Adair Turner zu Zinsen und der notwendigen Monetarisierung

Dieser Beitrag erschien erstmals im April 2017 bei bto:

Adair Turner, Chairman des Institute for New Economic Thinking (INET) und früherer Finanzmarkt-Chefaufseher in Großbritannien ist einer der profiliertesten Denker zur aktuellen Krise. Bei bto war er schon mehrfach Thema, vor allem mit seinem wohl richtigen Plädoyer für eine massive Monetarisierung.

Nun ein erneutes Interview mit der FINANZ und WIRTSCHAFT. Hier die Highlights und wie stets mit bto-Kommentierung:

Zunächst zur aktuellen Inflationsdebatte:

  • Es ist natürlich möglich, dass die Inflationserwartungen steigen und damit die Teuerung zunimmt. Aber ich habe den Eindruck, dass die deflationären Kräfte in der Welt immer noch beträchtlich sind. Die Zinsen werden tief bleiben. (…) Verblüffend ist aber die Tatsache, dass all die außergewöhnlich starken geldpolitischen Maßnahmen bloß bewirkten, dass die Inflation von null in die Nähe des Ziels von 2 % steigt. Das weist darauf hin, dass sehr starke fundamentale, strukturelle Faktoren in die andere Richtung ziehen.“ – bto: Das denke ich auch, außer, es käme wirklich zu einem drastischen Vertrauensverlust in Geld, einem Angebotsschock oder einer Flucht der Anleger aus allen Zinspapieren aus Angst vor Forderungsausfällen der immer höher verschuldeten Akteure. In letzterem Fall hätten wir Deflation und hohe Zinsen.

Zur Rolle Chinas

  • Ohne den staatlichen Stimulus in China durch die Kreditausweitung von 2009 bis heute wäre die Weltwirtschaft in einer viel tieferen deflationären Falle. Vergangenes Jahr hat China den Stimulus weitergeführt, was mich überrascht hat – ich dachte, die chinesische Regierung gehe davon aus, dass der inländische Schuldenberg untragbar geworden sei. Ich glaube aber nicht, dass noch mehr neuer Stimulus kommen wird.“ – bto: Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Zurzeit sieht es so aus, als würde China weitermachen. Doch was, wenn nicht?

Zur Fiskalpolitik und den Zinsen

  • Weltweit hat eine Lockerung stattgefunden, und für die USA wird eine solche erwartet. All das könnte bewirken, dass die Welt für einige Jahre zu einer Teuerung in der Nähe des Inflationsziels zurückkehrt, vielleicht mit etwas höheren Zinsen. Trotzdem bestehen starke deflationäre Tendenzen.“ – bto: Vor allem könnten höhere Zinsen wieder in einen Abschwung führen.
  • In den letzten sechs Monaten sind die Nominalzinsen gestiegen, da sich die Inflationserwartungen erhöht haben. Aber die langfristigen Realzinsen sind keineswegs höher, sondern so tief wie zuvor, und sie werden vermutlich tief bleiben. Die langfristigen Realzinsen werden nicht von den Erwartungen gesteuert und auch nicht von den Zentralbanken, sondern von der strukturellen Balance zwischen weltweitem Sparen und Investieren. Das spricht weiterhin für sehr tiefe langfristige Zinsen.“ – bto: Das ist der Punkt mit den Ersparnisüberschüssen. Ich denke eher, es liegt an den untragbaren Schulden. Das sieht auch Turner so: „Um die hohen Schulden tragen zu können, brauchen wir sehr tiefe Zinsen.“
  • Tiefe Zinsen haben negative Auswirkungen. Ein Problem ist die langfristige, säkulare Zunahme der Ungleichheit. In solch einem Umfeld ist die Strategie, die Weltwirtschaft mit sehr tiefen Zinsen am Laufen zu halten, zwangsläufig gut für Personen, die Vermögen besitzen.“ – bto: Das ist bekannt und birgt entsprechenden Sprengstoff.

