Ein Ausstieg aus der Geldschwemme der Notenbanken wird immer schwieriger

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Gestern habe ich an dieser Stelle Peter Bernholz aus der NZZ zitiert. In einem ergänzenden Kommentar setzt sich Beat Kappeler in der NZZamSonntag mit den Ausstiegsszenarien auseinander. Ein Leser hat mir diese sehr guten Betrachtungen zugesandt, die leider noch nicht online verfügbar sind:

  • „Die frivole Geldpolitik ist hier oft beklagt worden. Aber viele Leser wollen wissen, wie sie ausgeht. Da wir alle dies zum ersten Mal erleben, teilen wir die Wahrsagerei in vier Varianten auf.“
  • „(…) solide Auflösung: Die Notenbanken kaufen grosse Anteile der Staatsschulden der meisten Länder auf. Die Politiker beginnen nun zu sparen und zahlen die auslaufenden Papiere den Notenbanken zurück. Dadurch strömt das viele ausgegebene Geld zurück, die Papiere sind erledigt. (…) Diese Variante ist jedoch unwahrscheinlich.“ bto: Das kann man wohl sagen!
  • Variante des Weiterwälzens: Sie halten je nach Land bereits bis zu 40 und 50 % der Staatsschulden. Macht die Europäische Zentralbank so weiter, sind in 13 Jahren sogar alle italienischen Staatsschulden weg vom Fenster und im Keller der Notenbank. Aber bald schon reichen diese Aufkäufe, um den Rest der Schulden halbwegs erträglich für den ganzen Euro-Süden und Frankreich zu machen. Die Zinseinnahmen darauf führen zu einem Gewinn der Notenbanken, (…) dieser wird dem Staat überwiesen. Der aufgekaufte Teil der Staatsschulden ist gratis. Auslaufende Papiere werden von den Notenbanken nachgekauft, die Politiker müssen nicht sparen.“ bto: Das ist sicherlich eine sehr wahrscheinliche „Lösung“.
  • „(…) härtere Variante des Weiterwälzens träte ein, wenn die Notenbanken die aufgekauften Staatsschulden streichen. Die Notenbanken hätten danach kein eigenes Kapital mehr in der Bilanz, sondern die ausgegebenen Geldmengen als Schuld. Die Staaten könnten zwar wieder Eigenkapital einzahlen, aber dann wären sie wieder so verschuldet wie vorher. Also weitertricksen, etwa mit einer in den USA erwogenen Münze von 1000 Milliarden Dollar, welche der Staat, wie alle Münzen, freihändig prägen kann und die er in die bankrotte Notenbank einlegt. Solche Schuldenerlasse funktionieren nur einmal und nur, wenn die Bürger nicht in Realwerte oder andere (auch alternative Währungen) flüchten.“ bto: Diese Option wird von Adair Turner und anderen schon lange gefordert. Doch warum sollten die Bürger dem Geld nicht mehr trauen? Es muss keineswegs zu Inflation führen. Das tut es erst, wenn die Staaten sich dauerhaft mit frischem Notenbankgeld eindecken. Oder?
  • „Den zwei Varianten des Weiterwälzens folgen zwei hartnäckige Probleme. Zum einen würden die Politiker erst recht von der Budgetsanierung und von befreiten Arbeits- und Gütermärkten abgehalten, es bliebe also kaum beim einen Mal der Schuldentürme. Zum anderen liefe die enorme, ohne echte Gegenwerte geschaffene Geldmenge immer noch um.“ bto: Ja, es wäre die Grundlage für den nächsten Schuldenboom.
  • „(…) anziehende Preise. In den USA steigen sie, ohne Öl und Nahrung, seit Monaten um 2,3 %, aber die Notenbank hat plötzlich einen eigenen, viel tieferen Index (PCE-Index). Jedenfalls würden private Akteure, Banken, Versicherungen dann mehr Zins verlangen. (…) Oder man schriebe den Banken, Versicherungen, Pensionskassen tief verzinste Zwangsanleihen vor. (…)  Sie werden eher weitermachen, die Hypotheken und Unternehmen mit direkten Aufkäufen von Pfandbriefen und Obligationen finanzieren, zu tiefen Zinsen. Vielleicht gibt es dann richtig Inflation, welche die Staaten entschuldet und die Sparer enteignet (…)“ bto: Ich denke, dies setzt wirklich voraus, dass es gelingt, Inflation zu erzeugen und in einem deflationären Umfeld Vertrauensverlust.
  • Helikoptergeld, also den Staaten die Ausgaben direkt mit neuem Geld bezahlen, etwa für riesige Ankurbelungen oder für massive Steuersenkungen zugunsten der Haushalte. Das Resultat der wahrscheinlichen Varianten ist der Superstaat, wo Politik und Notenbank jede Regung durchfinanzieren, Kapital fehllenken, den Bürgern den Schneid abnehmen, allenfalls auch deren Bargeld dank Negativzinsen.“ bto: Aus meiner Sicht kommt das wirklich als Nächstes.

