Konkurse werden abgeschafft

Der immer sehr lesenswerte John Authers hat bei Bloomberg das Thema “Zombies” erneut aufgegriffen.  Ausgangspunkt ist dabei eine Vielzahl an Charts, die alle das Gleiche zeigen. Nämlich, dass die Anzahl der Konkurse in der wohl größten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten gefallen ist:

Quelle: Bloomberg, Longview Economics

Das kommentiert er dann so:

  • “Recessions are supposed to lead to more bankruptcies, and make it harder for companies to borrow. Rises in debt outstanding, all else equal, should increase the risk of bankruptcies down the line. So what has happened in the last 12 months virtually surpasses understanding. French bankruptcies had steadily declined since the brief recession caused by the sovereign debt crisis, while companies took advantage of the dirt-cheap credit that had been engineered to save the euro to refinance and take on more leverage. When the crisis hit, they were then able to borrow far more, while bankruptcies tumbled.” – bto: Und wir haben das bereits vor einigen Wochen mit den Daten der BIS diskutiert, dass die Zahl der Zombies deutlich gestiegen ist und dass es vor allem bereits vorher hoch verschuldete Unternehmen waren, die sich in den letzten zwölf Monaten besonders stark zusätzlich verschuldet haben.
  • “Logic might dictate that an increase in bankruptcies lies ahead. This should mean that debt investors demand a higher yield to compensate them for the greater risk of defaults. In the U.S., this is exactly what has not happened. The spread between the yield on ‘high-yield’ bonds (which might need to be renamed) over five-year Treasury bonds hasn’t been this low since the summer of 2007. And we know what happened after that.” – bto: Vor allem wissen wir, woran das liegt. Es ist die Folge der einmaligen Politik der Risikoabschaffung durch die Notenbanken.
  • “This makes no sense (…) unless we give up on the notion that defaults, and the compensation that investors ought to demand for bearing these risks, should be linked to the strength of the economy. Rather than betting on a remarkably potent and enduring recovery, investors in relatively risky bonds are making a bet on a potent and enduring dose of financial repression, in which central banks keep propping up markets, and effectively force everyone to lend to the government, and to companies, at otherwise uneconomic rates. Such a policy was adopted and sustained in the years after the war, and it’s not such a bad bet that more financial repression lies in our future after the pandemic.” – bto: gilt es doch, die Schuldenquoten nach unten zu bringen.
  • “Deutsche Bank AG, Jim Reid (…)  appears now to be resigned to financial repression: (…) over the last 15-20 years I’ve had to change these views and over the last decade or so the default study has incrementally tried to explain why default rates are low relative to history and while they’ll continue to stay suppressed even though economic growth has structurally trended ever lower over the last couple of decades. The biggest explanation is that, over the last 20 years, the authorities have implicitly and explicitly intervened to lower defaults. Implicitly via huge monetary stimulus lowering rates, and explicitly via larger and larger bailouts. This has driven down funding costs relative to economic activity and made it much easier for companies to survive even at lower levels of economic growth. In short, we’ve moved away from creative destruction and towards an economy with a higher percentage of zombie companies.” – bto: Und damit ist das natürlich selbstverstärkend. Wir bekommen weniger Wachstum und deshalb noch mehr billiges Geld – und so erneut weniger Wachstum.
  • “Weak and unprofitable companies, free of the risk of going to the wall, tie up capital that could be used more productively. Such zombie companies are incapable of growing, but thanks to artificially low interest rates they are able to stay alive, spreading their deadening influence across the economy. (…) as a result there are fewer jobs (…) With poorer productivity, there is also a risk that such companies need to jack up prices, leading to higher inflation.” – bto: Da bin ich anderer Meinung. Ich denke, sie wirken deflationär, weil sie keine Gewinne, sondern Liquidität brauchen.

“Reid illustrates how the relationship between default rates and economic growth used to be firm, using data going back to 1924:”

Quelle: Bloomberg, Deutsche Bank

Interessant, dass es ab 1939 für fast 30 Jahre nur wenige Konkurse gab. Das dürfte aber andere Ursachen gehabt haben als nur das relativ günstige Geld.

Authers Schlussfolgerung: “If you think the Fed is serious about allowing inflation to rise, and I believe it is, then you should expect conditions like this to persist for a few years yet. The reduction in insolvencies might well help toward the goal of increasing inflation, but there is every chance that it will vitiate the desire for stronger growth. As for investors, when financially repressed, there’s a lack of good choices.”

