Sehen wir 666 im S&P je wieder?

Dieser Kommentar von mir erschien bei der WirtschaftsWoche:

Den Finanzkrisen-Crash von 2009 haben Anleger längst verdaut. Neue Analysen zeigen jedoch, dass China und die Notenbanken die Weltwirtschaft zu früh retteten. Warum neue Tiefpunkte an der Börse noch immer möglich sind.

In der kommenden Woche nähert sich ein denkwürdiges Jubiläum. Am 6. März 2009 erreichte der S&P 500 seinen letzten Tiefpunkt. Am Nachmittag dieses Freitags fiel der amerikanische Leitindex S&P 500 auf das Niveau von 666 Punkten. Keine 18 Monate zuvor hatte er noch bei über 1500 Punkten notiert. Die Finanzkrise wütete und ich erinnere mich noch sehr gut an die damaligen Diskussionen, die um die Frage kreisten, ob es den Regierungen und Notenbanken gelingen würde, eine neue große Depression zu verhindern. Immerhin war der Absturz nach allen Maßstäben dramatischer als 80 Jahre zuvor. Obwohl die US-Börse schon mehr als 57 Prozent vom Höchststand eingebüßt hatte, genügte viel Mut dazu, zuzugreifen.

Wer es an diesem Tag wagte, in den Aktienmarkt zu gehen, der wurde reichlich belohnt. Seither hat die US-Börse um 320 Prozent zugelegt, was die Korrektur im letzten Quartal 2018 in anderem Licht erscheinen lässt. Für Aktionäre waren die letzten zehn Jahre sehr erfreulich, dürften die Erträge doch wenn man die Dividenden mit einrechnet, deutlich über 400 Prozent liegen.

Frühe Wende

Rückblickend ist es leicht, Wendepunkte an den Märkten zu identifizieren. Wenn man mitten im Getümmel ist, fällt dies schon deutlich schwerer. Vor allem deshalb, weil wirkliche Tiefpunkte an den Börsen selten sind. In den USA gab es im letzten Jahrhundert vier solche Wendepunkte: 1921, 1933, 1949 und 1982. Schaut man sich diese Wendepunkte genauer an, stellt man fest, dass es vor zehn Jahren kein wirklicher Tiefpunkt gewesen sein muss.

Der Analyst Russell Napier hat dies in einem interessanten Buch analysiert. Demnach herrscht an den Tiefpunkten der Bärenmärkte eine schlechte Stimmung, was man mit Sicherheit für 2009 feststellen kann. Die Nachrichtenlage war sehr schlecht und Umfragen unter Investoren ergaben eine Skepsis, wie noch nie zuvor. Der Kassenbestand der Investoren war sehr hoch, viele hatten sich nach den dramatischen Verlusten aus dem Markt zurückgezogen. Die britische FINANCIAL TIMES begann mit einer neuen Serie zur „Zukunft des Kapitalismus“ und es stand in der Tat zu befürchten, dass die Krise außer Kontrolle geraten würde. So gesehen die typischen Merkmale für einen Tiefpunkt.

Andererseits habe ich auch immer wieder diskutiert, wie wichtig nicht nur die Stimmung, sondern auch die fundamentalen Faktoren bei der Bewertung der Märkte sind. Hier zeigt sich, dass 2009 mitnichten die Kriterien eines Wendepunktes im Bärenmarkt markiert, zumindest wenn man sich an den historischen Beispielen orientiert. So war der Markt, gemessen an Indikatoren wie dem Shiller-PE, das einen rollierenden Durchschnitt vergangener Gewinne heranzieht und Tobins Q, welches den Marktwert in Relation zu den Wiederbeschaffungskosten der Vermögenswerte stellt, zwar günstiger als im Durchschnitt der vorangegangenen Jahre, aber weit davon entfernt, billig zu sein. Das Shiller-PE war im März 2009 zwar unter 12 gefallen und damit so tief wie seit 1986 nicht mehr. Die anderen Tiefpunkte waren bei Bewertungen von 5,2 (1921), 7,8 (1933), 9,1 (1949) und 6,7 (1982). So gesehen, hatte der S&P 500 aus Sicht jener, die mit einem ausgeprägteren Bärenmarkt rechneten, noch einige Luft nach unten.

China und die Notenbanken

Dass es nicht so weit gekommen ist, liegt an zwei wesentlichen Faktoren. Zum einen hat China ein Konjunkturprogramm historischen Ausmaßes aufgelegt und mindestens 500 Milliarden US-Dollar in die eigene Wirtschaft gepumpt. Großzügige Kreditvergabe und massive Investitionen in die Infrastruktur des Landes verhinderten nicht nur eine auch politisch gefährliche Krise im eigenen Land, sondern rettete die ganze Weltwirtschaft, die schon damals unter enormen Schulden litt. Man kann es nicht anders sagen, die Führung in China hat die damals noch freie Verschuldungskapazität des Landes genutzt, um der Welt eine erneute Große Depression zu ersparen.

Die anderen Retter der Welt waren die Notenbanken. Zwar tragen sie, wie an dieser Stelle mehr als einmal erklärt, erhebliche Mitschuld an der Überschuldungssituation, in der wir uns immer mehr befinden, doch war es 2009 sicherlich richtig, die Politik des billigen Geldes noch aggressiver fortzusetzen. So senkte die Fed die Zinsen auf 0,25 Prozent und die Bank of England beschloss am 6. März 2009 mit Quantitative Easing zu beginnen, also dem direkten Aufkauf von Wertpapieren. Die in Japan schon (erfolgreich?) befolgte Strategie wurde rasch auch in den USA und in Europa erst nach einigen weiteren Krisenrunden von der ECB verfolgt. Theoretisch sollte so der Politik Zeit gekauft werden, die Grundursachen von Finanz- und Eurokrise anzugehen. Das Komplettversagen der Politiker, dies in den letzten zehn Jahren getan zu haben, wird sich in der nächsten Rezession bitter rächen.

China und die Notenbanken haben also die Börsen früher gerettet als zu anderen Zeitpunkten. Die Frage ist nur, war es das schon?

Sag niemals nie?

Skeptiker wie Russel Napier sagen: nein. Wir haben zwar einen Bullenmarkt, der kurz davor ist, der längste der Geschichte zu werden. Aber es ist nicht ausgemacht, dass wir nicht doch noch einen wirklichen Tiefpunkt an der Wall Street erleben. Das Shiller-PE liegt zurzeit wieder auf einem Blasenniveau von rund 30, tiefer als im Jahr 2000, aber nicht wesentlich unter dem Niveau von 1929. (Die Daten finden sich übrigens alle im Internet). Dies alles in einem Umfeld, in dem alles optimal verläuft: Die Steuersenkungen Donald Trumps treiben die Unternehmensgewinne, die Unternehmen nutzen den Cashflow für den Aufkauf eigener Aktien und für Übernahmen, die Zinsen scheinen nun doch nicht zu steigen und selbst im Handelskonflikt mit China deutet sich eine Lösung an.

