Klimapolitik wirkt: Öl bald wieder bei 100 US-Dollar?

Wir wollen möglichst schnell aus fossilen Energien aussteigen. Folge: Die Unternehmen, die diese fördern, bereiten sich darauf vor und investieren nicht mehr – unterstützt von Gerichten, die sie nötigen, dies noch schneller zu machen.
Problem an der Sache: Dummerweise ist die Weltbevölkerung noch nicht so weit, dass sie der Logik folgt, über Verzicht die Nachfrage zu senken. Außerdem sind die alternativen Energieträger noch nicht ausreichend vorhanden bzw. nicht immer verfügbar.
Die Folge: Die Preise für fossile Energien werden steigen. Das dürfte die Klimaschützer freuen, macht es doch alternative Energien noch attraktiver. Umgekehrt dürfte es aber zur allgemeinen Tendenz höherer Preise beitragen und könnte so die Wirtschaft dämpfen (sinkende Margen) oder den Inflationsdruck erhöhen.

Die FINANCIAL TIMES (FT) fasst zusammen:

  • “Executives from Vitol, Glencore and Trafigura and Goldman Sachs said (…) that $100 crude was a real possibility (…) The prediction comes at a time when concern about inflation is rising and many commodities, such as copper, have already reached record highs, boosted by supply shortfalls as the economic recovery gathers pace.” – bto: Deshalb sprechen einige bereits vom nächsten Rohstoff-Superzyklus.
  • “Jeremy Weir, executive chair of Trafigura, one of the world’s largest independent oil traders, told the FT (…) that he was ‘concerned’ by the lack of spending on new supply because the world was not ready to make the leap to clean energy and complete electrification. (…) ‘The issue for oil is not demand . . . the supply situation is quite concerning. We’ve gone from 15 years of reserves to 10 years. We’ve seen capital expenditure go from five years ago at $400bn a year to just $100bn a year. So therefore, there is a concern on the supply side . . . that I think will probably drive prices higher.’” – bto: Die Profiteure wären dann jene Staaten und Unternehmen, die nicht auf einen raschen Trendwechsel setzen.
  • “‘If you’re cutting supply without at the same time addressing your demand that is when you can get price dislocations, you’re really only one or two events away from a material spike in oil prices.’” – bto: Es genügen kleine Störungen, um steigende Ölpreise zu verursachen.
  • “Oil has not traded above $100 a barrel since 2014, when a surge in supplies from the US shale sector brought the last so-called supercycle to an end. At the start of this century oil prices rallied from near $10 a barrel to reach above $100 in 2008, boosted by growing Chinese demand. Prices, while volatile, averaged around $100 a barrel for the next six years.” – bto: Es ist schwer abzuschätzen, aber es leuchtet mir ein, dass geringere Investitionen bei noch nicht sinkendem Angebot zu Knappheit führen kann. Das wäre dann eine vorübergehende Inflation – aber es wäre eine.
  • “Goldman Sachs (…) has argued that commodities are looking at a new supercycle as government stimulus measures boost demand. (…) oil demand will rise because policymakers will use spending on huge green infrastructure projects as stimulus measures aimed at tackling inequality. (…) every $2 trillion of green capex spend is worth about 200,000 barrels per day of oil demand (…).” – bto: Auch das ist klar. Wir haben natürlich mehr CO2-Ausstoß beim Umbau der Wirtschaft. Also auch entsprechende Energienachfrage.
  • “Vitol said the trading house believed oil demand would peak around 2030 but that at first demand would not fall sharply initially, instead plateauing well above the 100m barrels a day level it first reached in 2019. The key period for the risk of an oil supply gap was between 2025 to 2030, he said, and that because of growth in the developing world it would take until 2040 for global oil demand to start falling rapidly.Oil demand will probably carry on growing till 2030, obviously dominated by non-OECD and developing markets (…).” – bto: Das wird gern vergessen bei unserer Diskussion.
  • “Some of the largest oil producers such as BP and Royal Dutch Shell have said their oil production will start to taper in the coming years as they shift investments towards greener forms of energy under pressure from investors.” – bto: alles gut. Ich finde die russischen Öl- und Gaswerte weiter interessant.

ft.com (Anmeldung erforderlich): „Oil likely to hit $100 a barrel, say top commodity traders“, 15. Juni 2021

Kommentare (30) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    Unser Kanzlerkandidat und Benzinpreisexperte Olaf Scholz hat die Lage schon fest im Blick:

    SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz weiß nicht genau, wie viel Benzin derzeit kostet. Seine Begründung: „Ich gehe nicht selbst tanken!“ [natürlich aus Sicherheitsgründen, wobei sich seine Sicherheitslage vermutlich nicht verbessert, wenn er sowas auch noch öffentlich erzählt]
    https://www.youtube.com/watch?v=BtezTQv66kM

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  2. Schwarzenberg
    Schwarzenberg sagte:

    Mit steigender Inflation – und der Ölpreis hat da direkt und indirekt hohen Einfluss – wird der Euro noch mehr zur Schwundwährung (“use it or loose it”). Dann nährt die Inflation die Inflation. Dass es im Eurosystem kaum bis keinen Spielraum gibt, um gegenzuhalten, ist den Lesern hier bekannt. Also, verschiebe nicht auf morgen was du heute kannst besorgen …

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  3. JürgenP
    JürgenP sagte:

    @ Foxxly 22. JUNI 2021, 09:36
    “…der politische klima-wahn, ist in erster linie ein wahn der großindustrie und des kapitals. sie sind die profiteure des umbaues der wirtschaft …”.

    Ich habe meinen Haus- und Hofelektriker nach einem simplen Stromanschluss mit Außensteckdose gefragt … für mein staatgesponsertes Halbelektroauto mit Stern. Er sagte mir Preis und Termin. Ich glaube, er hat auch so einen Wahn. Ist das wie bei Corona? Kaum fragt er mal ohne Gehirnschutz beim Leuchtenlieferanten nach LED-Birnen oder bei der Bank nach einem Kredit, schon wird er angesteckt?

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  4. JürgenP
    JürgenP sagte:

    Google engl-deu: „Führungskräfte von Vitol, Glencore und Trafigura und Goldman Sachs sagten (…), dass 100 Dollar Rohöl eine reale Möglichkeit (…) Die Vorhersage kommt [ Text egal] Versorgungsengpässe […] verstärkt werden“.

