„Dollar Shortage, Contagion Fears, and Currencies‘ Tremors“

In einem interessanten Kommentar geht BLACKSUMMIT FINANCIAL nochmals auf das Thema der Verschuldung in den Schwellenländern und die Folgen für die Entwicklung des US-Dollars ein. Eine interessante Übersicht, wie ich finde:

  • „(…) emerging markets currencies have been experiencing tremors due to contagion fears originating in the Turkish lira. As the first graph below shows, emerging market dollar-denominated debt has more than doubled in the last ten years. Easy money policies and quantitative easing allowed those economies to borrow dollars very cheaply. Now that the Fed is in a tightening cycle and dollar shortages start making their presence in the markets felt, fears of further dollar shortages are generating some limited anxiety in the markets in the form of contagion fear.“ – bto: Das kann man so sehen. Es ist die Angst vor einer neuen Schuldenkrise angesichts deutlich höherer Schulden und einer Fed, die – vielleicht – keine Rücksicht auf den Rest der Welt nehmen wird:

Quelle: BLACKSUMMIT FINANCIAL, BIS

  • „The situation does not exactly resemble the 1997 emerging markets currency crisis, given that this time emerging markets have more foreign reserves.“ – bto: was allerdings nicht für alle Länder zutrifft.
  • „As rates increase and dollar shortages surface, refinancing those debts (in some cases they represent over 50 % of the local GDP) becomes a more expensive and challenging exercise. Furthermore, as capital inflows are reduced, and capital outflows grow, emerging countries may be facing significant pressures that will force them to raise domestic rates (Argentina raised its rates from 40 % to 45 %) which may make borrowing unaffordable and refinancing working capital prohibitive; the combination of the above may lead emerging economies into a recession.“ – bto: nachdem sie vorher massiv über die eigenen Verhältnisse gelebt haben.
  • „(…) the Chinese economy is experiencing a double hit, namely US tariffs and slower growth. A symptom of that is that a semi-military company missed its debt payments last week, generating concerns regarding the massive debt load that Chinese and semi-governmental institutions carry. If liquidity in China keeps tightening (as shown in the figure below), then we cannot exclude a repricing of Chinese bonds which could open Pandora’s box regarding global debt.“ – bto: Das Thema hatten wir hier schon mehrfach: China versucht die Schuldendroge in den Griff zu bekommen.
Bank and Broad Credit Growth in China
Source: Capital Economics
Quelle: BLACKSUMMIT FINANCIAL, Capital Economics
  • „In the meantime, the EU current account surplus has been cut almost in half in the last 10 months, as shown below. The cause for this is mainly slower growth (partially due to slower Chinese demand); however, concerns are rising due to capital outflows (portfolio managers acquiring foreign – mainly US – assets, while direct investments into the EU are slowing down). The combination of the two along with concerns regarding Chinese demand and US tariffs is pressuring the Euro downwards.“ – bto: was wiederum die Existenz des Euro gefährdet, ist und bleibt er doch ein Schönwetterkonstrukt.

 

  • „Most analysts believe that the flattening of the yield curve (declining difference between the 10 and 2-year Treasuries) will ultimately lead to an inverted yield curve which will be the predecessor to recession. Our thinking is that dollar shortages and continuing QEs by the ECB and the Japanese central bank are pushing investors toward US assets which in turn reduces the premium required to hold long-term US assets. As that premium decreases and pressures build up internationally, the Fed may slow down its tightening cycle which may, in turn, give a further boost to the risk-on cycle for equities.“ – bto: Das kann natürlich sein. Die Fed hört auf mit den Zinserhöhungen, um die Weltwirtschaft nicht zu gefährden und bläst damit die Assetmärkte weiter auf. Der Zauberlehrling hätte dann erneut dem Monster Zucker gegeben, das Problem aber nicht gelöst.

blacksummitfg.com: „Dollar Shortage, Contagion Fears, and Currencies‘ Tremors“, 16. August 2018 

8 Kommentare
  1. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Die Fed hört auf mit den Zinserhöhungen, um die Weltwirtschaft nicht zu gefährden und bläst damit die Assetmärkte weiter auf. Der Zauberlehrling hätte dann erneut dem Monster Zucker gegeben, das Problem aber nicht gelöst.“

    Das wird m.E. ganz sicher so kommen, aber die Frage wird sein, ob man erst die Volkswirtschaft einbrechen lassen will (damit auch alle Marktteilnehmer kapieren, warum man die Zinsen nicht mehr weiter erhöhen kann) oder ob man gleich vorbeugend tätig wird. Ich denke, im Endeffekt wird das von der Fed-Spitze kurzfristig anhand der öffentlichen Meinung bzgl. Inflation und Arbeitslosigkeit entscheiden. Wenn da die Stimmung am Kippen ist, wird man zinstechnisch entsprechend reagieren. Zur Zeit sehe ich die Chancen bei 50 : 50.

