„Italy needs reform and a euro exit is inevitable“

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Roger Bootle hat schon vor Jahren erklärt, wie man den Euro auflösen könnte: → Capital Economics wins Wolfson prize.

Wenig verwunderlich, dass er nun auch bei Italien skeptisch ist. Roger Bootle schreibt jeden Montag im Telegraph,  aus seinem Beitrag vom 27. November 2016:

  • „As with other referendums and elections, the vote will be regarded by the populace not so much as an opportunity to express a view about the precise details of institutional reform, as a chance to give their verdict on Mr Renzi’s government in particular and the state of Italy in general.“ bto: was es nicht gerade verbessert!
  • „And it really is in quite a state. The Italian banking system is appallingly weak. Almost 20pc of loans are ‚non-performing, meaning that borrowers are not paying the interest due. Many will probably not be able to repay their debts. At some point or other, there is going to be a reckoning, and it is not going to be pretty.“ bto: definitiv nicht.
  • „‘Over recent years, the Italian government has battened down the hatches in an attempt to reduce the burden of public sector debt. But it has failed. As a share of GDP, Italian government debt stands at about 130pc, and rising. (…) Indeed, if you exclude interest payments, it is running a surplus of 1.4pc of GDP. The problem is that it cannot exclude interest payments. And they are huge, amounting to about 4pc of GDP every year.“ bto: Man kann sich aus der Pleite eben nicht heraussparen.
  • Some readers may remember that in the 1950s, 1960s and 1970s Italy was a powerhouse of economic growth.“ bto: In der Tat wird das leicht vergessen.
  • „Since the beginning of 2008, the US and the UK are currently registering output up by about 12pc and 8pc respectively. Over the same period, Italy’s GDP is down by 8pc.“ bto: Das ist natürlich eine Depression, weshalb es wundert, wie wenig Unruhe es in Italien gibt.
  • Since the beginning of 1999, the UK economy has grown by almost 40pc, against about 25pc in Germany and France. But Italy’s performance is in a different league. Over the last 17 years it has managed to grow by less than 6pc. In other words, since the formation of the euro, Italy’s economy has essentially stagnated. Along with this stagnation has come an employment disaster.“ bto: was noch mehr verwundert, weshalb die Italiener das solange hinnehmen.
  • Nor is the long-term outlook very promising. The Italian birth rate is running at about 1.4 per woman. The United Nations projects that by 2035, Italy’s population will have fallen by about 2pc. Quite apart from what that would do directly to reduce the size of the Italian economy, this is not exactly an environment in which Italian businesses will be galvanised into investment.“ bto: Bevor wir jetzt in Deutschland lachen, letztlich droht uns das Gleiche hier.
  • Italy needs a much lower exchange rate. (…) Not that a weaker currency would solve all problems. (…) But if it could enjoy a boost to competitiveness of 20 to 30pc through a lower exchange rate, this would lead to a surge in net exports and higher economic growth, with corresponding gains to employment. In such an environment, it might be easier to get through some of the many reforms that Italy needs.“ bto: Es ist immer leichter in einem besseren Umfeld. Gemacht wird es dann allerdings auch nicht …
  • Whatever the outcome on Sunday, though, I have come to believe that this is not a matter of if but when.“ bto: voll einverstanden!

→ The Telegraph: „Italy needs reform and a euro exit is inevitable“, 27. November 2016

10 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    Auch hier:

    Nicht OB, sondern Wann.

    Zu einem Austritt mit eigener, abgewerteter Währung:

    >But if it could enjoy a boost to competitiveness of 20 to 30pc through a lower exchange rate, this would lead to a surge in net exports and higher economic growth, with corresponding gains to employment.>

    Das ist zwar richtig, aber noch nicht einmal die halbe Wahrheit.

    Der Wettbewerbsvorteil ist NUR ein PREISLICHER. Er ist auf Dauer zu wenig in einer sich ändernden Welt, in der Nachfrage- und Preise permanent im Fluss sind.

    Zum anderen – hier ausgeblendet – werden die Importe teurer, was in der Regel die Inflation anheizt und damit den preislichen Abwertungsgewinn konterkariert.

    Die „Lösung“ ist erneute Abwertung, d. h. das betreffende Land verfällt in einen Abwertungszyklus mit zwei negativen Effekten:

    Wenn es überhaupt noch einen nennenswerten Kapitalimport gibt, dann wird er teurer. Denn die Ausländer wollen eine Prämie für das Abwertungsrisiko – also höhere Zinsen, was dämpfend wirkt.

    Höhere Zinsen verteuern auch die Staatsverschuldung, so dass die (Übergangs)-Finanzierung von Strukturreformen weitgehend ausfällt, wenn man nicht in die tödliche Falle weiter wachsender Staatsverschuldung bei einer schon hohen Schuldenquote laufen will.

    Kurzum:

    Falsches Denken, wie immer, wenn man Wachstumsprobleme NUR mit monetären Maßnahmen angehen will.

    Und nochmals falsches Denken:

    Mag ja sein, dass die Italiener auch mit einer Abwertung ihren Problemen nicht entkommen, aber die Eurozone ist Italien und seine Probleme los.

