„GE steht symptomatisch für die Krise des Systems“

Dieser Kommentar von mir erschien bei der WirtschaftsWoche Online:

In der letzten Woche verloren die Aktien von General Electric (GE) an einem Tag über sechs Prozent und notieren mittlerweile auf dem Niveau von 1995. Was für ein Absturz für die einstige Industrieikone, die im August 2000 eine Marktkapitalisierung von 594 Milliarden US-Dollar hatte und heute mit weniger als 70 Milliarden nur noch im Mittelfeld der Aktien im S&P 500 liegt. Das einstmals wertvollste Unternehmen der Welt und Gründungsmitglied des Dow-Jones-Indexes war schon in diesem Sommer nach 111 Jahren Zugehörigkeit aus dem Index geflogen. Eine Entwicklung, die noch vor wenigen Jahren undenkbar erschien.

Ausgerechnet GE

GE galt zu Recht über Jahrzehnte als amerikanisches Vorzeigeunternehmen. In den 1930er-Jahren betrieb das Unternehmen die Elektrifizierung der USA, brachte die elektrische Waschmaschine auf den Markt, gefolgt von Mixern, Staubsaugern und Klimaanlagen. Schon damals bot GE den Kunden Finanzierungen an.

Als ineffizientes Konglomerat in den 1970er-Jahren kritisiert, wurde das Unternehmen unter Führung des legendären Jack Welch zum Vorbild für die Schaffung von Shareholder Value in diversifizierten Unternehmen: Er bereinigte das Geschäftsportfolio, und führte effiziente Managementmethoden ein, die schnell zum Vorbild für Unternehmen aller Branchen wurden und Geschäftsprozesse revolutionierten. Die Börse honorierte es mit immer höheren Kursen – um beeindruckende 4000 Prozent stieg die Aktie in den 20 Jahren seiner Amtszeit. Jack Welch und seine Manager wurden reich.

Doch es waren nicht nur die operativen Maßnahmen, die zum Erfolg von GE führten. Mindestens ebenso bedeutend war, dass das Management die immer größere Bedeutung der Finanzmärkte erkannte, Folge der Deregulierung Anfangs der 1980er-Jahre und der anhaltend lockeren Geldpolitik der Fed. Dies führte zum einen zum deutlichen Ausbau des eigenen Finanzgeschäfts (GE Capital), zum anderen zu einer konsequenten Nutzung der Instrumentarien des Financial Engineerings. War es zunächst Jack Welch, der es sich zur Angewohnheit machte, die Erwartungen der Analysten bezüglich der Quartalsergebnisse immer leicht zu übertreffen, kamen Aktienrückkäufe, Erhöhung des Verschuldungsgrades (Leverage) und schließlich aggressive Bilanzierung hinzu.

Über Zeit wuchs der Anteil des Financial Engineerings, während das operative Geschäft an Wettbewerbsfähigkeit und Ertragskraft verlor. Statt auf den harten Weg – der Neustrukturierung des Kerngeschäfts zu setzen, ging Management auf Management den vermeintlich einfacheren Weg.

Hohe Schulden

Financial Engineering kann wie der Fall GE zeigt – helfen, dass Maximale aus einem Unternehmen herauszuholen. Es kann aber nicht dauerhaft strategische und operative Probleme im Unternehmen kaschieren. Unter der noch glänzenden Oberfläche wachsen die Probleme. Sobald sie sichtbar werden, drehen die bis dahin positiven Effekte des Financial Engineering in das Gegenteil. Schulden, die gestern noch als tragbar erschienen, sind es heute nicht mehr.

Dies stand bei GE hinter dem Einbruch in der letzten Woche. Der CEO musste einräumen, dass GE angesichts der schlechten Liquiditätslage dringend Teile des Unternehmens verkaufen muss und auf kurzfristige – und wohl teure – Zwischenfinanzierung von Banken angewiesen ist. Ende September hatte das Unternehmen immerhin 115 Milliarden US-Dollar Schulden, also fast 1,7-mal mehr als das Unternehmen noch an der Börse noch Wert ist.

