Die vier Phasen der japanischen Depression

Heute Morgen habe ich die anhaltende deflationäre Tendenz in Japan erörtert. Passend dazu ein Beitrag, der im September schon an dieser Stelle erschien und der einen Blick auf den Ablauf von Finanzkrisen und der Erholung davon am Beispiel Japans einging:

Bekanntlich bin ich ein großer Fan von Irving Fishers „Debt-Deflation Theory Of Great Depressions“. Charles Gave fasst die Thesen gut zusammen und diskutiert dann, ob Japan, nachdem es als erstes Land in die Deflation eingetreten ist, auch das erste Land sein wird, welches wieder austritt: 

„In a nutshell, great depressions go through four phases:“

  1. The phase of price inflation. Nominal rates go up, while real rates go down. It thus pays to borrow in order to buy real assets. Servicing debt may be difficult should there be a temporary liquidity crisis. But repaying principal when loans mature is not a problem. During this phase nominal interest rates can reach very high levels. In this period there is a high velocity of money.“ bto: Das war die lange Phase seit Mitte der 1980er-Jahre.
  2. The phase of asset inflation. Nominal interest rates go down structurally, but real interest rates go up. This monetary illusion gives borrowers the false impression that borrowing is very cheap, since the nominal cost keeps going down. However, the reality is that while servicing debt is cheap, rising real rates make repaying principal tougher and tougher. During this period the velocity of money remains strong, with most of the money going to buy existing assets. One day the return on invested capital falls below the cost of capital, and the economy moves into the next stage.“ bto: Wenn man das liest, fragt man sich, ob diese Phase schon vorbei ist. Natürlich haben wir schon eine fallende Umlaufgeschwindigkeit (nächster Punkt), aber das vordergründig billige Geld treibt in den Kauf von vorhandenen Assets.
  3. The phase of debt deflation. Every borrower struggles to repay debt. The velocity of money collapses, which causes prices to collapse, which leads to higher real rates. Historically it takes around 10 years for the banking system to finish going bust, which naturally keeps the velocity of money suppressed.“ bto: Und genau das haben wir bisher verhindert, weshalb sich die Phase zwei verlängert. Damit werden aber die Probleme für die kommende Phase drei umso größer!
  4. „The final phase is what 19th century economists called the secondary depression, which can last as long as 20 years. During this phase not much happens for as long as the generations who suffered from the financial collapse and the debt deflation are still around. In this period, the velocity of money remains close to zero, with nominal interest rates also close to zero but offering a positive real yield.“ bto: Auch hier sind wir noch nicht. Wir stecken irgendwie in den Phasen zwei bis vier gleichzeitig. Wir haben noch den Kauf vorhandener Assets, wir haben aber auch schon ein kaputtes Bankensystem, tun aber so, als wäre alles noch o. k. und wir sind realwirtschaftlich schon in der Phase vier. Hinzu kommt diesmal noch die demografische Entwicklung, die wir früher so nicht hatten und die das Problem verstärkt.
  • „As the chart below shows, Japan is now approaching the 18th year of its secondary depression. So as the economy continues to follow the path mapped by Fisher, investors should start to look for signs that Japan is beginning slowly to emerge from this secondary depression phase.“ bto: wobei ich in Erinnerung habe, dass am Ende des Modells von Fisher die Gesamtverschuldung tief ist. Heute stimmt das ja nicht. Insofern fehlt meines Erachtens noch die Entschuldung des Staates über die Notenbank, bevor es wieder aufwärtsgeht. Und: Die Demografie hemmt weiter.

  • „One sign would be a rise in the velocity of money as commercial banks start to lend again. And guess what? If you use a microscope, you can see that the velocity of money in Japan is indeed starting to creep up. Admittedly, the increase is small, just 2% year-on-year, but everyone has to start somewhere.“ bto: und damit dann auch die Inflation?
  • „I am starting to wonder if Japan, having been the first economy to enter debt deflation, will now be the first to emerge from it. After all, companies in Japan have close to US$4trn in cash. They are trading on a normal P/E ratio. Corporate profits have been growing at a faster rate in Japan than in the US for the last five years. And during that time the Japanese stock market has massively underperformed US shares. On top of that, Japan is the world leader in everything to do with labor shortages.“ bto: Auf jeden Fall gehen sie intelligenter mit dem Thema um als wir.

