Die Monetarisierung schreitet in Japan voran

Bekanntlich halte ich Japan für ein Vorbild. Nicht nur wegen der Automatisierung, sondern vor allem mit Blick auf die sich abzeichnende Lösung der Überschuldungssituation durch eine konsequente Monetarisierung. Immer wieder lesenswert dazu:

Monetarisierung: Rettung oder Desaster

Heute nun eine gute Lagebeschreibung aus der NZZ:

  • „Macht es einen Unterschied, ob Staatsobligationen direkt ab Presse oder über den Sekundärmarkt, also nach der Emission, gekauft werden? Warum gibt es im Gegensatz zur Europäischen Zentralbank (EZB) keine Obergrenze für die BoJ, wenn es um den Zukauf von Schuldpapieren der Regierung geht? Wie reagieren die Finanzmärkte, wenn die BoJ weiter zukauft, ohne ihr Ziel, nämlich mindestens 2 % Jahresinflation, zu erreichen?“ bto: „Wir wissen ja, dass es vornehmlich darum geht, den Staat zu finanzieren. Ich denke nicht, dass die Inflation das eigentliche Ziel ist.
  • „Seit dem Frühjahr 2013, als Ministerpräsident Shinzo Abe mit der Ernennung Kurodas die Weichen für einen viel expansiveren geldpolitischen Kurs stellte, kauft die BoJ, was das Zeug hält. (…) Mit Stand Ende September hielt die Notenbank bereits 45,9 % aller ausstehenden japanischen Staatsobligationen.“ bto: weil die Monetarisierung das erklärte Ziel ist!

Quelle: NZZ

  • „(…) im Frühjahr 2013 (wurde) unter anderem eine seit Jahrzehnten geltende Regel, welche die Expansion der monetären Basis in Relation zum Notenumlauf begrenzt, ersatzlos gestrichen. Die EZB hält sich immerhin an eine 33 %-Limite, die besagt, dass zwei Drittel der Staatsschulden nicht in ihrem Besitz liegen sollen. (…) Bis anhin ist die 33 %-Limite aber eingehalten worden. Indessen werden Euro-Bonds supranationaler Entwicklungsbanken und dergleichen bis zu einer Limite von 50 % zugekauft. In der Substanz lassen sich somit nur graduelle Unterschiede zwischen der EZB und BoJ ausmachen, wenn es um den Verdacht einer Finanzierung laufender staatlicher Haushaltsdefizite geht.“ bto: Es gibt einen wesentlichen Unterschied. Die EZB ist für mehrere Länder zuständig, während die Japaner nur an ein Land denken!
    • „Im Herbst desselben Jahres wurde (…) proklamiert (…) dass der Zins für zehnjährige Staatsobligationen etwa 0 % betragen solle (und) dass QQE erst an ein Ende kommen werde, wenn die Konsumentenpreise dauerhaft über dem Stabilitätsziel von 2 % per annum zu liegen kämen. Es wird also ein Überschiessen des 2 %-Ziels angestrebt, was den wohl willkommenen Nebeneffekt eines Weginflationierens von Staatsschulden hätte.“ bto: was aber nicht sehr wahrscheinlich ist. Ich denke, es läuft eher darauf hinaus, dass die Notenbank die Staatsschulden einfach annulliert.
    • „Es ist offensichtlich, dass die Notenbank noch immer daran arbeitet, die Inflationserwartungen der japanischen Bevölkerung auf ein Niveau von 2 % und etwas darüber‘ zu hieven. Bisher ist es ihr nicht gelungen, obschon der Ministerpräsident wiederum – und vermutlich zum x-ten-Mal mit bescheidenem Erfolg – die Unternehmen dazu aufruft, die Löhne im kommenden Frühjahr um 3 % zu erhöhen. Ausserdem herrscht nahezu Vollbeschäftigung, was Lohnsteigerungen eigentlich nähren sollte. Zurzeit verharren die Konsumentenpreise trotz allem hartnäckig unter 1 %.“ bto: Das habe ich schon am Dienstag diskutiert mit Blick auf das Sparverhalten der japanischen Unternehmen.
    • „(…) was passiert, wenn die japanischen Bürger und Unternehmen ihre Gelder wegen der zerrütteten Staatsfinanzen vermehrt im Ausland anlegen? Ist es vernünftig, dass ein Staat, der mit brutto 245 % des Bruttoinlandprodukts verschuldet ist, zehnjährige Schuldpapiere zum Nulltarif aufnehmen kann?“ bto: Hier denkt der Autor nicht zu Ende. Es ist doch auch aus Sicht der japanischen Regierung gut, wenn die Sparer und Kapitalsammelstellen mehr im Ausland investieren, für den Fall, dass das monetäre Experiment schiefgeht und doch (Hyper)inflation droht.
    • „Der Ausgang des geldpolitischen Experiments in Japan ist offen, aber der Druck auf die Bank of Japan und die Regierung wird steigen. Wenn weit mehr als die Hälfte aller japanischen Staatsschulden von der eigenen Notenbank gehalten wird, ist frei nach Shakespeare etwas faul im Staat.“ bto: Aber was wäre die Alternative (gewesen)? Ja, die Schulden-Deflation in Form einer Depression wie in den 1930ern. Überhaupt frage ich mich, weshalb der Autor nicht sagt, dass es in Europa in genau diese Richtung gehen muss!
    • „Naheliegend ist die Vermutung, dass im Falle eines restriktiven Kurses der amerikanischen Notenbank das Preisgefüge weltweit in Bewegung kommt. Und zum ökonomischen Einmaleins gehört die Überlegung, dass für Waren (wie japanische Staatsobligationen) mit einem hohen Überangebot die Preise sinken und nicht steigen sollten.“ bto: Auch das ist theoretisch richtig, praktisch undenkbar. Es wird nicht passieren, eben weil es die komplette Monetarisierung geht!