Kein Wunder, dass GE im letzten Monat von Moody`s um zwei Stufen auf Baa1 herabgesetzt wurde. S&P Global Ratings und Fitch Ratings verleihen ein BBB+. Obwohl die Ratingagenturen einen stabilen Ausblick geben, also keine weitere Abstufung erwarten, scheint das der Kapitalmarkt anders zu sehen. Blickt man auf die Anleihen des Unternehmens, so werden diese bereits wie BBB- behandelt. Das liegt zwar noch im Investmentgrade Bereich, doch man mag sich gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn die Anleihen des Unternehmens auf Junk-Niveau (also BB oder schlechter) herabgestuft würden. Viele institutionelle Investoren wären dann gezwungen die Anleihen zu verkaufen, was die Krise des Unternehmens verstärken und den ganzen Markt von Unternehmensanleihen erschüttern würde. Wenig beruhigt da, dass bei GE in den kommenden 18 Monaten mehr Anleihen fällig werden, als bei jedem anderen BBB gerateten Unternehmen. Lange liegen die Zeiten zurück, als GE noch stolz ein AAA Rating hatte.

Anfälliger Bond-Markt

Wie hier schon mehrfach diskutiert, ist die US-Unternehmensverschuldung in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die Unternehmen haben das billige Geld und die hohen Gewinne dazu genutzt, um mit immer mehr Financial Engineering die Aktienkurse zu treiben. Aktienrückkäufe und Übernahmen auf Kredit waren die Strategie zu schnellem Reichtum. Wie weit es getrieben wurde ist nicht zuletzt daran ersichtlich, dass es trotz Rekordrückkäufen in diesem Quartal nicht gelingt, an der Wall Street neue Rekordstände zu erzielen. Der Verkaufsdruck muss also enorm sein.

Schon seit Monaten zeichnet sich eine Rotation in Unternehmen mit geringerer Verschuldung ab – wie ebenfalls diskutiert ein untrügliches Zeichen für ein baldiges Ende des Aufschwungs. Der Anleihenmarkt zeigt sich davon jedoch noch unbeeindruckt. Obwohl sich die Anzeichen für ein Ende der Hausse mehren und die schlechte Finanzlage der US-Unternehmen allgemein bekannt ist – immerhin hat sogar der IWF diesbezüglich gewarnt – ist der Risikozuschlag („Spread“) für High Yield Anleihen (also Anleihen von Unternehmen, die nicht mehr Investment Grade sind) nur geringfügig gestiegen und liegt noch deutlich unter dem Niveau von vor einem Jahr.

Der Absturz von GE könnte hier der berühmte Kanarienvogel in der Kohlemine sein. Immerhin Anleihen im Volumen von über 1000 Milliarden US-Dollar könnten in einer Rezession schnell den Investmentgrade Status verlieren und zu Junkbonds werden. Eine massive Krise wäre die unweigerliche Folge.

Seit 2009 ist das Volumen an BBB Bonds in den USA um fast 230 Prozent auf nunmehr 2500 Milliarden US-Dollar angewachsen. Immerhin die Hälfte aller Investment Grade Anleihen haben nur noch ein BBB Rating. Ein Rating, was – wie im Falle von GE – von Ratingagenturen kommt, die schon in der letzten Finanzkrise erst nachlaufend ihre Einschätzung ändern. Das Votum des Marktes ist deshalb besonders wichtig und zeigt eindeutig: Gefahr voraus.

Kommt es zu einer Welle an Herabstufungen, drohen massive Kursverluste im Anleihebereich. Zwangsverkäufe treffen auf keine oder unzureichende Nachfrage. Nicht zuletzt in Folge der Regulierung nach der Finanzkrise nehmen die Banken ihre frühere Rolle als Market Maker, die immer für Liquidität sorgen (wenn auch zu einem saftigen Preis), nicht mehr wahr. Ein Margin Call nimmt sich im Vergleich dazu als Spaziergang aus.

Gut 1000 der 2500 Milliarden Dollar Anleihen die noch mit BBB geratet sind, haben einen Verschuldungsgrad auf Junkbond-Niveau, müssten also eigentlich ihr Rating verlieren. Noch können Unternehmen und Ratingagenturen die Illusion aufrechterhalten, alles sei bestens. Die Frage ist nur: wie lange noch? Gut möglich, dass GE nicht nur den Auftakt zu Krise am Anleihenmarkt gibt, sondern zum größten Verlustfall wird.

GE ist überall

Der Niedergang von General Electric ist traurig. Ein Unternehmen, das eine wesentliche Rolle in der Entwicklung der US-Wirtschaft gespielt hat, steht vor einer möglicherweise existenziellen Krise. Zugleich ist es jedoch ein Symbol für die breitere Systemkrise, in der wir uns befinden und die in den kommenden Jahren noch so richtig aufbrechen wird.