    Aha, die Seher sehen wieder eine reale Möglichkeit.

    Schaun wir mal, wie real ist denn eine Ölpreissteigerung = ölpreisentwicklung tecson (> Bilder)

    Na ja, die Graphik ist nicht mehr ganz neu. Aber gemessen an den Piks der Vergangenheit, gibt es offensichtlich noch viel Luft nach oben für den Ölpreis. Die „Vorhersage“ ist gefahrlos möglich, man blamiert sich als “Experte” nicht von vornherein.

    Wo ist denn NOCH viel Luft nach oben? Na, beim Fracking. Ist das Öl billig, lohnt sich die Verseuchung des Bodens nicht, um das Öl in den Markt zu drücken. Ist es teuer, dagegen schon. [https://www.trend.at/wirtschaft/erdoel-fracking-anbieter-geschaeft-preis-8043788]

    Aha: wird viel gefrackt, fällt der Preis oder umgekehrt. Ist das eventuell wie bei den Schweinezüchtern: viele Ferkel, niedrige Preise, billiges Grillkotlett. Wenig Ferkel oder viel Seuche, dann teures Kotlett. Passt doch zusammen.

    Kann es sein, dass die Mechanismen der Preisentwicklung bei den Geschäftsmodellen der Ölbarone und Schweinezüchter dieselben sind? Sind die Immobilienhaie auch von diesem “Virus” angesteckt worden? Muss man evtl. gar nicht die Führungskräfte bei Goldman Sachs & Co fragen, sondern nur den nächsten Züchter im Dorf nebenan, um zu erfahren, wo die Reise hingeht?

    Sicherlich ist die These ein wenig provokant. Wozu gibt es die vielen Experten? Allerdings: “sehen” die die Möglichkeiten auch nur in der Glaskugel. Vielleicht um das Spekulieren mit dem Geld anderer Leute zu begründen.

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  5. Susanne Finke-Röpke
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    FT: “Oil demand will peak around 2030.”

    Das glaube ich erst wenn ich es sehe. Außerhalb von ein paar flachen Inseln wie in Polynesien, West- und Mitteleuropa sowie den politisch eher links orientierten Bürgern (=Nachfahren von West- und Mitteleuropäern) in Nordamerika interessiert sich faktisch für die Abkehr vom Öl bzw. für den Klimaschutz: exakt ernsthaft niemand. Man betrachte die vor wenigen Tagen gescheiterten Gespräche über minimale Fortschritte bei den Emissionen in der Schifffahrt. Und daher wird der Ölmarkt sich zunehmend von den G7 wegbewegen. Natürlich bekommen BP und Royal Dutch Shell Druck von ihren Regierungen, NGOs und Gerichten, aber schon in Bulgarien oder Rumänien wird sogar weit über 90 % der Fahrzeuge der Katalysator entnommen und als Altmetall verkauft. Wer glaubt ernsthaft, dass solche Länder den Verbrenner aus reinen Umweltgründen aussortieren? Oder gar in Asien, Südamerika oder Afrika, wo die Motorisierung erst richtig Fahrt aufnimmt, weil bis auf eine geländewagenfahrende kleine Oberschicht noch gar keine Motorisierung stattgefunden hat? Ich kann mir gut vorstellen, dass die Afrikaner erst nach 2030 so richtig ihren Fuhrpark bzw. ihren Flugverkehr ausdehnen, ob es uns bzw. der Natur passt oder nicht. Daher wäre ich mit solchen Aussagen vorsichtig. Der Club of Rome hat sich bei solchen Prognosen schon in den 70ern nicht mit Ruhm bekleckert.

    Über die ökologischen Probleme der ganzen Sache brauchen wir aber wohl auch nicht lange diskutieren, die sind wohl unstrittig.

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Bin tendenziell bei Ihnen.

      Prämissen, von denen ich ausgehe, weil ich sie für richtig erachte:

      Angebot und Nachfrage sind entscheidend – abhängig vom Preisniveau natürlich.

      Die Bekämpfung des Klimawandels wird zwar Ölprodukte für die Verbraucher in den entwickelten Ländern verteuern und damit tendenziell die Nachfrage in DIESEN Ländern, aber damit verbunden natürlich NICHT weltweit verringern.

      Die größten Erdölförderer – der Reihe nach von der Spitze nach unten – USA, Saudi-Arabien, Russland, Kanada, China, wirft niemand als Anbieter aus den Märkten, weil zu viel BIP dranhängt.

      Die Erdölförderländer werden wie in der Vergangenheit maximale Erlöse aus Menge x Preis anstreben. Dies zwar in unterschiedlicher Weise, die USA sind da zukünftig vermutlich flexibler als z. B. Russland, aber tendenziell wird das so sein. Für einige Förderländer ist das eine Überlebensfrage.

      Die Nachfrage wird in den sich entwickelnden Ländern WACHSEN, wie Sie es angedeutet haben.

      Das kann auch zu leicht steigenden Preisen so sein, weil das Angebot so groß sein wird, dass das Preisniveau nicht prohibitiv hoch sein wird.

      Die entwickelten Länder werden nicht fähig sein, die Nachfrage und den Verbrauch in den sich entwickelnden Ländern entscheidend zu beschneiden.

      Diesen IMPERIALISMUS oder KOLONIALISMUS wird es nicht geben.

      Antworten
      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Dietmar Tischer:

        DT: “Die größten Erdölförderer – der Reihe nach von der Spitze nach unten – USA, Saudi-Arabien, Russland, Kanada, China, wirft niemand als Anbieter aus den Märkten, weil zu viel BIP dranhängt.”

        Das wäre noch das kleinere Thema, an Deutschland hängt ja auch viel BIP, nur ohne Öl. Nein, diese Länder wirft vor allem niemand raus, weil zu viel Militär dran hängt, und diese Länder teilweise auch noch Bündnisse mit einander eingehen. Daher haben wir neben der NATO inoffiziell eine “NOTO” (North Oil Treaty Organisation), militärische Allianz von Staaten auf der Nordhalbkugel mit Ölförderung, in der z.B. auch Saudi-Arabien oder Kuwait mit dabei sind. Keiner besetzt die Ölquellen in Saudi-Arabien, wenn diese die USA um militärischen Beistand bitten. Umgekehrt wissen sich Chinesen und Russen jeweils selbst zu verteidigen.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        “Daher haben wir neben der NATO inoffiziell eine “NOTO” (North Oil Treaty Organisation), militärische Allianz von Staaten auf der Nordhalbkugel mit Ölförderung, in der z.B. auch Saudi-Arabien oder Kuwait mit dabei sind. ”

        Nein, die ölfördernden Staaten sind selbst in der OPEC untereinander viel zu zerstritten als dass sie eine militärische Allianz eingehen würden. Wirtschaftliche Interessen sind zwar wichtig, aber nicht das einzige strategische Kriterium.

