„Die Schweizer Lösung für die Eurokrise“

Dieser Kommentar von mir erschien bei manager-magazin online. Eine Übersetzung ins Englische bei positive money.

Am Sonntag stimmen die Schweizer über eine radikale Reform des Geldsystems ab. Die Schweiz braucht diese Revolution nicht zwingend. Für den Euro könnte sie die letzte Rettung sein.

Die Schweiz ist ein glückliches Land. Dank der direkten Demokratie und dem Instrument der Volksabstimmung mag es zwar den einen oder anderen Entscheid des Volkes geben, den das politische Establishment nicht schätzt, andererseits kommen Themen in die politische Diskussion, die es bei uns niemals auf die politische Agenda schaffen, obwohl sie es mehr als verdienten, breit und kontrovers diskutiert zu werden.

So ist es auch bei dem Thema der Volksabstimmung vom kommenden Sonntag. Da sind die Schweizer Bürger gefordert, darüber zu entscheiden, ob die bestehende Geldordnung – wie sie in allen kapitalistischen Systemen weltweit besteht – grundlegend geändert werden soll. Es geht um nichts weniger, als den Banken die Möglichkeit der Geldschöpfung zu nehmen.

Ein Entscheid dafür wäre die Revolution, die Autopionier Henry Ford schon vor mehr als 100 Jahren prophezeite: „Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“

Unser Geldsystem gehört hinterfragt!

Die Angst vor dieser Revolution dürfte der wesentliche Grund für die konsequente Vernebelungspolitik von allen Seiten sein. Unser Geldsystem wird nicht offen diskutiert und es werden viele falsche Geschichten zur Entstehung von Geld erzählt. Diese Vernebelung ist so erfolgreich, dass selbst die meisten Banker nicht verstehen, was sie da eigentlich machen.

Dabei lohnt es sich genau hinzusehen, ist es doch gerade unsere Geldordnung die Finanzkrisen, Eurokrise, Blasen und Crashs erst ermöglicht und dabei zu immer größeren Krisen führt.

Obwohl die Zentralbanken der Welt einen anderen Eindruck erwecken, haben sie nur sehr indirekt und schwach Einfluss auf die Entwicklung der Geldmenge, nämlich über den Zinssatz und die geforderte Mindestreserve, die Banken bei ihnen hinterlegen müssen. Dabei folgen sie dem, was das Bankensystem macht – nicht umgekehrt. 90 Prozent allen Geldes, das wir nutzen, wurde so von den privaten Banken geschaffen. Nur die restlichen zehn Prozent stammen von den Notenbanken.

Wenn die Bank einen Kredit gewährt, kann sie dies tun, ohne zuvor eine Spareinlage bekommen zu haben. Sie schafft das Geld also aus dem Nichts ‒ lateinisch „fiat“, weshalb man von einem Fiat-Geldsystem spricht. Dies ist so lange nicht problematisch, wie der Kredit gegen vernünftige Sicherheit gewährt wird, denn dann steht dem neu geschaffenen Geld ein entsprechender Vermögenswert entgegen. Das Geld ist also durch ein werthaltiges Asset gedeckt.

Betrachtet man die Banken nicht als neutrale Vermittler zwischen Ersparnissen und Investitionen, wie dies viele Lehrbücher heute noch tun, erkennt man, dass Banken einen erheblichen prozyklischen Einfluss auf die Wirtschaft haben. In guten Zeiten, in denen die Einkommen sicher und die Vermögenspreise hoch sind beziehungsweise weiter steigen, geben Banken gerne Kredit. In schlechten Zeiten hingegen halten sie sich zurück. Das prozyklische Verhalten der Banken führt dabei nicht nur zu einer regelmäßigen Abfolge von Booms und Krisen, sondern tendenziell zu immer größeren Krisen.

Blicken wir auf die letzten 40 Jahre zurück, so sehen wir eine konstant steigende Verschuldung der westlichen Welt, die sich zudem ungebremst fortsetzt. Dies ist so zu erklären: Banken vergeben zunächst Kredite an solvente Schuldner mit guten Sicherheiten. Damit wächst die Geldmenge. Die Wirtschaft läuft gut, die Einkommen steigen und auch die Vermögenspreise gehen nach oben. Kommt es zu einem Abschwung, stellen die Banken fest, dass sie zu großzügig waren. Sie erleiden erste Verluste, die Sicherheiten fallen im Wert und sie halten sich mit neuen Krediten zurück. Banken- und Finanzkrisen sind die zwangsläufige Folge.

Diese zu verhindern war der Hauptgrund für die Gründung von Zentralbanken die im Krisenfall als „Lender of Last Resort“ einspringen sollten. Allerdings mit harten Auflagen. Der Bankenexperte Walter Bagehot, von 1861 bis 1877 Herausgeber und Chefredakteur des The Economist, hat dazu schon 1873 klare Regeln aufgestellt: Demnach sollte die Zentralbank im Krisenfall nur solventen Banken helfen, gegen die Hinterlegung von sehr guten Sicherheiten, zu einem hohen Strafzins. Mit diesen Regeln wollte er sicherstellen, dass die Banken vorsichtig agieren und ihre Geldschöpfungsfähigkeit nicht missbrauchen, um schlechten Schuldnern gegen unzureichende Sicherheiten Geld zu geben.

Mit Blick auf die Finanz- und Eurokrise und vor allem auf die derzeitige „Eurorettungspolitik“ müssen wir feststellen, dass die genannten Grundsätze alle über Bord geworfen werden. Die EZB gibt Banken, die faktisch insolvent sind, Kredite gegen fragwürdige Sicherheiten, zu einem Zinssatz von null. Dies zeigt, wie schlimm es um das Finanzsystem im Jahre zehn der Krise bestellt ist.

Initiative will Bankenprivileg beenden

So sehen das nicht etwa nur Kritiker aus dem linken Spektrum. Die der Bankenfeindlichkeit sicherlich unverdächtige Financial Times hielt kürzlich fest, dass wir uns sicherlich ein anderes Geldsystem gegeben hätten, hätten wir es bewusst entwickelt. Martin Wolf, der renommierte Chefvolkswirt der Zeitung forderte schon 2014: „Strip Private Banks of their Power to create Money„. 

Am letzten Mittwoch (also nach Veröffentlichung meines Kommentars beim Manager Magazin) hat Wolf in der FT übrigens nochmals nachgelegt: → FT (Anmeldung erforderlich): „Why the Swiss should vote for ‘Vollgeld’“, 5. Juni 2018

Die Grundidee ist, den Banken das Recht zur Geldschöpfung zu nehmen und dieses nur noch der Notenbank zu überlassen. Ein solches Geldsystem nennt man englisch „Sovereign Money“, auf Deutsch etwas blumiger „Vollgeld“.

Hier setzt die Volksinitiative in der Schweiz an. Unter dem Eindruck der für die Schweizer traumatischen Rettung der Großbank UBS wollen die Initiatoren den privaten Banken jegliche Geldschöpfung verbieten. Die Banken wären gezwungen, ihre Kundeneinlagen in voller Höhe bei der Zentralbank zu halten. Sie wären in diesem System die Verwahrer von Notenbankgeld und könnten nur dann Kredite vergeben, wenn die Sparer zuvor der Bank einen Kredit geben – und zwar explizit, nicht nur dadurch, dass sie ihr Geld auf dem Girokonto stehen lassen.

