„Italy on brink of banking crisis as debt costs spiral following battle with EU“

Leser von bto wundern sich nicht über die erneute Krise um Italien. Hat man doch die Probleme nicht gelöst, sondern verschleppt. Geht halt immer nur eine gewisse Zeit gut.

Hier eine (erneute) Zusammenfassung, weshalb wir uns eben auf einen Uscitalia einstellen müssen. Mit allen finanziellen Folgen!

  • „Yields on Italy’s 10-year debt spiked to 3.62pc after the Lega strongman and vice-premier, Matteo Salvini, vowed to sweep away the existing European order. He called Jean-Claude Juncker and his Commission aides enemies of Europe barricaded inside their Brussels bunker.” The furious outburst followed the leak of a stern letter from the Commission rejecting the deficit spending plans of the insurgent Lega-Five Star government, and more or less ordering Rome to go back to the drawing board.“ – bto: Die Italiener wollen ein Ende der Dauerstagnation. Wer kann es ihnen verdenken?
  • „The risk spread over German Bunds is entering treacherous territory after jumping 45 basis points over the last week to 310.  At this point it risks going hyperbolic, said Carlo Bastasin from the Brookings Institution.“ – bto: solange die EZB da ist, nicht.
  • Italian banks (…)  hold €387bn of state debt and face automatic mark-to-market losses as their portofolios lose value, eroding their capital buffers. It forces them to raise fresh equity in a hostile climate, or to cut lending to the real economy and set off a contractionary spiral. The most vulnerable banks are quickly selling down their sovereign bonds to reduce concentration risk, still 60pc in the case of UBI.“ – bto: Auch das kann nicht überraschen und zeigt, dass es eben immer zu Problemen kommt, wenn man verkaufen muss. So entstehen Krisen. Übrigens kürzen die Banken nur Kredite für gesunde Schuldner, die Zombies bleiben am Leben!
  • „This the doom-loop of interlinked sovereigns and banks can become a vicious circle in the eurozone’s unreformed system. (…)  spreads of 400 are not sustainable. A rise of 200 basis points cuts the common equity tier 1 capital of the Italian banks by 67 points, leaving them under water.“ – bto: Wir wissen aber, dass die italienischen Banken ohnehin unter Wasser sind. Es ist nur eine Täuschung, dass es bisher nicht so offen war.
  • Wie schlimm es um Italien steht, zeigt diese Abbildung:

Quelle: The Telegraph

  • „The banks are being squeezed on multiple fronts. Issuance of subordinated debt has become costly and has ground to a halt, drying up liquidity. Rising spreads eats into tangible book equity, degrading share value.(but)  the picture is not yet as bad as 2011.“ – bto: Und ich denke immer noch, dass die Europäer alles zulassen werden!
  • „Italian banks have cut their reliance on the wholesale capital markets from 27pc to 21pc of their funding. Yet there could still be a credit crunch and I am afraid that we are already in a crisis. This government is aiming to win the European elections (in May) and it is just crossing its fingers and hoping disaster does not strike, (…) Capital erosion is the killer for the banks. Citigroup estimates that each 50 point jump in spreads lowers core capital ratios for stronger banks by 19 basis points, or 28 points for UBI and 33 for BPM.“ – bto: Freunde, pleite ist pleite. So einfach ist das. Alles, was hier gespielt wird ist Konkursbetrug. Aber nicht nur in Italien.
  • „Ashoka Mody, former deputy-chief of the International Monetary Fund for Europe, said the EU’s budget target is theological nonsense, and the weight attached to a few decimal points here or there is false science. These numbers are completely meaningless. The fiscal rule is economically illiterate and dysfunctional, yet a narrative has grown that it is somehow sacrosanct, he told a forum at the American Enterprise Institute (AEI).“ – bto: Und damit hat er auch recht! Kein Zweifel. Doch darum geht es natürlich nicht. Wir haben es mit einer Verteilung zwischen Ländern zu tun und das macht es innerhalb der Eurozone so schwierig und ungerecht.
  • „Matteo Salvini is not yet showing any willingness to back down, repeatedly dismissing the rising spreads with a line from nationalist poet Gabriele d’Annunzio – me ne frego (I couldn’t give a damn). It is lost on nobody in Italy that this was also the rallying cry of Mussolini’s blackshirt squadrons in the 1930s. He accused Jean-Claude Juncker and the Brussels machine of ravaging the European economy for a decade with destructive policies, and blamed the spreads on orchestrated speculation. Behind this surge there is old-style manipulation by speculators, like George Soros 25 years ago, to buy Italian assets at bargain prices. But whoever is speculating is wasting their time. This government is not turning back, he said.“ – bto: Im Zweifel kommt das gut an bei den Wählern.
  • Denn der Realwirtschaft geht es schon lange schlecht, was man auch an den non-performing Loans gut sehen kann:

