Selbst der Ex-Chefvolkswirt des IWF erkennt, dass eine Fiskalunion den Euro nicht retten kann

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Die Eurozone hat mit Blick auf die Konvergenz der Wettbewerbsfähigkeit keine Fortschritte erzielt. Rufe nach einer Fiskalunion bleiben laut und dürften nach der Bundestagswahl umgesetzt werden. Dabei kann auch diese den Euro nicht retten. 

Dass der Euro nicht überleben wird in seiner heutigen Form, ist nicht neu für Leser von bto. Er ist ein politisches Schönwetterkonstrukt. Weder eine Transferunion noch mehr politische Integration können ihn retten. Fragt sich nur, wie lange er noch durchhält (abhängig von der Frage, wann es die nächste Rezession gibt) und wie er endet – deshalb, lasst uns austreten, bevor Italien es tut.

Nun äußert sich mit dem ehemaligen Chefökonomen des IWF, Olivier Blanchard, erstmals ein ranghoher Vertreter der Institutionen und zudem Franzose (!) ungewöhnlich offen: Es wird nicht funktionieren. Bisher hat Blanchard vor allem mit mehr Rufen nach „deutscher Solidarität“ – Klartext: Geld – von sich Reden gemacht. Nun dies:

  • Die Eurozone ist zur Dauerkrise verdammt, weil mehr politische Integration daran nichts ändern kann. – bto: richtig.
  • Eine Konzentration von mehr Macht in Brüssel ist demnach keine Medizin für die Probleme des Euro. – bto: und zudem in Frankreich auch nicht populär. Vermutlich denkt Blanchard an seine weitere Karriere in Paris, was nichts daran ändert, dass die Analyse zutrifft.
  • Das ist eine kalte Dusche für jene, die wie Schäuble, Merkel, Holland, Juncker und Draghi die Hoffnung auf einen „europäischen Superstaat“ setzen.
  • Obwohl eine Fiskalunion mit mehr Mitteln auf europäischer Ebene wichtige Voraussetzungen für ein besseres Funktionieren der Währungsunion sind, würden sie selbst im optimistischsten Fall nicht ausreichen, damit die Währungsunion reibungslos funktioniert. – bto: Das haben wir gesehen an den Zahlen zu einer Transferunion. Studien zeigen eindeutig, dass diese nicht genügt.
  • Die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit blieben davon unberührt. Darunter werden die Krisenländer immer leiden. Eine Transferunion würde daran nichts ändern, sondern im Gegenteil den Zustand verlängern. – bto: siehe Nord- und Süditalien.
  • Ohne das Ventil einer Währungsabwertung können die Krisenländer nicht wieder auf die Beine kommen.
  • Zum „Musterschüler“ Spanien meint er nur: „When people talk about the Spanish miracle, I react. When you have 23pc unemployment and 3pc growth, I don’t call this a miracle yet.bto: Das ist deutlich.
  • Nullzinsen, ein weicher Euro, tiefe Ölpreise und weniger Spardruck der Staaten hätte doch mehr bewirken müssen. Blanchard ist von der schwachen Erholung enttäuscht:

  • Wenn es eines Beweises bedurft hätte, hier ist er!
  • Zu guter Letzt erinnert er noch daran, dass es in Griechenland ohne einen umfangreichen Schuldenerlass nicht geht. – bto: auch dies keine Neuigkeiten.

Fazit: Der Euro wird in der nächsten Rezession erneut in heftige Turbulenzen kommen. Deutschland setzt derweil die völlig verfehlte Europolitik fort. Mein Kommentar dazu ist so richtig und aktuell wie eh und je.

Wie man die Eurozone erst sanieren könnte, bevor man die Zusammensetzung neu entscheidet, habe ich ebenfalls schon vor Jahren beschrieben: Fixing the Eurozone. Wäre unpopulär, wird deshalb nicht kommen. Damit wissen wir, der Euro wird keinen Bestand haben. Noch haben wir die Zeit uns zumindest mit unseren Vermögensdispositionen darauf einzustellen. Was wäre, wenn der Euro platzt?