Nun mag das tiefe Zinsniveau höhere Bewertungen rechtfertigen, wie einige Beobachter anmerken. Andererseits sind die tiefen Zinsen eben auch das untrügliche Zeichen, dass etwas nicht stimmt mit der Wirtschaft. Entweder signalisieren sie langfristig geringere Wachstumsraten, was wiederum für weniger Gewinnwachstum und damit tiefere Bewertungen spräche. Oder aber die Zinsen sind so tief, weil sonst die Illusion nicht mehr aufrechterhalten werden kann, die angehäuften Schulden würden ordnungsgemäß bedient. Zombie-Banken und -Unternehmen können nur zu Tiefstzinsen am Leben bleiben.

 Angemessen wäre in einem solchen Umfeld wohl eher ein Shiller-PE von 15, was locker einer Halbierung der Kurse an der Wall Street entspräche. Billig wären Aktien wohl erst, wenn wir sie zu einem Shiller-PE von 10 kaufen könnten. Luft nach unten aus Sicht jener, die mit fundamentalen Bewertungen argumentieren. So oder so ist unstrittig, dass, wer auf heutigem Niveau kauft, auf Sicht von zehn Jahren nur maue Renditen erwarten darf.

Goldilocks – wie lange noch?

Börsianer sprechen von einem Goldilocks- Umfeld, wenn man auf die US-Märkte blickt. Die Konjunktur ist immer noch gut genug, um die Unternehmensgewinne nicht zu gefährden. Die Zinsen bleiben tief genug, um die aufgehäuften Schuldenberge nicht zu einer zu großen Last werden zu lassen. Doch fragt sich, wie lange dieses Szenario noch glaubhaft bleibt. In den USA laufen die Effekte der Steuersenkungen aus – die ohnehin enttäuschend waren, weil die Unternehmen nicht investiert haben – während die Konsumnachfrage zuletzt deutlich zurückging. Vorlaufende Indikatoren zeigen eine deutliche Abschwächung der Konjunktur. Erste Stimmen werden laut, die fordern, dass die Fed nicht nur aufhört, die Zinsen zu erhöhen, sondern dazu übergeht, sie zu senken, um eine Rezession noch zu verhindern.

In China belasten zeitgleich die Bemühungen, das Schuldenmonster unter Kontrolle zu bringen, die Konjunktur. Zwar steuert die Regierung gegen und setzt seit Anfang des Jahres wieder auf deutliches Kreditwachstum. Nach dem Schuldenboom der letzten Jahre hat die Wirkung neuer Kredite auf die Realwirtschaft jedoch auch in China deutlich nachgelassen und es ist wie in den westlichen Industrieländern fraglich, ob die Strategie der Bekämpfung einer durch zu hohe Schulden ausgelösten Krise durch noch mehr Schulden dauerhaft funktionieren kann.

Bei uns in Europa leisten wir uns derweil ein gefährliches Theater um den Brexit, zunehmende politische Spannungen in der EU und eine Eurozone, die die letzte Krise noch gar nicht richtig überwunden hat und auf eine neue Rezession zusteuert. Italien dürfte bereits wieder in der Rezession stecken.

Nicht das Umfeld, in dem man auf große Gewinne setzen sollte. Besser an der bewährten Strategie der Diversifikation über Assetklassen (Liquidität/Anleihen, Aktien, Immobilien, Gold) und Regionen (wichtig: nicht zu viel in Europa!) festhalten und sich auf turbulente Monate einstellen. 666 Punkte werden wir wohl nicht mehr wiedersehen. Aber wer mag 1500 ausschließen angesichts des Umfelds, in dem wir uns befinden?

→ wiwo.de: „Die Finanzkrise war noch nicht der Tiefpunkt“, 28. Februar 2019

Kommentare (40) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Marloh sagte:

    bto: „… die Zinsen scheinen nun doch nicht zu steigen und selbst im Handelskonflikt mit China deutet sich eine Lösung an“.

    Das hängt zusammen: weil China (vielleicht) beidreht, lässt die Fed als Zentrum der angelsächsischen Machtpolitik das System (erstmal) weiteratmen.
    Wehe, wenn der Streit wieder aufflammt.

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      Besten Dank für den Link! Sehenswert ist auch der gesamte Vortrag:
      https://www.youtube.com/watch?v=MBNAW2HKxPA
      Besonders bei 42:40 der Vergleich der Steuerzahlungen von Ikea zu einem lokalen Möbelschreiner.
      Wenn man weiß, daß J.C. Juncker Luxemburg zur europäischen Steueroase gemacht hat, weiß man auch, daß das Wohl der Bevölkerung in der Politik keine Priorität hat.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger

        In Luxemburg hat es wohl eine Rolle gespielt, weil auch eine Steueroase für Beschäftigung sorgt.

        Einer der wesentlichen Unterschiede ist eher der:

        Der lokal entstandene Möbelschreiner kann schon mal pleitegehen, denn eine solche Pleite wird unter Einzelschicksal verbucht.

        Der hinzukommenden IKEA wird erstens im lokalen Bieterwettbewerb die Standortentscheidung versüßt und zweitens kann das Unternehmen nur schwerlich pleitegehen, weil die Summe der Einzelschicksale zu groß ist.

        Nicht alles, aber vieles lässt sich mit Strukturschwäche und Arbeitsplätzen erklären.

        Zwar tarieren auch die Märkte Interessen aus und die Menschen akzeptieren das auch, wenn die eingekaufte Ware billig ist.

        Aber das erwartete und verlangte „billig“ können die Unternehmen bei weitem nicht immer unter Marktkonditionen erzielen.

        Die Politik wird daher unter dem Druck der Bevölkerung/Wähler die Entwicklung oftmals nicht den Marktkräften überlassen und wettbewerbsverzerrend eingreifen – mit Steuererleichterungen, geringeren Abgaben, geänderten Bebauungsregeln oder öffentlich finanzierter Anbindung an das Schienen- oder Straßennetz etc.

