treiber für künftige Probleme.
  • While in theory central bankers should not base their policy decisions on financial market developments, a sharp rise in volatility could lead to an excessive tightening in financial conditions, threatening their inflation targets. This interdependence contributed to the ECB’s dovish tone before this year’s French elections and around uncertainty over the Italian elections.“ bto: Das verdeutlicht faktisch, wie politisch die Notenbanken geworden sind. Was er übrigens mit „inflation targets“ meint, ist dies: Kommt es zu einem Crash, haben wir wieder offenen deflationären Druck.
  • The situation is somewhat of a Catch-22 for central bankers. Withdrawing stimulus may result into a return of volatility and perhaps a crisis today, while keeping it going may create an even bigger one tomorrow. Sooner or later, volatility will rise again. When it does, the tail risk may come from „risk-free“ assets.“ bto: die das natürlich auch nicht sind!
  • Nine years after the crisis, regulators have tightened capital and liquidity requirements. Yet central banks continue to encourage investors to buy dips and sell volatility as part of the wealth effect and portfolio rebalancing channels of QE stimulus. Financial stability oversight and macro-prudential policy remain a side game, generally outside their core mandate. Last week, Yellen went even further, saying a financial crisis is unlikely to happen in our lifetimes. If he were alive, Minsky would be shaking his head.“ bto: Und wir alle tun es auch!

→ Bloomberg.com: „Keep Eye on Sovereign Debt for Next Minsky Moment“, 5. Juli 2017

6 Antworten
  1. MSt says:

    Während das politische Paradigma auf die Krisenvermeidung um jeden Preis ausgerichtet ist, wäre eine Krise doch so chancenreich und auf mittlere Sicht Wohlstand mehrend. So würden die Jungen und Ärmeren durch gesunkene Assetpreise wieder eine Möglichkeit zur Eigentumsbildung bekommen. Die Arbeitslosigkeit würde sich dank demographischer Entwicklung in Grenzen halten. Die eine oder andere unproduktive Firma würde vom Markt verschwinden und Grundlage für höhere Produktivität legen. Die Gesellschaft würde aus der Lethargie erwachen und das eine oder andere Reform erzwingen, um Produktivität der Wirtschaft zu erhöhen. Der Staat könnte sich gezwungen sehen keynisianisch antizyklisch zu investieren und z. B. die Rahmenbedingungen für den E-Mobilität Standort stärken. Die Rohstoffpreise könnten sinken und wie ein Konjunkturprogramm wirken. Die Krisen gehören zu Wirtschaftsentwicklung einfach dazu, und das aus gutem Grund.

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    • Dietmar Tischer says:

      Eine Krise – besser und von Ihnen vermutlich auch so gemeint: eine Krisenlösung durch Crash oder kontrollierte Entschuldung – würde in der Tat CHANCEN eröffnen.

      Ob damit auch der Wohlstand für mehr Menschen gemehrt würde, steht auf einem anderen Blatt.

      Wenn so, was ich nicht ausschließen würde, dann erst einmal auf einem TIEFEN Niveau.

      Dann käme es darauf an, mit welchen Mitteln er sich unter welchen Umständen entwickeln würde.

      Fundamentale technologische und demografische Entwicklungen einmal unberücksichtigt gelassen, ist meine grobe Meinung dazu:

      Wenn sich der Wohlstand wieder mit einem Schuldgeldsystem entwickeln würde UND keine Insolvenzen mit Massenarbeitslosigkeit zugelassen werden, laufen wir früher oder später in die gleiche Falle.

      Diese Überzeugung beruht darauf, dass die VERÄNDERUNGS-DYNAMIK des Kapitalismus keine umfassende HOMOGENITÄT zulässt.

      Wir müssen uns also fragen:

      Welchen Kapitalismus wollen wir haben, d. h. wie muss das System RESTRUKTURIERT werden, um weiterhin Wohlstand welcher Art auch immer zu generieren und gleichzeitig das Minimum an sozialer und politischer Stabilität zu gewährleisten.

      Und das letztlich im globalen Kontext.

      Abstrakt kann einem dazu viel einfallen.

      Konkret werden sich mit mehr oder weniger Krisen und Krisenvermeidung neue Strukturen herausbilden, die neue Bedingungen für mehr oder weniger Krisen und Krisenvermeidung bilden.

      Eine GEWOLLTE umfassende Lösung wird es nicht geben.

      Dafür ist die Interessenvielfalt auf allen Ebenen und in allen Regionen zu groß.

      Bei aller RATIONALITÄT über die wir Menschen verfügen:

      Ich glaube, dass es wie gehabt EVOLUTIONÄR weitergeht, d. h. im Ganzen gesehen letztlich sinn- und ziellos.

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  2. Dietmar Tischer says:

    Alles richtig und jeder, der nachdenkt, weiß es auch.

    Der zentrale Verblendungs-Mechanismus – zentral im doppelten Sinn, weil er die Zentralbanken betrifft – ist nun wirklich einfach nachzuvollziehen:

    Niedrige Zinsen gegen hohe „einzutauschen“ entlastet zwar an sich, erhöht aber die Gesamtbelastung, wenn dieser Effekt durch ZUSÄTZLICHE Verschuldung erreicht wird.

    Im bestehenden Geldsystem kann er NUR durch zusätzliche Verschuldung erreicht werden.

    Schlussfolgerung:

    Ein anderes Geldsystem, das Entlastung OHNE Schuldenaufbau, sondern mit Schuldenabbau ermöglicht, muss her – Helikoptergeld also (mit nicht einschätzbaren Nebenwirkungen auf dem Weg in die mögliche nächste Krise).

    ODER:

    GEWOLLTE Bereinigung, d. h. Entwertung von Forderungen und Sachvermögen (und ebenfalls nicht einschätzbaren Nebenwirkungen vor allem sozialer und politischer Art).

    Der Konsens bis in die Bevölkerungen, wenn man sie denn unter Darlegung der Konsequenzen befragen würde, wäre:

    Keine der beiden Optionen, KRISENVERMEIDUNG heute um jeden Preis.

    Ich sehe nicht, wie sich eine Lösung in Form eines Crashs, d. h. der ungewollten und unkontrollierten Bereinigung vermeiden lässt.

    Erfolgt er, ist die Rechtfertigung der Regierenden und Notenbanken:

    Wir haben alles getan, was möglich war, ihn zu vermeiden.

    Das würde auch stimmen, da kann niemand widersprechen.

    Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Ganz richtig:

        Die Ergänzung fehlt.

        Den Sachverhalt vollständig beschreibend muss es heißen:

        Wir haben alles getan, was möglich ist, den Crash zu verhindern. Das war aber nur realisierbar mit der Konsequenz, dass er sich irgendwann ereignen muss.

        Das ist kein Widerspruch mit Blick auf das HANDELN, wohl aber einer mit Blick auf das ERGEBNIS.

        So ist das eben bei einem Handeln, das self-defeating ist.

        Hier liegt es im System und an den politischen Präferenzen, mit denen im System agiert wird.

        Das, den nächsten Minsky Moment, muss keiner begreifen, wenn SCHULDIGE gesucht werden.

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