Unternehmensschulden steigen, um Aktienoptionen für die Mitarbeiter zu finanzieren

Schon seit Langem wird auf die Risiken der hohen Unternehmensverschuldung verwiesen. Hier eine erneute Erinnerung. Es handelt sich nicht um ein reines US-Problem. Weltweit haben die Unternehmen das tiefe Zinsumfeld genutzt, um die Schulden nach oben zu treiben.

  • Interest rates are already doing damage, people just haven’t noticed, Andrew Lapthorne, the firm’s global head of quantitative strategy, said in an interview Tuesday. Leverage in the U.S. is grotesque for this stage of the cycle. At the moment you’ve got peak leverage at peak prices. It’s not like you have to dig deep to find a problem.  bto: was natürlich die Anfälligkeit des gesamten Systems erhöht.
  • „(…) risks to corporate balance sheets is a bigger problem at the moment, particularly in the U.S. and China. Lapthorne said he worries about volatility in debt because of the impact it can have on the economy, particularly how it weighs on businesses and the job market.“  bto: So ist es!

Quelle: SocGen, Bloomberg

  • „Lapthorne doesn’t see buybacks as a panacea for markets. He said companies that announce them but don’t follow through outperform those that do. The average loss from share repurchases is about 5 percent, Lapthorne estimates. To him, the action of borrowing money to get a short-term boost in earnings-per-share is often motivated by executive compensation in the U.S.“  bto: was die Idiotie nochmals unterstreicht.
  • „The performance differentiator in the U.S. stock market has been an aversion to buying companies with bad balance sheets,(…).“ und Instead of the usual market driver of economic growth, this bull market has been driven by valuation growth, (…).“  bto: sprich: höhere Preise, nicht so sehr steigende Gewinne.

Doch damit nicht genug. Die spannende Frage ist ja, was machen die Firmen mit den Schulden (eigene Aktien kaufen!) und führt das dann zu einer Reduktion des Umlaufs an Aktien? Die Antwort ist nein! Auch diese kommt von Andrew Lapthorne:

  • The total number of shares that are free floating has not reduced. Thus, with the denominator not reducing, buybacks have not, on their own, raised earnings per share and would not, on their own, be expected to raise share prices.“

Quelle: FT

  • „Where has that money gone?  There are various reasons to issue equity, but one of the most important is to issue shares that can back up options offered to executives as incentives. (…)  it looks like the bulk of last quarter’s repurchases went on stock options (aka wages). To be clear, options can make it very easy for those holding them to become very rich, if the strike price of the option is sufficiently generous. And they tend to be offered only to those who are already being paid far more than others. In macroeconomic terms, this is not the most beneficial use of the tax cut, because the marginal propensity to consume of those who are already rich when they receive a windfall will be less than the marginal propensity to consume of those who are poorer. Money distributed to the rich is more likely to be saved and less likely to be spent. And of course in political terms it doesn’t seem very fair.“

bloomberg.com: „‘Grotesque’ Leverage and Rising Rates Are Already Causing Damage, Says SocGen“, 25. April 2018

ft.com (Anmeldung erforderlich): „Authers’ Note: Hunting for yields is getting easier“, 14. Mai 2018

9 Kommentare
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    vielosoof sagte:

    Alles völlig richtig, was bisher dazu geschrieben wurde.

    Zwei Fragen bleiben:
    1. In der Bilanz steigen die Verbindlichkeiten, um eigene Aktien zurück zu kaufen. Wer ist Gläubiger dieser Kredite…?
    2. Gibt es neben Gier und niedrigen Zinsen noch weitere Motive?

    zu 1: Der Ausweis der eigenen Aktien erfolgt im Umlaufvermögen (Aktiva) mit zugehöriger Rücklage auf der Passivseite.

    Hält ein Unternehmen eigene Aktien, gehen aus diesen Anteilen keine Rechte hervor. Es gibt demnach k e i n e Dividendenansprüche, keine Bezugsrechte bei der Ausgabe neuer Aktien und kein Stimmrecht.

    Womit sich Frage 2. beantworten ließe: Es wäre bsw. für CocaCola wichtig, dass nicht Nestlé oder McDonalds mehrheitlich an CocaCola beteiligt sind, vor allem wenn der Fall eintritt, dass man Schulden nicht oder nicht mit dem WERT zurückzahlen muss, wie man einst so billig an Geld kam…

    Wie Warren Buffet bereits 2006 sagte:
    ”There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.”

