Marx: Britischer Notenbankchef warnt vor Rückkehr des Marxismus

Klar, auch bto kommt nicht am Geburtstag von Karl Marx vorbei. Verschiedene Artikel bieten sich zur Kommentierung an. Beginnen wir mit einer Rede, die Marc Carney, immerhin Chef der britischen Notenbank zu dem Thema gehalten hat. Aufhänger sind die Folgen der digitalen Revolution.

  • „Mark Carney said that the expected automation of millions of blue and white collar jobs, bringing with it weak wage growthfor those in work, maylead to the ideas behind Communism winning new fans.“bto: Man beachte nur die Diskussion in Deutschland, getrieben von lauten Gerechtigkeitsrufen.
  • Marx and Engels may again become relevant if technology destroys jobs, forces down pay and pushes up inequalityas a new elite of highly skilled workers and the owners of high-tech machines reap the rewards of the new era, Mr Carney said.“ bto: was sicherlich zu erwarten ist nach Jahren rückläufiger Lohnquoten.
  • „Productivity soared 150 years ago as the industrial revolution took hold and new technology accelerated manufacturing, yet average wages stagnated for decades as machines meant the jobs created were low-skilled.Recent years of weak wage growth since the financial crisis could indicate this 19th century experience is being repeated now (…).“ bto: und vielleicht sogar noch schlimmer, wenn wir uns zugleich den Zuwachs der ungebildeten Arbeitskräfte gerade bei uns anschauen.
  • „Workers cannot generally move seamlesslyfrom one type of work to another in which they can be as productive, so the benefits, from a worker’s perspective, from the first industrial revolution, which began in latter half of the 18th century, were not felt fully in productivity and wages until the latter half of the 19th century (…) this stagnation in pay is known as the Engels’ Pause.“ bto: Es gibt also einen Time-lag. Und dieser kann sozial gefährlich werden.
  • „If you substitute platforms for textile mills, machine learning for steam engines, Twitter for the telegraph, you have exactly the same dynamics as existed 150 years ago  when Karl Marx was scribbling the Communist Manifesto.“ bto: und damit den Nährboden für Konflikte, die tiefergehender sein können, als damals.
  • „(…) there are also signs of  hollowing out in the job market as mid-level workers also find computers increasingly able to do specific tasks. Major law firms, for instance, are investing in artificial intelligenceto scan documents to find and analyse key facts among written material  something which is traditionally done by legions of junior lawyers and clerical staff. Banks are using large volumes of data on customer queries and complaints and feeding it into machines. These can learn the common questions that clients ask, allowing the computers to answer questions directly  removing the need to employ customer service staff. Services jobs such as driving taxis or lorries could also disappear, as self-driving technology improves.“ bto: Wir haben den Doppelschlag. Die Unqualifizierten finden schlechter Jobs, weil Taxis selber fahren und Burger von Automaten gemacht werden. Die Mittelschicht, die die Unqualifizierten mit durchfüttern soll, verliert auch zunehmend den Job. Das geht nicht gut.
  • „The trends contrast with previous wavesof technological change which have given more manual tasks to machines, freeing up workers to do more productive rolesinvolving more brain than brawn (…)But the new wave of technology uses machine learning and artificial intelligence combined with enormous volumes of data which could render cognitive workers redundant.“ bto: Es geht viel verloren und es kommt wenig wieder zurück.
  • Meint auch der Notenbanker: „Mr Carney said the pace of the digital revolution could also mean the new jobs created might not keep pace with the older jobs destroyed, leaving large numbers of workers stuck with skills that do not match the jobs available and so with falling pay.“ bto: Wohl dem, der wie Japan jede Zuwanderung unterbindet!
  • „While a large pool of workers could see their situation worsen, the small number with skills to match the new jobs can expect large pay rises. On top of that, more profits will go to those who own the machines rather than to workers, increasing inequality further.“ bto: Das wird ein Spaß. Gut, dass unsere Regierung zur Sicherung des sozialen Friedens beschlossen hat, Deutschland digital unterentwickelt zu lassen. So sichern wir Arbeitsplätze!
  • „There is a disconnect in expectations. In surveys, over 90pc of citizens don’t think their jobs will be affected by automation, but a similar percentage of CEOs think the opposite, in the number of jobs which will be materially affected.“ bto: eine garantierte Enttäuschung!
  • „The result could be that workers should prepare for jobs which require a higher emotional intelligence, the Governor said, in sectors such as leisure and care, as well as practical employment creating bespoke services and products.“ bto: Na, das dürfte nicht reichen.
12 Kommentare
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    Alex sagte:

    Herrn Stöcker hat den im Artikel besprochenen Sachverhalt, als Video mit Mark Carney verlinkt. Wer sich dafür interessiert:
    https://www.youtube.com/watch?v=4GpM8GmD_Mg

    Es ist ja nicht nur die digitale Entwicklung. Sei es die Forschung im Bereich Kernenergie, Genetik, Verarbeitung von fossilen Brennstoffen (Kohle inbesondere), Pflanzenschutzmitteln. Soviel wurde „outgesourct“ das für eine fortschrittliche Entwicklung sorgen könnte. Stattdessen glaubt man tatsächlich im eingemachten Nest zu sitzen.