Seit Mitte der 1980er-Jahren setzen wir weltweit auf die Droge des billigen Geldes. Die „Financializationder Wirtschaft wurde immer weiter getrieben. Banken, die eigentlich eine unterstützende Rolle für die Realwirtschaft spielen sollten, zogen einen immer größeren Teil der Gewinne des Unternehmenssektors auf sich. Banker begannen wieder deutlich mehr zu verdienen, als Mitarbeiter anderer Branchen, ein Effekt, der zuletzt in den 1920er-Jahren zu beobachten war. Unternehmen aus der Realwirtschaft begannen eigene Finanzgesellschaften aufzubauen und trieben mit immer mehr Financial Engineering die Bewertung nach oben. Übernahmen wurden getätigt, weil sie mehr Rendite versprachen, als der Kredit zur Finanzierung kostete. Politiker setzten auf zunehmende Staatsschulden (Europa) und Privatschulden (USA, einige Länder Europas) um von den Wirkungen der Globalisierung abzulenken.

In der Folge wuchsen die Vermögenswerte deutlich schneller als die Wirtschaft, was politische Unzufriedenheit mit sich bringt und zugleich erlahmte die Kraft der Wirtschaft, wirklichen Wohlstand zu schaffen. Die Produktivitätszuwächse nahmen immer mehr ab, während der Anteil der Zombies an den Unternehmen immer mehr zunahm.

Drohte die Party zu enden, wie zuletzt 2009, waren die Notenbanken bereitwillig zur Stelle und haben mit noch billigerem Geld die Party wieder in Gang gesetzt. Ewig wird das aber nicht funktionieren. So wie es bei GE nicht ewig funktioniert hat. Es wird uns so ergehen wie GE. Und zwar nicht nur einzelnen Unternehmen, sondern ganzen Volkswirtschaften. Natürlich werden die Notenbanken und Politiker noch mal alles versuchen, um die unweigerliche Anpassungskrise zu verhindern. Die geldpolitischen Helikopter werden schon intellektuell vorbereitet. Das ist aber nur vordergründig eine gute Nachricht, werden die Probleme dadurch noch größer und damit die schwere und tiefe der nächsten Krise.

Vorsicht bei Unternehmensanleihen

Das Fazit dieser Überlegungen liegt auf der Hand: Wir stehen vor erheblichen Verlusten im Markt für Unternehmensanleihen. Besonders gefährdet sind Junk-Bonds und Anleihen von Unternehmen, die von den Ratingagenturen besser eingestuft werden, als es ihrem Verschuldungsgrad entspricht. Gerade in den USA bieten Staatsanleihen nach dem Zinsanstieg eine durchaus attraktive Möglichkeit, das Geld sicherer anzulegen. In Europa, wo die Situation nur geringfügig besser ist, besteht diese Möglichkeit leider nicht. Doch auch hier ist es besser, auf Rendite zu verzichten.

→ wiwo.de: „GE steht symptomatisch für die Krise des Systems“, 22.November 2018

28 Kommentare
  1. troodon sagte:

    Off Topic:
    neues EU-Nachhaltigkeitsranking veröffentlicht unter
    https://www.stiftung-marktwirtschaft.de/inhalte/themen/generationenbilanz/

    Leider aber wohl aufgrund nicht einheitlicher Vorgaben für die jeweiligen Alterungsberichte der Staaten ohne echte Aussagekraft…

    „Für den Finanzexperten Raffelhüschen ist klar: „Das kann nur statistischer Fake sein.“ Um tatsächlich die Nachhaltigkeit der EU-Mitglieder seriös vergleichen zu können, seien dringend europaweit einheitliche Vorgaben für den Alterungsbericht nötig, fordert der Ökonom.“

    Und die mögliche Begründung für die Fake Meldungen der Staaten an Brüssel wird auch gleich geliefert:

    „Warum einige EU-Länder statistische Schönfärberei betreiben? Die Stiftung Marktwirtschaft argwöhnt, dass man mit der vorgetäuschten Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen den Boden bereiten will für die von Südeuropa angemahnten Schritte in Richtung Sozialunion, wie etwa eine Einführung einer europäischen Arbeitslosenversicherung.“

    Einleuchtend… der eigentlich gute Ansatz einer Generationbilanz wird dadurch ad absurdum geführt,schade…

    https://www.welt.de/wirtschaft/article184342982/Suedeuropaeer-tricksen-bei-der-Statistik-fuer-die-Rentenkassen.html

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      Über das EU-Nachhaltigkeitsranking 2018 kann man nur staunen.

