Unterschätzen die Anleihenmärkte die Folgen des Populismus?

„Unterschätzen die Anleihenmärkte die Folgen des Populismus?“, fragt die FINANCIAL TIMES (FT) mit Blick auf die Entwicklung der Anleihenrenditen in Europa. Immerhin zahlen Griechenland und Spanien weniger Zinsen als die USA auf ihren zehnjährigen Anleihen. Italien ist trotz gestiegenem Spread zu deutschen Anleihen auch nicht gerade ein Super-Renditebringer.

Die FT ist skeptisch:

  • „The (…) question is whether the current pattern of eurozone sovereign bond yields adequately reflects the longer-term threat posed by populism to the integrity of the monetary union.“ – bto: Das ist die Kernfrage. Und es ist klar, dass die Eurozone die nächste Rezession nur mit Mühe – wenn überhaupt – übersteht.
  • „That turns heavily on the issue of debt sustainability, above all in Italy (…) It would be no surprise if the election outcome led to a more ferocious clash with the European Commission over the Italian budget. That makes it a moot point whether the spread on Italian government bond yields against German Bunds, even after the progressive widening this year, adequately reflects the risk of a repeat of the sovereign debt crisis of 2010-12.“ – bto: vor allem, weil wir Italien nicht retten sollten und könnten.
  • „(…) Mr Salvini has discovered that picking a fight with EU fiscal rules plays brilliantly with Italian voters. This desire to take back sovereign control is echoed elsewhere in the eurozone. It is a dynamic that threatens to put a formidable brake on financial and fiscal integration.“ – bto: zu Recht! Damit befördert der Populismus natürlich genau mehr Divergenz und zudem abnehmende Bereitschaft zur „Solidarität“, was allerdings bei unseren Parteien noch nicht angekommen ist.
  • „(the) central problem of the monetary union, (…) lies in the growing divergence between the eurozone member states in terms of growth rates and competitiveness. Italy lags far behind the other big eurozone economies, with gross domestic product still 5 per cent below its pre-crisis level at the end of 2007. The wider problem for southern Europe (…) is that the single currency has proved to be a golden cage, forcing greater fiscal and monetary rectitude but removing the exchange rate as a critical cushion against unexpected shocks.“ – bto: Das ist in der Analyse zu kurz gesprungen.
  • „There are (…) solutions to these problems that are simple, neat and right. That boils down to providing a more comprehensive infrastructure for the monetary union through further integration. Where macroeconomic imbalances are concerned this points to sharing the cost of shocks in the eurozone through fiscal burden sharing. It also means applying less restrictive budgetary rules to facilitate public investment and those structural reforms that entail short-term budgetary costs. At the same time, more restrictive rules are needed to prevent northern Europeans running persistent current account surpluses (…) the banking union needs pepping up with, among other things, cross-border deposit insurance. As for the doom loop, part of the solution is for eurozone member states to assume joint liability for government debt via the creation of a eurozone-wide safe asset.“ – bto: Bekanntlich halte ich diese Lösungen für nicht richtig und untauglich. Die Probleme sind zu groß und die Umverteilung wäre nicht nur ungerecht, sondern auf Dauer für uns nicht tragbar.
  • „(…) there is a sense in which even mainstream northern European politicians are populists and nationalists. They are conspicuously reluctant to contemplate fiscal transfers to southern Europeans that their voters regard as profligate. For similar reasons, Germans and other northern Europeans regard persistent current account surpluses as a badge of probity while creditors are perceived as morally superior to debtors.“ – bto: Letzteres ist natürlich dumm. Aber das wissen Leser von bto ja.
  • „(…) it is the creditors who invariably have the whip hand in designing or reforming international monetary arrangements. (…) That leaves us with a dangerous dynamic: mainstream politicians in northern Europe unwilling to do what is necessary to underpin a flawed monetary union while populist politicians flirt with fiscal brinkmanship. This sounds perilously like a recipe for continuing slow growth accompanied by investor strikes and debt convulsions – (…) can the European integration process survive another crisis? It is anyone’s guess.“ – bto: Ich setze jedenfalls nicht darauf und rate jedem, sich auf ein unangenehmes Szenario vorzubereiten.