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    Dr. Lucie Fischer sagte:

    K.Marx konnte mit Geld nicht umgehen- gut belegt in verschiedenen Biographien. Als Student lebte er über seine Verhältnisse von Wechseln seines Vaters, später tat es sich schwer, Schulden zurück zu zahlen. Das Erbe seiner Frau Jenny war schnell verbraucht, ohne F.Engels finanziellen Zuwendungen hätte Marx´s Familie in London nicht überlebt. Das “ Kapital“ ist im Stil so zwanghaft geschrieben, dass nur wenige mehr als die ersten Seiten gelesen haben.
    Marx ging vom “ Warencharakter“ des Geldes aus, sehr pfiffig war seine Analyse also nicht.
    Warum also gilt K.Marx eigentlich als grosser ökonomischer Analyst?
    Er fasste einige soziologische Tendenzen wortgewaltig zusammen ( “ Manifest“ , „deutsche Ideologie)“ aber sein persönliches Leben war neben bitterer Armut geprägt durch ständige verbale Aggressionen gegen frühere Weggefährten. Ein trauriges Leben, die 68-ziger haben den Falschen idealisiert.

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Productivity soared 150 years ago as the industrial revolution took hold and new technology accelerated manufacturing…“

    Ich sehe noch ein anderes, nicht angesprochenes Problem. Im 19. Jahrhundert bekam die Erschließung fossiler Energien richtig Schwung. Erdöl und Erdgas kamen aus den Startlöchern, Kohle wurde so richtig ausgebaut, der Holzabbau durch neue Techniken wie z.B. Eisenbahn industrialisiert. Die massive Erhöhung des Energieangebots ermöglichte auf Produktivitätsfortschritte durch günstigere Preise für Metallwaren, aber auch Mobilität. Einen solchen Schub auf energetischer Basis sehe ich heute nicht, im Gegenteil. Knapper werdende Vorräte v.a. beim Öl in Verbindung mit den Bestrebungen, CO2-Ausstöße zu reduzieren, führen eher in die Gegenrichtung. Wie hier bei gleichzeitiger Digitalisierung für die Arbeitnehmer etwas getan werden kann, erschließt sich mir (noch) nicht. Emotionale Intelligenz alleine dürfte m.E. nicht reichen…

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      Ihr Verweis auf den Faktor Energie ist nur zu berechtigt.

      Vor allem die hocheffiziente „Zuteilung“ von „homogener“ elektrischer Energie in genau der Menge, in der sie an irgendeinem Ort gebraucht wird, war ein Quantensprung bezüglich der Steigerung der Produktivität.

      Ich sehe eine vergleichbare Entwicklung heute auch nicht.

      Aber:

      Ich bin auch nicht sicher, ob wir ihn in DIESER Art brauchen werden.

      Auch wenn ich nicht dem Kinderglauben anhänge, dass die „kommunikative Mobilität“ die physische ersetzt, halt ich es nicht für geschlossen ausgeschlossenen, dass Energie irgendwann einmal eine RELATIV geringere Rolle spielen könnte.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Tischer: das würde ich auch nicht für ausgeschlossen halten, aber die Frage ist für mich, ob uns die Zeit nicht davon läuft. Wenn fossile Brennstoffe schneller als physisch bzw. wirtschaftlich abbaubar aus Gründen der CO-2-Vermeidung gar nicht mehr erst verwertet werden dürfen, kommt das nicht erst im 22. Jahrhundert, sondern in den nächsten 25 Jahren oder wir haben noch ganz andere Sorgen. Und so schnell sehe ich den Energieersatz nicht kommen, vor allem aus Gründen der Verfügbarkeit. Prof. Sinn hat hier viel Richtiges dazu gesagt:

        https://www.youtube.com/watch?v=jm9h0MJ2swo

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Danke für den Link.

        Ich stimme Ihnen zu, insbesondere was den Energieersatz betrifft.

        Deshalb wird man sich in großen Teilen der Welt auch nicht abrücken von den fossilen Brennstoffen. Da sie aber vor allem der Erschließung wegen teurer werden dürften, sind längerfristig höhere Preise zu erwarten, die einen Druck hin zum sparsameren Umgang ausüben werden.

        Nur nebenbei:

        Das Buch von Prof. Sinn hat in der deutschsprachigen Ausgabe den Untertitel:

        „Plädoyer Für Eine Illusionsfreie Energiepolitik“

        In der englischen lautet er:

        “A Supply-Side Approach To Global Warming”

        So unterschiedlich werden die Dinge gesehen.

