„I’ll eat my hat if we are anywhere near a global recession“ – What could we do if he is wrong?

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Zeit, die Arbeitswoche mit guten Nachrichten zu beginnen! Nachdem wir schon letzte Woche den „deflationären Boom“ beschworen haben, heute noch mehr Grund zum Optimismus: Ambrose Evans-Pritchard würden „seinen Hut fressen“, sollte es demnächst zu einer neuen Weltrezession kommen. Nachdem er einer der smartesten Beobachter ist, kann ich das nur gut finden!

Wie kommt er zu dieser Überzeugung? Kurz gefasst so: weil die Kredit- = Geldmaschinerie wieder angesprungen ist, Öl billig bleibt (also auch der positive Effekt der Deflation) und die Staaten wieder mehr ausgeben (Schulden machen), unter anderem auch Dank der Flüchtlinge. All dies führt zu einem Aufschwung in der Weltwirtschaft. All dies unterlegt er mit schönen Abbildungen. Was alleine schon dafür spricht, diese Woche damit zu beginnen. Doch nun die Highlights:

Eine Analyse von Oxford Economics zeigt, dass die globale Geldmenge M3 (also das, was wirklich passiert, nicht nur die Bilanzen der Notenbanken) im August um 8,1 Prozent gewachsen ist, so schnell wie seit 25 Jahren nicht, wenn man die zwei Jahre vor der Finanzkrise ausnimmt. (Ob das nun ein gutes Zeichen ist?)

 

 

Solange Geld in unserer Null-Zins-Welt nicht völlig die Wirkung verloren hat, sollte sich das in einer erheblichen wirtschaftlichen Belebung im kommenden Jahr niederschlagen. Besonders stark ist das in China der Fall, wo die breite Geldmenge mit jährlichen Wachstumsraten über 18 Prozent nach oben schießt.

Auch in Europa geht es voran. Die Zentralbankgeldmenge M1 steigt deutlich an und verbunden mit den Effekten von mehr Kreditnachfrage, billigem Öl und schwachem Euro befreit die Eurozone sich aus der Krise:

Damit nicht genug. Von Sparen kann keine Rede mehr sein. Überall wird gelockert. AEP zeigt das am Beispiel der USA, Gleiches gilt aber auch in Europa, wo Spanien (vor den Wahlen), Frankreich und Italien und sogar wir in Deutschland mehr Geld ausgeben. Das wirkt natürlich positiv auf die Konjunktur, da hat das DIW schon recht. (Es ist halt mehr Konsum.)

China hat derweil die Schleusen nicht nur für Geld geöffnet, sondern auch für die Staatsausgaben. In der Folge stabilisieren sich die Indikatoren und es dürfte auch hier nach oben drehen.

Natürlich sieht auch AEP die Risiken: Zinserhöhung in den USA, Schulden der Schwellenländer. Aber bis diese relevant werden, kann noch einige Zeit vergehen. Früher hat er auch das Offensichtliche nochmals erwähnt: Es ist ein schuldenfinanziertes weiteres Strohfeuer, welches Zeit kauft, damit aber die Probleme vergrößert.

An die möglichen Folgen erinnert Stephen King, der vor Kurzem – damals noch in aktiver Rolle bei der HSBC – eine aufregende Studie vorgelegt hat, in der er vor  den Folgen der nächsten Rezession warnt. Er bleibt bei seiner Analyse. Er sieht weltweite Abschwächungssignale und hält die Geldpolitik für überfordert und die Schulden der Staaten für schon zu hoch:

  • Damit bleibt als erstes Mittel eine Ausweitung von QE. Dabei wirkt das weniger auf die Realwirtschaft als auf den Wechselkurs. Kann man zurzeit schön beobachten, wo die EZB weiteres QE ankündigt und die Fed zumindest potenziell eine Zinserhöhung ansagt. Insgesamt, war es in den letzten Jahren ein Spiel der verschiedenen Banken gegen- und miteinander.
  • Dabei kann die Geldpolitik die Folgen des geringen fundamentalen Wachstums (Demografie, Produktivität) nicht auffangen. Es verdichtet sich gar die Vermutung, dass die Geldpolitik die Produktivitätskrise verstärkt, in dem sie die notwendige Bereinigung von Fehlinvestitionen verhindert und weitere Fehlinvestitionen anregt.
  • Die Politik der Abwertung der eigenen Währung hat in den 1930er-Jahren besser funktioniert, als jene, die den Goldstandard aufgaben, unmittelbar mehr Inflation zur Entwertung der Schulden und höheres Wachstum erzielten. Heute ist der Effekt geringer.
  • Deshalb brauchen wir heute eine moderne Variante des New Deals: koordinierte Geld- und Fiskalpolitik mit direkter Staatsfinanzierung durch die Notenbank. Die Hoffnung wäre damit unmittelbar Inflationserwartungen – und letztlich Inflation – zu erzeugen.
  • Allerdings muss es schon recht offensichtlich schlimm werden, bevor sich der politische Konsens für eine solche Lösung einstellt.

bto: Also sollten wir den Aufschwung, den AEP vorhersagt, genießen, bevor wir in die nächste Runde gehen und die Helikopter starten.

→ The Telegraph: „I’ll eat my hat if we are anywhere near a global recession“, 5. November 2015

→ FT (Anmeldung erforderlich): „What could we do in another recession?“, 4. November 2015

2 Kommentare
  1. Michael Stöcker says:

    Ich kann allen, die an einer nachhaltigen Lösung interessiert sind, das neue Buch von Adair Turner empfehlen. Ich bin zwar noch nicht ganz durch, aber es ist mit großem Abstand das Beste, was ich bislang zum Thema Finanzkrise gelesen habe: http://press.princeton.edu/titles/10546.html

    Wer die Kurzform bevorzugt, der kann sich auch den jüngsten Vortrag von der IMF-Konferenz anschauen: http://www.imf.org/external/mmedia/view.aspx?vid=4598431166001 (ab Minute 3:00).

    Mein Vorschlag zu einer Citoyage geht in die gleiche Richtung: https://zinsfehler.wordpress.com/2015/03/23/die-citoyage-keynesianischer-monetarismus-als-ordnungspolitisches-korrektiv/. Hier die wichtigsten Vorteile gegenüber dem Vorschlag von Turner:

    1. Keine Änderung von Art. 123 AEUV nötig, da lediglich eine direkte Staatsfinanzierung verboten ist, nicht aber eine direkte Bürgerfinanzierung.

    2. Der Cantillon-Effekt wird symmetrisch/demokratisch auf alle Bürger von Euroland verteilt.

    3. Wir haben es nicht nur mit zu hoher staatlicher Verschuldung zu tun, sondern insbesondere auch mit zu hoher privater Verschuldung.

    Diese drei Punkte sprechen für eine direkte Bürgerfinanzierung (Citoyage) mit indirekter positiver Staatsfinanzierung (OMF/Turner).

    LG Michael Stöcker

    Antworten
  2. Michael Stöcker says:

    Einen überproportionalen Anstieg der Geldmenge gab es auch schon vor der Finanzkrise (M3 > BIP-Wachstum) und hat letztlich aufgrund mangelnder fiskalischer Redistribution sowie großer Leistungsbilanzungleichgewichte zur Finanzkrise geführt. Die entscheidende Frage ist also nicht, ob die Geldmenge steigt, sonder warum sie steigt. Werden hiermit vor allem vorhandene Assets erworben oder springt wieder die private Konsumverschuldung an, dann ist der realwirtschaftliche Effekt in der Zeit wieder gleich null. Hat hier jemand weitergehende Analysen, wofür die Kredite vergeben werden (außer Finanzierung von Flüchtlingsausgaben)? Konsumtive Staatsschulden sind in der Zukunft auch nur noch vergangenes Nichts und müssten entweder fiskalisch neutralisiert werden (z. B. über eine höhere Erbschaftssteuer) oder aber über OMF monetisiert werden.

    Die entscheidende Frage ist also: Wie hoch ist der Anteil des Kreditwachstums/M1 für investive Zwecke? https://zinsfehler.wordpress.com/2014/10/27/schuldmythen-und-das-dilemma-der-schwarzen-null/

    LG Michael Stöcker

    Antworten

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