Die Idee von Vollgeld und staatlichem Geldmonopol ist nicht neu und hatte in der Vergangenheit prominente Unterstützer wie Benjamin Franklin, David Ricardo, Thomas Jefferson und später den Nobelpreisträger Milton Friedman. 1936 wurde der Umstieg vom existierenden System zum Vollgeldsystem von den Professoren Henry Simons und Irving Fisher als „Chicago Plan“ entwickelt. Die beiden Professoren sahen darin einen Weg, dass Geldwachstum (= Kreditwachstum) einer Volkswirtschaft zu stabilisieren und Zyklen aus Boom und Krise zu verhindern. Gescheitert ist die Idee nicht zuletzt am Lobbyismus der Banken und an der einsetzenden Erholung der Wirtschaft von der großen Depression.

Gute Gründe dafür und dagegen

Dabei ist unser Geldsystem eigentlich eine geniale Erfindung, dessen wirtschaftliche Effizienzgewinne sich kaum abschätzen lassen. Das sogenannte Fiat Money war ein wichtiger Motor für die Entwicklung der modernen Volkswirtschaften. Banken sollten besser als jede zentrale Institution Risiken beurteilen können. Durch die Vergabe von Krediten gegen gute Sicherheiten, sollte das neu geschaffene Geld werthaltig und zugleich knapp sein. Da die Banken zudem ein Interesse am eigenen Überleben haben, sollten sie vorsichtig agieren mit ausreichendem Eigenkapital und umsichtiger Kreditvergabe an solide Schuldner. Vor allem Investitionen sollten finanziert werden. So zumindest die Theorie und auch die Argumente der Gegner eines Systemwechsels.

In der Praxis haben wir das System pervertiert. Konkursrisiken wurden für Banken weitgehend abgeschafft. Kredite werden überwiegend zum Kauf vorhandener Vermögenswerte – Immobilien! – und zur Spekulation verwendet. Staaten und Notenbanken haben alles darangesetzt, das System zu entfesseln. Immer mehr Kredit soll die Weltwirtschaft am Laufen halten. Immer mehr Kredite sind auch erforderlich, um die bereits ausstehenden Kredite zu bedienen.

Natürlich könnten wir die „Untergangsmaschine der Banken“ (Martin Wolf) stoppen, indem wir deutlich höhere Eigenkapitalquoten fordern, eine strengere Regulierung durchsetzen und letztlich auch Konkurse zulassen. Allen Beteuerungen der Politik zum Trotz ist hier nichts passiert. Gerade in Europa sind die Banken noch genauso gefährlich wie vor zehn Jahren.

Das wäre ein weitaus besseres Feld für Reformvorschläge für den französischen Präsidenten, statt die letztlich untauglichen Ideen mit mehr Umverteilung die Eurozone eine Runde weiter zu bekommen. Doch auch er hätschelt lieber die französischen Banken (deren absehbaren Verluste in der Türkei europäisch sozialisiert werden sollen), statt die Grundursache der Eurokrise, die überbordende Geld-Kredit-Schöpfung eines entfesselten Bankensystems zu stoppen.

Aus Frustration über dieses Politikversagen kann man die Befürworter der Umstellung auf Vollgeld gut verstehen. Es wäre in der Tat ein überlegenes System, ist doch die Geldversorgung einer Wirtschaft ein öffentliches Gut. Eine Verstaatlichung des Geldsystems, in dem Sinne, dass nur die Notenbank über das Wachstum der Geldmenge entscheidet und nicht mehr inhärent prozyklische private Banken hat daraus ihre Berechtigung. Die Notenbank könnte die Geldmenge stetig wachsen lassen und sich dabei am nachhaltigen Wachstumspotenzial der Wirtschaft orientieren. Die Abfolge von Boom und Krise bliebe uns erspart und im Falle einer Schieflage im Finanzsystem käme es zu keinem Bankenrun, wären doch alle Einlagen von der Notenbank besichert.

Ich selbst bin bei dem Thema hin und her gerissen. Ich sehe den Nutzen der Vollgeld-Lösung, traue jedoch unseren Notenbanken nicht. In den letzten 30 Jahren haben sie alles getan, um das prozyklische Verhalten der Banken zu belohnen und zu fördern. Ohne die einseitige Politik der expliziten und impliziten Bail-outs und der ständigen Zinssenkungen wäre es niemals zur Finanzkrise gekommen. Wieso diese Notenbanken es nun in Zukunft besser machen sollen, verschließt sich mir. Dennoch ist es unstrittig, dass sich an unserem Geldsystem etwas ändern muss.

Entschuldung für die Eurozone

Die Schweiz braucht die Umstellung auf Vollgeld ohnehin nicht so dringend wie die Eurozone. Dies liegt an zwei Gründen. Zum einen ist das Bankensystem des Landes heute weitaus solider finanziert. Zum anderen braucht das Land nicht die finanzielle Nebenwirkung der Aktion: nämlich den einmaligen Umstellungsgewinn in Milliardenhöhe, der vom Staat zur Schuldentilgung verwendet werden kann.

Genau das braucht aber die Eurozone. Wie an dieser Stelle immer wieder ausgeführt, benötigt die Eurozone einen Schuldenschnitt für staatliche und private Schulden in der Größenordnung von drei bis fünf Billionen Euro. Da diese Summe nicht so einfach aufzutreiben ist, gehen alle Maßnahmen der „Euroretter“ in zwei Richtungen:

  1. Erhöhung der Verschuldungskapazität durch „Einbindung“ des deutschen Steuerzahlers (Eurobudget, Eurofinanzminister, Bankenunion, etc.)
  2. Monetarisierung der Schulden durch die EZB, die dazu Staatsanleihen in Billionenumfang aufkauft und perspektivisch erlassen soll.

Das Problem mit dieser Strategie ist, dass 1 nicht funktioniert und 2 zu lange dauert. Bevor 2 umgesetzt ist, haben wir in allen Ländern der Eurozone „populistische“ Regierungen.

Hier kann die Umstellung auf Vollgeld helfen. Schon 1936 erwarteten die Autoren des Chicago Plans einen einmaligen Gewinn der US-Notenbank aus der Umstellung. 2012 rechneten zwei Forscher im Auftrag des IWF nach und kamen zum gleichen Ergebnis. Die Umstellung würde im Beispiel der USA zu einer völligen Entschuldung des Staates führen und zugleich eine deutliche Reduktion der privaten Verschuldung ermöglichen.

Wie das? In einem ersten Schritt müssen die Banken sämtliche Ausleihungen zu 100 Prozent mit Einlagen decken. Da sie das bisher nicht tun, müssen sie sich das dazu erforderliche Geld bei der Zentralbank leihen. Statt heute nur wenige Prozente (Mindestreserve), würde die Zentralbank die Ausleihungen zu 100 Prozent refinanzieren. Folge ist eine erhebliche Bilanzverlängerung des Bankensystems.

Da die Notenbank dem Staat gehört, wäre der Staat dann Kreditgeber und Schuldner zugleich, halten die Banken doch im erheblichen Umfang Staatsanleihen. Verrechnet man diese Forderungen der Banken gegen den Staat mit den Verbindlichkeiten gegenüber der Notenbank, kommt es wieder zu einer Verkürzung der Bilanz. Bezieht man die nicht von Banken gehaltenen Staatsanleihen mit ein, ist der Staat damit schuldenfrei. Im Fall der USA würde es sogar eine teilweise Tilgung der privaten Schulden ermöglichen, da der Finanzsektor in Summe Verbindlichkeiten von rund 200 Prozent des BIP hat. In Europa wäre der Effekt deutlich größer, ist doch der Bankensektor mit rund 300 Prozent vom BIP viel aufgeblähter.