      Griechenland trotz höchster Staatsverschuldung mit einer Nachhaltigkeitslücke deutlich unter dem Durchschnitt (Median).

      Wie das?

      Statt implizite Schulden implizite FORDERUNGEN von 281% des BIP.

      An wen hat der Staat die?

      Vermutlich an die eigene Bevölkerung.

      Wie will er die einbringen?

      Durch Besteuerung oder Enteignung (Versteigerung von Haus- und Grundbesitz von säumigen Zahlern)?

      Und das, wenn eine ansehnlich Anzahl der am beruflich am besten qualifizierten Menschen auswandern?

      Es ist abenteuerlich, nur noch abenteuerlich.

      Aber kein Problem, die Sozialunion muss kommen.

      Antworten
  2. troodon sagte:

    „Seit 2009 ist das Volumen an BBB Bonds in den USA um fast 230 Prozent auf nunmehr 2500 Milliarden US-Dollar angewachsen. Immerhin die Hälfte aller Investment Grade Anleihen haben nur noch ein BBB Rating. Ein Rating, was – wie im Falle von GE – von Ratingagenturen kommt, die schon in der letzten Finanzkrise erst nachlaufend ihre Einschätzung ändern. Das Votum des Marktes ist deshalb besonders wichtig und zeigt eindeutig: Gefahr voraus.“

    Absolut gefährlich und leider gab es auch bei EUR Unternehmensanleihen eine ähnliche Verschiebung zur schlechteren Bonität
    https://twitter.com/Schuldensuehner/status/1065530071413190656

    Thema Anteil Zombies:
    https://twitter.com/David_Schro/status/1064966551567245312

    „Schon seit Monaten zeichnet sich eine Rotation in Unternehmen mit geringerer Verschuldung ab…“
    Dazu die passende Grafik mit der S+P Aktien-Kursentwicklung seit September in Abhängigkeit der Bonität.
    https://twitter.com/Schuldensuehner/status/1065156261417762816

    Und angesichts der Entwicklung der Unternehmensschulden sollte man sich keine Hoffnung machen, dass GE ein Einzelfall bleibt
    https://twitter.com/Schuldensuehner/status/1063439030648487937

    „Der Absturz von GE könnte hier der berühmte Kanarienvogel in der Kohlemine sein.“
    Ja, so sehe ich da auch.

    Mal sehen, welche Mittel die FED herausholt, wenn es wirklich ungemütlich wird, denn bisher ist es nur ein laues Lüftchen…

    Und wer short Vola ist, dem ergeht es passend zum Thanksgiving wie dem Truthahn der immer fetter wird, bis… Passendes, aktuelles Beispiel für die, leider häufig anzutreffende, maßlose Selbstüberschätzung in der Finanzindustrie:
    http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/james-cordier-hedgefonds-manager-zeigt-reue-auf-youtube-a-1239604.html

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  3. Ondoron sagte:

    Drei Dinge muss man unbedingt verstehen: Political engineering, social engineering und eben auch financial engineering. Wenn man die dazu gehörenden Operationsbibeln kennt – und die gibt es – dann versteht man ziemlich gut, wie die Welt funktioniert im Zeitalter der Massenmedien und des FIAT-Moneys und geopolitischer Interessen. Da erkennt man schnell, dass der Mainstream keine Information liefert.
    Wer hier eintaucht, wird aber das Stigma des Verschwörungstheoretikers nicht mehr los. Aber allemal besser, als am Zinsfehler zu leiden.

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  4. Thomas M. sagte:

    „Der Absturz von GE könnte hier der berühmte Kanarienvogel in der Kohlemine sein.“ – Ich hab da gerade das Bild vom gestrandeten Wahl vor Augen… da kommen manchmal noch andere hinterher, weil der Orientierungssinn gestört ist und die Ebbe einsetzt.

    GE war im Buch „Built to last“, was sehr interessant zu lesen ist/war, eines der schillernden Beispiele für gute, die Zeit überdauernde Firmen.

    Tja, wie auch schon bei RWE ist das die Mahnung, Einzeltitel als Privater nie ohne Stop Loss zu halten oder nur Positionen einzugehen, bei denen ein Totalverlust oder ein massiver Verlust 50%+ im Risiko einkalkuliert ist.