→ Gavekal: „Irving Fisher and Japan“, 23. August 2017

Kommentare (20) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Alexander sagte:

    Die Deflation konnte national (Inlandsnachfrage nach Bauleistung) durch die BoJ und Staatsverschuldung gemildert werden, währenddessen die Exportwirtschaft durch die Verschuldungszyklen der Auslandskunden absetzen durfte. Die Wechselwirkung mit sinkendem Yen half natürlich…

    Nun stoßen die Auslandsmärkte Japans an ihre Verschuldungsgrenzen und die jap. Politik hat die geschenkte Zeit nicht genutzt um Inlandsprobleme (z.B. die Demographie) zu verbessern. Währenddessen haben Auslandsmärkte gelernt und ihre Abhängigkeit von jap. know how reduziert… die Wertschöpfung hat sich global verlagert…

    Brüssel würde Japan als Zuwanderungsland definieren und aus Sicht von Zuwanderern ist Japan ein demographischer Übernahmekandidat. Weil die Japaner diese Meinung teilen halten sie ihre Grenzen dicht. Die soziale Versorgung wird man meistern müssen, auch im Alter…

    Japan wird sich nicht mehr ändern, die Veränderung kommt aus dem Ausland, wenn „man“ die Japaner abgehängt und „man“ sich technisch endgültig abgenabelt hat. Dann bestimmen die ehemaligen Kunden was in Japan gespielt wird, d.h. was Japan für sein bis dahin „wertloses“ Geld kaufen darf.

    Alle Ähnlichkeiten mit Europa sind zufällig und ausdrücklich nicht zutreffend, denn wir gewinnen Dynamik durch Zuwanderung…..

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      Dietmar Tischer sagte:

      Dynamik durch Zuwanderung:

      So ist es – auf den Punkt genau.

      Das Erbauliche dabei:

      Wenn sich was bewegt, kann man Hoffnung schöpfen.

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        SB sagte:

        „Wenn sich was bewegt, kann man Hoffnung schöpfen.“

        …sagte der Hase, als er nichtsahnend auf die Schlange blickte. ;-)

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        Wolfgang Selig sagte:

        Wer sagt, dass sich Japan nicht bewegt? Wenn ich mir die Zahlen pro Kopf ansehe,die abnehmende Bevölkerungsdichte, die technische Entwicklung und die Stabilisierung der Unternehmensfinanzierungen, würde ich als Migrant Japan gegenüber Deutschland bevorzugen. Das Problem ist nur, dass mich die Japaner im Gegensatz zu den Westeuropäern nicht nehmen würden…

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Ich sage es nicht, kann bezüglich Japans dazu auch nichts sagen.

        Für Deutschland ist „Dynamik durch Zuwanderung“ nach Lage der Dinge eine angebrachte Sichtweise.

        Allerdings ist mehr als fraglich, ob sich die Dynamik in eine gewünschte Richtung entwickelt….

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Tischer: ich hatte auch Alexander angesprochen. Die Dynamik in Deutschland kann m.E. aktuell noch nicht abschließend beurteilt werden. Es kann sein, dass uns das Thema nur die nächsten vier Jahre Groko noch massiv beschäftigt. Es kann aber auch sein, dass es uns Jahrhunderte in Wellen beschäftigt, wenn es dauerhaft zu parallelen Gesellschaften in großem Stil kommen sollte.

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        Alexander sagte:

        @Wolfgang Selig
        >dass sich Japan nicht bewegt?
        >abnehmende Bevölkerungsdichte
        ….ist natürliche Veränderung, man stirbt ohne ZB Erlaubnis.

        >die Stabilisierung der Unternehmensfinanzierungen
        …ist das wirklich ein Kunststück, bei der Aggressivität der Zentralbank?
        …japanische Hersteller verkaufen in der BRD mit der Aussage, „ich kaufe ihre Firma komplett auf, dann leasen sie ihre Firma zurück und ich verkaufe zusätzlich Maschinen.“ ; „bei den Maschinen kommen die Kunden von selbst“…

        > die technische Entwicklung
        Im Sektor der Werkzeugmaschinen bin ich unverändert Bewunderer japanischer Kunst. Man ehrt sehr konservativ die Gesetze von Qualität, Präzision und Haltbarkeit. Der Preis ist mittlerweile, dass BWL Einkäufer einen Bogen schlagen… Der weltführende Steuerungshersteller Fanuc musste „inoffiziell“ zugeben, dass es im high end Bereich bessere Lösungen gibt, von einem vergleichbar kleineren Hersteller aus Bayern….einer v. II WK Flüchtling gegründeten Firma.