Fazit NZZ: „Eine wirkliche Lösung wird aus einer politischen Eruption folgen. Ein Austritt eines verarmenden lateinischen Landes aus dem Euro, eine veränderte Parteienlandschaft in Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich mit Absagen an alles Gewohnte oder, wie von Kandidat Trump angetönt, die Absetzung der Notenbankchefin oder die Verweigerung der US-Staatsschulden.“ bto: Bekanntlich sehe ich auch das politische Risiko.

bto: Ich denke, es kommt eine Kombination: zunächst Helikopter-Geld, weitere Aufkäufe, dann Weiterwälzen, gefolgt von der Annullierung auf dem Weg dahin mit erheblichem politischen „Unfallrisiko“. 

29 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    „Das tut es erst, wenn die Staaten sich dauerhaft mit frischem Notenbankgeld eindecken. Oder?“

    Inflation (im Sinne des HVPI) entsteht erst dann, wenn die monetäre Expansion die Volkswirtschaft an ihre reale Kapazitätsgrenze führt. Es wurde und wird zu viel Kredit für existente Assets vergeben (insbesondere Immobilien sowie Leverage bei Wertpapierspekulation). Das befeuert lediglich die Assetinflation und somit das fiktive Kapital. Die private Kreditaufnahme der Unternehmen wird erst dann wieder anspringen, wenn die monetäre Expansion via Staatsausgaben zu potentieller Kaufkraft in breiten Bevölkerungsschichten führt. Das geht allerdings insbesondere in Europa und den USA schneller, symmetrischer und gerechter mit einem zentralbankfinanzierten Bürgergeld.

    Ohne dieses Instrument hat der Euro keine Überlebenschance. Der heißeste Kandidat ist nun auch für Stiglitz Italien: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-10/jospeh-stiglitz-eurozone-zerfall-italien-oekonom-wirtschaftsnobelpreistraeger. Da waren Sie Ihrer Zeit mal wieder weit voraus.

    LG Michael Stöcker

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    • Stefan Bohle says:

      ja, wobei Stiglitz‘ Annanme, man könnte aus dem heutigen Euro in einem „quasi-geordneten Verfahren“ einen Süd- und einen Nord-Euro schaffen m.E. illusorisch ist. Wenn der Euro beginnt zu zerfallen (und das wird passieren), wird es chaotisch ablaufen und auf eine „Entschuldung mit der Brechstange“ herauslaufen. Am Ende werden wieder einzelne Landeswährungen eingeführt. Vermutlich wird dann auch die deutsche Bundesbank einen Teil der Lasten monetarisieren, weil der deutsche Staat nicht in der Lage sein wird, ohne ihre Hilfe rein fiskalisch eine Lastenverteilung innerhalb des Landes zu stemmen.

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    • Dietmar Tischer says:

      >Die private Kreditaufnahme der Unternehmen wird erst dann wieder anspringen, wenn die monetäre Expansion via Staatsausgaben zu potentieller Kaufkraft in breiten Bevölkerungsschichten führt.>

      Wie HOCH müssen die Staatsausgaben für was sein, damit dies zu potentieller Kaufkraft BREITER Bevölkerungsschichten führt?

      Klingt wie Staatswirtschaft, wenn ich mir das von den Größenordnungen vor Augen führe.

      Wird die potenzielle Kaufkraft, so sie denn zustande kommt, auch in TATSÄCHLICHE umgesetzt werden, d. h. hinreichend NACHFRAGE generieren in einer durch Güterssättigung und Alterssparen gekennzeichneten Gesellschaft?

      DAS sind die zwei entscheidenden Fragen für den monetären Rettungsansatz.

      Damit sollte sich z. B. auch ein v. Weizsäcker auseinandersetzen, der die Auffassung einer des die Wirtschaft prägenden Alterssparens teilt und für eine expansive Fiskalpolitik plädiert.