Monetarisierung als Lösung

  • Viel besser als riesige Beträge für einen rein geldpolitischen Stimulus wären kleinere Beträge für Steuersenkungen oder Staatsausgaben gewesen, finanziert von der Zentralbank. Die britische Zentralbank hat ab 2009 für 400 Mrd. £ Anleihen gekauft – das Quantitative Easing. (…) Doch die Bank of England hätte besser 50 Mrd. £ für die monetäre Finanzierung eines zusätzlichen Staatsdefizits. Und sie hätte der Öffentlichkeit sagen sollen, dies sei permanent monetär finanziert. Damit hätte die BoE ihre Bilanz weniger aufgebläht und die Wirtschaft mehr stimuliert. Wegen des Verzichts auf einen monetär finanzierten Fiskalstimulus haben wir nun gefährlich große Notenbankbilanzen.“ – bto: So werden wir beides bekommen, erst die langen Bilanzen und dann in der nächsten Runde die direkte Staatsfinanzierung.
  • Die Bank of Japan sollte erklären, dass sie z. B. ein Viertel der Staatsanleihen in ihrem Besitz abschreibt. (…) Das ist eine permanente, monetär finanzierte Transaktion, eine Ausdehnung der Notenbankgeldmenge. Das Geldangebot bleibt dauerhaft höher. Bisher sind mit QE und der Expansion der Geldmenge die Einlagen der Banken bei Japans Zentralbank von 6 auf 100 % des Bruttoinlandprodukts gestiegen.“ – bto: Es ist der Wundertrick, der Schulden über Nacht verschwinden lässt. Und genau dies werden wir auch in Europa sehen.
  • (In Japan) wird es immer offensichtlicher werden, dass die Zentralbank Staatsschulden de facto monetär finanziert. Private Investmentgesellschaften werden zunehmend das wirkliche Niveau der japanischen Staatsschulden eruieren. Es wird eine Art faktische Akzeptanz geben. Aber selbst Japan kann Schulden monetär finanzieren, ohne dies einzugestehen. Das könnte ein Modell sein für anderswo. Man erhält das Tabu aufrecht, während man es bricht.“ – bto: DAS IST ES!!!

Machbar

  • Die Schwierigkeiten sind nicht technischer Natur, sondern politisch. (…) Der Umfang der monetären Finanzierung darf nicht von der Regierung festgelegt werden, sondern von einer unabhängigen Zentralbank. Eingesetzt wird das Instrument in einer Situation wie 2010, wo die Inflationsrate zu tief ist und die Zentralbank versucht, die Nachfrage anzukurbeln – und falls sie der Ansicht ist, dass ihre anderen Werkzeuge nicht wirken.“ – bto: Wer glaubt denn wirklich an unabhängige Zentralbanken?
  • Die Zentralbank druckt den von ihr bestimmten Betrag und überweist ihn auf ein Konto für die Regierung. Diese Summe soll helfen, die Teuerung zum Inflationsziel anzuheben. Die Regierung bestimmt, wie der Betrag eingesetzt wird, für tiefere Steuern oder höhere Staatsausgaben. So lässt sich das Werkzeug der monetären Finanzierung einsetzen, diszipliniert und verankert in einer unabhängigen Zentralbank, die ein Inflationsziel verfolgt. (…) Die ökonomische Theorie ist weitgehend geklärt, meiner Meinung nach haben wir Befürworter die Debatte gewonnen.“ – bto: Und es wird auch umgesetzt werden, davon bin ich überzeugt.

In der Eurozone schwierig

  • Die Eurozone hat eine Zentralbank und zahlreiche Regierungen, da ist das viel komplizierter. Die Frage lautet: Wer bestimmt über die Verwendung des Zentralbankgeldes? Skeptiker befürchten, Italien würde nach einer erfolgreichen monetären Finanzierung immer wieder dafür lobbyieren. Deutschland wird sein Einverständnis wohl nicht geben.“ – bto: doch. Ich denke mittlerweile, dass unsere Politiker dem zustimmen. Wenn man sich die Politik auf praktisch allen Feldern anschaut, kann man doch nur feststellen, dass es nirgendwo um Erhalt und Mehrung von Wohlstand geht. Es geht nur um Machterhalt. Im Zweifel versteht es die Bevölkerung ohnehin nicht, völlig besoffen von der (falschen) Wahrnehmung doch so „reich“ zu sein.
  • Ich bin skeptisch, dass ein Schuldenproblem wie in Italien innerhalb der bestehenden Struktur der Währungsunion gelöst werden kann. Es bräuchte einen Abschreiber, und der wäre viel disruptiver als der griechische, weil Italien viel grösser ist. Oder es bräuchte einen zusätzlichen Stimulus oder Beihilfe. Die Währungsunion ist unvollständig.“ – bto: Das wiederum ist doch schwer vorstellbar.

Fazit bto: Wir haben einen Wettlauf zwischen der Monetarisierung und den politischen Spannungen. Die Frage ist, was davon das Rennen macht. Gelingt die Monetarisierung rechtzeitig, dürften Euro und Establishment überleben. Kommt es vorher zu einem politischen Bruch – man denke an Uscitaly – könnte die Monetarisierung der letzte Hebel sein, um das Desaster abzuwenden. Dann würde die politische Entwicklung also der monetären helfen. Oder es wäre eben zu spät.