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        Ulrich Remmlinger sagte:

        Herr Tischer, ich kann in ihrer Argumentation keine Rechtfertigung für die Existenz von Steueroasen wie Luxemburg oder Malta innerhalb der EU erkennen. Wenn IKEA seinen Gewinn nicht nach L transferieren könnte und Steuern wie in D bezahlen müßte, würde das in den Endpreisen der Waren kaum sichtbar. Kamprad hätte wohl trotzdem zu den reichsten Menschen der Welt gezählt.
        Die EU kann die Motorleistung von Staubsaugern begrenzen und die Bürger gängeln, aber eine Vereinheitlichung der Unternehmenssteuern ist dagegen nicht möglich. Entweder wir haben nationale Gesetze mit Grenzen und Zöllen oder einen einheitlichen Binnenmarkt ohne Zölle, aber mit vergleichbaren Steuersätzen. Was wir heute mit den Steueroasen und dem Transfer der Gewinne haben, dient nur der Gewinnmaximierung der Konzerne.
        Selbst Johannes B. Kerner hat eine Briefkastenfirma in Malta. Bei mir dagegen werden die Steuern schon vom Verdienst einbehalten.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger

        >… ich kann in ihrer Argumentation keine Rechtfertigung für die Existenz von Steueroasen wie Luxemburg oder Malta innerhalb der EU erkennen.>

        Ich auch nicht – habe nichts gerechtfertigt.

        Es geht um Ihre Feststellung:

        >Wenn man weiß, daß J.C. Juncker Luxemburg zur europäischen Steueroase gemacht hat, weiß man auch, daß das Wohl der Bevölkerung in der Politik keine Priorität hat.>

        Es hat angesichts der wegbrechenden Schwerindustrie in und um Luxemburg herum sehr wohl Priorität gehabt:

        Siehe hier, seit 1975:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftsgeschichte_Luxemburgs

        Man muss es einfach verstehen:

        Wenn die Steuern hoch sind, dann mindern sie den Gewinn von Unternehmen sowie das Vermögen und Einkommen von Personen.

        Also wird es Angebote geben, hoher Besteuerung zu entkommen, etwa von Luxemburg. Und das insbesondere, wenn dort wie auch anderswo – in Irland z. B. – gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen.

        Es ist völlig normal, dass das ein ANREIZ ist, die Steuerlast zu verringern und derartige Angebote auch genutzt werden – erst einmal nichts weiter als Wettbewerb unter Staaten.

        Inwieweit das im Rahmen der EU zu verhindern ist, wenn Staaten auf ihre Souveränität pochen können, nach eigenem Ermessen zu besteuern, lasse ich mal weg.

        An diesem Punkt entsteht KEIN Schaden – weder für den Staat, aus dem das Unternehmen steuerlich geflüchtet ist, noch für dessen Bewohner.

        Richtig ist allerdings:

        Wenn die steuerflüchtigen Unternehmen und Personen KRIMINELL handeln, d. h. ihre Steuern nicht wie gesetzlich vorgeschrieben bezahlen, MUSS der Staat eingreifen und die Täter verfolgen.

        Das ist der eine Aspekt, der andere ist, dass man natürlich versuchen kann eine Harmonisierung der Besteuerung unter den Staaten herbeizuführen. Oder auch wie geschehen: Eine Supermacht wie die USA kann schweizer Banken den lukrativen Marktzugang verweigern, wenn diese keine Daten herausrücken.

        Die Käufe von CDs mit Daten deutscher Staatsbürger, die Konten in der Schweiz haben, sind moralisch höchst fraglich, weil beim Kauf bekannt war, dass es sich um gestohlene Daten handelte.

        Mit Blick auf die Steuergerechtigkeit war die Beschaffung allerdings vollkommen gerechtfertigt.

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        MFK sagte:

        Diese Steuerdiskussion ist bar jeder Sachkenntnis. Die Besteuerung der Schreinerei ist die Endbesteuerung weil Einzelunternehmen. Was ist aber mit der IKEA Holding. Wie werden die Eigentümer dieser Holding besteuert? Bevor man das nicht weiß, ist jede Diskussion sinnlos. Überhaupt macht es Sinn, die Unternehmen überhaupt nicht zu besteuern, sondern die Besteuerung auf die Ebene der Eigentümer zu verlagern.

        Ansonsten viel populistisch zweifelhafter Klamauk. Beispiel Mütterrente. Haben wir schon. Ansonsten verweise ich auf die Witwenrente. Berufsständische Versorgungseinrichtungen zahlen unverheirateten Mitgliedern schon mal 20% Aufschlag auf ihre Rente, damit sie nicht den Herbert Wehner machen. Was ist sonst gemeint gewesen? Müttern, die nie gearbeitet haben eine höhere Rente zu zahlen, als wenn sie ihr Leben lang gearbeitet hätten?

        Ansonsten seien auch die beiden daran erinnert, in the long run we are all dead.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ MFK

        >Bevor man das nicht weiß, ist jede Diskussion sinnlos. Überhaupt macht es Sinn, …>

        Sie verstehen diese Diskussion anscheinend nicht.

        Es geht lediglich darum, zu erklären, WARUM es im Zusammenhang mit der Besteuerung bestimmte Sachverhalte gibt, die vermeintlich oder tatsächlich nicht dem sogenannten Wohl der Bevölkerung dienen.

        Damit wird nicht gesagt, dass es sinnlos sei, darüber zu diskutieren, WELCHE Besteuerung mit Blick auf welche ZIELE sinnvoll oder nicht sinnvoll bzw. richtig oder nicht richtig ist.

        Das wäre eine wichtige Diskussion, ist aber eine andere.

        Ich behaupte:

        Die Diskussion darüber, was richtig und falsch wäre, VERNACHLÄSSIGT vielfach, warum die Zustände so sind, wie sie sind.

        Wenn man sie verändern will – und das sollte man in der Tat wollen, wie auch ich immer wieder betont habe – muss man schon verstehen, auf was sie beruhen.

        Denn „sollte“ ist eine Sache, wie es zu schaffen ist, eine ganz andere.

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        MFK sagte:

        Sorry Herr Tischer aber ich diskutiere über komplexe Steuerfragen nicht auf Stammtischniveau und genau das ist es was W&F hier vorführen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ MFK

        Ist in Ordnung, diskutieren Sie über komplexe Steuerfragen.

        Wie viele das hier interessiert, wenn die Fragen wirklich komplex sind, weiß ich nicht.

        Ich bin aber sicher, dass Ihnen niemand Steine in den Weg legen wird.

        Zu W & F:

        Ich habe mich nicht mit deren Ausführungen zu IKEA befasst, werde es auch nicht tun und habe mit Aussagen zu IKEA lediglich den BEZUG aufgenommen, den @ Ulrich Remmlinger zu Juncker hergestellt hat.

