BIZ Jahresbericht: die wichtigsten Charts

Der neue Economic Report der BIZ liegt vor. Wie immer eine gute Quelle für alle, die sich näher mit der Lage der Wirtschaft beschäftigen wollen – diesmal ist er allerdings weniger kritisch als in den vergangenen Jahren. Das liegt aber nicht daran, dass es besser geworden wäre, eher daran, dass es weiter geht wie bisher. Deshalb heute an dieser Stelle die Charts, die es gut zusammenfassen.

Zunächst die bekannte Tatsache, dass die Schulden der Welt weiterwachsen:

Quelle: BIZ

Soviel also zum Thema „Deleveraging“. Wir hängen an der Droge des billigen Geldes und erzeugen so immer mehr die Illusion von Wohlstand und Wachstum. Das ist aber nicht nachhaltig.

Das zeigt sich auch daran, dass der Raum für die Politik auf eine neue Rezession zu reagieren immer mehr abnimmt:

Quelle: BIZ

Wenn es also – zum Beispiel aufgrund der Spannungen im Handel – zu einer neuen Rezession kommt, haben Staaten und Notenbanken nur noch begrenzten Spielraum. Massiv negative Zinsen und Helikoptergeld sind dann auf der Agenda.

Dann der Blick auf die „Risikogebiete“. Erstaunlicherweise sieht die BIZ die US-Unternehmen hier nicht. Ich würde diese angesichts der hohen Verschuldung auf jeden Fall dazu zählen:

Quelle: BIZ

Sicherlich sind die USD-Kredite an die Schwellenländer ein Problem. Steigen US-Zinsen und USD weiter, so gibt es dort unvermeidlich ein Problem.

Dabei hilft natürlich nicht, dass die Amerikaner die Einzigen sind, die wirklich „normalisieren“. Solange die EZB – um den Euro irgendwie zu „retten“ – am billigen Geld festhält, wachsen natürlich die Spannungen zwischen den Währungsräumen. Das begünstigt weiteren Protektionismus (als Reaktion auf den zu schwachen Euro) und damit gefährdet es die Konjunktur der Welt zusätzlich. Doch was wäre die Alternative?

Quelle: BIZ

Japan zeigt uns allen dabei den Weg (in die totale Monetarisierung). Die EZB hat so gesehen noch viel Luft nach oben und dürfte diesen Weg auch nutzen, toleriert von einer deutschen Politik, die sich nicht traut, im Sinne der Problemlösung zu handeln. Vielleicht gibt es auch nur diese Lösung.

Wenig verwunderlich also, dass die Preise von Vermögenswerten hoch bleiben. Es ist das billige Geld, das die Wünsche in den Himmel wachsen lässt:

Quelle: BIZ

Die BIZ hatte schon im letzten Jahr ausführlich gewarnt, dass das nicht nachhaltig sein kann. Auch hier kann der Handelskonflikt schneller als gedacht zu Problemen führen.

Dahinter stehen die nach wie vor negativen Realzinsen, die natürlich den gewünschten Erfolg haben: die Verschuldung nach oben treiben!

Quelle: BIZ

Man muss es schon laut sagen: Zehn (!) Jahre nach der Krise liegen die Zinsen immer noch auf Intensivstation-Niveau. Zurecht.

Doch die Nebenwirkung der immer weiter steigenden Schulden ist offensichtlich. Wir sind gefangen, wie die BIZ schon früher formulierte: Weil die Zinsen heute tief sind, müssen sie in Zukunft noch tiefer sein, um den Schuldenturm nicht zu gefährden …

Quelle: BIZ

Der linke Teil der Abbildung zeigt die Vergangenheit: immer höhere Schulden und immer tiefere Zinsen. Kann ja auch sein, dass die Zinsen sinken, weil immer mehr Geld produziert wird durch die Vermehrung der Schulden. Rechts dann die Simulation, was passiert, wenn die Zinsen steigen (sollten). Die Langfristzinsen sinken, weil die Märkte die nächste Rezession dann schon vorwegnehmen. Ansonsten wirkt teureres Geld negativ. Auch klar. Deshalb will es ja keiner.

→ bis.org: BIS Annual Economic Report 2018

Kommentare (8) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    BLUM sagte:

    „Ansonsten wirkt teureres Geld negativ. Auch klar. Deshalb will es ja keiner.“

    Doch: Mieter und alle Menschen, die keine Kapitalanlagen tätigen können, weil sie von der Hand in den Mund leben. Und alle, die private Konsumschulden ablehnen.