        Die Vorstellung, dass zum Beispiel die USA und Venezuela oder Saudi-Arabien und Iran eine Militärallianz eingehen könnten, ist vollkommen absurd. Bei Russland und China würde ich es hingegen in sehr naher Zukunft erwarten.

        “Keiner besetzt die Ölquellen in Saudi-Arabien, wenn diese die USA um militärischen Beistand bitten.”

        Och, der Iran hätte vielleicht schon Lust. Und die Rebellen im Yemen haben ganz sicher noch eine Rechnung mit den Saudis offen, genauso wie Assad in Syrien. Aber vielleicht besetzen die USA die Ölquellen in Saudi-Arabien wenn die Saudis eines Tages der US-Allianz überdrüssig werden oder gar auf die freche Idee kommen, ihr Öl in Yuan oder Gold abzurechnen?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        >Keiner besetzt die Ölquellen in Saudi-Arabien, wenn diese die USA um militärischen Beistand bitten.>

        Kein Widerspruch, aber ich sehe die Kausalität etwas anders als Sie.

        Keiner DENKT auch nur im Traum daran, die Ölquellen in Saudi-Arabien zu besetzen, weil das einen Krieg auslösen würde, den sich keiner leisten könnte. Der Schutz gegen Terrorangriffe ist hoch und seit den erfolgten Angriffen wohl nochmals erhöht worden.

        Wenn, andere Möglichkeit, Saudi-Arabien durch zu geringe Öleinnahmen und damit Kürzung von Staatsleistungen an die Bevölkerung in innenpolitische Schwierigkeiten geriete, würde es stabilisiert werden mit Mrd.-Beträgen von USA und der EU.

        Ägypten ist der Prototyp dafür. Dort wird mit Mrd.-Beträgen vor allem aus USA dafür gesorgt, dass der Suezkanal nicht in die falschen Hände fällt.

        Warum gäbe es derartige Hilfe für Saudi-Arabien?

        Ein destabilisiertes Saudi-Arabien würde den Mittleren Osten in ein Pulverfass verwandeln, gegen das der Syrienkrieg eine Petitesse wäre.

        Speziell auf Europa kämen Herausforderungen zu, die nicht zu beherrschen wären.

        Daher wird PRÄVENTIV soweit wie möglich alles getan – inkl. Waffenlieferungen, die wir über den Ölpreis finanzieren -, dass Saudi-Arabien STABIL auf Seiten des Westens bleibt.

        Eine ANDERE Situation wäre allerdings dann gegeben, wenn der Iran Atomwaffen hätte UND das dortige Regime weiterhin oder sogar verstärkt von religiösen Fanatikern beherrscht würde.

        >Umgekehrt wissen sich Chinesen und Russen jeweils selbst zu verteidigen.>

        Nicht nur das, sie sind stark genug ihre Interessen AKTIV durchzusetzen.

        Siehe Nord Stream 2.

        Die USA können sich auf den Kopf stellen – das Projekt ist nicht zu kippen.

      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott:

        Venezuela würde ich nicht zum Norden rechnen, das ist für mich schon Süden, weil Südamerika, auch mental.

        Und wenn Iran die Staaten Kuwait und Saudi-Arabien gleichzeitig angreifen würde, würden diese ganz sicher militärisch kooperieren, wenn auch ziemlich sicher nur während der Krise. Der Sonderfall Öl gegen Gold tritt m.E. nie ein, denn Gold hat keinen Emittenten mit Soldaten im Hintergrund und kann das Förderland nicht militärisch schützen; es gibt keine Petrobarren-Vereinbarung wie beim Petrodollar. Der Sonderfall Öl gegen Yuan tritt nur dann ein, wenn China vorher auch bei den Streitzonen Südchinesisches Meer, Taiwan oder Japan gegenüber den USA militärisch stark genug ist und das dauert noch. Kein Chinese legt sich in Saudi-Arabien mit den Amis an, wenn er nicht weiß, dass er höchstwahrscheinlich gewinnen würde. Dieser Fall dürfte noch Jahre ausgeschlossen sein. Yemen zählt militärisch nicht gegen die USA und Iran hat es eher auf Israel abgesehen; Öl haben sie selbst, da wäre eher noch Mekka das Ziel. Aber dann legen sie sich auch noch mit etlichen anderen sunnitischen Staaten an, denn von Marokko bis Ägypten und der Türkei würde ein Aufschrei bis nach Pakistan, Bangladesh und Malaysia durch die muslimische Welt gehen, wenn die Schiiten die Kaaba besetzen würden. Diesen Konflikt übersteht selbst ein mit Atomwaffen ausgerüsteter Iran nicht.

        Eine Militärallianz Russland – China könnte ich mir gegen die USA und den $ durchaus vorstellen, wobei das gegenseitige Misstrauen dennoch wohl permanent vorhanden wäre. Andererseits ergänzen sich beide ziemlich gut. Die Russen haben das Land, die Rohstoffe und das Militär; die Chinesen die Verbraucher, das Geld, die Technologie, eigenes Militär und die Industrie. Nichtsdestotrotz ist die Sozialisierung der beiden Völker schon recht unterschiedlich, von den unterschiedlichen Bevölkerungszahlen gar nicht zu reden. Aber die Russen müssten permanent Angst haben, unter die Räder der chinesischen Vorherrschaft zu kommen.

      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Dietmar Tischer:

        Ich würde gerne auf viele Punkte antworten, aber ich suche mir aus Zeitgründen nur einen heraus:

        DT: “Siehe Nord Stream 2.Die USA können sich auf den Kopf stellen – das Projekt ist nicht zu kippen.”