        Unabhängig davon finde ich es HILFREICH, wenn den Leuten – normalen Menschen, die in einer schwierigen finanziellen Situation einen Bankkredit brauchen, aber keinen erhalten – dargelegt wird, dass der italienische Staat, der so gut wie insolvent ist, keine Probleme hat, Kredite zu bekommen.

        Es so zu tun wie W &F, ist m. A. n. sehr instruktiv und wird vielleicht dem einen oder anderen wenigsten einen Spalt weit die Augen öffnen.

        Das kann nicht verkehrt sein.

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        Quintus sagte:

        Ich denke 86.674 aktuell tätige Steuerberater in Deutschland sprechen eine klare Sprache was man in diesem unserem Lande WILL! Gewollte, beabsichtigte Verkomplizierung bei allen Steuerfragen um eine hohe Anzahl sehr gut verdienender, aber eigentlich im weitaus geringerem benötigten Maße, Steueroptimierer mit Speck einzureiben. Von den dazu notwendigen Beamten zur Überprüfung dieser Verschachtelungen
        gar nicht zu reden. Herr Tischer, ich freue mich jedesmal über ihre tiefergehenden Analysen, die sich erfreulich von all den anderen Beiträgen abheben.

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      troodon sagte:

      Wer, wie W&F im verlinkten Video, einen Kredit an einen Arbeitslosen mit einem Kredit an Italien vergleicht, nutzt populistische Methoden. Auch bei den beiden gilt, dass sie ihre Bücher verkaufen müssen. Und da scheint ihnen eine Vermengung von Tatsachen und schrägen Vergleichen zur Steigerung der Auflage ganz recht zu sein.

      Denn mit der Vermögensanlage für Kunden sind sie bisher nicht erfolgreich, wie die Entwicklung ihres „Wertefonds“ zeigt, also muss wenigstens die Auflage der Bücher stimmen.
      „Es wird eine gleichmäßige Wertentwicklung
      angestrebt um das Fondsvermögen vor Kaufkraftverlust durch Inflation zu
      schützen.“ https://www.comdirect.de/inf/fonds/detail/uebersicht.html?ID_NOTATION=178926510

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        >Wer, wie W&F im verlinkten Video, einen Kredit an einen Arbeitslosen mit einem Kredit an Italien vergleicht, nutzt populistische Methoden.>

        Schon richtig, dies einen schrägen Vergleich zu nennen – ein Staat ist nun einmal etwas ganz anderes als ein Individuum

        Aber es ist m. A. n. nicht „schräg“ darauf zu verweisen, dass der italienische Staat – vergleichsweise extrem hoch verschuldet – seine Verschuldung bei sinkenden Zinsen erhöhen konnte.

        Das hat nichts mehr mit einem Arbeitslosen zu tun, sondern mit gewollten Eingriffen in marktgängige Finanzierungsmodalitäten.

        Das darf schon mal laut und deutlich gesagt werden.

        Mein Plädoyer für W&F endet hier, ich befasse mich auch nicht mit den beiden, habe mir nur diesen kurzen Filmausschnitt angesehen.

        Ansonsten:

        D’accord.

        Die beiden leben vermutlich von ihren Büchern und müssen halt immer im Gespräch bleiben.

        Je notwendiger das zu sein scheint, desto marktschreierischer werden die öffentlichen Auftritte.

        PS:

        Damit dieser Gedanke nicht falsche Assoziationen weckt, merke ich ausdrücklich an, dass Dr. Stelter meiner Überzeugung nach nicht von seinen Büchern lebt bzw. leben muss, jedenfalls materiell auf Einkommenserzielung bezogen nicht.

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        troodon sagte:

        @ D.T.
        Selbstverständlich weisen W&F auf viele richtige Dinge hin. Und ich wünschte mir auch, dass sich mehr Bürger für diese Themen interessierten.
        Aber marktschreierische Auftritte sind eben tatsächlich nicht meins… Insbesondere dann nicht, wenn damit für die eigene Honorarberatung geworben wird.

  2. Avatar
    Markus sagte:

    Ich denke auch, dass die Verschuldungskapazität noch gesteigert werden kann mit allen negativen asozialen Nebeneffekten.

    Wir können in Deutschland z.B. noch die Universitäten privatisieren und Studienkredite vergeben, die Krankenkassenleistungen wesentlich verteuern und das Delta die Menschen privat finanzieren lassen (USA machen es vor). Massive Preissteigerungen bei der Wasserversorgung würden auch helfen. Ein Mensch braucht Wasser. Bevor er verdurstet, nimmt er jeden Kredit auf. Gleiches gilt für Luft (sogar noch besser geeignet, weil schon nach ein paar Minuten der Anreiz für eine Kreditaufnahme sehr groß wird). Eine Verteurung der Nahrungsmittel würde die Kreditaufnahme auch ankurbeln, wenn auch nicht ganz so effizient wie bei Luft. Die Verteuerung des Wohnraumes ist dagegen schon fast ein alter Hut, aber hier ist natürlich auch noch Luft nach oben. Mieter nehmen bisher selten Kredite für die Bezahlung der Miete auf.

    Wer Ironie oder gar Sarkasmus in diesem Kommentar findet, der mag ihn gerne behalten.

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      Größtenteils OT: Gerechtigkeitsempfinden sagte:

      Ist das gerade Zeitgeist, dass das Gerechtigkeitsempfinden mit Füssen getreten wird (wie z.B. Moral Hazard bei Finanzdingen) ?

      Aber auch im Strafrecht gibt es komische Entscheidungen.
      „Tod anderer billigend in Kauf genommen“ = Mord? Was ist an „billigend in Kauf nehmen“ vorsätzlich? https://www.tagesschau.de/inland/bgh-raser-mord-101.html

      PS: Wenn das zu OT ist, einfach den Beitrag löschen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Größtenteils

        Das Gerechtigkeitsempfinden ist im Kontext gesellschaftlicher Sachverhalte KEINE unabhängige Größe, die sozusagen den Menschen unveränderlich anhaftet.

        Sie ist zwar derart eine Determinante, aber auch eine, die öffentlichen Raum andere Konturen gewinnt.

        Will sagen:

        Moral Hazard in der Finanzindustrie ist nicht nur, aber auch ganz wesentlich eine Folge der Deregulierung im Finanzwesen, die aus nachvollziehbaren, aber heute als falsch verstandenen Überlegungen der Politik verfolgt wurde.

        Die Moral der Menschen hatte die Deregulierung nicht verlangt, aber die Menschen waren ihren Erwartungen bzw. Forderungen gemäß zumindest nicht dagegen.