Letztlich handelt es sich um eine „Monetarisierung“ der bestehenden Schulden. Das muss keineswegs inflationär sein, da Inflation sich nur aus einer Mehrnachfrage und damit letztlich Kreditwachstum ergibt. Ohnehin läuft die derzeitige Strategie der Notenbanken über den Aufkauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren, im Fachjargon „Quantitative Easing“ genannt, auf eine Monetarisierung hinaus.

Bei der Umstellung auf Vollgeld könnte jedoch glaubhafter gemacht werden, dass es sich um eine einmalige Aktion handelt und nicht um den Einstieg in eine dauerhafte Finanzierung des Staates durch die Notenbank. Lediglich das laufende Geldmengenwachstum würde über die Zuweisung von Geld an den Staat erfolgen. Alternativ und noch besser wäre die Zuteilung an jeden Bürger direkt.

Ein Trick, der funktioniert

Damit wären wir bei einem Trick, der funktionieren könnte. An dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, dass ich mir das alles nicht wünsche. Ich bin nur Realist dahin gehend, dass die Politik alles Erdenkliche unternehmen wird, um das politische Projekt Euro gegen alle ökonomischen Gesetze durchzuhalten. Da geht es mir dann um die Schadensminimierung.

Die Politik könnte den Systemwechsel gut begründen:

  1. Die Eurokrise wäre nie passiert, hätte es nicht den Kreditboom in den heutigen Krisenländern gegeben. Dieser Kreditboom war ausgelöst von Banken, die nur auf den eigenen Profit geschaut haben, ohne die Wirkung auf die Gesamtwirtschaft zu bedenken.
  2. Der EZB und der Politik war es nicht möglich, hier gegenzusteuern, weil in unserem bestehenden Geldsystem, die Geldschöpfung fast ausschließlich bei den privaten Banken liegt.
  3. Damit haben wir eine Privatisierung der Gewinne bei gleichzeitiger Sozialisierung der Kosten. Das wollen wir nicht mehr hinnehmen.
  4. Banken sollen sich in Zukunft auf ihre Rolle als Kreditvermittler beschränken, wo sie über die beste Expertise bei der Beurteilung von Risiken verfügen.
  5. Die EZB wird in Zukunft alleinig über das Wachstum der Geldmenge entscheiden, und zwar in Abhängigkeit vom nachhaltigen Potenzialwachstum. Es gibt keine aktive Geldpolitik mehr, weil diese in dem neuen System nicht mehr erforderlich ist.
  6. Damit ist das Euro-Bankensystem sicher und wir brauchen weder eine Bankenunion noch einen Mechanismus für die Rettung von Staaten.
  7. Der beim Systemwechsel entstehende einmalige Gewinn ist nur die gerechte Entschädigung der Steuerzahler für die früher eingegangenen Kosten für die Rettung der Banker.
  8. Deshalb wird der Gewinn dazu genutzt, alle Staatsschulden der Euro-Mitgliedsländer zu tilgen. Das verbleibende Guthaben verwenden wir zu einer prozentual gleichen Kürzung aller anderen ausstehenden Schulden.

Danach käme dann das übliche Blabla politischer Erklärungen.

Denkbar? Ich glaube ja. Es könnte auch funktionieren. Die offene Frage bleibt, ob ein solches System das Vertrauen der Bevölkerung genießen würde. Voraussetzung ist, dass der Staat mit der nun gegebenen Möglichkeit der monopolisierten Geldschaffung vorsichtig umgeht. Zu groß ist die Gefahr, dass die Politik der Versuchung nicht widerstehen wird, durch großzügiges Geldmengenwachstum Scheinblüten zu erzeugen und damit die Krisen noch zu vergrößern.

Diesem Argument halten die Autoren des IWF-Papiers zwei Punkte entgegen: Erstens könne man in einem Vollgeldsystem die Geldpolitik nicht Kriminellen überlassen, die wie der Schotte John Law in Frankreich zwischen 1717 und 1720 überteuerte Aktien für vermeintliche Goldminen in der Kolonie Louisiana ausgab, wo sich tatsächlich nur Sümpfe und Alligatoren fanden. Zweitens könne und sollte man in einem Vollgeldsystem keine Kriege führen, geschweige denn verlieren. In beiden Fällen ist das Wachstum der Geldmenge viel zu hoch und eine Entwertung die zwangsläufige Folge. Ich würde noch addieren, dass man auch nicht überzogene Versprechen für Sozialleistungen und Altersversorgung abgeben sollte.

Da Letzteres der Fall ist, bleibt wohl nur die nüchterne Erkenntnis, dass die Umstellung auf Vollgeld der Eurozone einen Neustart ermöglichen könnte, jedoch nichts an der Unfähigkeit der politischen Akteure ändert.

28 Kommentare
      • Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Stöcker: Langfristig hat Herr Harari wohl richtig analysiert, dass nationales Handeln den Herausforderungen der Zukunft nicht gerecht wird. Wenn es denn auf der Welt schon darum ginge. Tut es das Ihres Erachtens?

        Denn dann stelle ich mal die nicht ganz ernst gemeinte Gegenfrage, ob Hararis Heimatland Israel deswegen seine nationale Währung und Grenzsicherung zum schnellstmöglichen Termin zugunsten einer supranationalen Lösung mit seinen regionalen Nachbarländern wie Ägypten, Jordanien oder Libanon aufgeben sollte, um damit dem Stil der EU und des Euro folgen sollte?

        Die Antwort muss glaube ich mit den Bürgern dort unabhängig von der politischen Orientierung nicht groß diskutiert werden. Wer darum kämpft, dass seine Kinder und er selbst die nächste Woche physisch und psychisch gesund überstehen, hat wenig Aufmerksamkeit für durchaus reale Generationenprobleme.

        Schauen Sie sich dazu einfach mal an, in welche Sprachen seine Bücher übersetzt wurden, von denen ich selbst zwei zu Hause habe, und in welche nicht. Und in welchen Ländern wie viele davon prozentual bezogen auf die jeweiligen Gesamtbevölkerung gekauft wurden.

        Und dann würde ich das Ergebnis noch in Relation zu der Frage stellen, bei welchem Arbeitgeber er seine Erkenntnisse im Wesentlichen zuerst entwickelt hat? Dies möge der interessierte Leser selbst eruieren. Kleiner Tipp: es handelt sich nicht um das Komitee für den Friedensnobelpreis oder eine NGO.

        Daher, Herr Stöcker, kann ich Herrn Dr. Stelter nur leidenschaftlich beipflichten: der Euro muss zügig geordnet beendet werden, leider. Die Welt beschäftigt sich noch mit viel nahe liegenderen Themen als Herr Harari. Schlimm, aber das ist so. Sehr viele Menschen sind noch nicht so weit bzw. wollen oder werden es so schnell wie vermutlich nötig auch nicht sein.