Mit Blick auf Italien hält die FINANZ und WIRTSCHAFT derweil fest:

  • „Im Hinblick auf Italien lassen Konjunktursorgen, politische Unsicherheit und fiskalische Extravaganzen mit entsprechend hohem Angebot an italienischen Staatsanleihen am Markt bei den Investoren die Alarmlampen aufleuchten. Die Ratingagenturen verfolgen das Gebaren der italienischen Regierung mit kritischen Augen. Die Schuldtitel laufen Gefahr, zur spekulativen Anlage heruntergestuft zu werden. Sollte dies eintreten, wären viele Fonds und Finanzhäuser gezwungen, italienische Staatsanleihen zu verkaufen.“ – bto: Die Mechanik kennen wir von den BBB-Anleihen im Unternehmenssektor. Auch dort droht bekanntlich eine Welle an Herabstufungen.
  • „Die Frage ist nun, ob die Risiken ausreichend in den Kursen italienischer Staatsanleihen berücksichtigt sind. Experten der Commerzbank sind davon überzeugt, dass das Ende der Fahnenstange, was die Risikoprämie betrifft, noch nicht erreicht ist. Der höhere Coupon auf italienische Staatsanleihen wird in Phasen starker Volatilität neutralisiert und die Investition macht sich nicht bezahlt. (…) Der Chefanalyst der Danske Bank fasst es so zusammen: ‘Stay out of Italy’ – Hände weg von Italien.“ – bto: Andererseits werden EU und EZB am Ende Italien „retten“, darauf würde ich wetten.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Europe’s bond markets are underpricing the threat of populism“, 22. Mai 2019

→ fuw.ch: „Finger weg von Italien“, 23. Mai 2019

22 Kommentare
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    Bakwahn sagte:

    @Tischer
    Richtig! Die Italiener wären doch Vollpfosten, wenn sie die Eurozone verlassen würden. Es ist im Euroverbund dank EZB noch nie so einfach, an so viel billiges, fast kostenloses Geld zu kommen. Sie bekommen ungezählte Milliarden geschenkt. Das ist für ein traditionelles Weichwährungsland wie Italien ungemein vorteilhaft. Ein dreifach Hoch dem, der diesen Euro und diese EZB schuf.
    Das Durchwurschteln mit Nullzins-und Negativzinspolitik, Staats-, Banken- und Zombiefirmenfinanzierung, mit „Rettungsschirmen“ und Schuldenstornierungen und Schuldenschnitten wird munter weitergehen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann wurschteln die auch noch in 12, in 15 Jahren hahahahaha

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    Dietmar Tischer sagte:

    Italien ist ein Fall, bei dem man nicht so agieren kann, wie Schäuble es 2015 in der Griechenlandkrise tat, als er vorschlug:

    Das Land könne ja austreten.

    Salvini weiß das und spielt daher auch nicht den Besserwisser, den Varoufakis gab – und scheiterte.

    Salvini lässt die Muskeln spielen.

    Und die sind so stark – Italien ist u. a. Nettozahler in der EU –, dass sich diese schon mit der Einleitung eines Defizitverfahrens gegen Italien unglaubwürdig macht.

    Hier die Einschätzung:

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/defizitverfahren-gegen-italien-bruesseler-recht-16223382.html

    Was wir erleben (werden), IST beidseitig PRAKTIZIERTER Populismus.

    Falls die Märkte häßlich reagieren sollten – und das werden sie natürlich, denn BEWERTUNG u. a. anhand von RISIKOPRÄMIEN ist ihre Aufgabe –, ist die „Rettung“ Italiens vorgezeichnet:

    Italienische Mini-Bots, die EZB mit Maßnahmen vor allem zur Stützung der italienischen Banken und Kaschierung durch „Investitionen“ aus dem EU-Haushalt.