        Das liegt nicht nur an den Russen, das liegt vor allem an den Deutschen. Die deutsche Politik weiß parteiübergreifend ganz genau, dass eine echte vollständige Energiewende real noch in weiter Ferne liegt, dass die Leitungen durch Belarus und die Ukraine aus Sowjetzeiten irgendwann den Geist aufgeben und deren Regierungen unberechenbar sind (und bleiben) und eine Leitungserneuerung auf deren Grund zu Erpressungspotential führt. Daher braucht Deutschland eine sichere Gasversorgung und da haben nur die Russen mit einer Pipeline über die Ostsee eine zuverlässige Quelle, weil diese noch eine halbe Ewigkeit hält und eine Pipeline im Gegensatz zu LNG beide Seiten bindet. Denn die Russen können sonst nur nach China liefern per Pipeline, der Rest fällt als Abnehmer faktisch aus. Und von China alleine will sich Russland bestimmt nicht abhängig machen.

        Der eigentliche Grund ist aber ein anderer. Noch vor 25 Jahren hätten die USA die Deutschen bei Bedarf an die Wand gedrückt und Biden wäre hart geblieben. Inzwischen brauchen sie gegen China jeden Verbündeten, den sie noch kriegen können. Militärisch, politisch, wirtschaftlich, medial. Die Chinesen werden einfach viel zu stark und dann muss man seinen Verbündeten auch mal was durchgehen lassen. Denn die Deutschen könnten sich auch mit den Russen verbünden. Diese Aufgabe hatte früher die LInkspartei und jetzt die AFD. Aktuell spielt das noch keine entscheidende Rolle, aber zwei Wochen Heizungsausfall bei Millionen Haushalten im Winter in Deutschland und die AFD steht vor der Regierungsübernahme in einer Koalition mit Union und oder FDP gegen die drei linken Parteien. Unrealistisch? Zumindest im Moment sehr, sehr unwahrscheinlich. Aber es kommt auf die Umstände an. Corona war nichts im Vergleich zu dem, was bei echten Großkrisen wie einer Energiekrise drohen würde. Der aktuelle Machtzuwachs der Grünen stammt aus den heißen Sommern seit 2018 mit dem Bewusstseinswandel für das Klimathema. Genauso schnell kann es in eine andere Richtung gehen, wenn der Druck von einem anderen Problem kommt, sei es Energie, innere und äußere Sicherheit oder Geldwertstabilität.

        Wenn Biden richtig schlau ist, versucht er Russland als Teil des Bollwerks gegen China zu gewinnen, indem er North Stream 2 insgeheim sogar befürwortet. Das kann er aktuell nicht, weil die Nachfolge von Putin nicht geregelt ist und ein Zar nicht Ruhestand geht wie Frau Merkel und derzeit deswegen mit Aktionen von Krim bis Nawalny für schlechte Nachrichten sorgt. Wenn die Nachfolge geklärt ist, kann Russland wieder verlässlicher werden. Das dauert aber wohl noch, kann aber auch unerwartet schnell gehen. Bei den Republikanern sitzen noch zu viele, die glauben, es mit Russland und China gleichzeitig aufnehmen zu können. Das dürfte sich in den kommenden Jahren zunehmend als unmöglich entpuppen.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        Das Thema „Energie“ ist geopolitisch so vielschichtig, dass es hier nicht zu klären ist. Wir müssten eigentlich ein Gespräch führen.

        Hier so viel zu Ihren Ausführungen:

        >Daher braucht Deutschland eine sichere Gasversorgung … von China alleine will sich Russland bestimmt nicht abhängig machen.>

        Stimme zu.

        Von Ihnen angesprochen mit „beide Seiten bindet“ heißt, dass Nord Stream 2 Russland auch von Europa ABHÄNGIG macht – nicht im gewünschten Maß, aber doch signifikant, meine ich.

        Denn Russland braucht Devisen und bekommt die weitgehend nur durch den Export von Rohstoffen, eben auch Gas.

        Das VERMINDERT politische Risiken, was nicht zu unterschätzen ist.

        >Noch vor 25 Jahren hätten die USA die Deutschen bei Bedarf an die Wand gedrückt und Biden wäre hart geblieben. Inzwischen brauchen sie gegen China jeden Verbündeten, den sie noch kriegen können.>

        Ja, aber m. A. n. ist das nicht die ganze Wahrheit.

        In den letzten 25 Jahren hat nicht nur China enorm an wirtschaftlicher und militärischer Macht gewonnen, sondern es hat sich auch eine EU etabliert. Wir sind uns einig, dass das ein sehr wackliges Gebilde ist, aber solange es besteht, ist es ein GROSSER Markt mit dem größten Player Deutschland. Die USA muss seine Exporte stärken – was nicht nur Energie betrifft – und muss daher auch mehr Rücksicht nehmen auf Europa als vor 25 Jahren.

        >Wenn Biden richtig schlau ist, versucht er Russland als Teil des Bollwerks gegen China zu gewinnen, … Wenn die Nachfolge geklärt ist, kann Russland wieder verlässlicher werden>

        Das Problem Russlands ist m. A. n. nicht die Figur, die Nachfolger wird, sondern WELCHE Politik sie betreibt.

        Was ich meine:

        Wenn in Russland eine liberale westliche Politik betrieben wird, besteht die Gefahr, dass das Land in seine Ethnien zerfällt. Das wäre Instabilität, die uns grundsätzlich nicht gefallen kann, so sehr ich den Menschen auch mehr Freiheit wünsche. Insoweit habe ich keine Sympathie, aber ein gewisses Verständnis für Putin.

        Heißt:

        Russland ist mit Putin relativ VERLÄSSLICH, aber nicht auf die Art und Weise, die wir uns wünschen – „demokratisch eingefärbte Verlässlichkeit“.

        Langfristig wird sich Russland aber dahin entwickeln und dann werden die Karten neu gemischt.

        >Bei den Republikanern sitzen noch zu viele, die glauben, es mit Russland und China gleichzeitig aufnehmen zu können. Das dürfte sich in den kommenden Jahren zunehmend als unmöglich entpuppen.>

        Zustimmung.

        Demokraten wie Republikaner werden einen vermutlich sehr SCHMERZHAFTEN innenpolitischen Prozess durchmachen müssen, weil die USA ihre Probleme nicht mehr so wie in der Vergangenheit durch außenpolitische und vor allem militärische Dominanz zu lösen vermag.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Keiner DENKT auch nur im Traum daran, die Ölquellen in Saudi-Arabien zu besetzen, weil das einen Krieg auslösen würde, den sich keiner leisten könnte. Der Schutz gegen Terrorangriffe ist hoch und seit den erfolgten Angriffen wohl nochmals erhöht worden.”