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  5. Dietmar Tischer sagte:

    GE und der Kanarienvogel in der Kohlemine müssen auch anderswo das gleiche Problem darlegen und akzentuieren, hier am 20.11. veröffentlicht:

    https://www.welt.de/wirtschaft/article184164968/Anleihen-Es-wird-chaotisch-und-schmerzhaft.html

    Dr. Stelters Artikel wurde am 22.11. veröffentlicht.

    Die Parallelität ist schon bemerkenswert.

    Ich schließe aber daraus nichts.

    Es zu tun, würde Autoren, die immer wieder nachgewiesen haben, dass sie ihren Verstand seriös einsetzen, Dummheit unterstellen.

    Zum Thema:

    Wenn GE in den 1930er Jahren mit der Elektrifizierung der USA und der Ausstattung der Haushalte mit Waschmaschinen, Mixern, Staubsaugern und Klimaanlagen das amerikanische Vorzeigeunternehmen war, WARUM war es das nicht mehr ab 1981 bis 2001 unter der Führung von J. Welch AUSSCHLIESSLICH auf die grundlegend SELBE Weise – eben der Befriedigung MATERIELLER Nachfrage, sagen wir dem technologischen Wandel folgend mit Computern, Software und dgl. angebracht?

    Nr. 7 der Managementregeln des J. Welch besagt:

    >Leader ermutigen dazu, Risiken einzugehen.

    „Gewinner-Firmen“, so Welch, „gehen Risiken ein und lernen dazu.“ Deshalb sollten Führungskräfte ihre Mitarbeiter ermutigen, zu experimentieren, ohne permanent Angst vor Fehlern haben zu müssen. Experimentierfreude sei ein Schlüssel für Wachstum.>

    Nichts spricht nach dem Verständnis von J. Welch dafür, dass man den Erfolgspfad der Vergangenheit verlassen MUSSTE.

    Warum hat man ihn dennoch verlassen und ist erkennbar zu einer Auch-Firma des Finanzsektors mutiert?

    Weil man mit der Finanzierung von Konsumenten erfolgreich war?

    Das hätte man auf andere Technologiefelder übertragen können, andere haben auch Kundenfinanzierung betrieben, IBM etwa.

    Meine Erklärung:

    Es gab kein hinreichendes WACHSTUM mehr auf den angestammten Geschäftsfeldern von GE und innovative Unternehmen hatten alternative Wachstumsfelder besetzt – damit stand GE ohne Schlüssel für anhaltendes Wachstum da.

    Das und nicht „die immer größere Bedeutung der Finanzmärkte“, ist letztlich der Grund dafür, dass sich GE unter J. Welch den NEUEN Schlüssel „Financial Engineering“ aneignete und damit ein Wachstumsfeld aufbaute – mit den Folgen, die heute zu erkennen sind.

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    • jobi sagte:

      Die Probleme bei GE resultieren aus Managementfehlern.
      Man hat zu spät auf die Energiewende reagiert, die letztlich zur 23 Mrd.-Abschreibung der Kraftwerkssparte geführt hat.
      Financial Engineering spielte dabei eine entscheidende Rolle, ermöglichte es dem Management, die notwendige Restrukturierung aufzuschieben – es war der einfachere Weg.
      Die Zeit der Konglomerate ist passé.
      Unter normalen Umständen wäre es beim aktuellen Kurs eine Idee, sich nach Graham-Manier die Substanz der einzelnen Geschäftsbereiche anzusehen – wäre da nicht die horrende Verschuldung und der drohende Zinsinfarkt.

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      • Dietmar Tischer sagte:

        @ jobi

        Notwenige Restrukturierung hätte sein müssen:

        Umbau mit hohen Kosten (Abschreibungen REALER Assets), hohe Investitionen in neue Geschäftsfelder, zumindest auf Zeit auch ansehnliche Umsatzrückgänge – unterm Strich mit vorübergehenden Gewinneinbrüchen.

        GE hätte es schaffen können, hatte die Kompetenz.

        Die Aktieneigner in USA hätten das Management allerdings sehr schnell vom Hof gejagt.

        DAHER Financial Engineering.

        NUR so konnte man der Normalität des Wandels entgehen.

        Ja, und ein relativ einfacher Wege war Financial Engineering auch noch.

      • Alexander sagte:

        @ jobi
        So ein Supertanker wie General Electric erfindet sich nicht mal eben neu.
        Selbst wenn es kaufmännischen Angestellten in der obersten Etage gegeben ist, den Trend zu etwas völlig neuem zu erkennen – müssten sie zigtausende Mitarbeiter „begaben“. Mitarbeiter deren Entscheidung zum Eintritt in GE ausschließlich Arbeitsplatzsicherheit und möglichst wenige Verantwortung war….(vgl. Siemens, VW, OPEL, FORD, BMW..)