    NZZ: „Wenn die Notenbank zu viele Staatspapiere hält“, 22. November 2017

 

Kommentare (20) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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      Dietmar Tischer sagte:

      Ich kann mir vorstellen, dass Ihnen die Worte fehlen.

      Sie wittern schon wieder Unverständnis.

      Deshalb noch einmal:

      Wir reden hier über den ZUSAMMENBRUCH des Systems, über SCHOCKSTARRE in der Realwirtschaft.

      Das ist eine Situation in der Geld „tot“ ist – wie nach WKII und vor der Währungsunion.

      Dann kann und wird NUR getauscht – ERST EINMAL:

      Zigaretten gegen Nägel oder meinetwegen auch etwas Digitales.

      Sie sollten einmal von der Geldfixierung abrücken und Ihre Vorstellungskraft für das real verdrängte, aber deshalb noch lange nicht Unvorstellbare bemühen.

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        Michael Stöcker sagte:

        „Das ist eine Situation in der Geld „tot“ ist – wie nach WKII und vor der Währungsunion.“

        Nach WKII haben Sie recht. Wir reden aber doch wohl nicht über einen völligen Zusammenbruch der Rechtsordnung, oder? Wenn ja, dann dominieren Mord und Totschlag und als totale Dystopie wohl mehr Raubwirtschaft als Tauschwirtschaft.

        Auf welche Währungsunion spielen Sie hier an? Wenn Sie die deutsch-deutsche meinen, dann unterliegen Sie einer völligen Fehleinschätzung.

