Gefährlich nah am Abgrund

Dieser Kommentar von mir erschien bei der WirtschaftsWoche Online:

Die Märkte sind angeschlagen. Mochte man bis zum Durchbrechen der 200-Tages-Linie an der Wall Street am letzten Montag noch von einer Korrektur sprechen, so dürfte nun klar sein, dass uns Schlimmeres bevorsteht.

Märkte crashen nicht am Höchststand. Sie brechen erst ein, nachdem sie schon mehrere Wochen oder Monate unter Druck waren. Zunächst herrscht die Überzeugung vor, dass es sich lohnt, bei einem Zurücksetzer zuzukaufen. War das doch seit Jahren die richtige Strategie. Danach kommt die Hoffnung, dass es sich um eine „gesunde“ Korrektur handelt, die die Grundlage für die nächste Phase des Bullenmarktes legt. Sodann wird die Alternativlosigkeit der Aktien gepredigt und die wahre Gefahr in den Anleihenmärkten gesehen. Auch werden die robuste Lage der Weltwirtschaft und die nachhaltig gute Gewinnentwicklung der Unternehmen gepriesen. Ein Umfeld, indem man nur Aktien kaufen könne.

Trotzdem fallen die Aktien weiter. Der Markt ist angeschlagen.

Rutschig nach unten

Wie im Bärenmarkt Anfang der 1970er-Jahre kann es auch deutlich bergab gehen, ohne dass es einen spektakulären Crash gibt. Diesmal glaube ich das nicht. Sollten die Aktien weiter sinken, droht in der Tat ein Crash. Der Grund dafür ist einfach: die zu hohe Verschuldung im System. Wir haben es mit Unternehmen zu tun, die sich – gerade in den USA – so hoch verschuldet haben wie noch nie und Investoren, die im verzweifelten Versuch bei Niedrigzinsen noch gute Erträge zu erwirtschaften, mit immer mehr Kredit spekulieren.

Beides zusammen macht die Märkte so anfällig für eine Fortsetzung der Korrektur.

Sinkt der Aktienkurs, sinkt der Marktwert des Eigenkapitals des Unternehmens. Damit steigt der Verschuldungsgrad und damit aus Sicht der Fremdkapitalgeber das Risiko. In der Folge verkaufen diese die Anleihen des Unternehmens, was zu steigenden Zinsen/Risikoprämien führt, was wiederum ein höheres Risiko signalisiert, welches wiederum mehr Investoren dazu bringt, die Anleihen und die Aktien zu verkaufen.

Beschleunigt wird diese Abwärtsbewegung durch die Investoren, die bei immer höherer Verschuldung und immer weniger Puffer haben, um Verluste zu tragen. Sinkt der Wert ihres Portfolios, kommen sie unter zunehmendem Verkaufsdruck. Zunächst noch freiwillig um Gewinne zu sichern, dann immer mehr auf Druck der Kapitalgeber. Der berüchtigte Margin Call.

So kann aus einer anfänglich als nur vorübergehend angesehenen Entwicklung ein sich selbst verstärkender Abwärtstrend werden. Wie auf einer Rutschbahn wird es immer schneller und unmöglich, sich festzuhalten. Wir nähern uns genau diesem Punkt. 

Technologiewerte ziehen nach unten

Die Technologiewerte haben einen Anteil von 27 Prozent am S&P 500. Sie zogen den Markt in den letzten Monaten nach oben und sie führen ihn nun nach unten. Dabei beginnt der Absturz aus durchaus stratosphärischen Höhen. Laut Analysten der Société Générale ist die Marktkapitalisierung des Nasdaq 100 relativ zum US-BIP inzwischen höher als während des Dotcom-Booms.

Wie an dieser Stelle vor zwei Wochen diskutiert, gibt es vielfältige Warnindikatoren aus dem Techbereich. Seither sind diese nicht weniger geworden, sondern eher mehr:

  • Immer offensichtlicher wird, dass Tesla nicht in der Lage ist, die Serienproduktion des Models 3 in den Griff zu bekommen. Im letzten Jahr machte das Unternehmen bei zwölf Milliarden Umsatz rund 3,5 Milliarden US-Dollar Verlust. Die Nettoschulden belaufen sich auf neun Milliarden US-Dollar. Trotzdem rissen die Investoren dem Unternehmen bis vor Kurzem die Anleihen aus der Hand. Jetzt dreht der Wind: Die bis 2025 laufende Anleihe mit einem Coupon von 5,3 Prozent ist im März abgestürzt. Selbst bei einem Kurs von 87 Prozent widerspiegelt die Anleihe noch immer den Optimismus der Investoren. Ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass Tesla in sieben Jahren die Anleihe tilgt und bis dahin den Zinszahlungen nachkommt, ist gering. Alleine in diesem Jahr muss das Unternehmen weitere 2 zwei Milliarden US-Dollar aufnehmen, um eine Runde weiterzukommen. Nicht alle glauben daran, ist doch die Aktie bei den Short-Sellern (die auf fallende Aktienkurse wetten) sehr beliebt.
  • Facebook sieht sich derweil immer größerem öffentlichen Druck ausgesetzt. Da mag es die Amerikaner (zu Recht) herzlich wenig jucken, wenn Die Grünen in Deutschland eine Zerschlagung von Facebook fordern. Härter trifft es das Unternehmen und die anderen Datenkonzerne, dass zunehmend eine härtere Gangart bei Regulierung und Beststeuerung eingefordert wird und zwar bis weit in wirtschaftsfreundliche Kreise hinein. Auch die Idee, die Downloadgeschwindigkeit für diese Unternehmen zu senken, um sie so zu größerer Kooperation beim Datenschutz zu zwingen, hätte erhebliche Konsequenzen für Geschäftsmodelle und Profitabilität.
  • Dass Amazon direkt in den Fokus der Kritik des US-Präsidenten geraten ist, weil dieser die Berichterstattung der Washington Post missbilligt, mag als nur temporäres Problem gesehen werden. Ein Unternehmen, welches steuerlich bevorzugt wird und zugleich seinen enormen Datenschatz dazu verwendet, in immer neue Bereiche vorzudringen, wo es ohne jegliche Notwendigkeit Gewinn zu erzielen, rasch Marktanteile gewinnt, muss einer stärkeren Regulierung unterworfen werden. Die Öffnung des Datenschatzes für andere Anbieter und Wettbewerber ist da eine richtige Idee. So wie in Deutschland die Versicherer ihre Daten auch kleineren Wettbewerbern zur Verfügung stellen müssen. Ohne dies ist kein Wettbewerb denkbar.

