IWF warnt vor der globalen Immobilienblase

Billiges Geld hat Nebenwirkungen. Auch bei uns, wie ein Blick auf die Entwicklung der Immobilienpreise beweist. Nun warnt sogar der IWF vor den Folgen dieser weltweiten Blase. Die übrigens auch wiederum die Folge der Geldpolitik ist. Seit Jahren treiben uns die Notenbanken weiter in die Ecke. Ja, sie sind nicht alleine schuld an den tiefen Zinsen und der explodierenden Verschuldung, aber sie tragen Mitschuld.

Nun also die Warnung vor dem Immobilienmarkt, zusammengefasst von Ambroise Evans-Pritchard im Telegraph und bissig wie immer:

  • „The International Monetary Fund warns that houses have increasingly become a commodity like any other, exploited by global investors in the relentless hunt for high-yielding assets.“  bto: Es ist das wichtigste Asset für die meisten Menschen und lebt wie kein Asset davon, dass es mit Kredit auf immer höhere Niveaus geleveragt werden kann.
  • „Property markets have taken on an international character, driven by forces beyond the full control of any one country. A house price crash in any one region can spread by contagion through a nexus of spillover effects.“  bto: Ich finde es immer wieder faszinierend, wie international die Käufer hier in Berlin sind. Oftmals sehen sie nur relativ günstige Preise, vergessen dabei aber, dass es gute wirtschaftliche Gründe für die tieferen Preise gibt. Berlin ist und bleibt eine arme Stadt.
  • „The IMF said governments should step up use of ‘macro-prudential’ curbs where possible to reduce the flood of foreign money and protect their own economies.“  bto: Das ist natürlich Nonsens. Man sollte lieber für eine Beschränkung des Kreditwachstums und höhere Zinsen sorgen.
  • „The IMF said cities such as Amsterdam, Melbourne, Sydney, Toronto, and Vancouver have been swept up by investor-driven booms that overwhelm the local authorities. The phenomenon is happening on such a scale that it poses a form of generalized systemic risk.“ bto: wie das halt so ist, wenn man Assetmärkte mit immer mehr Krediten hoch leveraged. Irgendwann kommt es zu Trendumkehr und empfindlichen Verlusten.

Quelle: The Telegraph

  • „Links across housing markets may transmit or amplify financial and macroeconomic shocks. Policymakers’ ability to address imbalances in the housing market through national or local policies may be constrained, particularly if house prices across many countries decline at onceThe worry is that monetary tightening and a global liquidity squeeze  clearly under way already as the world money supply growth slows sharply could detonate a nasty chain of events. The warning is couched in the bland technical prose of the IMF but the message is clear.“  bto: Es ist doch nur die Beschreibung einer Schuldenblase mit weltweiten Auswirkungen.
  • „A decline in external demand may exacerbate the challenges of stabilizing household balance sheets, financial markets, and economic activity. In this sense, a sharp reversal of the prevailing accommodative global financial conditions could challenge how policymakers address financial and macroeconomic instability should a simultaneous decline in house prices occur.“  bto: So ist es, wenn man sich immer mehr in eine Schulden- und Assetpreis-Falle getrieben hat.
  • Beispiel London: „Purchases that are registered as cash buys are often nothing of the sortr. There is anecdotal evidence that many Chinese clients are borrowing in Hong Kong with 10 times leverage to play the London market. This leaves the UK vulnerable to two parallel threats: financial fall-out from a property crash in China, should the Chinese authorities lose control over their own enormous housing bubble; and a dollar squeeze on Asian borrowers as the US Federal Reserve tightens policy.“ bto: wobei wir gesehen haben, dass man auch ohne Zinserhöhung der Notenbank aufgrund von Vertrauensverlusten in die Krise rutschen kann.
  • „The IMF implicitly blames zero interests rates and quantitative easing for much of the global property disease, turbo-charged by unrestricted flows of cross-border capital. Recent increases in house prices have been occurring in an environment of easy financial conditions in major advanced economies characterized by low policy rates, compressed spreads, and low volatility that has spread globally. Cynics might note that the IMF itself was a cheerleader of these very policies after the Lehman crisis, just as it has long been the high priest of globalisation.“  bto: So ist es. Die Politik setzt seit Jahrzehnten auf Instrumente, die eine weitere Verschärfung der Probleme bewirken.