        LG Michael Stöcker

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        Wolff Baer sagte:

        Herr Tischer,
        Sie haben recht.
        Der Zusammenbruch wird kommen, die Euro-Zone könnte das erste sein, was zusammenbricht. Die „Fachleute“, die immer auf den Staat vertrauen, bei dem sie vielleicht beamtet sind, zählen nicht den Leuten, die rechtzeitig (weil pflichtsolidarisch gegenüber ihrem Arbeitgeber) die Zeichen der Zeit erkennen wollen.
        Ich tausche nach dem Crash Silbermünzen (Wert z.Zt. 18 €) gegen Nahrungsmittel.
        Auf meinem Zweitwohnsitz im Westerwald baue ich Sieglinde-Kartoffeln an.
        Zur Zeit verhandle ich mit Havarie-Unternehmen über den Ankauf von Tausenden kleinen Schnaps-Flachmännern, die nach einem Verkehrsunfall auf der Straße lagen.
        Wehe dem, der mir sagt, ich wäre einfältig,
        denn ich bin ein Amateur-Warentermin-Händler, der, wie man sagt, eine Long-Position unterhält.
        Denn gesoffen wird immer.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker + Wolff Baer

        Die Ausgangsbasis der Diskussion ist ANNAHME von W. Selig eines margin call bzw. einer Hyperinflation.

        Derartige Ereignisse werden verstanden als ZUSAMMENBRUCHS des Systems, in dem DANN finanz- und realwirtschaftlich andere als die gewohnten Zustände herrschen.

        Das färbt auch auf das Handeln der Menschen ab.

        WIE genau, weiß niemand.

        Die Geschichte lehrt lediglich, dass es unkontrollierbar sein und verheerenden Konsequenzen haben kann.

        DAMIT ist ALLES denkbar – auch, dass erst einmal NUR getauscht wird.

        Selbstverständlich kann das DARÜBER HINAUS – denkbar – auch zu einem völligen Zusammenbruch der Rechtsordnung führen und statt Tausch die Aneignung durch Mord und Totschlag erfolgen. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit. Dass wir so zivilisiert wären, dass dies utopisch ist, hat nicht mehr als den Stellenwert einer Behauptung und kann Selbsttäuschung sein.

        Wie auch immer:

        Ob und wie was TATSÄCHLICH kommt, ist damit völlig offen.

        Daher:

        Einfach mal zur Kenntnis nehmen mit Blick darauf und derartigen Überlegungen eine gewisse Berechtigung zugestehen, wenn die begründete Überzeugung besteht, dass unser Agieren mit einem KNALL enden könnte.

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        Harald S sagte:

        Herr Tischer,
        natürlich können Systeme zusammenbrechen.
        Wenn dies passieren würde, dann werden wie eine unbekannte Situation erleben, da sich die Infrastruktur geändert hat. Es leben zB mehr Menschen in Städten, es gibt immer weniger selbstständige Händler und der Markt wird durch Konzerne beherrscht, Abhängigkeit von Strom usw.

        Was würde passieren, wenn der Strom abgestellt würde und nichts mehr funktioniert: Keine Heizung, keine Toilette, kein Verkehr, Telefon oder Internet. Ich würde auch damit Rechnen, dass die Läden nach wenigen Tagen zu sind, da deren Warenwirtschaftssysteme und die Kassen/Scanner nicht funktionieren.
        Viel Spaß, wenn Sie in einer solchen Situation in Stadt nähe wohnen oder älter sind.

        Wahrscheinlicher ist, dass die NB die Staatsschulden aufkaufen und finanzieren, die ein gewisses Mass überschreiten (zB 80% BIP). Aber analog zu SNB werden die ZB auch Aktien kaufen.
        Steigende Geldmenge wird die Assetpreisinflation weiter befeuern. Aber dies kann man mit Steuern handeln, wenn es dazu einen politischen Willen gibt.

        Parallel erwarte ich, dass immer mehr automatisiert wird, Es würde mich nicht überraschen, wenn nicht auch die ZB wüssten, dass die niedrige Inflation stark mit dem Qualitätsdeflator bei der Berechnung der Inflationsrate (bessere Leistung von Geräten) zusammenhängen. Mehrt Automation wird für steigende Löhne, niedrigeren Preisen und mehr Menschen, der versorgt werden müssen. Dies sollte aber machbar sein, wenn es „ausreichend“ neue Tätigkeiten gibt. Heute gibt es viele Tätigkeiten, die es vor Jahren noch nicht gab.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Harald S

        Soweit wir es rational tun, diskutieren wir hier am Block Szenarien, wie sich – nach Einschätzung der Lage – was entwickeln könnte.