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      • Michael Stöcker says:

        „Wie HOCH müssen die Staatsausgaben für was sein, damit dies zu potentieller Kaufkraft BREITER Bevölkerungsschichten führt?“

        Gute Frage! Da die keiner beantworten kann und ich dem Staat auch keine höhere Weisheit in der Verwendung der Mittel zutraue, bleibe ich bei meinem dezentralen Vorschlag eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes, solange keiner eine bessere Alternative zu bieten hat.

        LG Michael Stöcker

  2. Dietmar Tischer says:

    >Fazit NZZ: „Eine wirkliche Lösung wird aus einer politischen Eruption folgen.>

    Unweigerlich.

    Das wissen wir (vorsichtiger: glauben wir zu wissen – gut begründet).

    >Ein Austritt eines verarmenden lateinischen Landes aus dem Euro, eine veränderte Parteienlandschaft in Italien, Spanien, Deutschland, Frankreich mit Absagen an alles Gewohnte oder, wie von Kandidat Trump angetönt, die Absetzung der Notenbankchefin oder die Verweigerung der US-Staatsschulden.“>

    Dies alles oder anderes.

    Das wissen wir nicht.

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  3. Ralph Klages says:

    Tja, wir hatten alle oben dargestellten Varianten hier schon durchdiskutiert. Ich vermute die „härtere Variante des Weiterwälzens träte ein, wenn die Notenbanken die aufgekauften Staatsschulden streichen.“ Politisch bequem durchführbar: Alle haben sie, keiner will sie. Also weg damit. Und richtig auch: „bto: ja, es wäre die Grundlage für den nächsten Schuldenboom.“ Wiederholung der Schuldenberge also, denn es gilt ja für die Politik der Zukunft „die Nachfrage zu stärken“. Mit neuen Schulden. Viel Nachfrage ruft u.a. Gewerkschaften auf den Plan, die fordern mehr Lohn – und zwar richtig viel. Gleichermaßen führen Schulden zu Investitionen, kommen also Unternehmen zugute. Alles natürlich ungeordnet und eigenwillig – wie gehabt. Nur mit dem Unterschied, dass in der Realwirtschaft die Lohn- und Preisforderungen deutlich ansteigen werden und sich unter den Bedingungen unermüdlicher Geldschöpfung doch eine Inflation herausbildet und verselbständigt. Und diesen Geist muss man dann erst wieder in die Flasche bekommen. Wie gesagt: Von hier ab … blind. LG

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  4. Huthmann says:

    Auch Sinn orientiert sich offensichtlich nicht mehr an z.B. säkularer Stagnation sondern an „selbst-produziertem Siechtum“ (Wirtschaftswoche vom 2.9.2016) gemäß Schumpeters Konjunkturzyklus.
    Hierüber sollte man mehr nachdenken.

    MFG

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  5. Martin Weber says:

    Helikoptergeld wäre reines Staatsgeld und würde sofort Panik auf den Finanzmärkten auslösen, weil mit starker Inflation und somit starkem Anziehen der Marktzinsen gerechnet würde. Dies führt zu einer raschen, massiven Entwertung der bestehendem Null- oder Tiefzinspapieren (Crash) und somit zur deflationären Depression.

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    • Michael Stöcker says:

      „Helikoptergeld wäre reines Staatsgeld und würde sofort Panik auf den Finanzmärkten auslösen, weil mit starker Inflation und somit starkem Anziehen der Marktzinsen gerechnet würde.“

      Kleine Dosis, kleine Wirkung, kleine Panik (dringend nötig!), geringes Anziehen der Marktzinsen, Normalisierung des Zinsniveaus. Dazu sukzessive Erhöhung der Mindestreserve über die kommenden 20 bis 50 Jahre bis hin zu einer 100 % Reserve (nicht zu verwechseln mit dem Vollgeld-Quatsch). Und dann noch ein wenig Finanztransaktionssteuer: http://www.boeckler.de/50960_50967.htm

      LG Michael Stöcker

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  6. Axel says:

    Wäre nicht theoretisch ein System denkbar, in dem der Staat Geld in Umlauf bringt, ohne dafür Schulden in seine Bilanzen zu schreiben? Die Inflation müßte dadurch gebändigt werden, daß dort, wo das Geld letztendlich strandet, bei den Vermögenden und Superrreichen, progressiv zur Vermögenshöhe wieder durch Reichensteuer entzogen wird?
    In letzter Kosequenz funktioniert aber wohl kein System. Weder Kommunismus, noch Kapitalismus, noch Goldstandard- alle sind gegen die Wand gefahren.
    Ein Schuldgeldsystem ist aber auf staatlicher (Geldschöpfungsebene) keinesfalls eine Notwendigkeit. Es hat hunderte von Jahren nur dazu gedient, die Banken mit Zinseinnahmen zu versorgen, die vom Bürger zu erwirtschaften waren…

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      • Dietmar Tischer says:

        Ob in Bewegung, Stillstand oder in einen Aggregatzustand übergehend – JEDES System funktioniert.