        Ein “Regime Change” und das Installieren einer den neuen Herrschern treu ergebenen Marionettenregierung wäre viel eleganter – und würde auch zu deutlich weniger Widerstand in der islamischen Welt führen, falls der Angreifer nicht gerade der Iran ist, dem man die Kontrolle über die heiligen Städte Mekka und Medina widerstrebend doch noch zugestehen würde, obwohl es so merkwürdige Schiiten sind.

        “Wenn, andere Möglichkeit, Saudi-Arabien durch zu geringe Öleinnahmen und damit Kürzung von Staatsleistungen an die Bevölkerung in innenpolitische Schwierigkeiten geriete, würde es stabilisiert werden mit Mrd.-Beträgen von USA und der EU.

        Ägypten ist der Prototyp dafür. Dort wird mit Mrd.-Beträgen vor allem aus USA dafür gesorgt, dass der Suezkanal nicht in die falschen Hände fällt.”

        Nette Theorie, aber so funktioniert die Welt offensichtlich nicht.

        Erklären Sie mir, wieso der Westen die Revolution der Islamisten gegen Mubarak untersützt hat, wenn er doch angeblich so viel Wert auf Stabilität in dem Land legt, durch das der Suez-Kanal führt.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Erklären Sie mir, wieso der Westen die Revolution der Islamisten gegen Mubarak untersützt hat.>

        Es gab meines Wissens KEINE Revolution der Islamisten gegen Mubarak.

        Mein Verständnis ist folgendes:

        Mubarak wurde durch den Westen gestützt, weil er mit seiner auf der Armee basierenden autokratischen Regierung ein verlässlicher Faktor im krisenbehafteten Nahen Osten galt.

        Das war bis zu seinem Rückzug der Fall, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil er die Muslimbrüderschaft und islamistische Extremisten konsequent unterdrückt hatte.

        Der Arabische Frühling wurde auch in Ägypten vor allem aus wirtschaftlichen Gründen in Gang gesetzt, NICHT aus religiösen.

        Die Muslimbrüderschaft engagierte sich nicht besonders.

        Referenz:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Husni_Mubarak

        Daraus:

        >Ursachen für die erhöhte Protestbereitschaft sind, wie in vielen anderen arabischen Staaten, der Unmut über das autoritäre Regime mit einem ausgeprägten Sicherheitsapparat, fehlende Mitsprachemöglichkeiten der Bürger, Korruption in Staat, Wirtschaft und Verwaltung, eine hohe Arbeitslosigkeit insbesondere der jüngeren Bevölkerung und eine wachsende Armut. Hinzu kommen eine Nahrungsmittelpreiskrise durch zunehmende Nachfrage und Spekulationen, und steigende Energiepreise.<

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Oh Vorsicht! Mit “Referenzen” aus Artikeln über Personen in der deutschsprachigen Wikipedia könnten Sie auch “belegen”, dass Annalena Baerbock super kompetent ist…

        Oder dass Hillary Clinton integer und vertrauenswürdig ist. (Der Artikel über sie ist einer der schlechtesten Wikipedia-Einträge überhaupt – es wird erwähnt, wie sehr gehackte e-Mails ihrer Wahlkampagne geschadet haben, aber über den Inhalt der Mails erfährt man gar nichts, obwohl auch Clinton selbst nicht deren Echtheit bestreitet – warum ist das wohl so?) Wenn es um die weltanschaulichen Dogmen derjenigen geht, die Sahra Wagenknecht die “Lifestyle-Linken” nennt, ist Wikipedia als Quelle vollkommen unbrauchbar, außer, um zu recherchieren, was eben die Ansichten der Lifestyle-Linken zu dem Thema sind.

        Warum hacke ich schon wieder auf Hillary Clinton herum? Wie wir aus den gehackten (hihi) und auch vom US-Außenministerium während der Trump-Regierung auf normalem Weg veröffentlichten Clinton-Mails wissen, haben die US-Regierung und auch Clinton selbst über ihre angeblich wohltätige “Clinton Foundation” als katarische Geldwaschanlage die Muslimbruderschaft in Ägypten unterstützt. Soll ich Ihnen die Primärquellen heraussuchen?

        “Mubarak wurde durch den Westen gestützt, weil er mit seiner auf der Armee basierenden autokratischen Regierung ein verlässlicher Faktor im krisenbehafteten Nahen Osten galt. Das war bis zu seinem Rückzug der Fall, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil er die Muslimbrüderschaft und islamistische Extremisten konsequent unterdrückt hatte.”

        Lange Zeit ja, aber ab der Obama-Administration mit Hillary Clinton als Außenministerin eben nicht mehr. Damals setzte sich in amerikanischen Außenpolitik-Zirkeln die Theorie durch, dass es deshalb so viel Extremismus in der arabischen Welt gäbe, weil die autokratischen Regierungen dort die Muslimbruderschaft als angeblich “moderate Islamisten” so schlimm unterdrückten. Das war eine fatale Fehleinschätzung, wie man am tatsächlichen Regierungshandeln dieser angeblich “moderaten Islamisten” in von ihnen kontrollierten Staaten oder Provinzen erkennen konnte, von Kairo bis Aleppo – und offenbar hatten Muslimbruderschaft-freundliche Regierungen in der Türkei, Katar und mit Abstrichen Saudi-Arabien (die würden die noch härteren Salafisten bevorzugen) den Amerikanern diesen Floh ins Ohr gesetzt oder die amerikanischen Entscheidungsträger schlicht bestochen, um ihre eigenen Interessen in der Region zu befördern.

        “Der Arabische Frühling wurde auch in Ägypten vor allem aus wirtschaftlichen Gründen in Gang gesetzt, NICHT aus religiösen. Die Muslimbrüderschaft engagierte sich nicht besonders.”

