„Debt boom in India and China threatens new financial crisis, warns World Economic Forum“

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Die Elite von Davos warnt vor den Folgen einer hohen Verschuldung, trägt aber entscheidend dazu bei, dass die Schulden weiter steigen. In der eigenen Verantwortung fokussieren Manager auf Financial Engineering und die Politiker auf Problemlösung über die Notenbank. Aber was soll es, so kann man mahnen, vor dem was andere tun, ohne selber einen Beitrag zur Lösung zu leisten. Dennoch ist es interessant, dass es die Mahnung überhaupt gibt:

  • Banks across the world are more vulnerable to a crisis now than they were in the build up to the credit crunch, the World Economic Forum has warned.“ bto: was angesichts der immer höheren Verschuldung nicht wundern kann.
  • Bad loans in India have more than doubled in the past two years, while in China’s financial system “business credit is building up similarly to the United States pre-crisis, and could be a new source of vulnerability.bto: was komisch ist, inhaltlich. Ich denke, die US-Unternehmen verschulden sich jetzt wie nie und es waren die privaten Haushalte und die Immobilienblase, die zur Krise 2008 führten. Japan passt eher als Vergleich zu China heute.
  • „(…) the Bank of International Settlements warned that higher interest rates in the US could have a knock on effect in the world’s second-largest economy, forcing rates higher in China, making the debt mountain more expensive to maintain and hitting the economy hard.“ bto: wobei der Staat in China in der Tat eingreifen würde und auch kann. Das Risiko ist eher, wie immer wieder diskutiert, dass die Ungleichgewichte in China so oder so die Weltwirtschaft destabilisieren werden in den kommenden Jahren und geringeres Wachstum alleine schon genügt, deflationäre Tendenzen zu verstärken. Beides Gift für eine überschuldete Wirtschaft.
  • „(…) the global financial system as a whole faces new and growing risks. (…) parts of the financial system are taking risks instead, such as fund managers in the so-called shadow banking sector. The eurozone banks have still not fully recovered from the crash either.“ bto: wie sollten sie? 1.000 Milliarden an Eigenkapital dürften bekanntlich fehlen.
  • „(…) top global banks are still ‘too big to fail’, (…) The largest 30 banks hold almost $43 trillion in assets, compared to less than $30 trillion in 2006, and concentration is continuing to increase in the US, China, and some European countries.“ bto: weil wir uns nicht von dem schuldenbasierten Wachstum abwenden wollen, ist das die zwangsläufige Folge. Die großen Banken können eher die Regulierung erfüllen/manipulieren und profitieren überproportional.
  • „Governments across the world are more indebted than they were a decade ago, making them less able to step in to bail out banks if they need to rescue the system.“ bto: Und es dürfte auch politisch immer schwerer werden, Banken zu retten.
  • „A weak banking system is not only important because of the risks of another crunch taking place. It is also damaging for global growth because banks are needed to finance innovation and investment. Net investment in non-financial assets has failed to recover from the financial crisis and remains below its 2006 level of 1.5pc.“ bto: Tja, das stimmt meines Erachtens nur vordergründig. Es hat auch in der Vergangenheit an der Finanzierung der Realwirtschaft gehakt. Stattdessen haben die Banken immer lieber Immobilien und Spekulation finanziert.

bto: Es ist interessant. Wir haben die Erkenntnis, ändern aber nichts. Was natürlich daran liegt, dass es für viele Akteure besser ist, wenn alles so bleibt, wie es ist. Und es zudem schmerzhaft wäre, etwas zu verändern. Aus Furcht vor diesem (kurzfristigen) Schmerz handeln wir uns weitaus größere Probleme für die Zukunft ein.

→ The Telegraph:“Debt boom in India and China threatens new financial crisis, warns World Economic Forum“, 26. September 2017

5 Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Habe ich auch gelesen und am vorherigen Thread verlinkt.