    Italien wird, wo es kann, seine Probleme weiterreichen. Aktuell: Es würde das Spiel geben, das wir jetzt mit der Türkei haben. Wenn ihr nicht das und das für uns tut (Transfers), lassen wir die Flüchtlinge auf Euch los. Wollt ihr das? Nein, das wollt ihr nicht angesichts des Dammbruchs (Nordafrika, insbesondere Libyen) und dem wachsenden Fluchtpotenzial in Afrika.

    Es gibt kein Entkommen.

    Nicht zu erwarten, aber ein Glücksfall wäre es, wenn es gelänge, Mehrheit für eine vorausschauend kluge Politik der ANPASSUNG zu gewinnen.

    Leider gibt es keine Konsensfähigkeit dafür.

    Antworten
      • egp says:

        Schon der erste Satz des Summersschen Abstracts weist auf das wahre Problem hin – noch bevor das Wort ‚Hysterese‘ auftaucht: „advanced economies“. Das positiv konnotierte Adjektiv „advanced – synonym mit ‚fortschrittlich‘, ‚erfolgreich‘ – ist hier völlig fehl am Platze. Es sollte statt dessen heißen „Economies directed by permanent government-micromanipulations“.
        Solange das Primat der Politik über die Ökonomie herrscht, solange denkt auch unsere kleine Chemiefirma nicht daran langfristig wirksame Investitionsentscheidungen zu treffen. Das gilt auch für den privaten Bereich. „Politische Märkte haben kurze Beine“ ist eine alte Traderweisheit und sie sind darin den Lügen gleichgestellt.
        Viele Jahre der staatlichen Interventionen – ich erinnere an Krugmans Artikel „Dubya’s Double Dip? The New York Times“ vom 2.8.2002 – haben zum von Crash 2008 geführt. Weitere 8 Jahre der gleichen Denksystematik on Top sind dann ein grandioses Beispiel an Erfolglosigkeit und Versagen. Erst wenn diese Permanentinterventionen aufhören, die Ökonomie wieder zur Grundlage ökonomischen Handelns wird, wird der Stelterschen Eiszeit ein Tauwetter folgen. Der Rest ist Rauschen.

      • Michael Stöcker says:

        „Solange das Primat der Politik über die Ökonomie herrscht…“

        Und wenn dem nicht mehr so ist, dann wird alles gut???

        So wird doch nur ein religiöses Bekenntnis gegen ein anderes ausgetauscht. Diese Diskussion führe ich gerade mit Herr Felsbeger: https://zinsfehler.com/2016/11/27/debitismus-ad-infinitum/comment-page-1/#comment-556

        Weder der Staat noch der Markt bringt für sich allein das Heil. Auch hier gilt: It takes two to tango. Und beide irren vorwärts. Das Problem dabei: Beiden ist ihr Kompass abhanden gekommen und ein neues Paradigma ist noch in weiter Ferne. Und somit steuern wir orientierungslos auf den Abgrund zu.

        LG Michael Stöcker

  2. Dietmar Tischer says:

    @ egp

    >Solange das Primat der Politik über die Ökonomie herrscht, solange denkt auch unsere kleine Chemiefirma nicht daran langfristig wirksame Investitionsentscheidungen zu treffen.>

    Ich verstehe, was Sie meinen.

    Dennoch bzw. gerade deshalb folgende Bemerkungen:

    Das Primat der Politik über die Ökonomie wird immer bestehen, wenn man Politik nicht nur als Regierung und Parlament versteht, sondern fundamentaler als die auf Konsensbasis durch MEHRHEITEN bestimmten bzw. tolerierten Entscheidungsfindungen.

    Wenn man dies akzeptiert, kommt man zu einer anderen Auffassung als Sie:

    Es waren NICHT staatliche Interventionen, die zum Crash von 2008 geführt haben. Es waren GESAMTGESELLSCHAFTLICH gewollte bzw. nicht zu verhindernde Bedingungen (u. a. Globalisierung, Deregulierung des Finanzsystems, extremes Akkommodieren durch die Notenbanken), auf denen aufsetzend die Immobilienblase entstand: Kurzum, es waren private Haushalte und nicht der Staat, die sich über Gebühr für Immobilien verschuldet haben.

    Die Alternative zu „staatlichen Interventionen“ ist für Sie, dass – im Rahmen meiner Auffassung ausgedrückt – der einzige Konsens der Mehrheiten sein sollte, keinen Konsens mehr zu finden außer dem, die Konsensfindung den Märkten zu überlassen.

    Das wird es nicht geben.

    Selbst wenn es sie geben würde:

    Ökonomische Krisen wären damit keinesfalls aus der Welt geschafft.

    Allerdings würden sie vermutlich schneller und brutaler bereinigt werden.

    Anders gesagt:

    Auf die Zeitachse bezogen, würden die Kosten anders verteilt werden und damit die Menschen anders treffen.

