Italiens Position im Euro ist unhaltbar

Es ist bekannt, dass die Position Italiens im Euro nicht haltbar ist. Offen bleibt, wie lange es noch dauert, bis es zum Knall kommt. Die Hintergründe habe ich immer wieder bei bto besprochen und sie finden sich im Italien-Special, besser gesagt im Uscitalia-Special.

Hier aber zur Erinnerung nochmals die Betrachtung von der Insel, die – wie ich immer wieder betone – keineswegs irre ist, sondern einfach ökonomisch nüchterner und damit rationaler:

  • The markets seem to be fairly relaxed about the Italian situation. (…) They are focused on the immediate future. For all the sabre-rattling, the Italian government will not want an early showdown with the commission. And the commission would probably accept some sort of fudge. It will surely strive to avoid fining Italy.“ – bto: Ohnehin ist es eine Frechheit, so gegen Italien vorzugehen und die Franzosen seit Jahren nicht anzupacken. Zeigt deutlich, wie die EU funktioniert.
  • „(…) the government actually runs a budget surplus. Indeed, it has done so for 25 of the last 27 years. Italy shouldn’t have to squeeze its budget still further. The fiscal problem derives from a combination of a heavy weight of debt incurred in the past and very sluggish economic growth, continuing into the present.“ – bto: Auch das ist bekannt und zeigt, dass man sich aus der Überschuldung nicht heraussparen kann. Möglich wäre natürlich eine hohe Vermögensbesteuerung in Italien, doch das Gegenteil ist der Fall. So ist die Erbschaftssteuer ein Witz im Vergleich zur hiesigen Belastung.

Quelle: The Telegraph

  • „(…) if Italy’s sclerotic economy has hardly managed to achieve any growth when its leading trading partners have been growing well, then what is going to happen if and when they experience a serious economic slowdown, such as is now under way? (…) It is difficult to see how the Italian people or their political leaders will accept such a result meekly.“ – bto: Und das dürfte wohl stimmen. Bisher ist das Land eigentlich schon erstaunlich friedlich.
  • The course that would be open to Italy if it were not a member of the euro would be a depreciation of its exchange rate, combined with a more stimulatory fiscal and monetary policy.“ – bto: im Euro nicht möglich, also außerhalb?
  • „(…) a majority of Italians still do not want to leave the euro. This is a major political barrier stopping any Italian government from taking Italy out of the euro.“ – bto: was auch daran liegt, dass die Italiener Vermögen haben und fürchten, dass es entwertet wird.
  • Aber man soll nicht so viel auf die Meinungsumfragen geben, meint Roger Bootle: „If there had been a poll of British people before we left the Gold Standard in 1931 I am sure that there would have been an overwhelming majority for staying on it, even though it was the cause of major economic difficulties. Similarly, if you had conducted a poll of British voters on continued membership of the European Exchange Rate Mechanism before we were forcibly ejected on Sept 16 1992, a day that was soon dubbed Black Wednesday, a majority would have voted to stay in.“ Der Grund dahinter: „People tend not to like such radical shifts. Accordingly, they need to occur through some sort of shock, without people having a choice in the matter.“ – bto: ein interessanter Gedanke, der auch auf die Öffentlichkeit hierzulande zutrifft. 
  • „(…) the most promising route to that result is through the introduction of a parallel currency, such as the so-called ‘mini-BOTs’, that have been touted for some time. (…) They look like bank notes and could serve as money.“ – bto: Und diese Vorbereitungen laufen ja bereits.
  • Und jetzt kommt der Knackpunkt: „(…) if the ECB reacted by cutting off, or even limiting, support for the Italian banking system then Italy would be ready with a new currency in waiting. Italy could support the banks with its newly issued currency. To all intents and purposes, Italy would then be out of the euro. This result could be presented as deriving, not from the Italian government’s choices, but from the European Central Bank’s actions.“ – bto: Ich halte das für undenkbar! Die EZB wird das nicht machen, weil sie damit eine politische Entscheidung treffen würde. Sie wird den Geldhahn nicht zudrehen, haben wir ja bei Griechenland und den ELAs gesehen, die direkt in den griechischen Staatshaushalt flossen.
  • „No one should expect such events in the next few months, let alone this week. (…) But unless and until the economy produces some decent growth, you should expect something like this to happen one day. It is only a matter of time.“ – bto: Auf jeden Fall wächst der Druck an.

