„Deutschland vor dem Abschwung“

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Dieser Kommentar erschien bei manager magazin online:

Der Economist ist zweifellos eine der besten Zeitschriften der Welt: fundierte Artikel, teils süffisanter britischer Stil und herausragende Titelbilder. In einer Branche, die mit dem Niedergang kämpft, ist er einer der wenigen Leuchttürme.

Doch auch der Economist ist nicht frei von Fehlern. Geradezu schon chronisch ist der Titelbildindikator: Wenn sich eine Titelgeschichte des Economist einer bestimmten Entwicklung zuwendet, kann man getrost davon ausgehen, dass eine Trendumkehr bevorsteht. Dabei ist der Economist nicht alleine. Legendär sind zum Beispiel der Bild-Titel zur Zeit des New-Economy-Booms („Jetzt werden alle reich mit Aktien“) oder die SPIEGEL-Geschichte zum Gold. Beide erschienen kurz vor der Trendwende, nachdem Aktien bzw. Gold schon jahrelang gestiegen waren.

Im Falle des Economist waren es sowohl Fehlprognosen bei Gold und Öl, aber auch beim Dollar. Pünktlich zum Höhepunkt der US-Dollar-Stärke im Dezember 2016 inszenierte das Magazin George Washington als Bodybuilder mit dem Titel „Why a strengthening dollar is bad for the world economy“, nachdem der Dollarindex in den sechs Monaten zuvor 13 Prozent gewonnen hatte. Kurz darauf kam die Trendwende. Der Dollar wertete gegen alle Währungen deutlich ab, selbst den krisengeschüttelten Euro.

Deutschland auf dem Titel

Besorgniserregend muss deshalb stimmen, dass Deutschland Gegenstand der aktuellen Ausgabe ist.: „Why Germany`s current-account surplus is bad for the world Economy“  Gezeichnet wird dabei das Bild eines Landes, das strukturell in gesellschaftlichem Konsens auf Exportüberschüsse zur Sicherung von Arbeitsplätzen setzt und sich uneinsichtig bezüglich der Folgen für den Rest der Welt zeigt. Damit verbunden ist die Annahme, dass auch in Zukunft keine Änderung dieser Haltung zu erwarten ist, weil sich alle Akteure in Deutschland uneinsichtig zeigen.

Bekanntlich sehe auch ich die deutschen Außenhandelsüberschüsse sehr kritisch. Es ist nicht in unserem Interesse, in einer überschuldeten Welt immer mehr Forderungen aufzubauen (siehe: Deutschland wirtschaftet wie die Eichhörnchen).

Ernste Gefahren für Deutschland

Es ist eine zweifelhafte Ehre, auf dem Titel des Economist zu stehen, dennoch kann es aber gut sein, dass dies, einer Trendwende in Deutschlands Volkswirtschaft vorausgeht – so, wie es schon bei vergangenen anderen Economist-Titeln und Ereignissen passierte. „The sick man of the Euro“-Geschichte aus dem Jahr 1999. Es dauerte dann zwar noch ein paar Jahre, aber die Trendwende kam, und zwar so massiv, dass wir heute wie der ökonomische Superstar gefeiert werden. Übrigens nicht ganz zu Recht. Rekordtiefe Zinsen, ein (immer noch) viel zu schwacher Euro und ein anhaltender Verschuldungsboom in der Welt erlauben uns erst einen Aufschwung, der weniger von Produktivitätsgewinnen als von billiger Arbeit getragen wird. Doch das hindert unsere Politiker seit Jahren nicht daran, Reformen zu verschleppen. Statt die Grundlagen für künftigen Wohlstand zu legen, verteilen sie lieber soziale Wohltaten, die dauerhaft nicht bezahlbar sind. Gerade die letzten zehn Jahre erweisen sich bei nüchterner Betrachtung als Wohlstandsvernichtung der dramatischsten Art (Wie Deutschland seinen Wohlstand verschleudert).

Die Basis für unseren wirtschaftlichen Niedergang wurde so bereits gelegt. Selbst ohne außerordentliche Ereignisse ist absehbar, dass alleine aufgrund der demografischen Entwicklung, der eklatanten Mängel im Bildungswesen und der unzureichenden Investitionen von öffentlicher und privater Seite die besten Jahre hinter uns liegen. Gut möglich, dass in nicht allzu ferner Zukunft Frankreich – heute noch herablassend belächelt – den Ton in der wirtschaftlichen Entwicklung angibt.