        Als die Finanzindustrie überführt wurde, die Deregulierung missbraucht und sogar KRIMINELL missbraucht zu haben, war der Aufschrei groß. Noch größer war er, als Mrd. an Steuergeldern für die Sicherung der Funktionalität der Finanzindustrie eingesetzt werden mussten.

        Zu Recht, aber auch mit Unverständnis.

        Nicht erkannt wird in der breiten Öffentlichkeit bis heute, dass die ANREIZE für Moral Hazard in der Finanzindustrie aus bestimmten, durchaus rationalen Überlegungen bezüglich der Interessen vieler Normalbürger quasi nebenbei mit entstanden sind.

        Es war ganz sicher NICHT gewollt, die Finanzindustrie zu einer Missbrauchs- und Verbrecherorganisation werden zu lassen – auch nicht von ihren Vertretern war das gewollt.

        Damit wir uns nicht missverstehen:

        Ich versuche zu erklären, ich rechtfertige keinen Missbrauch und keine Verbrechen.

        Siehe auch weiter unten meinen Kommentar @ Ulrich Remmlinger

  3. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    @ troodon

    Freut mich, dass Sie den Ball aufgenommen haben.

    Es wäre auch aus meiner Sicht wünschenswert, wenn sich andere Gedanken machten zu einer Angelegenheit, die JEDEN betrifft.

    Meine vorsichtigen Einschätzungen:

    a) ja, auch ich glaube, dass die Aufschuldungskapazität bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist – es gibt noch viel Luft nach oben.

    ABER:

    Die Luft wird dünner – und damit die Absturzgefahr GRÖSSER.

    Wenn es so ist, wie unser Meister verkündet, dass nämlich die europäischen Banken (eigentlich) pleite seien, dann ist die Luft bereits dünn und dann ergibt auch Folgendes einen eher dunklen Sinn, ohne gleich den Weltuntergang daraus abzuleiten:

    https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/bargeld-als-zahlungsmittel-starke-nachfrage-nach-dollar-noten-16065602.html

    Der letzte Satz hat es jedenfalls in sich:

    >So hat die Deutsche Bundesbank vor etwa einem Jahr mitgeteilt, dass etwa 90 Prozent der in Deutschland ausgegebenen Banknoten nie als Zahlungsmittel Verwendung finden, sondern aufbewahrt werden – in Deutschland, in anderen Ländern der Eurozone oder außerhalb der Eurozone.>

    Warum ist das so?

    b) eine global massiv ausufernde Fiskalpolitik kann im Zusammenspiel mit den Notenbanken möglicherweise das System stabilisieren. Sie würde es aber auch VERÄNDERN und zwar m. A. n. so, dass wir unserem Selbstverständnis nach nicht mehr das wären, was wir heute unter „Mensch sein“ verstehen. Der Anpassungsprozess wirft viele Fragen auf.

    c) die technologische Entwicklung ist eine weitgehend offene Frage mit Blick auf die Folgen insbesondere bezüglich der Beschäftigung, aber auch der Lebensgestaltung. Die Lebenswelten werden sich ändern, weg vom Materiellen (erst haben, dann nutzen) hin zum spielerischen Virtuellen (nutzen, ohne haben zu müssen). Damit sind Umbrüche verbunden, die gerade uns treffen werden als eine Volkswirtschaft, die (noch) in hohem Maß auf der Güterherstellung basiert.

    Fazit:

    Durchaus identifizierbare Linien, die sich aber mit heutigem Sichtvermögen im Nebel kreuzen – oder verlieren.

    Ich habe das Privileg, weit zurückblicken zu können und bin überzeugt:

    Gegenüber früheren Jahrzehnten sind die Veränderungen in breiterem Umfang fundamentaler und ihre interaktive Dynamik hat deutlich zugenommen.

    Die Unsicherheit wächst und in gewisser Weise sind wir überfordert, ihr zu begegnen.

    Die Schlussfolgerung, dass man sich daher am besten nicht darum kümmert, wohin die Reise geht, halte ich allerdings für fatal. Es wäre eine Vogel-Strauß-Politik, die wir uns nicht leisten sollten.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Schöner Kommentar mit interessanter historischer Rückbewertung, der zum Nachdenken anregt über

    a) über die zukünftige Entwicklung des S&P 500 und anderer Indizes bzw. Kapitalmärkte

    und/oder

    b) was dieses Mal anders sein könnte

    Ich sage nicht WIRD, sondern KÖNNTE mit Blick auf folgende Aussage, der ich zustimme:

    >Dass es nicht so weit gekommen ist, liegt an zwei wesentlichen Faktoren. Zum einen hat China ein Konjunkturprogramm historischen Ausmaßes aufgelegt und mindestens 500 Milliarden US-Dollar in die eigene Wirtschaft gepumpt …

    Die anderen Retter der Welt waren die Notenbanken. Zwar tragen sie, wie an dieser Stelle mehr als einmal erklärt, erhebliche Mitschuld an der Überschuldungssituation, in der wir uns immer mehr befinden, doch war es 2009 sicherlich richtig, die Politik des billigen Geldes noch aggressiver fortzusetzen.>

    „sicherlich richtig“ meint nicht nur die Bewertung des S&P 500, sondern auch die Verhinderung einer erneuten Großen Depression.

    Man kann lange darüber diskutieren, ob es bei Betrachtung langfristiger Entwicklungen nicht besser gewesen wäre, sie nicht zu verhindern.

    Ich will mich hier nicht daran beteiligen, verweise allerdings auf die verheerenden Katastrophen durch WK II und die Folgen (u. a. Millionen Tote unter Stalin und Mao), die nicht ohne Einbeziehung der Großen Depression erklärt werden können.

    Mich interessiert vielmehr die Antwort auf folgende Frage:

    Welche zwei Faktoren könnten bei der nächsten Finanzkrise ins Spiel kommen, damit es nicht wieder so weit kommt, d. h. eine (nächste) Große Depression abgewendet wird.

    Soweit ich sehe, besteht großes Einverständnis an diesem Blog, dass die Notenbanken mit dem Aufkauf von Schulden gleich welcher Qualität und mit Helikoptergeld auf der monetären Ebene stark dagegen halten könnten. Die Folgen werfen ernst zu nehmende Fragen auf, vor allem dann, wenn eine solche Geldpolitik länger betrieben wird. Darüber ist viel diskutiert worden, kann hier außen vor bleiben.