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  2. Dietmar Tischer sagte:

    >Die Fed hört auf mit den Zinserhöhungen, um die Weltwirtschaft nicht zu gefährden und bläst damit die Assetmärkte weiter auf. Der Zauberlehrling hätte dann erneut dem Monster Zucker gegeben, das Problem aber nicht gelöst.>

    Es kann sein, dass die Fed mit den Zinserhöhungen aufhört, weil natürlich auch sie die Folgen einzuschätzen weiß, hörte sie nicht damit auf.

    Zu bedenken ist aber auch:

    Die Weltwirtschaft, so sehr sie auch von amerikanischen Interessen dominiert sein mag, wird nicht ausschließlich im Fokus der Fed stehen, wenn die Inflation in USA zunimmt. Und dass sie bei der Arbeitslosenrate dort spürbar zunehmen kann, ist alles andere als ausgeschlossen.

    Auch die Fed hat ein Inflationsziel zu beachten und Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn sie es nicht beachtet.

    Und wie die Märkte reagieren würden, wenn die Inflation in USA steigt und die Fed die Zinsen nicht erhöhen würde, ist auch nicht ausgemacht.

    Was wir allerdings mit Sicherheit sagen können:

    So wie die Welt verschuldet ist, sind Zinserhöhungen der Fed wie ein brennendes Streichholz am Benzintank oder in den ausgetrockneten Wäldern.

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  3. troodon sagte:

    Bei der Türkei sollte man nicht vergessen, dass es noch möglich ist, die Staatsschulden deutlich zu erhöhen von aktuell unter 30% zum BIP . Zur Not werden einige Banken/Unternehmen verstaatlicht.
    Bei Banken mit ausländischen Großaktionären (Unicredit,BNP) wird man von den ausländischen Aktionären Eigenkapital einfordern oder mit Verstaatlichung drohen, wenn dies nicht geschehen sollte. Ja, Krise in der Türkei, aber kein Untergang. Dafür ist noch zu viel staatliche Aufschuldung möglich. Dass man sich damit „nur“ Zeit kauft, ist auch klar, aber der Untergang steht der Türkei nicht bevor. Somit ist es auch nachvollziehbar, dass man keine IWF Hilfe beantragen wird.

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      Die geringe Staatsverschuldung der Türkei ist zwar ein Trumpf, es ist aber fraglich, ob er sticht.

      Das Problem sind m. A. n. die insgesamt hohen und davon insbesondere die kurzfristigen Auslandsschulden des privaten Sektors in US-Dollar.

      Was kann der Staat tun, damit keine Pleitewelle übers Land rollt, wenn die Lira gegen den US-Dollar weiter abwertet?

      Er kann die inländische Geldpolitik erheblich verschärfen, also die weitere Abwertung verhindern – und würgt damit das Wirtschaftswachstum ab.

      Das sind die beiden grundsätzlichen Optionen (Kapitalverkehrskontrollen ausgeschlossen):

      Pleitewelle im Privatsektor oder Rezession, die mit die Verschuldung erhöhenden Staatsausgaben wohl kaum zu verhindern sein dürfte.

      Jede der beiden Optionen wird das Land m. A. n. POLITISCH destabilisieren.

      Ich sehe nicht, wie da die geringe Staatsverschuldung helfen kann, dem Dilemma zu entkommen.

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      • troodon sagte:

        @DT
        Bzgl. US$-Verschuldung bin ich bekanntlich absolut bei Ihnen. Deshalb auch Anpassungskrise (Rezession), deren Dauer und Schwere ich nicht abschätzen kann und auch gar nicht abschätzen möchte.
        Aber die Türkei ist ein ganz anderes Kaliber als z.B. Griechenland.