        Allerdings:

        Systeme können auch enden und abgelöst werden, siehe Sozialismus.

        Hauptproblem derartiger Diskussionen:

        Wie immer die Systeme auch funktionieren, sie funktionieren in aller Regel nicht unseren ERWARTUNGEN entsprechend.

        Das liegt vor allem an uns:

        Wir haben falsche Erwartungen an die Systeme, gehen von einem wie immer gearteten Optimum aus und messen sie daran.

        Man sollte vielmehr vom Chaos ausgehen und sich freuen, dass wenigstens so etwas wie antizierbares Systemverhalten zu erkennen ist.

      • Axel says:

        Man könnt es ja mal mit einer Doppelwährung versuchen. Neben dem üblichen Papiergeld gibt es dann noch Gold und Silber, etc. dessen Wert fixiert ist und der automatisch mit der produzierten Geldmenge (auf Banknoten, etc.) mitwächst. Als Wertanker quasi. So könnte jeder durch den Besitz dieser Assets unmittelbar, 1:1 und ohne Spekulationssorgen an der Geldmengenvermehrung partizipieren…

      • Michael Stöcker says:

        @ Dietmar Tischer

        „Wie immer die Systeme auch funktionieren, sie funktionieren in aller Regel nicht unseren ERWARTUNGEN entsprechend.“

        Was wiederum auch daran liegen kann, dass wir falsche Vorstellungen über die Funktionsweise des Systems haben. Mit solchen falschen Vorstellungen kann man dann das Chaos verstärken.

        LG Michael Stöcker

      • Michael Stöcker says:

        @ Axel

        Diesen „Wertanker“ gibt es doch. Er wird tagtäglich im Rahmen des Goldfixing praktiziert. Keiner hindert Sie daran, Gold und/oder Silber zu erwerben. Spekulations- und Manipulationssorgen sind Sie hierdurch allerdings nicht los. Was ist zudem für Sie die relevante Geldmenge, mit der der Wert „automatisch“ steigen soll? http://blogs.faz.net/fazit/2015/12/22/das-fazit-raetsel-fuer-die-feiertage-lebt-milton-friedman-7052/

        LG Michael Stöcker

  7. Anna says:

    Oder gibt es nicht im Islam die Kultur des zinslosen Kredit, also, sogar des Verbotes, Zinsen zu nehmen? Vielleicht führt das ja in die richtige Richtung.

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Liebe Anna,

      das Zinsverbot der Religionen ist gut begründet. Auch Aristoteles verdammte den Zins.

      Zinsen sind nach Schumpeter ein Gewinnbestandteil. Gewinne gibt es aber nur in einer wachsenden Wirtschaft. Eine dynamisch wachsende Wirtschaft kennen wir aber erst seit ca. 200 Jahren. Aber: Nichts auf dieser endlichen Welt wächst unendlich. Insofern erkannte Schumpeter schon frühzeitig, dass der Kapitalismus an seinem eigenen Erfolg zugrunde gehen würde. Er war seiner Zeit sehr weit voraus. Die tiefere Problematik habe ich in einem Essay auf 13 Seiten beschrieben und mg – dessen Kommentare ich hier in diesem Forum sehr schätze – hatte es gefallen: http://think-beyondtheobvious.com/stelter-in-den-medien/die-sandwich-generation/#comment-19942.

      Tatsächlich hat uns die Realität eingeholt und nur irregeleitete Sparkassendirektoren und ihre Adepten fabulieren von der Enteignung der Sparer. Das Zinsverbot der Religionen wurde nach einigen Irrwegen letztlich durch den Marktmechanismus realisiert. Und nein: Es ist nicht die EZB und es ist auch nicht Mario Draghi!!!

