Das steht hinter dem Crash: gefährliche Bilanzschwäche der US-Unternehmen

Ein wichtiger Grund für die Nervosität an den Märkten dürfte die schlechte Qualität der Bilanzen der US-Unternehmen sein. Bekanntlich haben diese das billige Geld vor allem dazu genutzt, eigene Aktien zurückzukaufen, statt zu investieren. In der Folge sind sie so hoch verschuldet wie lange nicht mehr.

Die Société Generale hat einige gute Analysen dazu gemacht. Die Charts sprechen für sich: zunächst die Darstellung der Mittelverwendung der Unternehmen  deutlich über dem Brutto-Cashflow und nur bedingt für die richtigen Dinge:

Quelle: SocGen

Dies vor dem Hintergrund, dass der Cashflow sich nicht so gut entwickelt, wie man von den Schlagzeilen glauben soll. Es ist vor allem auf Energie- und Finanzwerte fokussiert:

Quelle: SocGen

Weshalb der IWF auch vor der Verschuldung warnt. Dies liegt vor allem daran, dass die kleineren Unternehmen sich am höchsten verschuldet haben. Dort ist die Zinsdeckung am geringsten:

Quelle: SocGen

Wie sehr sich das Problem im Bereich der kleineren Unternehmen konzentriert, sieht man auch an dieser Darstellung:

Quelle: SocGen

Wobei die geringe Volatilität den Notenbanken sei Dank! auch zu einem kalkulatorisch geringen Ausfallrisiko führt und damit den Boom bei den Anleihen schlechter Qualität verstärken:

Quelle: SocGen

Die Märkte wittern das Risiko und meiden deshalb die Unternehmen mit hoher Verschuldung. Allerdings zeigte sich im letzten Quartal 2017 wieder mehr Zutrauen. Zurecht?

 

Quelle: SocGen

Für mich entscheidend ist die Tatsache, dass wir es hier mit einer Wirtschaft zu tun haben, die in hohem Maße abhängig ist vom billigen Geld. Käme es wirklich zu steigenden Zinsen, hätten wir es mit einem Margin Call der Extraklasse zu tun!

→ zerohedge.com: „Albert Edwards: The Trigger For The Next Market Correction“, 16. Januar 2018

Kommentare (7) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    SB sagte:

    Hinter dem Crash stehen auch die steigenden langfristigen Zinsen, siehe hier (der Artikel hat 3 Seiten; die Info zu den Zinsen findet sich auf Seite 3, auf die ich hier gleich verlinke): https://www.goldseiten.de/artikel/364132–Warum-die-naechste-grosse-Blase-in-Gold-und-Rohstoffen-sein-wird.html?seite=3

    Die Gemengelage wird jetzt allmählich unübersichtlich, siehe dazu auch hier: http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/boerse-dow-jones-und-dax-stuerzen-ab-wie-die-ezb-den-aktienmarkt-nervoes-macht-a-1192056.html

    Beide Artikel betonen die Rolle der Zentralbanken, insbesondere FED und EZB, mit Blick auf die aktuellen (Zins-) Sorgen „der Märkte“.

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter sagte:

      Natürlich stehen dahinter die steigenden Zinsen (siehe meine anderen Beiträge dazu, einer direkt daneben). Nur, wenn die Schulden tiefer wären, könnten Märkte und Wirtschaft höhere Zinsen leichter verkraften.

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  2. Avatar
    Johann Paischer sagte:

    Bei viel Fremdkapital scheint auch die Nervosität groß zu sein. Scheint so als ob derzeit schon die Angst vor steigender Inflation einen Kurssturz auslösen kann.
    Was wäre da erst los wenn die Inflation wirklich steigen sollte?

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    • Avatar
      Wolfgang Selig sagte:

      Wenn die Inflation wirklich steigen sollte, würde der politische Druck auf die Notenbanken steigen, höhere Zinsen zuzulassen. Das würde für stark verschuldete Unternehmen ohne Preissetzungsmacht dazu führen, dass die Zinsausgaben stark wachsen, während sich die Einnahmen nicht oder nicht in gleichem Maße erhöhen. Und das erzeugt die Ängste bei Eigen- und Fremdkapitalgebern.

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