        GE wurde genau von derselben Globalisierung getroffen, dass heimische Standorte niemals wettbewerbsfähig sein konnten. Niemals.
        Kostensenkung per Entlassung ist politisch unmöglich, nur Schrumpfung über Pensionierung…
        Für neue Geschäftsfelder alte Leute schulen oder neue gewinnen, ohne den Zirkus mit Gewerkschaften und Lokalpolitikern? Nein, danke. Man finanziert lieber….

        Wir werden live erleben, wie die großen Autokonzerne dieses Problem lösen.
        Obwohl das Management auch für unsere Hähme fürstlich entlohnt wurde, hatten die kaum eine Wahl..

      • jobi sagte:

        @Alexander
        So pauschal würde ich das im Fall GE nicht sehen.
        Die anderen Geschäftsbereiche sind durchaus profitabel. GE hätte sich nicht komplett neu erfinden müssen – ein rechtzeitiger Verkauf der unrentablen Kraftwerkssparte und die Abspaltung der anderen Sparten wäre die richtige Entscheidung gewesen.
        Im besten Interesse von Eigentümern UND Beschäftigten.
        Für das Management waren fremdfinanzierte Aktienrückkäufe und Boni sicherlich die lohnendere Alternative.
        Siemens hat die Kurve übrigens noch rechtzeitig bekommen – sicher auch dank einer weniger aggressiven Fnanzierungspolitik.

      • Alexander sagte:

        @ Jobi

        Siemens spaltete seine Kraftwerkssparte unter Schmerzen ab, sowie etliche andere Sektoren. 2009 dann die Überraschung, dass die Umsätze der „old economy“ dem Konzern zur Stabilität verhalfen….

        Besonders die Entscheidungen im Energiesektor wurden immer im Einvernehmen mit der Politik getroffen und könnten uns DEUTSCHEN noch ziemlich auf die Füße fallen. Politik darf spontan Meinung wechseln, Unternehmen in Verpflichtungen gegen Finanziers, Mitarbeiter und Standorte nicht. Die von den Siemensstrategien betroffenen Komunen werden den Verlust niemals mehr kompensieren…..die Abhängigkeit vom Automobilsektor im Jahr 2018, ist alternativlos.

        Marktwirtschaftlich sind viele Fragen gar nicht zu beantworten, denn es wäre selbstverständlich wichtig Schlüsseltechnologien zu beherrschen – auch wenn die Rentabilität es nicht erlaubt. Später kauft man jedes Wissen teuer zu, besonders nach ideologischen Weichenstellungen….ein Problem sogar in den USA.

      • Richard Ott sagte:

        So ungewöhnlich wäre das Scheitern von GE nun auch nicht. Lucent wäre Anfang 2000 fast pleite gegangen, nachdem es jahrelang seine Umsätze durch die großzügige Gewährung von Lieferantenkrediten massiv steigern konnte – bis die Blase platzte. Übrigens noch vor dem Dotcom-Crash.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        Ich stehe in Sachen GE auf der Seite @ jobi, bei Siemens auf Ihrer.

        Das Werk in Görlitz sollte geschlossen oder verkauft werden.

        Das war gestern, heute ist der Standort gesichert.

        Haben sich die Marktbedingungen geändert?

        Das kann ich nicht erkennen.

        Was allerdings geschehen ist:

        In Görlitz und dem nahen Bautzen sind zwei AfD-Politiker DIREKT in den BT gewählt worden.

        Ich kann natürlich nichts beweisen, glaube aber dass die Bundesregierung mit Siemens gesprochen hat mit dem Ergebnis, dass die hohe Unzufriedenheit der Bevölkerung nicht noch mehr geschürt wurde.

      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Ich warte auf die Explosion der Wütenden in den Autofabriken. Besorgt war vorgestern, nachdem man in unfreiwilligen Urlaub geschickt wird (Audi, man munkelt von jeden zweite Woche 4 Tage in der Dauernachtschicht) geraten zuletzt finanzierte Immobilien ins Wanken – nach 4 Wochen!
        Derweil munkelt man über Stellflächen in Südtirol zum Verstecken der Autos und der Interimschef spricht davon, dass seine Werker weniger „arbeiten“ und mehr „träumen“ sollen. 90.000 Mitarbeiter sind davon betroffen.
        https://www.donaukurier.de/nachrichten/wirtschaft/Audi-DKmobil-Mehr-traeumen-weniger-arbeiten;art154664,3978643

        Einzige Alternative – AfD. Dabei hielt die Phalanx aus Gewerkschaften und Medien bis über die Landtagswahlen hinaus.
        Die Menschen verstehen nicht, dass sie zum Ziel der Politik geworden sind, man glaubt immer noch nur Nutznießer derselben zu sein……anders als bei den Gefahren der Atomkraft sind die Co² und NoX Vorwürfe wie gemacht, nicht zu halten..