→ The Telegraph: „Fiscal union will never fix a dysfunctional eurozone, warns ex-IMF chief“, 10. Oktober 2015

21 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    >Die Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit blieben davon (von einer Fiskalunion, D.T.) unberührt. Darunter werden die Krisenländer immer leiden. Eine Transferunion würde daran nichts ändern, sondern im Gegenteil den Zustand verlängern. – bto: siehe Nord- und Süditalien.

    Das ist FALSCH, weil zu positiv ausgedrückt.

    Eine Fiskalunion bzw. Transferunion würden die noch starken Euroländer SCHWÄCHEN.

    Das ist eine andere Qualität als, schlimm genug, den Zustand zu verlängern – es ist den eh schon schlechten Gesamtzustand zu VERSCHLECHTERN.

    > Ohne das Ventil einer Währungsabwertung können die Krisenländer nicht wieder auf die Beine kommen.>

    Dies – eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung – ist nicht möglich in der Währungsunion.

    Das funktionale Äquivalent, die innere Abwertung, ist erwiesenermaßen aber auch nicht möglich, weil politisch nicht durchsetzbar.

    Das alles ist nicht neu.

    Neu ist, dass Blanchard es so deutlich ausspricht.

    Die viel interessantere Thematik ist eine andere.

    Es geht darum, wie die beabsichtigte Fiskalunion – Schaffung eines EU/Eurozonen-Finanzministers mit eigenem Budget und Erweiterung des ESM zu einem „umfassenden europäischen Währungsfonds“ – BEGRÜNDET werden kann, wenn man sie denn will (unabhängig davon, dass es fatal ist, sie zu wollen).

    Es ist nicht nur die interessantere, sondern auch die viel RELEVANTERE Thematik, weil es DIE ist, die öffentlich verhandelt werden wird und nicht die, die dieser Blog oder auch Blanchard ins Gespräch bringen.

    Hierzu Überlegungen von Barry Eichengreen, einem Ökonom aus der ersten Liga:

    https://www.project-syndicate.org/commentary/euro-narrow-path-france-germany-cooperation-by-barry-eichengreen-2017-09

    Ich empfehle, sich damit auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie man Eichengreen substantiell kritisieren könnte.

    Antworten
    • Alexander says:

      >Eichengreen substantiell kritisieren könnte
      –> Versuch.

      Seien wir ehrlich. Trotz zahlenmäßiger Mehrheit hängen die privaten Unternehmen alle an den wenigen nationalen Konzerngiganten – welche ohne gesellschaftliche Garantien nicht mehr existierten (VW, Siemens, BASF..)

      Jeder Monat Nullzins und Anleihekaufprogramme entwertet die privaten Eigenkapitale zugunsten der Konzernstrukturen. Das ist in allen Ländern gleich und führt am langen Ende zu Monostrukturen=dt. Abhängigkeit von der Kfz-Industrie.

      Das ist die aktuelle Form von Sozialismus und sie finanziert sich aus dem staatlichen Kollektiv.

      Die Einführung einer Fiskalunion stützt ausschließlich staatliche Strukturen, denn nur die können Rettungspolitik erzwingen. Ganz nebenbei gewinnt die öffentliche Hand/Sozialbudget immer mehr an Bedeutung, bis der letzte Private alternativlos abhängig ist.

      Wir ersetzen schon eine Weile den „ungebändigten“ Markt durch Staatsausgaben und werden uns alle in griechischen Verhältnissen wieder finden – wie ich fürchte.

      Die Fiskalunion rettet mittelfristig und weiter denkt niemand…

      Je länger die Übung dauert, umso umfassender sind die Zerstörungen durch Politik von Bildung bis Infrastruktur…vgl. Geisterflughäfen in Spanien und Berliner Ruinen, Massenakademisierung und Fachkräftemangel….

      Sie werden es tun, sie werden scheitern und alle wissen es jetzt schon….selbst der klügste unter den Wählern.

      Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    @ Alexander

    Bei allem Respekt und in Anerkennung Ihrer Bemühungen:

    Entgegnungen, die mit „Seien wir ehrlich etc.“ beginnen, sind keine Kritik.

    Appelle und irgendwelche Sichtweisen der Realität sind bei Kritik fehl am Platz.

    Man muss Satz für Satz unter die Lupe nehmen und prüfen, ob er wahr ist bzw. welche Schlüsse daraus gezogen werden, d. h. welche weiteren Sätze wahr sein sollen.