→ fuw.ch: „Die Zinsen werden tief bleiben“, 13. April 2017

29 Kommentare
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    ruby sagte:

    Herr Stöcker, die historische Aussage, dass Staatsschulden revoltiert werden ist nur durch angemessenes Wirtschaftswachstum realisierbar.
    Und das schreibe ich nochmal, Virtualvermögen auf Papier oder in Byte, die durch Kreditgeld geschöpft werden, gehören nicht dazu. Von einer Gamescom kann kein Staat und Bürger leben schon garnicht 11 Milliarden.
    Ihre Erklärung fällt auf das StabG zurück und wurde seit Ende des Goldstandard ignoriert.
    Es wird die Wirklichkeit die Richtung geben nicht die Theorie.

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    Michael Stöcker sagte:

    @ troodon

    Bevor noch alle das metaphysische Zittern bekommen, hier nun ein paar Anmerkungen zur ZB-Bilanz und den „werthaltigen“ Forderungen an vorderster Stelle, damit die Astrologen(gatten) diesen Blog nicht zu sehr im Niveau herunter ziehen.

    Im Gegensatz zu Aktien oder Bankschuldverschreibungen haben Anleihen des eigenen Staates in aller Regel eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit, da solide Staaten über ein funktionsfähiges Steuersystem verfügen, in dem der Bürger im Fall der Fälle eben als Bürge(r) herangezogen wird. Wertschwankungen kann eine ZB ebenfalls aussitzen, da sie ja in aller Regel keinem besonderen Verkaufsdruck unterliegt. Und falls doch, dann gibt es eben mal ein paar Verluste und somit im schlimmsten Fall ein paar Jahre keine Gewinnausschüttungen. Zudem kann eine ZB auch mit negativem EK weiter existieren.

    Jetzt zu den werthaltigen Anleihen in der Bilanz der ZB. Worum handelt es sich bei Anleihen/Staatsschulden: In aller Regel um „vergangenes Nichts“, da Schulden des Staates selten investiver Natur sind, sondern konsumtiver. Diese Anleihen sind nur deshalb „werthaltig“, weil der Gläubiger (insbesondere die 1 %) NICHT an einer Rückzahlung interessiert sind, sondern an der regelmäßigen Zinszahlung. Ist doch eine tolle Sache: Erst werde ich nicht ausreichend besteuert, um die Gemeinschaftsaufgaben zu finanzieren und dann kassiere ich dafür auch noch Zinsen (@ Bauer: Marx spricht hier vom fiktiven Kapital).

    Da sich Deutschland z. Z. mit negativen Zinsen verschulden kann, ist aus deutscher Sicht Helikoptergeld die second best Lösung. Sind die Zinsen bei exakt 0,00 % dann sind Helikoptergeld und Anleihen identisch. Man darf es aber mit der Menge nicht übertreiben. Sollte die Inflation sowie das Zinsniveau wieder ansteigen, dann könnte die Zentralbank diese Mittel wieder durch die Ausgabe eigener verzinslicher/werthaltiger Wertpapiere sterilisieren. Die hieraus resultierenden Verluste mindern zwar die Gewinne aus den anderen geldpolitischen Operationen; aber es ist nicht Aufgabe einer Zentralbank, Gewinne zu erwirtschaften, sondern für Geld- und Finanzstabilität zu sorgen.

    Dass es zur Ausgabe eigener verzinslicher Wertpapiere seitens der EZB kommen müsste ist aber eher unwahrscheinlich, da die Bilanzen der Zentralbanken durch QE dermaßen aufgeblasen sind, dass der Markt zuvor erst einmal die Rückabwicklung der QE-Operationen verkraften müsste.

    LG Michael Stöcker

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      Didi Knax sagte:

      @ Michael Stöcker

      Schmissig geschrieben, aber auch real?

      -Anleihen des eigenen Staates [haben] in aller Regel eine geringere Ausfallwahrscheinlichkeit, da solide Staaten über ein funktionsfähiges Steuersystem verfügen.

      Ist Salvini Italien ein solider Staat, dessen Politkaste die eigenen Bürger zum Bürgen macht? Bisher nicht, man verlässt sich auf die Tocher EZB und profitiert von target2 Lieferungen auf Verbindlichkeit, ohne Besicherung. Man nutzt dt. Bonität über die gemeinsame Währung, seit Eurobeitritt. Reformen zur Steigerung von Solidität? – nicht einmal im Traum.