    Insofern ist das, was Sie seit Jahren beschreiben, eine bewusste Politik des finanziellen Establishments der Kapitalanleger. Sozialismus für Reiche.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @BLUM: Richtig. Und warum ist das?

      Erstens, weil in fast allen Ländern die politische Rechte sich für das finanzielle Establishment interessiert (und sich von ihm sponsern lässt) und die politische Linke das Wirtschaftssystem nicht versteht bzw. ihre Klientel nicht innerhalb eines marktwirtschaftlichen Systems wohlhabend werden lassen möchte.

      Zweitens ist es aber auch eine Umverteilung von den Armen des Westens zu den Armen Osteuropas und Ostasiens, die durch diesen Wettbewerb erstmals zu teilweise noch bescheidenem Wohlstand gekommen sind. Diese Umverteilung wird von der Politik mehr fürchtet als dass sie sie steuert. Denn Marktwirtschaft wirkt halt auch bei den Löhnen. Und zwar stärker als Entwicklungshilfe, wenn das ärmere Land wirklich konkurrenzfähig ist.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ BLUM

      Mieter sind Mieter und sonst nichts?

      Wer sich nicht für Konsum verschuldet, existiert ansonsten im luftleeren Raum?

      Menschen leben „mehrdimensional“, d. h. sie sind von unterschiedlichen Sachverhalten abhängig, die meisten ganz wesentlich davon, einen Job zu haben und damit Einkommen erzielen zu können – um, eine Vielzahl betreffend, sich u. a. NICHT verschulden zu MÜSSEN.

      Wenn Geld „teuer“ wird, dann entfallen möglicherweise existenzsichernde Sachverhalte wie z. B. der Arbeitsplatz.

      Kurzum:

      Ihr SELEKTIV verengender KONSTRUKTIVISMUS ist argumentativ wertlos.

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  2. Avatar
    BLUM sagte:

    Vielen Dank, sehr geehrter Herr Stelter,

    für die Auflistung der sehr aussagekräftigen Grafiken und kurzen Kommentaren.

    Es würde allerdings generell Ihre Leser vermehren, wenn Sie ein paar Erläuterungen zu den immer wieder überraschenden Abkürzungen auf den Grafiken gäben.

    Legende für die Länder wäre z. B. ein Link auf https://de.wikipedia.org/wiki/ISO-3166-1-Kodierliste.

    Euro Area mit EA sind nicht jedem geläufig, werden auch erklärt, in einer der Grafiken. Mit EAs und EMEs bin ich z. B. den Überbegriff fand ich nicht. Da es sich um wiederkehrende Abkürzungen handelt, könnten Sie vielleicht eine Seitenlinie auf Ihrer Internetseite einrichten. Das alles würde das Lesen der Grafiken erleichtern.

    Mehr Richtung OT:
    Und bitte arbeiten Sie am Seitenaufbau. Die Geschwindigkeit dieser Internetseite ist eine der langsamsten oder gar die langsamste aller von mir verwendeten. https://www.mmnews.de/ ist dagegen eine Rakete, und inhaltlich viel schwächer. In EDGE-Land-Bereichen Deutschlands meide ich BTO völlig. Das ist schade, wo der Inhalt so wertvoll ist. Malik hat kürzlich auch – endlich beschleunigt, der war noch langsamer als Sie. Rote Laterne also für Technik ging an Sie über.

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    Dietmar Tischer sagte:

    > Japan zeigt uns allen dabei den Weg (in die totale Monetarisierung). Die EZB hat so gesehen noch viel Luft nach oben und dürfte diesen Weg auch nutzen, toleriert von einer deutschen Politik, die sich nicht traut, im Sinne der Problemlösung zu handeln. Vielleicht gibt es auch nur diese Lösung.>

    Die Monetarisierung durch die EZB à la Japan ist die eine spannende Frage insbesondere auch deshalb, weil es – zumindest aus heutiger Sicht – NICHT selbstverständlich ist, dass die deutsche Politik dies toleriert. Gleichwohl haben in der Vergangenheit immer wieder Entwicklungen ihren Lauf genommen, die nicht selbstverständlich waren, aus der Not geboren jedoch zur Selbstverständlichkeit wurden. Insofern kann man die Monetarisierung auch nicht ausschließen.