→ telegraph.co.uk: „It’s only a matter of time before Italy’s Black Wednesday moment“, 16. Juni 2019

Kommentare (34) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Starchild sagte:

    wenn Italien nicht haltbar ist dann auch nicht Griechenland, Spanien, Portugal, mit dem Unterschied , dass Italien die Problematik erkannt hat und sie angeht, während die anderen weiterhin darauf setzen dass Ihre Kumpels in Brüssel die Milliarden rüberschieben. Und Portugal hat viel Inventar nach China verkauft um den liquiden Anschein zu erwecken es ginge aufwärts …um gewählt zu werden.

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    Martin S. sagte:

    „Ohnehin ist es eine Frechheit, so gegen Italien vorzugehen und die Franzosen seit Jahren nicht anzupacken. Zeigt deutlich, wie die EU funktioniert.“

    Die Sonderrolle Frankreich wird auch durch den Franc CFA unterstrichen, mit dem Frankreich weitere 150 Mio Menschen an den Euro und Frankreich gebunden hat. Trotz solcher kolonialer Strukturen bekommt Frankreich seine Finanzen nicht in den Griff.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Hier, wie ich meine, ein sehr guter Artikel von Braunberger bei FAZ.net.

    Lesenswert, weil er kenntnisreich die große Linie zeichnet:

    https://www.faz.net/aktuell/finanzen/ezb-praesident-mario-draghi-will-es-noch-einmal-wissen-16248879.html?printPagedArticle=true – pageIndex_0

    Daraus:

    „Was eine geldpolitische Herrschaft à la Draghi und die ihr zugrundeliegende Schule zum Einsturz bringen wird, ist nicht die Macht der Ideen, sondern die Macht der ökonomischen Fakten und die aus diesen Fakten sich ableitenden politischen Trends. Mittlerweile ist in der Fachwelt kaum mehr umstritten, dass die gegenwärtige Phase niedriger Zinsen bei niedriger Inflation und bescheidenem Wirtschaftswachstum nur zum Teil das Resultat einer expansiven Geldpolitik ist, sondern sich stark durch fundamentale Faktoren wie den demografischen Wandel, eine starke Ersparnisbildung in Schwellenländern sowie den Wandel von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft erklärt, in der Unternehmen weniger in Sachkapital investieren und selbst zu Sparern werden, erklärt.“

    Die Macht der ökonomischen Fakten und die aus diesen Fakten sich ableitenden politischen Trends werden die Geldpolitik als VERSCHULDUNGSPOLITIK außer Kraft setzen.

    Daran führt kein Weg vorbei.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Die Entwicklung in Italien steht zu Recht im Fokus, weil sich hier zeigt, wie weit die Zerfallserscheinungen bereits fortgeschritten sind.

    >Und jetzt kommt der Knackpunkt: „(…) if the ECB reacted by cutting off, or even limiting, support for the Italian banking system then Italy would be ready with a new currency in waiting. Italy could support the banks with its newly issued currency. To all intents and purposes, Italy would then be out of the euro. This result could be presented as deriving, not from the Italian government’s choices, but from the European Central Bank’s actions.“>

    Das sehe ich auch so – die EZB würde zum Schuldigen erklärt.

    Es ist m. A. n. auch völlig klar, dass es bei dieser Entwicklung zu einem Bankrun in Italien käme, der wie 2015 in Griechenland nur mit limitierter Geldabhebung und Kapitalverkehrskontrollen zu beherrschen sein würde.

    Das wäre aber de facto das Ende des Euro.

    Um es nicht dazu kommen zu lassen, müssen BEDINGUNGEN erfüllt werden.