        Seit Fukushima bin ich kompromisslos kritisch. Ohne Not, bei hinreichend Finanzmitteln solchen Pfusch ab zu liefern (Bau bis Wartung) kann nur von vollkommenen Idioten zugelassen werden. Der Abstieg ist zweifelsfrei.

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        Alexander sagte:

        @Wolfgang Selig
        > die Dynamik der Zuwanderung

        Seit 2015 erleben wir eine Welle an Straftaten mit Werkzeugen, die die länger hier lebende Bevölkerung normalerweise im bayrsichen Armeemuseum in der Abteilung Mittelalter besichtigt. Hieb – und Stichwaffen.http://www.achgut.com/artikel/die_jungen_maenner_mit_den_messern_gehoeren_auch_zu_deutschland

        Necla Klek und Thilo Sarrazin warnen fast zeitgleich über den Zusammenhang von Familiennachzug und der Bildung von Parallelgesellschaften. https://www.achgut.com/artikel/die_kehrseite_des_famiiennachzugs
        http://www.achgut.com/artikel/auch_ohne_arbeit_besser_als_in_der_heimat

        Wer schon die Ehre hatte mit dem Milieu zu arbeiten, ist in höchster Alarmstufe. Wir haben die Kontrolle längst verloren und schaffen das nicht.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Alexander: Fukushima ist der dunkle Fleck in der japanischen politischen Kultur, da gebe ich Ihnen recht. Nicht Deutschland, sondern Japan hätte nach Fukushima die Abschaltung der Atomkraftwerke diskutieren müssen. Das ist der Nachteil einer Konsenskultur, in der wesentliche Entscheidungsfehler der Obrigkeit (Politik, Wirtschaft, Medien) nicht einmal ehrlich diskutiert wird.

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        Alexander sagte:

        @Wolfgang Selig
        > Das ist der Nachteil einer Konsenskultur
        Stichwort – Energiewende.

        Die aktuell kritisiert verlängerte Glyphosatzulassung ist so ein Konsens. Die Landwirtschaft bezeichnet als Unkraut, was im Weg steht und zerstört damit wirksam die Lebensgrundlage (Polleneinweis) aller (Wild-)Insekten. Die deutliche Abnahme der Insekten reduziert die Nahrungsgrundlage der Singvögel, aber Glyphosat ist ein für Mais schonendes Herbizid. Also die Energiewende ist nicht gefährdet.

        Konsens der CSU für Ihre wählenden (subventionierten) Agrarwirte, der Grünen für erneuerbare Energie und der SPD/Union als Standortvorteil einer Biotechnologie….nur das Land leidet.

        Forscher lehnen sehr leise ab, denn die Budgethoheit der Politik ist existentiell und Abhängigkeit von Forschungsaufträgen der Industrie keine Alternative.

        So fährt man Hochkulturen an die Wand. Japan schon wieder falsches Vorbild?

  2. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Es ist ja schön, mit den monetären Phänomenen herumzuspielen.

    Damit drehen wir uns letztlich im Kreis.

    Denn im Grund ist es einfach (Technologie als unabhängige Variable ausgeblendet):

    Eine Wirtschaft wächst nur, wenn die Nachfrage wächst.

    Die wächst aber NICHT nachhaltig, wenn a) die Bevölkerung altert (Demografie) und b) es Standorte mit mehr Wachstum gibt (Globalisierung).

    Es wird zwar Wachstum geben in den Branchen, in denen die zunehmend alternde Bevölkerung Nachfrage generiert (Gesundheit, Pflege), aber kein zunehmendes Gesamtwachstum, wenn gleichzeitig die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe mit hoher Wertschöpfung schrumpft. Dieser Prozess war in der Vergangenheit kennzeichnend für die USA.

    Bei a) fehlt die Nachfrage nach Konsumgütern, bei b) nach Investitionsgütern.

    In den entwickelten Volkswirtschaften, Japan, USA und Europa ist das so.

