Plädoyer für den Umbau

Dieser bearbeitete und gekürzte Auszug aus meinem neuem Buch „Ein Traum von einem Land: Deutschland 2040“ (Kapitel „Investitionen sind Pflicht“) erschien bei manager-magazin.de:

Deutschland soll auch im Jahr 2040 ein glückliches und wohlhabendes Land sein, in dem sozialer Friede herrscht und Wohlstand gerecht verteilt wird. Wir müssen heute die Weichen richtig stellen, damit dies Realität werden kann.

Deutschland steht nicht so gut da, wie es von der Politik gerne dargestellt wird. Wir haben die zurückliegenden zehn guten Jahre nicht dazu genutzt, die Grundlagen für die Sicherung des künftigen Wohlstands unserer alternden Gesellschaft zu schaffen. Im Vordergrund stand staatlicherseits der Konsum, während die Unternehmen ihre Investitionen im Inland zurückfuhren. Der Aufschwung wurde von externen Faktoren getragen – niedrige Zinsen, schwacher Euro, Globalisierung. Diese Faktoren sind allesamt nicht nachhaltig. Nun steht Deutschland vor der Herausforderung einer strukturellen Anpassung seiner Schlüsselindustrien und den negativen Folgen einer zu starken Exportanhängigkeit. Im Verein mit einem erheblichen Investitionsstau und mangelnden Rücklagen für die Kosten einer alternden Gesellschaft deutet dies auf eine Zukunft heftiger Verteilungskämpfe und zunehmender politischer Spannungen hin. Um diese Herausforderungen meistern zu können, gilt es, den Wohlstand zu erhalten. Dies setzt voraus, dass wir Lösungen für zwei grundlegende Probleme finden: den Rückgang der Erwerbsbevölkerung und die Stagnation der Produktivitätsfortschritte.

Es gibt vielfältige Ansatzpunkte, um den Umfang der Erwerbsbevölkerung zu stabilisieren beziehungsweise dessen Rückgang zu verlangsamen. Sie reichen von einer höheren Erwerbsbeteiligung aller Bevölkerungsschichten über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters bis zu einem Wachstum der Jahresarbeitszeit. Einwanderung kann dabei aufgrund der Schwierigkeit, qualifizierte Menschen aus anderen Ländern in ausreichender Zahl zu mobilisieren, nur einen geringen Beitrag leisten. Die Berechnungen zeigen, dass diese Maßnahmen zumindest für die Zeit bis 2030 ausreichen würden, um den Rückgang des Umfangs der Erwerbsbevölkerung zu verlangsamen.

Die Steigerung der Produktivität ist der wohl zentrale Hebel für die kommenden Jahrzehnte. Die Maßnahmen reichen von mehr Investitionen von Staat und Privaten über eine Bildungs- und Innovationsoffensive bis zur Automatisierung und Digitalisierung. Gesamtwirtschaftlich gibt es erhebliche Effizienzreserven, die es zu mobilisieren gilt. Der Staatssektor muss dabei mit überdurchschnittlichen Fortschritten vorangehen und die Zahl seiner Beschäftigten sowohl absolut als auch im Verhältnis zu den anderen Sektoren der Wirtschaft verringern. 

Investitionen sind Pflicht

Bevor wir uns der Verteilung von Wohlstand widmen – dem Lieblingsthema der Politik –, müssen wir eine Leitplanke einziehen: das Mindestniveau an Investitionen, um den Wohlstand auch in Zukunft zu sichern. Ohne ausreichende Investitionen wird es nicht möglich sein, den Wohlstand im Land zu erhalten.

2019 sah das so aus: Das BIP belief sich nach einem Jahr mit Nullwachstum auf 3,436 Billionen Euro und wurde folgendermaßen verwendet:

  • Exportüberschuss. 208 Milliarden Euro, die als Forderung an das Ausland das Auslandsvermögen erhöhen.
  • Konsum der privaten Haushalte. 1.794 Milliarden Euro.
  • Konsum des Staates. 699 Milliarden Euro, wobei darunter so diverse Kategorien wie die Kosten von Schulen (die man eher als Investitionen ansehen kann), der öffentlichen Sicherheit und die Sozialleistungen zusammengefasst sind.
  • Bruttoinvestitionen. 735 Milliarden Euro. „Brutto“ bedeutet, dass im Jahr 2019 der genannte Betrag für Investitionen ausgegeben wurde. Zieht man davon die Wertverluste vorhandener Anlagen ab (Alterung, Abnutzung), so ergeben sich die Nettoinvestitionen, die für den Kapitalstock und damit die künftige Leistungsfähigkeit entscheidend sind.

Von den Einnahmen des Jahres 2019 wurden also von den privaten Haushalten, den Unternehmen und vom Staat rund 21,5 Prozent darauf verwendet, in die Zukunft zu investieren. Diese Zahl sagt – ebenso wie der absolute Wert, der hinter ihr steht – nichts darüber aus, ob in Deutschland genug investiert wird. Es hat sich gezeigt, dass in den vergangenen Jahren zu wenig investiert wurde.

Frankreich investiert mehr in die eigene Zukunft als Deutschland

Was die Gesamtinvestitionen angeht, so gibt es Länder wie Großbritannien, die deutlich schlechter abschneiden als Deutschland. Allerdings dürfte es kaum ratsam sein, sich an den Schlechteren zu orientieren. Deutschland bleibt hinter etlichen anderen Nationen zurück. Japan, das Land, das Deutschland hinsichtlich der demografischen Entwicklung rund 20 Jahre voraus ist, investiert relativ zum BIP fast 3 Prozentpunkte mehr. Das ist ein erheblicher Unterschied. Selbst Frankreich investiert mehr in die eigene Zukunft als Deutschland.

Der Blick auf den Privatsektor lässt erkennen, dass Deutschland auch hier nur im unteren Teil des Mittelfelds liegt. Dies spiegelt die Investitionsschwäche der Unternehmen im Inland wider.

Besonders dramatisch sind die Zahlen für den Staatssektor. Nur in Irland, Italien und Portugal investiert der Staat weniger als im vermeintlich so reichen Deutschland. Die Unterschiede mögen gering erscheinen, sind jedoch in Wahrheit gigantisch. Wenn Frankreich beispielsweise 1,1 Prozentpunkte mehr investiert, bedeutet dies, auf Deutschland übertragen, 38 Milliarden Euro an staatlichen Investitionen mehr. Mehrere 100 Milliarden Euro sind erforderlich, um allein nur die in den vergangenen Jahren unterlassenen Investitionen nachzuholen.

Deutschland steht im Bereich der Digitalisierung besonders schlecht da. So belegte es in einer internationalen Vergleichsstudie zum digitalen Fernunterricht infolge der Corona-Krise den letzten Platz. Kein Wunder, wenn viele Schulen nicht einmal über einen Internetanschluss verfügen. In Berlin war der Anschluss der 700 Schulen im Sommer 2020 – also nach den Erfahrungen mit Corona – noch nicht einmal beantragt. Wenn man die Umsetzungsgeschwindigkeit an den Berufsschulen zugrunde legt, mit denen die Stadt Berlin begonnen hat, so dauert es noch 20 Jahre bis zur Realisierung.