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    Dietmar Tischer sagte:

    M. A. n. sieht Carney einiges falsch, anderes richtig.

    >„If you substitute platforms for textile mills, machine learning for steam engines, Twitter for the telegraph, you have exactly the same dynamics as existed 150 years ago – when Karl Marx was scribbling the Communist Manifesto.“>

    Das ist eine spekulative, empirisch nicht gerechtfertigte Aussage.

    Der heutige technologische Wandel hat nicht die gleiche, sondern eine ANDERE Dynamik, weil er auf ANDEREN Voraussetzungen basiert.

    Grob gesagt:

    Ab Mitte des 19. Jahrhunderts stieg vor allem die Produktivität der Güterproduktion mit einer insgesamt wachsenden Zahl Beschäftigter in der Güterproduktion.

    Eine STEIGERUNG der Produktivität auf der Basis NEUER Technologien wird möglicherweise – die Frage ist offen – nicht mehr zu einer wachsenden Zahl von Beschäftigten führen.

    Von der heutigen technologischer Substitution auf eine gestrige Entwicklungsdynamik zu schließen, ist jedenfalls nicht begründet.

    Der Marxismus ist als Theorie, d. h. als RICHTIGE Abbildung bzw. Erklärung des wirtschaftlichen Geschehens, tot.

    Er ist nicht tot, was seine AKZEPTANZ, d. h. die ursächliche Zuordnung von Ungleichheit, betrifft.

    Heißt:

    Die Leute werden, infiltriert durch immer wieder aufgewärmten Marx glauben, dass ein Teil der Gesellschaft auf Kosten des anderen lebt.

    Welcher realwirtschaftlicher Sachverhalt wird diesen Glauben als gerechtfertigt bestätigen?

    Meine Einschätzung:

    Auch in unserer Gesellschaft wird eine Migration der Arbeitsplätze weg von der Güterproduktion zu den Dienstleistungen stattfinden. Was die Güterproduktion anlangt, liegt das vor allem an nicht hinreichend qualifizierten Menschen, zu geringen Investitionen und kostengünstiger Produktion anderswo. Was die Dienstleistungen betrifft, liegt das insbesondere an der demografischen Entwicklung mit wachsendem Betreuungsbedarf.

    Robotisierung und Digitalisierung werden diese Entwicklungen beeinflussen. Inwieweit das der Fall ist, kann im Augenblick nicht mit Sicherheit bestimmt werden.

    Fest steht aber, dass hochproduktive Jobs, die wesentlich für die Wertschöpfung sind, wegfallen und dadurch auch ein signifikanter Anteil hoher Einkommen. Die Einkommen in den Dienstleistungsbranchen können das nicht kompensieren.

    Wir driften also zu geringeren Einkommen, geringeren Steuern und Abgaben und damit zu einer UNTERFINANZIERUNG der Sozialsysteme.

    Sie werden weniger leisten, d. h. geringere Transfers ermöglichen und damit die einkommensbezogene UNGLEICHHEIT im Land verstärken derart, dass immer mehr Menschen sich als abgehängt betrachten werden.

    Anders gesagt:

    Die tätigkeitsbezogene Einkommensungleichheit in der Gesellschaft wird sich TENDENZIELL in Richtung der heute schon herrschenden Vermögensungleichheit bewegen.

    Das ist gesellschaftliches Dynamit.

    Es kann durch hochbezahlte Jobs in der DIGITALWELT auch noch angereichert werden.

    ¬¬¬¬¬¬

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      Johannes sagte:

      @DT: ,Die Leute werden, infiltriert durch immer wieder aufgewärmten Marx glauben, dass ein Teil der Gesellschaft auf Kosten des anderen lebt.‘

      Das Leben auf Kosten der anderen wird dann vernebelnd ,Gerechtigkeit‘ gennant und steht ,natürlich‘ i. S. einer ,guten Sache‘. Am Horizont sehe ich der Tat eine Gesellschaft, in der Eigenverantwortung und ein selbstbestimmtes Leben Erzählungen aus einer fernen Vergangenheit sein werden.

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    Bateman sagte:

    „The result could be that workers should prepare for jobs which require a higher emotional intelligence, the Governor said, in sectors such as leisure and care, as well as practical employment creating bespoke services and products.“

    haha, mit emotional Intelligence stapelt er aber schon ganz schön hoch. Für die (neuangekommenen) „worker“ in unserem Lande würde mal mit den absoluten Basics anfangen, wie Deutsche Sprache lernen, Grundrechenarten und kulturelle Mindeststandards (Körperhygiene zB). Und selbst dann ist die Frage, wie viele Burgerbrater, Kellner, Portiers und Gärtner wir absorbieren können

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