Quelle: The Telegraph

  • „Professor Luigi Zingales, an expert on the Italian banks at Chicago University, said the eurozone has done to Italy what foreign creditor powers did to Germany in 1930, cutting off capital flows in a ‘sudden stop’ and then enforcing drastic austerity. Brussels should not now be surprise at the political consequence of this myopia.“ – bto: eine klare Aussage. Und leider eine, der man nur zustimmen kann.
  • „At some point Europe must grasp the nettle. What do we do about the fact that Italy does not belong to the euro? Either we change Italy dramatically and make it fit for for the euro; or we change the euro rules; or we exit the euro. Nothing else is possible, he said.“ – bto: Erst bezahlen wir, dann bricht der Euro auseinander.
  • „Desmond Lachman, the IMF’s former deputy-director and now at the AEI, said markets are wrong to assume that the Italian drama is under controlI don’t buy the idea that you can muddle through indefinitely. We are at a very different stage of the global cycle, and at a different level of tolerance, he said. When the spreads blow out, it creates a new fundamental. What worked at spreads of 100 does not work at 300. I think Italy may be entering a vicious circle. It is hugely systemic, and could be Lehman in reverse, he said.“ – bto: Und genau deshalb wird die Regierung in Italien erfolgreich den Bluff der EU und der EZB enttarnen. Natürlich werden sie Geld bekommen. Nicht, dass damit die Krise gelöst wäre, sie wäre nur erneut unterdrückt und verschleppt.

telegraph.co.uk: „Italy on brink of banking crisis as debt costs spiral following battle with EU“, 9. Oktober 2018

18 Kommentare
  1. Ondoron sagte:

    Die Eurozone wird zerfallen und die EU mit ihren ungewählten Kommissaren auf den Schrotthaufen der Geschichte landen. Besser als ein „politisches Projekt“, das womöglich tyrannisch zu werden droht. Sensible Gemüter erkennen den Terror mittels „social engineering“ in den Massenmedien.

    Dabei ist es einerlei, wie die Eurozone auseinanderfliegt; Hauptsache, es passiert. Die planwirtschaftlich denkenden Konstruktivisten – viele Juristen dabei, die meinen, volkswirtschaftliche Zusammenhänge beurteilen zu können – werden ihr blaues Wunder erleben.

    Ob die Freiheit dann gerettet wird, steht auf einem anderen Blatt. Der Kollaps des Euros könnte die EUSSR beflügeln. Solche Gedankenexperimente sollte jeder freiheitlich Denkende zumindest anstellen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Ondoron

      Zum einen:

      Man kann lange darüber diskutieren, was besser oder schlechter ist.

      Wenn die Bevölkerung mehrheitlich etwas für hinreichend akzeptabel ansieht, wird sie nicht etwas möglicherweise Besseres wollen, wenn es nur mit hohen Risiken zu erreichen ist.

      Zum anderen:

      Ja, man muss Überlegungen oder Gedankenexperimente anstellen.