Investitionen statt Konsum

Jeder Euro, der einmal verdient wurde, kann nur einmal ausgegeben werden. Damit will ich nicht sagen, dass der Staat keine Schulden machen sollte. Im Gegenteil: Zu einer vernünftigen Politik gehört, eine gewisse laufende Staatsverschuldung zuzulassen. Solange die Schulden im Einklang mit der Wirtschaft wachsen, sind sie sogar zu begrüßen, bieten sie doch unter anderem eine bessere Möglichkeit für die Verwendung der inländischen Ersparnisse als den Export ins Ausland. Dort wurden zumindest bisher keine guten Erträge erwirtschaftet.

Wir haben es im ökonomischen Sinne mit einer harten Budgetrestriktion zu tun. Deutschland erwirtschaftet pro Jahr ein bestimmtes Einkommen – gemessen am Bruttoinlandsprodukt – und gibt dieses Geld für verschiedene Zwecke aus. Eine grundlegende Unterteilung ist diejenige in Konsum, also die Befriedigung heutiger Bedürfnisse, und Investitionen zur Sicherung der Produktion und mithin der künftigen Einkommen.

Heute werden rund 72 Prozent der Einnahmen konsumiert und 22 Prozent investiert. 6 Prozent fließen als Ersparnis ins Ausland. Es ist bekannt, dass in den kommenden Jahren aufgrund des starken Anstiegs des Anteils der Menschen im Rentenalter der Druck in Richtung einer höheren Konsumquote zunehmen wird. Nichts anderes steht hinter den geschätzten Milliardenlücken für künftige Renten-, Pensions- und Gesundheitszahlungen. So rechnet die Bundesbank vor, dass nach heutiger Gesetzeslage die Beitragssätze in der Rentenversicherung bis 2040 um rund ein Drittel auf 24 Prozentpunkte steigen und parallel dazu der Bundeszuschuss von rund 3,2 Prozent des BIP auf 4,5 Prozent anwächst – ein Anstieg um immerhin 40 Prozent. Abgesehen davon, dass Deutschland schon heute als Zuschuss zur Rentenkasse über 30 Prozent mehr Mittel aufwendet als für Investitionen, drohen dann weitere erhebliche Einsparungen an Investitionen, werden doch parallel auch die Lasten für Pensionen und Gesundheitsversorgung steigen.

Es ist absehbar, dass diese Umverteilung mit erheblichen sozialen Spannungen verbunden sein wird. Deshalb ist es für die Politik attraktiv, neben dem Ausweg über eine höhere Verschuldung bei jenen Positionen zu sparen, deren Schmälerung unmittelbar als weniger schmerzhaft empfunden wird. Das waren und werden auch weiterhin die Investitionen sein.

Diese Strategie (zu) geringer Investitionen ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Zu geringe staatliche Investitionen verschlechtern die Standortbedingungen. Insofern tragen sie dazu bei, die Neigung zu privaten Investitionen zu verringern – was wiederum das dringend notwendige Wachstum der Produktivität hemmt.

Was folgt daraus? Deutschland muss sich ein Mindestinvestitionsniveau vornehmen. Gemessen an den Verhältnissen in den anderen führenden Industrienationen bedeutet dies:

  • Die gesamtwirtschaftlichen Investitionen sollten ein Niveau von 25 Prozent des BIP erreichen.
  • Die staatlichen Investitionen sollten auf 3,5 Prozent des BIP steigen (diese Quote entspricht in etwa jener Frankreichs und liegt noch immer deutlich hinter der japanischen).

Wie hoch soll die Staatsquote sein?

Nach Angeben des Statistischen Bundesamts beliefen sich die Ausgaben des Bundes, der Länder und Gemeinden sowie der Sozialversicherungen im Jahr 2018 auf 1.429 Milliarden Euro. Dieser Betrag entspricht 43 Prozent des BIP. Mit dieser Staatsquote liegt Deutschland leicht unter dem Durchschnitt von EU (45,6 Prozent) und Eurozone (46,8 Prozent). Besonders hoch ist der Staatsanteil in Frankreich (56 Prozent). Aber auch in Finnland (53,1 Prozent), Schweden (49 Prozent) und Österreich (48,5 Prozent) liegt die Staatsquote über dem Niveau in Deutschland.

Angesichts der demografischen Entwicklung und der in Verbindung damit wachsenden Kosten ist davon auszugehen, dass die Staatsquoten in ganz Europa, Deutschland eingeschlossen, weiter steigen werden. Es gibt keinen empirischen Wert für die Staatsquote, der sich als „zu hoch“ einstufen ließe. Allerdings hat sich gezeigt, dass in der deutschen Wirtschaft dringend mehr Ressourcen gebraucht werden, um den Wohlstand in Deutschland zu erhalten. Dies bedeutet: Die Produktivität muss steigen, und der Staatssektor muss, was die Zahl seiner Beschäftigten angeht, verkleinert werden.

Zwar umfasst die Staatsquote sämtliche Ausgaben des Staates, dennoch lohnt es sich, eine Grenze einzuziehen. Bei der Bestimmung dieser Grenze spielen die folgenden Überlegungen eine Rolle:

  • Die heutige Staatsquote ist durch den starken Rückgang der Zinsaufwendungen wegen des niedrigen Zinsniveaus nach unten verzerrt.
  • Die Politik der „schwarzen Null“ hat die offiziell ausgewiesene Verschuldung (zumindest bis zur Corona-Krise des Jahres 2020) gesenkt – und damit auch die Staatsquote.
  • Die unterlassenen Investitionen haben die Staatsquote gesenkt, müssen nun aber nachgeholt werden. Zusätzliche Investitionen im Umfang von 450 Milliarden Euro allein in den kommenden zehn Jahren zwecks Aufholung des Investitionsrückstands entsprächen bereits einer rund 1,3 Prozentpunkte höheren Staatsquote.
  • Der Anstieg der Zahlen derer, die Renten beziehen, wird zu deutlichen Ausgabensteigerungen führen. Allein schon der Bundeszuschuss zur Rentenkasse steigt um mindestens 1,5 Prozent des BIP, während die Rentenbeiträge von heute rund 240 Milliarden Euro mindestens um ein Drittel steigen, was weiteren 2,5 Prozent des BIP entspricht. Überschlägig führt bereits dieses Minimalszenario zu einem Anstieg der Staatsquote um 4 Prozentpunkte.
  • Ähnlich steigen die Aufwendungen für Pensionen und Gesundheitsversorgung. Ein prozentual gleichlaufender Anstieg ist mindestens zu erwarten.

Werden keine Gegenmaßnahmen ergriffen, so wird die Staatsquote in den kommenden Jahren rasch über 50 Prozent des BIP hinaus anwachsen. Eine Erhöhung des Wachstumspotenzials ergäbe sich daraus nicht, im Gegenteil.