    Folglich werden Maßnahmen ergriffen:

    a) Fiskalpolitik

    Die schafft Nachfrage, kann aber wegen Schuldentragfähigkeit nicht beliebig extensiv sein und daher nicht die Nachfrage schaffen, die mögliche Nachfragedefizite der Privatwirtschaft ausgleicht.

    b) Geldpolitik (allein)

    Die schafft KEINE spürbare Nachfrage, wenn Deleverage in der Privatwirtschaft stattfindet.

    c) Fiskalpolitik + Geldpolitik (Helikoptergeld nur für Finanzierung der Fiskalpolitik)

    Damit kann die Staatsnachfrage unbegrenzt wachsen, absorbiert aber nicht das Angebot der Privatwirtschaft (es sei denn, der Staat lässt z. B. Autos für Halde produzieren, d. h. die Fiskalpolitik ist nachhaltig Beschäftigungspolitik)

    d) Fiskalpolitik + Geldpolitik (Helikoptergeld für Finanzierung der Fiskalpolitik und als Bürgergeld)

    Damit kann die Staatsnachfrage unbegrenzt wachsen und die Privatnachfrage MÖGLICHERWEISE auch das Angebot der Privatwirtschaft absorbierend, dies aber NACHHALTIG nur mit immer höheren Einsatz von Helikoptergeld, wenn die Sparneigung hoch bleibt oder sogar steigt (wofür es Gründe geben kann)

    e) Finanzielle Repression (Abschaffung von Bargeld)

    Damit kann Konsumgüternachfrage generiert werden, die den Präferenzen nach das Angebot der Privatwirtschaft absorbiert.

    Wenn Nachfrage aber NICHT das ORIGINÄRE Interesse der Bürger ist, werden sie darauf möglicherweise mit der Reduzierung ihrer Einkommen und Depositen reagieren.

    Das würde wiederum weniger Wachstum bedeuten.

    Fazit:

    Es gibt noch viel zu tun, – Helikoptergeld schreit geradezu nach seiner Einführung –, aber ich sehe nicht, wie dadurch NACHHALTIGES Wachstum geschaffen werden kann (was bei unserer gegenwärtigen Beschäftigungslage bereits ausgereizt ist)

    Ich gehe daher davon aus, dass aus den dargelegten und anderen Gründen, die Anpassung nach unten nicht zu vermeiden sein wird.

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      Markus sagte:

      „Die wächst aber NICHT nachhaltig, wenn a) die Bevölkerung altert (Demografie) und b) es Standorte mit mehr Wachstum gibt (Globalisierung).“

      Und c) wenn die Vermögens- und Einkommensverteilung immer ungerechter wird. Eine Marktwirtschaft lebt vom Handel zwischen Individuen. Nehmen daran viele Individuen mangels Vermögen immer weniger Teil, schrumpft die Wirtschaft.

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        Dietmar Tischer sagte:

        Was heißt hier ungerecht?

        Wenn man einmal von den hier immer wieder thematisierten Begünstigungen der Vermögenden durch die Geldpolitik absieht, kann von Ungerechtigkeit keine Rede sein.

        c) ergibt sich weitgehend aus a) und b).

        >Eine Marktwirtschaft lebt vom Handel zwischen Individuen.>

        Ja, doch – und wie sie davon lebt.

        Das Problem ist leider, dass zu viele Menschen nicht beteiligt sind, weil sie nicht teilnehmen wollen (Rentner z. B.) oder sie nicht teilnehmen können, weil ihnen die berufliche Qualifikation fehlt oder ihre Arbeitskraft zu teuer ist.

        Sie wollen ihr EINKOMMEN nicht hinreichend im Markt ausgeben bzw. können es nicht, weil sie hinreichend keines haben.

        „mangels Vermögen“??

        Einkommenserzielung und Einkommensverwendung ist das Thema hier.

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        Markus sagte:

        @D. Tischer:
        Natürlich geht es auch ums Vermögen. Ist ja quasi das Integral des Einkommens.

        Abgesehen davon verträgt sich eine große Vermögensungleichheit nicht mit Demokratie. Aber das ist ein anderes Thema.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Markus

        Klar, geht es auch ums Vermögen.

        Es kommt aber darauf an, in welchem Zusammenhang.

        In dem, den Sie meinen, nicht:

        >… verträgt sich eine große Vermögensungleichheit nicht mit Demokratie.>

        Große Vermögensungleichheit verträgt sich in bestimmten Gesellschaften unter bestimmten Bedingungen nicht, auch wenn das jeweils Demokratien sind.