    Man könnte auch sagen:

    Es sind immer wieder die Märkte, die zur „Rettung“ Italiens den Anstoß geben, wenn Leute wie der Populist Salvini nicht anders handeln können.

    Selbstverständlich werden wir mitspielen, denn ganz richtig:

    >„(…) there is a sense in which even mainstream northern European politicians are populists and nationalists. They are conspicuously reluctant to contemplate fiscal transfers to southern Europeans that their voters regard as profligate>

    ALLE sind Populisten.

    Weil es überhaupt nicht anders sein kann, funktionieren EU und Eurozone so, wie sie funktionieren.

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      ruby sagte:

      Herr Tischer, es entbehrt nicht einer gewissen Absurdität, wenn andere Großeltern den Freitagsenkeln von Sven Giegold, der auf der Pressekonferenz nach den EU Wahlen diese mit soviel Timbre in der Stimme anhimmelte, zu den Bildern aus dem Photoalbum erzählen, wie sie mit den Eltern also Urgroßeltern einen Capuccino für 2,50 DM auf dem Marcusplatz in Venedig genossen haben, während die Enkel jetzt gerade dem Populisten Salvini zur Rettung des Staates Italien ihre verbleibenden Lebenserträge verpfänden. Als EU Finanzexperte ist er ja der verantwortliche Rettungsstratege.
      Nein Herr Tischer irgendwie folge ich eher Herrn Stelters Einschätzung, daß die Zentrale in der EZB nicht die Insolvenz verhindern kann. Das Vorbild USA läßt Bundesstaaten eigenverantwortlich bankrott gehen. Dort werden bisher nur Privatbanken via FED Reserven Rat plus Kongresshaftung wegen to big to fail gerettet, nicht aber politische Interessenplayer. Deshalb entspricht die Regionale FED Struktur auch nicht der Bundesstaatlichen Gliederung in den USA. Da wird ein weiterer gewichtiger Strukturfehler des Eurosystems nicht beachtet. Nein Bruxelles will keine Staatsregierungen von Populisten retten müssen. Daher wird Italien nicht durch die EZB finanziert werden, was zum Austritt aus dem Euro führt, wie bereits beim EWS in den 90ern.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ ruby

        Ich habe lediglich dargelegt, wie der Populismus im Zusammenspiel mit den Märkten funktioniert.

        Ich habe nicht gesagt, dass das EWIG so geht.

        Sie sagen:

        >Nein Herr Tischer irgendwie folge ich eher Herrn Stelters Einschätzung, daß die Zentrale in der EZB nicht die Insolvenz verhindern kann.>

        Das sehe ich genauso und habe auch immer wieder gesagt, warum das so ist:

        Weder die EZB noch Leute wie Salvini können die REALWIRTSCHAFTLICHE Situation Italiens fundamental ändern, d. h. dem Land ein nachhaltiges reales Wachstum verleihen, so dass es von der Bevölkerung affirmativ angenommen auf einen selbsttragenden Stabilitätskurs gelangt.

        Die Geldpolitik kann das nicht und politische Versuche waren nicht glaubhaft und sind gescheitert.

        Die Parteien, die sie getragen haben, wurden abserviert.

        Oder es einmal so ausgedrückt:

        Salvini mit extrem nationalistischen Kurs ist der political saver of last resort für mehr Konsum der italienischen Bevölkerung und in dieser Rolle MUSS er liefern und zwar HIER und HEUTE, wenn er nicht ganz schnell weg sein will vom Fenster.

        Ein großer Teil seiner Glaubwürdigkeit und Zustimmung liegt darin, dass er die von einem erheblichen Teil der italienischen Bevölkerung empfundene Beschränkung aus Brüssel provozierend und zugleich erfolgreich ablehnt – und so die Staatsverschuldung für mehr Konsum erhöhen kann.

        Je erfolgreicher er damit ist – u. a. mit den Mini-Bots, die man ihm rechtlich nicht aus der Hand schlagen kann –, desto mehr entfernt er sich vom Eurozonen-Konsens und damit auch von der EZB.