Autoindustrie vor der Krise

Dachte ich bisher, es wäre nur Unwissenheit der Regierenden, weshalb sie die auf Dauer schädliche Politik betreiben, so komme ich mittlerweile zu dem Schluss, dass sie es wissentlich tun, weil der kurzfristige Erfolg an der Wahlurne mehr zählt, als das, was richtig ist für die langfristige Entwicklung des Landes. (Ich weiß, das klingt naiv.)

Angela Merkel weiß nämlich sehr wohl um die Risiken, wie der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe berichtet („Merkel sieht schwarz für die deutsche Autoindustrie“).Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) räumt der deutschen Automobilindustrie offenbar keine guten Überlebenschancen ein. Beim Europäischen Rat Ende Juni malte sie die Zukunftsaussichten von Deutschlands wichtigstem Industriezweig mit rund einer Million Beschäftigten in düsteren Farben. Jeder wisse, dass die Autoindustrie in ihrer heutigen Form nicht überleben werde.“

Da fragt man sich natürlich, ob die richtige Antwort nicht ein beherztes Eingreifen wäre. Glaubt man wirklich an den technologischen Wandel, so muss man die traditionellen Anbieter nicht schützen, sondern stattdessen geplant so unter Druck setzen, dass sie kein Spiel auf Zeit mehr wagen. Jedes Signal, dass es doch noch länger gut geht mit Diesel und Benzin, führt nur dazu, dass die notwendigen Anpassungen verschleppt werden. Noch ist die Marktstellung der deutschen Anbieter stark genug, um eine Anpassung zu vollziehen. In schon wenigen Jahren dürfte das anders aussehen.

Überlegungen der CSU, den Absatz von Dieselfahrzeugen steuerlich zu fördern, erinnern fatal an die Verschwendung von Milliarden für den Steinkohlebergbau. Besser wäre es, wie bei den Banken vorexerziert, alte Geschäftsteile in separate Gesellschaften auszugliedern und dort geordnet abzuwickeln, damit man sich mit voller Kraft auf die neuen Technologien fokussieren kann.

Die Bedrohung ist real

Gerne wird – gerade in Deutschland – darauf hingewiesen, dass es noch lange zu keinem Umstieg auf die Elektromobilität kommen kann. Zu gering wäre die Reichweite, zu dünn das Netz der Ladestationen, zu hoch der Preis. Abschließend wage ich das nicht zu beurteilen – und habe mir auf meinem Blog auch einige Kritik eingefangen -, doch stimmt mich die Erfahrung skeptisch. Etablierte Anbieter unterschätzen immer Geschwindigkeit und Dramatik eines solchen Wandels. Die deutsche Autoindustrie scheint dabei keine Ausnahme zu sein.

Inhaltlich sprechen nicht wenige Gründe für einen raschen Siegeszug der Elektromobilität. So rechnen Analysten der UBS vor, dass schon im kommenden Jahr, die „Cost of Ownership“, also die gesamten Kosten für Anschaffung und Betrieb eines Elektroautos, auf dem gleichen Niveau wie für ein Auto mit traditionellem Antrieb liegen werdenSchon 2025 sollen über 14 Millionen Elektrofahrzeuge weltweit verkauft werden. Das wäre zwar nur ein Anteil von rund 14 Prozent der weltweiten Automobilverkäufe, doch vor allem in den Industrieländern dürfte der Anteil deutlich höher liegen.

Tony Seba von der Stanford Universität prognostiziert, dass im Jahre 2025 weltweit keine Fahrzeuge mit traditionellen Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden. Auch das Nutzungsverhalten würde sich ändern: weg vom Besitz, hin zur Nutzung von Fahrzeugen.

Elektrofahrzeuge greifen die traditionellen Anbieter frontal an. Für einen Bruchteil des Preises hat man ein Fahrzeug, welches Fahrleistungen bietet, die sonst nur Supersportwagen erreichen. Zudem ist das Elektroauto weit weniger komplex. Der Tesla S hat 18 bewegliche Teile, traditionelle Automobile rund hundertmal so viele.

Damit steht die deutsche Automobilindustrie vor einer existenziellen Krise: Die vorhandenen Produktionskapazitäten könnten schon bald nicht mehr benötigt werden, ebenso wie ein Großteil der Zulieferteile. Werkstätten werden überflüssig. Der technologische Vorsprung der deutschen Hersteller gilt nicht mehr in der neuen Welt. Hoch technisierte Verbrennungsmotoren werden einfach nicht mehr gebraucht. Wenn überhaupt könnten Kompetenzen bei Fahrwerk und Fahrassistenzsystemen noch einen Wettbewerbsvorteil darstellen. Doch gerade beim Thema „autonomes Fahren“ droht ein weiterer Angriff aus dem Silicon Valley.

