Vom Handelskrieg zum Margin Call

Droht der Welt nun der Margin Call? Das ist angesichts der hohen Verschuldung im System eine rhetorische Frage. Natürlich droht der Margin Call, die Frage ist vielmehr, wann es so weit ist. Die sich verschärfende Auseinandersetzung zwischen den USA und China hätte das Zeug der Auslöser zu sein, meint zumindest IHS Markit:

  • „The world economy is vulnerable to a major housing crash that could lead to a credit crunch, analysts have warned, potentially hitting global growth far harder than the trade war or a no-deal Brexit. Property prices in China, Canada, Australia, the UK and large swathes of Europe and Asia have soared since the financial crisis, building up serious risks, (…) This would trigger a credit crunch (…).“ – bto: und damit einen Margin Call für alle jene, die auf Kredit gekauft haben.
  • „(…) if China sneezes, the rest of Asia-Pacific catches a cold. Even if China only slows down as a result of this housing sector correction, the flow-on effects to other countries could be much more damaging.“ – bto: was klar ist. Die Bedeutung Chinas für die Weltwirtschaft ist enorm und wir sehen es ja gerade auch in Deutschland.
  • The way that may begin is an escalating trade war which then turns into a wider problem for the housing market as confidence ebbs away among consumers, they don’t want to invest in additional property, and consumer spending may weaken as people become more uncertain (…).“ – bto: Und schon ist die Spirale da. 

Wie das aussieht, habe ich immer wieder beschrieben:

Auf dem Weg nach oben wirkt Verschuldung stabilisierend. Dabei haben wir mit immer mehr Krediten die Weltwirtschaft immer höher gehebelt. Doch obwohl die Zinsen faktisch auf null gefallen sind, liegen die zu erwartenden Erträge von Kapitalanlagen nur noch geringfügig darüber. Kleine Verluste können also die Märkte ins Rutschen bringen. Auf dem Weg nach unten wirken Schulden dann als Brandbeschleuniger. Knallt es irgendwo – zum Beispiel, weil wir eine Zahlungsbilanzkrise wie Ende der 1990er-Jahre in Asien bekommen – stehen die Notenbanken zwar bereit. Doch wie hier bereits diskutiert, könnte es gut sein, dass die Munition alle ist. Dann hätten wir den größten „Margin Call“ der Weltgeschichte.

→ telegraph.co.uk: „Trade war could trigger Chinese housing slump that spreads around the world“, 8. August 2019

→ think-beyondtheobvious.com: Margin Call für die Weltwirtschaft

Kommentare (9) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Thierry sagte:

    Das Thema ist der margin call. Er könnte/wird aus einer unbeachteten Ecke kommen.

    Der Goldpreis klettert unbekümmert und kontinuierlich. Der Verlauf der Tagescharts (im Verein mit dem Dollarchart) zeigt, dass da die ganz grossen Spieler um die Preismacht kämpfen. Warum wohl? Es sieht so aus als ob damit der Dollar nach oben getrieben werden soll, er will nicht auf die Bemühungen des FED oder die Wünsche Trump’s reagieren.

    Wer jetzt in Gold-ETF und ähnlichen Gold-Derivaten engagiert ist, sollte physische Auslieferung verlangen – unverzüglich! Dem Vernehmen nach laufen sechsmal soviele Derivate um, als physisches Gold zur Deckung verfügbar ist. Wer darüber mehr oder besseres weiss, möge sich melden.

    Bei diesem margin call beissen den/die letzten die Hunde. Und wer sein Gold unter eigener Kontrolle hat, wie auch immer, hat das Kontraktrisiko abgeschüttelt und nichts verloren.