      Würden die Pleitestaaten auf ihre Bürgen zugreifen wollen, änderten diese Bürger die Zusammensetzungen ihrer Regierungen – mit allen Konsequenzen für die gemeinsame Währung.

      Auch Macron ist in Handlungsunfähigkeit gefesselt, es sei denn er verteilt das Geld anderer Leute.

      -Diese Anleihen sind nur deshalb „werthaltig“, weil der Gläubiger (insbesondere die 1 %) NICHT an einer Rückzahlung interessiert sind, sondern an der regelmäßigen Zinszahlung.

      Dass die Bürgen der Währung auch Gläubiger ungedeckter staatl. Leistungsversprechen sind, könnte man fast übersehen – so sehr blendet der Neid auf das 1%.
      Institutionelle Anleger (Lebensversicherer) müssen diese Anleihen kaufen und ihre Kunden sind nicht das eine Prozent…..Ganz im Gegenteil bürgten die Bürger der BRD für Bankenrettung in Frankreich gegen den Ausfall griechischer/ital. Anleihen. Wer von dieser Bankenrettung profitierte – aus dem Kreis des 1% sprechen sie nicht an… Dass die Hochfinanz den Wahlkampf von Frankreichs Macron freundlich förderte und man die gemeinsame EU Einlagensicherung anstrebt, kommt in ihrer Welt nicht vor?

      – Zudem kann eine ZB auch mit negativem EK weiter existieren.
      Das ist eine reine Behauptung, genau wie die Meinung der Staat könnte inmitten einer Depression aus den Eigentümern seiner Bürgen frisches Kapital schöpfen.
      Kommt es zum Spruch sind die Märkte depressiv illiquide und die Steuerlast auch nicht durch Zwangsverkauf zu tilgen. Steuerlast die keinen Aufschub duldet und niemand aussitzen darf. So geschehen in Griechenland auf Druck der Troika.

      Scherzfreie Lösung ist das keine.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Didi Knax

        Die Staatsverschuldung von Italien ist erst seit der Finanzkrise 2008 wieder angestiegen und ist zuvor von 117 % (1995) auf unter 100 % (2007) gesunken. Italien hat selbstverständlich seine ganz eigenen Probleme. Diese wurden aber durch eine verfehlte Austeritätspolitik/Fiskalpakt sowie die falschen Zinsentscheidungen unter Trichet unnötig verschärft. Richtig ist selbstverständlich Ihre Kritik, dass die Italiener – und nicht nur die – wichtige Reformen nicht angegangen sind.

        „so sehr blendet der Neid auf das 1%“

        Wenn die ökonomischen Argumente fehlen, dann kommt die Neid-Keule als intellektueller Offenbarungseid.

        „Wer von dieser Bankenrettung profitierte – aus dem Kreis des 1% sprechen sie nicht an“

        Kann ich nicht bei jedem Kommentar machen und war hier auch nicht das Thema. Falls Sie meine Sicht interessiert, dann einfach hier in meinem ersten Blogbeitrag nachlesen: https://zinsfehler.com/2013/08/21/zinsmythen/. In meinem geldpolitischen Manifest können Sie lesen:

        „Eine unselige Rolle haben in diesem Prozess insbesondere die deutschen sowie die französischen Banken gespielt, die viel zu lange die Leistungsbilanzsalden der Defizitländer über den Interbankenmarkt refinanziert haben. Auf deutschen und französischen Druck hin wurden dann die ausländischen Banken gerettet und die Schulden auf die Staaten der Südperipherie überwälzt. Die sogenannte Staatsschuldenkrise ist also eigentlich eine Folge der privaten Finanzexzesse deutscher und französischer Banken. Deutschland hat nicht Spanien oder Portugal gerettet, sondern sein eigenes Bankensystem vor dem Kollaps bewahrt.“ https://zinsfehler.com/2016/09/25/ein-geldpolitisches-manifest-fuer-europa/

        „– Zudem kann eine ZB auch mit negativem EK weiter existieren.
        Das ist eine reine Behauptung,“

        Nein, das ist es nicht, sondern reine Empirie. Hatten wir hier auch schon x-Mal: https://blogs.faz.net/fazit/2015/04/05/zwoelf-jahre-lang-insolvent-und-trotzdem-quietschfidel-was-bedeuten-verluste-fuer-zentralbanken-1-5501/
        https://blogs.faz.net/fazit/2017/06/13/als-die-bundesbank-einmal-pleite-war-8833/

        LG Michael Stöcker

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        Didi Knax sagte:

        @ Michael Stöcker

        Verzichten Sie auf die 1% Keule, provozieren Sie keine Neid-entgegnung, so einfach wäre das.