Alptraumszenario für die deutsche Volkswirtschaft

Kommt es zu dieser Entwicklung, ist eine tiefe Krise der deutschen Volkswirtschaft die zwangsläufige Folge. In kurzer Zeit wären die Außenhandelsüberschüsse Geschichte. Der Economist würde Deutschland als Lehrbeispiel für ein Land sehen, das sich zu abhängig von einer Branche gemacht und deren Anpassung durch falsche Politik verschleppt hat.

Dabei ist unser Track-Record nicht gut. Unsere Schlüsselindustrien haben ihre Wurzeln noch im Kaiserreich: Chemie, Maschinenbau, Automobil. Andere wie Fotografie und Unterhaltungselektronik haben wir schon verloren. Neue konnten wir nicht entwickeln. Gelingt es nicht die Automobilindustrie zu retten, gibt es nichts, was an die Stelle treten könnte.

Dass unsere Regierung sich laut Frau Merkel darauf konzentrieren möchte, „die Umstrukturierung unserer Autoindustrie in den kommenden Jahren zu begleiten und zu kompensieren“, gibt keinen Grund zur Hoffnung. Wie schon bei Euro- und Migrationskrise wird auf Durchwursteln gesetzt, statt die Probleme anzugehen. Die Begleitung des Niedergangs als politisches Programm.
→  manager-magazin.de: „Deutschland vor dem Abschwung“, 9. Juli 2017

17 Antworten
  1. Wolfgang Selig says:

    bto: „…, dass sie es wissentlich tun, weil der kurzfristige Erfolg an der Wahlurne mehr zählt, als das, was richtig ist für die langfristige Entwicklung des Landes. (Ich weiß, das klingt naiv.)
    Nein, das klingt überhaupt nicht naiv, das ist nur die Erkenntis eines Mannes, der kein Teenager mehr ist. Unser Exporterfolg ist doch genau das psychologische Problem. Wenn Frau Merkel jetzt massiven Druck auf die Autohersteller aufbaut, muss sie sich von der CSU, der Presse, den Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden, aber auch von anderen CDU-Politikern als wirtschaftsfeindlich beschimpfen lassen. Es geht m.E. nur über den Markt. Erst wenn die Kunden das den Herstellern in ihrem Kaufverhalten zeigen, wird sich etwas ändern. Leider ist die Erkenntnis der Kanzlerin, die ja bzgl. der Autoindustrie auch Ihre ist, aktuell in Deutschland meiner Meinung nach gerade nicht mehrheitsfähig. Die Leute denken in der Masse zu kurzfristig, auch vermeintlich gebildete Leute. Die Liebe der Deutschen zu Benzinern und Dieseln ist unverändert stark ausgeprägt. Das ist das gleiche Problem wie beim Kohlebergbau, der ja auch romantisch verklärt wurde, was die Strukturbereinigung stark verzögert.

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  2. Walter says:

    Es ist verblüffen, wie schnell angesichts vermeintlicher Fehlentwicklungen nach Staatsintervention und planwirtschaftlichen Verfahren gerufen wird.

    Dabei ist bei heutigem Stand der Technik die Elektromobilität unreif und unpraktikabel. Hat sich jemand einmal ausgerechnet, wie groß die Flächen neben den Autobahnen werden müssen, wenn dort hunderte Autos eine halbe Stunde zum Laden parken müssen? Mit wieviel Millionen Zapfstellen wollen wir denn die Innenstädte zupflastern und was wird deren Installtion und Wartung kosten? Wieso wird ständig behauptet, dass das alles preisgünstig sei, wenn Elektroautos wegen ihrer sündhaft teuren Akkus mit kurzer Lebenszeit in Wirklichkeit drastisch teurer sind?

    Auf der anderen Seite sind diverse Technologien kurz vor der Serienreife, die es ermöglichen, Kohlendioxid in Brenn- und Treibstoffe rückzuwandeln. Diese Entwicklungen werdne von Grüner Politik und Anhängern strikt ignoriert, weil es nicht ins ideologische Konzept passt.

    Bei allen ökonomischen Fehlentscheidungen wird im Artikel gesagt, dass Parteien und Regierungen aus Unbedachtheit und Inkompetenz Fehlentwicklungen angestossen habebn. Ja richtig, aber jetz noch mehr davon? Zentralismus und Zwangsmaßnahmen können die Fähigkeiten der eigentlichen Spezialisten auf dem Mobilitätssektor, nämlich Industrie und Verbraucher nicht ersetzen. Dennoch werden erneut Träumereien mit dazugepackter Verbotskultur ausgebreitet.