Die Notwendigkeit einer Begrenzung des Staatsanteils ist offensichtlich. Deshalb sollten wir uns zeitlich gestreckte Ziele vorgeben (gegenüber dem Vor-Corona-Stand):

  • 2020 bis 2025. Konzentration auf Investitionen: + 1,5 Prozentpunkte
  • 2025 bis 2030. Zusätzlicher Anstieg wegen der Alterung:+ 1,5 Prozentpunkte
  • 2030 bis 2040. Schrittweiser Anstieg um 3,0 Prozentpunkte

Im Jahr 2040 läge dann die Staatsquote bei 49 Prozent des BIP. Sie unter 50 Prozent zu halten ist angesichts der Rahmenbedingungen ein wichtiges, jedoch nur unter erheblichen Anstrengungen erreichbares Ziel.

Prioritäten bei den Staatsausgaben neu ordnen

Die Begrenzung der Staatsquote zwingt dazu, Prioritäten zu setzen. Wenn die Ausgaben für Investitionen steigen und der Staatsanteil zugleich gedeckelt werden sollt, muss die Struktur der Staatsausgaben überprüft werden. Die Zusammensetzung der Staatsausgaben zeigt, wo der finanzielle Schwerpunkt der Staatstätigkeit liegt: bei der Umverteilung der Einkommen.

Die Zinsausgaben sind in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Die Subventionen sind immer noch erheblich und generell auf ihre Sinnhaftigkeit zu hinterfragen. Die Bruttoinvestitionen liegen auf dem viel zu geringen Niveau von 70 Milliarden Euro. Die Personalkosten belaufen sich auf rund 250 Milliarden Euro.

786 Milliarden Euro – immerhin mehr als 50 Prozent der Staatsausgaben – entfielen im Jahr 2017 auf Sozialleistungen (Sach- und Geldleistungen) an private Haushalte, also Sozialhilfe, Wohn- und Erziehungsgeld, Gesundheitsfürsorge, Renten und Arbeitslosenhilfe. Insgesamt werden die Kosten des Sozialstaats auf 1.000 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt.

Wie sollte die Struktur der Staatsausgaben künftig beschaffen sein? Wie dargelegt, müssen ab sofort rund 45 Milliarden Euro mehr investiert werden. Wie sollten diese Beträge aufgebracht werden? Die Personalkosten dürften zumindest kurzfristig nicht beeinflussbar sein, setzen Effizienzgewinne im öffentlichen Sektor doch zunächst entsprechende Investitionen voraus. Vorleistungen und Zinsen sind ebenfalls kaum zu beeinflussen, Subventionen müssen abgebaut werden. Doch selbst wenn man eine Halbierung der Subventionen auf 14 Milliarden Euro annimmt, bleibt eine Finanzlücke von rund 30 Milliarden pro Jahr.

Dennoch gibt es Ansatzpunkte zu der Frage, wie der Staat mehr Mittel für Investitionen freisetzen könnte.

Umbau des Sozialstaats

Ein naheliegender – wenn auch politisch unerwünschter – Gedanke ist, den Sozialstaat auf Effizienz zu trimmen. Ansatzpunkte dafür gibt es genügend, und diese haben zunächst nichts mit Leistungskürzungen zu tun.

So stiegen die Verwaltungsausgaben für den Sozialstaat seit 1970 um 40 Prozent schneller als das BIP. Dies ist nicht nur mit einem größeren Sozialstaat zu erklären, sondern deutet darauf hin, dass die öffentliche Hand immer mehr Menschen beschäftigt, um die Umverteilung zu organisieren. Das dürfte nicht daran liegen, dass die Staatsbediensteten weniger arbeiten als früher. Grund ist stattdessen, dass die Gesetze immer komplizierter und umfangreicher geworden sind. Statt systemisch zu denken und Komplexität zu reduzieren, hat die Politik die Komplexität überproportional erhöht und damit aus der Sozialversicherung ein Arbeitsbeschaffungsprogramm gemacht. Doch genau das braucht Deutschland angesichts des demografischen Wandels nicht. Stattdessen muss der Akzent in diesem Bereich besonders stark auf Effizienz und Einsparung von Arbeitskräften gesetzt werden.

Aus diesem Grund muss die Sozialgesetzgebung von Grund auf neugestaltet werden. Ziel sollte sein, alle Sozialleistungen zu bündeln und durch pauschale Geldzahlungen zu ersetzen.

Kosten der Umverteilung

Vor allem muss die heutige Praxis eingestellt werden, Abgaben von den Bürgerinnen und Bürgern zu erheben und dann in praktisch gleicher Höhe wieder an diese zurückzugeben. Die Mitte der Bevölkerung – Alleinstehende mit einem Einkommen von 33.480 Euro beziehungsweise Familien mit zwei Kindern und 70.000 Euro brutto im Jahr führen 14.995 Euro an den Staat ab (direkte, indirekte Steuern und Sozialabgaben) und erhalten auf verschiedenen Wegen 14 330 Euro zurück. Was bleibt, ist ein Minus, bedingt durch die Kosten dieser Umverteilung. Besser wäre es, die Sozialleistungen auf das untere Drittel der Bevölkerung zu beschränken und durch das obere Drittel bezahlen zu lassen.

Was im Argen liegt, zeigen auch folgende Zahlen: Während die Gesamtausgaben der Bundesagentur für Arbeit seit 2002 bis zum Beginn der Corona-Krise um mehr als 41 Prozent gesunken sind – der guten Konjunktur sei Dank –, sind die Verwaltungsausgaben um 81 Prozent gestiegen. Jedes privatwirtschaftliche Unternehmen wäre im Zuge einer solchen Entwicklung schon lange pleite! Insgesamt arbeiten rund 370 000 Menschen für eine Sozialversicherung, allein für die gesetzlichen Krankenversicherungen sind es 145 000.

Wie enorm die Einsparpotenziale sind, zeigen auch die folgenden Daten: Deutschland leistet sich (Stand 2017) elf allgemeine Ortskrankenkassen, 85 Betriebskrankenkassen und je sechs Ersatz- und Innungskassen. Dass sich ein solcher Wildwuchs beschneiden lässt, hat Österreich vorgemacht. Statt 21 Sozialversicherungsträgern hat man nunmehr fünf, neun regionale Krankenkassen wurden zu einer zusammengelegt. Verbunden damit war eine Verringerung der Zahl der Aufsichtsgremien. Letzteres ist in Teilen der Politik ein besonders unbeliebter Punkt, fallen doch Versorgungsposten weg. Schon deshalb sollte es Deutschland seinem Nachbarn gleichtun.

Der Umbau des Sozialsystems ist ein umfangreiches Unterfangen, das sich nicht auf ein paar Seiten abhandeln lässt. Ich möchte deutlich machen, dass Deutschland keine andere Wahl hat, als sein Sozialsystem so auf Effizienz zu trimmen, dass es zu einem höchstmöglichen Wohlstand für die Bevölkerung beiträgt. Dieser Umbau bedeutet gute Leistungen für diejenigen, die sie benötigen, und tragbare Lasten für diejenigen, die sie durch ihre Steuern und Beiträge finanzieren.