        Irgendwann kann er oder irgendein Nachfolger nicht mehr „eingefangen“ werden.

        Das ist spätestens dann der Fall, wenn die Märkte, die eine derartige Politik faktischer relativer Verarmung sanktionieren, diese Leute so in die Enge treiben, dass sie POLITISCHE Kurzschlusshandlungen begehen.

        Das würde dann das Ende sein, im Fall Italien zumindest für die Eurozone in der heutigen Form.

        Kurzum:

        Nahezu ABSOLUTE Macht bezüglich der Geldpolitik ist nicht HINREICHENDE Macht, um nationale politische Entscheidungen für eine gewünschte Stabilisierung zu erzwingen.

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        Richard Ott sagte:

        @ruby

        „Herr Tischer, gerade schreibt die Welt, daß auch Spanien eine Regierung mit Rechtpopulisten bekommen kann. Die müssen dann auch noch gerettet werden von den Freitagskindern.“

        Nein. Weder der Linksblock noch der Rechtsblock haben im nationalen Parlament eine Mehrheit, die bräuchten jeweils die Unterstützung von katalanischen Separatisten um stabile Regierungsmehrheit zu bilden. Der Bericht, den Sie gelesen haben, bezieht sich wahrscheinlich auf Kommunalwahlen.

        Davon abgesehen: Gibt es eigentlich in Spanien auch so hysterische Presseartikel weil in Bremen die Sozialdemokraten und die Grünen mit der in Teilen linksextremen SED-Nachfolgepartei eine Koalition eingehen wollen?

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        ruby sagte:

        @Ott, die kulturellen, sprachlichen und historischen Verschiedenheiten sind ein weiterer nicht ausreichend angleichbarer Hinderungsgrund für ein Imperium EU. Spanien und Portugal war die Sklavennationen, die 100 Millionen Menschen in die neuen Welten schifften, um diese zu plündern. Mein Freund ist gerade länger in Peru und er liest die spanische Presse, ich werde zur gebenden Zeit berichten😉
        Der Rückzug ins örtliche ist sicher eine Folge der Ökologisierung von Gesellschaften, wenn diese ernstgemeint ist. Daß Sie das vehement offen legen ist Ihre Komplexitätsreduzierung. Dialektik geht immer.

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    Bakwahn sagte:

    Frau S. F-R hat recht!
    So lange es bei den Wählern der Nordeuropäer – besonders bei uns in D – zu keinem nachhaltigen Protest und Widerstand kommt, wird weiter gewurstelt.
    Bei anstehenden Schuldenschnitten, Verschiebungen von Rückzahlungen auf den St. Nimmerleinstag, weiteren Rettungsschirmen etc., stehen die anderen Südländer ebenfalls auf der Matte und wollen ihren Anteil am Schuldenerlaß.

    Mittel- bis langfristig:
    Alle diese „Rettungsmaßnahmen“ werden so dosiert, daß die negativen Auswirkungen (z.B. bei Zinsen, Inflation, Blasenbildung bei Immobilien und anderen werthaltigen Dingen) möglichst klein sein werden. Aber Jahr für Jahr werden sich die Nachteile aufaddieren, klein und kaum merklich aber stetig. Zu wenige Wähler werden es über die Jahre merken. Die älteren Generationen (60 plus) findet sich damit ab; sie hatten in der Regel jahrzehntelang ‚auskömmliche Einkommen‘ (Rainer Barzel) erzielt und leben jetzt bis zum Ende in relativem Wohlstand. Die Jüngeren kennen es nicht anders. Sie erleben Stagnation ihrer Einkommen, möglicherweise im Vergleich zur Elterngeneration sogar leichte Einkommensrückgänge. Man zuckt die Achseln, geht zur Tagesordnung über und resigniert. Ein Räsonieren der Ursachen ist zu schwierig, zu anstrengend. Man kann sowieso nichts mehr ändern.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Bakwahn:

      Ich gebe Ihrem Szenario (die älteren resignieren, die jüngeren akzeptieren den schleichenden Wohlstandsrückgan) eine Wahrscheinlichkeit von 75 %. Die anderen 25 % könnten aber m.E. dramatisch werden, wenn sich bei den Jüngeren die Wahrnehmung als „betrogene Generation“ festsetzen sollte. So wie die 1968er-Revolten noch 1960 von etablierten Politikern nicht vorhergesagt wurden, so halte ich es nicht für ausgeschlossen, dass wir nach der „grünen“ Welle im Rahmen einer Wirtschaftskrise eine „Germany first“-Welle bekommen, wie immer mit Zeitversatz zu den USA. Nämlich dann, wenn auf einmal nicht mehr die SPD alt aussieht (die dann evtl. schon keiner mehr kennt), sondern die Grünen alt und etabliert sind.

      In den nächsten Jahren allerdings dürften die Grünen erst einmal reichlich Gelegenheit haben, sich politisch auszutoben.

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    Bakwahn sagte:

    Beiwerke, Splitter, Bruchstücke, Schnipsel und ein Ausblick

    Es gibt beim Euro seit 2010 keine Gesetze mehr, keine Regeln, Statuten, Vereinbarungen. Es gibt nur eine:
    Den Euro zu retten und alle im Euro zu halten.
    Nach diesem Grundsatz handeln die europäischen Führungseliten seit 2010, als da sind: Das Personal der nationalen Regierungen, die EU (Kommission, Euro-Gruppe und was es da sonst noch so alles gibt), die EZB und ihrer Filialen, die europäischen Banken und auch die Manager von gefährdeten Unternehmen („Zombieunternehmen“). In vergangenen Krisen haben diese Leute stets das aus ihrer Sicht und ihren Interessen und Zielsetzungen (= den Euro retten, alle im Euro halten) die richtigen Entscheidungen getroffen. Das werden sie auch weiterhin mit großem Eifer und innovativem Erfindungsreichtum tun.
    Richtig? Ja! So einfach ist es.

    Die beste, weil realistischste Diagnose hat Frau S. F-R gegeben.
    Ich denke mal, hier und jetzt wird die EZB eingreifen.Sie hat bereits massiv italienische Staatsanleihen gekauft. Viel mehr, als sie nach diesem berühmten Schlüssel eigentlich darf. Jetzt werden versteckte und offene Schuldenschnitte kommen, Schenkungen etc. Ihr, die Fachleute nennen das, so glaube ich, „Restrukturierung“. Der Politik und der EZB bleiben gar nichts anderes übrig.

    Es heißt im Text – ich übersetze:
    „Dazu gehört auch die Anwendung weniger restriktiver Haushaltsregeln zur Erleichterung öffentlicher Investitionen und jener Strukturreformen, die kurzfristige Haushaltskosten verursachen.“ und so weiter
    Ein Fachmann, der so etwas schreibt, ist in seinen ökonomischen und fiskalischen Theorien befangen. Das sind Phantasmata und Illusionsblasen, gut gemeinte Ratschläge, die keine Chancen auf Realisierung haben.
    Dieser Typ täuscht sich fundamental über die kulturelle Heterogenität, Ungleichartigkeit und Verschiedenartigkeit der europäischen Nationen und deren Auswirkungen z.B. auf den Umgang mit Geld, die Wirtschaftsweise und das Arbeitsethos. Der glaubt, daß in Italien grundlegende Strukturreformen, Investitionen in die Zukunft, deutlich geringere Konsumausgaben zu wirtschaftlicher Prosperität und zur Angleichung der Lebens- und Einkommensverhältnisse in Gesamtitalien führen müsse und damit langfristig zu ausgeglichenen Haushalten.