Und es bedeutet, wir bekommen chronisch höhere Inflation und das wäre auf jeden Fall ein Thema. Gehen wir in dieser Woche weiter nach.

Kein Link aber der (erneute) Hinweis, dass man den Newsletter von John Authers bei Bloomberg unentgeltlich abonnieren kann.

 

Kommentare (32) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Aktuell zur Entwicklung hierzulande:

    https://www.welt.de/wirtschaft/article232009277/Insolvenzen-Darum-steigen-die-Zahl-bei-Verbrauchern-so-stark-an.html

    Daraus:

    > Während die Zahl bei den Privaten um über 60 Prozent stieg, ging der Wert bei Unternehmen sogar zurück. Doch zur Entwarnung besteht kein Grund – im Gegenteil.

    Seit Jahresbeginn kommt es zu einem Run auf die Amtsgerichte“, beschreibt Patrik-Ludwig Hantzsch, der Leiter Wirtschaftsforschung bei Creditreform. Und der könnte sich weiter fortsetzen. Immerhin haben sich 2020 rund 588.000 Menschen wegen finanzieller Probleme an die Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Deutschland gewandt, meldet das Statistische Bundesamt.

    … hat aber auch eine neue Rechtslage zu dem kräftigen Anstieg beigetragen: das Ende Dezember vom Bundestag beschlossene „Gesetz zur weiteren Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens“. Dadurch nämlich halbiert sich die Dauer eines privaten Insolvenzverfahrens von bislang sechs auf nur noch drei Jahre.

    Das Gesetz setzt eine EU-Richtlinie in deutsches Recht um, geht dabei mit der Einbeziehung privater Haushalte aber deutlich über die Vorgaben aus Brüssel hinaus. Die nämlich beziehen sich eigentlich auf unternehmerisch tätige Personen. Experten sehen das kritisch. Ihre Befürchtung: Der deutlich schnellere Schuldenschnitt könne sich negativ auf die Mentalität des Schuldenmachens auswirken.

    Ganz anders als bei den Verbraucherinsolvenzen ist die Entwicklung bei den Firmenpleiten. Mit 8800 Fällen lag die Zahl im ersten Halbjahr 1,7 Prozent niedriger als im Vorjahreszeitraum. >

    Mein Vorschlag an die Politik:

    Das Schuldenmachen und die Privatinsolvenzen müssten flankiert werden durch ein BGE, auf das kein Zugriff erlaubt sein darf. ;-)

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    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      Ah, den hab Artikel ich heute Mittag auch gelesen.

      Für die Unternehmensinsolvenzen ist der Punkt hier entscheidend:

      “Aber auch der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) rechnet mit mehr Arbeit für seine Mitglieder. Denn dass die deutschen Unternehmen in vielen Fällen die Corona-Zeit unbeschadet überstehen, hält der VID für einen Trugschluss. „Die vorhandene Liquidität wird derzeit von Finanzämtern und Krankenkassen nicht abgeschöpft, die ihre Forderungen seit Beginn der Krise gestundet haben. Sollte sich dies ändern, wird sich dies auch bei den Insolvenzzahlen widerspiegeln“, sagt der VID-Vorsitzende Christoph Niering.

      Üblicherweise stellen Fiskus und Kassen vergleichsweise oft Insolvenzanträge für Unternehmen, die ihre Steuerschuld oder Kassenbeiträge nicht bezahlen. Nun aber wollten sie staatliche Hilfsmaßnahmen nicht durch Zwangsvollstreckungen und Insolvenzanträge unterlaufen. „Vor der Corona-Pandemie haben die Finanzbehörden und die Sozialversicherungsträger die meisten Fremdanträge gestellt. Darüber hinaus sind viele Eigenanträge Reaktionen auf drohende Fremdanträge.”

      Finanzämter und Krankenkassen sind normalerweise extrem humorlos was überfällige Forderungen angeht. Wenn die tatsächlich überall in Deutschland so nachsichtig sind wie das der Insolvenzverwalter-Verbandschef beschreibt, dann macht das einen riesigen Unterschied.