Umbau des Gesundheitssystems

Wie wichtig eine gute Gesundheitsversorgung ist, haben die Ereignisse des Jahres 2020 eindrücklich offenbart. Während Deutschland nach den USA, der Schweiz und Norwegen das teuerste Gesundheitssystem der Welt hat, liegt die Lebenserwartung der Bevölkerung in Deutschland unter jener in anderen Ländern, die deutlich weniger Mittel für die Gesundheitsversorgung aufwenden. Nur die Lebenserwartung der Menschen in den USA ist noch geringer als die der Deutschen, obwohl die Gesundheitsversorgung dort mehr kostet.

Man sollte angesichts der Corona-Pandemie nicht den Schluss ziehen, es müsse einfach nur mehr Geld ins Gesundheitssystem fließen. Wie die anderen Länder zeigen, kann man mit einem deutlich geringeren finanziellen Einsatz bessere Ergebnisse erreichen. Dies ist deshalb relevant, weil Deutschland auch ohne die Ereignisse des Jahres 2020 aufgrund der demografischen Entwicklung mit strukturell steigenden Gesundheitskosten rechnen muss. Ziel sollte es sein, die Gesundheitsausgaben auf dem heutigen Niveau von rund 11,5 Prozent des BIP zu stabilisieren.

Das bedeutet übersetzt, dass das Gesundheitswesen ein Effizienzsteigerungsprogramm braucht. Gerade in diesem Bereich war es schon immer leicht, mit Verweis auf den unstrittigen Wert der Gesundheit für höhere Ausgaben zu werben. Offensichtliche Ansatzpunkte für Maßnahmen zur Effizienzsteigerung wurden bereits genannt – Stichwort Krankenkassen. 145 000 Beschäftigte allein in diesem Sektor sind zu viele. Das deutsche Gesundheitswesen steht seit Jahren unter konstantem Kostendruck. Es wurde bereits eine Vielzahl von Maßnahmen ergriffen, um den Kostenanstieg zu begrenzen, durchaus mit Erfolg. Diese Politik muss fortgesetzt werden.

Umbau der Staatsverwaltung

Zunächst ist festzuhalten, dass der Staat in Deutschland nicht auffallend mehr für die Verwaltung ausgibt als in vergleichbaren anderen Ländern. Blickt man hingegen auf den Anteil der Verwaltungsausgaben an den gesamten Staatsausgaben, die hierzulande vor allem von den Ausgaben für Soziales dominiert werden, so erkennt man, dass Deutschland gemessen an dieser Größe im Mittelfeld liegt. Auch in diesem Bereich gilt es also, Einsparungen zu erzielen. Diese sind realisierbar, wenn Deutschland (endlich!) den bedauerlichen Rückstand bei der Digitalisierung der Verwaltung abbaut.

Dabei dürfte es aber vor allem darum gehen, die Effektivität der Öffentlichen Verwaltung zu heben. Insgesamt braucht Deutschland einen Modernisierungsschub, bei dem die Funktionsfähigkeit und die Interaktion mit den Bürgerinnen und Bürgern im Vordergrund steht und nicht so sehr das Ziel, zu sparen.

Dazu beitragen könnte auch eine Neuordnung der Arbeitsteilung zwischen den Kommunen, den Ländern und dem Bund. Dabei geht es vor allem um die Rückkehr zum Prinzip der Subsidiarität. Nicht selten werden Dinge auf der übergeordneten Ebene geregelt, was zu einer gewissen Bürgerferne führt und damit nicht unbedingt zu besseren Entscheidungen.

Alle hier diskutierten Maßnahmen sind machbar. Sie zu ergreifen ist eine Frage des politischen Willens. Angesichts der Herausforderungen, vor denen wir stehen, ist es unerlässlich, entschieden zu handeln, bevor man sich den Themen widmet, die heute den politischen Diskurs bestimmen: der Verteilung des Wohlstands im In- und Ausland.

manager-magazin.de: „Deutschlands Zukunft wird aus Mut gemacht“, 10. Februar 2021

Kommentare (48) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    P. Grotmann sagte:

    @Bauer 18.57
    Stimmt, drum bin ich beruflich auch ins benachbarte Ausland geflüchtet, denn „frei“ ist dieser Beruf nicht mehr.

    Verhungern muss dennoch kein Arzt, denn es gibt noch Privatpatienten, Privatleistungen von Kassenpatienten (Igel) und auch zusätzliche Kassenleistungen ohne Budget.

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  2. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Sie zu ergreifen ist eine Frage des politischen Willens.“

    Das ist richtig, aber derzeit eine sinnlose Feststellung.

    Der politische Wille unserer Zeit ist die Vertreibung von Leuten, die zu Investitionen beitragen, und die Immigration von Leuten, die zum Konsum beitragen. Das ist seit Jahrzehnten gesellschaftlich mehrheitsfähig und es wird ständig mehrheitsfähiger, wenn man die Entwicklung von Union und SPD in den letzten Jahrzehnten betrachtet, von den Grünen und der Linkspartei gar nicht zu reden.

    Das lässt sich nicht ändern, solange die gesellschaftliche Meinung die ist, dass ohne Verarmung das Klima, die restliche Welt, die Zukunft und das persönliche Seelenheil nicht zu retten sind. Außerdem ist die stärkste jüngere Bewegung, FFF Fridays for Future, mit so interessanten Schildern aufgefallen wie z.B. „Verbietet uns endlich etwas!“ Das sieht mir nicht nach Leistungs- und Aufstiegswillen bzw. Investitionsneigung in der nächsten Generation aus.

    Um es kurz zu machen: Work-life-balance ist „in“, Aufstiegswille ist „out“. Das ist eine demokratisch legitime Entscheidung. Jahrelang haben die Deutschen das „Dolce far niente“ mancher Länder in den Ferien heimlich bewundert, inzwischen halt offen. Nur dass sie der Illusion anhängen, dies ließe sich ohne die bitteren Erfahrungen von Armut realisieren. Leider müssen das viele Leute erst einmal ausprobieren, bevor sie es glauben. Sandstrände in Griechenland sind romantisch, wenn ich eine volle Urlaubskasse habe. Bei 50 % Jugendarbeitslosigkeit vor Ort ist die Romantik eher weniger ausgeprägt.

    Aktuell glauben noch zu viele Leute in Deutschland, dass ihre Kranken- und Rentenversicherung natürlich bis zu ihrem Ableben leistungsfähig sein wird, ihre Ersparnisse werthaltig bleiben, der Strom zu jeder Zeit aus der Steckdose kommen wird, die Straßen sicher sind und die Supermarktregale gefüllt bleiben werden. Ohnen gegenteilige Erfahrungen ist ein Umdenken unwahrscheinlich. Die dauern aber noch ein wenig, da das Konsumieren früherer Investitionen in jedem sozialistisch orientierten Gemeinwesen mehrere Jahrzehnte dauert. Wir haben aber erst um die Jahrtausendwende so richtig damit angefangen; das ist noch zu kurz für einen Zusammenbruch der Infrastruktur. Noch ein paar grundlastfähige Kraftwerke weniger, etwas mehr demographische Fortschreibung und ein paar Verbote von Einfamilienhaus bis Dieselmotor und wir kommen der Sache in 10 bis 20 Jahren schon deutlich näher.