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  2. Avatar
    ruby sagte:

    Einen Margin Call, der Wertausgleich, die Forderungen weiterer Sicherheiten, kann eine Zentralbank durch den Besitz des Monopol auflösen. Störungen dürfen nicht die Beherrschung und Besetzung dieser Monopole bei Finanzen, Wirtschaft, Parteien, Verwaltungen, Wirtschaftsprüfern, Rechtsexperten, Schiedsgerichten, Medienanstalten, IT-Society, Internetinfluencern, Forschungsverwertungen, Umweltinstitutsführerschaften, Thinktanks behindern.
    Bildung darf nur für selbstkontrolliertes geführtes Expertentum eingesetzt werden.
    Eigentum bei wenigen läßt alle Eventualitäten kalkulierbar sein. Wo ist diese Quote des unconditional margin call dispens in all divisions?
    Welche exakten Wirkungs- und Zusammenhangsstrukturen bilden die Prozeß-, Entwicklungsketten des Entstehungszusammenhangs der ewigen Rentierlichkeit für die Agents und ihre Shareholder all over global controlling area of importance?
    Aber vielleicht gelingt es Vermögensbildern in ihren Gemeinschaft und ihren Staatlichkeitsstrukturen Freiheit in Wohlstand zu unternehmen.

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      Alexander sagte:

      @ ruby

      >Eigentum bei wenigen läßt alle Eventualitäten kalkulierbar sein.

      Für die inländische Bevölerung des Währungsgebietes stimmt das, aber auch für die Eigentümer anderer Größmächte wie China? Die chinesische Reaktion auf die Zinssenkung der FED zeigt die Grenzen dieser Allmacht.

      Es hat etwas peinliches, dass man Hongkong proxies mit Laserpointern zu Provokationen anstiftet….weil man für die offene Konfrontation nicht mehr genug Stärke aufbringen kann.

      Ganz im Gegenteil kann der margin call als Stellvertreterwaffe genutzt werden, wenn erwachsene Großmächte den Zeitpunkt für gekommen erachten.

      Die heimsichen Bürger zu unterwerfen war einfach, aber die Rendie hält nicht lange vor.

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        ruby sagte:

        @Alexander
        Eine ganz tiefgehende Diskussion der Argumente führen wir hier, daher versuche ich so aufmerksam als mir möglich ist zu sein.
        Die 4 Billionen $ zur Rettung der EU 2008/09 durch die FED werden die US Boys mit Trump topen, dazu 1 Billion für UK. Die USA finanziert sich selber über Schulden, die aus der ganzen Welt kreditiert werden, safe haven. China + Rußland rate ich als AAB. Die können den Dollar nicht kitzeln. Gold ist limited und keine Konkurrenzwährung, never ever just gut für dessen Diaspora. Für einen Global Ruler reicht es nicht. Trade and Business wird mit allden Monopolen s.o. gemacht. Es wird kein Margin Call zugelassen – Konzertierte Aktionen. Wenn das scheitert, Deine Argumente, wird es eine Kernschmelze des Kreditgeldsystems via Notenbanken und die Geburt einer Kapitalismusevolution beyond Adam Smith und dezentral ohne monströse Leader. Welche Größe wirtschaftet Nachhaltigkeit geographis und bevölkerungtechnisch?
        1% von 11 Milliarden Menschen wird diese nicht manipulativ steuern wie Milchkühe.
        Alexander, Dein cognitive mapping der Erklärungen verstehe ich fast intuitiv, eine Überraschung jedesmal.
        Dieser Herbst wird heißt und stürmisch.

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        Alexander sagte:

        @ ruby

        Auch wenn es nicht so wirkt versuche ich vorsichtig mit vollmundigen Welterklärungsformeln zu sein. Die Daten sind gleich, nur der Blickwinkel unterscheidet sich über die Auswertung von Qellen.

        Nach Martin Armstrong „zerfällt die Weltwirtschaft von ihren Rändern zum finanzierenden Kern“. Jeder Dollar der geschöpft wurde die Finanzierungsketten zu retten und den Wechselkurs zu manipulieren, wird durch die Krise in den „safe haven“ flüchten wollen.

        2008/09 hat China durch seine Verschuldungsrunden die Anlage der ZB Rettungsmilliarden erst möglich gemacht = inländische Nachschuldner.
        Gerade geschieht das Gegenteil, China bremst (gezwungen) und Rettungsmilliarden ohne Nachfrage bewirken Prolongation ohne Realwirtschaft…wie lange hilft das?

        Wenn der Dollar an sich selbst scheitert braucht niemand zu kitzeln, unterlassene Hilfeleistung würde ich es nennen. Währungsräume abgrenzen und Brandmauern errichten, wie der Versuch eines Brexit vor der Eurokatastrophe. Dazu gehört auch militärische Souveränität…“Atommacht GB“..