        Alle Alternativadressen für Beschäftigung „geben nichts und betteln selber“…

      • Johann Schwarting sagte:

        @Alexander

        1. – „… der Interimschef spricht davon, dass seine Werker weniger „arbeiten“ und mehr „träumen“ sollen.“

        Traum und Illusion bedeuten: etwas aufs Spiel zu setzen, sich der Magie des Scheins auszuliefern – dem Geheimnis und dem Unbekannten. Sie sind ein Spiel mit dem anderen, mit der Andersheit, der Alterität – der Verschiedenheit. Träume und Illusionen sind Verführungen und damit im Sinne von Jean Baudrillard der Versuch, die uns alle beherrschenden Simulationen zu überwinden.

        Jean Baudrillard: „Ja, vielleicht gelingt es einem Produkt der reinen Simulation, daß es zu einer Verführung wird, einer Konfrontation mit dem anderen, zur Illusion.“

        Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-8732998.html

        2. – „Die Menschen verstehen nicht, dass sie zum Ziel der Politik geworden sind, man glaubt immer noch nur, Nutznießer derselben zu sein …“
        Genauso ist es, wie eben der Debitismus und die Machttheorie des Geldes zeigen.

        Können wir die Simulationen aufgeben und uns dem System verweigern?

      • Alexander sagte:

        @ Johann Schwarting

        Baudrillard ist Klasse, das Wort Simulation leider missverständlich. Zu den Grundbedürfnissen zählt auch „sich wohl fühlen“ und dazu schafft man sich am Besten seine „eigene Simulation/Realität/Matrix“. Insbesondere Lebensrisiken lassen sich so bequem abfedern, z.B. Schwangerschaft, Immobilie, Ausbildung d. Kinder. Politik und Medien bieten wertvolle Hilfestellungen…“wir schaffen das“.

        (1) Der Interimschef von Audi möchte seine Schlafwandler gerne aufwecken um sie in „seine Realität“ zu holen, dabei könnte ihm jeder der Indianer erklären, warum er das besser lässt. In meiner Realität scheitert das Projekt an den Kosten der Vorfinanzierung, weil die staatliche Realität keine Rücklagen für solche Fälle erlaubt (Steuergesetzgebung) und man bisher glaubte, es sei auch keine Vorsorge notwendig. Die sind alle nackt.

        (2) Wer versucht seine Matrix zu zerbrechen und es wagt sich dem ganzen Unwohlgefühl auszuliefern, wurde/wird immer noch als Pessimist ausgegrenzt.

        Die Simulation kann nur verlassen, wer lernen will mit Angst zu leben.
        Nach Baudrillard endet jede Simulation mit dem Tod.

        Unsere Simulation wird, so glaube ich, enden und vielelicht haben wir Glück auf freie Zeit bevor die nächste startet.

    • Dietmar Tischer sagte:

      @ SB

      Eines nach dem anderen, das BVerfG verkündet noch kein Urteil.

      Außerdem müssen erst einmal der Uno-Migrationspakt und das Asylrecht in der Öffentlichkeit verarbeitet werden.

      Da tut sich viel, übrigens auch in der „Partei der Mitte“ (CDU) – und muss sich auch viel tun, wenn man die AfD halbieren will.

      Das Thema Bankenunion ist längst auf dem Schirm der Bundestagsabgeordneten.

      Ja, man muss grundsätzlich bereit dazu sein, wenn man Macron nicht vor den Kopf stoßen und als EU-Zerstörer dastehen will – so der Mainstream im Bundestag.

      Aber es wurden auch BEDINGUNGEN formuliert, von Kauder ebenso wie von seinem Nachfolger Brinkhaus. Hier wie die Fraktionen es z. Z. (noch?) sehen:

      https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2018/kw23-de-einlagensicherung/556838

      Die Bankenunion ist ein Thema, das in der Öffentlichkeit noch gewaltig Wellen schlagen wird, auch beim Kleingedruckten.