    Ich versuche einmal, der Herausforderung gerecht zu werden, wobei ich mich auf das Wesentliche konzentriere:

    >With a dynamic new leader in one country and a fresh popular mandate in the other, there is now an opportunity for France and Germany to correct their creation’s worst flaws.>

    Heißt:

    Es ist nach unserer Wahl MÖGLICH, die schlimmsten Fehler der Eurozone zu KORREGIEREN.

    DAS will er darlegen, daran sind seine Vorschläge zu messen.

    Seine Grundannahme:

    >…there is a narrow path forward that should be acceptable to both sides. >

    Ein Pfad, den beide gehen können, ist aber noch lange keiner, der, wenn er begangen wird, tatsächlich zur Fehlerkorrektur führt.

    Ich lasse aus, was er zur Bankenunion sagt, weil das etwas komplexer ist und nur einer der Schritte auf dem Pfad sind.

    Eichengreen weiter:

    >Next, Europe needs to transform the European Stability Mechanism, its proto-rescue fund, into a true European Monetary Fund (EMF)>

    Es geht hier um die Erweiterung des bestehenden ESM, zu der Merkel bezüglich Ihrer Pressekonferenz am 29.08. wie folgt zitiert wird:

    „Sie finde den Vorschlag, den ESM weiterzuentwickeln, ihn nämlich zu einem umfassenden europäischen Währungsfonds auszubauen, sehr gut.“

    Eichengreen redet also über etwas, das von der französischen und deutschen Regierung angestrebt wird – also ein Stück gemeinsamen Pfads darstellen könnte.

    Jetzt wie der Pfad begangen werden könnte lt. Eichengreen:

    Hier liegt Eichengreen falsch. Denn DIESE Funktionalität ist NICHT möglich.

    Das ist so, weil das BVerG mit Blick auf den ESM wie folgt GEURTEILT hat:

    Es gehöre nach dem Grundgesetz zur Identität Deutschlands, dass der Bundestag über die Verschuldung Deutschlands bestimmt und daher ER – und NUR er als Bundestag – über die für Deutschland verschuldungsrelevante Kreditaufnahme und –vergabe des ESM befinden darf.

    Heißt:

    Wenn der Bundestag einen Kredite des ESM oder erweiterten ESM betreffenden Vorschlag ablehnt, dann ist dieser Vorschlag vom Tisch, egal vom wem auch immer er kommt.

    Das Urteil des BVerG ist durch den Europäischen Gerichtshof nicht anfechtbar, weil es NUR deutsche Verfassungsorgane betrifft: Das höchste deutsche Gericht, auf Basis des nach wie vor für Deutschland geltenden Grundgesetztes urteilend, den Deutschen Bundestag und die deutsche Bundesregierung betreffend, die dem Vorschlag Eichengreens nach diesem Urteil NICHT zustimmen darf.

    Damit ist Eichengreens Pfad schon jetzt nicht mehr begehbar.

    Wird in der Eurozone dennoch irgendetwas installiert, mit dem das Recht des Deutschen Bundestags eingeschränkt wird, haben wir eine VERFASSUNGSKRISE.

    Die wird keiner wollen, auch Merkel nicht.

    Nächster Punkt von Eichengreen:

    >It is past time to abandon the fiction that the ultimate source of fiscal discipline is a set of strictly enforced EU rules. Taxation and public spending remain sensitive national prerogatives, rendering outside oversight ineffectual. Assigning oversight to the European Commission in Brussels promises, inevitably, not discipline but a dangerous populist backlash.>

    Ist-Analyse, die richtig ist.

    Jetzt sein Vorschlag:

    >The alternative is to return control of fiscal policy to national governments, abandoning the pretense that policy can be regimented by EU rules. Governments could then make their own decisions; if they make bad decisions, they will have to restructure their debts. Adopting a European debt-restructuring mechanism would help to avoid the worst fallout. Any adverse consequences would no longer spread to other countries, because their banks would no longer hold concentrations of government bonds. They would not bankrupt the EMF, which would be able to lend only in cases of illiquidity, not insolvency.>

    WER soll WIE dafür sorgen, dass ein möglicherweise funktionierender “debt-restrukturing mechanismm” nicht die schlimmsten Folgen hat?

