Amerika wird underperformen

Eine Frage beschäftigt Anleger weltweit. Was nun, nachdem der US-Markt so gut gelaufen ist? Zunächst ein paar Fakten, zusammengetragen von der FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • „Wer in den MSCI All Country World Index investiert, erwartet vermutlich ein breit über den Globus diversifiziertes Portfolio. Doch dafür ist der amerikanische Aktienmarkt zu gross. Die Mehrheit im Index sind US-Titel. Danach folgen japanische Aktien mit einem Anteil von knapp 8%. Schwellenländer wie China (3,4 %), Südkorea (1,6 %) und Taiwan (1,3 %) laufen in den hinteren Rängen. Dieses hohes Gewicht der USA ist dieses Jahr eine gute Nachricht für die Anleger.“ – bto: Das kann man so sagen. Ich allerdings habe das nicht so vorhergesehen und schon zu früh meinen US-Anteil reduziert.
  • „Berechnet man, wie sich die Indexperformance zusammensetzt, bestimmt ein Land die Performance: Die USA stellte 5,6 Prozentpunkte (Pp) der Gesamtrendite. Dagegen lag der Anteil an der Performance von Japan bei 0,2 Pp und von Frankreich um 0,15 Pp. Die grössten Verlustbringer im Index waren die Titel aus China (–0,4 Pp), Südkorea (–0,3 Pp) und Deutschland (–0,2 Pp).“ – bto: Es zeigt sich hier auch, dass unsere einseitige Ausrichtung der Wirtschaft sich nicht auf Dauer auszahlt.
  • „Ein massives Übergewicht wie bei der Länderallokation gibt es bei der Aufteilung nach Sektoren im Weltindex zwar nicht. Aber drei Sektoren stellen etwa die Hälfte des Index: Informationstechnologie ist mit über 20 % am grössten, danach folgen Finanzunternehmen und etwas abgeschlagen der zyklische Konsum. Auch hier hat sich die am höchsten gewichtete Kategorie für Anleger besonders ausbezahlt. Die IT-Titel im Weltindex legten dieses Jahr über 12 % zu. Dahinter folgt knapp der Gesundheitssektor. Dank eines höheren Ölpreises konnten auch Energietitel hinzugewinnen. Am stärksten verloren haben Telecomtitel und Basiskonsumgüter.“ – bto: Bei Öl lag ich zwar richtig, doch gerade bei Technologie war ich ebenfalls zu früh skeptisch.
  • „Zehn Einzeltitel haben den Weltindex am meisten bewegt – sieben davon sind in den USA kotiert. Zu den Gewinnern mit dem grössten Einfluss gehören Netflix, deren Kurs sich dieses Jahr fast verdoppelt hat, und Amazon mit einem Kursplus von über 60 %. Zu den Belastungen für den Index gehören das chinesische Internet-Unternehmen Tencent (Jahresverlust fast 20 %), der Zigarettenhersteller British American Tobacco und der US-Konzern General Eletric mit einem Verlust seit Jahresanfang von über 30 %.“ – bto: Auch hier hat sich meine Skepsis gerächt.
  • 2,1 Pp der Performance  (also) fast die Hälfte der Gesamtrendite eines Weltportfolios kommt von Amazon, Apple, Microsoft, Netflix und Visa. – bto: Es sind immer weniger Werte, die den Markt ziehen. Ich halte das für ein eindeutiges Warnsignal. 

So fragt das Wall Street Journal zu recht: „Does it make sense to invest anywhere but in the U.S?“  bto: Ich denke (immer noch!) ja.