        Wichtiger ist das negative Eigenkapital einer ZB. Ihre Empirie bezieht sich auf keine großen Wirtschaftszentren sondern über Länder mit Potential bei der Aufholjagd.

        Tschechien kamen mehrere Umstände zu Hilfe, welche weder die SNB, EZB, BoJ,BoC oder Fed erhoffen kann:
        – großes Interesse ausländischer Investoren = Kapitaltransfer in produktive Anlagen (Arbeitsplätze-Löhne-Inlandskonsum-Verschuldungsfähigkeit).
        – Produktionsverlagerung durch Wechselkursgewinne 1990er ff…
        – Gelddruckprogramme zur Nachfragesteigerung -> abgeleitete Konjunktur nach Globalisierung von Wertschöpfung.

        Die großen Notenbanken halfen Tschechien, ohne dass es ihre erkärte Absicht gewesen wäre. Die CNB durfte sich so sanieren, ein historischer Glücksfall der auf den Epochenwechesl des Mauerfalles folgen konnte.

        Ähnliches Thema, anderer Ort:
        Die Geldpolitik Japans konnte im globalen Umfeld und dem Absatzmarkt + Ausweichproduktionsstätte China durchhalten….

        Beide Modelle waren auf ihre Weise erfolgreich sind aber für kein Vorbild für die EZB. Ohne Euro könnten die Krisenländer der Eurozone den Weg der CNB versuchen…..weil die eigene Währung als Ventil Teil der Lösung ist.

        Ob dieselbe Erfolgsgeschichte der CNB ab dem Jahr 2019 noch einmal wiederholt werden könnte – ich bezweifle das, weil die Weltkonjunktur stottert.

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      troodon sagte:

      @ M.S.
      Ihre Ausführungen habe ich verstanden, beantwortet aber für mich nicht meine Frage bzgl. „ewige Forderung der Zentralbank an die Bürger “ bzw. wirft zumindest neue Verständnisfragen auf…

      In Ihre obigen Post setzen Sie offensichtlich “ eine ewige Forderung der Zentralbank an die Bürger “ mit einer Staatsanleihe gleich.

      Bei einer D-Staatsanleihe stellt sich für mich gar nicht das Thema der Werthaltigkeit der Forderung für die NB/EZB.

      “ Sind die Zinsen bei exakt 0,00 % dann sind Helikoptergeld und Anleihen identisch.“
      Dann ist also der einzige echte Vorteil (bei positiven Zinsen), dass der Staat keine Zinsen zahlen müsste, oder ?
      Oder würde aus Ihrer Sicht die „ewige“ Forderung der ZB an den Staat durch die Ausgabe von Helikoptergeld die offizielle Staatsverschuldung nicht erhöhen?

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        Michael Stöcker sagte:

        @ troodon

        „Ihre Ausführungen habe ich verstanden, beantwortet aber für mich nicht meine Frage bzgl. „ewige Forderung der Zentralbank an die Bürger “ bzw. wirft zumindest neue Verständnisfragen auf…“

        Ja, diesen Punkt habe ich leider nicht ausreichend erläutert. Der zentrale Punkt ist der folgende: Staaten tilgen unter normalen Umständen ihre Schulden NIEMALS. Diese Schulden werden ad infinitum revolviert. Und wenn Zentralbanken (ich rede hier von soliden Industriestaaten) einmal einen Teil dieser Schulden auf ihre Bilanz genommen haben, dann werden diese in aller Regel auch nicht mehr in den Markt gegeben, sondern ebenfalls ad infinitum revolviert. Einfach mal die Fed-Bilanzen der letzten 50 Jahre studieren.

        Auch die EZB hat QE eingestellt, revolviert aber ständig fällige Anleihen durch neue.

        „Oder würde aus Ihrer Sicht die „ewige“ Forderung der ZB an den Staat durch die Ausgabe von Helikoptergeld die offizielle Staatsverschuldung nicht erhöhen?“

        Helikoptergeld ist nichts anderes als eine Anleihe zu 0,00 %. Insofern erhöht Helikoptergeld selbstverständlich aus einer rein ökonomischen Perspektive immer die Staatsverschuldung, da Zentralbank und Staat letztlich eine Einheit bilden.

        Aus juristischer Perspektive ist es insbesondere in der Eurozone etwas anderes, da wir keinen gemeinsamen europäischen Staat haben. Insofern erhöht aus juristischer Perspektive die unmittelbare Ausgabe von Helikoptergeld an die Bürger durch die EZB – also nicht durch die nationalen Notenbanken – die Staatsverschuldung nicht, da Euroland kein eigenständiger Staat ist. Es handelt sich somit auch nicht um verbotene Staatsfinanzierung gem. Art. 123 AEUV. Es kommt also letztlich darauf an, ob die EZB hierüber im Rahmen ihres geldpolitischen Mandats entscheidet oder aber die nationalen Regierungen.