      U. a. dieses:

      Ist das politische Projekt, dem wir gegenwärtig unterworfen sind, nicht trotz erfahrbarer Freiheitsverluste durch „social engineering“ etc. vorzuziehen, wenn die Alternative ein Kollaps ist mit – bestenfalls – Orientierungslosigkeit bezüglich dessen, was zu tun ist.

      Ich frage nur.

      Eine belastbare Antwort ist nicht möglich, weil es keine Empirie gibt, auf die wir zugreifen könnten, um zu einer derartigen Antwort zu gelangen.

      Deshalb muss man ehrlicherweise beim Gedankenexperiment enden.

      Antworten
      • Ondoron sagte:

        @Dietmar Tischer
        Den Kollaps und vorher die Gulags hatten Sie in allen sozialistischen Systemen. Den Konstruktivisten mit ihrer der Hybris zugeneigten Interventionsspirale fällt sicherlich wieder etwas. Was halten Sie von GULAGs für die Unverbesserlichen, für diejenigen, die einfach nicht lernen wollen, dass das „politische Projekt“ die glorreiche Zukunft ist?

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Ondoron

        >Den Kollaps und vorher die Gulags hatten Sie in allen sozialistischen Systemen>

        Was „alle“ betrifft, bin ich mir nicht sicher, aber natürlich im Hauptsystem, wenn Sie „sozialistisch“ in der gängigen Bedeutung verstehen wollen. Ich denke, dass Sie „sozialistisch“ eher mit „kollektivistisch“ gleichsetzen. Das macht aber für die Diskussion hier keinen Unterschied.

        Varianten sind möglich, wie das NATIONALsozialistischen System mit vorher den Gulag überspringend gleich der „Endlösung“, bevor der Kollaps zu ertragen war.

        >Was halten Sie von GULAGs für die Unverbesserlichen, für diejenigen, die einfach nicht lernen wollen, dass das „politische Projekt“ die glorreiche Zukunft ist?>

        Ist bereits von einem so eminenten Denker wie Platon vorgedacht worden in seinem Spätwerk „Die Gesetze“.

        Insofern schon mit allen Ingredienzen in der Schublade, u. a. auch mit einer sehr anspruchsvollen Begründung.

        Das Grundproblem ist m. A. n. folgendes:

        Eine freie Gesellschaft, wie – meine Annahme – Sie sie verstehen, ist defizitär mit Blick auf ideale Vorstellungen. Daher treten immer wieder große Geister mit Konzepten auf die Bühne, um darzulegen, dass das Ideal realisierbar sei.

        Dann kommen die Praktiker, die derartige Gedanken umsetzen oder zumindest vorgeben, es zu tun.

        Das funktioniert nicht, die Defizite sind GRÖSSER als in einer freien Gesellschaft.

        Da dies nicht am Konzept liegen darf, werden Schuldige gesucht und gefunden.

        Damit ist man auf der schiefen Bahn, auf der es nur noch bis zu Kollaps nach unten geht:

        GESINNUNG ist das Kriterium, mit dem gemessen und belohnt wird.

        Kurzum, Ihre Frage beantwortend:

        Ich halte nichts davon, schließe aber überhaupt nicht aus, dass es darauf hinausläuft in der einen oder anderen Variante, siehe oben.

      • NoFiatMoney sagte:

        @ Dietmar Tischer

        An –vermeintlich- „idealen Vorstellungen“ mangelt(e) es in der Tat in keinem Sozialismus/Kollektivismus und auch bei deren Verfechtern nicht. Zum Ausgleich dafür ist dort alles andere „defizitär“ bis hin zum Verfall. (Wohl ein der „sozialen Gerechtigkeit“ geschuldeter Ausgleich?, möchte ich fragen.) Nicht zuletzt im hiesigen ¾-Sozialismus (R.Baader) kann das politisch herbeigeführte Siechtum jeder beobachten: verfallende Infrastruktur, desaströse Bildungssysteme, kaputte Umverteilungssysteme (euphemistisch gesetzliche Sozialversicherungen genannt), usw.