      • RW sagte:

        Wer dem Ende des Euros wie Herr Stelter das Wort redet muss auch gleichzeitig sagen, dass dies das Ende der Europäischen Union sein wird. Oder anders gesagt der Morgenthau Plan von 1944 wird für Deutschland dann doch noch realisiert.
        England braucht aufgrund des Commonwealth den Brexit langfristig nicht zu fürchten. Frankreich und Belgien können sich mit ihren ehemaligen Kolonien zusammentun, ebenso Spanier und Portugiesen. Die Niederlande waren sowieso schon immer eine Handelsnation. Die Skandinavier werden sich bei einem EU-Zerfall enger zusammenschließen, ebenso die Ost- und Südosteuropäer. Wer aber niemanden hat, ist Deutschland.
        Oder glaubt Herr Stelter ernsthaft, 80 Millionen Deutsche können sich alleine gegen 1,2 Milliarden Chinesen, 1,6 Milliarden Inder, 1 Milliarde Afrikaner, 360 Millionen Afrikaner, 400 Millionen nichtdeutsche Europäer und 130 Millionen Russen auf lange Sicht wirtschaftlich global behaupten? l
        Die Welt wird nämlich Deutschland zukünftig weder technologisch noch wirtschaftlich brauchen. Denn auf nichts anderem arbeiten Amerikaner und Chinesen hin. Fällt Deutschland bedeutet dies auch Ausschaltung Europas als ernstzunehmende globale Macht. Die Zukunft Deutschlands kann daher nur Europa sein und dazu gehört zwangsläufig auch eine gemeinsame Währung. Die Fehler, die bei der Einführung des Euros gemacht wurden, und die darausfolgenden Konsequenzen kann man nicht durch eine Rückabwicklung des Euro, wie sie Herr Stelter offen fordert, heilen. Dafür ist es längst zu spät. Nicht umsonst ist nach 1945 der Marshall-Plan und nicht der Morgenthau-Plan umgesetzt worden.
        Statt Kleingeister und Kleinkrämer braucht Deutschland Visionäre, um eine Zukunft in dieser Welt und in Europa zu haben.

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter sagte:

        Ich rede nicht dem Ende des Euro das Wort. Ich fürchte nur, dass wir mit ihm das Gegenteil von dem erreichen, was wir wollen (und Sie so gut beschreiben). Er wird die EU zerstören. Nicht jene, die den Euro reformieren/neu ordnen wollen, zerstören die EU, sondern jene, die ihn entgegen aller ökonomischen Logik um jeden Preis retten wollen. Ich empfehle: https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/iwf-die-wahren-probleme-der-eurozone/

        LG

        DSt

      • Dietmar Tischer sagte:

        Betrachten wir doch einmal die grundsätzlichen Gestaltungsalternativen und das, was daraus folgen könnte bzw. mutmaßlich folgen würde:

        1. Befolgung wirtschaftspolitischer Erfordernisse für die Homogenisierung und nachhaltige Stabilität der Eurozone:

        Derartige Erfordernisse sind nicht durchsetzbar, weil sie sowohl die Geberländer wie Deutschland mit u. a. höherer Inflation wie auch die Nehmerländer u. a. mit Fiskaldisziplin politisch überfordern würden. Nationale Destabilisierung wäre die Folge, die Eurozone würde von allen als „Bestrafung“ angesehen werden.

        2. Geordnete Auflösung der Eurozone:

        Es wird sie nicht geben, weil es keine Regeln dafür gibt, z. B. kein vereinbartes Verfahren für die „Abwicklung“ eines Landes, wenn es pleite ist. Es werden auch keine Regeln dafür zu schaffen sein, weil die Schaffung ein Signal für die Auflösung wäre und alle sich darauf einstellen würden mit der Folge, dass es vermutlich zu einer ungeordneten Auflösung käme. Die Gläubiger-/Schuldnerbeziehungen sind nicht einvernehmlich zu regeln.

        3. Willkürlich herbeigeführte Auflösung der Eurozone:

        Sie ist möglich, wenn ein Land ohne Wenn und Aber und ohne Beachtung rechtliche Verpflichtungen „kündigt“ und austritt. Es wird eine derartige Auflösung nicht geben, weil niemand die Verantwortung für das daraus folgende Desaster übernehmen will. Auch die Bevölkerungen werden es nicht wollen, weil sie ahnen, dass die Folgen sie überfordern könnten.

        4. Weiter so-„Rettung“ der Eurozone:

        Mehr oder weniger ungeordneter Zerfall der Eurozone weil diesem Verfahren irgendwann POLITISCH die Ressourcen vorenthalten werden. Auflösung der EU, weil die Turbulenzen des Eurozonen-Zerfalls extreme Fokussierung auf nationaler Ebene erfordern. Unter dem Zwang, internationalem Druck zu begegnen, zügiger Aufbau von supranationalen Einheiten relativ homogener Beschaffenheit mit dezidierten, aber begrenzten gegenseitigen Verpflichtungen, etwa: Zusammenarbeit der Niederlande, Deutschlands und Österreichs bei der Abwehr unerwünschter Zuwanderung.

        5. Unfallbedingte Auflösung der Eurozone:

        Damit meine ich Situationen, in der nationale politische Kräfte nicht mehr in der Lage sind und supranationale nicht in der Lage versetzt werden können – nationale Souveränität ist unantastbar –, die Dinge zu kontrollieren. Dann würden die Märkte Mechanismen in Gang setzen, die in quasi einer Kündigung enden. Die Ansätze gibt es, Italien ist auf dem Weg.

        Fazit:

        Das 1., 2., 3., auszuschließen sind, bleiben nur 4. und 5.

        Hier ist keine Voraussage möglich, welche der beiden Alternative zum Zug kommt.

        Aus deutscher Sicht ist 4. mit fortwährenden Transferverpflichtungen nicht durchzuhalten.

      • Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Ja, eine geordnete Auflösung der Eurozone ist nicht möglich und auch nicht wünschenswert. Das ist allen Verantwortlichen bewusst.

        Zum Thema Inflation: Sie ist dann kein Problem, wenn die Einkommenssteigerungen höher sind als die Inflationsrate. Und höhere Inflation kommt von höherer Nachfrage und von höheren Kosten. Höhere Kosten sind vor allem die Folge von höheren Löhnen. Wieso sollte dann eine Inflationsrate von 4 bis 5 Prozent für einen Zeitraum von 5 bis 10 Jahren für die deutsche Bevölkerung problematisch sein? Solche leicht erhöhten Inflationsraten gab es auch schon zu Bundesbankzeiten.

        2 bis 3 Prozent Inflation werden über ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld initiiert (Paul C. Martin wollte dies über eine Münzgeldseigniorage erreichen), die anderen 2 bis 3 Prozent über höhere Löhne. Somit liegt der Anpassungsdruck nicht alleine auf den Schultern des Südens, sondern die LB-Überschussländer tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei und korrigieren somit ihre Unterschreitung des Inflationsziels. Der Süden muss somit keine weitere desaströse Austeritätspolitik betreiben und kann vor allem sukzessive seine Schulden tilgen.

        Gleichzeitig wird ein großes Investitionsprojekt gestartet: Aufbau eines europäischen Energienetzes für den Einstieg in eine solare Kreislaufwirtschaft sowie schnelles Internet. Die Mittel hierfür kommen von der Europäischen Investitionsbank, die Refinanzierung erfolgt über den Interbankenmarkt und somit de facto zu einem Zinssatz nahe der Einlagefazilität; also z. Z. so um die -0,3 Prozent. Jetzt muss nur noch einer dem Scholz erklären, wie der Interbankenmarkt funktioniert.

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Zu Inflation in Deutschland:

        Inflationsraten von 4 bis Prozent über einen längeren Zeitraum werden hierzulande nicht gewollt und daher würde keine Regierung sie überleben. Sie würden zudem die sozialen Spannungen erhöhen.