        Damit kommen wir anhand bekannter und daher zu erwartender Mechanismen zu mehr oder wenig spekulativen Zustandsbeschreibungen, die bei dramatischen Zuspitzungen wie dem margin call oder Hyperinflation in nicht mehr kalkulierbaren Extremsituationen münden.

        An solchen Punkten beginnt die reine Spekulation, allerdings mit der Erkenntnis, dass dann hergebrachte Handlungsmuster wertlos sind bei einem ganz anderen Wertesystem, das sich nicht nur auf Preise bezieht, sondern im weitesten Sinne zu begreifen ist. W. Selig hat darauf verwiesen, dass es DANN sinnvoll sei, über praktisch handelbare DINGE zu verfügen. Ich habe ihm zugestimmt, weil der primitive Tausch vermutlich das ist, auf was die Gesellschaft KONKRET zurückfallen würde, wenn hergebrachte Handlungsmuster wertlos, weil nicht mehr zielführend (zu was?) sein würden. M. Stöcker war sprachlos, weil er so weit nicht denken kann oder will, obwohl es immer noch ein Denken ist.

        Ich hatte zuvor geschrieben:

        >Ob und wie was TATSÄCHLICH kommt, ist damit völlig offen.>

        Deshalb weiß ich auch nicht, was irgendwann tatsächlich geschehen wird.

        Weitreichende Prognosen wird man daher von mir nicht vernehmen.

        Ich habe allerdings ERKENNTNISSE, die mir gravierende VERÄNDERUNGEN signalisieren.

        Sie beruhen darauf, dass ich weit zurückblicken kann und daher auf der Basis von ERFAHRUNGEN vielfältige Entwicklungen sehe, die sich von den herkömmlichen gelernten SIGNIFIKANT unterscheiden.

        Die DETERMINANTEN dafür bezeichne ich als Megatrends (Globalisierung, Demografische Entwicklung, internationale Migrationsbeschleunigung, weltweit nationale Land/Stadt-Migration, Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung aller Lebensbereiche und natürlich der weltweite Verschuldungsaufbau im bestehenden Geldsystem).

        Was ich daraus SCHLIESSE:

        Die FÄHIGKEITEN, sich daraus entwickelnde INSTABILITÄT einzufangen, wächst nicht im gleichen Maß wie die Probleme zunehmen.

        Man kann angesichts zunehmender nationaler, protektionistischer Tendenzen sogar sagen, dass sie abnehmen.

        Wie auch immer, gewiss ist:

        Es ist nicht allgemeine Wohlstand und die Wirtschaft, sondern die UNSICHERHEIT, die nachhaltig WÄCHST.

        Und das in atemberaubendem Tempo.
        Wenn ich am Thread nebenan lesen, dass Bitcoin ein Ponzi-Schema sein MUSS, weil es der Energieverbrauch zu einem macht, dann fühle ich mich in meiner Ansicht bestätigt.

        Und ist es ausgeschlossen, dass ein Hackerangriff das gesamteuropäisch verknüpfte Stromnetz außer Betrieb setzt?

        Habe bisher noch keinen Experten gehört, der das ausschließt.

        Denke ich immer nur an das Schlimmste?

        Nicht immer nur, aber oft genug, um nicht trügerischer Selbstgewissheit zu verfallen, dass immer alles im Griff sei.

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    Ushinawareta Nijūnen sagte:

    Ähnlich wie kapitalkräftige Japaner nun schon seit fast 30 Jahren seit dem Ende der großen Spekulationsblase dort 1989 ihr Kapital renditeträchtig im Ausland angelegt haben ist dies zukünftig auch erste Wahl für andere Volkswirtschaften mit dauerhaft ultraexpansiver Notenbank.