        Sauberer wäre die Geschichte, wenn wir keine schwarze Null und auch keinen Fiskalpakt hätten. Dann würden sich die Staaten einfach über den Kapitalmarkt finanzieren und es bestünde somit auch wieder Aussicht auf etwas höhere Zinsen. Dafür sehe ich aber weit und breit weder das notwendige Verständnis bei den zentralen Akteuren sowie in der Bevölkerung, geschweige denn eine Mehrheit in den Parlamenten, die bis heute nicht verstanden haben, wo denn nun der Ursprung des Geldes ist, das man angeblich nur dann ausgeben kann, wenn man es zuvor eingenommen hat. Makroökonomie ist für die allermeisten ein Buch mit sieben Siegeln.

        Um es auf den Punkt zu bringen: QE4P ist nichts anderes als zusätzliche Staatsverschuldung zu 0,00 Prozent, die ad infinitum als Bestandsgeld in Umlauf bleibt.

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ M.S.
        Okay, danke, soweit verstanden.

        Wobei ich immer noch etwas meine Probleme habe mit:

        “ Insofern erhöht aus juristischer Perspektive die unmittelbare Ausgabe von Helikoptergeld an die Bürger durch die EZB – also nicht durch die nationalen Notenbanken – die Staatsverschuldung nicht, da Euroland kein eigenständiger Staat ist. “
        und
        „QE4P ist nichts anderes als zusätzliche Staatsverschuldung …,“

        Aber warten wir ab, wie das letztendlich betrachtet wird, wenn es denn irgendwann einmal konkret umgesetzt wird.

        Und bei
        „Sauberer wäre die Geschichte,…“
        „Dann würden sich die Staaten einfach über den Kapitalmarkt finanzieren…“
        ist eben nicht gesichert, dass diese zusätzliche Verschuldung nur getätigt wird, bis das Inflationsziel der EZB erreicht ist.

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    Wolf Palmer sagte:

    Meine Frau Eva Maria Palmer hat mich gebeten, einen Kommentar zu „Moneten-Turner“ und seiner Liebe zu „massiver Monetarisierung“ zu schreiben.

    Gottseidank bin ich kein Finanz- und Geld-Experte, sondern ein ganz normaler steuerzahlender Bürger, denn sonst würde auch ich die haarsträubenden Ideen gut finden, Schulden-Tsunamis mit neuen Schulden zu bekämpfen, um das (nach Ansicht meiner Astrologen-Frau) kommende Unheil in den 20er Jahren abzuwenden.

    Ich muß gestehen, daß ich jeden hasse, der meine Ersparnisse durch eine für die gottverdammte Politik wohltuenden Inflation dezimieren lassen möchte, keine Zinsen für meine Bank-Einlagen zahlt, mir das Bargeld wegnehmen möchte, die Goldstücke meiner Frau als illegalen verbotenen Besitz klassifiziert und mit diesen staatlichen „Wohltaten“ meine Altersversorgung auf das Äußerste gefährdet.

    Wie meine Frau bin auch ich ein unpolitischer Anhänger der Hayekschen Thesen und betrachte das „Wirken“ der Notenbanken als pure Destruktion.

    Einer Instutition, die jederzeit frisches, ungedecktes Geld „drucken“ kann, vertraue ich genausowenig wie einem Falschmünzer.

    Einer politischen Kaste, die unser ehemals schönes Land in einer Transfer-Union verheizt und unsere Zukunft ohne Not auf das Äußerste gefährdet, verweigere ich die Anerkennung und die Gefolgschaft.

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    • Avatar
      Wolf Palmer sagte:

      @ Michael Stöcker:
      „Astrologen-Gatten sollen diesen Blog nicht zu sehr im Niveau herunterziehen“.

      Wie erwartet hat sich unser „Geld-Experte“ M.S. zu meiner obigen Zuschrift in gewohnter Weise geäußert.

      Ich kenne in meinem (Unternehmer-) Bekanntenkreis keine einzige Person, die die haarsträubenden Thesen unseres Geldexperten unterstützen würde.

      Wenn der gesunde Menschenverstand derart verbogen wird und das unselige Treiben unserer Enteignungsbank als einzige Retterin der letzten Instanz derart verteidigt wird, kann keine vernünftige Diskussion entstehen.