        Gründe:

        Zum einen würden die Einkommen von Geringverdienern und Selbständigen nicht entsprechend zunehmen und Hartz IV-Empfänger müssten mit nominal höheren Beträgen unterstützt werden, was auch bei möglicherweise nominal höheren Steuereinnahmen kaum durchzusetzen wäre. Außerdem würden die Arbeitnehmer zumindest in den exportstarken Branchen bei den erforderlichen Lohnerhöhungen nicht mitmachen. Sie wissen nur zu genau: Lohnsteigerungen sind Kostensteigerungen, die wiederum ein Anreiz sind, im Ausland statt in Deutschland zu investieren.

        Ich bin damit wieder bei meinem Credo:

        Das Eurosystem stabilisierende Maßnahmen wie eine höhere Inflationsrate bei uns wird es nur dann geben, wenn sie NATIONAL verträglich sind.

        An DIESER Bedingung wird das Eurosystem scheitern.

        Bei uns ist es die Inflationsrate, woanders ist es anderes, was national nicht verträglich ist.

        Zu Bürgergeld:

        Ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld wird es bei uns nicht geben. Ich sehe weit und breit keine Stimme von Gewicht, die dafür den Finger hebt.

        Ein Bürgergeld gibt es allenfalls dann, wenn bei einem realwirtschaftlichen Crash alles am Boden liegt – und vermutlich gibt es das Bürgergeld dann auch nur einmal.

        Zu großes Investitionsprojekt:

        So etwas könnte noch am ehesten kommen, weil es sich gut verkaufen lässt. Gegen „Investitionen“ hat schließlich niemand etwas. Nur wird das nichts. Denn es geht schließlich nicht um irgendwelche wirtschaftlich erforderlichen Infrastrukturprojekte, sondern um Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. Noch nicht einmal für derartige Strohfeuerprojekte taugt der Ausbau eines europäischen Energienetzes oder der Aufbau eines schnellen Internets. Und wenn irgendein Dorf in Italien ans Stromnetz oder Internet angeschlossen wird, kann es bereits von den Bewohnern verlassen worden sein.

      • RW sagte:

        Nachdem nun der G7-Gipfel zu einem G6-Gipfel mutiert ist, die Äußerungen von Trudeau als Gipfelgastgeber waren nur der formale Anlaß, hat Trump nun freie Bahn, die nächsten Zollschritte umzusetzen. Wen wird es treffen? Deutschland mit seiner exportlastigen Industrie und dabei insbesondere seine Fokussierung auf die Autoindustrie. Gibt es ein kurzfristiges Gegengewicht? Nein, denn die Europäer und auch Deutschland besitzen anders als Chinesen und Japaner keine amerikanischen Staatsanleihen in Billionenhöhe. Mit anderen Worten: Europa und damit der Euro stehen ziemlich nackt da, zumal es jetzt Deutschland mit seiner exportlastigen Wirtschaft an den Kragen gehen wird. Was also tun? Der Binnenmarkt muss angekurbelt werden und vor allem strukturell modernisiert werden. Hier kommt Deutschland mit oder ohne Merkel eine entscheidende Rolle zu. Wer könnte das mitfinanzieren? Man sollte mal bei Chinesen und Japaner anfragen, denn diese müssen sich angesichts der Trumpschen Politik vom Dollar emanzipieren. Die explizite Nennung von Japan in der Regierungsfragestunde diese Woche durch Merkel dürfte in diese Richtung deuten. Dies dürfte langfristig auch die Dominanz des Dollars als globale Leitwährung schwächen. Und dies würde vielen sehr gelegen kommen.

      • ikkyu sagte:

        @Stöcker

        Zitat:
        „Gleichzeitig wird ein großes Investitionsprojekt gestartet: Aufbau eines europäischen Energienetzes für den Einstieg in eine solare Kreislaufwirtschaft sowie schnelles Internet.“

        In der Realität lieferte dieser Solar-Traum dann solche Ergebnisse:

        „Das erst vor vier Jahren gestartete Solar-Abenteuer dürfte Siemens am Ende rund eine Milliarde Euro gekostet haben.“

        http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/siemens-schliesst-solarsparte-a-906077.html

        Aber wenn Geld nichts mehr kostet, kann man natürlich in jeden Schmarrn investieren.
        Was Sie hier proklamieren war schon immer der Traum von jedem (Öko)-Sozialisten:
        Der allwissende Staat (oder der Ethik-Rat?) entscheidet, wo und in was investiert wird.
        Rentabilität ist nebensächlich.
        „Böse“ Investitionen werden von vornherein ausgeschlossen.

        Was „wir“ jetzt nur noch brauchen, ist eine ganz große Behörde (zusätzlich zu den bereits vorhandenen 50.000 Bürokraten) in Euroland, die diese ganzen Investitionen plant, lenkt und überwacht. Gell?

        P.S.:
        Als Literatur zur Bekämpfung Ihrer offensichtlichen Wissensdefizite im Bereich Energieversorgung empfehle ich das Buch von Prof. Pelte:

        https://www.amazon.de/Zukunft-unserer-Energieversorgung-Dietrich-Pelte/dp/3658058145

        Aber Vorsicht! Das ist kein Ökonomen-Geschwurbel sondern exakte Naturwissenschaft.

  1. SB sagte:

    „Da Letzteres der Fall ist, bleibt wohl nur die nüchterne Erkenntnis, dass die Umstellung auf Vollgeld der Eurozone einen Neustart ermöglichen könnte, jedoch nichts an der Unfähigkeit der politischen Akteure ändert.“

    Solange die Politik die Möglichkeit hat, bei Bedarf (also im Krisenfall) Einfluss auf die Zentralbank zu nehmen, ihr die Möglichkeit zur Einflussnahme also nicht komplett verwehrt ist, wird sie diesen Einfluss auch wahrnehmen. Dies gilt unabhängig vom bestehenden Geldsystem, also auch für Vollgeld. Dieser Umstand leitet sich aus den Regeln der Demokratie ab, die Mehrheiten nur für die Partei sichert, welche die vollmundigsten Wahlversprechen macht (womit wir wieder beim Thema Umverteilung wären).

    Eine ähnliche Machteingrenzung der Politik wäre es, feste Steuer-, Gebühren- und Beitragssätze zu bestimmen und die Möglichkeit von Sonderopfern auszuschließen. All diese Maßnahmen würden die Handlungsmöglichkeiten der Politik im Sinne von „noch mehr Geld für dieses und jenes“ stark begrenzen. Sie würde damit im Verhältnis zum Bürger unwichtiger und könnte weniger zu ihrem eigenen Vorteil und dem der von ihr präferierten gesellschaftlichen Gruppen agieren. Deshalb darf auch niemand erwarten, dass solche machtbegrenzenden Vorschläge aus der Politik heraus kommen oder gar von ihr beschlossen würden, denn sie würde sich selbst entmachten und somit andererseits die Eigenverantwortlichkeit des Bürgers stärken. Das widerspräche explizit dem „zeitgemäßen“ Verständnis des Geschäftsmodells Politik.

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  2. Hansjörg Pfister sagte:

    „jedoch nichts an der Unfähigkeit der politischen Akteure ändert.“
    Das ist der springende Punkt, auf den ich immer hinweise. Unsere Parteiendemokratie ist dysfunktional. In ihr machen vorwiegend solche Gestalten Karriere, die für ihr jeweiliges Amt intellektuell und charakterlich gar nicht geeignet sind. Entweder wir reformieren unser demokratisches System von Grund auf (Ideen dazu habe ich schon) oder es schafft sich über kurz oder lang selbst ab.