    M. A. n. sind es diese:

    1. Die italienische Regierung muss davon abgehalten werden, Mini-Bots einzuführen.

    2. Die EZB muss BERECHTIGT sein, weiterhin italienische Staatsanleihen aufkaufen zu können.

    Erfüllung:

    1. Die Kommission muss den italienischen Haushalt akzeptieren. Sie wird das tun, indem sie von Strafzahlungen absieht und ein zu hohes Defizit mit Erklärungen wie „mehr Ausgaben für Investitionen“ garniert.

    Es wird wohl so kommen, weil man damit Zeit gewinnt.

    2. Die Berechtigung hängt davon ab, wie die Rating-Agenturen italienische Staatsanleihen bei steigender Verschuldung und steigenden Spreads bewerten, wenn die Bedingung 1. erfüllt wird.

    Wenn die Bewertung unter die Bonität fällt, zu der die EZB kaufen kann, wird es eng, sehr eng.

    Dies nicht nur, weil die Summen für die ELA-Kredite erheblich sein werden, u. a. an Banken, die schon insolvent waren, sondern weil DANN eine Verletzung der EZB-Satzungen ersichtlich würde.

    Die Situation ist auch deshalb schwierig, weil Salvini anscheinend bis zum Äußersten gehen will.

    Er weiß, dass er bei seinen Wählern verloren hat, wenn er einknickt.

    Die Italiener wollen zwar nicht den Euro verlassen, aber sie erwarten auch, dass Salvini die Wahlgeschenke liefert.

    >…But unless and until the economy produces some decent growth, you should expect something like this to happen one day. It is only a matter of time.”>

    Es ist vollkommen richtig, dass es nur noch um die Zeitfrage geht, weil die italienische Wirtschaft absehbar nicht hinreichend wachsen wird.

    Wenn es zu einer schwerwiegenden Rezession kommen sollte, beantwortet sich die Zeitfrage von selbst.

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    Eva Maria Palmer sagte:

    An den Wirtschaftsdaten des ClubMed kann man erkennen, daß der inkompatible Euro, von unfähigen Euro-Populisten erfunden, neben der EU an sich, die größte Fehlkonstruktion der jüngeren Gechichte ist.

    Italien wird zunächst eine Zweitwährung einführen, dann kommt der große John Law-Zampano und kauft alle Schuldscheine und Anleihen des maroden Staates auf, wirft Geld ab über den notleidenden Banken, und verlängert durch neue aberwitzige QEs, den Tod der ungedeckten Papierwährung.

    Außerdem werden wir weitere Zinssenkungen im negativen Bereich erhalten.

    Wie hat doch Alice Weidel über die Arbeit von Politikern gesagt:
    !Wir werden von Idioten regiert!“

    Der Spruch paßt ebenso haargenau auf die Euro-Geldpolitik.

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      Christian Hu sagte:

      „Wie hat doch Alice Weidel über die Arbeit von Politikern gesagt:
      !Wir werden von Idioten regiert!“

      Aber die Weidel regiert doch gar nicht? Hmmm…

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        Richard Ott sagte:

        @Christian Hu

        Diesen Mega-Gag sollten Sie der „Heute Show“ anbieten.

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        Christian Hu sagte:

        @Richard Ott:

        Prinzipiell gute Idee, aber die verschaffen der AfD leider schon genug Reichweite und Engagement (obwohl sie das Gegenteil erwirken wollen)

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        Richard Ott sagte:

        @Christian Hu

        Sie scheinen ein echtes Problem damit zu haben, dass es politische Parteien gibt, die andere Ansichten haben als Sie selbst.

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        Eva Maria Palmer sagte:

        @ Herr Hu

        Richtig ist, daß Weidel nicht regiert.

        Das besorgen die regierenden Voll-Idioten.

        Und die werden von ihren Bewunderern immer wieder an die Macht gebracht.

        Gerard Crabtree, US-Entwicklungs-Biologe hat durch seine Forschungen festgestellt, daß die Menschen immer dümmer werden.

        Eine Spitzen-Position nimmt sicherlich hier der deutsche Wähler ein.

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        Christian Hu sagte:

        „Sie scheinen ein echtes Problem damit zu haben, dass es politische Parteien gibt, die andere Ansichten haben als Sie selbst.“

        Nö, das haben ja alle Parteien.