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  8. Bakwahn says:

    Eine Verständnisfrage; was heißt, bebeutet folgender Satz:

    „… sind in 1Gewinn der Notenbanken, auch in den USA und Japan, dieser wird dem Staat überwiesen3 Jahren sogar alle italienischen Staatsschulden weg vom Fenster …“

    Was meint das?

    Bakwahn
    Hamburg Bangkok Düsseldorf

    Antworten
  9. Tobias Schwieger says:

    …in dem Satz:
    <>

    taucht der Passus, der zwischen den Zaheln 1 und der 3 steht, zweimal auf. Vllt. ist dieser mit Copy/Paste da hinein gerutscht. Er kommt dann ja nochmal mit dem Auslassungszeichen <> Wobei das Auslassungszeichen für USA und Japen steht…

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  10. Michael Stöcker says:

    Ein kluge Analyse im aktuellen Monatsbericht der Bundesbank und zugleich ein Plädoyer für den Euro. „Globalisierung und die Transmission globaler finanzieller Schocks in die EWU-Mitgliedstaaten – Folgen für die (nationale) Wirtschaftspolitik“. Daraus das Fazit:

    „Allerdings sind die Möglichkeiten der Geldpolitik im Umfeld globaler finanzieller Schocks ohnehin begrenzt. Dies gilt insbesondere für kleine offene Volkswirtschaften. Die gemeinsame europäische Geldpolitik ist demgegenüber durchaus in der Lage, Einfluss auf weltweite monetäre Entwicklungen zu nehmen. Darüber hinaus stellt die einheitliche Bereitstellung von Zentralbankliquidität in Verbindung mit der Möglichkeit, vorhandene Liquidität innerhalb des Eurosystems zwischen den Zentralbanken umzuverteilen, einen wirksamen Mechanismus zur Glättung der Auswirkungen finanzieller Schocks zwischen den Mitgliedstaaten dar.

    Eine einheitliche Liquiditätsbereitstellung durch die Zentralbanken in Verbindung mit einem Ausgleich privater Kreditströme durch TARGET-Ströme zwischen den Zentralbanken impliziert allerdings eine Risikoverlagerung aus dem Privatsektor auf das Eurosystem. Außerdem besteht die Gefahr, dass nicht nur kurzfristige Störungen aufgefangen, sondern darüber hinaus strukturelle Ungleichgewichte genährt werden.“ http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Themen/2016/2016_10_05_waehrungsunion.html

    Jetzt fehlt nur noch eine Analyse zur Einführung eines dreistufigen Geldsystems mit einem Interzentralbankenmarkt, damit sich zukünftig erst gar nicht wieder so hohe TARGET-Salden herausbilden können.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Zu dem was fehlt:

      Das WICHTIGSTE ist, dass „globale finanziellen Schocks“ vermieden werden, d. h. sinnvolle Regulierung die Möglichkeiten solche Schocks sowohl auf der realwirtschaftlichen Ebene wie auch im Finanzsystem ausschaltet, wenn – richtig – die Möglichkeiten der Geldpolitik im Falle dieser Schocks GRUNDSÄTZLICH begrenzt sind.

      Ein Herumdoktern, um die Liquidität im Fall von Schocks zu sichern ist hilfreich (weil sie sich nie ganz vermeiden lassn), aber nicht hinreichend

      Antworten
  11. Axel says:

    @Michael Stöcker
    Ich bin kein Finanzexperte, habe mir nur etwas angelesen. Wenn der Goldpreis an die Geldmenge gekoppelt wäre, bräuchte es kein Fixing mehr. Man könnte den Preis in Relation zu der Gesamtverschuldung setzen (Staat, Unternehmen und Private). Ob das aber nur Global geht, wo denn evtl. die Geld(Schulden)menge in Korrelation zu den Reservewährungen gesetzt werden müßte, oder auch national, weiß ich nicht.
    Zur Zeit existiert Gold nicht als Wertanker in direkter Relation zum Geld, sondern im Gegenteil, wird als Alternativwährung durch ständige Drückung als Parallelwährung in Mißkredit gebracht!