        Die geostrategische Bedeutung der Türkei, Bevölkerungsanzahl und Entwicklung ( intakte Alterspyramide) und eben die geringe Staatsverschuldung sind mehrere Punkte, die für die Türkei sprechen.
        Hiermit kann Erdogan punkten. Die Türkei ist und bleibt m.E. LANGFRISTIG ein interessanter Markt (Absatz+ Investition). Aus diesem Markt wollen viele Nationen/Unternehmen nicht ausgeschlossen werden. Das kann und wird Erdogan in die Waagschale werfen. Er wird sicher keine finanzielle Hilfen annehmen, die dann dazu dienen, die westlichen Gläubiger auszuzahlen. Hier werden auch die Gläubiger verstärkt bluten müssen. Die Beteiligungen europäischer Banken an türkischen Banken können auch ganz schnell durch drohende Verstaatlichung wertlos werden, wenn diese nicht mitspielen Eigenkapital nachzuschießen…
        Europäische, finanzielle Hilfen auf Umwegen, die als wirtschaftliche Deals/ Vereinbarungen bzgl. Flüchtlinge verkauft werden, erachte ich deshalb nicht für abwegig. Da sind wir offensichtlich einer Meinung. Man sollte nur nicht, wie Frau Nahles sofort „hier“ schreien, bevor es dafür überhaupt eine konkrete Notwendigkeit gibt bzw. es Verhandlungen im Geheimen gegeben hat. Aber das ist man ja nun schon gewohnt…

        Insgesamt für mich deshalb wirtschaftliche (schwere) Anpassungskrise, die durchaus auch kurzfristig zu politischen Turbulenzen führen kann. Aber insgesamt erachte ich die Risiken für ein langfristiges Dahinsiechen der Türkei für gering.
        Die wirtschaftlichen, längerfristigen Aussichten für die Türkei erachte ich insgesamt für positiv. Egal, ob mir dies politisch, moralisch gefällt.
        Ich bin aber gespannt welchen Weg durch die Krise die Türkei nehmen wird.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        In vielem stimme ich Ihnen zu.

        Den Krisenmechanismus per se bzw. die fundamentalen Handlungsoptionen halte ich allerdings für dramatischer als Sie.

        Weil das Land in vielerlei Hinsicht GEWICHTIG ist, wird es jedoch Unterstützung erhalten.

        Niemand wird einen wirtschaftlich oder politisch ausgelösten Zerfall wollen, weil zu viel auf dem Spiel steht – gerade in dieser Zeit in dieser Region.

        Ausgeschlossen ist er dennoch nicht.

        Was die Langfristperspektive anlangt:

        Ja, das Land hat Potenzial.

        Ob das reicht für eine langfristig stabile Entwicklung?

        Ich bin da nicht so sicher wie Sie angesichts des ungelösten Kurdenproblems, der offensichtlich gespaltenen Bevölkerung, die sich nicht einig ist, welchen Weg sie in die Moderne nehmen will und der unberechenbaren regionalen Konflikte, an denen die Türkei zumindest unter Erdogan militärisch aktiv beteiligt ist.

        Keine Frage, man ist bereit, in der Türkei zu investieren.

        Aber keine Investitionen ohne Stabilität und Sicherheit.

        Die Frage ist, ob es auf lange Sicht Stabilität und Sicherheit in der Türkei geben wird.

      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer
        >auf lange Sicht Stabilität und Sicherheit in der Türkei
        >des ungelösten Kurdenproblems

        Nun sind Haftbefehle gegen die beiden Tatverdächtigen von Chemnitz (Syrer und Iraker) ergangen. Beide dürften der kurdischen Volksgruppe angehören.

        Die Schießerei mit einem automischenn Sturmgewehr (M16) in der Diskothek „Grey“ – Konstanz 2017 wurde von einem Kurden mit Familie im (Nord-)Irak verübt. Die Waffe kam bestimmt über „offene Grenzen“:::(von wg. darknet)

        Ohne verallgemeinern zu wollen, kämpfen die Kurden seit Gründung der Türkei durch Attatürk um ihre Nationalstaatlichkeit. Bestimmt haben alle Familien Opfer zu beklagen, durch die vielen Menschrechtsverletzungen im Irak, der Türkei und Syrien (-?). Das Gewaltpotential ist da und demographsich ist man nicht gezwungen versöhnlich zu sein.

        Weil sich die Türkei darüber hinaus mit Islamisten einlässt, verliert es seine Attraktivität als Investitionsstandort. Der türkische Markt kann schließlich auch auf Kredt konsumieren…..Zinsen sind auch Gewinn.

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