Vieles deutet darauf hin, dass sich das Klima für die Technologiefirmen dauerhaft verschlechtert. Kommt dazu noch die reale Gefahr eines ausgemachten Handelskrieges, haben wir die Aussicht auf fallende Gewinne und ängstlichere Märkte.

Langfristzinsen sinken wieder

Was die Profis erkannt haben. So herrscht zwar noch die Meinung vor, dass die US-Fed die geplanten Zinserhöhungen durchzieht, was die kurzfristigen Zinsen nach oben getrieben hat. Die langfristigen Zinsen, gemessen an US-Staatsanleihen, sind im März jedoch deutlich gesunken. Die Kurse der Anleihen also gestiegen.

Vordergründig ist das eine gute Nachricht, schließlich verträgt unsere überschuldete Welt keine höheren Zinsen. Es könnte aber auch das Signal dafür sein, dass die Investoren mit einer erneuten Rezession und Turbulenzen an den Märkten rechnen. Rutschen die Börsen nämlich weiter, dürften wir vor einer erneuten Finanzkrise stehen, haben wir doch in den letzten zehn Jahren nicht wirklich etwas an den Grundursachen geändert.

Im Gegenteil: Die Schulden sind deutlich höher und die Krisenanfälligkeit damit entsprechend auch. (Das Märchen von der bewältigten Finanzkrise)

Kommt es zu einer neuen Krise, wirkt diese erst mal deflationär: Die Preise von praktisch allen Assets kommen unter Druck. Der beste Fluchtpunkt sind dann die Anleihen erstklassiger Schuldner ohne Ausfallrisiko. Zwar mag man an der Kreditwürdigkeit des US-Staates (und angesichts der demografischen Entwicklung und der verdeckten Verbindlichkeiten für Rente und Euro-„Rettung“ auch des Deutschen!) zu Recht zweifeln. Kurzfristig sind die Anleihen dennoch der beste Parkplatz für Vermögen.

Rasch wären die Sorgen vor steigender Inflation und steigenden Zinsen vergessen.

Endspiel für die Notenbanken

Die Notenbanken sind gefordert, erneut Weltfinanzsystem und Weltwirtschaft zu retten. Dabei ist es höchste Zeit, dass sie sich endlich eingestehen, dass sie mit ihrer Politik kläglich gescheitert sind: Seit Jahren outperformen die Assets, die eher von Deflation profitieren, dabei wollen die Notenbanken doch offiziell die Inflationsrate nach oben treiben. Seit Jahren bekämpfen sie Krisen, die aus zu hoher Verschuldung resultieren mit der Erleichterung weiterer Schuldenaufnahme. Seit Jahren befördern sie damit die schleichende „Zombifizierung“ unserer Wirtschaft, was zu immer geringeren Wachstumsraten führt und damit die Schuldenprobleme weiter verschärft.

Dies wird Draghi und Co. nicht daran hindern, erneut in den geldpolitischen Giftschrank zu greifen. Wie bereitwillig sie das tun werden, kann man schon aus der Tatsache erahnen, dass die EZB bereits im März ihre Käufe von Unternehmensanleihen ausgeweitet hat. Dass die Bilanz der EZB mittlerweile mehr als 40 Prozent des Eurozonen-BIP ausmacht, stört die Notenbanker auch nicht. Auch in Zukunft gilt „whatever it takes“.

Allerdings erst nachdem es so deutlich brennt, dass die Notenbanker eine gute Begründung haben, die Geldschleusen wie noch nie zuvor zu öffnen. Bis zu diesem Zeitpunkt heißt es: Untergewichtung bei Aktien und Trockenhalten des Pulvers auf einem sicheren Parkplatz.

→ WiWo.de: „Ende der Tech-Rallye, Ende des Börsenbooms“, 5. April 2018

46 Kommentare
  1. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Dabei ist es höchste Zeit, dass sie sich endlich eingestehen, dass sie mit ihrer Politik kläglich gescheitert sind: Seit Jahren outperformen die Assets, die eher von Deflation profitieren, dabei wollen die Notenbanken doch offiziell die Inflationsrate nach oben treiben.“

    Man könnte es auch umgekehrt formulieren. Seit Jahren warten die Notenbanken (auch offiziell!) darauf, dass die Politik ihre Hausaufgaben macht, wohl wissend, dass das unwahrscheinlich ist. Ich würde nicht behaupten, dass sie gescheitert sind. Man darf nur die Summe der offiziellen Verlautbarungen nicht mit den wahren Zielen der Notenbanken verwechseln. Die Notenbanken wollten den finanziellen Zusammenbruch der Staaten und des Bankensystems hinauszögern und das ist ihnen bisher ja auch gelungen. Um mehr geht es nicht, aber auch nicht um weniger. Wie lange das gut geht, weiß keiner. In Japan jedenfalls schon ziemlich lange. Und wenn Helikoptergeld beim nächsten Crash zum Einsatz kommt, eventuell noch deutlich länger.

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  2. Johannes sagte:

    @WS: „Und wenn Helikoptergeld beim nächsten Crash zum Einsatz kommt, eventuell noch deutlich länger.“

    Vielleicht aber auch nicht. Japan praktiziert ja bereits mehr oder weniger eine verdeckte Form des Helikoptergeldes. Und kommt damit durch – bislang. Wie verhält es sich, wenn diese verdeckte Form (zugespitzt foruliert: in Ansätzen auch schon von der EZB praktiziert), quasi weltweit systemisch wird?

    Wie wirkt sich Helikoptergeld auf das Vertrauen von Investoren und privaten Anlegern in die Geldwertstabilität aus? Wie werden die Währungen überhaupt reagieren? Wenn alle große Währungsräume zu Helikoptergeld übergehen – mehr oder weniger abgestimmt und abgestuft.

    Dann trifft eine weltweit noch viel stärker als bislang wachsende Geldmenge (und das Wachstum ist schon „steil“) weltweit immer noch auf denselben (Vermögens)Warenbestand (stark vereinfacht gesprochen) und die Vermögenspreise würden wohl endgültig durch die Decke gehen und es geht weiter wie bisher.