    Japan ist heute auch in vielen Zukunftstechnologien nicht mehr führend. Beispielsweise gibt es keine international bedeutenden japanischen Softwarehersteller und Biotechnologieunternehmen. Trotz jahrzehntelanger Marktführerschaft im Bereich Elektronik hat man den Trend hin zum Smartphone verschlafen. Auch gibt es kein Social Media Unternehmen oder Suchmaschine aus Japan von internationaler Bedeutung.

    Die vermeidbare Katastrophe von Fukushima ist ein weiteres Indiz dafür, daß die sog. Konjunkturprogramme von Jahrzehnten, aus denen die gigantische Staatsverschuldung von Japan mit herrührt im Grunde mehr oder weniger nutzlos verplempert wurden.

    Letztlich stagniert das BIP nun seit über 25 Jahren um 500 Bio. Yen / Jahr.

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    Johannes sagte:

    Auch auf die Gefahr der Wiederholung bezichtigt zu werden :-)

    Das gegenwärtige Geldsystem ist – in seiner Nichtbindung an Sachwerte – historisch einmalig. Und damit ist der Weg offen, den die großen Notenbanken der großen Staaten heute gehen (können). Zwar tritt, in der Theorie, die Wirtschaftsleistung/Wirtschaftskraft eines Landes „irgendwie“ an die Stelle der Sachbindung, aber die großen Notenbanken „wissen“ um die Fraglität dieses Zusammenhanges und halten wohl auch daher nicht beliebig vermehrbare Goldbestände in ihren Tresoren. Sie sind somit – in Grenzen – gerüstet für Zeit nach einer Hyperinflation, als auch für die Zeit nach einem „Margin-Call“. Dem Rat von Herrn Selig kann ich nur beipflichten. Jeder sollte so handeln wie die Notenbanken und sich mit Sachwerten für die Zeit nach entweder dem einen (Hyperinflation) oder dem anderen Ereignis (margin call) abzusichern. Für mich gehört auch dazu, keinerlei Schuldverpflichtungen mehr zu haben.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Ihr völliger Verzicht auf Schulden ist in meinem Umfeld hoch umstritten und ich bin mir unsicher, wer recht hat. Die eine Gruppe fordert wie Sie den völligen Schuldenverzicht, weil man nur mit 100 % Eigenkapital beim margin call völlig unabhängig von Turbulenzen am Darlehensmarkt ist.
      Die andere Gruppe fordert das Gegenteil nach dem Motto, dass die aktuell niedrigen Fremdkapitalzinsen eine historisch einmalige Chance ist und die überschuldeten Staaten höhere Darlehenszinsen via Geldpolitik nicht zulassen werden bzw. beim margin call sowieso in großem Stil Verbindlichkeiten streichen werden. Da ich keine Glaskugel habe, habe ich für mich beschlossen, Darlehen nur für das selbst genutzte Eigenheim aufzunehmen. Ist m.E. eine reine Risikoabwägung. Gesunde Singles ohne Kinder können hier wohl riskantere Strategien fahren als Eltern kleiner Kinder, die womöglich noch einen hilfsbedürftigen Senioren in der Familie mitzuversorgen haben. Ich kann Sie hier gut verstehen.

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        Johannes sagte:

        Geschrieben habe ich ja „… mehr zu haben.“ Aktuell tilge ich auch noch eine Hypothek für´s Eigenheim (aber mit sehr hohen Raten). Werde in wenigen Jahren 60… und dann solls weg sein. Jüngeren Menschen würde ich heute eine entsprechende hohe Schuldenaufnahme nur noch empfehlen, wenn sie im quasi unkündbaren Staatsdienst sind. Darauf zu vertrauen, dass die Zinsen nicht mehr steigen (können) ist vielleicht zu stark vereinfacht. Und bei einem Margin-Call werden betroffene Banken sehr schnell handeln müssen. Da haben die kaum Handlungsspielraum; es sei denn, die Politik greift mit Regelungen ein.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Sehe das so wie Sie.