  • „Through Aug. 31, the S&P 500 has outperformed international stocks, as measured by the MSCI World ex USA Index, over the past one, three, five, 10, 15, 20, 25, 30, 35, 40 and 45 years, according to AJO, an institutional investment manager in Philadelphia. Had you put $10,000 in each in 1973 and reinvested all your dividends, your U.S. holdings would be worth $1.06 million; your international stocks, $356,000.“ – bto: Das ist brutal!
  • „(…) U.S. stocks seem to have dominated over the long run only because they have done so extraordinarily well over the past few years. Lofted by a strong currency and trillions of dollars of fiscal and monetary stimulus, U.S. stocks rose so swiftly out of the financial crisis that they left the rest of the world behind. That spectacular recovery has obscured the historical record.“ – bto: Das zeigen alle Daten. Die US Börse überragt alle!
  • Das war nicht immer so: „The U.S. was among the worst-performing stock markets worldwide in the 1970s and the 2000s; it also earned lower returns than the average international market in the 1980s. Over the 10 years ended in December 1986, international stocks outperformed the U.S. by an average of 6.2 percentage points annually; even over the decade through December 2007, U.S. stocks lagged the rest of the world by an annualized average of 3.1 percentage points.“ – bto: Und das kann ebenso gut wieder passieren.
  • Markets tend to lose their dominance right around the time it seems most irresistible. The Japanese stock market rose 22-fold over the 20 years through the end of 1989, making it the world’s best major performer. If you were Japanese, that pinnacle of local outperformance marked the perfect time to diversify outside the country. The Nikkei 225 index, which hit its all-time high of 38915.87 on the last trading day of 1989, remains below 24000 as of this week.“ – bto: Nun muss das nicht in den USA so kommen, dennoch ist es ein eindeutiges Warnsignal.
  • „If U.S. growth merely slows relative to other economies, stock markets elsewhere in the world are likely to catch up to or surpass the S&P 500. Stocks in the U.S. may be more vulnerable than usual to such a reversal, given how expensive they are. Compared with the rest of the world, U.S. stocks are at their highest valuations on record, according to Bank of America Merrill Lynch—trading for twice as much, as measured by price to net worth, as international shares.“ – bto: Bekanntlich liegt der Gewinn im Einkauf.
  • „The biggest surprise is that individual investors have not abandoned global diversification during this recent period of disappointment. Over the past 10 years, even as U.S. stocks hugely outperformed, mutual-fund and exchange-traded-fund investors took $34 billion out of U.S. funds and added $1.02 trillion to international (…) Historically, investors have chased good returns and run away from bad performance, so these numbers are kind of crazy, says Mr. Kinniry. This is incredibly contrarian compared to what we have seen in the past.” – bto: Und das mag der Grund dafür sein, dass die USA wohl noch eine Weile besser bleiben?

fuw.ch: „Weltaktien kennen nur einen Gewinner“, 1. Oktober 2018

wsj.com: „The ‘Dumb’ Money Is Bailing on U.S. Stocks. That’s Smart.“, 28. September 2018

10 Kommentare
  1. Klaus Samer sagte:

    Ich sehe mir den Markt und insbesondere die FAANG regelmäßig an und zuletzt hat z.B. Amazon von seinem Höchststand bei 2039 Dollar bis zu heutigem Tage um 10% korrigiert, Netflix vom Höchststand im Juli um 20% (immer noch zu teuer), Facebook seit Juli um 30%, Alphabet um 10% seit Juli nur Apple liegt ca. 5% im Minus.

    In der Presse findet das keinen Wiederhall und wir sind m.E. hier im Bereich den man noch als Korrektur bezeichnen kann sprich 10-20% Minus. Die Frage ist ob das so bleibt oder ob zunehmend die ängstlichen Hände weiter Aktien abgeben und die Bären am amerikanischen Markt in Zukunft das sagen haben.

    Um diesen Trend zu drehen müßen die nächsten Quartalszahlen die Erwartungen schon deutlich toppen, wenn wir am Beginn eines Bärenmarktes sind sind die nächsten Quartalszahlen irrelevant.

    Grundsätzlich dürfte gelten, alles was in der Vergangenheit überproportional gestiegen ist dürfte in der Baisse ebenso überproportional fallen.

    Den Grund für eine entgegengesetzte Rally zu neuen Höchstständen kann ich derzeit nirgends erblicken, das prozyklische Steuergeschenk ist ja schon eingepreist.

    Aber was weiß ich schon ich bin ja nur Kleinanleger.

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  2. Klaus Samer sagte:

    P.S. das mit dem S&P 500 hat Buffett ja in seiner Wette gegen den Hedgefondmanager schon deutlich beschrieben und diese mit einem ETF auf den SP deutlich vor der Zeit gegen der Hedgefond gewonnen.

    Waa europäische Aktien angeht so fällt mir hier insbesondere eine auf Covestro, hat seit Anfang aus des Jahres, aus meiner Sicht völlig grundlos 30% an Wert verloren. Ich habe mich mit der Aktie nur am Rande beschäftigt und gehört die haben sehr davon profitiert das die Konkurrenz eine zeitlang nicht liefern konnte.
    Selbst wenn man das berücksichtigt dürfte sich der Gewinn halbieren und das KGV das aktuell bei 6,irgendwas ist wäre dann mit 12 immer noch nicht zu hoch. Das Eigenkapital ist mit 47% nicht schlecht und die Dividende o,k. .

    Jetzt kann man sagen Chemieindustrie ist kapitalintensiv und ein zyklisch, stimmt und Covestro hat ja verkündet 1,5 Miliarden in Produktionskapazitäten zu investieren und das vor der nächsten Rezession, das kann ins Auge gehen.