    Die eigentliche Frage ist demnach, ob China noch einmal ein „Weltkonjunkturprogramm“ auflegen kann oder will und wenn nicht, wer es dann kann oder will, wenn man der Auffassung ist – und ich bin der Auffassung -, dass eine Geldschwemme es allein nicht richten könnte.

    Wer also?

    Eine Antwort könnte lauten:

    Wenn nicht China als Einzelland, dann eine „Weltfiskalpolitik“, d. h. alle Staaten generieren zeitgleich fiskalisch die Nachfrage, die für die Systemstabilität erforderlich ist.

    An diesem Punkt wird es schwierig:

    In welcher Situation sind die Länder, wollen ihre Regierungen sich einreihen oder sehen sie die Chance, Partikularinteressen durchzusetzen?

    Oder sehen sie vielleicht sogar die Chance, Dauerkonflikte zu ihren Gunsten lösen zu können, wenn andere in Instabilität geraten?

    Ich frage hier nur nach den BEDINGUNGEN, unter denen eine mögliche Große Depression, die dann vermutlich eine GLOBALE bisher nicht gekannten Ausmaßes mit nicht annähernd einschätzbaren Folgen (anhaltende Massenemigration aus Afrika nach Europa?) sein könnte, zu vermeiden sein würde.

    Aber natürlich:

    Man kann und man SOLLTE sich mit dem S&P 500 beschäftigen, wenn man GLAUBT, dass es ein Danach gibt, bei dem es mit einem wie auch immer vollziehbaren bzw. vollzogenem RESET 3.0 weitergeht und zwar: GEORDNET weitergeht.

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      troodon sagte:

      @ D.T.
      „Ich frage hier nur nach den BEDINGUNGEN, unter denen eine mögliche Große Depression, …, zu vermeiden sein würde.“

      Da bin ich auf Antworten gespannt.

      Ich mache es mir einfach, beantworte die Frage nicht und hoffe, dass ich richtig liege, wenn ich annehme, dass die Aufschuldungskapazität bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist und uns noch mehrere Jahrzehnte neue Verlängerungen schafft.

      Ansonsten bleibt nur die Hoffnung, dass langfristig (über die nächsten Jahrzehnte hinaus) der technologische Fortschritt so weit reicht, dass die Menschen sich überwiegend mit dem beschäftigen, was sie wollen und die Roboter übernehmen die eigentliche Arbeit. Wohlstand für alle ohne die Gefahr, dass eine Depression überhaupt noch entsteht. Und denen, die dann doch noch die Roboter etc. entwickeln müssen, geht es noch etwas besser als den anderen.
      Schlaraffenland (auskömmliches Grundeinkommen) für alle…

      Und nun hoffe ich, dass andere hier sachgerechte Hinweise geben können, die dem Niveau Ihrer Frage mehr gerecht werden, als ich es kann.

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    Zweifler sagte:

    Irgendwie scheine ich auf dem falschen Dampfer zu fahren, das heißt, ich benutze möglicherweise die falschen Finanzmedien. Es geschieht nämlich immer genau das Gegenteil von dem, was dort prognostiziert wird.
    Trump und China werden mittels Handelszöllen eine Rezession verursachen? Nein, sie sind dabei eine Lösung auszuhandeln. Weit und breit keine Rezession.
    Trump wird Nordkorea dem Erdboden gleichmachen? Nein, sie treffen sich und plaudern.
    Der Brexit wird furchtbar für alle werden? Keine Spur, er wird verschoben und zweites Referendum kommt.
    Die Migrationswelle wird uns überrollen? Nix, es kommen immer weniger.
    Italien ist pleite und wird austreten? Keineswegs, die Renditen der italienischen Staatsanleihen fallen und fallen, kein schlechtes Zeichen.
    Die Notenbanken drucken zuviel Geld, es kommt eine schwere Inflation? Auch das nicht, die Inflation bleibt moderat.
    Ein großer Börsencrash ist im Anmarsch? Nichts. Außer ein paar Korrekturen, steigen die Aktienmärkte wie verrückt.
    Gold wird auf 5000 Dollar steigen? Kein Kommentar.
    Vielleicht sollte ich Dampfer zu wechseln?

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      troodon sagte:

      @ Zweifler
      Negative Nachrichten verkaufen sich nun einmal besser. Und irgendetwas muss nun einmal immer geschrieben werden…

      Wenn man dafür anfällig ist, kann es ein Problem werden. Für die eigene Stimmung und auch für den Geldbeutel. D.h. ausdrücklich nicht, dass man diese negativen Meldungen nicht zur Kenntnis nehmen sollte. Man sollte sie definitiv zur Kenntnis nehmen.

      Man sollte beide Richtungen kennen und möglichst in der Lage sein, diese selbst abzuwägen. Und weil es niemand wirklich wissen kann, läuft es bei der Geldanlage, in Abhängigkeit der persönlichen Situation, häufig darauf hinaus breit zu streuen.
      Das ist LANGWEILIG und fühlt sich so gar nicht smart an. Das ist sooooo oldschool, dass kann doch gar nicht sinnvoll sein in der heutigen Zeit. Und smart wollen wir doch irgendwie alle sein. Am besten den anderen ein Stückchen voraus, mehr Durchblick haben. Bei der Geldanlage funktioniert dies nur selten DAUERHAFT… In anderen Bereichen des Lebens mag das anders sein.

      Mit dem Wissen, dass man mit einer breiten Streuung bei der Geldanlage
      immer etwas „falsch“ macht, ist es auch nicht einfach sich abzufinden. Aber da kommt nicht drum herum.

      Oder man setzt eben doch komplett auf die EINE Richtung und hofft, dass man recht bekommt.
      Wenn man das als Pessimist macht, führt das dann aber auch beim Eintritt nicht wirklich zu Glücksgefühlen, wenn um einen herum alles zusammenbricht und es eine wirkliche Depression gibt… Muss man mögen…

      Als vernünftig streuender Anleger wird man auch dieses Szenario im eigenen finanziellen Rahmen mit berücksichtigt haben.

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Zweifler

      Es ist schon ein bisschen komplizierter. Wenn Sie tatsächlich ein Medium gefunden hätten, dass verlässlich immer genau die falschen Prognosen abgibt, dann ist das ein super Kontraindikator. Genau so gut wie ein Berichterstatter, der immer mit seinen Einschätzungen richtig liegt.