    Vielleicht breitet sich aber auch ein umfassender Vertrauensverlust in die Geldwertstabilität angesichts dieser Entwicklung in den Bevölkerungen aus, der bislang noch nicht eingetreten ist. Und dann kann es in kurzer Zeit gesellschaftlich, politischt und wirtschaftlich schnell und steil nach untern gehen.

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    • Ralph Klages sagte:

      Genau das, lieber Johannes, sind DIE Fragen der wohl kommenden Jahre. Man stelle sich -meinetwegen vier- große Volkswirtschaften nebst Währungsraum und Notenbank vor. „Geld“ spielt schon lange keine Rolle (mehr), jeder hat Zugriff auf fast unbegrenzte Mengen, denn bei Verlusten werden diese eingegangenen Schulden weggebeamt. Daher kann jeder auch massenhaft davon bekommen. Das entspricht schon beinahe dem Status quo mit der Konsequenz, dass eben dieses Geld in Form von Vermögenswerten, also „dinglich“ angelegt wird. Auch nix Neues.
      Also, wenn man in Zukunft einen Kredit für die Umsetzung einer Geschäftsidee benötigen würde: Kein Problem, hier hast du was. Geht das Ganze dann schief, ist nicht schlimm, werden ja weggebeamt. Und: Drücke die Restarttaste. Soweit, so schlecht. Aber durchaus auch heute Realität. Also: Was sind dann die Werte der Zukunft, wenn es Geld nicht ist? Angenommen, die o.g. Geschäftsidee würde einschlagen wie eine Bombe und mächtig Erträge (in Form von Geld) abwerfen: Man wäre ja blöd, genau diese Geld zu horten. Nein. Es wird in Realwerte reinvestiert. Vielleicht zur Erweiterung der Produktion o.ä. Zumindest würde sich „Geld“ nicht mehr als Wertaufbewahrungsmittel eignen. Auch davon sind wir im Moment nicht mehr so weit entfernt: Eigentlich wäre der heutige „Millionär a la Dagobert D.“ schön blöd, denn was er hat ist ja „bloß Geld“.
      Vielleicht hat dieser -zugegeben- phantastische Ansatz den Leser ein wenig anregen können. Weit ist es nicht hin !

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      • Michael Stöcker sagte:

        „Nein. Es wird in Realwerte reinvestiert.“

        Eine ähnliche Aussage hatte auch Wolfgang Selig vor kurzem getroffen. Das ist aus individueller Sicht durchaus korrekt, aber es bleibt der Hot-Potatoe-Effekt; denn das Geld ist ja nicht verschwunden, sondern wurde lediglich auf ein anderes Konto gebucht oder landete bei Barzahlung in einer anderen Geldbörse: https://uneasymoney.com/2012/05/06/james-tobin-got-it-right/. Geld entsteht durch Kreditvergabe und verschwindet wieder durch Kredittilgung sowie Steuererhebung.

        „Zumindest würde sich „Geld“ nicht mehr als Wertaufbewahrungsmittel eignen. Auch davon sind wir im Moment nicht mehr so weit entfernt:“

        Wir waren angesichts solch niedriger Inflationsraten noch nie so nah dran an dieser Geldfunktion.

        LG Michael Stöcker

    • Michael Stöcker sagte:

      „Dann trifft eine weltweit noch viel stärker als bislang wachsende Geldmenge (und das Wachstum ist schon „steil“) weltweit immer noch auf denselben (Vermögens)Warenbestand (stark vereinfacht gesprochen) und die Vermögenspreise würden wohl endgültig durch die Decke gehen und es geht weiter wie bisher.“

      Ich teile Ihre Einschätzung. Von daher ja als begleitendes Instrument eine reformierte Erbschaftssteuer, die einen Teil des Finanzschaums wieder abschöpft und somit die Asset-Inflation dämpft.

      „Vielleicht breitet sich aber auch ein umfassender Vertrauensverlust in die Geldwertstabilität angesichts dieser Entwicklung in den Bevölkerungen aus, der bislang noch nicht eingetreten ist.“

      Wie stellen Sie sich hier den Wirkmechanismus vor, sofern wir den Vorschlag von Friedman in Höhe von 2 bis 3 Prozent des BIP anwenden?

      „Und dann kann es in kurzer Zeit gesellschaftlich, politischt und wirtschaftlich schnell und steil nach untern gehen.“

      Diese Gefahr sehe ich auch, allerdings aus ganz anderen Gründen, die Martin Wolf hier dargelegt hat: https://youtu.be/g-eUcJooHK8.

      LG Michael Stöcker

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      • Daniel sagte:

        Lieber Herr Stöcker,

        „Wir waren angesichts solch niedriger Inflationsraten noch nie so nah dran an dieser Geldfunktion.“

        wenn „Wert“ nicht nur ein statistischer Warenkorb von Konsumgütern sein soll, sondern auch Vermögenswerte beinhaltet, dann hatte Geld in den letzten 10 Jahren eine sehr schlechte Wertaufbewahrungsfunktion. Allenfalls ein deflationärer Crash könnte dies noch ändern.

        Das Wirtschafts- und Geldsystem liegt seit 2008 auf der Intensivstation und die Aussichten sind schlecht. Diese Krise könnte auch auf das Geld unvorhergesehene Auswirkungen haben. Dieses Problem kann man unmöglich ausblenden und sagen, dass Geld hat eine gute Wertaufbewahrungsfunktion, weil derzeit die Inflation so gering ist.

        Genauso gut hätte man 2007 sagen können: Hypothekenkredite aus den USA haben eine gute Wertaufbewahrungsfunktion, weil sie mit triple A geratet sind. ;-)

      • Michael Stöcker sagte:

        @ Daniel

        „Das Wirtschafts- und Geldsystem liegt seit 2008 auf der Intensivstation und die Aussichten sind schlecht.“

        Ja, die Aussichten sind schlecht; insbesondere deshalb, weil die Aufbewahrungsfunktion im Moment so gut funktioniert und somit Geld zu einem eigenständigen Asset geworden ist. Damit ist Geld der Zweck an sich und nicht mehr Mittel zum Zweck (Aristoteles).