        Wer eine Alternative zwischen dem politischen „Projekt, dem wir gegenwärtig unterworfen sind“ und einem „Kollaps“ konstruiert und dabei erfahrbare „Freiheitsverluste durch „social engineering“ etc.“ als akzeptablen Preis darzubieten scheint, wird beides bekommen. Die Zerstörung kann sich als Kollaps in Gestalt eines plötzlichen Ereignisses oder schleichend wie in der DDR zeigen.

        Alle Sozialismen/Kollektivismen führten und führen in Unfreiheit und wirtschaftlichen Verfall.
        Nicht nur von Mises und Jésus Huerta de Soto belegten das in ihren Werken Die Gemeinwirtschaft-Untersuchungen über den Sozialismus- bzw. Wirtschaftsrechnung und unternehmerische Funktion.

        An Erfahrungen hat die Welt bzgl. Sozialismen/Kollektivismen seit der Veröffentlichung des oben genannten Buches von von Mises (Erstveröffentlichung 1922) auch mehr als genug erlitten.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ NoFiatMoney

        Kann ich alles nachvollziehen.

        Ein paar Anmerkungen dazu:

        Man kann ja unser System einen ¾-Sozialismus nennen – die Defizite und die gesamtgesellschaftliche Verblendung reichen dafür aus. Und ja, es kommt bereits Unruhe auf: 16% für eine Partei, die gerade einmal 6 Jahre alt ist, das muss man erst einmal verdauen. Dennoch, so meine ich, lässt sich feststellen, dass die Gesellschaft – westdeutsches Muster – seit WK II ganz gut, vor allem auch relativ stabil über die Runden gekommen ist. Dies wegen der Exportbegünstigung durch die Globalisierung und trotz der hohen Belastungen durch die Wiedervereinigung, um nur zwei der bedeutenderen Faktoren zu nennen. Der Höhepunkt ist überschritten, es geht abwärts. Wir merken es nur noch nicht so richtig, weil es woanders noch mehr abwärts geht.

        Auf dieser Basis hat sich das Anspruchsdenken der Bevölkerung geändert. Weil man sie nicht wirklich erlebt hat und gar nicht kennt, akzeptiert man immer weniger, negative Befindlichkeit erfahren zu müssen und fordert daher ganz selbstverständlich vom Staat Kompensation durch „social engineering“. Damit verfestigt sich das Dogma staatlichen Handelns seit der Weltwirtschaftskrise von 1929: nur keine Unruhe aufkommen lassen, keine politisch-gesellschaftliche Instabilität, weil das nur zu Katastrophen führe. Reine Marktwirtshaft ist damit als Gegenentwurf zum Kollektivismus faktisch aus dem Spiel, auch wenn nationalpopulistische Regierungen an die Macht kommen sollten.

        Von Mises wird daher weiterhin nur als Kritiker bedeutsam bleiben, zumal auch er nicht einem rein marktwirtschaftlichen System die Weihe der Makellosigkeit zu verleihen mag. Denn auch es hätte Krisen zu verzeichnen – sicher öfter als wir sie seit WK II erlebt haben, belastend nicht nur für einige wenige, kaum aber das System zerstörend. Ob die Menschen es dem heutigen System vorziehen würden? Nicht die heutigen Menschen, aber vielleicht andere, die viel früher gelebt haben.

        Wenn so, was wäre anders heute?

        Vieles, vor allem eines:

        Die Bereitschaft und Fähigkeit, sich anzupassen, wären deutlich größer.

        Dass könnte ganz entscheidend sein mit Blick darauf, was auf uns zukommt.

        Anders ausgedrückt:

        Fehlende Bereitschaft und Fähigkeit sich anzupassen, sind das vermutlich wirkungsreichste Defizit in unserem defizitären System.