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      Alexander sagte:

      @FFF kids fallen nicht vom Himmel sondern entspringen dem staatlichen Bildungssystem, der Kernkompetenz und Herzensangelegenheit unserer Grünen Partei.
      Selbstverständlich wählt jeder vernünftige Mensch links und „nicht *.frei“, die Grünen stellen in ehemals mittelständisch geprägten Bundesländern den Ministerpräsidenten & demnächst wieder Regierungsverantwortung im Bund….

      So gesehen formt die Republik ihre Evolutionäre der grünen Zukunft seit Jahren heraus und der Mangel an übrigen Schlüsselkompetenzen (MINT) ist angesichts der historischen Herausforderung – dem Klimawandel nachrangig.

      Wenn man Pläne für 2040 macht, dann unbedingt -mit- den Kindern von heute. Wie schwer es ist die gefühlte Realität durch Rationalität zu ersetzen, wissen all jene welche nicht an das „Märchen vom reichen Land“ glauben.

      Ich fürchte, dass es nicht reicht „Angebote“ zu machen.
      Einstweilen darf man natürlich träumen…

      * https://schweizermonat.ch/einigkeit-und-recht-und-freiheit/

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        Dr.LucieFischer sagte:

        @Wolfgang Selig, @Alexander
        Wenn die fff-kids gerade zu flehen, „verbietet uns endlich etwas“ spricht daraus die dumpfe Ahnung, durch behagliche Helikopter-Eltern-Fürsorge etwas Lebens-wichtiges & -entscheidendes verpasst zu haben. Sie wissen nicht genau, was das ist, ahnen aber, was jüngere Kinder i.a. noch wissen: die unerbittliche Härte des Realtitätsprinzips mit alttestamentarischen Regeln und Strafen-
        nur so ist der überwältigende Erfolg der Harry-Potter-Bücher zu erklären, dort wird gemordet, gequält, intrigiert, gemobbt, die Familien sind gestört und Gefahr lauert überall. Auch die Märchen, die Kinder früher kannten, handelten von Inzestwünschen, Neid, Rivalität, Mord und Todschlag und ( Hänsel & Gretes, z.B. ) List-Strategieen gegen das Verderben. ( Hexe im Backofen).
        Helikoptereltern bieten umfassende Sicherheit und Triebbefriedigung, selbst für sexuelle Freiheiten muss i.A. nicht mehr gekämpft werden, Mütter und Töchter tauschen Klamotten aus und gehen ins gleiche Tatoo-Studio. Gewalt-Video-Spiele bieten abstrakt-virtuelle Erfahrung für meist Jungen, haben aber mit der realen Gemeinheit der Menschen wenig zu tun , keine Erfahrungswelten. Der Wunsch nach Verboten entspricht der Sehnsucht nach schützenden Grenzen, wie hilflos auch immer vorgetragen.
        Die Abiball-Generation, Jahrgangs-Eliten Deutschlands, sind maxial schlecht vorbereitet, die perfekten Opfer für fast alles und für Manipulation :
        https://www.youtube.com/watch?v=2370QewoSkY

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @Dr. Lucie Fischer

        ****************************************************

        Solche preview FeFails (Abi link) sind ein Fieberthermometer für unsere Gesellschaft im kollektiven Rausch narzistischen Gaggaismus. Dabei ist der Höhepunkt des brainwashing noch gar nicht erreicht, aber die Lust am kopieren von hollywood inszenierten Lebensläufen liegt offensichtlich….

        Massenhaftes Scheitern tut der Illusion keinen Abbruch.

        Einmal mehr suche ich nach dem Immunsystem einer Gesellschaft, die orientierungslos ihre Zeit verschwendet. Die demographischen Folgen können nicht an KI ausgelagert werden, es zu hoffen ist naiv.

        Coach Greg Adams über die „mistakes she makes age 20-29“ https://youtu.be/Gf8zHSf7wRE

      • Avatar
        weico sagte:

        @ Alexander

        Das Hauptproblem spricht Götz Aly ,in Ihrem sehr lesenswerten Link, absolut treffend und deutlich an :

        „Wie in jedem angeblich liberalen Land sind wir von Tabus umstellt, auch von Denktabus. Schauen Sie sich den deutschen Medien­betrieb an: Die meisten Redakteure laufen den ganzen Tag auf­gescheucht herum und überlegen, was man alles nicht sagen und nicht denken darf. Die meisten deutschen Historiker verhalten sich als Gesinnungswarte; sie wollen nicht hören, dass die deutsche Krankenversicherung für Rentner oder das Kindergeld von Hitler eingeführt worden sind und dass wir von ihm unsere schönsten Naturschutzgesetze haben. Solche Tabus verhindern Erkenntnis. Sie verhindern halbwegs realistische Antworten auf die Frage, warum der Nationalsozialismus für so viele Deutsche ­attraktiv war.“

        Die Politik und der Medienbetrieb fördern bewusst diese Tabus um ihre Ziele zu erreichen.!

        Wenn man an das mediale „Sarrazin-Bashing“ zurückdenkt fällt eines auf:

        Wenn man „politisch-kritische“ Sachverhalte mit ZAHLEN und STATISTIKEN belegt, wie Herr Sarrazin, dann lautet das TOTSCHLAGARGUMENT der Politik und Medien schlicht immer … die ZAHLEN/STATISTIKEN wurden falsch interpretiert bzw. es liegen „andere Gründe“ vor usw….

        Falls Medien und Politik aber mit Zahlen argumentieren …..gibt es NICHTS daran zu rütteln/interpretieren/debattieren.

        Statt kritisch zu debattieren … werden die Tabus weiter „zementiert“ und die „Rassismuskeule“ geschwungen . Ein Aufruf zur Vernunft ist dann schlicht nutzlos:

        https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/sarrazin/die-debatte/integrations-debatte-ein-befreiungsschlag-12189.html

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @weico

        „Wenn man „politisch-kritische“ Sachverhalte mit ZAHLEN und STATISTIKEN belegt, wie Herr Sarrazin, dann lautet das TOTSCHLAGARGUMENT der Politik und Medien schlicht immer … die ZAHLEN/STATISTIKEN wurden falsch interpretiert bzw. es liegen „andere Gründe“ vor usw….“

        Das sind die aber die normalen Antworten: Beschwichtigen, Interpretation in Frage stellen, ablenken.