    Trotzdem die Frage:

    Wo sehen Sie der Unterschied zwischen (Hyper)inflation als Folge eines schiefgehenden monetären Experiments und dem margin call, den Sie ins Spiel bringen?

    Bei (Hyper)inflation steigt der Nominalwert des Sachvermögens während Schulden und Bargeld im Wert verlieren.

    Wenn man margin call nicht nur als technical term aus dem Traderhandbuch begreift, sondern als sich ausweitendes Unvermögen, mit Kredit erworbenes und im Preis fallendes Sachvermögen durch Kreditbeschaffung behalten zu können, dann besteht ein Unterschied zwischen (Hyper)inflation und margin call.

    Der Unterschied ist meinem Verständnis nach, dass Geld bei (Hyper)inflation keine hinreichende Kaufkraft mehr aufweist und beim margin call nicht genug verfügbar ist bzw. die Umlaufgeschwindigkeit extrem sinkt.

    Kann sein, dass dies alles falsch ist.

    Wenn es jedoch so richtig sein sollte, dann macht es keinen Unterschied bezüglich Ihres Szenarios:

    Wirtschaft ist erst einmal der Tausch von Sachwerten.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Hyperinflation ist für mich, wenn die Peissteigerungsrate gallopiert, weil die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes dramatisch zunimmt. D.h., wenn ich am 30. des Monats mein Gehalt ausbezahlt bekomme, kaufe ich am gleichen Tag ein, weil ich in den Wochen darauf deutlich weniger Ware für mein Geld bekomme.
      Den margin call würde ich als einstürzende Schuldenpyramide sehen, der zu einem Verfall der asset Preise, des Vertrauens und der Investitionen führt. Steigert erst mal die Zahl der Insolvenzen, wirkt deflationär und erhöht die Zinsen. Könnte aber mit „unkonventionellen Methoden“ der Geldpolitik bekämpft werden, was wieder inflationär wirken würde. Könnten Sie diesen Definitionen, die bestimmt Volkswirte exakter beschreiben, zustimmen, Herr Tischer?

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        Dietmar Tischer sagte:

        Sie haben die Unterschiede genauer und daher besser als ich beschrieben.

        Ich glaube, dass die Hyperinflation schwerer einzufangen ist, wenn sie erst einmal in Gang gekommen ist, z. B. durch eine über längere Zeit übermäßige Versorgung mit Helikoptergeld.

        Beim margin call sehe ich bessere Chancen, dass er zu kontrollieren ist, selbstverständlich mit „unkonventionellen Methoden“ – zumindest auf der Ebene der Finanzwirtschaft.

        Wie auch immer, Hauptsache man verfügt dann über Güter wie Sie sie genannt haben.

        Ich glaube übrigens, dass die auf dem Land lebenden Menschen anfangs besser dran sind als die Städter.

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        Alexander sagte:

        @Wolfgang Selig & Dietmar Tischer

        >Hyperinflation ist für mich, wenn die Peissteigerungsrate gallopiert
        …weil das Vertrauen in die Währung verloren ist?

        >Beim margin call sehe ich bessere Chancen… mit „unkonventionellen Methoden“
        …weil mit Schulden neue Nachfrage generiert wurde, die den Verfall der Vermögenspreise durch Notverkauf verhinderte?

        Noch unkonventionellere Maßnahmen bewirken keinen Vertrauensverlust?

        Die Steigerung der Eiszeit ist Schockstarre.
        – Man möchte kaufen und kann nichts anlegen, weil niemand mehr „werthaltiges“ verkauft?
        – Man möchte produzieren (und Kosten bedienen), aber niemand kauft, weil wir schon so lange für künstliche Nachfrage fertigen…nicht werthaltiges eben..

        Diese Schockstarre ist deflationär, weil die Verpflichtungen nicht erstarren. Der Markt wird illiquide, denn in fallende Vermögenspreise will niemand Zahlungsmittel verbrennen.