        Da verkennen Sie vollkommen die politischen Kräfteverhältnisse in der ägyptischen Gesellschaft. Die Muslimbruderschaft war zum Zeitpunkt der Revolution mit Abstand die größte und einflussreichste organisierte Opposition in Ägypten. Von Anfang an war sehr wahrscheinlich, dass denen die Macht in den Schoß fallen würde. Schauen Sie sich mal die Wahlergebnisse in Ägypten bei der Wahl nach der Revolution an:

        Muslimbruderschaft 38%
        Salafisten 28%
        Säkulare “revolutionsfreundliche” Parteien von links bis rechts ganz großzügig zusammengezählt ungefähr 25%
        Mubarak-Treue ungefähr 6%

        https://de.wikipedia.org/wiki/Parlamentswahlen_in_%C3%84gypten_2011/2012
        [jaja, Wikipedia, aber die Auflistung der rohen Wahlergebnisse ist als Referenz durchaus brauchbar, nur bei den verlinkten Einschätzungen zu den Parteien fängt das linkspropagandistische Wikipedia-Framing schon wieder an – da wird die Muslimbruderschaft-Partei zum Beispiel als “islamistisch und wirtschaftsliberal” bezeichnet, was beim deutschen Leser einen komplett irreführenden ersten Eindruck erzeugt]

        Im übrigen sind für Islamisten “religiöse” Gründe immer auch automatisch politisch, denn der Islam und die Scharia sind in deren Weltbild von Allah geoffenbartes göttliches Recht, an das sich die Menschen zu halten haben und nach dem auch Wirtschaft und Gesellschaft zwingend ausgestaltet sein müssen. Da würde die deutsche “wirtschaftsliberale” FDP einen Hirnschlag bekommen…

        Ägypten hat letztendlich in der 2010er Dekade die gleiche Pirouette gedreht wie Russland in den 1990ern, was Sie in Ihren Worten ungefähr so hier beschreiben würden:

        “Insoweit habe ich keine Sympathie, aber ein gewisses Verständnis für Putin. Heißt: Russland ist mit Putin relativ VERLÄSSLICH, aber nicht auf die Art und Weise, die wir uns wünschen – ‘demokratisch eingefärbte Verlässlichkeit’.”

        Am Ende präferierten die einflussreichsten Kräfte in der Gesellschaft einen autokratischen Staat gegenüber dem Staatszerfall mit während der Herrschaft von sich selbst bedienenden Oligarchen (Russland) beziehungsweise durchgeknallten Islamisten (Ägypten).

        Sie werden überrascht sein, wie lange das stabil bleibt, sofern die USA nicht wieder auf Theoriefindung gehen und die Staaten destabilisieren oder sogar militärisch intervenieren. Die Dummheit und die Anfälligkeit der USA für außenpolitische Fremdsteuerung ist nicht zu unterschätzen, und damit meine ich nicht den bösen Orangemann, sondern die Dummheit derjenigen Fraktion, denen die Transatlantiker in Politik und Medien bei uns in Deutschland nur allzu unterwürfig die Stiefel lecken.

    • JürgenP
      JürgenP sagte:

      @Susanne Finke-Röpke
      „Außerhalb von ein paar flachen Inseln wie in Polynesien, West- und Mitteleuropa sowie den politisch eher links orientierten Bürgern (=Nachfahren von West- und Mitteleuropäern) in Nordamerika interessiert sich faktisch für die Abkehr vom Öl bzw. für den Klimaschutz: exakt ernsthaft niemand“.

      Würde ich so nicht sagen.

      An der Ostküste Kanada im Städtchen St. Johns, Neufundland, mussten sich die Fischer sich was Neues ausdenken, nachdem die Fischschwärme verschwunden waren. Das fing vor zwanzig Jahren an. Es schwammen im Mai in großer Entfernung die Eisberge vorbei. Die hat man sich gecatcht, zerhackt und mit dem Eisbergwasser ein paar Fässer Bier gebraut.

      Seit ein paar Jahren schwimmen die Eisberge von Februar bis August direkt vor der schmalen Hafeneinfahrt vorbei. Der Bierbrauboom setzte ein, eine ganze Brauindustrie ist entstanden. Nun hoffen die (vom Glück besoffenen) Fischer, nein die Brauereikonzerne, auf noch bessere Zeiten: bloß kein Klimaschutz, damit die Saison über das ganze Jahr ausgedehnt werden kann.

      Es ist schon so, dass sich auch andere für den Klimaschutz interessieren. Allerdings: nicht alle haben einen unvernebelten Blick darauf wie wir … dafür ist man dort pragmatisch.

      Antworten
  6. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    >Prices, while volatile, averaged around $100 a barrel for the next six years.” – bto: Es ist schwer abzuschätzen, aber es leuchtet mir ein, dass geringere Investitionen bei noch nicht sinkendem Angebot zu Knappheit führen kann. Das wäre dann eine vorübergehende Inflation – aber es wäre eine.

    “Vorübergehend” scheint sowieso neue Lieblingswort der Inflationsbeschwichtiger von der Gelddruck-Fraktion zu werden.

    Der Zweite Weltkrieg ging auch bloß knapp 7 Jahre lang und war demzufolge nur ein “vorübergehendes” Ereignis. Aber es war halt auch gleichzeitig eines mit gravierenden Konsequenzen.

    Antworten
    • Thomas M.
      Thomas M. sagte:

      Ja ,”transitory” ist ein neues makroökonomisches Buzzword zur Beschwichtigung und Relativierung.

      Der einfache Umstand ist dabei der:
      Wenn es immer wieder “transitory” / vorübergehende positive Inflationsraten gibt und nie/kaum negative, ist das dauerhafte, nachhaltige Inflation, die sich halt in Schwingungen / Spikes mit Trend nach oben zeigt.

      Ist wie mit den Geburstagen: Die sind auch nur transitory und sehr selten… zählen aber konsequent nach oben hoch :)

      Antworten
    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Richard Ott: Und erst die Entwicklung der deutschen Verbraucherpreise 1922 / 1923. Da reichten wenige Monate für ganz viel “vorübergehende” Wertverluste… :-)

      Antworten
  7. foxxly
    foxxly sagte:

    der politische klima-wahn, ist in erster linie ein wahn der großindustrie und des kapitals. sie sind die profiteure des umbaues der wirtschaft. das co2 scheint mir ein willkommender anlass dazu zu sein und wird die kommenden runden 10 jahre zu keiner senkung führen.

    der umbau hat eine gigantische wirtschaftsstruktur-änderung zur folge. sehr viele klein-und mittelbetriebe werden sich den umbau finanziell nicht leisten können. deren marktvolumen wandert (gewollt !!) zu den big playern.
    arbeitsplätze gehen in der summe verloren, bzw. die einkommen werden inflationsbereinigt kaum steigen.

    die kluft zwischen realwirtschaft und dem finanzsektor wird weiter größer werden

    im grunde wiederholen und fördern wir die entwicklungs-fehler der vergangenheit. die dimensionen werden halt größer.
    da dieses geldsystem keine heilung kennt, werden die probleme ständig größer werden, – es ist garnicht anders möglich!

    der co2 -wahn, ist das neue narrativ und die parole “bis zum endsieg” wird noch mehr gepeitscht.

    wie soll es auch anders gehen?
    entweder wir schaffen den umbau mit extremen aufwand, dann kann kein co2 -ziel in den nächsten 15 jahre erreicht werden,
    oder die wirtschaft zerbricht an den einschränkungen.

    in dieser zwickmühle steigt die globale kriegsgefahr, – vielleicht sogar paralell zur verschuldung?
    ich sehe daraus zwei mögliche richtungen:
    entweder wird durch kriege eine massen-zerstörung an leben und material erreicht, – und es geht dann wieder von vorne weiter,
    oder wir enden in einem modernen sklaventum, mit perfekter überwachung und steuerung des menschen.