    Eichengreen macht keinen dezidierten Vorschlag, sondern sagt bezogen auf ein Pilot-Projekt „unemployment insurance fund“ für die Eurozone in Höhe von 1% des GDP der Eurozone:

    >… such proposals are contingent on structural reforms that reduce unemployment where it is high and increase the flexibility of labor and product markets.>

    “CONTIGENT on structural reforms” – diese anfällige Bedingtheit kennen wir, haben wir schon jahrelang und wissen, dass sie nicht funktioniert.

    Eichengreens Pfad hängt in der Luft.

    Eichengreen abschließend:

    >This is essentially the bargain Macron has offered Merkel. To paraphrase, “I’ll undertake deep structural reforms if you agree to modest steps in the direction of fiscal federalism, completing the banking union, and creating a European Monetary Fund.”>

    Heißt EXPLIZIT:

    Frankreich wird etwas VERSUCHEN, von dem keiner weiß, ob es gelingt, und wir STIMMEN zu, dass gleichzeitig etwas INSTITUTIONALISIERT wird, dass praktisch nicht mehr rückgängig zu machen ist.

    Mit dieser ASYMMETRIE hat es auch angefangen:

    Praktisch nicht revidierbare EINFÜHRUNG des Euro und gleichzeitig der VERSUCH, durch nicht durchsetzbares Vertragsrecht (Maastricht-Kriterien), die Funktionalität der Währungsunion sicherzustellen.

    Das ist gescheitert.

    Der Eichengreen-Vorschlag wird ebenso scheitern.

    Sein Pfad ist keiner, der zum Ziel führt.

    Antworten
    • Alexander says:

      @ Dietmar Tischer.
      Es gibt gar keinen Pfad, es gab ihn nie. Die Euroeinführung war Preis der dt. Einheit. Von dt. Bonität profitierten alle, wie zukünftig von einer Fiskalunion.

      Kein Ökonom darf die Wahrheit aussprechen, ohne sich vom Diskurs zu verabschieden. Ihre Schlussfolgerung ist verschlüsselte Botschaft.

      Ihre Überlegung zu Verfassungskrise ist leider überholt. Alle Institutionen haben alle bisherigen Verfassungsbrüche (Maastricht, EZB Staatschuldenfinanzierung + Massenmigration) einfach abgenickt. Prof. Weede brachte das vor Jahren auf den Punkt: https://www.youtube.com/watch?v=5rDK6meR5KI

      Die Fiskalunion braucht Einnahmen, die nur aus Eigentum stammen können um Haushaltslöcher und Arbeitslosigkeit in Südeuropa zu finanzieren. Deutschland bezahlt das mit Kaufkraftverlust (fehlende Aufwertung) + Steuer aus Arbeitserträgen, während die ärmsten Südländer statistisch pro Kopf mehr (Immob.)Vermögen ausweisen als ihre Finanziers?

      Ich lese aus den Zeilen von Eichengreen nur eine Frage an uns Deutsche heraus. WARUM LASST IHR EUCH DAS BIETEN….seid ihr wirklich so blöd?

      Meine Selbstkritik bezieht sich auf die Illusion, dass unsere dt. Ökonomie weniger staatsabhängig sei wie jene, die „Südregierungen“ reformieren müssten.

      Griechenland ist überall.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Es gibt gar keinen Pfad, es gab ihn nie.>

        Das ist eine Behauptung, die Sie haben und aufrechterhalten können. Sie können sie verbreiten und andere dazu bringen, sie zu teilen, Schlussfolgerungen daraus ziehen, z. B. hinsichtlich der Wahl zum Bundestag etc., etc. Das alles ist möglich und nicht zu beanstanden.

        Eines können Sie allerdings nicht:

        Sie können damit nicht in eine ernsthafte Diskussion eintreten wie auch nicht mit dem, was Sie mir sonst noch antworten.

        Man würde Sie höflich ausreden lassen, aber ansonsten einfach nicht beachten, weil Sie nichts zur KLÄRUNG beitragen, d. h. NICHT auf den anderen eingehen.