      Das wirklich BESTECHENDE an diesem Vorschlag sind die drei Alternativen, d. h. in WELCHEN Lösungskategorien man in Paris denkt:

      a) Stärkere Solidarität, d. h. im Klartext Transfers – die Unterstützung von Ländern, die in Schwierigkeiten sind

      b) Besteuerung von Immobilien, d. h. die Verschiebung der Staatsschulden auf Private, die sie tragen können, weil sie Eigentum haben, das im Wert gestiegen sei.

      c) Teil-Monetisierung durch Aufkauf der EZB, die eleganteste Lösung wie wir hier schon besprochen haben

      Interessant auch die Begründung:

      Die Debatte sollte jetzt geführt werden, nicht erst im „Notfall eine wirtschaftlichen Schocks“.

      Das ist vornehm ausgedrückt mit Blick darauf, dass die Änderung der Geldpolitik der EZB, HOCHRISIKOREICH ist – bis zu dem Punkt, wo möglicherweise nichts mehr zu beherrschen ist.

      Antworten
      • Johannes says:

        Ich finde es recht offenherzig, wie der französiche „Think thank“ mit seinen Vorschlägen umgeht und bin auch in gewisser Weise dankbar dafür.

        Gerade der Punkt mit der stärken Immobilienbesteuerung, die an eine teilweise Enteignung heranreicht, ist pikant. Für mich bedeutet dies übersetzt und – zugegebermaßen – zugespitzt, dass Immobilienbesitz in Deutschland (und natürlich auch anderswo, wie Östereich, NL, Lettland, Estland, Litauen…) zu dem Zweck stärker besteuert werden soll, in ANDEREN Ländern „Wohltaten“ zu verteilen.

        Das ist politisch zum Scheitern verurteilt. Und wenn´s politisch doch versucht würde, dann würde ein recht unschönes Szenario eintreten. Denn dies ist ABSOLUT nicht vermittelbar. Die AfD in Deutschland z.B. oder die FPÖ in Östereich würden sich m.E. neben dem was sich politisch dann etabliert, wie ein laue Lüftchen wirken – Europaweit.

  1. Dietmar Tischer says:

    >bto: Es ist interessant. Wir haben die Erkenntnis, ändern aber nichts. Was natürlich daran liegt, dass es für viele Akteure besser ist, wenn alles so bleibt, wie es ist. Und es zudem schmerzhaft wäre, etwas zu verändern. Aus Furcht vor diesem (kurzfristigen) Schmerz handeln wir uns weitaus größere Probleme für die Zukunft ein.>

    Was spricht dagegen, dass dies die Sicht von jemand ist, der hinter der Kurve ist?

    Dem Artikel zufolge nichts.

    Denn wenn die Lage immer prekärer wird mit Blick auf eine neue Finanzkrise und zwar eine, die so UMFASSEND ist wie das World Economic Forum sie sieht, dann ist es LOGISCH sich zu verschulden und dem damit verfügbaren Geld Assets zu kaufen.

    Wenn das genügend Akteure tun, führt dies auch zielstrebig zum Crash.

    Das heißt dann:

    Die Schulden sind weg, die Assets aber geblieben.

    Wenn sich die US-Unternehmen jetzt „wie nie“ verschulden, dann sind sie mit dieser Veränderung auf dem richtigen Trip:

    Aus ihrer Sicht darf nicht alles so bleiben, wie es ist, und es ist auch nicht schmerzhaft, dass sich etwas ändert – solange die Dinge ZIELSTREBIG auf einen Systemcrash zulaufen.

    Antworten
  2. JC Denton says:

    „Denn wenn die Lage immer prekärer wird mit Blick auf eine neue Finanzkrise und zwar eine, die so UMFASSEND ist wie das World Economic Forum sie sieht, dann ist es LOGISCH sich zu verschulden und dem damit verfügbaren Geld Assets zu kaufen.
    Wenn das genügend Akteure tun, führt dies auch zielstrebig zum Crash.“

    Die Mutter aller Bank Runs, sozusagen.

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