      Das ganze hat nichts mit Niveau zu tun, sondern erinnert fatal an das Wirken von Internet-Trollen, die keine andere Meinung gelten lassen.

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      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Wolf Palmer

        „Wenn der gesunde Menschenverstand“

        „Gesunder Menschenverstand ist eigentlich nur eine Anhäufung von Vorurteilen, die man bis zum 18. Lebensjahr erworben hat.“

        So jedenfalls die Sicht von Albert Einstein. Dieser Blog hat das Motto: beyond the obvious.

        Sie können selbstverständlich auch hier an diesem Blog Ihre persönliche Meinung äußern. Meinungen sind aber noch lange kein Wissen; auch dann nicht, wenn in Ihrem Umfeld viele Menschen die gleiche unreflektierte Meinung haben. Oder um mit Platon zu sprechen: „Wissen ist wahre begründete Meinung.“

        Wagen auch Sie den Schritt aus der platonischen Höhle. Wilhelm Busch hat hierfür die Leiter:

        „Wer anderen etwas vorgedacht, wird jahrelang erst ausgelacht. Begreift man die Entdeckung endlich, so nennt sie jeder selbstverständlich.“

        Insofern: Nachdenken, nicht nur Meinen!

        LG Michael Stöcker

  4. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >„Die Schwierigkeiten sind nicht technischer Natur, sondern politisch. (…)>

    und

    >So lässt sich das Werkzeug der monetären Finanzierung einsetzen, diszipliniert und verankert in einer unabhängigen Zentralbank, die ein Inflationsziel verfolgt. (…) Die ökonomische Theorie ist weitgehend geklärt, meiner Meinung nach haben wir Befürworter die Debatte gewonnen.“>

    Wenn die Schwierigkeiten POLITISCHER Natur sind, kann die monetäre Finanzierung NICHT bei der Zentralbank VERANKERT sein.

    Denn „politisch“ heißt:

    Lösungen werden nach INTERESSEN ausgehandelt und nicht auf ein Ziel hin „diszipliniert verfolgt“

    A. Turner sollte die ökonomische Theoriewolke verlassen und die Füße auf den festen Boden der REALITÄT stellen.

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    Alexander sagte:

    >>Die Bank of Japan sollte erklären, dass sie z. B. ein Viertel der Staatsanleihen in ihrem Besitz abschreibt. (…) Das ist eine permanente, monetär finanzierte Transaktion, eine Ausdehnung der Notenbankgeldmenge. Das Geldangebot bleibt dauerhaft höher.

    Dieser Wettbewerbsvorteil von Kaufkraft für japanische Marktteilnehmer würde eine neue Runde im Wettlauf um die ruchloseste Zentralbank eröffnen. Die Frage für mich ist, wie lange dieser Vorsprung andauert, bis entsprechende Handelseinschränkungen erhoben werden, um eigene „Marken“ zu schützen.

    Protektionismus kann auch von Geldpolitik erzwungen werden, wie der chinesischen und dem Verhalten von Trump. Nicht alles ist Geopolitik und nicht jeder mag ewig der Deindustrialisierung seines Wahlraumes zusehen, wenn die Konkurrenz nicht besser ist – sondern nur hinterhältig.

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    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      Und für ruby noch ein Link, der nicht so ganz zu seinem Glaubensbekenntnis passt: David Andolfatto im Gespräch mit David Beckworth:

      DA: „I mean, you’d have a big PR kind of operation to kind of convince people, look, there’s nothing magical about zero interest rates. I mean, interest rates are often negative in, like I said, I mean in the Columbian drug cartel. And also in many examples in history and in nature.”

      DB: „So if you believe in capitalism then you should at some point, in special cases, believe in negative interest rates.” https://soundcloud.com/macro-musings/davidandolfatto3

      Ist doch eigentlich gar nicht so schwer zu verstehen. Auch Strompreise können schon mal negativ sein und werden es vermutlich zukünftig sogar viel öfter sein. Es ist ein simpler Preisbildungsmechanismus in einem kapitalistischen/marktwirtschaftlichen System.

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        Dagobert sagte:

        @ Michael Stöcker

        Die Preisentstehung steht in keinem (Hoch-)Schulbuch. Nach Marx sollten alle dieseTheoretiker an der Definition von Preisentstehung scheitern, natürlich auch die viel tiefer hängenden Früchtchen.

        Nur die Planwirtschaft, gestützt auf Gesetz und Zwang, kennt negative Preise, weil wer sein eigenes Geld verbrennt zeitnah damit aufhört.

        Nicht einmal Firmenzombies kennen negative Preise, weil es ihre Kunst ist am Abgrund zu wirtschaften – nicht darin.