telegraph.co.uk: „IMF warns of contagion risks from a global property slump“, 10. April 2018

10 Kommentare
  1. Veking sagte:

    So, wie der Aktienanleger auf Schwellenländer ausweichen, um noch eine akzeptable Rendite zu erzielen, so wird im Immobilienmarkt zur Zeit viel in health care und logistic investiert, da office / retail und residential in großen Städten selbst geleveraged kaum noch eine Rendite von 4 – 5 % bringen. Dabei ist die Berechnung der netto Rendite oftmals nicht so einfach. Denn neben dem Zinserhöhungsrisiko gibt es z.B. auch noch das Risiko des Instandhaltungsrückstaus, da ausländische Gesellschaften nicht gerade dafür bekannt sind, in Deutschland viel in die Objekte zu investieren. Es ist also notwendig, die Objekte in verhältnismäßig kurzer Zeit wieder weiterzuverkaufen, nach Möglichkeit an einen anderen ausländischen Anleger, der keine genaue Prüfung vor Ort durchführt, bevor der Markt oder die Vermietungssituation wieder kippt. Daher sind Finanzierungen meist auch nicht langfristig.
    Gerade Berlin ist ein gutes Beispiel dafür, daß Gesellschaften sich einen großen Immobilienbestand aufbauen, die Gesellschaftsanteile an die Börse bringen, das Risiko auf die Anleger verteilen und den Gewinn für die ehemaligen Gesellschafter sichern. Wenn man dann noch eine zweite Firma hat, die einen Vertrag für das asset und property management erhält, sichert man sich auch noch einen laufenden cash flow.
    Mit dem privaten Immobilienbereich sollte man dies aber nicht vergleichen, da hier die Kreditbedingungen verschärft wurden und der Eigenkapitalanteil verhältnismäßig hoch sein sollte. Auch sind private in der Regel mit einer langfristigen Finanzierung risikoärmer aufgestellt und nicht immer gleich zum Verkauf gezwungen, wenn der Markt kippt.

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    • Bateman sagte:

      good point zu den Privaten – allerdings stehen die bei einem kippenden Markt – bzw. dem Auslöser dessen, der kippenden Wirtschaft – ebenso vor dem Problem, ihren Kredit nicht mehr bedienen zu können weil sie ihren Job verlieren und/oder an anderer Stelle kurzfristige Kredite (Auto, Konsum, und sonstiger Schwachsinn) fällig werden. Langfristigkeit und Assetpreis hin oder her…

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  2. betongold™ sagte:

    Wenn Notenbanken Anleihen zu einer toten Anlageklasse machen, ist das explodierende Betongold wohl die Folge in Gesellschaften, wo die allermeisten dergestalt sozialisiert sind, daß sie keinen oder nur wenig internationalen wirtschaftlichen Überblick haben.

    Wer durch familäre Prägung oder von Berufs wegen bereits mit Immobilieninvestments zu tun hatte und die gern vergessenen bzw. verschwiegenen (Renovierungs-)Kosten bzw. Leerstandsrisiken kennt, kann sich im Moment nur noch wundern.

    Auch angesichts der zukünftig anstehenden (Vermögens-)Verluste. Noch bitterer bei der branchenüblichen, fremdfinanzierten Hebelung.

    Nun ja, so hat man eben für ein paar Jahre das gesuchte „Wirtschaftswachstum“ aus dem Hut gezaubert zu Lasten vieler zukünftig Ruinierter. War seinerzeits beim Ostimmobilienboom ähnlich.

    Mal sehen, was in ein paar Jahren in Zwangsversteigerungen zu einem Bruchteil des heutigen Neupreises günstig zu erwerben ist.

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    • Chris sagte:

      @betongold

      Ich rechne damit, daß sich immer mehr kleine Vermieter zurückziehen. Durch die staatlichen Rahmenbedingungen lohnt es sich nicht. Zum Beispiel hätten die Mieten zur Zeit stärker erhöht werden müssen. Es werden internationale Konzerne und staatliche Planwirtschaftler die künftigen Vermieter sein. Wer kann, rettet sich in die eigengenutzte Immobilie.