      Wollen wir wetten, dass erst nach der Bundestagswahl zur alten Eintreibungspraxis zurückgekehrt wird? ;)

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  2. Gnomae
    Gnomae sagte:

    Die Staaten bleiben auf absehbare Zeit gefangen in der Niedrigzinspolitik. Als Konsequenz daraus werden sich die Zinsen nicht wesentlich verändern, da bei einer Zinserhöhung auch die Unternehmenskredite und Anleihen betroffen sind. Höhere Zinslasten bedeuten das Aus für die Zombie-Firmen, übersetzt steigende Arbeitslosigkeit und möglicherweise eine Gefährdung von Bankbilanzen.
    Man wird daher lieber Zombie-Firmen in Kauf nehmen, als das System unnötig belasten.
    In den nächsten Jahren werden die Schuldenquoten nicht sinken, die Firmen werden daher einfach mit billiger Liquidität am Leben erhalten.
    Betrachtet man die Inflation für 2021 und 2022 im Durchschnitt, könnte sich ergeben, dass diese zwar leicht steigt, aber nach Covid gegen Ende 2022 wieder stark abflacht.
    Durch grüne Investitionen dürfte das Wachstum weiter gebremst werden, so dass verbleibt:
    – steigende Verschuldung
    – niedrige Zinsen
    – durchschnittlich geringe Inflation

    Antworten
    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Gnomae: Das sehe ich völlig anders als Sie. Sie behaupten, trotz steigender Verschuldung bleiben Inflation und Zinsen relativ niedrig. Das kann lange so sein, wird es aber auf Dauer nicht. Denn eines haben Sie nicht in der Kalkulation: Vertrauen. Geld ist ein Wertaufbewahrungsmittel, das ist seine Hauptfunktion neben der Tauschfunktion. Wenn das Vertrauen schwindet, dass die Kaufkraft dieses Geldes morgen zum großen Teil verloren sein KÖNNTE, geht die Post ab. Und bei steigender Verschuldung kommt irgendwann der “Tag der kalten Füße”. Dass das lange gut gehen kann – geschenkt. Das sieht man in Japan. Aber es geht nicht ewig gut. Ob die Verschuldung dann 400 %, 500 % oder 600 % des BIP beträgt, kann wohl niemand vorhersagen.

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  3. Tom96
    Tom96 sagte:

    Gestern in Frankreich, das Volk hat mit satter 2/3 Mehrheit landesweit die kompletten Konkursverschlepperzombies des Parteien- und Politzirkus einfach ins Nirwana befördert!
    Keine Stimme für diese bankrottzombiefizierte Scheindemokratiesimulation samt Medienlügenlumpenpack.
    MacrÖnchen letzter der vier “großen etablierten” mit 10 % bei 30 % Wahlbeteiligung entspreche 3%. Diese EU Führer-Atrappe wurde am Samtag abgewrackt!
    Vive la France, vive la Nation.
    Will hier noch einer von Systemerhalt durch Politklimbim träumen – willkommen in der Wirklichkeit des Volkes. Und das lockerste, für diesen Konkurs braucht es nix Rechtsverdreher : Finito Grande Champagner

    Antworten
  4. Wolfgang Selig
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: “Und es bedeutet, wir bekommen chronisch höhere Inflation und das wäre auf jeden Fall ein Thema. Gehen wir in dieser Woche weiter nach.”

    Prima, das dürfte DAS Thema der 20er-Jahre werden. Ist es ja teilweise schon.

    Antworten
  5. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Erhellende Betrachtungen.

    >So what has happened in the last 12 months virtually surpasses understanding.>

    Bemerkenswert schon, aber der großen Linie folgend und daher nur „logisch“.

    Die große Linie:

    In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts weitreichende Wirtschaftskrisen mit Depressionen, die zu sozialen Verwerfungen mit politisch desaströsen Folgen geführt haben – WK II.

    Daher nach Keynes der Staat als der Akteur, der durch sein Nachfrageverhalten die Defizite des Privatsektors kompensiert.

    Das ist längst nicht am Ende, aber z. T. durch enorme Staatsverschuldung bereits kontraproduktiv.

    Daher muss zumindest additiv ein anderes Verfahren in Gang gebracht werden, um Depression, Arbeitslosigkeit und desaströse Folgen zu verhindern:

    Notenbanken ermöglichen zusammen mit den Geschäftsbanken die Zombifizierung, d. h. eine hinreichende Liquiditätsversorgung, um auch unprofitable Unternehmen am Leben zu halten und dadurch Beschäftigung zu sichern.

    Der Staat wird zudem die Konkursordnung ändern, um dieses Verfahren auch rechtlich zu fixieren, d. h. Überschuldung als Kriterium für Konkurs zu eliminieren.

    Er PRAKTIZIERT das auch schon:

    Kaufhof/Karstadt erhalten riesige Staatskredite, obwohl sie de facto wohl pleite sind.

    Auch bemerkenswert: KONSENS dazu auf der ganzen Linie.

    Auch die FDP weiß, warum sie dazu kein Wort sagt.