        Das Totschlagargument lautet hingegen: „Das zu thematisieren, hilft der AfD.“

        Übrigens noch etwas, das Merkel aus der DDR mitgebracht hat. Damals hieß es noch „diese Kritik am Sozialismus hilft nur dem Klassenfeind“…

      • Avatar
        Dr.LucieFischer sagte:

        @Wolfgang Selig, @Alexander@weiko
        Die Faschismusanalyse von Götz Aly bleibt soziologisch-deskriptiv ,verdienstvoll . Für mich war das Erscheinen ( 2 Bd) von Klaus Theweleits “ Männerphantasieen“ der Schlüssel zum Verständnis der speziell-deutschen Faschismus-Version = Nationalsozialismus. Die Lust am / der Triumph mit Tötung und Vernichtung kann nicht mit “ Neid“ und Hass & Historie alleine erklärt werden, Theweleit hat Wilhelm Reichs Arbeiten verstanden-
        hätte W . Reich einen Freund wie Theweleit gehabt, wäre ihm vielleicht die Psychose
        ( Orgon-Wahn) im Exil erspart geblieben.( Die Besten können unter der Last von Krieg, Gewalt, Entwurzelung und Angst zusammenbrechen.)
        Verstehen , warum der Hass auf “ Flintenweiber“ verbunden ist mit der Sehnsucht nach der ( reinen, idealisierten, desexualisierten ) Kranken-Schwester. Am Besten Schwester eines Kampf-gestählten Kameraden. Sexualität und Gewalt gehören immer zusammen, das Buch ist hard stuff / ängstigend/ aber erweitert den Blick . Überlebenshilfe , immer aktuell.
        Schizophrene Patienten verstehen sofort, worum es geht, deren psychische Abwehr ist krankheitsbedingt so durchlässig, dass ihnen die gefährlichen Mechanismen von Entgrenzungen schrecklich bekannt sind. Und der Krieg in Beziehungen hängt auch mit dem ewig-individuell-unbewussten Wiederholungszwang ungelöster Konflikte zusammen:
        Wenn es nichts mehr zu lachen gibt, ist eine Beziehung erstarrt am Ende, nur noch Konventions -Hülle, fast tot. / The Specials, stereotype:
        https://www.youtube.com/watch?v=KQ4lvUJ39fE

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        weico sagte:

        „Übrigens noch etwas, das Merkel aus der DDR mitgebracht hat. Damals hieß es noch „diese Kritik am Sozialismus hilft nur dem Klassenfeind“…“

        Genau !

        Verrückt ist doch, dass die ehemaligen „Klassenfeinde“ der DDR heute weniger gesprächsbereit und ideologisch „verbohrter“ sind ….als der ehemals sozialistische „Grosse Bruder“ .
        Man sollte die mahnenden Worte von Götz Aly bzw. Putin durchaus ernst nehmen,nicht dass sich die Geschichte ebenfalls wiederholt…:

        „Gerade die nationale Demütigung bildete den Nährboden für radikale und revanchistische Stimmungen in Deutschland“, führt er sehr richtig aus. Nicht ausgeschlossen, dass Präsident Putin daran denkt, auch in Russland könnten sich radikale Stimmungen durchsetzen. Aber uns Deutsche erinnert er sinngemäß mit diesen Worten an die eigene Geschichte: Ihr wisst doch aus eigener Erfahrung, die Schwachen, die Gedemütigten sind die Gefährlichen! Lernt endlich daraus! “

        https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/hoert-endlich-auf-russland-zu-demuetigen-li.91586

        https://russische-botschaft.ru/de/2020/06/19/75-jahrestag-des-grossen-sieges-gemeinsame-verantwortung-vor-geschichte-und-zukunft/

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @Dr. Lucie Fischer

        Der Schlusssatz von Aly klärt auf:
        „Mehr individuelle Freiheit, weniger Gleichheit, weniger Fürsorgestaat und die Rückkehr des noch immer exilierten Freisinns nach Deutschland – das ist die vielleicht wichtigste Konsequenz, die ich aus der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ziehe. “ (Quelle s. link)

        Des weiteren verortet Aly den Antisemitismus beim politisch bewirtschafteten Neid der Unfähigen, wie Ludwig v. Mises die Vollendung bereits zum Jahrhundertwechsel anmerkt.

        Die „Männerphantasien“ nehme ich mir vor, vermute die Dekonstruktion eines 68ers, weil man so gerne Richtiges aus falschen Annahmen ableitet. Das Geheimnis von Kameradschaft hat nichts mit Erotik zu tun & viel mit Schicksalsgemeinschaft.
        Bsp.: US Veteran vs. Joe Biden: https://youtu.be/ojkCKPtcJ54

        „reinen, idealisierten, desexualisierten“ war und ist Propaganda (vgl. Greta) aus der Hirtenliteratur (vgl. Niclas Luhmann) und den Filmstudios. Jeder lebt in seiner auserwählten Simulation (Teddy Bären an Bahnhöfen) und die Realität sucht mit der ganzen Grausamkeit von Straftätern, Kriegsgreuel oder der ökonomischen Pleite heim.

        Die Aufklärung der Gegenwart verstehe ich als Desillusionierung und Bruch mit dieser Matrix simulierter Emotion.

        (Über die Erotik erzwungner Gesichtswindeln würde ich gerne Ihre Einschätzung erfragen wollen…..)

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        Dr.LucieFischer sagte:

        @14:45/ Alexander & die Frage nach der Erotik von Gesichtswindeln:

        Wer fragt, muss Antwort-Versuche riskieren:
        Das Verbot , die Mundzone/ Orale Feuchtgebiete/ zu zeigen wird begründet mit Hygiene-Massnahmen: wohl wissend, dass Gesichtsmasken -wenn durch Atemluft feucht- wirkungslos sind. Selbst im OP werden potentiell vom Operateur ausgehende Keime durch Unterdruck-Systeme abgesaugt und Masken gewechselt.
        Bleibt also das bekannte Gebot der Herrschenden: Mund-zu-und-Maul-halten,
        “ Diskussions-Orgien“ untersagt.
        Erogene Zonen sind über den ganzen Körper verteilt ( wird als bekannt vorausgesetzt), allerdings verschieden libidinös besetzt bei girls & boys. ( weniger bekannt) . Die Hauterotik ( Haut= grösstes erotisches Organ) ist bei Frauen ausgeprägter ( Anzieu: Haut-Ich!) warum, geht hier zu weit.
        Die orale Zone ist dagegen primär libidinös besetzt von beiden Geschlechtern life-long/ deep-throat / und nonverbale Kommunikation z.B. beim Flirten findet zwischen Augen & Mund statt, abwechselnd, Erotik-Spezialistinnen und Verführer benötigen kein einziges Wort. Augen-Kajal, Lippen, Zunge ,Lächeln & Lippenstift & rouge eclat, das reicht.
        Mit der Maske wird auch Lächeln verboten/ unsichtbar gemacht, Lachen ist gotteslästerlich ,in der Dynamik beschrieben von Umberto Eco: Im Namen der Rose.

        Social distancing durch Angst, Verunsicherung, Schuldgefühle/ Oma-killing durch Umarmung / mind- control & Manipulation aus vollem Medienrohr, und Masken als sichtbares Symbol von willfähriger Submission.
        Weiter: Masken sind aber auch umgekehrt Gratis-Intelligenztests & Diagnostik für Beobachter:
        Fahrrad fahren mit Maske ( brav!) Waldgänge mit Maske ( noch besser!) , zu Hause mit Maske: am aller-Bravsten, bravo, staatstreu.
        Nebenwirkung, positive: Die investierten Milliarden in Überwachungskameras durch automatische Gesichts-Erkennung ( FACS) sind umsonst, im Eimer.
        Ich werde bestimmt in Zukunft immer mit Sonnenbrille, Maske und Fasnachtsgruss gerne in die Kameras winken, dumm gelaufen, die Nikabisierung hat Vor-und Nachteile.
        Gesichtsmasken können- da hell- wundersschön mit z.B. Grundgesetz-Texten verziert werden, ich verrate nicht, was ich mir in Bild und Text alles einfallen lasse.