    Antworten
  8. Dr. Gerald Baumann
    Dr. Gerald Baumann sagte:

    Der Ölpreis wird im Gegenteil fallen! Die FT liegt falsch. Gleiches gilt genauso für den Gaspreis und den Kohlepreis. Der Schluss ist völlig logisch. Die fördernden Länder werden weiter fördern. Keine Ressource bleibt wegen der paar verirrten Klimaschutz-Länder im Boden. Selbst die Norweger, die ihren Staatsfonds klimaneutral ausrichten, verkaufen ihr Öl weiter, um den Fonds zu füllen. Welche Firmen daran beteiligt sein werden, ist übrigens völlig egal. Die wegfallende Nachfrage der Länder wie Deutschland wird dann die Preise für den Rest sinken lassen. Das ist kleines 1×1 der Ökonomie und schön von Hans Werner Sinn hier erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=DKc7vwt-5Ho . Fazit: Langfristig wird kein CO2 weniger erzeugt und die klimaneutralen Länder deindustrialisiert.

    Antworten
    • Alexander
      Alexander sagte:

      @Dr. Gerald Baumann

      So ist es.

      Dazu H.W.Sinn von 2014 aus seinen 13 Thesen zur Energiewende, Zitat:

      These 3
      Wenn einzelne Länder oder Regionen der Welt fossile Energie einsparen, so bewirkt dies keine weltweite Ersparnis, es sei denn, die Fördermengen für fossile Brennstoffe gehen zurück. Wenn die Ressourcenanbieter auf ihren Fördermengen beharren, werden die Mengen auf dem Wege über fallende Weltmarktpreise nur zu anderen Ländern umgelenkt, und die CO2-Emissionen gehen nicht zurück. Klimapolitik kann man nur wirksam betreiben, wenn man die Angebotsseite im Griff hat. Die Grünen haben bislang nicht klargelegt, wie sie das bewirken wollen. Es werden hunderte von Milliarden Euro für Maßnahmen zur Begrenzung der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen ausgegeben, ohne das Angebot dieser Brennstoffe zu berücksichtigen.

      These 4
      Aus spieltheoretischer Sicht ist es nicht zu erwarten, dass die europäischen Anstrengungen im Sinne einer Vorbildfunktion positive Reaktionen bei Politikern anderer Länder erzeugen. Vielmehr ergibt sich umgekehrt ein starker Anreiz, Trittbrett zu fahren. Wenn die Temperaturen schon von Europa niedrig gehalten werden, muss man selbst keine Kosten auf sich nehmen, um den Temperaturanstieg zu begrenzen. Dies wurde in einem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium dargelegt.

      These 5
      Die Ankündigung einer großen Energiewende für die Welt kommt aus der Sicht der Ressourcenanbieter der Ankündigung einer Enteignung und Marktvernichtung gleich. Die Ressourcenanbieter reagieren mit einer Beschleunigung ihrer Extraktion, um möglichst viel zu extrahieren, bevor ihre Märkte vernichtet sind. Diesen Effekt bezeichnet man als das Grüne Paradoxon. Heute sind die realen Energiekosten nicht höher als um das Jahr 1980, obwohl die Ressourcenbestände immer knapper geworden sind. Das kann am Grünen Paradoxon gelegen haben. Auch mit diesem Effekt haben sich die Grünen nicht auseinandergesetzt, wie sie sich überhaupt mit der Angebotsseite des Klimaproblems nicht beschäftigen. Da sie staatliche
      Zwangsmaßnahmen fordern, liegt die Beweispflicht für die Wirksamkeit dieser Maßnahmen aber bei ihnen.

      Zitat Ende.

      Antworten
    • weico
      weico sagte:

      ” Langfristig wird kein CO2 weniger erzeugt und die klimaneutralen Länder deindustrialisiert.”

      ..wobei die Länder mit “grüner Atomkraft” bzw. die eine solche nicht gleich “verdammen”….einen grossen Vorteil hätten .

      Atomkraft ist ja Experten nach (…. einen Dank an Frankreich usw……) eine “grüne Investition”.

      https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/eu-fachleute-sehen-atomkraft-als-gruene-investition/

      Ob es für die “grünen Finanzen” dann ebenfalls “reicht ,wird man sehen.
      Gas-und Atom sind ja noch EU-Streitpunkte …aber vielleicht gibt es einen (politischen) Kompromiss und Atom ist GUT ….und Gas ist “BÖSE” (kommt ja auch Hauptsächlich aus Russland..).

      Der Atomgruppe gebe ich gute Chancen… :
      https://www.euractiv.de/section/energie-und-umwelt/news/macron-orban-und-co-fordern-aktive-unterstuetzung-fu

      Antworten
    • Carsten Pabst
      Carsten Pabst sagte:

      Sehr geehrter Herr Baumann,
      Sie sagen: Der Ölpreis wird im Gegenteil fallen!
      Da wir beide nur raten können, halte ich mal aufgrund einer einfachen Grafik dagegen:
      https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1717/umfrage/prognose-zur-entwicklung-der-weltbevoelkerung/
      Und die Ausschlußstrategien von Fondsmanagern zum Kauf von Vermögenswerten aus den Bereichen Öl, Gas, Waffen… wird nicht gerade neue Projekte anschieben. Thema ESG- Integration im Rahmen des Anlageentscheidungsprozesses. Ich gehe eher von dauerhafter Verknappung aus, ergo steigende Preise aufgrund massiver Nachfrage. Wir werden sehen.
      Freundliche Grüße
      Carsten Pabst

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Carsten Pabst

        Mit Klimadiktatur in Nordamerika und Europa inklusive Planwirtschaft und Energierationierung könnte es schon mit den fallenden Preisen funktionieren. Da freuen sich die Chinesen, so bleiben mehr Ressourcen für sie…

      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott: Das mit der “Klimadiktatur” kann in zwei Richtungen anders ausgehen:

        1. Ist überhaupt nicht klar, ob nach Biden nicht wieder ein zweiter “Trump” mit Unterstützung von Bundesstaaten wie Texas und Alaska in den USA alles ein zweites Mal zurückdreht. Bzw. ob die Franzosen nächstes Jahr eine Marine Le Pen als Präsidentin wählen, die da ganz andere Vorstellungen hat als die französischen Grünen.