        Nach dem WKII hat es sehr große Vermögensunterschiede in Westdeutschland gegeben. Die haben sich mit der Demokratie vertragen. Das war so, weil das Land damals ein sehr hohes Wachstum hatte.

        Auch in unserer HEUTIGEN deutschen Gesellschaft ist die Vermögensungleichheit verträglich – auch wenn sie vielen nicht passt. Das ist so, weil wir ein sehr wohlhabendes Land sind, das grandios umverteilt.

        Ich sage allerdings nicht, dass Vermögensungleichheit IMMER in Demokratien verträglich ist.

        Sie haben ein Wunschdenken, das nicht zu Ihren Sachaussagen passt.

        Wie auch immer:

        Viel, viel entscheidender als Vermögensungleichheit sind Einkommensunterschiede aus Arbeit und insbesondere der Unterschied zwischen Einkommen aus Arbeit und kein Einkommen aus Arbeit (bei keinem Vermögen).

        Diese Unterschiede sind KRITISCH für eine Gesellschaft.

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        Markus sagte:

        @D. Tischer:
        Demokratie setzt voraus, dass die teilnehmenden Individuen zumindest ganz ganz grob ähnlich Einflussnahme üben können. Das ist aber bei der Anwesenheit von Milliardären nicht mehr gegeben, die vermögenstechnisch ungefähr vier Größenordnungen über dem Normalbürger liegen. Nach dem WK2 hat das die gute Wirtschaftslage nur überdeckt.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Markus

        >Demokratie setzt voraus, dass die teilnehmenden Individuen zumindest ganz ganz grob ähnlich Einflussnahme üben können.>

        Das können sie ja – jeder hat eine Stimme an der Wahlurne, der Millionär hat DA nicht mehr Einfluss als ein armer Schlucker.

        Das ist eine Position, die man haben kann und die NICHT angreifbar ist.

        Ihre Position, die mit Einflussnahme die Verfügung über Vermögen meint, ist eine andere.

        Auch die ist nicht angreifbar.

        Beide sind allerdings nicht miteinander vereinbar.

        So viel zur Argumentation und damit zu Ihrer – so erkenntlich für mich – Auffassung, dass es hier eine richtige oder falsch geben müsse.

        Welche Auffassung sich in der Gesellschaft durchsetzt, ist keine Frage der Argumentation.

        Die Gesellschaft wird dies nach den Regeln des Systems (Wahlen) mit der Artikulierung ihrer Interessen klären.

        Das ist ein politischer Prozess, der für die Gesellschaft FESTLEGT, was GILT.

        Was zu einem Zeitpunkt gilt, kann zu einem anderen nicht mehr gelten – in einem demokratischen System.

        Insofern haben wir beide nicht nur unterschiedliche Auffassungen, sondern auch welche, die realitätsbezogen RELATIV sind.

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      Alex sagte:

      Ich habe mir zu Ihrem Fazit öfters Gedanken gemacht.

      Erstmal ist es wichtig zu sehen das der Staat immer mehr über Umverteilung einen Großteil seiner eigenen Bevölkerung alimentiert. Wir sprechen hier von min. 30 Millionen Menschen in Deutschland die einklagbar Rechte haben. Dazu zählen Rentner, Pensionäre, Bedürftige und Kranke. Kinder könnten theoretisch dazu gezählt werden, aber die sind eher eine zu kleine Bezugsgröße für meine Idee (profitieren aber auch definitiv davon).

      Es muss doch möglich sein Menschen aus diesem Pool zu finden, die für Innovation und Wachstum sorgen. Man könnte diese mit leichten monetären Reizen locken (Helikoptergeld). Dazu müsste man Qualifizierungen, Forschung und Bildungsideen aufbauen die sich daran orientieren, dass Menschen von selbst erfinderisch werden. Damit dies möglich ist müssen Universitäten und Volkshochschulen erweitert werden um eine breitere Bevölkerung mit Wissen zu versorgen.

      Es ist eher eine Wunschvorstellung einer Forschenden und sich selbst emporhebenden Bevölkerung. Das Ziel lautet nicht genug Arbeitsplätze zu schaffen, sondern wie ist es möglich das immer weniger Menschen arbeiten und stattdessen entwickeln.