    >Interessant, dass es ab 1939 für fast 30 Jahre nur wenige Konkurse gab. Das dürfte aber andere Ursachen gehabt haben als nur das relativ günstige Geld.>

    Die ANDEREN Ursachen waren das STARKE Wachstum durch die Kriegswirtschaft und danach durch die Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern.

    Ein derartiges Wachstum ist in unseren alternden Gesellschaften nicht erreichen.

    Auch Innovationen, die der Tendenz nach auf weniger Arbeitseinsatz und damit auf weniger Einkommen (durch Arbeit) zielen – ich meine Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung mit vergleichsweise sehr geringem Ressourceneinsatz – werden kein derartiges Wachstum generieren können.

    Die Energiewende vermutlich auch nicht, weil sie zu DESTRUKTIV ist, um mit Erneuerungen die erzwungenen Verzichtleistungen der Verbraucher zu kompensieren.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      “Der Staat wird zudem die Konkursordnung ändern, um dieses Verfahren auch rechtlich zu fixieren, d. h. Überschuldung als Kriterium für Konkurs zu eliminieren. ”

      Das halte ich für eine ganz äußergewöhnlich schlechte Idee.

      Ihnen ist schon klar, dass damit effektiv die Eigenkapitalhaftung von Kapitalgesellschaften abgeschafft wird, oder? Überschuldete Unternehmen haben immer negatives Eigenkapital, das ist ja gerade der Grund, weshalb sie abgewickelt werden müssen, wenn sich niemand findet, der Eigenkapital nachschießen will…

      Antworten
      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ R. Ott

        >> “Ihnen ist schon klar, dass damit effektiv die Eigenkapitalhaftung von Kapitalgesellschaften abgeschafft wird, oder?”

        Ist Ihnen bewusst, dass es das schon längst gibt, nämlich z.B. in der Schweiz.
        Eine SA wird gegründet und kauft ihren Aktionären die eigenen Aktien ab. Und existiert fröhlich weiter solange der Verwaltungsrat sich einig ist. Sie können das Zombie nennen, aber der ist für viele äusserst diskrete Geschäfte nützlich und lebt munter weiter, solange er nicht “fremdes” Kapital aufnimmt, was zu indiskreten Fragen führen könnte..

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Bauer

        Oh, das kannte ich noch gar nicht. Ein gar gräusliches Konstrukt mit noch übleren gesellschaftsrechtlichen Problemen, eindeutig auch aus dem Reich der Untoten. Ist das nach schweizerischem Recht legal oder zumindest so halb-legal und hat einen bestimmten Namen?

        Wenn eine so strukturierte Gesellschaft aber durch verlustreiche Geschäftsjahre in die Überschuldung rutscht, dann muss sie zwangsläufig Fremdkapital aufnehmen – wohingegen “nicht ausgeschüttete Gewinne” und “Nachschießen von Kapital durch die Eigentümer” dann bizarrerweise das gleiche sind…

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Das halte ich für eine ganz äußergewöhnlich schlechte Idee.>
        Dagegen ist nichts zu sagen.

        Ich ERGÄNZE lediglich:

        Viele und die Entscheider allemal halten das für die BESSERE Idee verglichen mit einer Masse von Arbeitslosen – nach Lage der Dinge DIE Alternative –, die nicht mehr beherrschbar ist.

      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ R.Ott

        Ich kenne dieses “gräusliche Konstrukt” nur als Zwischenfirma, also als Filter für lichtscheuende Aktivitäten, jedoch nicht als wirtschaftlich tätige Einheit. Aber man lernt ja bekanntlich nie aus. Und offensichtlich wird der Aufkauf aller eigenen Aktien in CH nicht beanstandet, denn ich habe einschlägige Bilanzen gesehen.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Viele und die Entscheider allemal halten das für die BESSERE Idee verglichen mit einer Masse von Arbeitslosen – nach Lage der Dinge DIE Alternative –, die nicht mehr beherrschbar ist.”

        Ach was, wenn wir hier in Deutschland Massenarbeitslosigkeit bekommen, dann haben wir doch Anspruch auf üppige Zahlungen aus dem “Corona-Wiederaufbaufonds” der EU. Das ist alles ausgerechnet. ;)

        Aber ernsthaft: Wer bereit ist, grundlegende Organisationsprinzipien des Unternehmenssektors in einer Marktwirtschaft aus Angst vor zu viel Arbeitslosigkeit in der Gesellschaft aufzugeben, der sollte vielleicht besser so ehrlich sein und eine richtige Planwirtschaft mit staatlichem Arbeitsdienst wie bei den Nationalsozialisten oder eine Arbeitspflicht wie in der sozialistischen Gesellschaft der Deutschen Demokratischen Republik errichten.