        Zu den coaches, Überlebenshilfen für Männer:
        Erscheinen mir alle ziemlich bieder & und hausbacken, irgendwie humorlos, einfach nur langweilig- traumatisiert, wenn auch mit gut gemeinten Tipps.
        Tracy Cabot hat einige Best-seller- Ratgeber für Frauen und Männer veröffentlicht, die frech, witzig und analytisch sind, Stufen tiefgehender und je weiter man auf das Meer hinaus schwimmt, um so tiefer wird es.

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        Alexander sagte:

        @ Dr. Lucie Fischer

        Nachtrag „Männerphantasien“

        Der Missbrauch von Pervitin hat die Soldaten der Wehrmacht schnell altern lassen, das Durchschnittsalter dürfte ab 1941 um die 18 Jahre gewesen sein.
        18 jährige sind von Müttern geprägt und natürlich Männer die Sexualität durch töten ausleben. Trotz der überlieferten Greuel wird verhältnismäßig wenig von sexuellen Übergriffen berichtet, was sich auch durch die Nebenwirkungen von Pervitin erklären lässt.
        Dass nach Ableben der Generation der Kriegsopfer weiterhin soviele Greuel und ihre Motivation erforscht werden ist außerordentlich verdienstvoll. Es zeigt sich dabei ein scharfes Auge und feines Gespür für bisher unentdecktes.
        Bsp.: crossdressing in der Wehrmacht https://youtu.be/jZkzmfUjpwA

        Das Phänomen der Bacheloretten ist ein jüngeres und die Brandspur hinter etlicher dieser Damen ist ein beachtlicher Schaden, nicht nur für die Traumatisierten – sondern auch für die Demographie und gesellschaftliches Potential.

        Das schwache Immunsystem westlicher Gesellschaften leite ich nicht von emanzipierten Frauen ab, sondern von schwachen Männern. Männern die von (alleinerziehenden) Müttern geprägt wurden und bluepilled zur Unterwerfung anstehen.

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        Dr.LucieFischer sagte:

        @Alexander, 18.2. 20:20
        Zu Allein-erziehenden Müttern:
        Die sind, wenn bewusst allein-erziehend, der Alptraum jedes Kinderpsychiaters, da sie häufig ihr Kind ( am liebsten tatsächlich Sohn) als Besitz bezeichnen und auch so behandeln. Gefürchtet die Gutachten in Sorgerechts-Verfahren, wenn verzweifelte Väter um Umgangs-Aufenthalts-und Sorgerecht kämpfen müssen: sie werden oft ohne Zögern vor Gericht des sexuellen Missbrauchs beschuldigt von Müttern, die ihre Kinder / Söhne für sich als lebenslangen Besitz alleine beanspruchen. Toxisch-weiblicher Narzissmus, häufiger, als man es sich vorstellen kann. Dabei ist ein Fehlen des Vaters ( eines Dritten, der die Mutter-Kind-Symbiose der ersten Monate erweitern muss: wiki: Triangulierung) eine psychische Katastrophe für Jungen und ein Desaster für kleine Mädchen.
        Wenn Sie die erste Szene ( 3 Min!) des Films von Marin Scorsese “ Aviator“ kennen, sehen Sie , wie unter dem Vorwand von Körperhygiene und Kontaminations-Warnungen sexueller Missbrauch eines präpupertären Jungen stattfindet. Genial gespielt von Leonardo Di Caprio entwickeln sich die Folgen übergriffiger Besitz-Ansprüche durch die Mutter in verzweifelter Angststörung, Zwangs-Handlungen bis zum psychotischen Zusammenbruch. Alle Beziehungsversuche zu liebevollen Frauen müssen scheitern, weil die emotionale Abhängikeit an die Mutter ubewusst bleibt und emotional-physische Nähe nur mit Panik erlebt werden kann. Im unbewussten Wiederholungszwang ( “ stereotype“) kann kein Entrinnen von der Allmacht präverbaler Mütter gelingen, Therapien ist schmerzlich und dauert leider meist lang.
        Exklusive Männergruppen als Selbsthilfe existieren in allen Kulturen, haben aber den Nachteil, unbewusst-individuelle Dynamik meist nicht analysieren zu können.
        Die unsichtbaren Fesseln toxischer Abhängkeit wirken, bis sie bewusstseins-fähig gemacht werden, und das bedeutet harte Arbeit.
        Dass diese Problematik gesellschaftlich / auch in Fachkreisen/ nicht kritisch diskutiert wird, ist ebenso ein Skandal wie das Abliefern/ Verwahrung von Kindern unter 3 Jahren in Krippen und Kitas.
        Auf VOX, zwei Sendungen, die man nur ansehen sollte, wenn man eh schlecht drauf ist, und mit dem Standpunkt eines teilnehmenden Beobachters/ Ethnologen in fremder Gesellschaft:“ Zwischen Tüll & Tränen“ ( Brautmode ) und “ shopping Quenn“.
        Veuve Clicquot zum Trost sicherheitshalber kalt stellen, immerhin gewähren die Sendungen aktualisiert voyeuristische Fortbildung und tragen zur psychischen Immunitäts-Bildung bei.

  3. Avatar
    Dr. Dieter Zorn sagte:

    Was nutzt es, wenn man als Privatpatient formal die (überhöhte) Rechnung bekommt, sie jedoch unbesehen an die Kasse weiterleitet? So wie das wohl die meisten machen. Wer kritisch nachfragt, kommt bei seinem Hausarzt auf die schwarze Liste. Und selbst die Kassen lassen ihn ins Leere laufen. Solange der Arzt sich im Rahmen „des Üblichen“ bewegt. Nein, nicht die Patienten können das marode Gesundheitssystem reformieren. Das könnte nur der Staat. Ein Politiker der das versuchen würde, sollte allerdings besser gegen Windmühlenflügel antreten. Viele Dinge lassen sich in einer Massendemokratie nicht reformieren, weil sich alle in dem Zustand eingerichtet haben und weil die Interessen vieler mächtiger Beteiligter auf dem Spiel stehen.

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      Dr.LucieFischer sagte:

      @Dieter Zorn
      Wenn Sie als Privatpatient unterschreiben , dass Sie mit einem höheren Gebühren-Steigerungssatz als z.B, den üblichen 2, 3 einverstanden sind, können Sie i.d.R. keinen Einspruch erheben. Es werden aber eiskalt auch Leistungen abgerechnet, die nicht erbracht wurden, da liegt der Hase im Pfeffer. Und gesetzlich Versicherte können das nicht automatisch prüfen, privat Versicherte schon. Dann lohnt sich ein höflicher Einspruch immer, und- zu empfehlen- ein Arztwechsel, wenn´s Probleme gibt.