      Tatsächlich treffen manchmal die optimistischen und manchmal die pessimistischen Einschätzungen zu, unabhängig von der ideologischen Schlagseite der jeweiligen Medien. Ein Beispiel: Die gleichen Medien, die jetzt über die angeblich anstehende Brexit-Verschiebung jubeln, hatten eine Entscheidung Pro-Brexit in der Volksabstimmung 2016 für nahezu unmöglich gehalten. Oder erinnern Sie sich an die Berichterstattung der deutschen Medien zu Trump, die auch völlig falsche Schlussfolgerungen brachte, wenn Sie sich alleine auf ARD und ZDF verlassen hätten wie die Umfrage-Opfer hier: https://imgur.com/a/hayqQyR

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    Wertpapie - Lombardkredit sagte:

    Allgemein kann man sagen, daß dann ein guter Zeipunkt erreicht ist, marktbreit in den amerikanischen Aktienmarkt zu investieren, wenn die amerikanischen Wertpapierkredite „Finra Margin Debt“ auf wenigstens die Hälfte des vorausgegangenen Höchststandes abgesunken sind:

    http://www.finra.org/investors/margin-statistics

    https://www.advisorperspectives.com/dshort/updates/2019/02/22/margin-debt-and-the-market-up-2-55-mom

    So war es jedenfalls im Jahr 2003 und 2009.

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    «En Guete!» sagte:

    Ich denke schon, daß die 666 Punkte im S&P 500 zukünftig wieder möglich sind, da die US-Unternehmen infolge von „financial engineering“ nutzlos verschuldeter sind als in der gesamten Wirtschaftsgeschichte jemals zuvor.

    Beispielsweise ist die Verschuldung der Firma Microsoft Inc., die im Jahr 2000 noch über 80% Eigenkapitalquote verfügte in den letzten 10 Jahren trotz nur gering steigender Umsätze und Gewinne um das viefache gestiegen, die Eigenkapitalquote beträgt heute nur noch 30%.

    Dies ist aber nur ein Beispiel für viele vergleichbare Entwicklungen, die bei bekannten Firmen wie Coca-Cola zu nur noch 20% und bei Mc Donalds infolge der Verrechnung der Verbindlichkeiten aus Aktienrückkäufen mit dem Eigenkapital sogar zu einer negativen Eigenkapitalquote von ./. 10% führt.

    Sehen Sie selbst nach – klick!

    Im Grunde wird für jeden einsichtig sein, daß es in Unternehmen immer veraltete Maschinen, Gebäude oder Software gibt, die anstatt dessen modernisiert und ersetzt werden könnten, sowie daß man anstatt eigener Aktien Konkurrenten in den noch bedeutend wirtschaftlich wachsenden Regionen der Welt aufkauft wie Asien, Indien oder Afrika.

    Die niedere Bewertung der wirtschaftlich noch stark wachsenden Konkurrenzunternehmen dort ist nur ein Fingerzeig darauf, wohin (und darunter) die überschuldete amerikanische Konkurrenz im nächsten Konjunkturzyklus zurückfallen wird.

    Das wird vergleichbar verlaufen wie japanische Unternehmen bis zu drei Dekaden benötigt haben, um mit die Zaitech-Schulden der 80er Jahre währenden der Bubbleeconomy damals abzubauen:

    https://www.fuw.ch/article/die-aktien-und-immobilienblase-in-japan/

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  8. Avatar
    troodon sagte:

    Und täglich grüßt das Murmeltier zum Thema Bewertung der Aktienmärkte…

    „Nicht das Umfeld, in dem man auf große Gewinne setzen sollte. Besser an der bewährten Strategie der Diversifikation über Assetklassen…“

    Damit ist eigentlich alles gesagt.

    Zukünftig niedrigere Erträge als in der Vergangenheit, die zudem noch unter deutlich höheren Schwankungen erzielt werden. Deshalb antizyklisch beim Aktienanteil handeln, keine Panik bekommen und strategische Anlagestrategien durchhalten. Damit sind die deutschen Privatanleger aber mehrheitlich. schon überfordert. Leider.

    Wenn “ (wichtig: nicht zu viel in Europa!) “ übernommen würde und gleichzeitig vor kurzer Zeit so wenig wie möglich US Aktien empfohlen wurde, China als möglicher Problemfall betrachtet wird, mit dann Auswirkungen auf ganz Asien (und die Welt), dann bleibt wohl nur @ Richard Ott Zimbawe und Jamaika…

    Und wenn man dann sinnvollerweise doch nicht Zimbawe und Jamaika möchte, dann muss man eben doch weltweit streuen und kommt an einem vernünftigen USA und Europa Aktienanteil nicht herum. Und selbstverständlich Asien bzw. generell die EM. Mann muss sich ja nicht am MSCI World Anteil orientieren.
    Chancen gibt es auf allen Märkten… und die immer bestehenden Risiken bekommt man sogar noch gratis oben drauf.

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      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Frank Präuner
        Buffet schränkt ein: „IF long term rates hold at 3%, stocks are cheap“
        (bezogen auf USA)
        Mit der Einschränkung ist ihm zuzustimmen.

        Was würde er da wohl bei deutschen Aktien sagen bei Langfristzinsen seit 4 Jahren unter 1% (aktuell ~0,2%) und einem deutschen CAPE (oder anderen Bewertungsmaßstäben) deutlich unter dem der US-Aktien ? Aber wir haben eben keinen Buffet…

        Die deutschen Privatanleger kommen eben mit temporären Verlusten häufig nicht klar und „erfreuen“ sich dann lieber an negativen Realzinsen… Ist dann wenigstens sicher.
        stupid, stupid…

      • Avatar
        Frank Präuner sagte:

        @troodon aber Herr Buffet sagt auch,daß er ohne jeden Zweifel dem Besitz von amerikanischen Aktien, einer 10 jährigen amerikanischen Anleihe vorzuziehen würde.
        Aber auch ein Herr Buffet hat keine Glaskugel.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Frank Präuner

        Ich habe ihn dabei so verstanden, dass es dann (10 year Bonds oder S+P 500) um buy and hold geht. Würde auch da noch zustimmen, aber zum Glück muss man solch eine Entscheidung nicht treffen und sich heute 10 Jahre binden.
        Denn in Verbindung mit seiner Einschränkung „IF long term rates hold at 3%, stocks are cheap“ kann das Ergebnis auch deutlich anders ausfallen, wenn die Zinsen deutlich darüber steigen (was ich aktuell nicht sehe und deshalb seine Sicht eher teile). Bei 6% Zins würde der S+P 500 zumindest temporär deutlich niedriger stehen als aktuell.

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        財テク sagte:

        Ich bin für amerikanische Standardwerte, wie sie Herr Buffett üblicherweise in seinem Investitionsvehikel „Berkshire Hathaway“ hälftig fremdfinanziert hält (Bilanzsumme US$ 800,0 Mrd.) aufgrund des in der letzten Dekade vorgenommenen „financial engineering“ recht pessimistisch, da man für den schönen Schein die Zukunft verpfändet hat und sich Vergleichbares aus der inzwischen vielfach erreichten Verschuldung nicht mehr wiederholen läßt.