    Miene Prognose wäre am ehesten, dass dieser etatistisch-interventionistische Politikstil am ehesten in geeignet ist, die wirtschaftlichen Fähigkeiten nachhaltig zu schwächen. DDR light lässt grüßen.

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    • Ralph Klages says:

      D’accord. Die Industrie schon jetzt in eine unausgegorene Technologie zu zwingen, ist unangemessen und auf jeden Fall kontraproduktiv. Denjenigen, die schon jetzt Vorreiter sein wollen, kann man ja behilflich sein, Zuschüsse gibt’s ja. Mehr nicht. LG

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      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Ich habe das auf jeden Fall nicht so gemeint. Mir ging es darum aufzuzeigen, wie groß die Gefahr wär, so es denn in diese Richtung geht. Wenn man traditionelle Autos mit den E-Autos vergleicht, sieht man sofort, dass viele Komponenten in einem solchen Szenario wegfallen – und damit auch die Basis des Wettbewerbsvorteils. Es ist weder eine Prognose noch eine Empfehlung. Es ist einfach nur eine Warnung. LG DSt

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Man schreibt mir:

        die Kolumne ist wieder richtig gut. Ich teile ihre Meinung – auch wenn ein Tesla etwas mehr bewegte Teile hat (allein die Achsen haben dann doch ein paar Teile mehr) …

        Beim autonomen Fahren sehe ich allerdings die Gefahr als nicht ganz so groß. Da wird es eher darauf ankommen, was in welchen Märkten erlaubt wird. Ganz so einfach, wie sich manche Ubers das vorstellen, wirklich 100% autonom herumzufahren, ist es dann doch nicht. Da sind wir technisch als OEMs in Deutschland gar nicht schlecht, nur etwas zurückhaltender, was das Versprechen nach außen angeht. Aus gutem Grund …

        „Etablierte Anbieter unterschätzen immer Geschwindigkeit und Dramatik eines solchen Wandels.“ … das stimmt vom Prinzip für das Gesamtunternehmen.

        Es ist eine Problematik der Entscheidungsstrukturen.

        Ganz sicher gibt es in jedem gefährdeten Großunternehmen auch einzelne Mitarbeiter, die die Gefahren ganz genau sehen – und davon wiederum gibt es einige, die ihre Karriere danach ausrichten … (ich bin z.b. 2009 in die Strategieanalyse gewechselt, und dann Projektleiter des E-XX auf Basis YY geworden, weil ich genau diesen Wandel sehe!)
        … aber wie wahrscheinlich ist es, dass die Überzeugungen dieser niederen Mitarbeiter an der richtigen Stelle auch mit den dazu passenden Entscheidungen unterlegt werden?
        Genau, ziemlich unwahrscheinlich.
        Oder wie wahrscheinlich wäre es mit Erfolg gekrönt worden, wenn in einem deutschen Unternehmen der Automobilindustrie jemand so um 2008 rum einen Plan ausgerollt hätte, um einen Tesla Roadster zu bauen … und dann das Modell S … ?
        Die Investitionen sind bei normalen Modellen nicht mehr oder weniger hoch. Aber wie viele Widerstände hätte dieser Projektleiter überklettern müssen – und in wie vielen Gremien welche Entscheidungen benötigt? … zu viele …

        Also gelingt solch ein Wandel NUR DANN, wenn an der Spitze ein Entscheider sitzt, der von oben herab eine Mannschaft aufbaut, um solche neuen Konzepte zu etablieren. Siehe Reithofer bei BMW mit dem i-Projekt. … Als Reithofer weg war … war die Weiterentwicklung zu i5 & Co. erst mal Geschichte … und nun ist BMW wieder zurück auf „Los“.