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  3. weico sagte:

    Im Prinzip hat ja schon James Steuart,vor über 200 Jahren,(praktisch) ALLES zu Theorie der Geldwirtschaft bzw. zum Thema „Geld“ gesagt.
    Unbegreiflich,wie sich Politiker und „Wirtschafts“Leute im Kreise drehen und immer neue Blabla-Erklärungen hervorkramen …
    Schön dargestellt werden Steuart’s Ansichten im pdf-Aufsatz von Stadermann/Steiger
    Link: http://www.raute.de/index.php?section=downloads_show&ID=810

    Antworten
  4. Thomas sagte:

    >Ich selbst bin bei dem Thema hin und her gerissen. Ich sehe den Nutzen der Vollgeld-Lösung, traue jedoch unseren Notenbanken nicht.

    Trauen Sie den Menschen nicht. Wir benötigen eine irgendwie geartete Vielfalt und Wettbewerb auch beim Geld. Alles andere funktioniert nicht dauerhaft. Die Ideen zur „Monetativen“ und Regeln zur Geldschöpfung sind alle gut und schön, solange es nicht ums Geld geht.

    Der größte Alptraum wäre eine zentral gesteuerte Welt-Währung und komplette Abschaffung des Bargeldes und Verbot alternativer Zahlungsmittel.

    Insofern sehe ich die Nationalwährung auch nicht als Rückfall, sondern als stabilisierendes Element. Von mir aus machen wir eine parallele Handelswährung in der EU. Dann kann jedes Land nach seinem Stil inflationieren oder Wertbeständigkeit schaffen und für den internationalen Handel hat man den gemeinsamen Nenner. Ich denke, damit wären die Europäer besser beraten.

    Und im Zeitalter von Big Data und selbstfahrenden Autos soll da keiner was von „technisch zu kompliziert“ erzählen. Zudem: Auf eine Zahl mehr auf Produkten neben Preis, Menge, Preis pro kg, Kalorien, Zucker, Fett, Protein und Salz oder Preis nach 12 Monaten abzüglich Neukundenbonus mit ** kommt es auch nicht mehr an.

    Antworten
  5. Jens Happel sagte:

    Danke für den Artikel.

    Ich glaube die Menschen würden dem Vollgeld trauen, da die meisten eh glauben die Banken seien Intermediäre.

    Ich möchte zum Vollgeld noch ergänzen, das viele Regulierungen wie BaselII überflüssig wären, was positiv ist, da kleinere Banken durch die bürokratischen Auflagen teils überfordert sind. In den USA sind nach dem inkrafttreten der Auflagen unter Obama viele kleine Banken geschluckt worden. Darunter leidet der Wettbwerb.

    Eigenhandel wäre unproblematisch, da die Banken das Geld dafür nicht „drucken“ können.

    Vollgeld würde auch mehr Wettbewerb unter den Banken erlauben. Da Banken an ihre Kunden Giralgeld ausgeben, sich untereinander aber nur Zentralbankgeld, bzw. Reserven hin und her schieben. Müssen Banken bei der Kreditvergabe dem allgemeinen Trend folgen sonst fliessen zu viele Reserven zu anderen Banken ab. Damit will ich sagen, dass eine Bank ausser der Bonität des Schuldners auch noch dem Trend folgen muss. Das ist dann eben auch prozyklisch.

    Ansonsten kann man es nicht oft genug betonen. Es sollte in Deutschlands vitalem Interesse sein, den Euro möglichst geräuschlos und geordnet zu beenden. Im Interesse der anderen EWU Länder dito. Eine plötzliche Aufwertung träfe unsere extrem exportlastige Wirtschaft ins Mark. Einigen Südländern droht horrende Inflation und Kreditknappheit.

    Das kann Niemaden wirklich wollen sein. Die Wirtschaft kann sich an alles mögliche anpassen, wenn sie genug Zeit dafür hat. Plötzlich ist eher schlecht.

    Schönes Wochenende

    Jens

    Antworten
    • Michael Stöcker sagte:

      „Eigenhandel wäre unproblematisch, da die Banken das Geld dafür nicht „drucken“ können.“

      Eigenhandel ist und bleibt problematisch, da die Banken als Gesamtsystem agieren. Damit kommt es zu einer symmetrischen Buchgeldexpansion (siehe Hans Gestrich: Kreditgewährung im Gleichschritt). Insofern klares Trennbankensystem mit Verbot des Eigenhandels der Kreditbanken.

      „Da Banken an ihre Kunden Giralgeld ausgeben, sich untereinander aber nur Zentralbankgeld, bzw. Reserven hin und her schieben.“

      Das gilt auch schon im aktuellen System, da es zwei strikt getrennte Geldkreisläufe gibt. Vollgeld ändert daran nichts. Hier das Erklärvideo von der Bundesbank: https://youtu.be/nIL-pOuTohc

      „Ansonsten kann man es nicht oft genug betonen. Es sollte in Deutschlands vitalem Interesse sein, den Euro möglichst geräuschlos und geordnet zu beenden.“

      Ansonsten kann man es nicht oft genug betonen: Es gibt kein geordnetes und geräuschloses Ende des Euro. Es gibt nur Schadensminimierung im Euro.

      „Die Wirtschaft kann sich an alles mögliche anpassen, wenn sie genug Zeit dafür hat.“

      So ist es, Herr Happel. Siehe hierzu meine Antwort an Dietmar Tischer weiter oben.

      Auch Ihnen und allen anderen ein schönes Wochenende.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Jens Happel sagte:

        „Da Banken an ihre Kunden Giralgeld ausgeben, sich untereinander aber nur Zentralbankgeld, bzw. Reserven hin und her schieben.“

        Das gilt nur im Giralgeldsystem. Bei Vollgeld gibt es nur noch (Voll)Geld.

        Trennbanken halte ich in beiden Systemen für sinnvoll. Im Giralgeldsystem um so mehr. Da dort Banken mit selbstgeschöpften Geld spekulieren können. Das erhöht das Risiko erheblich.

  6. Dietmar Tischer sagte:

    >Unser Geldsystem gehört hinterfragt!>

    Aber ja doch, Hinterfragen ist immer gut.

    >Dabei lohnt es sich genau hinzusehen, ist es doch gerade unsere Geldordnung die Finanzkrisen, Eurokrise, Blasen und Crashs erst ermöglicht und dabei zu immer größeren Krisen führt>

    „Ermöglicht“ heißt:

    Was immer die URSACHEN für Finanzkrisen, Eurokrisen, Blasen und Crashs sind und waren – mit unserem Geldsystem konnten sie nicht verhindert werden.

    War das Geldsystem SELBST immer die Ursache?

    Zumindest nicht immer.

    Denn gäbe es den Euro nicht, gäbe es auch keine Eurokrise.

    >Martin Wolf, der renommierte Chefvolkswirt der Zeitung forderte schon 2014: „Strip Private Banks of their Power to create Money„ … Die Grundidee ist, den Banken das Recht zur Geldschöpfung zu nehmen und dieses nur noch der Notenbank zu überlassen>

    Die Frage ist, ob DIES die Konsequenz daraus sein MUSS, wenn auch richtig ist:

    >Dabei ist unser Geldsystem eigentlich eine geniale Erfindung, dessen wirtschaftliche Effizienzgewinne sich kaum abschätzen lassen. Das sogenannte Fiat Money war ein wichtiger Motor für die Entwicklung der modernen Volkswirtschaften. Banken sollten besser als jede zentrale Institution Risiken beurteilen können. Durch die Vergabe von Krediten gegen gute Sicherheiten, sollte das neu geschaffene Geld werthaltig und zugleich knapp sein.>

    Wenn das richtig ist – und ich bin der Meinung, dass das richtig ist –, dann ist es UNSINNIG, die Privatbanken umstandslos derart zu entmachten, dass sie nicht mehr Geld schöpfen können.