        @ SB

        Bitte verschonen Sie mich mit dem irrlichternden Ordo-Metzger. Von Rot zu Grün zu Schwarz. Fehlt als nächster Schritt nur noch die AfD. Den kann man nun wirklich nicht ernst nehmen. Der irrt nicht vorwärts, sondern hin und her und hat den wahren Ordoliberalismus bis heute nicht verstanden. Nichts gegen Studienabbrecher, aber von Ökonomie hat er noch weniger Ahnung.

        LG Michael Stöcker

      • Daniel sagte:

        @ Michael Stöcker

        „weil die Aufbewahrungsfunktion im Moment so gut funktioniert und somit Geld zu einem eigenständigen Asset geworden ist. Damit ist Geld der Zweck an sich und nicht mehr Mittel zum Zweck“

        Ich nehme exakt ihre Worte und lasse nur die unnötigen Zusätze weg: Weil die Aufbewahrungsfunktion so gut funktioniert, ist Geld nicht mehr Mittel zum Zweck. Oder mit meinen Worten: Weil Geld funktioniert, funktioniert Geld nicht.

        Aristoteles spricht sich in der Politik gegen den Zins aus. Dort und in der der Nikomachischen Ethik sagt er meiner Meinung nach nur, dass das Streben nach Geld kein Selbstzweck sein dürfe. Das Geld- und Wirtschaftssystem war im antiken Griechenland übrigens sehr verschieden von dem heutigen.

        Wenn Geld eine so tolle Wertaufbewahrungsfunktion hat, dann frage ich mich, warum jede Assetklasse in den letzten 10 Jahren so stark gestiegen ist? Aktien, Immobilien usw. stellen Ihrer Meinung nach keine Werte da?

  3. Thomas sagte:

    Beachtenswert in dem Kontext ist auch, dass die Chartmuster der letzten Wochen bei an sich sehr verschiedenen Werten sehr ähnlich sind. Egal ob USA, Europa, Asia-Pacific, egal ob Dividenden-Aktien, Tech-Aktien oder Ressourcen-Aktien. (So zumindest mein persönlicher Überblick.) Daraus dürfte man wohl recht klar ableiten, dass derzeit das „globale“ Fundament der Aktienbewertungen auf dem Prüfstand steht und „der Markt“ sich global und sektor-übergreifend „überlegt“, ob höhere oder niedrigere Preise angemessen sind.

    Kann natürlich sein, dass es nach ein paar Wochen seitwärts auch wieder nach oben gehen. Aber wenn’s nach unten geht, wäre es mittlerweile doch wenig überraschend.

    Schauen wir einmal… Spannend allemale; es wäre das erste Mal, das ich live beobachte, wie es crasht. Offen ist freilich das Muster. Geht’s in Wellenbewegungen ein Jahr lang runter? Gibt es kuriose Flash-Crashs, wo der Handel ausgesetzt werden muss? Sind wir vielleicht in 2 Wochen ganz unten? (Pflaster schnell abgerissen.) Was machen die ETF? Darf man bei denen überhaupt mit Stop Loss arbeiten, wenn die Preisfindung gestört ist? Was machen Anleihen?

    Dann hätten wir auch mal ganz neue Themen!

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  4. Frederik sagte:

    Ich hätte nichts dagegen wenn es endlich mal richtig krachen würde und der Markt sich bereinigt.
    Dann könnte ich, als angeblicher TOP Verdiener in Deutschland, mir auch ein Haus kaufen/leisten und müsste nicht fast mein ganzes Gehalt an den Staat abdrücken.

    Ich hab keine Lust mehr auf das „weiter so wie bisher“.

    Aber leider vermute ich das es immer so weitergehen wird, weil die Zentralbanken einfach keinen Crash und keine Bereinigung zulassen werden ( weil sonst viele „Verbündete“ Geld verlieren könnten ).

    Also, so sehr ich diese Seite und Berichte auch mag, wird im Endeffekt nichts passieren und alles bleibt so wie es ist :(

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    • Daniel sagte:

      Wie seht ihr das, brauchen wir eine größere Nachfrage?

      Zwar würde ich Heiner Flassbeck in vielen Dingen zustimmen, jedoch frage ich mich, ob eine höhere Nachfrage die Lösung für das Problem sein kann? Wir leben in einer totalen Überflussgesellschaft. Ich war vor einiger Zeit bei einem Werkstoffhof. Es ist unvorstellbar, wie viele funktionsfähige Güter in Deutschland weggeworfen werden.

      Die Lösung des Problems kann doch nicht sein, dass wir die Nachfrage erhöhen, um damit noch mehr Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen.

      Genauso gut könnte man fordern, dass die EU die gesetzliche Mindestgarantie auf Produkte ersatzlos streichen soll. Klar könnte das Wirtschaftswachstum bringen, doch können wir ein derartiges Wachstum wollen?

      In der nächsten Krise gibt es dann vermutlich wieder als „Umweltprämie“ getarnte Vermögensvernichtungsanreize. Da frage ich mich, ob der Mensch tatsächlich ein intelligentes Wesen ist?

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      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Daniel

        >Die Lösung des Problems kann doch nicht sein, dass wir die Nachfrage erhöhen, um damit noch mehr Dinge zu kaufen, die wir nicht brauchen.>

        Viele Ökonomen, u. a. auch welche aus der ersten Reihe, würden Ihnen jetzt sagen:

        Richtig, das kann nicht die Lösung sein.

        Für uns heißt die Lösung vielmehr:

        Wir müssen so viel Nachfrage generieren, dass es keine unzumutbare Arbeitslosigkeit gibt, EGAL ob die Menschen die produzierten Dinge brauchen oder nicht brauchen.

        Das ist das DOGMA der entwickelten Volkswirtschaften – nachvollziehbar so, denn zu hohe Arbeitslosigkeit kann katastrophale Folgen haben, wie aus der Geschichte bekannt ist.

        Es ist das Dogma von Leuten, die ansonsten Welten auseinanderliegen, wie etwa Flassbeck, der von uferloser Fiskalpolitik träumt, und A. Turner, der Helikoptergeld befürwortet.