        Tut mir leid, aber so ist das und – erlaube ich mir hinzuzufügen – es ist GERECHTFERTIGT so, weil Klärung das Verfahren ist, auf andere Auffassungen EINZUGEHEN statt nur irgendetwas zu behaupten.

        >Kein Ökonom darf die Wahrheit aussprechen, ohne sich vom Diskurs zu verabschieden.>

        Wirklich?

        Eichengreen tritt mit seinem Beitrag in den Diskurs ein.

        Hat er also gelogen, weil er – Ihre Meinung – lügen MUSSTE, um sich nicht mit seinem Beitrag vom Diskurs zu verabschieden.

        Eichengreen hat nicht gelogen (ABSICHGTLICH Falsches gesagt) und, soweit ich sehe, auch nicht unbeabsichtigt (irrtümlich) Falsches gesagt.

        Sie sollten einmal überdenken, ob IHRE Auffassung von Diskurs die richtige ist.

        Es ist jedenfalls nicht die Auffassung derjenigen, die mit RATIONALITÄT versuchen, die Dinge zu verstehen oder, wie hier, Lösungsansätze zu unterbreiten.

  3. Dietmar Tischer says:

    Nachtrag zur Kritik Eichengreens wegen eines Übertragungsfehlers (Auslassung), wodurch meine Argumentation nicht nachvollziehbar und daher auch nicht bewertbar ist.

    Es fehlt die Auffassung Eichengreens, die jetzt hoffentlich übertragen wird.

    Jetzt wie der Pfad begangen werden könnte lt. Eichengreen:

    >The EMF could then (nach der Erweiterung, D. T.) take the place of the ECB and the European Commission in negotiating the terms of financing programs with governments. The final decision of whether to extend an emergency loan would no longer fall to heads of state in all-night talks. Rather, it would be taken by a board made up of eurozone representatives, including from civil society, nominated by the European Council and confirmed by the European Parliament, giving the process a legitimacy it currently lacks.>

    Hier liegt Eichengreen falsch. Denn DIESE Funktionalität ist NICHT möglich.

    (darauf folgend die Begründung, wie ich sie in der Kritik formuliert habe mit: „Das ist so, weil …“)

    Antworten
    • Alexander says:

      @Dietmar Tischer

      Ja, ihre Kritik ist zutreffend. Mein Glaube an Rechtsstaatlichkeit ist so sehr erschüttert, dass ich keinem der politischen Spieler mehr Glauben entgegen bringe. Während sich gute Leute an Lösungspfaden abarbeiten, wird bestehendes Recht gebrochen (zuletzt Grenzöffnung) was sich fatal auf die Entscheidungsfreiheit in der Zukunft auswirkt.
      Wenn sie dem zustimmen können, bitte ich sie um Antwort, wie wir Rechtssicherheit zurück gewinnen können, denn Ausnahmezustand ist zur Regel geworden. Bazon Brock „Es gibt keine Regeln mehr, nur noch Ausnahmen.“ https://www.youtube.com/watch?v=52wplIxBH0o

      Nach meinem Verständnis ist Rechtssicherheit und Regeltreue die Voraussetzung für politischen Diskurs und Lösungen. Ohne diese Voraussetzungen herrscht Willkür? (Illegale Kriege, Eurorettung, Zuwanderung)

      Sie können mich jederzeit mit Details festnageln, weil es unmöglich ist alles herzuleiten. Fakt war, dass Mitterand den Euro zur Bedingung der Einheit machte und jeder Preis das Ende der Trennung wert ist. Die Kritik am Euro flammte rasch auf und wurde politisch erstickt: https://www.researchgate.net/publication/309328721_Des_Eurokaisers_neue_Kleider_Ein_Marchen_uber_das_Notenbankkostum_der_Europaischen_Zentralbank_Europa_Geld_und_die_soziale_Frage_Festschrift_fur_Wilhelm_Nolling

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Wenn sie dem zustimmen können, bitte ich sie um Antwort, wie wir Rechtssicherheit zurück gewinnen können, denn Ausnahmezustand ist zur Regel geworden.>

        Ich würde nicht ganz so weit gehen und sagen, dass Rechtsbruch zur Regel geworden ist.

        Dennoch sprechen Sie einen bedeutsamen Punkt an, weil zu viel und vor allem zu viel Wichtiges auf der Basis der Missachtung von Recht geschieht.