        Oder wir machen es wie Roosevelt in den USA mit den Infrastruktur- und Bauprogrammen in den 1930er Jahren, die über die Public Works Administration und die Works Progress Administration umgesetzt wurden.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Public_Works_Administration

        Da haben wir aber wieder das Problem, dass die schönen arbeitsintensiven Infrastrukturprojekte alle schlecht “fürs Kliemer” oder irgendwelche geschützten Schneckenarten sind – damals wurden in den USA Autobahnen, Tunnels, Flughäfen, Brücken und der Hoover Damm gebaut. Ginge heute in Deutschland alles nicht mehr, wir würden nur für die Produktivität nutzlosen Klimaschutzmüll im Bundesrat von den Grünen abgenickt bekommen. Das einzige, wo ich mir bei denen eine Zustimmung vorstellen könnte, wären bundesweite Schachtungsarbeiten, um überall Glasfaserkabel fürs Internet zu verlegen, bis in jedes Kaff ganz weit draußen auf dem Land.

        Interessanter Nebeneffekt: Viele nicht arbeitswillige Migranten würden freiwillig in ihre angeblich so unsicheren Herkunftsländer zurückkehren, wenn wir hier den Sozialleistungsbezug von dem Mitwirken im Arbeitsprogramm abhängig machen, wie das in den 1930er Jahren üblich war…

        @Bauer
        “als Filter für lichtscheuende Aktivitäten”

        Ja, einen anderen Zweck kann ich mir auch nicht vorstellen. Eine normale Kapitalgesellschaft mit normaler Geschäftstätigkeit lässt sich so schon deshalb nicht organisieren weil dann eine einmal eingesetzte Geschäftsführung die komplette Macht über das Unternehmen hat und auch von niemandem mehr wieder abgesetzt werden kann…

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Wer bereit ist, grundlegende Organisationsprinzipien des Unternehmenssektors in einer Marktwirtschaft aus Angst vor zu viel Arbeitslosigkeit in der Gesellschaft aufzugeben, der sollte vielleicht besser so ehrlich sein und eine richtige Planwirtschaft mit staatlichem Arbeitsdienst wie bei den Nationalsozialisten oder eine Arbeitspflicht wie in der sozialistischen Gesellschaft der Deutschen Demokratischen Republik errichten.>

        Das ist eine Alternative, die keiner wirklich will, weil sie nachhaltig diskreditiert ist.

        Eine Arbeitsplatzgarantie ist natürlich sehr angenehm, aber die damit ZWANGSWEISE einhergehende Mangelwirtschaft ist nicht akzeptabel.

        Von der Freiheit rede ich mal nicht, da sind die Menschen flexibler.

        Man will den Kapitalismus eigentlich nicht aufgeben, muss aber etwas tun, weil er nicht mehr wie gewohnt funktioniert und eben potentiell die Gefahr der Massenarbeitslosigkeit droht.

        Daher das Gewürge mit Staatsintervention (Subventionen, Ausbau des Sozialstaats), Notenbanken (extrem akkommodierende Geldpolitik), Zombifizierung (regelenthobenes Erhaltungsverfahren), Verschiebung auf die supranationale Ebene (Transfers im weitesten Sinne) etc.

        Es ist KEINE ordnungspolitische Linie erkennbar:

        Aus meiner Sicht ein Kennzeichen für zunehmende Hilflosigkeit, die Probleme zu beherrschen.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Das ist eine Alternative, die keiner wirklich will, weil sie nachhaltig diskreditiert ist.”

        Das wiederum finde ich verblüffend – F.D. Roosevelt ist nun wirklich kein Politiker, den ich als “nachhaltig diskreditiert” ansehen würde, obwohl er in einer schweren Wirtschaftskrise auch nichts anderes gemacht hat als einen “Reichsarbeitsdienst” aufzulegen, nur dass sowas in den USA dann “public works program” heißt und erstmal niemand an Hitler denkt.

        Ich würde eher sagen, das Problem ist, dass der Vorschlag nicht in unseren aktuellen Zeitgeist passt, wo schon Wehr- oder Zivildienst als freiheitseinschränkender Anachronismus gelten (aber gleichzeitig wie selbstverständlich der Staat eine üppige Daseinsvorsorge leisten soll).