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        Richard Ott sagte:

        @Christian Hu

        Nein, die Idee, dass ins Parlament gewählte Parteien in der politischen Berichterstattung ignoriert werden sollten (Sie implizieren ja offenbar, dass das „Reichweite und Engagement“ bringt, was bei der AfD nicht sein dürfte), ist zum Glück noch nicht allgemein akzeptiert. Das muss wohl Ihre eigene, merkwürdige Auffassung von Haltungs-Demokratie sein.

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    Christian Hu sagte:

    „(…) the government actually runs a budget surplus. Indeed, it has done so for 25 of the last 27 year“

    Wie wäre es denn mal mit Stimulation für mehr Wachstum?
    Nicht zu viel, wir wollen ja die Deutschen nicht aufscheuchen.

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        Christian Hu sagte:

        Der Inbegriff des Somewheres, ich kennen diesen Menschentypus aus meiner Zeit in den USA.

        Auch in Deutschland habe ich diese Scheißegal-Einstellung von Jugendlichen im Ruhrgebiet und Sachsen-Anhalt gesehen.

        Hat viel mit Perspektivlosigkeit zu tun und falschen Rollenbildern, die sich über Generarionen vererben. Die Frage ist, wie man solche Gegenden entwickeln soll, denn die Jugendlichen MIT Perspektive bleiben oft nicht lange oder verrohen selbst

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        Petet Pan sagte:

        So richtig jugendlich ist der Herr Ott aber auch nicht mehr. Und was seine Perspektiven angeht, ist das ja auch immer eine Frage der Perspektive, vollvertriggert selbstverständlich. ;-)

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        Richard Ott sagte:

        @Peter Pan

        Schön, dass Sie so oft an mich denken, aber in der Dokumentation spiele ich wirklich nicht mit.

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    Zweifler sagte:

    Immer wieder das alte Lied. Man redet einen „Knall“ herbei, der von Italien ausgehen soll. Die hohen Schuldenstände sind dabei gar nicht das Problem(s.USA und andere). Wichtig sind die Zinszahlungen, die Italien für das geliehene Geld leisten muß und die sind derzeit auf Rekordtief. Klar, die EZB wird drucken, zahlen, kaufen, was sonst? Wenn dann der berühmte Knall kommt, dann weil alle ihn wollten, nicht nur Italien.
    Italiens Position im Euro ist genauso haltbar oder unhaltbar wie die jedes anderen EU-Landes. Die potentielle wirtschaftliche Leistung Norditaliens ist mit der Deutschlands vergleichbar und stärker als die Spaniens oder Portugals. Es liegt an der italienischen und EU-Politik diese zu aktivieren.
    Ein EU Land, das sich wünscht, daß Bürgern eines anderen EU Landes Vermögen weggenommen wird, wird sich wundern, wie schnell das auf ihn zurückfallen wird(Der Krieg, den man hinausträgt, kommt zurück).
    Das von den „Nordländern“ gerne betriebene Italienbashing ist dumm und vor allem suizidal. Aber depressive Menschen lieben es ja, sich das nahende Ende auszumalen, eine Eigenschaft, die man den Italienern gar nicht nachsagen kann.

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    • Avatar
      Christian sagte:

      Fakt ist nun einmal, dass das Pro-Kopf-Vermögen in Italien oder auch Griechenland deutlich höher liegt als in Deutschland. Das liegt nicht nur an der höheren Steuern- und Abgabenquote hierzulande, sondern auch daran, dass die Mentalität bezüglich Steuerehrlichkeit und Abgabentreue in Italien oder Griechenland eine andere ist. Ich sage damit nicht, dass in Deutschland keine Steuern und Abgaben hinterzogen werden. Es ist lediglich ein Hinweis darauf, dass solche Delikte in den genannten Ländern weiter verbreitet ist. Dadurch erklärt sich teilweise auch, warum der deutsche Staat (i.Vgl. zum italienischen oder griechischen Staat) relativ reich und die deutsche Bevölkerung beim Pro-Kopf-Vermögen (i.Vgl. zur italienischen oder griechischen Bevölkerung) relativ arm ist. Um nun auf folgenden Satz von Ihnen zurückzukommen: „Ein EU Land, das sich wünscht, daß Bürgern eines anderen EU Landes Vermögen weggenommen wird, wird sich wundern, wie schnell das auf ihn zurückfallen wird.“ Ich möchte Ihnen da inhaltlich gar nicht widersprechen! Ich frage mich nur, wieso Sie es vermeintlich berechtigt finden, dass Länder wie Italien sofort nach europäischer (finanzieller) Solidarität rufen dürfen, ohne vorher die nationalen finanziellen Spielräume in Erwägung gezogen zu haben. Wieso sollen (so verstehe ich Ihren Standpunkt) andere Euro-Länder und deren Bevölkerungen in Form der von ihnen erwirtschafteten Steuermittel für Italien haften und die Italiener quasi finanziell ungeschoren davonkommen, wenn es doch italienische Politiker waren, die das Land in die Misere gewirtschaftet haben? Das wäre in etwa so, als würde ich mir ein neues Auto bestellen und dem Verkäufer sagen, dass Sie für die Rechnung gerade stehen. Wenn Sie dieses Prinzip im Privaten ablehnen, dann erschließt sich mir nicht, warum Sie es auf staatlicher Ebene nicht ablehnen.

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        Richard Ott sagte:

        @Christian

        „Das liegt nicht nur an der höheren Steuern- und Abgabenquote hierzulande, sondern auch daran, dass die Mentalität bezüglich Steuerehrlichkeit und Abgabentreue in Italien oder Griechenland eine andere ist.“

        Und das wiederum liegt daran, dass die Italiener und die Griechen dem Staat schon aus historischen Gründen viel mehr misstrauen als die Deutschen. Aber keine Sorge, da kommen wir in Deutschland auch bald hin, dank der beständig schlechten Arbeit unserer Regierung. Ein weiteres Beispiel für Konvergenz im Euro-Raum. ;)

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        Zweifler sagte:

        @Christian
        Sie haben natürlich Recht. Nur hätte man sich das vorher überlegen müssen. Man hätte wissen müssen, daß die Einstellung zu Staat, Steuern, Geld, Arbeit und EU-Gemeinschaft eines Berliners und eines Römers derart verschieden ist, daß es nie zu gegenseitigem Verständnis führen kann. Wobei ich die unterschiedliche Mentalität nicht werten will, beide haben ihre Berechtigung.
        Jetzt ist das Kind schon im Brunnen, jetzt kann man es gemeinsam herausziehen oder es ertrinkt eben.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Zweifler

      >Immer wieder das alte Lied. Man redet einen „Knall“ herbei, der von Italien ausgehen soll.>

      Wenn einmal von Griechenland absieht, ist Italien nun einmal in der schwierigsten Situation.

      Es ist ein großes, gewichtiges Land.

      Da werden gerade die Weichen für eine Parallelwährung gestellt.

      Alles herbeigeredet?

      Und was soll denn das heißen, Kleinreden etwa:

      >Die hohen Schuldenstände sind dabei gar nicht das Problem(s.USA und andere). Wichtig sind die Zinszahlungen, die Italien für das geliehene Geld leisten muß und die sind derzeit auf Rekordtief.>

      Auch wenn die Zinsen auf Rekordtief sind, können die Zinszahlungen ein Problem sein und zwar dann, wenn der Schuldenstand zu hoch ist und das Wachstum der Volkswirtschaft zu gering.

      >Klar, die EZB wird drucken, zahlen, kaufen, was sonst?>

      Ja, aber nicht bedingungslos.

      Wäre es anders, würde sich Salvini nicht mit Brüssel über das Defizit auseinandersetzen müssen.

      Wenn es knallt, kann das sehr wohl von Italien ausgehen.

      Damit läge zwar der Auslöser in Italien, aber die Ursache muss man damit noch lange nicht Italien allein anheften.

      Das Euro-System ist dysfunktional.

      Es besteht nicht nur aus Italien.

      Daher gibt es keinen Grund, hier den Italienbeleidigten zu geben.