        Viele Grüße

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Man schreibt mir (man beachte den konstruktiven Ansatz):

        Nachricht: Die Hype um diesen E Autohersteller aus dem größten Pleitestaat der Welt ist für mich NICHT nachvollziehbar.
        Hier ist ein sehr interessanter Artikel zum Thema:

        http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/geldanlagen-report-warnung-zum-richtigen-zeitpunkt-tesla-im-freien-fall-5570981

        Sie glauben wohl alles was in angelsächischen Zeitungen steht. Glauben Sie nicht, dass deutsche und chinesische Autobauer mit Hochdruck an E Autos arbeiten. Und wenn Porsche sein E Sportwagen 2020 vorstellt, dann gibt es da keine Fertigungsprobleme wie diesem Herrn aus Kalifornien, dessen Name mir eben entfallen ist. BYD macht sogar Gewinn und zahlt Dividende. Deren Problem: sie sitzen in China und werden NICHT gehypt. Der deutsche Michel kauft eben jeden Scheißdreck der aus USA stammt. Auto bauen war noch NIE die Stärke dieser Herrschaften. Man sieht das bei jenen Marken die von den Cowboys verkauft wurden: Volvo beispielweise hat ein attraktives Programm seit sie Geely (China) gehören und nicht mehr zu Ford. Jaguar gehört seit einiger Zeit zu Tata auch deren Autos haben eine andere, attraktive Formensprache bekommen.
        Übrigens der Plug-in Hybrid ist das bessere Antriebskonzept…

        DSt: ich habe übrigens in keinem meiner Kommentare eine Empfehlung für Tesla abgegeben.

  3. Johannes says:

    „Die Begleitung des Niedergangs als politisches Programm. “

    Chapeau!

    Eine Regierung sollte nach meinem Verständnis nicht Umstrukturierungsprozesse „begleiten“ (verstehe ich im zitierten Kontext übrigens synonym zu VERWALTEN) sondern kontinuierlich eine vernünftige und zukunftsfähige ordnungspolitische Rahmensetzung für alle Bereiches des Landes vornehmen.

    Statt dessen wird der Niedergang verwaltet, geordnet und am Ende ist die Politk wieder mal vollkommen über die „unerwarteten“ wirtschaftlichen Entwicklungen entsetzt. Die natürlich niemand hätte sehen können…

    Antworten
    • Uwe says:

      „Die Begleitung des Niedergangs als politisches Programm.“

      Sehr schön erkennbar auch in der politisch verordneten Hinrichtung unserer Energiewirtschaft und Banken. Zusammen mit der Vernachlässigung des Bildungswesens und weiten Teilen der Infrastruktur nur ein weiterer Baustein im Umbau unseres Landes.

      Mir leuchtet nur der Sinn und Zweck all dieser Maßnahmen nicht ein, von denen ja oft zu hören ist, sie werden nicht zum Vorteil unseres Landes ausgehen. Warum also tun vermeintlich intelligente, was sie tun?

      Antworten
  4. MFK says:

    Ich bin was e_mobilität angeht, nicht so pessimistisch. Jeder deutsche Automobilhersteller ist m.E. in der Lage, ein dem Tesla überlegenes Auto binnen kürzer Frist auf den Markt zu bringen, eben weil die Technik nicht so anspruchsvoll ist und weil die Kernkompetenzen vorhanden sind. Derzeit ist der Markt aber noch nicht groß genug, damit sich das lohnt. Die Alltagstauglichkeit der e_autos ist derzeit nicht gewährleistet (insbesondere Reichweite, Batterielebensdauer). Auch umwelttechnisch macht e_mobiltät erst Sinn, wenn der hierfür erforderliche Strom aus erneuerbaren Quellen kommt und die hierfür erforderliche Infrastruktur vorhanden ist. Hieran sollte die Politik arbeiten und nicht an einer Subventionierung von Dieselmotoren.

    Antworten
    • mg says:

      > Jeder deutsche Automobilhersteller ist m.E. in der Lage, ein dem Tesla überlegenes Auto binnen kürzer Frist auf den Markt zu bringen, eben weil die Technik nicht so anspruchsvoll ist und weil die Kernkompetenzen vorhanden sind.

      Ihr Wort in Gottes Ohr.

      > Die Alltagstauglichkeit der e_autos ist derzeit nicht gewährleistet (insbesondere Reichweite, Batterielebensdauer)

      Die EVs von Tesla sind voll alltagstauglich. Der Renault Zoe ist auch ganz brauchbar (etwas wenig Auto fürs Geld). Wenn die deutsche Autoindustrie tatsächlich jederzeit und kurzfristig EVs herstellen und liefern kann, dann mag Abwarten möglicherweise (!) eine sinnvolle und erfolgversprechende Strategie zu sein. Wir werden sehen. Nokia ist damit bei der Smartphone-Revolution auf die Nase gefallen und die Autoindustrie ist so etwas wie das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

      Antworten
  5. mg says:

    Im Vorfeld der Finanzkrise 2008/9 gab es zahlreiche(!) Mahner, die vor den überbewerteten Immobilienmärkten in den USA gewarnt haben. Noch gut kann ich mich an die Kolumne „Das Kapital“ in der FTD erinnern, die bereits 2001 angesichts der aggressiven Zinssenkungmassnahmen des FED über die sich dort aufblähende Immobilienblase geschrieben hat. Alan Greenspan himself hatte bereits 1997 auf eine gewisse Sorglosigkeit am Häusermarkt aufmerksam gemacht. „Das Kapital“ schrieb in den Folgejahren über die sehr geringe Risikoaufschläge an den Staatsanleihenmärkten sowie die ungewöhnlich geringe Volatilität an den Aktienmärkten und nannte das 2007 „die Ruhe vor dem Sturm“. Dass 2008 die Überschuldung von Privaten und nicht-finanziellen Firmen in eine so ausgeprägte Vertrauenskrise ins System mündete, hatte ich trotz regelmässiger Lektüre solcher Kassandras nicht auf dem Radar.

    Und so kann ich mir ehrlich gesagt auch nicht vorstellen, was passiert, wenn es erneut zu einen Margin-Call kommt. Vielleicht kommt der ja gar nicht. Vielleicht hält das Versprechen der Notenbanken ja. Vielleicht wird einfach nahezu unbegrenzte Liquidität zur Verfügung oder in Aussicht gestellt, wenn es während der inzwischen bald 10 Jahre andauernden und voraussichtlich weitere 20 Jahre anhaltenden finanziellen Repression im Fundament des Finanzsystems wackeln sollte. In den 40er, 50er und 60er hat die finanzielle Repression ja auch funktioniert.

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  6. Ralph Klages says:

    Nachfolgend ein paar Gedanken zu obigem Artikel – aus der Mittagspause ;-)

    Ja, es ist richtig, mögliche Gefahren des Standorts ins Visier zu nehmen und auch offen anzusprechen. Insofern ist Kritik incl. Selbstkritik immer angeraten, mitunter auch -schonungslos- notwendig. Wenn Qualitätsmanagement nicht zur eigenen Beweihräucherung dient, sondern solide -und faire- Verbesserungen bewirkt, dann werden auch anständige Erfolge erzielt. Jeder Betrieb und jeder Arbeitnehmer einschl. der Gewerkschaften weiß darum: „Erledige Deine Arbeit so gut es Dir möglich ist und lass nicht darin nach“, lautet oft genug der (väterliche) Rat und siehe da, mit der Zeit wurden und werden die Dinge ganz brauchbar.
    Soweit, so gut. Deshalb sind die düsteren Wolken am Ökonomiehimmel aber nicht einfach so wie weggeblasen. Schlimmer: Oft genug schlagen Krisen aus dem Hinterhalt zu, nichts ist wirklich sicher, jeder Leser dieses Blogs hats gerade in den letzten Jahren oft genug erlebt.

    Die Frage bleibt: Was ist es also, was uns doch immer wieder nach oben gezogen hat? Die unverhohlene Skepsis gegenüber Erfolg? Die schon chronische Emsigkeit? Der Ehrgeiz, sich und anderen zu beweisen? Die innere Freude am Gelingen? Der stetige Blick auf die „Anderen“? Möglichst perfekt zu sein, in leichter Gewinnerpose?

    Kurz: Es ist nicht unser -eher lausiges- Bildungswesen. Auch nicht unser Demokratieverständnis (haben wir noch immer das Führerprinzip). Unsere Empathie? Vielleicht. Die Politik bestimmt nicht.
    Aber wir sind SO, schon seit langer Zeit.
    Vielleicht sollte man sich in diesen verregneten Sommertagen mal darüber Gedanken machen, WIE wir sind – und es bleiben. LG

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Vielleicht sollte man sich in diesen verregneten Sommertagen mal darüber Gedanken machen, WIE wir sind – und es bleiben.>

      Es ist nicht falsch, dies zu tun.

      Aber vielleicht sollten wir uns auch einmal Gedanken darüber machen, was ist, wenn wir bleiben, was wir sind und andere BESSER werden als sie es heute noch sind.

      Ich weiß auch nicht, wie sich die Welt verändert, bin mir aber sicher, dass sie sich gewaltig verändern wird.

      Die Frage ist dann:

      Sind wir hinreichend gut darauf vorbereitet mit dem was wir sind, um auch gewaltige Veränderungen welcher Art genau auch immer zu bewältigen?

      Ich habe da meine Zweifel, wenn ich richtig sehe, wie wir sind.

      Antworten
  7. Dietmar Tischer says:

    >Die Begleitung des Niedergangs als politisches Programm.>

    Sie unterschätzen Frau Merkel.