    Es wäre genauso UNSINNIG, wie nach einem Unfall mit einem „genialen“ Auto wegen des Unfalls die Automarke zu wechseln.

    >In der Praxis haben wir das System pervertiert. Konkursrisiken wurden für Banken weitgehend abgeschafft. Kredite werden überwiegend zum Kauf vorhandener Vermögenswerte – Immobilien! – und zur Spekulation verwendet. Staaten und Notenbanken haben alles darangesetzt, das System zu entfesseln. Immer mehr Kredit soll die Weltwirtschaft am Laufen halten.>

    Wenn WIR das Geldsystem pervertiert haben, dann muss man uns und nicht dem Geldsystem die URSACHE der Krisen anhängen.

    >Aus Frustration über dieses Politikversagen kann man die Befürworter der Umstellung auf Vollgeld gut verstehen. Es wäre in der Tat ein überlegenes System, ist doch die Geldversorgung einer Wirtschaft ein öffentliches Gut.>

    Frustration ist kein Ratgeber für Krisen ausschließende Lösungen.

    Ein ÜBERLEGENES System wäre Vollgeld nur dann, wenn es Pervertierungen durch uns ausschließen würde.

    DARAN hätten die Befürworter von Vollgeld zu arbeiten, wenn sie einen breiten Konsens für die Umstellung des Geldsystems erzielen wollen.

    >Entschuldung für die Eurozone … Hier kann die Umstellung auf Vollgeld helfen …Letztlich handelt es sich um eine „Monetarisierung“ der bestehenden Schulden.>

    Soweit, so gut:

    Mit dieser Funktionalität von Vollgeld kann

    a) das bestehende Schuldgeldsystem insoweit saniert werden, dass es wieder funktionsfähig ist – und warum nicht unter GRUNDLEGEND geänderten BEDINGUNGEN

    oder

    b) die Voraussetzung für ein anderes Geldsystem, also Vollgeld geschaffen werden.

    >Bei der Umstellung auf Vollgeld könnte jedoch glaubhafter gemacht werden, dass es sich um eine einmalige Aktion handelt und nicht um den Einstieg in eine dauerhafte Finanzierung des Staates durch die Notenbank.>

    Wodurch könnte das glaubhafter gemacht werden, wenn b) erfolgt?

    >Lediglich das laufende Geldmengenwachstum würde über die Zuweisung von Geld an den Staat erfolgen. Alternativ und noch besser wäre die Zuteilung an jeden Bürger direkt.>

    Das ist eine HEROISCHE Annahme.

    Wenn der Staat seine Notenbank für die UMFASSENDE Entschuldung einsetzen kann, ist die LOGISCHE Schlussfolgerung, dass er sie für JEDES andere Finanzierungsproblem einsetzen können müsste und für mich als Bürger: speziell für MEINE Finanzierungsprobleme.

    Ich glaube, es ist nicht allen klar, dass der Staat als Entscheider über eine derartige, erfolgreich durchgeführte Entschuldung mit enormen politische ANSPRÜCHEN konfrontiert werden würde.

    >Die offene Frage bleibt, ob ein solches System das Vertrauen der Bevölkerung genießen würde.>

    Selbstverständlich, wenn das neue System WEITERHIN geldpolitische Wunder vollbringen kann.

    Antworten
    • Jens Happel sagte:

      „Wenn WIR das Geldsystem pervertiert haben, dann muss man uns und nicht dem Geldsystem die URSACHE der Krisen anhängen. “

      Sie teilen da dem Geldsystem ein eigenes Wesen zu. Es ist aber nur ein Werkzeug. Wenn es nicht funktioniert muss es verbessert werden.

      Hierbei ist es an die Realitäten anzupassen. Leider zeigt die lange Geschichte des Geldes, das Fiat Geldsysteme immer irgendewann kollabiert sind.

      Was IMHO daran liegt, dass der Mensch zu häufig gierig und masslos ist. Ein Geldsystem, dass immer wieder kollabiert weil der Mensch so ist wie er ist, ist reformbedürftig.

      Es ist der grosse Fehler der ökonomischen Theorien, dass sie vorraussetzen, dass der Mensch rational ist.

      Die Verhaltensforschung, die Geschichte und die Werbung zeigen uns ständig, dass der Mensch zu häufig irrational handelt.

      Wir sollten unsere Wirtschaftstheorie daran anpassen.

      In der Politik haben wir das gottlob getan. Theoretisch wäre ein weiser, objektiver Herrscher ein effizienter Staatenlenker. Die gibt es aber nicht, weshalb wir die Gewaltenteilung haben.

      Mfg Jens

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Jens Happel

        >Sie teilen da dem Geldsystem ein eigenes Wesen zu. Es ist aber nur ein Werkzeug. Wenn es nicht funktioniert muss es verbessert werden.>

        Ich habe mich bezüglich des pervertierten Geldwesens auf eine Aussage bezogen, die – wenn Sie so wollen – zwischen uns, den Nutzern des Werkzeugs und dem Werkzeug (Geldsystem) unterscheidet und das Fiasko UNS zuschreibt. Ich halte diese Auffassung keineswegs für abwegig und meine, dass wir uns schon fragen müssen, was wir tun und wollen, statt wie die Kinder immer gleich nach einem neuen Spielzeug zu greifen.

        Ob das Werkzeug an sich fehlerfrei funktioniert in dem Sinn, dass es – unbeachtlich unseres vermeintlichen Pervertierens – durch seinen immanenten Mechanismus selbst NICHTS „falsch“ machen, also ohne Pervertierung zufriedenstellend funktionieren würde, sei einmal dahingestellt. Und ob es nicht ein besseres Werkzeug gäbe, selbst wenn das benutzte an sich zufriedenstellend funktioniert, ist nochmals eine andere Sache.

        Also nicht so hastig, erst einmal fragen, WO etwas zu verbessern ist.

        >Ein Geldsystem, dass immer wieder kollabiert weil der Mensch so ist wie er ist, ist reformbedürftig.>

        Nicht unbedingt.

        Der Mensch kann sein, wie er will, er MUSS nur die KONSEQUENZEN seines Handelns hinnehmen.

        Wenn er oder seine Bank pleitegehen aufgrund SEINES „so seins, wie er ist“ und er akzeptiert das, ist das systemisch betrachtet in Ordnung.

        Das will er aber nicht – und genau das ist zumindest Teil des Problems:

        Das Geldsystem soll NUR liefern und leisten, was WIR uns WÜNSCHEN, ihm innewohnende Korrekturmechanismen werden „abgeschaltet“, weil sie schmerzhaft sind.

        Ist das Geldsystem neutral in dem Sinne, dass es nur die von ihm geforderten Operationen ausführt, ist es vielleicht nicht optimal, aber keinesfalls zu bemängeln.

        Wenn man der Auffassung ist, dass REGULIERUNG erforderlich ist, um Ergebnisse, die nicht wünschenswert sind, weil sie unbeteiligte DRITTE treffen, muss man eingreifen und entweder die Handlungsoptionen von Menschen beschränken und/oder in das Geldsystem anpassen.