        Der „Vorteil“ der Japaner war, daß diese die Null- und Niedrigzinspolitik in den 90er Jahren erst nach massiven finanziellen Exzessen und Krise daraus eingesetzt haben, die sich seither im Unternehmensbereich (Zaitech) nicht wiederholt haben.

        Während die Amerikaner nach der letzten Wirtschaftskrise zu lange an den Null- und Niedrigzinsen festgehalten und so erst die heutigen Exzesse im unternehmerischen Bereich ermöglicht haben.

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „…doch war es 2009 sicherlich richtig, die Politik des billigen Geldes noch aggressiver fortzusetzen.“

    Da bin ich mir überhaupt nicht sicher. Vielleicht werden wir nach der nächsten Krise sagen, dass es besser gewesen wäre, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen und besser 2009 etliche Insolvenzen zugelassen hätten. Denn, wie ja selbst Mario Draghi sagt, die „gekaufte“ Zeit mussvon der Politik genutzt werden, was die Politik aber – wie Sie selbst erwähnen – halt nicht getan hat und auch weiterhin nicht tut. Und m.E. auch nie tun wird, denn nur der Druck von Zinsen, Ratingagenturen bzw. Anlegern zwingt eine Regierung in einer Demokratie zum Haushalten.

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      Frank Präuner sagte:

      Sehr geehrter Herr Selig,

      vermutlich haben Sie Recht. Der Lerneffekt wäre für alle Beteiligten wahrscheinlich am Größten gewesen, wenn man die Sache ihren Lauf gelassen hätte un die Notenbanken nicht eingegriffen hätten. Der Mensch lernt offensichtlich nur dann, wenn die Schmerzen entsprechend gross sind.

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    • Avatar
      Quintus sagte:

      Ich bin vollkommen ihrer Meinung, doch nun stehen wir vor dem Dilemma, daß es auf diesem Planeten keinen derart potenten Nachschuldner mehr gibt, der China folgen könnte: Allein diesen Januar pumpte die PboC umgerechnet $685 Milliarden in ihren heimischen Finanz- und Kapitalmarkt. Diese Summe übersteigt die damalige Investitionssumme Chinas zur Rettung der Weltwirtschaft nach der Lehmanpleite. 2008 hatte Bear Stearns mit zeitlicher Verzögerung Lehmann Brothers in den Abgrund gerissen, danach wären Banken durch weltweite Verflechtung wie Dominosteine gefallen und hätte in Folge schwersten Schäden in der Realwirtschaft angerichtet. Die Bankenkrise hätte sich unaufhaltsam in die Realwirtschaft gefressen und es wäre eine Spirale nach unten losgetreten worden, welche ab einem gewissen Zeitpunkt unkontrollierbar wird und alle westlichen Staaten in eine fundamentale Krise gestürzt hätten. Politische Unruhen, anschließend Chaos bis hin zu Bürgerkrieg hätte uns als Szenario gedroht.
      Genau solch eine Horrorvorstellung droht uns nun wieder, doch die Sorglosigkeit vieler Beteiligter in Erwartung einer weiteren Rettungsaktion wird diesesmal, befürchte ich, zu Panik und Fehlhandlungen führen, welche dann kaum mehr kontrollierbar sein werden…..

      Ich zitiere Stefan Gruber aus seinem Buch: Ein Buch für Keinen
      Die Schuldenmisere:
      Schulden werden heute nicht mehr gemacht um noch durch Kontrakterfüllung beglichen zu werden und Kredit wird nicht mehr eingeräumt, weil eventuell noch Vertrauen auf Vermögen besteht. Mittlerweile wissen oder ahnen alle Wirtschaftsteilnehmer im Machtkreislauf, dass bei unserem Spiel Karten gezinkt und Würfel manipuliert sowie Spielregeln willkürlich und beliebig (von der Macht) änderbar sind – Alle haben sich aber stillschweigend oder laut krakeelend darauf geeinigt…..im Wesentlichen still zu halten und weiter zu spielen, solange das Aufschulden noch irgendwelchen bedauernswerten Nachschuldnern in „weit,weit weg“ oder auch gerne „nebenan“ aufgedrückt werden kann.
      „Alle werden Allen Alles garantieren“ bis „die Schuldnerketten reißen“ und sich „die Pforten der Hölle öffnen“….

      Dazu noch Ray Dalio:
      Schwerwiegende Folgen, wie in den 1930er Jahren!

      In einem aktuellen Bericht auf LinkedIn spricht Dalio Klartext. Die Fed hat ihre Pläne zur Anhebung der Zinsen und Schrumpfung ihrer Bilanz inzwischen zurückgestellt. Die Chinesen haben Bereitschaft für einen Handelsdeal gezeigt. Doch zur gleichen Zeit …
      * A) wird sich die wachsende Ungleichheit manifestieren in
      * B) erhöhtem Populismus sowohl rechts als auch links, was führt zu
      * C) größeren Konflikten im Inneren und mit anderen Ländern und
      * D) noch extremeren und schlechteren Entscheidungen, was insbesondere riskant ist, wenn
      * E) sich das Wirtschaftswachstum abschwächt und
      * F) Zentralbanken nur begrenzte Möglichkeiten zur Lockerung haben und
      * G) wichtige Wahlen anstehen, und
      * H) die großen geopolitischen Spannungen, die sich daraus ergeben, dass sich China zu einer Weltmacht entwickelt, die die USA herausfordert, immer intensiver werden.

      In den nächsten zwei bis drei Jahren wird sich dieser Zusammenfluss der Kräfte zuspitzen und die Märkte, Volkswirtschaften, Gesellschaften und die Weltpolitik stark beeinflussen (ähnlich wie in den späten 1930er Jahren).

      Wahrlich keine schönen Aussichten……

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      • Avatar
        Quintus sagte:

        Diese beiden Zahlen lassen sich leider in kleinster Weise in Relation setzen. Das US-Haushaltsdefizit beruht unter anderem auf einem bereits bestehenden gigantischen Schuldensockel während die 685Milliarden DOLLAR ider PboC in die chinesische Realwirtschaft innerhalb eines Monats gepumpt wurde. Zur gesamten Bankenstabilisierung nach der Lehmanpleite wurden lediglich 700Mrd. benötigt. Die Bankenstabilisierung aber hat noch nicht einmal begonnen…

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