        Alles in den Abgrund zu wirtschaften ist Privileg von Leuten, die jedes Risiko sozialisieren. Die Energiewende ist herausrangendes Beispiel. Danke!

      • Avatar
        ruby sagte:

        Herr Stöcker schön that we understand and agree technically but not with reality, wie Alexander und Dagobert zu David&David herausarbeiten. Ergänzend, einen ökonomischen und rechtlichen Zins/Preis politisch zu setzen ist unser bisheriges Wirtschaftssystem.
        Und zum Wöhe, der baut nur reale Marktpreise zusammen nicht akademische😎

      • Avatar
        Dagobert sagte:

        @ Michael Stöcker

        Ich -mache- Preise und erinnere mich noch gut an die Dozenten, die beim Thema Gewinn (als % Anteil=Zins) sich aus der Affaire zu ziehen versuchten. Man fabulierte dann immer von „Erfahrungs“-„wert“…..

        Diese Erfahrung hat mich viel (Lebens-) Zeit gekostet und ich durfte auf 40 Jahre Kalkulationshistorie zurückgreifen. Dabei habe ich mir wirklich Zeit gelassen die Rolle der Zentralbanken und ihre Marktinterventionen zu durchleiden.

        Heute erst wurde mir ein Unternehmen zum Kauf angeboten und ich leite die Daten gerne an Sie weiter. Dann können sie beweisen, wie man ausgeblutete Zombies zum Leben erweckt…mit negativen Preisen.

        Leider hat mein Goldspeicher einen Boden ;o)

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        „Auch Strompreise können schon mal negativ sein und werden es vermutlich zukünftig sogar viel öfter sein. Es ist ein simpler Preisbildungsmechanismus in einem kapitalistischen/marktwirtschaftlichen System.“

        Nein. Negative Preise bei einem werthaltigen Gut sind ein Zeichen von Marktversagen oder Regulierungsversagen, und nichts Normales oder Wünschenswertes.

    • Avatar
      troodon sagte:

      @ M.S.
      Im Herdentrieb hatten Sie zum Helikoptergeld geschrieben:
      „Bilanztechnisch gesehen handelt es sich bei meinem Vorschlag um eine Bilanzverlängerung, bei der auf der Aktivseite eine ewige Forderung der Zentralbank an die Bürger ihres Währungsraums gebucht wurde und auf der Passivseite habe ich dann einen Merkposten, dass ich dies auch wirklich getan habe.“

      Was ich immer noch nicht verstanden habe (Herr Tischer hatte sich bereits in den letzten Tagen dazu mir gegenüber mit Erklärungen bemüht), wie kann eine Forderung („an die Bürger ihres Währungsraums“), die nicht wieder ausglichen werden soll in der Bilanz einer NB als werthaltig angesehen werden ?
      Offensichtlich habe ich hier ein Brett vor dem Kopf…

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Um Ihnen das Warten auf den Meister des Gelds zu verkürzen, hier meine Laien-Erklärung.

        Um einerseits formal im Buchungsmodus verbleiben zu können, andererseits die Schaffung von Helikoptergeld nicht dem Verfahren der Geldschöpfung von Geschäftsbanken zu unterwerfen, müssen die Begrifflichkeiten in bestimmter Weise QUALIFIZIERT werden:

        „Forderung“ ist hier lediglich eine nominale Größe, aber kein real werthaltig unterlegte, weil sie EWIG ist, d. h. NIE in der Außenwirkung Geltung erlangt.

        Und die Gegenbuchung ist als NUR-Merkposten für den Buchhalter der Zentralbank ebenfalls nur eine nominale Größe, die NIE Außenwirkung erlangen kann.

        Das Buchungsverfahren der Zentralbank bezüglich Helikoptergelds lässt sich daher auch so charakterisieren:

        Den buchhalterischen Begriffen wird durch quasi METAPHYSISCHE Aufladung die ihnen innewohnende realwirtschaftliche Funktionalität entzogen.

        Oder, nicht ganz so vornehm ausgedrückt:

        Buchhaltung – außenwirksam KASTRIERT.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Den buchhalterischen Begriffen wird durch quasi METAPHYSISCHE Aufladung die ihnen innewohnende realwirtschaftliche Funktionalität entzogen.“

        Wenn Buchhaltung zu Metaphysik wird, kann die einzige sinnvolle Reaktion darauf nur sein, die derartig degenerierte Währung als Tauschmittel abzulehnen. Dann sind die Meister des Geldes in der entsprenchenden Währung allerdings handlungsunfähig.

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