        > 1% von 11 Milliarden Menschen wird diese nicht manipulativ steuern wie Milchkühe.

        Die verlorenen Kriege zeigen, dass die USA weder manipulativ noch kriegerisch ihre Stellung halten kann. Russland/China/Iran konnten sich behaupten. Nur Europa verliert.

        Wenn Heinsohn über seine Aussage zur Hyperdeflation richtig liegt und der St. Nimmerleinstag ansteht, dann kommt „die Geburt einer Kapitalismusevolution beyond Adam Smith und dezentral ohne monströse Leader“.

        Ob es diesen Herbst schon so weit ist? Ich weis es nicht.

        Danke für die Denkanstöße!

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      Thierry sagte:

      @ ruby
      „Einen Margin Call, der Wertausgleich, die Forderungen weiterer Sicherheiten, kann eine Zentralbank durch den Besitz des Monopol auflösen.“

      Ja, kann Sie, aber nicht, wenn es um Gold geht. Wer (als Staat, als Bank) da den Margin call unterlaufen will, verliert die Hosen im Laufen. Dieser Markt ist klein, empfindlich und unbeachtet, mit vielen obskuren Spielern, gerade recht, um eine Zeitbombe zu zünden.

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  3. Avatar
    Jens sagte:

    Sie schreiben:“bto: und damit einen Margin Call für alle jene, die auf Kredit gekauft haben.“

    Wenn man Immobilien auf Kredit gekauft hat, was kann mit diesen Kreditnehmern im schlimmsten Fall passieren?

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    Dietmar Tischer sagte:

    >Doch wie hier bereits diskutiert, könnte es gut sein, dass die Munition alle ist. Dann hätten wir den größten „Margin Call“ der Weltgeschichte.>

    Das ist die eine Variante.

    Die andere:

    Es gibt durchaus hinreichend Munition, aber die Treffer schlagen in immer schnellerer Folge von allen Seiten ein und die Generalität weiß nicht daher nicht, WO sie die Munition WIE einsetzen soll.

    Beispielhaft dafür:

    Während wir gebannt auf den Brexit und auf Italien schauen, explodiert es über Nacht in Argentinien.

    Déjà vu, haben wir doch schon einmal gemeistert oder etwa nicht?

    Stimmt, haben wir, aber offensichtlich nicht so richtig.

    Morgen kann es woanders so weit sein – und es besteht möglicherweise nicht einmal die Chance, begrenzend einzugreifen.

    Wir wissen es nicht, können aber mit Gewissheit sagen:

    Je MEHR sich die Welt verschuldet, desto WAHRSCHEINLICHER kommt es zu finanziellen Entgleisungen mit Folgeeffekten großen Ausmaßes.

    Nichts spricht dafür, dass diese mit Sicherheit beherrschbar sind.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Doch wie hier bereits diskutiert, könnte es gut sein, dass die Munition alle ist.“

    Mit Verlaub, das ist nicht korrekt. Die Munition kann bei Fiat Money gar nicht alle sein. Es kommt nur auf die regulatorischen Rahmenbedingungen an. So wenig die Bundesbank früher lang laufende Anleihen gekauft, so tief ist die EZB inzwischen darin verstrickt. Die SNB hat inzwischen sogar Aktien.

    Wenn das Bankenwesen nicht mehr weiterkann, kann die Notenbank bedenkenlos bei Kapitalerhöhungen von Banken mitmachen und statt Fremdkapital Eigenkapital zur Verfügung stellen. Das Ganze verkauft man noch als Bankenstabilisierungsgesetz / interne Regel / Verordnung der Bankenaufsicht usw. und fertig ist die Verschiebung des margin Call. Im Zweifel kann man sogar direkt bei kippelnden Unternehmen wie z.B. Versicherungen oder Industriebetrieben einsteigen und z.B. als einziger bei unwirtschaftlichen Kapitalerhöhungen mitmachen. Ist alles nur eine Frage des politischen Willens zum Ausmaß des Sozialismus und der Inflation. Und dieser Wille ist unbestritten inzwischen sehr weit verbreitet.

    Utopisch? Vielleicht. Aber die zahlreichen geldpolitischen Regelverstöße der letzten 10 Jahre konnten sich die meisten Leute vor 20 Jahren auch noch nicht vorstellen.

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