    Die andere spannende Frage ist, wie lange es die EZB noch gibt. Auch sie kann nur spekulativ beantwortet werden. Ich sehe anhand der Entwicklungen, dass maßgebende politische Kräfte in Europa de facto auf eine SCHWÄCHUNG von EU und Eurozone hinarbeiten (einzelne PROJEKTE wie die gemeinsame Sicherung der Außengrenzen sind nicht der Beweis des Gegenteils). Damit werden die BEDINGUNG für die LEGITIMATION supranationalen institutionellen Handelns wie das der EZB untergraben.

    Kurzum, die Konsequenz wäre, dass sich die EZB aus ihrer unbestreitbaren Funktionalität heraus SELBST legitimierte, die Schulden zu monetarisieren.

    Ich kann mir das nicht vorstellen, nicht im Augenblick.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Tischer: warum sollte die deutsche Politik die Monetarisierung nicht tolerieren? Es hat in den letzten Jahren weder die etablierten Parteien noch die Mehrheit der Bevölkerung gestört. Der Rubikon ist überschritten, warum sollten weitere Anleihekäufe plötzlich auf massiven Widerstand stoßen? Und jetzt haben wir den Höhepunkt unserer demographischen Probleme noch gar nicht erreicht, wodurch der Druck auf die Monetarisierung noch steigen wird.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Ich will Ihre Frage mit der Annahme von zwei Szenarien beantworten.

        Das eine bezieht sich auf die HEUTIGEN Gegebenheiten, die ich in meinem Diskussionsbeitrag zugrunde gelegt habe:

        Wie ich glaube, gibt es hierzulande eine nicht unerhebliche Anzahl von Menschen, die wissen, dass es durch Monetarisierung in der Vergangenheit eine nicht mehr beherrschte Inflation gegeben hat mit der Folge politisch unkontrollierter Macht und Gewalt sowie unermesslichem Leid. Eine „totale Monetarisierung“ kann dazu führen, dass derselbe Mechanismus losgetreten wird. Das wollen diese Menschen verhindern und deshalb werden sie dagegen sein.

        Die HEUTIGE Politik folgt dieser Auffassung.

        OB dieser Mechanismus unter anderen Umständen als den damaligen wie verhindert werden könnte, so dass wir etwa ähnlich wie bisher Japan einer Monetarisierung zurechtkämen, ist VÖLLIG irrelevant für dieses Szenario.

        Denn die Begründung beruht darauf, dass es nicht ABWEGIG ist, die Wiederholung vergangener Entwicklungen anzunehmen angesichts der Tatsache, dass sich sehr, sehr viele Deutsche als GLÄUBIGER par excellence (Kapitallebensversicherungen etc.) durch hohe Inflationsraten als ENTEIGNET verstehen MÜSSTEN, und dass bereits HEUTE, bei nicht einmal annähernd derartigen Verhältnissen eine Partei mit ansehnlichem Wahlerfolg in den Bundestag gekommen ist, die lt. Wahlprogramm einfach mal so die Eurozone verlassen will.

        Das ist die eine Antwort, mit der ich Ihre Frage und die Begründungen, die Sie damit verbinden, zur Seite schiebe:

        Ja die betriebene Monetarisierung hat nicht gestört, weil die Geldwertstabilität gesichert war. Die Asset-Inflation hat im Bewusstsein der Menschen damit nichts zu tun. Sie betrifft natürlich die Vermögensungleichheit, was aber ein anderes Thema ist.

        Das andere Szenario ist HYPOTHETISCH, aber auch nicht völlig abwegig:

        Die Regierung fragt, was angesichts der Lage zu tun sei und erhält von den kompetentesten Beratern des Landes folgende im Konsens getroffene Antwort:

        Sie haben die Alternative, entweder das Finanzsystem kollabieren zu lassen mit der Folge einer Schockstarre der Realwirtschaft, ODER Sie ermächtigen die EZB ohne Rücksicht auf deren Bonitätserfordernisse das öffentliche VERSPRECHEN abzugeben, alle zum Kauf angebotenen Anleihen zum Nominalwert erwerben und zu sterilisieren.

        Ich weiß nicht, wie die betreffende Regierung entscheiden würde.

        Ich würde jedenfalls keine Sekunde zögern, die EZB zur Monetarisierung zu ermächtigen, weil es RATIONAL wäre, dies zu tun.

        Aber zurück zur Realität:

        Die Entwicklung, die Sie andeuten kann durchaus und wird vermutlich sogar zu steigender Staatsverschuldung führen, was letztlich eine Monetarisierung unvermeidlich erscheinen lässt.

        Es wäre der Weg zwischen dem HEUTE und der Hypothese in der ZUKUNFT.

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