        Letzteres könnte durch ein Trennbankensystem erfolgen, so dass Bankpleiten keine direkten Auswirkungen auf die Realwirtschaft haben.

        Die Menschen könnten weiterhin rational handeln.

        Das alles hat per se nichts mit der Wirtschaftstheorie zu tun, jedenfalls müssen wir sie nicht aufgrund solcher Überlegungen ändern. Geändert müsste sie werden, wenn sie bezüglich eines bestimmten realen Geldsystems Defizite aufweisen würde.

        Es stimmt, dass wir politisch-gesellschaftlich mit der Gewaltenteilung gut gefahren sind.

        Aber eine großes ABER:

        Das gilt nur für Zeiten wirtschaftlichen Wachstums.

        Wenn es langanhaltende Stagnation mit tiefgreifender Dysfunktion wie in der Eurozone oder gar Depressionen gibt, dann kann es ganz schnell damit vorbei sein.

        Man braucht nicht ewig weit zurück in die deutsche Geschichte zu blicken, um zu erkennen, wie mühelos unter tatkräftiger Mitwirkung von ihr gegenüber verpflichteten staatstragenden Akteuren die Gewaltenteilung beiseite geräumt wurde.

  7. Azius sagte:

    @ Dietmar Tischer
    Nach der vorzeitigen Abreise Trumps vom G6+0-Treffen in Kanada wird immer klarer,
    was Trump geopolitisch von dieser Vereinigung hält.
    Mit dem Vorschlag einer zollfreien Zone, hat er den €ropäern so richtig vors Handels-Schienbein getreten.
    Und wer Putin ausgrenzen will, verkennt die Lage.
    Er hat den G6 was mit roter Tinte ins Hausaufgabenheft geschrieben und Tschüss gesagt.
    Für die €U wird sich das Chaos-Szenario weiter verstärken.
    Eine zollfreie Zone wäre für die Export-€U ein Desaster.
    Er hat eine G6 mit Schnapp-Atmung zurückgelassen.

    Und vor Gegensanktionen hat er eindringlich gewarnt!!
    Da ist alles vorbereitet.

    Conte hat sich, was Putin betraf, hinter Trump gestellt.
    Sollte ein Treffen zwischen Trump und Putin in Österreich stattfinden, werden die Umrisse
    noch klarer, welche globale Rolle eine €U in Zukunft noch spielen darf.

    Die großen globalen Machtzentren sind erkennbar: China, USA und Russland.

    5. Unfallbedingte Auflösung der Eurozone wird damit weiter zunehmen.
    Vor allem mit dem jetzigen Personal!!!!!

    Die €U kann sich aus meiner Sicht nur retten, wenn sie einen globalen Schwenk in Richtung Osten macht, mit allen Konsequenzen.

    Antworten
  8. Azius sagte:

    „Für den Euro könnte sie die letzte Rettung sein.“ bto.
    Warum Rettung?
    Für wen soll hier was gerettet werden?
    Wer soll wie über diese Rettung breit informieren und aufklären?
    Wer soll die Rettung exekutieren?

    Will der Michel z.Z. überhaupt eine Rettung?
    Sieht er eine „Rettung“ sogar als Bedrohung?

    Was ist Vollgeld für den Michel?
    Volle Einkaufswagen?
    Volle Kreditlinie?
    Voller Genuss – auf Pump oder alimentiert?
    High-Performance für Tittytainment?

    Seriöse Geldtheorie bleibt damit für den Michel ein Angriff auf sein Ego.
    Und wer legt sein Ego freiwillig ab?

    Antworten
  9. Heinz sagte:

    Krise ist immer auch eine Chance. Das Vollgeldsystem ist sicher keine Lösung, weil nicht deppensicher. Vielleicht könnt es funktionieren, wenn wir Menschen verantwortungsbewusste und rational handelnde Wesen wären. Sind wir aber nicht: wenn wir verantwortungsbewusst handeln, sind wir nicht rational und umgekehrt.
    Die Lösung im Geldsystem ist meiner Ansicht nach einfach und im Sport zu finden. Bayern München konkurriert nicht mit einem Verein Gruppenligaverein, wie SV 1913 Niederhausen. Das Ligasystem im Fussball funktioniert weltweit und ist, der FIFA zum Trotz, relativ korruptionsresistent. Was spricht also dagegen, einen Süd- und einen Nordeuro zu etablieren, mit fixen Wechselkursen? Von mir aus sogar 3 verschiedene Euros? Diese Lösung würde ich sogar bevorzugen.
    Diese „schwächeren“ Eurowährungen würden dann automatisch um 3 oder 6% pro Jahr zur Euro1 Währung abwerten, was in diesen Ländern unabdinglich eine entsprechende Inflation hervorrufen würde. Es gibt also nicht eine Nationalbank für den Euroraum, sondern deren Drei, von mir aus auch auf Vollgeldbasis.
    Ich meine ein Ligasystem wäre sogar die Antwort auf die Globalisierung insgesamt. Zur Zeit matchen sich wirtschaftliche und politische Schwergewichte, wie Deutschland, mit Zwergen wie Kenia oder Kongo. Die haben keine Chance. Ein Fliegengewicht, selbst wenn Weltmeister und noch so agil, kann gegen einen Schwergewicht nicht bestehen. Ein Treffer des Schwergewichts reicht aus um das Fliegengewicht für immer auf die Matte zu schicken. Der Traum von David und Goliath ist nur ein Traum, in funktioniert in der Realität nicht.
    Fairness bedeutet, dass nur annähernd gleichstarke Gegner sich messen. Ein solches System hätte durchaus politische Sprengkraft, weil ein solches System die Dollardominanz des jetzigen Systems brechen würde. Ich könnte mir vorstellen, dass sich Schwellen- oder Entwicklungsländer „freiwillig“ einem solchen System anschließen würden, wenn es entsprechende Euro4 bis Euro5 Systeme gäbe.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Heinz

      > … wenn wir verantwortungsbewusst handeln, sind wir nicht rational und umgekehrt.>

      Verantwortung zu haben bzw. mit Handeln zu übernehmen, heißt:

      SICH das Handeln und die Ergebnisse des Handelns zuzurechnen, EGAL ob man rational oder irrational gehandelt hat.

      Verantwortung zu übernehmen, kann des Weiteren VOR dem eigentlichen Handeln auch heißen, ein bestimmtes Ziel in Abwägung der Konsequenzen des Weges dahin und Zielsituation zu bewerten.

      Rational zu sein bzw. zu handeln, heißt:

      Von einer Situation aus zu versuchen, überlegt kalkulierend ein Ziel zu erreichen.

      Demnach:

      Verantwortung wahrzunehmen und Rationalität einzusetzen muss kein Gegensatz sein.

      >Fairness bedeutet, dass nur annähernd gleichstarke Gegner sich messen.>

      Das ist falsch, weil es mit „nur“ und „Gegner“ jegliche KOOPERATION ausschließt.

      Als China noch schwach war, haben die Industrienationen es dem Land ermöglicht, zu kooperieren.

      Es war China gegenüber FAIR, es seiner Bevölkerung zu ermöglichen, in einem System des kooperierenden Wettbewerbs, in dem man selbst zu Wohlstand gekommen ist, ebenfalls zu Wohlstand zu kommen. Dass es für die Industrienationen auch vorteilhaft war und es unterm Strich immer noch ist, allerdings nicht für alle ihrer Menschen, nimmt der Fairness nichts.

      Antworten

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