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  3. Jaques sagte:

    Ich frage mich als Ökonom schon lange ob es volkswirtschaftlich optimal ist, dass ausländisches Kapital Immobilien in einem Land erwerben kann. Denn Wohneigentum ist in erster Linie für die Bevölkerung und wenn die Bevölkerung wie bspw. in London durch superreiche Oligarchen/Ölprinzen etc. immer mehr aus der Stadt gedrängt wird und die Stadt selbst sich teilweise in eine nicht bewohnte Stadt wandelt, dann kann das für mich nicht optimal sein. In dieser Hinsicht müsste es eigentlich Beschränkungen geben. Denn diese Preistreiberei kann im worst case in einem Crash enden und somit wird die normale Bevölkerung wieder in Mitleidenschaft gezogen. Nachdem sie vorher eine unglaublich Miet- und Kaufpreisinflation erleben musste, wird sie in die Arbeitslosigkeit in der Rezession gedrängt. Es muss verboten werden, dass Immobilien gekauft werden in denen im Grunde keiner wohnt, bzw. es muss Beschränkungen geben wieviele Immobilien verkauft werden in denen sich kein inländischer Arbeitnehmer aufhält. Das ist nämlich eine gesellschaftliche und auch soziale Bombe den eine Gesellschaft langfristig nicht verträgt. Der komplett freie Markt hilft uns in diesem Fall einfach nicht weiter.
    Über Ideen zur Lösung des Problems wäre ich dankbar!

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    • bob the builder sagte:

      Das ist völliger Blödsinn:

      Überlegen Sie nur, wieviel Steuern der Staat aus Errichtung, laufendem Unterhalt und den Erträgnissen einer Vermietung erhält.

      Außerdem sind die heutigen Investoren dumm, sich teilweise mit Mietrenditen um 3% zufrieden zu geben, derweil man mit einer Trendfolgestrategie ca. 10% an einer vermiedenen Währungsabwertung und ca. 20% bis 30% durch die Teilnahme an einer Zwischenhausse verdienen kann.

      Ich weiß auch nicht genau, wann solche Chancen international auftreten, werde es aber mitbekommen und daran teilhaben. Derweil sitzen Immobilieninvestoren regelmäßig kreditfinanziert auf ihrem Betongold vor Ort und dürfen sich mit Mietern und Behörden herumärgern.

      Außerdem sind die Mieten nicht ansatzweise wie die Kaufpreise angestiegen, was dem zugute kommt, der mietet.

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      • Jaques sagte:

        Das der Staat dadurch Erträge erzielt bedeutet aber nicht das es volkswirtschaftlich optimal ist.

        Ausländisches Kapital zur Errichtung von Immobilien ist gewünscht, allerdings zum Wohle der Bevölkerung und nicht zum Bau von Elfenbeintürmen für die globale Elite.

    • SB sagte:

      @Jaques: „Ich frage mich als Ökonom schon lange ob es volkswirtschaftlich optimal ist, dass ausländisches Kapital Immobilien in einem Land erwerben kann.“

      Eine sehr berechtigte Frage!

      „Das ist nämlich eine gesellschaftliche und auch soziale Bombe den eine Gesellschaft langfristig nicht verträgt. Der komplett freie Markt hilft uns in diesem Fall einfach nicht weiter.“

      Sagen wir mal so: In einer globalisierten, grenzenlosen Welt ist dieser Ansatz totaler Unsinn. Der Großteil der Bevölkerung kann ja nicht einfach dorthin ziehen, wo das Wohnen günstig ist, sondern muss im näheren Umkreis des Arbeitsortes wohnen.

      In Polen gab es bis 2009 entsprechende Beschränkungen, die aber (ganz im Sinne des global vagabundierenden Kapitals) abgeschafft wurde.

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  4. Evi Dent sagte:

    Die Immobilienblase wird nun seit einiger Zeit herbeigeschrieben und will trotzdem nicht so recht kommen. Z.B. steigen in München die Preise ungebremst und haben in guten Lagen 20000€/m² erreicht oder gar überschritten. Dennoch ist der Markt abgegrast . Wo das noch hinführen soll macht mir Angst. Die sogenannte Mittelschicht kann da nicht mehr mithalten, genausowenig bei den Mieten.

    Trendbruch scheint noch nicht in Sicht. Ist das die Party auf der Titanic oder das Gebot der Stunde Cash in Sachwerte zu retten? Welche Anlage bietet sich sonst angesichts Nullzins und inzwischen ebenfalls teueren Aktien ?

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