        Der Kinderglaube dieser Experten ist, dass sich tiefgreifende ÄNDERUNGEN (Technologie, Demografie, Globalisierung etc.) durch FISKALPOLITIK und MONETISIERUNG von Staatsschulden und/oder ein sogenanntes Bürgergeld kompensieren lassen:

        Die Welt kann sich ändern wie sie will, ist für hinreichende Nachfrage gesorgt, dann sind die Probleme grundlegend gelöst. Wenn es doch noch welche geben sollte, ist das höchstens eine Sache von Feinjustierung.

        Grundlegend ist bei diesem Ansatz m. A. n. nur eines:

        Die wirtschaftlichen und sozialen Probleme – nicht bedarfsgerechte, weil beschäftigungsorientierte Produktion – abnehmende Systemakzeptanz bis hin zu Partizipationsverweigerung und unkontrollierbaren Prozessen gesellschaftlicher Disintegration werden einen hohen Preis verlangen.

        Daniel, Sie sind mein Mitstreiter, wenn Sie die Frage nach dem Nachfrage-Dogma stellen.

        Aber radikalisieren Sie sich:

        Begreifen Sie, dass die Überflussgesellschaft – drei Autos in der Garage, wenn schon eines eine Quälerei sein kann (Fahrverbote), funktionsfähige Güter im Werkstoffhof, Tafeln mit genießbaren Lebensmitteln, nur weil das Datum nicht stimmt etc.– der SINN unseres Wirtschaftens ist.

        Wenn Sie das verinnerlicht haben, haben Sie auch die Antwort auf die Frage zur Intelligenz des Menschen:

        Er ist intelligent genug, um zu erkennen, dass der Systemerhalt das Ziel sein muss – auch wenn wir damit an die Wand fahren.

        Oder mal so ausgedrückt:

        Alle diszipliniert bemüht sein, das Boot im Gleichgewicht zu halten – auch wenn wir sehenden Auges auf die Niagara Fälle zusteuern.

      • Thomas sagte:

        Hierzu empfehle ich als kleinen Ausflug die Kurzgeschichte „Der unterbewusste Mann (The Subliminal Man, 1967)“ von J. G. Ballard.

        „Der Konsumterror hat seinen Höhepunkt erreicht, als der Psychiater Dr. Franklin alle drei Monate ein neues Auto kauft. Dass er unterschwelligen Kaufbefehlen gehorcht, merkt er erst durch seinen Patienten Hathaway.“

        In dieser Dystopie hatte die Regierung Spikes auf die Autobahnen installiert, damit die Reifen nur noch wenige Wochen bis Monate halten, damit auch hier konsequent Nachfrage produziert wird.

        Die Gefahr ist durchaus real: In einer Welt, in der die Produktion super-billig ist, passieren ohnehin schon seltsame Sachen. Der Internetprovider unserer Firma schickt uns – und ich übertreibe nicht – bei jeder Störung erst einmal einen Router inkl. Netzteil und ein paar Patchkabel. Wir haben mittlerweile 4-5 funktionsfähige Router rumfliegen. Von denen natürlich nur einer im Einsatz ist.

        Anscheinend ist das günstiger, als die Leitung vor Ort durchzumessen.

        Das mag zwar finanziell rational sein, ist aber ganzheitlich betrachtet schlicht irre.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas

        Ihr 1967 ist schwer zu schlagen, aber ich glaube, dass es zu schaffen ist mit

        „Die geheimen Verführer“, dem Buch, das der Konsumkritiker Vance Packard 1957 geschrieben hatte.

        Es geht in dem Buch um unterschwellige Werbung und manipulierte Bürger, d. h. wie versucht wird, Kaufentscheidungen für Dinge herbeizuführen, die nichts mit den autonom-willentlichen Bedürfnissen, noch mit dem Mehrwert der Produkte zu tun haben.

        Packard war kein Soziologe, daher konnte er wissenschaftlich-methodisch demontiert werden.

        Das hat dem Erfolg des Buches nicht geschadet, weil er auf etwas verwiesen hatte, das die Menschen direkt betraf.

        Kurzum:

        Trotz allem, was in der Folge insbesondere an Marx anknüpfend unter Stichworten wie „Warenfetischismus“ geschrieben wurde, hat sich GRUNDSÄTZLICH nichts geändert seit WK II.

        Es darf sich auch grundsätzlich nichts ändern, allenfalls die Produkte dürfen es.

        Denn würde sich etwas grundsätzlich ändern, kollabierte das System.

        Das will, soweit ich sehe, von Chaoten und Terroristen abgesehen, niemand.

      • Daniel sagte:

        @Dietmar Tischer

        „Begreifen Sie, dass die Überflussgesellschaft – drei Autos in der Garage, wenn schon eines eine Quälerei sein kann (Fahrverbote), funktionsfähige Güter im Werkstoffhof, Tafeln mit genießbaren Lebensmitteln, nur weil das Datum nicht stimmt etc.– der SINN unseres Wirtschaftens ist.“

        Mit anderen Worten: Wir dienen wie Herdentiere einem System, dass für unser Glück und die Umwelt alles andere als optimal ist.

        Dieses System mag besser als der Sozialismus sein, jedoch ist er dennoch *ökonomisch* ineffizient. Fragen wie

        – Wie ist die Freizeit des Menschen und das Güterangebot in ein Optimum zu bringen? (Ökonomisch ist Zeit Geld, aber solange sie eingesetzt wird, um etwas herzustellen, dass eigentlich niemand dringend braucht, ist sie nach der Logik des Systems scheinbar gut eingesetzt.)
        – Wie kann die Arbeit so gestaltet werden, dass sie möglichst viel Spaß macht?
        – Wie kann man Güter möglichst ressourcenschonend (z. B. Langlebigkeit) herstellen?

        finden keine Berücksichtigung. Das System maximiert ohne Rücksicht einfach den Profit bzw. Güterausstoß.

        Mit einem bloßen Schuldenreset wird es daher nicht getan sein. Auch dann würde es nach einiger Zeit an Nachfrage fehlen. Es sei denn, wir werfen die Dinge noch schneller weg.

        Das erinnert zum Teil an Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, bei der es nicht darauf ankommt, ob es sinnvoll ist, was man macht. Man könnte genauso gut täglich einen Sandhaufen mit Schubkarre und Schaufel abtragen und an einem anderen Ort wieder einen neuen Haufen erstellen, den man dann am nächsten Tag wieder umplatziert. Am Ende ist das System einfach nur absurd.