        Da zucken beim Wort “Arbeitsdienst” schon alle zusammen – aber in einer Wirtschaftskrise, in der tatsächlich Massenarbeitslosigkeit herrscht, ist das die einzige funktionierende Alternative zu planlosem Gelddrucken und Schocktherapie (Staat macht einfach gar nichts und wartet bis sich der Arbeitsmarkt neu organisiert), und zumindest theoretisch könnten wir damit tatsächlich einige unserer Infrastruktur-Probleme lösen.

    • foxxly
      foxxly sagte:

      @ tischer

      >>Ein derartiges Wachstum ist in unseren alternden Gesellschaften nicht erreichen.<<
      dieses aussage ist irreführend:

      .. nicht nur dieses: eine junge gesellschaft würde die wachstumsraten auch nicht nachhaltig herbringen, oder leisten können!

      in unseren exponentiellen geldsystem, -entsprechend dem exponentiellen wachstumszwang, – gibt es mit der zeit einen punkt, da werden die belastungen durch die kredite mit dem wachstum größer, als das wachstum selber.
      das wachstum kann die verschuldung nicht mehr erwirtschaften.
      (trifft gerade bei den bankrotteuren zu. die anderen schließen ihr geschäft bevor es sich nicht mehr rendiert )

      warum wird über diese tatsache immer nur rumgeeiert?
      will dies keiner aussprechen, weil die eigene eintstellung- bzw. den standpunkt den er zu vertreten hat, -zusammen bricht?

      eine ewige selbsttäuschung?

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ foxxly

        >… das wachstum kann die verschuldung nicht mehr erwirtschaften.>

        Ja, und?

        Sie verstehen es immer noch nicht.

        Wenn es KEIN hinreichendes Wachstum geben kann, ist es sinnlos dieses ins Spiel zu bringen.

        Daher wird anders gedacht:

        Die hohe, wachsende Gesamtverschuldung darf KEINE Katastrophe auslösen.

        Das schafft man dadurch, dass durch Liquiditätsversorgung und Abschaffung von Konkursen Unternehmen WEITER „wirtschaften“ können.

        Verstehen Sie es endlich:

        Nicht wachsen, sondern WEITER wirtschaften können – also keine Insolvenzen und Massenarbeitslosigkeit.

        Zombifizierung eben.

        Zu was das führt, kann man sich ausrechnen oder zumindest erahnen.

        Es ist nichts Gutes.

        Aber all dies hat nichts mit Ihrer FIXIERUNG auf Verschuldung und Wachstum zu tun.

        Es ist UNBEACHTLICH, was sie sagen, weil die Züge längst auf anderen Gleisen fahren.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ tischer 16:41
        >>Sie verstehen es immer noch nicht.<>Zu was das führt, kann man sich ausrechnen oder zumindest erahnen.
        Es ist nichts Gutes.<<

        warum opponieren sie dann???

        die mehrheit hier bemüht sich die schienen zu putzen, damit der zug noch etwas weiter kommt und nicht vorzeitig stehen bleibt.

        h tischer, wir sind nicht auf verschiedenen gleisen. auch ihr zug fährt auf den gleichen gleise, wie meiner. Sie fahren ihn heute, – und morgen?
        sie erklären ständig den "ist-zustand"; – auch wissend, dass dies schief geht.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ foxxy

        >… wir sind nicht auf verschiedenen gleisen. auch ihr zug fährt auf den gleichen gleise, wie meiner.>

        Der Unterschied ist in der Tat nicht das Gleis, sondern der Zug:

        Ich sehe etwas auf den Gleisen fahren, was m. A. n. ein Zug ist („Zombifizierung“) und BEGRÜNDE, warum es ein Ersatzzug ist, weil der normalerweise fahrende („Wachstum”) nicht mehr einsetzbar ist.

        Sie sehen nichts und begründen nichts, sondern BEHAUPTEN, dass, was normalerweise auf den Gleisen fährt („Wachstum“) wegen bestimmter Umstände („nicht erwirtschaftbare Verschuldung“) nicht ans Ziel kommt.

        Merken Sie, was das ist, was Sie hier bieten?

        Ich sage es Ihnen:

        Sie eiern an der WIRKLICHKEIT vorbei.