      Und das nicht nur als ein AfD-Dagegen-Thema – hier geht es schließlich um der Oma ihr Geld auf dem Konto. Und Deutschland hat viele Omas mit ansehnlichen Beträgen auf den Konten.

      Heißt auch:

      In den Fraktionen der Regierungsparteien wird man irgendwelche Vereinbarungen nicht wie in den vergangenen Merkel-Jahren durchwinken können.

      Antworten
      • SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        „…verkündet noch kein Urteil.“

        Ich hatte auch nichts davon geschrieben. ;–) Es war nur ein Hinweis, dass es auch an dieser Baustelle an entscheidender Stelle weitergeht.

        Wenn die Bundestagsabgeordneten etwas auf dem Radar haben, heißt das leider schon länger nicht mehr, dass im „nationalen Interesse“, also hier konkret mit Rücksicht auf Omas Sparkonto entschieden wird. Die Damen und Herren nehmen auch keine Rücksicht auf Millionen Dieselfahrer und enteignen diese eiskalt, oder auf die Sozialsysteme, die per Massenzuwanderung „solidarisch entreichert“ werden. Vor diesem Hintergrund sehe ich die Sache mit dem Durchwinken etwas skeptischer als Sie. Schaun mer mal…

  6. Alexander sagte:

    Wenn die Geldmengen ständig wachsen und faule (u.a. Staats) Kredite niemals ausgebucht werden, ist es irgendwann rentabler mit Geld zu handeln, als Eigentum für Geld zu verpfänden um „mit Geld“ zu handeln. Der Wendepunkt ist dann erreicht, wenn „Geldanlage“ in Eigentümer weniger rentiert als Spekulation, incl. der Spekulation gerettet zu werden.

    Für die glücklichen Ruchlosen mit eigener Finanzsparte (also alle Konzerne dieses Globus) und frühem Zugang zu Zentralbankgeld + Giralgeld eröffnen sich tatsächlich neue Dimensionen. „Das viele Geld kauft zum Glück keinen politischen Einfluß und verzichtet auf „NGO´s“ so dass es keinen Schaden anrichtet.“

    Alles wird gut.

    Antworten
  7. Thomas M. sagte:

    Manches hier liest sich wie ein Politthriller. Werke, die am Leben gehalten werden, damit die AfD nicht erstarkt. Aber andere Politiker sind anscheinend auch aktiv – GE ist American und America first:

    „$15B deal with Siemens quashed in order to favor GE. […] Iraq signed a memorandum of understanding with GE on Monday, after senior U.S. officials warned Iraqi Prime Minister Haider al-Abadi that the future of the U.S.-Iraq relationship would be at risk if his government accepted the deal with Siemens, […]“

    https://dailygazette.com/article/2018/10/19/trump-administration-pushes-iraq-deal-to-ge

    Wundert mich nur, dass so etwas erzählt wird. Dem Aktienkurs hat’s jedenfalls nicht geholfen.

    Antworten
  8. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Immerhin die Hälfte aller Investment Grade Anleihen haben nur noch ein BBB Rating.“

    Tja, und jetzt kommt es darauf an, wie Zinserhöhungsrisiken von den Ratingagenturen im Detail berücksichtigt wurden. Meine Annahme: wer als Ratingagentur Umsatz machen will, wird sich sehr gut überlegen, ob er die Schwelle von investmentgrade zu junk überspringt. Schließlich ist es nicht so offensichtlich falsch wie die AAA Subprime loans. Ich vermute mal, dass mit steigenden Finanzierungskosten der größte Teil der BBB-Anleihen in den Junk-Bereich springt, weil gleichzeitig die Umsätze runter und die Finanzierungskosten rauf zu gehen drohen.

    Mein Fazit: In einer längeren Hochzinsphase kann ich BBB schon noch zeichnen. In einer längeren Niedrigstzinsphase wie jetzt ist das Zinsänderungsrisiko vielleicht nicht sehr wahrscheinlich, aber in den Folgen so gravierend, dass vielleicht ein Single A als Untergrenze für den persönlichen Investmentgrade aus Risikosicht gesünder wäre.

    Schön dazu die aktuellen Aussagen von Hr. Bosomworth von PIMCO, der die Finger von italienischen Anleihen lässt, die auch gerade mit BBB gerated sind. Und das sogar unter dem Aspekt, dass Staatsanleihen angeblich risikoloser als Privatanleihen sind…

    Antworten

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