        „Der Kinderglaube dieser Experten ist, dass sich tiefgreifende ÄNDERUNGEN (Technologie, Demografie, Globalisierung etc.) durch FISKALPOLITIK und MONETISIERUNG von Staatsschulden und/oder ein sogenanntes Bürgergeld kompensieren lassen:

        Die Welt kann sich ändern wie sie will, ist für hinreichende Nachfrage gesorgt, dann sind die Probleme grundlegend gelöst. Wenn es doch noch welche geben sollte, ist das höchstens eine Sache von Feinjustierung.“

        Vielleicht hat jedes System einfach seine Zeit? Jetzt, wo die grundlegende Versorgung mit Gütern gewährleistet ist, braucht man eben ein anderes Wirtschaftssystem, was andere Prioritäten setzt. Das könnte Umweltschutz, mehr Freizeit und Kultur oder bessere Bildung sein. Die pure Güterausstoßmaximierung um jeden Preis hat vermutlich keine Zukunft mehr.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Daniel

        >Mit anderen Worten: Wir dienen wie Herdentiere einem System, dass für unser Glück und die Umwelt alles andere als optimal ist.>

        In gewisser Weise ist das so, insbesondere mit Blick auf die SYSTEMSTABILITÄT (ohne dass dies jedem einzelnen bewusst wäre).

        Es ist aber nicht nur so, dass wir „Diener“ sind. WIR haben dieses System auch geschaffen.

        Optimierung ist nicht das Thema, weil dahinter – begrifflich akzentuierend ausgedrückt –, ein „Algorithmus“ steckt, der NICHT lebensweltlicher menschlicher Orientierung bzw. Zielerreichung unterliegt.

        Oder anders ausgedrückt: Sie extrapolieren aus einem begrenzten Funktionalismus heraus auf das Ganze (System). Wer soll es wie optimieren? Es ist wie es ist und verändert sich durch die Summe der einzelnen interaktiven menschlichen Handlungen und äußeren Veränderungen, etwa des Klimas außerhalb des Einflusses, den wir auf es haben.

        Das gilt für alle Systeme, die wir geschaffen haben und vermutlich auch für diejenigen, die wir noch schaffen werden.

        Ihre Wie-Fragen finden sehr wohl Berücksichtigung, allerdings nicht so, wie Sie sie meiner Einschätzung nach verstanden wissen wollen.

        Beispielsweise:

        >Wie kann die Arbeit so gestaltet werden, dass sie möglichst viel Spaß macht?>

        Man könnte empirisch ermitteln, was Menschen unter Arbeit verstehen und ebenso, was für sie „macht Spaß“ bedeutet. Den Ergebnissen entsprechend könnte man Tätigkeiten gestalten und, insoweit sie produktiv sind, Arbeit nennen.

        WARUM wird sie generell nicht so gestaltet, d. h. eine derartige Gestaltung nicht berücksichtigt?

        Ganz einfach:

        Wir alle werden in ein System GEWORFEN und ORIENTIEREN uns von „passiv“ zu „aktiv“ (Kleinkind zu Erwachsenem) an dessen Möglichkeiten, die Eltern, die unmittelbare Umwelt wie Kita, Nachbarschaft oder Verein etc., etc., sowie vom Staat bestimmte Regeln, etwa die Schulpflicht, etc., etc. uns AUFERLEGEN und ERÖFFNEN.

        Orientierung und Entwicklung machen uns lebenstüchtig und zugleich KONDITIONIEREN sie jeden von uns, aber durchaus mit Spielräumen.

        Wer Spaß bei der Arbeit haben will, kann ihn haben, MUSS allerdings auf einiges verzichten. Wenn alle Spaß haben wollen, können sie den haben, dann sieht die Welt aber ganz ANDERS aus.

        Kurzum, Berücksichtigung gibt es – sozusagen in den AUSSCHLUSS-VERFAHREN der Lebensgestaltungen.

        >Vielleicht hat jedes System einfach seine Zeit?>

        Ich denke, dass man das so sagen kann.

        >Jetzt, wo die grundlegende Versorgung mit Gütern gewährleistet ist, braucht man eben ein anderes Wirtschaftssystem, was andere Prioritäten setzt.>

        MAN braucht Garnichts – es gibt kein Man als Akteur, der etwas bräuchte.

        Die Präferenzen der Menschen werden sich ändern, damit ihr Wollen und DADURCH wandelt sich das System kontinuierlich, merklich, verträglich – normalerweise.

        ABER, so unsere Diskussionen hier am Blog:

        Den Mechanismen entsprechend, die im SYSTEM wirken, kann es auch zu disruptiven Veränderungen kommen („Knall“, Fahrt des Systems Boot mit Menschen über die Niagara Fälle) – so nicht gewollt, aber unvermeidlich TROTZ individuell und gesellschaftlich BESTER Absichten (Rationalität, Fleiß, Disziplin, Umverteilung, konfliktlösende Diplomatie, „Rettung“, Geldpolitik etc.)

        Insofern haben Sie m. A. n. SO oder SO recht mit

        >Die pure Güterausstoßmaximierung um jeden Preis hat vermutlich keine Zukunft mehr.>

        Das wird sich ERGEBEN – wortwörtlich so gemeint.

    • Mirko AFD sagte:

      Wenn ich den Bericht lese, könnte ich kot…en. Wir arbeiten uns immer mehr kaputt und haben im Prinzip nichts davon weil das Geld uns nicht zugute kommt.
      Während die anderen Länder eigentlich besser leben als wir Deutsche und von uns auch noch Geld geschenkt bekommen ( Target 2 ).

      Und das Bündniss für Arbeit ist ja der größte Müll den wir je verzapft haben. Kein Wunder das alle Asylanten und Flüchtlinge zu uns kommen.
      Das passt auch irgendwie schön ins Bild.
      Mehr arbeiten, mehr Steuern, aber das Geld geht an die neu-Bürger und die verkonsumieren es dann ( anstatt ich der es erarbeitet hat ).

      Schön in Deutschland

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      • Dietmar Tischer sagte:

        @ jobi

        Flassbeck ist nicht nur dogmatisch und frustriert, er blendet auch die Realität aus – unverzeihlich für jemand, der sich Ökonom nennt:

        Bis auf den Staatssektor werden die Löhne und Gehälter in Deutschland und anderswo durch PRIVATWIRTSCHAFTLICHE Vereinbarungen festgelegt.