    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Zweifler

      >Solange die EZB da ist, wird es keinen Uscitalia geben. Das will im Grunde niemand, am wenigsten Italien.>

      Das halte ich in dieser apodiktischen Gewissheit für falsch.

      Was niemand will, ist eine Sache.

      Dass sich mitunter aus dem, was niemand will, etwas entwickeln kann, was auch niemand will und – fataler noch – auch niemand mehr kompensieren kann, wenn es sich ereignet hat, ist aus der Geschichte hinreichend bekannt.

      Ich will keine Beispiele aufzählen, jeder kann das für sich selbst feststellen.

      Damit sage ich nicht, dass morgen dies oder jenes geschehen wird.

      Ich sage nur:

      Auch die EZB hat diesbezüglich nur einen BEGRENZTEN Einfluss.

      Antworten
      • Zweifler sagte:

        @Dietmar Tischler, ich glaube Erbsenzählerei bringt uns nicht weiter. Natürlich kann sich auch aus einem Nicht-Italexit eine Katastrophe ereignen. Ich meinte nur, daß derzeit ein Italexit in ganz Europa unerwünscht ist, da die Folgen unübersehbar sind. Derzeit hat die EZB einen NAHEZU UNBEGRENZTEN Einfluß und so überläßt man halt lieber ihr die Probleme.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Zweifler

        Es geht nicht um Erbsenzählerei, sondern darum, wie der Einfluss der EZB einzuschätzen ist.

        Sie hat zweifelsohne durch die Geldpolitik einen nahezu unbegrenzten Einfluss – auf die Finanzmärkte.

        Das ist zentraler, aber NICHT umfassender Einfluss.

        Auch wenn es keinen unmittelbaren Anlass gibt, einen Italexit verhindern zu müssen – da stimme ich Ihnen ja zu – kann es in Italien und anderswo Entwicklungen und letztlich auch Ereignisse geben, denen die EZB hilflos gegenübersteht.

        Das ist entscheidend:

        WAS sie nicht beeinflussen kann.

  2. Thomas M. sagte:

    „Either we change Italy dramatically and make it fit for for the euro“

    Übersetzen wir den Satz einmal ins Deutsche mit einem kleinen Kniff, denn es muss nicht unbedingt „fit machen“ bedeuten.

    „Entweder ändern wir Italien dramatisch und machen es passend für den Euro oder…“

    Klingt gleich schon weniger freundlich oder… ? Mal schauen, ob „wir“ das tun… und „die“ das mitmachen. Ich schätze weder/noch.

    Ohnehin ein kurioses Konzept: Einen Staat, also Menschen, verändern, damit sie zu einer Währung passen.

    Antworten
  3. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Und genau deshalb wird die Regierung in Italien erfolgreich den Bluff der EU und der EZB enttarnen. Natürlich werden sie Geld bekommen. Nicht, dass damit die Krise gelöst wäre, sie wäre nur erneut unterdrückt und verschleppt.“

    Das ist richtig, aber die Schuldenkrise lösen können Sie demokratisch sowieso gar nicht vernünftig; insofern ist das nur konsequent. Wer bitte schön soll denn aktuell in parlamentarischen Mehrheitsbeschlüssen die Enteignung zahlreicher Guthaben in der OECD länderübergreifend organisieren, wenn ohne spürbare allgemeine Großkrise der Bedarf dazu von der Masse der Wähler nicht erkannt wird? Wir haben es ja in Deutschland politisch nicht mal geschafft, aus der Atomkraft ohne fadenscheinigen Fukushima-Vorwand auszusteigen, obwohl die deutschen Atomkraftwerke weder von Tsunamis noch von Erdbeben bedroht sind. Und die Bereinigung der Schuldenkrise ist noch mal eine ganz andere politische Hausnummer als die Atomkraft. Sündenböcke sind keine Herdentiere und daher findet sich auch keiner, der so etwas freiwillig anzettelt.