        In einer Notsituation (globaler Vermögenscrash) muss der Staat per Zwangswirtschaft die Versorgung auf Befehl umstellen. D.h. Zahlungsmittel beschlagnahmen und Eigentum verstaatlichen…. mit allen Konsequenzen für Preisfindung, Wettbewerb, privaten Insolvenzen…

        Sicher ist man nirgendwo, denn Verzweifelte finden Wege…
        Nichts ist sicher, wenn der Staat verzweifelt…

        „Never, under any circumstances, ever become a refugee… Die if you must, but die on your home turf with your face to the wind, not in some stinking hellhole 2,000 kilometers away, among people you neither know nor care about.“
        – Ragnar Benson

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Alexander: damit wir uns nicht missverstehen: ich wünsche mir weder den margin call noch die geldpolitische Bekämpfung desselben. Er wird bloß m.E. unweigerlich kommen, weil wir seit rund 45 Jahren weltweit zu viele Schulden aufgehäuft haben.

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Hier denkt der Autor nicht zu Ende. Es ist doch auch aus Sicht der japanischen Regierung gut, wenn die Sparer und Kapitalsammelstellen mehr im Ausland investieren, für den Fall, dass das monetäre Experiment schiefgeht und doch (Hyper)inflation droht.“

    Als Ergänzung für den großen Kapitalanleger, ja. Aber für den „Normalbürger“? Wenn es nur Japan wäre, auch okay. Wenn ich aber alleine die Überschuldung der USA, der Euro-Länder und von Japan nehme, kommen gigantische Anteile am Weltkapitalmarkt zuammen. Wenn ich dann noch ungeeignete Anlagestaaten z.B. in Asien, Südamerika oder Afrika abziehe, bleiben m.E. nicht genügend geeignete nicht-überschuldete sichere Anlageländer bzw. -märkte übrig. Und wenn der margin call kommt, hängen sowieso alle wichtigen Märkte zusammen. Daher meine These für den Normalbürger: ein sehr großer Posten handelbare wertstabile Sachwerte (v.a. Gold) als Liquiditätsersatz auch im Inland, aber kurzfristig verfügbar und physisch gehalten. Zur Not auch ein ungewöhnliches auf die persönlichen Verhältnisse zugeschnittenes Warenlager von ständig benötigten haltbaren Dingen auch in schweren Zeiten. Genannt seien als kunterbunte Beispiele Möbelkernholz beim Schreiner, Whiskey für den Getränkehändler, Edelstahlrohre beim selbstständigen Klempnermeister oder Kontrabassseiten für den Musikalienhändler (muss natürlich jeder für sich selber prüfen). Mein Urgroßvater kaufte 1935 in weiser Voraussicht auf 1948 („der neue Kanzler stürzt uns und unser Geld ins Unglück“) vorausschauend die Aussteuer (okay, etwas altmodisch) für seine 4 kleinen Töchter in Form von Besteck, Geschirr und Stoffen, die diese dann um 1950 herum gut brauchen konnten. Nur bei solchen Dingen entfällt das Kontrahentenrisiko. Oder wie der legendäre J.P. Morgan sagte: „Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit.“ Ich weiß, natürlich gibt es dann noch Themen wie Konfiszierung, Steuern, Besitzverbote, etc. Aber das Grundproblem, dass ein Guthaben in einer unsicheren Währung / Bank / Nation (oder gleich alles zusammen!) angelegt ist, entfällt damit.