        Und dass UNBEIRRT, weil UNBELEHRBAR.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ tischer 19:54
        >>Sie sehen nichts und begründen nichts, sondern BEHAUPTEN, dass, was normalerweise auf den Gleisen fährt („Wachstum“) wegen bestimmter Umstände („nicht erwirtschaftbare Verschuldung“) nicht ans Ziel kommt. <<

        falsch, ist aber ihre verquere sichtweise:
        es gibt verschiedene themen, bzw. ausgangslagen und frage stellungen,
        die allermeisten haben die gleiche ursache: das kredigeldsystem mit seinen wachstumszwang!
        … soll ich das jedesmal wiederholen, damit auch sie dies verstehen?
        ich denke, wir (die meisten)sind schon ein bischen weiter, um nicht alles zu wiederholen.

        sie haben aber ein problem: in ihren ausführungen befinden sich immer wieder mal auch widersprüche drinn.
        dann reagiere ich und zeige einige auf.
        ihre reaktion ist meist garstig und ………. arrogant von oben herab.

        wenn sie so intelektuell auf so einen hohen ross reiten, dann gehört zur anerkennung auch der entsprechende umgang dazu.
        ich habe mir angeeignet eine normale umgangsform angeeignet!

    • weico
      weico sagte:

      “Notenbanken ermöglichen zusammen mit den Geschäftsbanken die Zombifizierung, d. h. eine hinreichende Liquiditätsversorgung, um auch unprofitable Unternehmen am Leben zu halten und dadurch Beschäftigung zu sichern.”

      Klar….womit wir dann wieder bei dem Konstrukt eines “sozialen- und fürsorglichen” Staates angelangt wären… bei dem es keine Verlierer…sondern nur Gewinner geben darf !

      Wenn der einzige Wettbewerb im Leben …… der Identitäts-und Opferwettbewerb ist….sieht es wirklich sehr düster aus mit einer Gesellschaft.

      Wenn sich solche Wohlfühl-Gesellschaften dann gegen “hungrige” und aufstrebende Gesellschaften, wie z.B China bzw. ganz Südostasien bestehen/messen sollen….gleicht der “Wirtschaftskampf” dann schlicht einem puren Gemetzel.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ weico

        Ich glaube nicht an ein Gemetzel.

        Man wird sich ergeben und einer gut organisierten Versklavung verfallen.

    • jobi
      jobi sagte:

      @D.Tischer

      “Daher muss zumindest additiv ein anderes Verfahren in Gang gebracht werden ..”

      Das mit Abstand wichtigste Additiv dürfte die Umverteilung von den Produktiven und Vermögenden hin zum Staat werden.

      Das wiederum bedeutet nicht weniger, als die sukzessive Abschaffung der Marktwirtschaft, was – mit propagandistischer Aufbereitung – von der Mehrheit als Befreiung wahrgenommen wird.

      Letztlich läuft es auf die Frage hinaus, wie lange eine Gesellschaft von ihrer Substanz leben kann.

      Antworten
  6. Alexander
    Alexander sagte:

    Kurzarbeit ist m.E.n wichtigste Ursache, warum die Insolvenzwelle nach hinten verschoben bleibt. https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mehr-als-sieben-millionen-menschen-in-kurzarbeit/

    Wer nicht unter Lohnkosten leidet kann mit Bank / Vermieter Stundungen vereinbaren, bis die Zeiten besser werden; denn dann werden Mitarbeiter und Anlagen wieder vollumfänglich benötigt…..

    Selbsterhaltungstrieb der politischen Kaste die Pandemie nationaler Tragweite zu verlängern bis die Inzidenz negativ wird….weil sonst allen etwas passiert.

    Die schrÖckliche Pandemie mit ihren vielen Mutanten verhindert den weltweiten Domino Day…..der ohne Massnahmen schon 2020 geschehen wäre.

    Das ganze System ist Zombie, nicht nur ein paar Klitschen, MitarbeiterImmobilien und Altersvorsorgeanlagen.

    Antworten
  7. foxxly
    foxxly sagte:

    wann legt der bürger und wähler endlich seine gutgläubigkeit, gegenüber der politischen führung, ab?

    wenn zahlen zb.über konkurse; arbeitslose; corona-infizierte/lockdown-maßnahmen; banken- und versicherungs-geschädigte; verschuldung; auskünfte über dubioses handeln der regierung; armut/reichtumsverteilung; zuwanderung; gesetzesbrüche; vertragsbrüchig; etc. usw.
    so arg manipuliert, getäuscht und teils verweigert werden,

    dann sollten längst alle roten warnlampen beim bürger angehen.

    regierungen welche dieses notwendig haben, sind keine demokraten, nicht christlich, nicht sozial, – sie sind verbrecher am eigenen volke.

    wer dies nicht erkennt, oder ignoriert, der ist verurteilt die grausame geschichte zu wiederholen!