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      mg sagte:

      > Wobei durch die Buybacks die Kurse ja i.d.R. auch steigen, was den Aktionären zu gute kommt.

      So ist es. Bei gleich bleibender Kapitalisierung einer AG verteilt sich diese auf weniger Aktien. Die Aussage „The total number of shares that are free floating has not reduced.“ ist für mich nicht nachvollziehbar, von wem hat die AG ihre Akien denn zurück gekauft, wenn nicht aus dem Pool der frei gehandelten Aktien?

      Im angelsächsischen Raum wird der buy-back vor allem aus steuerlichen Gründen der Dividendenauschüttung vorgezogen und makes perfect sense.

      Ob man das auf Kredit tun will, steht auf einem anderen Blatt. Das würde zum Beispiel Sinn ergeben, wenn man Inflation in Kombination mit weiter niedrigen Zinsen antizipiert.

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    MSt sagte:

    Unternehmensberater entwickeln Eearnings per Share basierte Vergütungsmodelle für Führungskräfte. Und lassen sich dafür fürstlich bezahlen.
    Führungskräfte entwickeln Share buy back Schemas, um EPS Ziele zu erreichen. Und noch mehr buy backs um Aktienoptionen zu finanzieren. Und lassen sich dafür fürstlich bezahlen.
    Investment Banken helfen den Führungskräften Anleihen zu emittieren, um share buy backs zu finanzieren. Und lassen sich dafür fürstlich bezahlen.
    Portfoliomanager folgen Empfehlungen der Investment Banker, um Aktien zu kaufen, weil Earnigns per Share ja durch Share buy backs gut sind. Und lassen sich dafür fürstlich bezahlen.

    Eine ganze Industrie der Umverteilung von Wohlstand von Aktionären, Arbeitnehmern und Staat (Steuern) zu sich selbst. Vom produktiven zum verwaltenden Sektor. Was für eine Perversion von Kapitalismus! Was für ein Versagen von Aufsichtsbehörden und Aktionärsvertretungen!

    Bleibt nur zu hoffen, dass der kommende Crash durch Liquiditätsentzug diesen Sumpf austrocknet und einen Neuanfang ermöglicht.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Na ja, alles richtig. Aber die tieferen Ursachen werden in dem Beitrag nicht gerade intensiv diskutiert. Ich reiße das mal nur kurz an:

    Was ist mit den Aktionären? Man sollte meinen, diese wollen aus eigennützigen Gründen keine übermäßigen Zahlungen an Führungskräfte leisten, damit ihnen selbst mehr bleibt. Pustekuchen, diese halten überwiegend die Füße still und schauen dem Treiben zu bzw. erlauben es auf den Aktionärsversammlungen auch noch explizit. Warum? Weil die großen Anteilseigner sich gegenseitig kein Auge aushacken und selbst auch vom System profitieren.

    Was ist mit der Wirtschaftspolitik? Schaut zu und nimmt den Anstieg des Gini-Koeffizienten in Kauf. Warum auch nicht? Der Wähler möchte trotz Verarmung gekauft werden und das geht nur, wenn es politische Großspender gibt, die sich das auch leisten können. Und wenn er doch mal etwas Abweichendes wählt, dann einen Egoisten, der sich so eine Wahl leisten kann und bestimmt kein Interesse am Mittelstand oder der Arbeiterklasse hat.

    Noch wichtiger: Was ist mit der Geldpolitik? Warum nicht verschulden, wenn die Notenbanken zusichern, keine systemrelevanten Spieler insolvent gehen zu lassen und die Zinsen schön niedrig zu halten. Okay, es gibt keine vernünftigen Investitionsgelegenheiten für die zusätzlichen Kredite, dann leiten wir es halt indirekt zum Teil in die eigene Tasche. Dazu ein Zitat:

    „Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen“ (Charles Prince, ehemaliger Chef der Citigroup“, wohl im Jahr 2007). Und die Notenbanken lassen mit Billigung von Politik, Mainstreammedien, Wissenschaft und breiten Teilen der Gesellschaft immer noch die Musik spielen. Und dann ist das Ergebnis halt so wie es ist.

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