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  3. Bakwahn says:

    Es wird keinen Austritt Italiens oder irgendeines anderen Euro-Landes mittelfristig geben. Mittelfristig heißt hier bis zur BTW September 2017.
    Jegliche noch so sachlich fundierte und ökonomisch berechtigte Kritik gegen den Eurorettungswahnsinn wirkt hinfällig, machtlos, vergebens. Der Euro ist kein ökonomisches, sondern ein politisches Projekt. Der Euro soll „unumkehrbar“ sein. Das alleine ist die einzige Richtschnur des Handelns der europäischen Nomenklatura; einschließlich der EZB-Gouverneure und der Richter des EuGH.

    Die Euro-Zone wird auch die nächsten Jahre in Flickschusterei vor sich hin wursteln.
    Wenn in einem Land eine Euro austrittswillige Regierung an die Macht kommt, dann wird sie von der Euro-Elite bestochen, bedroht und erpresst, mit Geld und Zugeständnissen zugeschüttet; je nachdem.
    Beispiel Griechenland, Syriza:
    Ich denke dabei nicht nur an die Parteispitze um Tsipras, sondern an ihre 400 bis 500 Mandats- und Funktionsträger – wahrscheinlich sind es mehr.
    Sie haben sich nach dem Wechsel in Regierung, Staat und Gesellschaft an die Stellen der alten Eliten gesetzt und machen dort weiter, wo die Alten aufgehört haben: Miß- und Vetternwirtschaft, Ineffizienz und Korruption.
    Es lebt sich für fast alle politischen und gesellschaftlichen Eliten dieses Landes fabelhaft unter den Rettungsschirmen, mit den Hilfszahlungen und den Nullzinsen für Staats-, Banken- und Unternehmensschulden. Substantielle Veränderungen, Anpassungen (Strukturreformen), einen wirklichen Kurswechsel sehe ich in Hellas nicht.
    Sie wären doch Vollblutidioten, wenn sie gehen würden. Das ginge nur um den Preis eines Staatsbrankrotts mit all seinen katastrophalen Folgen.
    Live aus Buxtetown am Esteriver bei Hamburg – spät! 22.20 Uhr Ortszeit
    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Duesseldorf

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  4. Bakwahn says:

    Ich habe schon vor über 5 Jahren an anderer Stelle geschrieben, daß wir mit Hellas den ersten Sozialhilfeempfänger in der Euro-Zone herzlichst begrüßen können. Wir gewähren diesem Land einen Lebensstandard und Einkommen, die es mit seiner Volkswirtschaft nicht erwirtschaftet. Die europäeische Nomenklatura und mit ihnen die CDU-CSU-SPD-Grünen-Linken-FDP werden bis ans Ende ihrer Tage in Nibelungentreue an diesem Einheitseuro festhalten.

    Vor ein paar Tagen las ich irgendwo im Internet, daß sich Schäuble massiv für Portugal und die anderen Sünder, die gegen Regeln des Stabilitätspaktes verstoßen (3% Neuverschuldung), eingesetzt hast. Niemand wird sanktioniert.
    Herrn Stelter und alle, die hier so gescheit nach verbindlichen Regeln rufen, die konsequent einzuhalten seien, kann ich aus 7 Jahren „Euro-Rettung“ sagen:
    Die Rückkehr zu Regeln, die auch wirklich konsequent und verbindlich eingehalten werden, diese Hoffnung ist ein feuchter Mythos, ein Phantasma. Alle, die solch optimistischen Vorschläge unterbreiten, sind Bewohner des Luftschlosses Eurotraum. Gesetze, Vereinbarungen, Regeln, Pakte werden durch den Club Mediterrane immer wieder pulverisiert und im Ground Zero, in einem Schwarzen Loch versenkt. Die jeweiligen nationalstaatlichen Politik-, Wirtschafts- und Sozialregimes sind einfach zu unterschiedlich.
    Objektiv ist der Euro längst gescheitert, und zwar an völlig unterschiedlichen wirtschaftskulturellen Vorstellungen und Mentalitäten in den Ländern der EU, insbesondere in den südlichen EU-Ländern.

    Ich höre mal auf, es hat keinen Zweck.
    Wir Deutschen müssen uns daran gewöhnen, dass wir zugrunde gerichtet werden.
    Ja, das wir uns selber ausnehmen lassen, wie eine Weihnachtsgans.

    Live aus Buxtetown am Esteriver bei Hamburg – spät! 22.25 Uhr Ortszeit
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    • Dietmar Tischer says:

      Im Endeffekt mag schon stimmen, was Sie sagen.

      Ich will lediglich etwas qualifizieren:

      Es gibt kein Entkommen, u. a. aus geografischen Gründen, wie ich in meinem ersten Kommentar geschrieben habe. Insofern ist richtig, was Sie sagen:

      Wir werden – auf unser heutiges Niveau bezogen – zugrunde gerichtet. Und weil es Anpassung nach unten durch andere ist, werden wir ausgenommen.

      So oder so, daran ist m. A. n. nichts Grundlegendes zu ändern.

      Richtig ist aber auch:

      Wir sind AKTIV daran beteiligt, dass und vor allem WIE wir ausgenommen und zugrunde gerichtet werden.

      Der Konsens ist hierzulande immer noch:

      Weiter so, don’t rock the boat.

      Noch.

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