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @foxxly

      “wenn zahlen zb.über konkurse; arbeitslose; corona-infizierte/lockdown-maßnahmen; banken- und versicherungs-geschädigte; verschuldung; auskünfte über dubioses handeln der regierung; armut/reichtumsverteilung; zuwanderung; gesetzesbrüche; vertragsbrüchig; etc. usw.
      so arg manipuliert, getäuscht und teils verweigert werden”

      Naja. Die Intensivbetten-Statistiken wurden definitiv gefaked, eine Menge der ehemals so bösen und angeblich abstrusen Verschwörungstheorien von China-Virus bis karibischer Pädo-Insel für Milliardäre und Politiker sehen mittlerweile ziemlich plausibel aus und Assange sitzt natürlich auch immer noch in Auslieferungshaft, aber bei den Konkurszahlen glaube ich nicht an Manipulation.

      Die Insolvenzantragspflicht ohne Ausnahmetatbestände wurde zum 01. Mai 2021 erst wieder eingeführt, und dann haben Unternehmen in Deutschland bei Zahlungsunfähigkeit 3 Wochen und bei Überschuldung 6 Wochen Zeit um einen Insolvenzantrag zu stellen oder gerade noch so aus der Insolvenzlage wieder herauszukommen während die Uhr schon tickt.

      Und um in eine Situation mit Zahlungsunfähigkeit hineinzukommen, braucht man erstmal offene *und* fällige Verbindlichkeiten, die man nicht zahlen kann. Davon hatten die Branchen im Dauerlockdown aber bis Mai noch nicht so viel – variable Kosten fielen kaum an, denn es gab ja kaum Geschäftstätigkeit, und für die Fixkosten gab es Coronahilfen beziehungsweise gibt es immer noch Kurzarbeitergeld.

      Für die wäre absolut tödlich wenn sie jetzt wieder Rohmaterialien und Hilfsmittel einkaufen – und dann im Oktober wegen irgendeiner herbstlichen Kappa-Sigma-Multi-Mutante wieder alles dicht gemacht wird; es sei denn, dann drucken wir nochmal ein paar Billionen und legen die nächste Hilfsprogramm-Runde auf.

      Schauen wir mal, welche Insolvenzantragszahlen wir im Juli für den Monat Juni bekommen, da müssten dann die total ausgebombten Unternehmen dabei sein, für die offensichtlich ist, dass die Lockdowns jegliche Fortführungsperspektive zerstört und die Substanz vernichtet haben.

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    • weico
      weico sagte:

      @ foxxly

      “wer dies nicht erkennt, oder ignoriert, der ist verurteilt die grausame geschichte zu wiederholen!”

      Die Deutschen haben dann den grossen Vorteil,….

      …dass Sie aus Erfahrung “wissen” (oder die Jüngeren könn(t)en es nachlesen..) , wie eine sehr erfolgreiche Wirtschaftspolitik/Währungsreform geht.

      Aus der Erfahrung haben Sie dann hoffentlich auch gelernt, was Sie unternehmen/unterlassen müssen, damit es am Ende nicht wieder im Sozial-und Wohlfahrtsstaat endet….!

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @weico

        Leider haben wir Deutschen gleichzeitig auch den Nachteil, dass wir einen ganzen Staat voller sozialistischer Altkader vor der Pleite gerettet, ihre Organisationen nicht verboten, ihre Anführer nicht ins Gefängnis gesteckt und ihr beiseite geschafftes Vermögen nicht konfisziert haben. Das wäre *DIE* Gelegenheit gewesen, die Brut loszuwerden, wenn man schon nicht den totalen Zusammenbruch der DDR als Anschauungsbeispiel dafür nutzen konnte, dass sozialistische Planwirtschaft niemals funktionieren kann.

        Stattdessen ist die SED wieder in mehreren Bundesländern an der Regierung beteiligt und jemand wie Merkel konnte im wiedervereinigten Deutschland sogar Bundeskanzler*in werden…

      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ weico

        Das Wirtschaftswunder von 1948/70 ist nicht wiederholbar. Die Prämissen sind diametral gegensätzlich.Die Bevölkerung ist heute nicht hungrig, sondern wohlgesättigt und ohne Änderungswillen. Die Infrastruktur ist nicht zerstört, sondern zwar etwas angejahrt, aber im Grossen und Ganzen funktiosfähig. Für die Arbeitsplätze gilt dasselbe. Der Wohnraum per Einwohner ist nicht mehr 10 qm/Nase, sondern das fast fünffache in wesentlich besserem Zustand. usw.

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