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      Starchild sagte:

      “ Ein EU Land, das sich wünscht, daß Bürgern eines anderen EU Landes Vermögen weggenommen wird, wird sich wundern, wie schnell das auf ihn zurückfallen wird(Der Krieg, den man hinausträgt, kommt zurück). “
      Das trifft aber am meisten auf Deutsche/Deutschland zu , der Neid und propaganda-geschürte Hass auf Deutsche ist immens in den EU-Ländern … und die wissen alle dass Brüssel es für sie richten wird und im Falle einer kriminellen Aktion gegen Deutsch , der Deutsche vor Gericht immer verlieren wird.
      Dagegen finde ich den Alleingang Italiens respektabel und wenn die mal unabhängig sind, dann boomt es ;) wünsche dazu viel Erfolg.

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Ohnehin ist es eine Frechheit, so gegen Italien vorzugehen und die Franzosen seit Jahren nicht anzupacken. Zeigt deutlich, wie die EU funktioniert.“

    Wir Deutschen sind dumm genug, den Franzosen alles durchgehen zu lassen, egal wie rücksichtslos sie ihre eigenen nationalen Interessen durchsetzen (inklusive stategisch verheerende Führung der Brexit-Verhandlungen auf EU-Seite), während insbesondere Salvini als Teil der italienischen Regierung dämonisiert wird. Aber der ist ja auch angeblich „rechtsextrem“, was in Deutschland immer mehr zu einer ausgelutschten Floskel wird, die undifferenziert auf alle Politiker rechts von Merkel angewendet wird. In unserem eigenen nationalen Interesse ist diese Strategie jedenfalls nicht – aber das scheint niemanden mehr in unserer Regierung zu interessieren.

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        Zweifler sagte:

        @Michael Stöcker
        Auch Ihnen wünsche ich einen Perspektivwechsel, Signor Michele Stocchi.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        Wirke ich so, als hätte ich kein Verständnis für die Situation der Italiener? Doch, doch, das habe ich schon, nur mit dem wesentlichen Unterschied, dass ich nicht in meiner Eurokratenehre beleidigt wäre wenn die Italiener aus dem Euro austreten um ihre eigene Währungspolitik zu machen. Ganz im Gegenteil: Wir sollten unbedingt wert darauf legen, den Austrittsprozess so zu gestalten dass wir auch danach noch gut und freundschaftlich mit Italien zusammenarbeiten und Handel treiben können – also das Gegenteil von dem, was der total misslungene Brexit-Deal in den Beziehungen mit UK angerichtet hat.

        Ich kann die französische Perspektive auch verstehen – aber trotzdem würde mir als Monsieur Odo le Grand das Croissant aus dem Mund fallen, wenn ich sehe wie ich die deutschen Regierungsvertreter in Brüssel gar nicht über den Tisch zu ziehen brauche weil sie freiwillig drüber rutschen.

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Zweifler

        Vielen Dank für den guten Wunsch; aber den Perspektivwechsel hatte ich schon zu Beginn der Finanzkrise 2007/2008. Bis 2012 hatte ich dann die österreichische Perspektive und seitdem die eklektizistische.

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        FRK sagte:

        Maastricht hat ausgedient
        https://blog.zeit.de/herdentrieb/2019/06/21/maastricht-hat-ausgedient_11342
        „Der Fall Italien zeigt: Die Schulden- und Defizitregeln des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts müssen von Grund auf reformiert – oder abgeschafft werden. So wie die Buchhaltungsabteilung einer Firma nicht deren Strategie bestimmen sollte, so wenig sollten die Haushaltsregeln von Maastricht über die Zukunft der Europäischen Union entscheiden…… Das tun sie aber. Sie reflektieren vor allem Eins: die Furcht der reichen Länder im Norden, dass sie im Ernstfall für die Schulden der Anderen, der Länder im Süden, aufkommen müssen. Der Euro kann eine existenzielle Krise nur überleben, wenn einer dem anderen hilft und es keinen Zweifel an der Solidarität gibt, wie in einer Familie“.