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      Nierentisch sagte:

      Das ist – mit Verlaub – etwas einfältig:

      https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Krages

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31969033.html

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-31587373.html

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41759584.html

      Grundstücke in der Nähe der damals stark wachsenden Städte erfuhren ebenfalls große Wertsteigerungen, teilweise um mehr als das 100fache innerhalb von 20 Jahren:

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42625935.html

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-45547972.html

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        Wolfgang Selig sagte:

        Finde ich nicht, dass ich hier einfältig bin. Hätten wir die Staatsfinanzen, die Demographie und die Wachstumsraten der 1950er Jahre, wäre ich viel optimistischer. Ich handle so wie hier beschrieben und wenn Sie das einfältig finden, steht Ihnen das frei. Ich möchte nur, dass ich nicht in den nächsten Jahren angejammert werde, wenn Zwangshypotheken, die Abschaffung des §23 EStG, Hypothekengewinnabgaben o.ä. kommen bzw. No-go-areas in vermeintlichen Top-Lagen wie im Münchner Glockenbachviertel oder am Prenzlauer Berg in Berlin entstanden sein sollten.

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      Wolff Baer sagte:

      Ausgezeichnet, Herr Selig!
      Was Sie vorschlagen, mache ich teilweise schon seit etlichen Jahren mit großem Sicherheitsgefühl.
      Wenn man die Tonnagen an gedrucktem Fiat-Money oder Giral-Geld sieht, den meist sicheren 100%igen Wertverlust durch Inflaton und Währungs-Reform, wird man sich im Moment sicher nicht überkaufte und zu teure Wertpapiere zulegen (Hinweise dazu in „Eiszeit“ von Dr. Stelter).
      Die kauft man dann als Cash-Halter nach dem zu erwartenden Crash der unsoliden Aktien-Märkte zum halben Preis.
      Selbstverständlich gehört Gold dazu, auch wenn manche Foristen den Erwerb für Unfug halten.
      Das viel zu billige Industriemetall Silber in Barren oder schönen Münzen kann im Crashfall für Einkäufe bei den Bauern zum Kauf von Getreide und Mais verwendet werden.
      Zuhause hat dann der auf alles vorbereitete „Prepper“ eine Kornmühle stehen, mit der er sich Mehl zum Brotbacken herstellt.
      Fällt der Strom aus, hat der Vorsorgende einen Dieselgenerator, der zur Not auch Heizöl frist etc. etc.
      Wer so etwas als „einfältig“ bezeichnet, sollte sich einmal die Vorsorge-Maßnahmen der milliardenschweren „Prepper“ ansehen, die bestimmt nicht zu den Einfältigen zählen.
      Solche Leute haben selbstverständlich Atombunker mit Lebensmittelvorräten für Jahre und z.B. bevorzugt in Neuseeland ein Riesen-Grundstück mit Landebahn für den Privat-Jet um damit den Untaten der kriegsgeilen, hegemonialen Atom-Mächten zu entgehen.
      Selbstverständlich besitzen diese Leute auch verpachtete Äcker, denn diese Immobilien werden wertvoller als Gold sein.
      Der Dollar- oder Euromillionär dagegen lebt in ständiger Angst um seine im Crash wertlosen Papierprodukte, zu denen teilweise auch Aktien und nicht rückzahlbare Anleihen zählen, denn immerhin hat der Dollar seit 1935 mehr als 98% seines Wertes verloren und auch der € ist (auch ohne Draghi-Machenschaften) eine Inflations-Währung, denn die damalige Umstellung von 2 DM auf einen €uro ist heute bei vielen wichtigen Produkten auf die Kaufkraft 1 : 1 gefallen.
      Große Sorgen sollten auch wir Deutsche haben, denn zu unseren 3 Billionen € (niemals tilgbaren) Staatsschulden haben wir ein Billionen-Ausfall-Risiko in der Transfer- und Schulden-Union EU, der Elends-Union der Pleitiers, die Billionen-Kredite ohne Sicherheiten erhalten haben, an denen wir jetzt schon mit 27% haften.
      Wenn das alles eintritt, was namhafte Makro-Ökonomen und auch ich, kleiner Mann befürchten, ist die Wahrscheinlichkeit einer 3.Währungsreform innerhalb 100 Jahren bei uns, spätestens innerhalb der nächsten Dekade zu erwarten.

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