        Wenn die daran Beteiligten aus welchen Gründen auch immer nur geringe Lohnsteigerungen vereinbaren, dann ist die Forderung, dass es in Deutschland über mehrere Jahre ein Inflation von 4 oder 5% geben SOLLTE/MÜSSTE eine reine ILLUSION.

        Träumereien eines ausrangierten Funktionärs am Genfer See …

  5. Mirko Kohlbrecher sagte:

    Guter Kommentar Herr Stelter! Bei einem Punkt meine ich aber, dass so ein vergleich doch schwierig ist: „Laut Analysten der Société Générale ist die Marktkapitalisierung des Nasdaq 100 relativ zum US-BIP inzwischen höher als während des Dotcom-Booms.“. Die Tech-Unternehmen haben heute doch auch einen ganz anderen Stellenwert, insofern ist eine höhere Gewichtung zum BIP doch auch nur zwingend…?

    Antworten
  6. Richard Ott sagte:

    Mich würde einmal interessieren, wie die ganzen Helikoptergeld-Fans hier die Auswirkungen der Einführung von Helikoptergeld auf die Migrationssituation nach Deutschland einschätzen. Die Größenordnung von 3% der jährlichen Wirtschaftsleistung als Orientierungsgröße für Helikoptergeld wurde ja schon weiter oben erwähnt.

    3% vom deutschen BIP sind pro Kopf umgerechnet 1200 Euro pro Jahr. Wie wird es in Afrika und in der arabischen Welt auf unqualifizierte potentielle illegale Einwanderer wirken, wenn Deutschland auch noch damit anfängt, jedes Jahr „einfach so“ 1200 Euro an jeden Einwohner des Landes zu verschenken?

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    • Dietmar Tischer sagte:

      Was Sie sagen, wird der Problematik nicht gerecht.

      Wenn China mithilfe seines gedruckten Geldes kaufte, könnten auch Brasilien oder Simbabwe mit ihrem Geld kaufen.

      Warum kaufen diese Länder nicht?

      China kauft – letztlich, Einzelfälle verallgemeinernd –, weil es den Wettbewerbsverlust, den es wegen seiner steigenden Preise erfährt, durch Technologie-Know how kompensieren muss.

      Vom Billiglohn-Land zum Technologieführer ist es ein langer Weg. Kopieren hilft nur bedingt, man muss Technologie kaufen, wenn es zu lange dauert, sie selbst zu entwickeln.

      Technologie-Transfer ist die unterliegende Krux der Terms-of-Trade zwischen USA/Europa und China.

      China ist in einer sehr starken Position und erzwingt bis heute, dass westliche Investitionen in China nur mit einer 50%-Beteiligung chinesischer Unternehmen möglich sind (in etwa so, schaue jetzt nicht nach, was genau die Regeln sind).

      Warum lassen sich westliche Unternehmen überhaupt darauf ein?

      China hat die TRUMPFKARTE in der Hand, über die weder die USA noch Europa verfügt:

      Es ist sein großer, WACHSENDER Markt.

      USA und Europa sind auch große Märkte und damit untereinander und für China sehr bedeutsam.

      Aber sie wachsen nicht derart wie China.

      Deshalb ist jede Überlegung in Richtung „ähnlich“ eine, die in die falsche Richtung führt.

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  7. MSt sagte:

    Mich würde interessieren, ob folgende These plausibel ist. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass Schulden in unserem Wirtschaftssystem zwangsläufig steigen müssen, zumindest solange es keine Schuldenschnitte oder Insolvenzen gibt. Denn: Schulden=Geld und Schulden erfordern Zinszahlungen, also noch mehr Geld und somit noch mehr Schulden. Ein Schuldenabbau ist somit nicht möglich. Die Frage ist nun, woher die neuen Schulden in Zukunft kommen sollen oder Wer sich in einer überschuldeten Welt noch weiter und zwar exponentiell mehr verschulden kann. Prinzipiell kommen Haushalte, Staat und Unternehmen in Frage. Haushalte dürften wegen Demographie sowie bereits abgeschöpften Verschuldungsmöglichkeiten keine weiteren Schuldentreiber sein ( s. Immobilienboom in Deutschland oder Kreditkarten- und Autokreditboom in den USA). Beim Staat ist es schwer vorherzusagen, der unbegrenzten Verschuldung steht aber zumindest immer mal wieder Haushaltsdisziplin im Weg ( s. Maastrichtkriterien in der EU oder Schuldenobergrenze in den USA). Bleiben die Unternehmen. Zwar gibt es in der Welt des geringen Wachstums wenig Möglichkeiten produktiv Schulden zu machen, trotzdem gelten Unternehmenskredite als gute Kredite. So dürfte der Trend der Aktienrückkäufe auf Pump weiter ansteigen, denn die Möglichkeit der Neukreditschaffung ist hier nahezu unbegrenzt und mit jeder zurückgekauften Aktie immer attraktiver, denn der Anteil der verbleibenden Aktien relativ zum Rückkaufvolumen wird immer kleiner, und die kurstreibende Wirkung der Rückkäufe mit jedem weiteren Rückkauf immer grösser. Zwar funktioniert das Spiel nur solange, wie Gesamtkapitalrentabilität grösser ist als Fremdkapitalzinsen, dafür werden die Zentralbanken aber schon sorgen. Somit steht uns eine Welle der strukturellen Ersetzung von Eigenkapital durch Fremdkapital bevor. Bleibt noch die Frage, was das für Geldanlage bedeutet. Meine These: durch strukturelle Vetknappung der Aktien werden wir in den nächsten Jahrzehnten eine massive Erhöhung der Bewertungen erleben, die mit heutigem Niveau nicht zu vetgleichen ist. Folglich werden Aktienbesitzer zu Gewinnern gehören, denn Aktien sind (1) Sachwerte und (2) im Gegensatz zu Immobilien und Gold ersetzbar durch Fremdkapital und in der Welt der zwangsläufigen Mehrverschuldung prädestiniert um verknappt zu werden.