    Ein Ausblick:
    Das Durchwursteln mit „Rettungsschirmen“ der verschiedensten Art, Schuldenschnitten, Schuldenrestrukturierungen, mit Nullzins-und Negativzinspolitik, Staats-, Banken- und Zombiefirmenfinanzierung wird munter weitergehen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben die auch noch in 12, in 15 Jahren hahahahaha

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      Richard Ott sagte:

      @Bakwahn

      „Dieser Typ täuscht sich fundamental über die kulturelle Heterogenität, Ungleichartigkeit und Verschiedenartigkeit der europäischen Nationen und deren Auswirkungen z.B. auf den Umgang mit Geld, die Wirtschaftsweise und das Arbeitsethos. Der glaubt, daß in Italien grundlegende Strukturreformen, Investitionen in die Zukunft, deutlich geringere Konsumausgaben zu wirtschaftlicher Prosperität und zur Angleichung der Lebens- und Einkommensverhältnisse in Gesamtitalien führen müsse und damit langfristig zu ausgeglichenen Haushalten.“

      Völlig richtig. Italiener sind halt keine Deutschen oder Niederländer – und werden es auch nie sein. Ich finde das auch in Ordnung so und habe (anders als unsere Mehr-EU-Internationalsozialisten von SPD und Grünen) keine Ambitionen das zu verändern. Man muss halt nur Strukturen innerhalb der EU (besser wäre ein Rückbau zur EG) schaffen, die solche Unterschiede berücksichtigen anstatt alles zentralisieren und verheinheitlichen zu wollen.

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    Horst sagte:

    „Höhere Staatsausgaben könnten sich lohnen“ aus:
    https://www.diw.de/de/diw_01.c.614700.de/themen_nachrichten/zehn_jahre_nach_der_finanzkrise_italien_braucht_neue_investitionsziele.html
    Wie aber soll das die italienische Regierung umsetzen dürfen, angesichts des Betreibens eines Defizitverfahrens:
    https://www.deutschlandfunk.de/defizitverfahren-gegen-italien-schoenreden-hilft-nicht-mehr.720.de.html?dram:article_id=450653
    Ein lupenreines Politikum, um die Regierung Salvini zu diskreditieren oder mangelhafter wirtschaftlicher Sachverstand?

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    Horst sagte:

    „Höhere Staatsausgaben könnten sich lohnen“ aus:
    https://www.diw.de/de/diw_01.c.614700.de/themen_nachrichten/zehn_jahre_nach_der_finanzkrise_italien_braucht_neue_investitionsziele.html

    Wie aber soll das die italienische Regierung umsetzen dürfen, angesichts des Betreibens eines Defizitverfahrens:

    https://www.deutschlandfunk.de/defizitverfahren-gegen-italien-schoenreden-hilft-nicht-mehr.720.de.html?dram:article_id=450653

    Ein lupenreines Politikum, um die Regierung Salvini zu diskreditieren oder mangelhafter wirtschaftlicher Sachverstand?

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: Andererseits werden EU und EZB am Ende Italien „retten“, darauf würde ich wetten.

    Vielleicht. Das hängt davon ab, wie das politische Spitzenpersonal die Folgen für sich selbst persönlich und für die eigene Partei einschätzt. Wenn durch die „Rettungsaktion“ für Italien mit frischem EZB-Geld die deutsche, niederländische oder österreichische Kaufkraft in die Knie geht, könnten die Entscheidungsträger bei den nächsten Wahlen eventuell gegen die sog. „undemokratischen, populistischen Parteien“ verlieren.

    Ich denke, es wird so laufen. Man wird wie Herr Juncker erst einmal die Botschaft in die Menge werfen lassen und schauen, wie stark die öffentliche Erregung ist. Danach wird man entscheiden, ob man sich das traut oder nicht. Wenn nach einer solchen Aktion die Zustimmung zur AFD in Deutschland auf 40 % steigen sollte, dürfte es nicht kommen. Wenn sie nur knapp auf z.B. 18 % zulegen sollte, dann schon.

    Das Problem kommt dann allerdings später, nämlich dann, wenn sich der Unmut durch die Italienrettung langsam in die Köpfe der Zahlerländer frisst und für richtig Ärger sorgt.

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