    Allerdings war die Cashflow Marge 2017 bei 16,7% da kann ich mir schlimmeres vorstellen.

    Ich empfehle die nicht zumal mir der Besitz derzeit optisch wehtut nach dem Buchverlust, aber sollten die Zahlen stimmen werde ich nach der Bodenbildung auch weiterhin dabei sein.

    Ich denke das Substanzwerte den nächsten Crash deutlich besser überleben werden als die FAANG.

    Amazon könnte sich vom Kurs her halbieren und hätte dann immer noch ein FORWARD P/E von 40….

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  3. Wolfgang Selig sagte:

    @Klaus Samer: Ist Amazon inzwischen nicht schon ein Substanzwert? Die Markteintrittsbarrieren für Wettbewerber sind inzwischen unfassbar hoch und bei der Art der gehandelten Güter ist amazon sehr flexibel. Ich sehe Ihre Aussage als Widerspruch, weil entweder ist die Chemieindustrie zyklisch oder alternativ ein Substanzwert (wie früher mal ein Stromversorger). Beides zugleich bringe ich logisch nicht zusammen.

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  4. Klaus Samer sagte:

    @Wolfgang Selig. Amazon hängt bezuglich des augewiesenen Gewinns m.E: zu 100% von seiner Cloudsparte ab und bekommt dort zunehmend Konkurrenz von MSFT und Co,, daher ist wichtig zu sehen wie sich Amazon in diesem Bereich in absoluten Zahlen im Vergleich zum Wettberwerb entwickelt. Ansonsten bietet Amazon nichts was der stationäre Handel nicht auch bietet: Um solche KGV zu rechtfertigen muß AMZN wie ein Techstartup wachsen das sehe ich nicht.

    Bei Covestro kann ich nicht sagen wie konjunkturabhängig die sind ja erst seit einigen Jahren an der Börse und haben seit IPO stark zugelegt. Ich denke aber das auch hier die Markteintrittsbarrieren hoch sind keiner stampft mal eben ein komplett neues Chemiewerk für Milliarden aus dem Boden.
    Die Zklyizität dürfte davon abhängig sein wie stark die von einem Produkt abhängig sind und wie sehr die WIrtschaft in der Krise darauf verzichten kann: https://boerse.ard.de/aktien/covestro-investiert-milliarden-in-den-usa100.html .

    Nimmt man diese Definition die ich teile :http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/boersenlexikon-was-aktien-zu-substanzwerten-macht-199084.html dürfte man Covestro dazu zählen.

    Wie gesagt ich empfehle die nicht ich bin ja keine Experte, ich besitze sie nur in geringem Umfang.

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    • Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Samer: okay, das kann man vertreten. Ich neige eher zur Definition von Matschke, bei der nach meinem Verständnis kein Gegensatz zum Wachstum enthalten ist und auch immaterielle Güter bewertet werden. Für mich bei Substanz entscheidend ist der Wiederbeschaffungsaufwand bei der Errichtung einer Amazongesellschaft. Und nur, weil Amazon seine Beinahemonopolstellung bei der HandelsMarge aus Gründen der Wachstumsmaximierung noch nicht ausnutzt, heißt das nicht, dass die Pläne nicht schon in der Schublade liegen. Denn die Preissetzungsmacht bzw. „Burgmauer“, wie gerade substanzorientierte Valueinvestoren das nennen, ist schon lange da und wächst noch ständig. Aber ich kann Ihre Argumente auch nachvollziehen.

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    • Martin Ebner sagte:

      betr. Covestro/Markteintrittsbarrieren für Chemie-Produzenten:
      Dass gigantische, Milliarden-teure Chemiewerke auch in Zukunft eine große Rolle spielen werden, ist zwar wahrscheinlich – aber nicht garantiert.

      Es gibt auch Menschen, die sich eine „Chemiewende“ mit dezentralen, „grünen“ Mikro-Reaktoren vorstellen können: http://martin-ebner.net/topics/science-innovation/chemiewende/

      Das ist wohl eine Glaubensfrage: Wer glaubt, dass Atomkraftwerke und Öl-Konzerne auf ewig sicher & profitabel sein werden – der wird auch Aktien von Bayer & Co. glücklich vererben, samt den dazugehörenden Mondlandschaften…

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      • Klaus Samer sagte:

        Sehr geehrter Herr Ebner , es weniger eine Glaubens- als eine Wirtschaftlichkeitsfrage.Ihre Kritik wird auch nicht dadurch glaubwürdiger wenn Sie als Referenz diesbezüglich auf sich selbst verweisen.