        Was bedeutet RECHT für eine Gesellschaft?

        Recht – genauer: die BEACHTUNG von Recht durch rechtskonformes HANDELN – ist KONSTITUTIV für jede Gesellschaft, also unabdingbar für ein geordnetes Miteinander ihrer Glieder.

        Das ist die Auffassung von Menschen, die über die Gesellschaft nachdenken und insbesondere darüber, was die Voraussetzungen sind, damit sie „funktioniert“. Paul Kirchhof, ehemals oberster Richter am Bundesverfassungsgericht hat das getan und würde meine Meinung teilen.

        Die Frage ist nun, WIE wir dazu kommen, dass RECHT mehr Bedeutung gewinnt, also mehr dem Recht nach gehandelt wird.

        Die Frage davor ist allerdings, warum die Rechtsbefolgung gefühlt oder tatsächlich immer mehr abgenommen hat.

        Eine, nur eine Antwort, von der ich glaube, dass sie richtig ist, auch wenn sie nicht alles erklärt:

        Da der Renditewettbewerb im Kapitalismus legal durch Kostensenkungen mehr und mehr an seine Grenzen stößt, verlagert sich das Handeln vielfach ins Unrechtmäßige, um den Renditeerwartungen gerecht zu werden.

        Beispiele:

        Der größten deutschen Bank wurde vom BGH bescheinigt, dass sie betrogen habe, d. h. mit VORSATZ andere geschädigt hat.

        Der Abgasbetrug beim Diesel ist ein anderes Beispiel.

        Wie kommen wir davon weg?

        Es gibt nicht die Kapitalismus-Schraube, an der wir drehen können.

        Es gibt nur den AUFBAU von Überzeugungen, dass rechtswidriges Verhalten die Gesellschaft schwächt und damit ALLEN schadet.

        Das geschieht durch Diskurs.

        Es geschieht NICHT durch Abkehr vom Diskurs, denn das ist RESIGNATION.

        Wenn wir damit einen Schritt weiter gekommen sein sollten, sind wir wohl auch in der Lage zu begreifen, dass man Recht nicht willkürlich setzen sollte, wie z. B. in den Verträgen von Maastricht.

        Wir sollten in der Lage sein, es zu begreifen, weil wir mit der Rückgewinnung von Recht bzw. rechtmäßigem Handeln erfahren haben, welchen SCHADEN falsch gesetztes Recht anrichten kann.

        Viel mehr kann ich dazu nicht sagen.

        Aber vielleicht haben schon diese wenigen Zeilen geholfen, einzusehen, dass es eine einfache Lösung im Sinne von so geht’s und damit kommen wir ans Ziel nicht gibt.

      • Alexander says:

        @ Dietmar Tischer – zur Wiederherstellung von Recht.

        Danke.

        Wenn ich ihren Gedanken versuche fort zu setzen, dann muss jeder Staatsbürger das existentielle Bedürfnis haben rechtmäßig (richtig) zu handeln, damit durch Frieden und Vertrauen die Grundlage von Wirtschaften gegeben ist.

        Ich möchte nicht so weit gehen, dem Kapitalismus ethisches Fehlverhalten vor zu werfen. Ethik kann kein System haben, nur Individuen und die handeln frei nach ihren ~ Grundsätzen….

        Betrug ist immer eine Straftat, den er bedroht gesellschaftliches Zusammenleben.

        Wie Bazon Brock erklärt haben keinen Kapitalismus, denn Politik interveniert in alles und jedes pausenlos – begründet mit permanentem Marktversagen. Ich selbst ertrage seit >20 Jahren Deflation in meinem Unternehmen und leide unten politisch erzwungenen Kostensteigerungen. Der Markt ist bereits weiter als es Konzerne vorgeben und zu Recht beanstandete Schweinereien sind Nachwehen..

        Ein Islamwissenschaftler in meiner Heimatstadt wies darauf hin, dass gegenwärtig vor allem Muslime – Muslime „schlachten“. Er meinte das Töten würde enden, wenn alle genug davon haben.