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    • Dietmar Tischer sagte:

      >Die Frage ist nun, woher die neuen Schulden in Zukunft kommen sollen oder Wer sich in einer überschuldeten Welt noch weiter und zwar exponentiell mehr verschulden kann.>

      Meine Erklärung, die selbstverständlich keine banktechnische ist:

      Für PRINZIPIELL alles kann ALLEN ein Kredit ausgestellt werden, WENN es gesellschaftlich GEWOLLT ist.

      Beispiel:

      Sie sammeln ein paar Kieselsteine, legen ein paar Fischköpfe dazu, würzen das Ganze mit Ketchup und verpacken es so, dass es eine definierte, abgeschlossene Einheit ist.

      In einer Verbriefungsaktion übertragen sie das Verpackte an einen Käufer, in der Regel eine dafür eingerichtete Zweckgesellschaft, die ihnen dafür Geld gibt, d. h. ihrem Konto einen Betrag gutschreibt.

      Der Käufer refinanziert den Kauf durch Emission von Wertpapieren oder durch Verkauf an eine Bank, die ihm einen Betrag gutschreibt.

      Die Bank verkauft das Verkaufte oder das Wertpapier, welches das Verpackte wertmäßig „repräsentiert“ an die Zentralbank, die dafür dieser Bank einen Betrag gutschreibt.

      Ein verspäteter Aprilscherz, Irrsinn oder was?

      REALITÄT – wenn es ALLGEMEIN so GEWOLLT und AKZEPTIERT wird und mit entsprechenden, verbindlichen Regeln unterlegt wird.

      Zur Erinnerung:

      Kredit ist Geldschöpfung durch einen VERTRAG, d. h. eine zweiseitige WILLENSERKLÄRUNG.

      Das ist fixiert.

      Alles andere wie Bonität, Sicherheit für den Kredit, Zinsen etc. ist BELIEBIG, prinzipiell jedenfalls.

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        Die GENERIERUNG von Schulden kann quasi ewig aufrechterhalten werden.

        Was aber ganz sicher NICHT ewig währt:

        REALE ökonomische Verhältnisse, die von den Menschen irgendwann nicht mehr akzeptiert werden – hohe Arbeitslosigkeit, Versorgungsnöte, verfallende Infrastruktur, Diebstahl und Raub als Beschaffungstätigkeiten …

      • ikkyu sagte:

        Konstante prozentuale Steigerung der Geldmenge (Verschuldung) pro Zeiteinheit ergibt eine Exponentialfunktion und kann daher zeitlich nicht unendlich ausgedehnt werden.

        Differentialgleichung:
        (dN/N)/dt = c (mit N als wachsende Einheit; c als Konstante)
        (Auflösen und Integrieren ergibt eine e-Funktion)

        Irgendwann wird die notwendige absolute Steigerung so groß, dass es absurd wird. Das gilt auch für das Helikopter- oder Bürgergeld.

        Auch das 4%-Ziel der Notenbanken für das Geldmengenwachstum ist daher nicht unendlich möglich.
        Das Wachstum ist aber notwendig, weil in unserem Geldsystem alte Schulden + Zinsen mit neuen Schulden bezahlt werden.
        (zum Wachstumszwang und Wachstumsdrang siehe Binswanger:
        http://www.postwachstumsoekonomie.de/Binswanger-Vortrag-OL.pdf)

        Systematisch betrachtet handelt es sich zudem um ein positiv rückgekoppeltes (die Hausse nährt die Hausse usw.) System, das früher oder später instabil wird.

        Kein Ingenieur würde so etwas konstruieren, außer die systemimmanente Instabilität und das Ablaufdatum wären gewollt.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        Ist schon richtig.

        Ich habe „quasi ewig“ gesagt, um darauf hinzuweisen, dass der letzte Dreck dieser Welt dazu dienen kann, Verschuldung zu generieren.

        Aber natürlich ist der auch irgendwann einmal aufgebraucht.

        >Kein Ingenieur würde so etwas konstruieren, außer die systemimmanente Instabilität und das Ablaufdatum wären gewollt.>

        Richtig.

        Deshalb darf man Ingenieure auch nicht in der Politik ans Ruder lassen.

        Denn da geht es nicht darum, nachhaltige Stabilität herzustellen, sondern die Probleme zu verschieben (für IST-Zeit-Stabilität).

    • Johann Schwarting sagte:

      @MSt

      Die Gleichung „Denn: Schulden=Geld …“ ist nicht richtig.

      Das Geld ist die Eigenschaft „Macht“, welche die Zentralmacht passiviert. Das Schuldverhältnis wird nicht zu „Geld“ umgewandelt, sondern die heutige Eigenschaft „Geld“ – das durch Zentralmacht zedierte Potential – entsteht auf der Basis notenbankfähiger Sicherheiten – Kreditforderungen.

      http://www.dasgelbeforum.net/forum_entry.php?id=364832

      Passiva sind nicht umlauffähig – Geld ist keine umlauffähig gemachte Schuld. Die Zentralmacht gibt heute über ihre Zentralbank Träger heraus, um Geldeinheiten – die Machtverteilung – zu beziffern und zu beurkunden. Die standardisierten und fälschungssicheren Geldträger (Note, Münze, Byte), auf denen die Geldeinheiten beziffert sind, stellen die Aktiva der Halter dar – nicht aber das Geld als Passivum der Zentralmacht. Das Geld, das selbst keine Schuld ist, ist ausschließlich eine von der Zentralmacht mittels ihrer autorisierten Zentralbank geschaffenen abtretbaren Machtposition. Das Zahlungsmittel ist eine Funktion des Geldes – nicht aber das Geld selbst.

      „Geld ist im Grunde genommen nichts anderes als eine Machteinheit, ein übertragbares Potential (=Machtposition), welches die Zentralmacht unter klar geregelten bzw. veröffentlichten Voraussetzungen (heute geldpolitische Operationen) an die Funktionseinheiten des Systems, vorrangig zwecks Abgabenerhebung (=Besicherung ihrer Passiva) zediert.“ @Ashitaka

      Der ganze Machtkreislauf des Geldes – der Be- und Entmächtigung – dient nur der Gewinnung von Zeit, um die unausweichliche Implosion des Zentralmachtsystems hinauszuschieben.

      Die Nicht-Bewusstwerdung dieser Zusammenhänge ist nur mit den fabelhaften Texten zur Simulationstheorie von Jean Baudrillard zu verstehen – wozu ich aber jetzt nichts schreiben will.

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