        Ohne Experte für die Chemieindustrie oder Wirtschaft zu sein, werden sie kaum bezahlbare Produkte ohne die Skaleneffekte der Chemiegroßindustrie herstellen können.

        Das erschließt sich natürlich nicht wenn man klein und Hinterhof gleich sauber und gut, und groß gleich böse und schädlich denkt. Die Dinge sind dann doch ein wenig komplexer.

        Und richtige Investoren investieren auch nicht in Industrien die keine Zukunft mehr haben und zwar aus wohlverstandenem eigenen Interesse.

        EIn Tesla der mit Ökostrom fährt wird übrigens nicht aus nachwachsenden Rohstoffen gefertigt, genausowenig wie die Batterie die ihn antreibt, auch können Sie die Werkstoffe die so ein Fahrzeug benötigt nicht im Hinterhof zusammenkochen.

        Es werden weltweit jährlich ca. 100 Millionen Autos gebaut da bin ich mal gespannt wie sie den Bedarf mit Microreaktoren decken wollen und das ist nur diese Industrie.

        Sie können natürlich sagen will ich alles nicht ich schlaf nicht auf Matrazen sondern, auf dem Boden, ich wohne nicht im Haus sondern im Zelt. Das können sie für sich so entscheiden aber um das für mich so zu entscheiden brauchen sie eine demokratische Mehrheit und die sehe ich derzeit nicht und aus meiner Sicht ist das auch gut so.

        Wenn Ihre Chemiewende der Stein der Weisen ist wird es auch kein Problem sein dafür einen Investor zu finden und damit reich und glücklich zu werden und die Welt zu retten.

      • Klaus Samer sagte:

        P.S.“ Eigentlich ein Irrwitz: Kohlenwasserstoffe sind reaktionsträge und einfache Moleküle. Nur mit brachialer Gewalt, mit hohen Temperaturen und aggressiven Reagenzien, lassen sich daraus anspruchsvollere Produkte fabrizieren.“

        Ich zitiere Sie hier mal und schon der erste Teil dese Zitates ist falsch und ich belasse es mal dabei darauf hinzuweisen das wenn Ihre Aussage stimmen, der Verbrennungsmotor nicht funktionieren würde. Alles andere würde ein wenig zu weit führen.

        Im Übrigen ist es durchaus auch so das die von Ihnen so geschmähte Chemiindustrie ein eigenes Interesse daran hat von Rohöl als Rohstoff wegzukommen da er eben endlich ist. Sie forscht auch in der Richtung dazu müßten Sie einfach mal die entsprechenden Geschäftsberichte lesen.

        Ich stehe der Chemieindustrie übrigens nicht unkritisch gegenüber aber schwarz/weiß denken hilft vielleicht bei der eigenen ideologischen Verortung bildet aber in der Regel die Wirklichkeit nicht ab.

  5. Klaus Samer sagte:

    Leider hat das Blogprogramm meine Antwort geschluckt. Also nochmal Amazons Gewinn beruht m.E. fast ausschließlich auf der Cloudsparte hier muß sich zeigen wie sich Amazon gegen die zunehmende Konkurrenz von z.B. MSFT schlägt. Klar ist Bezos will den Laden zum Techkonzern umbauen dessen Hardwaregeschäft gewinnbringende Sekundärdgeschäfte wie Werbung und Cloudservice inwieweit ihm das gelingt bleibt abzuwarten im Kerngeschäft macht Amazon nichts was andere nicht auch können.
    Das KGV ist m.E. nur bei Wachstumsraten von Techkonzernen zur rechtfertigen und jenseits von gut und Böse.

    Nimmt man diese Definiton von Substanzwert die ich teile :http://www.faz.net/aktuell/finanzen/aktien/boersenlexikon-was-aktien-zu-substanzwerten-macht-199084.html

    ergibt sich der von konstatierte entweder oder Widerspruch nicht.

    Wie gesagt ich empfehle Covestro nicht ich besitze sie nur.

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    • Lenz sagte:

      Das mit der Cloudsparte ist im wesentlichen so und daher sehe ich bei AMZN keinen „Burggraben“ Marke Buffett. Sie leben sicher von trägen Stammkunden, nur können die wach werden und mal schauen, wo es was preiswerter gibt.

      Beim Kauf von „unbekannten“ Produkte gehe immer zu Geizhals.de, weil ich dort insbesondere bei Technik eine optimale Suchfunktion habe, die „Abrundung“ erfolgt dann durch die Produkt Bewertungen bei Amazon – der Drang dort auch was zu kaufen hält sich in engen Grenzen.

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