        Man sollte sich immer wieder vergegenwärtigen mit welchen FAKES uns der Euro gegen die berechtigten Bedenken der Mehrheit (die sich nunmehr voll bewahrheiten) untergejubelt wurde. Einfach mal einen Perspektivwechsel wagen:

        WAHLPLAKAT der CDU von 1999 unter dem Titel: „Muß Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen?“
        „Ein ganz klares NEIN! Der Maastrichter Vertrag verbietet ausdrücklich, dass die Europäische Union oder die anderen EU-Partner für die Schulden eines Mitgliedsstaates haften. Mit den Stabilitätskriterien des Vertrags und dem Stabilitätspakt wird von vornherein sichergestellt, daß die Nettoneuverschuldung auf unter 3% des Bruttoinlandsprodukts begrenzt wird. Die Euro-Teilnehmerstaaten werden daher auf Dauer ohne Probleme ihren Schuldendienst leisten könne.

        EINE ÜBERSCHULDUNG EINES EURO-TEILNEHMERSTAATS KANN DAHER VON VORNHEREIN AUSGESCHLOSSEN WERDEN.“

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @FRK

        „Muß Deutschland für die Schulden anderer Länder aufkommen? Ein ganz klares NEIN!“

        Tja, 1999 war das noch CDU-Mainstream. Heutzutage ist das eine böse AfD-Nazi-Position.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ FRK

        > Maastricht hat ausgedient>

        Stimmt, von Anfang an hatte Maastricht schon ausgedient.

        Denn den Leuten zu erzählen, dass etwas ausgeschlossen ist, weil es in einem VERTRAG verboten ist und es daher auf DAUER keine Probleme gibt mit dem Schuldendienst, ist Volksverdummung.

        Immer wieder in der Geschichte, gerade auch in der jüngeren Europas, sind Verträge zwischen Staaten nicht eingehalten worden.

        Man kann lediglich verstehen, dass zu viele dies vergessen hatten, weil nach vielen Jahren des Friedens in Europa viele Staaten und noch dazu die wichtigsten die Verträge von Maastricht unterschrieben haben.

        > EINE ÜBERSCHULDUNG EINES EURO-TEILNEHMERSTAATS KANN DAHER VON VORNHEREIN AUSGESCHLOSSEN WERDEN“.Italien hat, wie ich … gezeigt habe, keine Probleme mit dem Schuldendienst – er macht nur noch etwa dreieinhalb Prozent des BIP aus, nach rund fünf Prozent vor zehn Jahren. Eine expansive Finanzpolitik lässt sich ja als Wachstumspolitik ausgestalten, denn Italien hat offenbar wirklich Probleme mit seiner Wirtschaftsstruktur, Investitionen und Innovationen.>

        WER soll denn in Italien WELCHE expansive Finanzpolitik als Wachstumspolitik WIE ausgestalten, wenn die dortige Regierung ERKLÄRTERMASSEN Schulden aufnehmen WILL, um das Geld mit der Gießkanne an die Wähler auszuschütten?

        TRÄUMER, wohin man blickt …

        Der Realitätsverlust gewinnt anscheinend auch in der „gehobenen“ Presse immer mehr Raum.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        Es ist bei meinem Beitrag zuvor wieder einmal nicht alles übertragen worden und daher ein sinnentstellender Text entstanden.

        Die Passage

        >Italien hat, wie ich … gezeigt habe… mit seiner Wirtschaftsstruktur, Investitionen und Innovationen>

        ist ein Zitat aus dem verlinkten Thread aus dem Blog Herdentrieb der ZEIT.

        Dieter Wermuth hat das geschrieben.

      • Avatar
        ruby sagte:

        Monsieur Le Tableur, das Zeitabo ist nach über zwanzig Jahren längst gekündigt.
        Mein reinster methodologischer Individualismus des Privatrechts mit Kosten-Nutzen Abrechnung bei dieser transatlantischen Druckerschleuder, womit ich auch die Papiertonne zurück geben konnte. Das Archiv auf CD bleibt vielleicht noch solange der PC ein Laufwerk hat. Und das Giovanni weiter mehrmals wählt halte ich für etwas schizophren, auch als ebenfalls gebürtiger Hannoveraner.

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