    Das Wahlprogramm von CDU/CSU beinhaltet als REGIERUNGSZIEL Vollbeschäftigung bis 2015.

    Basta.

    Wenn derartige Gestaltungsmacht mit dem Segen von ganz oben in die Welt gesetzt wird, dann haben Überlegungen wie sie hier angestellt werden den Charakter von Esoterik.

    Wo ist die öffentliche Diskussion darüber, dass keine Partei dieser Welt die Vollbeschäftigung als Ziel verfolgen kann, weil es durch sie nicht beeinflussbare Umstände gibt, die Zielerreichung ausschließen? Sie kann die Bedingungen für eine möglichst hohe Beschäftigung setzen. Das ist es dann aber.

    Zur Elektromobilität:

    >Glaubt man wirklich an den technologischen Wandel, so muss man die traditionellen Anbieter nicht schützen, sondern stattdessen geplant so unter Druck setzen, dass sie kein Spiel auf Zeit mehr wagen.>

    Das nun wirklich nicht.

    An etwas glauben, ist eine Sache.

    Das was in der Realität passiert, hier die NACHFRAGE nach E-Automobilen, ist eine andere.

    Wenn der Druck dazu führte, dass das Geldverdienen mit den konventionellen Automobilen vernachlässigt würde und die Gewinne schmelzen würden bis hin zu Entlassungen, hätte Frau Merkel den Schwarzen Peter.

    Sie WILL die Elektro-Mobilität, schiebt sie auch mit Kaufprämien an, hält sich aber ansonsten zurück.

    Druck machen andere, z. B. die Vereinigten Klimaretter mit immer höher geschraubten Abgasnormen.

    Im Übrigen, hier zum Thema Energiebedarf für die E-Mobilität:

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/07/10/niemand-weiss-woher-der-strom-fuer-elektro-autos-kommen-soll/?nlid=6c6068c488

    Antworten
  8. Alfred says:

    „Der Tesla S hat 18 bewegliche Teile“ Diese Zahl haben Sie nun schon mehrfach in Ihren Blog Einträgen angeführt. Ich schätze Ihren Blog sehr, aber durch eine solche Zahl kratzen Sie unnötigerweise an Ihrer Glaubwürdigkeit. Mit Tesla S meint man ja das ganze Auto, aber mit Lenkrad (1), Türen (4), Türklinken (4), Scheibenwischer (2), Blinkhebel (1), Scheibenwischerhebel (1), Bremse (1), Gas (1), Gurte (4) sind wir bereits bei den 18 Teilen angelangt, ohne überhaupt nur außerhalb des Sichtbaren zu kommen. Meinen Sie also 18 Teile im Motor? Oder woher kommt diese Zahl?

    Antworten
  9. Kilian Wiedmann says:

    Der Wandel wird schneller passieren als alle denken. Der Kunde wird entscheiden und wie heute auch unter wenig rationalen Argumenten. Die Nachfrage wird nach E-Autos exponentiell zunehmen. Dazu ist der Wandel vom stinkenden komplexen Verbrennungsmotor hin zu einem neuen Fahrgefühl einfach zu verlockend.
    Wenn sich ein technologischer Wandel abzeichnet, dann möchte einfach niemand mehr ein altes Gerät. Beispiele gefällig: Smartphone, Digitale Fotoapparate, Videos, CDs, Flachbildschirme (ach was haben die am Anfang auch geflimmert).
    Als letztes warnendes Beispiel für die deutsche Automobilindustrie darf man getrost in die Welt der Smartphones schauen. Technologischer Sprung, neue Hersteller mit genialen Ideen und Konzepten, Marketinghype.
    Mit der bloßen Verfügbarkeit einer moderneren Technologie aber nicht notwendigerweise hohen technischen Ausgereiftheit, wird der Restwert der alten Technik massiv gefährdet. Irgendwann schwenkt die Masse in sehr kurzer Zeit um. Bei der wirtschaftlichen Betrachtung für den Kunden darf man dem potentiellen Wertverlust seines zukünftigen potentiellen Besitzes nicht außer Acht lassen.
    Angenommen ich will mir ein Auto für 40.000 Euro kaufen. Am liebsten einen Mittelklasse Diesel vom deutschen Markenhersteller. Optional gäbe es auch ein amerikanisches e-Mobil. Zum gleichen Preis mit vielen neuen tollen wenn auch nicht ausgereiften Features. Macht nichts, das Ding hat aber einen tollen Namen, klingt modern, ist einfach hip. Der gefühlte zukünftige Wiederverkaufswert eines rational betrachteten viel besseren deutschen Mittelklassewagens geht relativ bald ins Bodenlose. Die Angst die Kiste in ein paar Jahren quasi nicht mehr loszuwerden steigt exorbitant. Und dann drohen auch noch potentielle Fahrverbote.
    Dagegen fahre ich mit einem E-Auto mit gutem Gewissen (der Dreck entsteht ja schließlich anderswo) und die permanente Autokundendienstabzocke habe ich endlich auch los. Kunden kaufen nur zu ganz geringen Anteilen komplett rational. Wenn sie es täten, dann gäbe es wohl kaum so viele Geländewagen im Stadtverkehr.
    Ergo, was schreckt mich beim Autokauf heute am meisten:
    1. Es ist eine riesige finanzielle Belastung und der Wiederverkaufswert ist deshalb ein enormes Argument.
    2. Jährlicher Kundendienst mit intransparenter Rechnung. Das sehe ich im Übrigen als eines der unterschätzen Todesurteile des Verbrennungsmotors. Kein Kunde kann doch heute nachvollziehen warum er jährlich für einen Kundendienst hunderte von Euros ausgeben soll. Für mich als Kunden ist das ein permanentes Ärgernis und vollkommen inakzeptabel und einfach nur Abzocke. Eine etwas größere Reparatur am Motor oder Getriebe geht schnell in die Tausender.
    3. Die elektronischen Komponenten (Navi) veralten relativ schnell. Ohne natürlich kostenpflichtige Updates geht gar nichts.
    Die neuen Hersteller haben erkannt:
    1. Die Software für das Zukunftsauto (Selbstfahren, Vernetzung) wird bereits heute von den großen IT Firmen vorangetrieben. Ein Autohersteller mit seiner Limitierung auf die eigenen Baureihen wird dazu nie die notwendigen Skaleneffekte erreichen. Sobald die Funktionalität und der Wert dieser Software höher sein werden als ein Blechkleid und ein schickes Interieur ist es mit der traditionellen Autoherstellerwelt ganz schnell vorbei und sie wird nur noch zum Zulieferanten.
    2. Ein großes Vertriebs- und Werkstattnetz wird es in der heutigen Form so nicht mehr brauchen. Anstatt der Werkstätten können dann Batterietauschstationen entstehen. D.h. der Platz und die Infrastruktur haben wir quasi schon bzw. der wird frei. Dort wo heute Autos zum Kundendienst rumstehen hat man den zukünftigen Platz für die Batterielager.

    Eine Industrie staatlich zu schützen ist der Anfang vom Ende. Sie allerdings aktiv zu zerstören ist dagegen mehr als idiotisch. Der Markt wird es von ganz alleine bringen wenn neue Spieler und Ideen sich frei entfalten können. Gut gemanagte Firmen werden dabei bestehen. Auch die neue Technologie bringt Arbeitsplätze und Wohlstand.

    Ein E-Auto wird für mich als Berufspendler sehr schnell zur attraktiven Alternative. All diejenigen die nur wenige Kilometer zur Arbeit fahren werden sehr schnell umsteigen. Ladestationen auf den Großfirmenparkplätzen sprießen schon jetzt wie Pilze aus dem Boden.
    Wer Wohneigentum hat, wird sich womöglich einen Stromspreicher in die Gargae hängen, den er mit Solarstrom füllt. Für die Laternenparker wird es ggf. eng.
    M.E. könnte also die Laternenparkerlobby den nicht vermeidbaren Wandel hin zur E-Mobilität in Deutschland etwas verzögern. Er wird ihn aber nicht aufhalten. Womöglich sogar durch staatlich verordneten Lastenausgleich enorm verteuern. Deutschland wird definitiv wie so oft nicht Trendsetter sein sondern der restlichen Welt hinterherlaufen. Auch hier als warnendes Beispiel der Internetausbau. Weltweit bestenfalls Mittelfeld und am teuersten. Der Staat hat mit milliardenteuren UMTS-Lizenzen die Telekomkonzerne belastet anstatt einen freien Markt wirken zu lassen. Jetzt wird mit viel Geld wieder gefördert. Tolle Logik. Wir sollten uns also auch bei der E-Mobilität nie freuen wenn der Staat „Mehreinnahmen erwirtschaftet“ oder „Überschüsse erzielt“. Er kann de facto weder etwas erwirtschaften noch erzielt er Einnahmen. Er kann nur von den Untertanen rauben.

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