    Antworten
    • Michael Stöcker says:

      Lieber Axel,

      vergessen Sie das Gold und andere tote Gegenstände, die angeblich als Wertanker dienen könnten. Das ist irregeleitete Dagobert-Denke, die insbesondere bei den Micky-Maus-Ökonomen der österreichischen Schule vorherrscht. Ein funktionsfähiges Geldsystem benötigt an aller erster Stelle Bonität: https://soffisticated.wordpress.com/2012/04/06/bonitat-die-leitende-gesellschaftliche-differenzierungsnorm/. Bonität bedeutet Kreditwürdigkeit. Kreditwürdig ist wiederum derjenige, der fähig und willens ist, seine Schulden zurück zu zahlen. Und nur darauf kommt es bei einer Kreditbeziehung an. Und was machen die Austrians? Die fallen wieder weit hinter die alten biblischen Erkenntnisse zurück und tanzen in debiler Frömmelei ums goldene Kalb.

      Da die Geschichte allerdings immer wieder gezeigt hat, dass wir vor keiner noch so großen Dummheit gefeit sind, ist aus individueller Sicht etwas Gold im Portfolio eine sinnvolle Absicherung gegen kollektiven Wahnsinn.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
  12. Dietmar Tischer says:

    @ Michael Stöcker

    Das Wochenende steht bevor und Sie treiben dieses Blog mal wieder einem Höhepunkt zu.

    Erstens:

    Sie haben sich also an Katalin gewandt und ihre Frage mit dem Hinweis beantwortet:

    >Sie müssen zwischen monetärer und realer Ersparnis differenzieren. Die monetäre Ersparnis ist im Aggregat null. Was bleibt, das ist das Sachvermögen inkl. Vorratsvermögen.>

    Wenn Sie sich denn Katalin geantwortet haben, ist das eine BELEHRUNG, aber keine Antwort auf Ihre WARUM-Frage.

    Die Antwort verlangt einen Hinweis darauf, warum auf der individuellen Ebene monetäres Sparen, dessen Möglichkeit Sie ja bestätigen, erforderlich sein soll.

    Diesen Hinweis haben Sie nicht gegeben, sondern anstatt auf IHRE Beiträge „Bankmythen“ und „Schuldenmythen“ verwiesen.

    Sie sollten mehr auf die Diskutanten eingehen und Fragen beantworten anstatt sich als Mythentheoretiker zu kaprizieren.

    Zweitens:

    >„wohl aber eine Wirtschaft […] in der gespart wird, d. h. nicht das gesamte Einkommen konsumiert und investiert wird.“
    Das müssen Sie mir erklären, wie das gehen soll. Das Thema hatten Sie schon mal vor einiger Zeit:http://blog.zeit.de/herdentrieb/2015/05/13/i-s-was-heisst-denn-des_8398.&gt;

    Weiß ich, habe ja da mit diskutiert.

    Da ging es aber um das einfachste Modell einer geschlossenen Wirtschaft und nur um die realwirtschaftlichen Sachverhalte.

    WIE das geht, muss niemand erklären, WEIL es ganz einfach geht:

    Das gesamt Einkommen wird nicht konsumiert und investiert – so wie ich es gesagt habe.

    Da muss man nicht zum Herdentrieb gehen, Dr. Stelter predigt hier nahezu Tag für Tag, dass wir Deutsche Geld SPAREN und sich damit das Ausland bei uns verschuldet.

    Noch eine Erklärung nötig?

    Drittens

    >„Und sehen Sie auch, dass Helikoptergeld oder Bürgergeld das auch nicht leisten können.“
    Nein, das sehe ich nicht. Und Binswanger ebenfalls nicht:>

    Das dachte ich mir, vor allem wenn Binswanger schreibt:

    >So kommt mit Hilfe der Geldschöpfung (und ohne das Geldsparen, D. T.) das wirtschaftliche Wachstum zustande, in welchem sich gleichzeitig die monetären Gewinne und Zinsen mit dem realen Einkommen vermehren. Die Menschheit wird dadurch sowohl monetär wie real reicher und immer reicher.“

    Reicher und immer reicher – das erleben gerade viele Millionen Menschen.

    Zugegeben, Binswanger redet auch von „Krisengefahren, die mit der Geldschöpfung verbunden sind“. Seiner Meinung nach sind das Inflation, Spekulation und Ausschöpfung der Ressourcenvorräte.

    Er erkennt allerdings nicht als Krisengefahr, dass das SYSTEM als GANZES durch kontinuierlich hohe Geldschöpfung quasi in Schockstarre versetzt werden kann (Deflationstendenzen, kein Wachstum, Zombiewirtschaft).

    Ihre Gallionsfigur offenbart ganz offensichtlich erhebliche Erkenntnisdefizite (im von Ihnen verlinkten Text zumindest).

    Antworten

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