    Außerdem wird Italien – egal wie man politisch persönlich zur Flüchtlingsfrage steht – bei jeder europäischen oder nationalen Entscheidung bzgl. der afrikanischen Überbevölkerung und begonnenen Massenmigration mindestens bis zum Ende dieses Jahrhunderts aus geographischen Gründen einbezogen werden müssen, wenn man nicht eine massive Nationalisierung und Militarisierung der Bundesrepublik will, die nur über extreme Exporteinbrüche erkauft werden kann.

    bto: „Und ich denke immer noch, dass die Europäer alles zulassen werden!“

    Glaube ich kurzfristig auch, aber langfristig nicht, Herr Dr. Stelter. Sie sehen an den stetig wachsenden Stimmenanteilen der Schwedendemokraten, der AFD, des FN, der Lega, den wahren Finnen usw., dass die pro-EU-Stimmung in der Bevölkerung immer weiter kippt. Aber sie kippt in der Geschwindigkeit eines Eisbergs, ähnlich schnell wie die Demographie. Doch jede Wahl (z.B. diesen Monat auch die bundesweit relevanten Landtagswahlen in Bayern und Hessen), aber auch jedes weitere Kalenderjahr bringen die Debatte in Richtung der Gegenbewegung zum EU-Zentralismus. Langsam, aber unaufhörlich, da die EU ein massives internes Demokratiedefizit bzw. Gerechtigkeitsdefizit hat, das die Vorteile immer mehr überlagert. Dauert halt mit dem politischen Meinungswandel, denn der Stammwähler der Pro-EU-Parteien ändert seine Meinung nicht über Nacht. Die ökologische Bewegung hat auch Jahrzehnte gebraucht, um mainstream zu werden.

    Es sei denn, wir bekommen ein irgendwie geartetes „Großereignis“, was hoffentlich nicht passieren wird.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ WolfgangSelig

      Kurzfristig vs. langfristig:

      Ich sehe den Unterschied genauso wie Sie.

      „Europäer“ gibt es nicht, sondern es gibt nur Bürger unterschiedlicher Nationalitäten in Europa.

      Und ich bin überzeugt davon, dass national entschieden wird, weil die Bürger NATIONAL betroffen sind – dort, wo sie leben und arbeiten.

      Konkret, ein aktuelles Beispiel:

      In Brüssel und im EU-Parlament kann man zwar über die Reduktion der CO2-Emission von Automobilen entscheiden und dadurch auch Entwicklungsschwerpunkte bei den Herstellern beeinflussen.

      Wenn es aber darum geht, ob DADURCH und in der FOLGE davon eine große Anzahl von hochattraktiven Arbeitsplätzen verlorengehen dürfen, wird man diese Beschlüsse auf nationaler Ebene MISSACHTEN.

      Das ist vorprogrammiert, VW hat bereits 100.000 verlorene Arbeitsplätze in den Ring geworfen.

      Man kann davon ausgehen, dass gut situierte Menschen mit vermeintlich sicherer Beschäftigung beim Staat dagegen protestieren werden. Mag sein, dass es dabei auch gewalttätig zugehen wird.

      Das ändert nichts am Geschehen:

      Spätestens, wenn es um die Existenz geht, ist es aus mit dem Europa, wie wir es heute kennen.

      Vermutlich aber schon früher, siehe Brexit.

      Antworten
  4. Alexander sagte:

    „‚Wir schaffen das“ wohl nicht alle Brände zu löschen. Nicht nur Italien, auch die Türkei hat Euro-Erpressungspotential – weil sich spanische Banken exponiert haben. H.W.Sinn sprach dies an und hier eine zufällige Quelle dazu: https://www.heise.de/tp/features/Spanien-ist-besonders-von-der-Tuerkei-Krise-betroffen-4137786.html

    Rettungsreflexe in Berlin und Frechheiten durch den Sultan wundern nicht..

    Vielleicht mögen sie Herr Stelter, das in ihre Betrachtungen einfließen lassen…..

    Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.