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        Thomas sagte:

        „Es muss doch möglich sein Menschen aus diesem Pool zu finden, die für Innovation und Wachstum sorgen. Man könnte diese mit leichten monetären Reizen locken (Helikoptergeld). […] Es ist eher eine Wunschvorstellung einer Forschenden und sich selbst emporhebenden Bevölkerung.“

        Das ist ein schönes Bild und ich hatte das auch, vermutlich durch Star Trek Next Generation eingepflanzt. (So ganz tot isses noch nicht, aber für meine Lebzeiten sehe ich die Chance doch eher gering.)

        Während meiner Berufstätigkeit hab ich dann sukzessive den Eindruck gewonnen (ist natürlich subjektiv), dass die meisten recht wenig „Drive“ und Kreativität haben. Das heißt gar nicht, dass sie faul wären. Aber es ist halt längst nicht jeder ein intrinsisch motivierter Dichter und Denker und Erfinder und Künstler und Forscher. Viele geben sich auch mit dem zufrieden, was sie haben.

        Jetzt kann man sich da endlos fragen, was Ursache ist. Vielleicht tötet die Arbeit das, vielleicht ist der Mensch an sich faul, vielleicht ist das die Erziehung, womöglich ist das der mentale Overload durch Unterhaltungsangebote (viele Sendungen sind doch nur noch Rumgeschreie und Rumgespacke mit bunten Farben und 1-2 Sekunden-Schnitten, um das Hirn bei der Stange zu halten über die hart-verdrahtete Orientierungsreaktion.) In einem Buch hatte ich auch mal die These gelesen, dass die Informationsreichweite die Kreativität tötet. Warum sollte man selber Geschichten schreiben, seinen Kindern erzählen oder Theater spielen, wenn das doch so schäbig und unprofessionell im Vergleich zu den kommerziellen Produkten ist?

        Ich bin recht sicher, dass die meisten aktuell mit mehr Freizeit und Extrageld im Schnitt mehr „konsumieren“ und nicht mehr „produzieren“, erforschen, schaffen. Auch hier: Das ist nicht wertend gemeint. Im Urlaub auf den Inseln beneide ich immer die ältere Landbevölkerung. Mit ’nem Buch in der Sonne sitzen reicht auch mir oft schon zum Glücklichsein.

        Letztendlich müssten – meine Meinung – sich *erst* unsere Kultur und Werte ändern. Wenn sich das geändert hat, dann könnten die Qualifizierungen, Forschung und Bildungsideen auf fruchtbaren Boden fallen. Kulturwandel kann man aber eh nicht über Politik machen; der passiert unkontrolliert. Seien wir realistisch, Politik kriegt nicht mal ne vernünftige Währung hin. Gesellschaftlicher Neuentwurf: Lasst bitte die Finger davon. Bitte! Mehr als ’ne dritte Toilette und Verwirrung kommt dabei nicht rum. Sorry, das musste raus :)

        Noch ein letzter Gedanke: Zeit. Ich brauche nicht noch mehr Produkte oder Dienstleistungen, ich bräuchte Zeit. Die kann man zwar nachfragen, leider aber nicht produzieren – auch wenn die Werbung das manchmal suggeriert. Das heißt, selbst wenn dann Menschen was Neues entwickeln, braucht man auch Zeit, das zu nutzen/erleben. Heißt: An anderen Stellen muss erstmal was gestrichen werden, wenn man schon „ausgemaxed“ ist.

        Abschließend: Bei Ihrer Vision als einer erstrebenswerte bin ich freilich dabei!

  3. Avatar
    Johannes sagte:

    Auch passend ein Beitrag, den Sie bereits im Dezember 2013 geschrieben haben und dort diese Prognose abgaben:

    „Übertragen auf heute hieße dies, die Immobilien in den USA und in Spanien wieder mit dem Preisschild auszustatten, das sie bis zum Jahre 2007 hatten.Das und nichts anderes versuchen Regierungen und Zentralbanken heute rund um den Globus. Doch so recht will es nicht funktionieren, wie auch die Thesen von Larry Summers unterstreichen. “

    https://think-beyondtheobvious.com/deflationsspirale-in-zeitlupe/

    Inzwischen sind vier Jahre vergangen und die Assetpreisinflation ist da – teilweise zumindest. Aber um welchen Preis? Sobald die Notenbanken ihre stabilisierenden und stützenden Maßnahmen rund um den Globus zurückfahren, droht erneut die Assetpreisdeflation.

    bto: „Doch was, wenn es einfach nicht funktionieren will?“

    Schauen wir, wo wir in weiteren vier bis fünf Jahren stehen.

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