        2. Ist überhaupt nicht klar, ob der Klimawandel nicht auf einmal doch auch auf andere Länder langfristig wirkt. Ob die Chinesen noch ruhig bleiben, wenn Hongkong, Shanghai, das Perlflussdelta und ein paar andere Orte absaufen und ihre großen Flüsse im Sommer mangels Gletscher Wassermangel haben, ist abzuwarten. Drei Jahre Ernteprobleme in China wegen Wassermangel und die KPC wird alles auf den Kopf stellen, auch die Umweltverschmutzung. Da würde kein Auge trocken bleiben. Auch Rio, Buenos Aires, halb Bangladesh, Alexandria in Ägypten, Istambul, Singapur, usw. sind im Moment noch im grünen Bereich, können aber bei fortschreitenden Problemen die Politik ihrer Nationen massiv beeinflussen. Es bleibt offen.

      • Dr. Gerald Baumann
        Dr. Gerald Baumann sagte:

        @ Carsten Pabst
        Der ganze ESG-Ansatz ist in dem Zusammenhang irrelevant. Der Ölmarkt besteht weiter. Es gibt dazu auch beliebig viele nicht-ESG-artige Finanzierungen und bei den Renditen im Öl-Geschäft sind evtl. Zinsdifferenzen zu nicht-EZB-geförderten Konditionen marginal. Es kann natürlich sein, dass die Preise trotzdem steigen, weil das Angebot die Nachfrage nicht befriedigt, aber dann steigen sie halt weniger, weil die Klimaschützer nicht dabei sind. Die Welt wird nicht aufhören fossile Energieträger zu verbrennen, bis die letzten Lagerstätten erschöpft sind. Wir haben übrigens noch nicht alle gefunden und die Naturschutzgebiete wird man auch ausbeuten. Im Wettstreit der individuellen Interessen nach Profit und Wachstum mit der Almende Klima verliert die Almende grundsätzlich. Das ist doch offensichtlich.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        zu 1: Sobald wir in der Klimadiktatur sind, wird man die Grünen nicht mehr einfach wieder per Wahl loswerden können, weder hier noch in den USA…

        Einen kleinen Vorgeschmack auf die Werkzeuge im Instrumentenkasten von einer sanften Diktatur, die sich nicht so plump anstellt wie die DDR und auch viel bessere PR betreibt, haben wir ja schon dieses Jahr bekommen, als die Sicherheitsbehörden in den USA anfingen, Libertäre als Staatsfeinde einzustufen. Oder als der Inlandsgeheimdienst in Deutschland damit begann, die Gegner der Corona-Politik der Regierung wegen “verfassungsschutzrelevanter Delegitimierung des Staates” zu bespitzeln.

        Da geht noch viel mehr.

        zu 2: “Ob die Chinesen noch ruhig bleiben, wenn Hongkong, Shanghai, das Perlflussdelta und ein paar andere Orte absaufen und ihre großen Flüsse im Sommer mangels Gletscher Wassermangel haben, ist abzuwarten. Drei Jahre Ernteprobleme in China wegen Wassermangel und die KPC wird alles auf den Kopf stellen, auch die Umweltverschmutzung”

        Selbst in einem Extremszenario wird China sicher nicht seine mühsam aufgebaute Industrie per “Energiewende” wieder ruinieren sondern in alter Tradition versuchen, solche Probleme mit Bauprojekten zu lösen. Die Chinesen haben schon vor tausenden Jahren ihre Migrantenprobleme an der Grenze mit großen Mauern gelöst und heute schütten sie ganze künstliche Inseln im Meer auf, um den Verlauf von Meeresgrenzen für sich günstiger zu gestalten.

        Meeresspiegelanstieg alleine ist für entwickelte Länder überhaupt nicht bedrohlich. Glauben Sie, zum Beispiel Singapur wird die Nerven verlieren, weil der Meeresspiegel in den nächsten 100 Jahren vielleicht schlimmstenfalls 50 cm ansteigt (in den vergangenen 100 Jahren waren es ungefähr 20 cm…)? Dann bauen die halt ihre Hafenanlagen entsprechend um, das ist um ein Vielfaches billiger als komplette “Dekarbonisierung” der singapurischen Gesellschaft, wobei diese gigantische Ausgabe sowieso sinnlos wäre solange China und Indien dabei nicht mitmachen…

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        Das Problem in Asien, auch schon bei „nur“ + 20 cm, ist, dass heute als Reisanbaugebiete genutzte Flussdeltas versalzen. Da geht es um Nahrungserzeugung von hundert(en) Millionen Menschen (Bevölkerungsentwicklung in dem Zeitraum kenne ich nicht). Das löst man nicht baulich. Wenn passiert, dann passiert.
        Wenn ich die Literatur der Geologen richtig deute, fällt das Mekongdelta als erstes, weil am flachsten. Alleine da werden, Stand heute, 70 Mio Menschen von ernährt.
        Von künftigen Bewässerungsproblemen von Gebieten, die von Gletschern gespeist sind, weiß ich zu wenig. Aber ich würde o. g. durchaus als „Problem“ qualifizieren.

      • weico
        weico sagte:

        @Christian Anders

        “Das Problem in Asien, auch schon bei „nur“ + 20 cm, ist, dass heute als Reisanbaugebiete genutzte Flussdeltas versalzen. Da geht es um Nahrungserzeugung von hundert(en) Millionen Menschen (Bevölkerungsentwicklung in dem Zeitraum kenne ich nicht). Das löst man nicht baulich. Wenn passiert, dann passiert.”

        Anpassen an die verändernden Gegebenheiten…. lautet das Motto:
        https://www.yicaiglobal.com/news/chinese-scientists-to-mass-plant-seawater-rice

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