        Die (geld-)politischen Rechtsverstöße werden ebenso enden; nämlich wenn die Verzweiflung groß genug ist und man es vorzieht den Preis für Vertrauen und Frieden zu zahlen. Je länger es zur Erkenntnis andauert, desto schlimmer muss der Schmerz sein…

        „Es geschieht NICHT durch Abkehr vom Diskurs, denn das ist RESIGNATION.“
        Das Gleichnis vom verlorenen Sohn bietet für mich die Lösung. EINSICHT als Grundlage von Umkehr und Beginn von Diskussion/Lösung.

        Ohne Einsicht sind alle Angebote wie Perlen vor die Säue….mit Schlächtern (ISIS) würde auch niemand diskutieren. Mein Vergleich mag erneut unausgewogen wirken, um der kulturellen Schäden aus dem aktuellen Geldexperiment wegen – ist er absichtlich drastisch.
        Wie bewegt Prof. Kruse (†) es formuliert… https://www.youtube.com/watch?v=xox8d9onvhU

        Vielen Dank.

  4. Ondoron says:

    Schöne Diskussion hier. Der Zinsfehler fehlt natürlich – aber der versteht das eben in ideologischer Beklommenheit nicht.
    Schade nur, dass offenbar die wenigsten die AfD wählen, weil sie den verzerrenden und bewußt falschen Narrativen des Mainstreams folgen und meinen, die AfD sei „rechts“, und deshalb unwählbar. Ja, die AfD ist eine „rechte“ Partei – im Gegensatz zu allen anderen antretenden Parteien mit Chance auf einen Bundestageinzug. Was ist „links“ und „rechts“? Wenn die AfD die einzige Partei ist, die Rechtsstaatlichkeit wiederherstellen will. Da wird eine „maasvolle“ Partei gewählt, die die Meinungsfreiheit gerade abgeschafft hat. Entsetzlich! Und traurig die gemeinhin anzutreffende mangelnde Urteilsfähigkeit.
    Ein wichtiges Buch in diesem Zusammenhang ist unlängst vorgelegt worden: Rahim Taghizadegan mit „LINKE & RECHTE“, in dem dieser Gelehrte überzeugend darlegt, daß die NationalSOZIALISTEN eben nichts anderes wahren als Sozialisten. Und mit den Kommunisten eine Deckungsgleichheit politischer Forderungen zu über 80% bestand. Kollektivisten unter sich. Heute haben wir – vor allem mit der widerlichen, geradezu abstoßend dummen Partei der GRÜNEN die Internationalsozialisten – Merkel könnte deren Vorsitzende sein: ohne Urteilsvermögen, abhängig von Thinktanks und einer globalistischen, nationenzerstörenden Ideologie, die nur GLÄUBIGE umsetzen können. Und die traurige CDU läuft ihrer FÜHRERIN hinterher. Der GEZ-zwangsfinanzierte Mainstream ohnehin.

    Der Euro wird nicht überleben. Deutschland allerdings auch nicht. Wer den Stelterschen Blog aufmerksam liest, nachdenkt und zwischen die Zeilen schaut, wir es längst bemerkt haben. Die Gebildeten und Wohlhabenden verlassen das Land. Die „Zinsfehler“ schwadronieren nur dümmlichste Worthülsen und verstehen nichts! Die Unbildung und die Einbildung feiern fröhliche Urständ. Dieses Land ist verloren. Der Euro und die gewollte Massenmigration (= Eindringlinge, nicht Flüchtlinge!) geben diesem Land den Rest.

    Man muss sich nur für die Wahrheit interessieren, die womöglich deutlich abseits fortlaufend getrommelter Narrative liegt. Aber wen interessiert das schon? Wer bemerkt, daß er Zeit seines Lebens mit Narrativen versorgt wurde, die nicht mehr als die Operationalisierung professioneller Sozialtechniken mit Sinne des „social engineering“ sind? Wer kennt noch H.L. Mencken? Wer hat mal Sefton Delmer gelesen? Wer nur Churchills Autobiographie? Wer kennt schon Hamilton Fish?

    Die verlogenen Narrative als Grundlage für den Aufbau der „Vereinigten Staaten von Europa“ verhindern denselben zuverlässig. Man braucht nur in den Osten über die Grenze zu schauen: Ein ultranationalistisches Polen, das an die Politik der 30er Jahre nahtlos anknüpft; übrigens wieder mit US-amerikanischer Unterstützung. Wer sich nicht mit Geopolitik beschäftigt – und zwar abseits der getrommelten Narrative im Mainstream – wer das FIAT-Money-System und die Rolle der Zentralbanken nicht erkennt, der bleibt immer auf halben Weg stehen. Und ist verloren. So wie dieses Land.

