Keine Besserung in der Eurozone

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Der Jubel ist laut. Die Krise ist überwunden und auch die Eurozone wächst wieder. Dass dies am Ende eines langen weltweiten Aufschwungs, getrieben von steigender Verschuldung, billigem Geld und (noch) relativ schwachem Euro, erfolgt, wird dabei gerne verdrängt. Genießen wir den Altweibersommer in Europa, solange er noch hält.

Wie schlecht es in Wirklichkeit aussieht, verdeutlicht die FINANZ und WIRTSCHAFT in einem exzellenten Beitrag:

  • „(…) dass diese Wachstumsraten von manchen als Beleg dafür genommen werden, dass alles wieder in Ordnung sei (…) senkt den Druck, die Währungsunion auf eine dauerhafte Basis zu stellen. Die nächste Krise wird die Schwächen dann wieder schonungslos offenlegen.“ bto: Das ist garantiert.
  • „Dass nicht alles in Ordnung ist, sieht man schon allein daran, dass die Geldpolitik nach wie vor extrem expansiv ist. Auch der Euro war bis vor kurzem eher unterbewertet. Wenn Italien unter solchen Bedingungen ein Wachstum von 1,5 Prozent erzielt, ist das wenig. (…) nicht einmal dem schnell wachsenden Spanien, die öffentlichen Schulden in der Aufschwungsphase abzubauen.“ bto: Wie sollte es auch? Es würde das Wachstum sofort erdrücken.
  • „(…) dass die Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion längst nicht verschwunden sind, ist die Entwicklung der Wechselkurse. Ein neues Datenset zeigt das Ausmass der Über- und Unterbewertung (Quelle). (…) Griechenland, Italien und Portugal (haben)nach wie vor ein zu hohes relatives Preisniveau gegenüber ihren Handelspartnern innerhalb und ausserhalb des Euro haben. Sie konnten zwar alle ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit zwischen 2008 und 2016 verbessern – der blaue Balken ist deutlich kleiner als der rote. (…) Von den südeuropäischen Ländern hat nur Spanien eine reale Abwertung erreicht.“ bto: Das ist eigentlich alles bekannt, nur wird es in manchen Medien geleugnet.

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

  • Leider haben aber auch die Überschussländer des Euroraums eine Senkung des realen Wechselkurses erfahren. Insbesondere Deutschland und die Niederlande haben kräftig abgewertet.“ bto: Das ist ein DESASTER, weil es deutlich macht, dass es NULL Fortschritt gegeben hat.
  • „Die folgende Grafik zeigt die Veränderung der Gleichgewichtskurse seit dem Jahr 2000. In Deutschland und in den Niederlanden hat sich der grösste Zuwachs ergeben.“

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

Was dann zu dieser Entwicklung von Über-und Unterbewertung führt:

Note: Positive values correspond to over-valuation; negative values correspond to under-valuation.
Source: EQCHANGE database (CEPII)

bto: Das muss man sich mal ansehen. Die unterbewerteten Länder sind HEUTE: Irland, Deutschland, Luxemburg, Frankreich, Spanien und Belgien. Die brauchen es nicht oder nur bedingt.

Fazit FuW: „(…) der Euro ist nach wie vor in Schieflage. Und wenn keine Ausgleichsmechanismen implementiert werden, wird ein Teil des Kontinents immer mehr abgehängt, Südeuropa wird zum neuen Mezzogiorno.“ bto: Ist es doch schon längst. Ein Fass ohne Boden!

FINANZ und WIRTSCHAFT: „Noch ist Südeuropa nicht gerettet“, 6. September 2017

6 Antworten
    • Johannes says:

      Hatte ich auch hier gelesen…

      https://www.welt.de/politik/ausland/article168495293/Jean-Claude-Juncker-will-Euro-in-der-ganzen-EU-einfuehren.html

      … und mich gefragt, was Juncker zum gegenwärtigen Zeitpunkt bewegt, mit dieser Forderung um die Ecke zu kommen?

      Realitätsferne scheint eines seiner Markenzeichen zu sein. Ein weiteres scheint Hybris zu sein, denn er formuliert:

      „„Der Euro ist dazu bestimmt, die einheitliche Währung der EU als Ganzes zu sein“, sagte Juncker in seiner Grundsatzrede im EU-Parlament in Straßburg.“

      Da kommen Fragen auf:

      – Wer hat dies bestimmt?
      – Wann wurde dies bestimmt?
      – Warum, bzw. wozu ist/wird der Euro dazu bestimmt?

      Nur am Rande:

      „Auch zur europäischen Flüchtlingspolitik äußerte sich Juncker. Die EU solle Asylsuchende weiter offen stehen. Es müssten legale Migrationswege geschaffen und die skandalöse Situation in Flüchtlingslagern in Libyen beendet werden, sagte Juncker. Europa sei keine Festung, sondern weiterhin ein Kontinent der Hoffnung. 720.000 Asylbewerber seien im vergangenen Jahr in der EU aufgenommen worden.“

      Deutschland ist mit einem Mal offenbar zur EU mutiert, denn der allergrößte Teil dieser Menschen ist in Deutschland „aufgenommen“ worden…

      Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Ich frage mich, was Juncker reitet.

      Wenn man unterstellt, dass er die Realität kennt, gibt es nur ein RATIONALES Motiv für seinen Vorschlag, die Eurozone in ihrer jetzigen Form auszuweiten:

      Sie muss “too big to fail” werden.

      Das ist das BEWÄHRTE Rezept, um Scheitern zu verhindern.

      Juncker sagte bei Amtsantritt, es sei die „Kommission der letzten Chance“.

      Recht hat er, denn mit dem was er vorschlägt, ergreift er die letzte Chance, das Desaster zu VERVOLLSTÄNDIGEN und dadurch zu VERGRÖSSERN.

      Das ist konsequent, ändert aber nichts daran, dass das Desaster ein Desaster bleibt.

      Hoffnung durch Realitätsverweigerung:

      Das ist Europa, wenn man Leuten wie Juncker zuhört.

      Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.