    Ich weiß, warum ich die AfD wähle. Und das sage ich als überzeugter Liberaler. Aber eben als eigenständig Denkender, der sich kein X für ein U vormachen läßt. Und natürlich war es immer so, daß genau solche Bürger bekämpft wurden. Ich bin schon gespannt, wann die ersten GULAGs eingerichtet werden. Die öffentlichen Quasi-Hinrichtungen, das ökonomische Zerstören von Persönlichkeiten, gehört schon zur Tagesordnung. Und die Schlafschafe meinen immer noch, die AfD sei die Gefahr. Wie soll solchen Menschen geholfen werden? Man kann nur alsbald das Land verlassen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Ich bin da etwas vorsichtiger.

      Hier eine ganz andere Sicht, eine etwas ältere zwar, aber eine andere eben:

      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/digitales-denken/internet-experte-peter-kruse-der-vollweise-1621119.html?printPagedArticle=true – pageIndex_0

      Sie ist polemisch, aber deshalb nicht von vornherein falsch.

      Jedenfalls gibt es Gegenstimmen, denen die Thematik nicht ganz fremd ist:

      „Kruse ist der Hyper-Schwobler des Internets, vergleichbar nur mit Franz Beckenbauer im Fußball oder mit Peter Sloterdijk im Literaturbetrieb. Mit seiner Brachialrhetorik, seiner enorm schnellen Sprechgeschwindigkeit, welche dem Zuhörer keine Chance zu einem klaren Gedanken lässt, vermittelt er die Illusion, er hätte unglaublich Bedeutendes und Wegweisendes mitzuteilen.“

      Ich habe Kruse auf Youtube gehört und mir kein Urteil gebildet.

      Man muss schon über ihn nachdenken, um ihn bewerten zu können.

      Gewaltig daneben liegt er jedenfalls, wenn wahr ist, was er gesagt haben soll:

      „Schon die nächste Bundestagswahl, so prophezeit er, werde „total spannend“; die Leute würden über die Möglichkeit einer nicht näher erklärten „Teilhabe“ dermaßen neu politisiert, dass die Politiker sich die alte Politikverdrossenheit noch zurückwünschen würden.“

      Gemeint war die Bundestagswahl 2013.

      Sie war genauso wenig spannend wie es die jetzige ist.

      Teilhabe (über das Internet) politisiert offensichtlich NICHT so NEU, dass die Politiker sich irgendetwas zurückwünschen müssten.

      Anschwellendes Rauschen hat nichts mit Politisierung zu tun.

      Antworten
      • Alexander says:

        Anfang der 2000er Jahre haben wir alle aus Angst etwas zu verpassen, das Internet überschätzt. Ich vergleiche das mit dem induzierten Hype zur Industrie 4.0, das richtige Maß zu finden bleibt unendlich schwer.

        Zwischenzeitlich tat ich Kruses Einschätzung zu revolutionären Netzwerken ab, denn die Mitmenschen enttäuschen durch ihr Desinteresse, ein ums andere mal. Es schadet dennoch nicht, sich diese Überlegungen ins Gedächtnis zu rufen…und ihre Inhalte zu prüfen.

        Obwohl sich das Desinteresse an den großen Themen der Zeit nicht geändert hat, beobachte ich >60jährige, die per „whats app“ idiotische Bilder tauschen und beginnen „kreisende Wellen von Erregung“ zu generieren.

        Veranstaltungen der AfD werden durch Medien boykottiert, kaum besucht und auf YouTube 100.000mal aufgerufen.

        Obwohl es weiterhin an Qualität mangelt, sehe ich wie Politik und Medien beginnen die Kontrolle zu verlieren. Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz ist hilflose Reaktion…. schlechter Journalismus durch öffentl.rechtl. TV ebenso beredt.

        Für echte Lösungen ist es zu früh und zu spät. Die Veränderung hat endlich eingesetzt. Kruse leistete seinen Beitrag.

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