      Antworten
  4. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Eine Analyse, die jeder verstehen kann und an der niemand vorbeikommt.

    Sage keiner, wir hätten es nicht gewusst.

    >Alle hier diskutierten Maßnahmen sind machbar.>

    Richtig.

    >Sie zu ergreifen ist eine Frage des politischen Willens.>

    Richtig.

    Den politischen Willen gibt es NICHT.

    Grund:

    >Es ist absehbar, dass diese Umverteilung (für künftige Renten-, Pensions- und Gesundheitszahlungen und Kompensationen, D. T.) mit erheblichen sozialen Spannungen verbunden sein wird. Deshalb ist es für die Politik attraktiv, neben dem Ausweg über eine höhere Verschuldung bei jenen Positionen zu sparen, deren Schmälerung unmittelbar als weniger schmerzhaft empfunden wird. Das waren und werden auch weiterhin die Investitionen sein.>

    Es ist nicht nur für die Politik, sondern auch für die Bevölkerung attraktiv, die sozialen Spannungen zu mindern, weil diese auch für sie schmerzhaft wären und destabilisierend bei einer eh schon gespaltenen Gesellschaft.

    Schlussfolgerung:

    Also werden die diskutierten Maßnahmen NICHT ergriffen werden.

    Das ist der mehrheitliche, sich verfestigende KONSENS der Gesellschaft.

    Worüber ich nachdenken würde:

    >Die Steigerung der Produktivität ist der wohl zentrale Hebel für die kommenden Jahrzehnte.>

    Wenn das Ergebnis mehr Output mit weniger Beschäftigung ist, sehe ich als Probleme

    a) weiterhin starke Abhängigkeit von den Exporten

    und

    b) Zunehmendes Wachstums des Sozialstaats wegen tendenziell steigender Arbeitslosigkeit.

    Die Produktivität wird steigen, wenn es Arbeitskräfteknappheit gibt, etwa bei der wachsenden Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegedienstleistungen.

    Ich würde daher stärker auf Steigerung der WETTBEWERBSFÄHIGKEIT statt auf Steigerung der Produktivität setzen.

    Die Wettbewerbsfähigkeit müssten wir durch mehr Bildung in den MINT-Fächern, mehr F&E und mehr innovative Startups steigern.

    Ich meine, dass Anstrengungen auf diesen Gebieten nicht zu sehr mit Verteilungskonflikten verbunden wären.

    Was die Bereitschaft dazu betrifft, sieht es unterm Strich aber auch mau aus.

    Antworten
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      Bauer sagte:

      @ D. Tischer

      Ihre messerscharfen Analysen beeindrucken mich zu tiefst. Aber Sie geben ja indirekt selbst zu, dass sie zu nichts führen werden. Versuchen Sie einmal, die Probleme vom unteren Ende her zu denken.

      Alle geschichtlichen Umwälzungen begannen regelmässig unten. Um nur einige Beispiele zu erwähnen, die tea party endete mit der Unabhängigkeit der neu-englischen Kolonien und den USA, die Bauernaufstände (le tiers état) führten zur französischen Revolution, Gandhi erzwang die indische Unabhängigkeit ohne einen Schuss Pulver zu verschwenden, usw. Das Gegenbeispiel sind die Kopfgeburten der RAF in den 70er Jahren.

      Wer in unserer Zeit etwas bewirken will, muss unten anfangen. Daher mein unschuldiger Vorschlag eines Mantelgesetzes, das unbedingte Transparenz durchsetzt. Wer könnte dagegen sein? Doch nur der, der etwas zu verbergen hat, was ihn bereits diskreditiert. Der Rest wird sich quasi selbständig entwickeln, nicht heute oder übermorgen, und nicht gewaltsam, jedoch desto unaufhaltsamer. Rationales Denken setzt immer zuerst am Geldbeutel an.

      Antworten
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        weico sagte:

        @Bauer
        „Alle geschichtlichen Umwälzungen begannen regelmässig unten.“

        Nein.
        Kann man so nicht pauschalisieren. Ob sie am Schluss dann auch erfolgreich sind,ist ein weiterer Punkt.
        Man denke nur an die kurzen „Hypes“ von „Occupy Wall Street-Bewegung“, „Black Lives Matter“ ,“Fridays for Future“, arabische Revolution usw. !

        Bewegungen von „Oben“ können durchaus sehr erfolgreich sein :
        Glasnost (Gorbatschow) , Chinas Öffnungspolitik (Deng Xiaoping) usw.

        Wenn man bedenkt ,dass Deutschland bis 2010 noch klassische Entwicklungshilfe an China zahlte…:
        https://fragdenstaat.de/anfrage/entwicklungshilfe-fur-china/

        … ist die von „Oben“ gelenkte wirtschaftliche Entwicklung Chinas ziemlich beeindruckend:

        Artikelüberschrift von HEUTE : „China überholt erstmals die USA als wichtigster Handelspartner der EU“

        https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/welthandel-china-ueberholt-erstmals-die-usa-als-wichtigster-handelspartner-der-eu-a-a83ffc39-c945-4614-b7b9-95666d99474b

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        >…beeindrucken mich zu tiefst.>

        Seien Sie vorsichtig mit solchen Aussagen, denn Sie verunsichern mich damit – ich weiß nicht, ob ich nicht rot werden sollte, wenn ich sie lese.

        Sie schrieben am anderen Thread:

        >Auseinandersetzungen, ob national oder international, haben Verteilungsfragen als Ursprung, und falls diese nicht friedlich gelöst werden können, degenerieren sie zu Gewaltanwendung, im Innern zu Putsch, Bürgerkrieg, Diktatur, nach aussen zu Krieg.>

        Ich sympathisiere sehr mit dieser Auffassung, auch wenn es manchmal anders gewesen sein wird, etwa wenn sich Herrscher aus reiner Machtsucht gestritten und damit Unheil angezettelt haben. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

        Es gibt jedenfalls hinreichende Belege, die Ihre These stützen.

        Das Problem also vom unteren Ende her denken, oder:

        >Wer in unserer Zeit etwas bewirken will, muss unten anfangen.>

        Was ist in unserer Gesellschaft UNTEN?

        Es gibt Differenzen, sehr erhebliche Differenzen sogar, etwa die Vermögensungleichheit.

        Ich sehe aber KEIN Unten, d. h. niemanden, der materiell in einer so elenden Situation ist, dass er nichts weiter als seine Ketten zu verlieren hat, wie es einer der letzten Sätze des Kommunistischen Manifests für das damalige Proletariat behauptet.

        Man muss es wohl so verstehen:

        Zumindest die westlichen Gesellschaften haben sich im Gleichklang mit ihrer einzigartigen Generierung von Wohlstand sowie den Weltkriegskatastrophen „mental“ derart entwickelt, dass sie jegliches materielles Unten zu VERMEIDEN suchen, um von daher kein destruktive Wirkung entstehen zu lassen.

        Der Wohlstand ist die Bedingung dafür, dass es gelungen ist.

        Die Erfahrung der Weltkriegskatastrophen das Motiv für die Vermeidung, so dass sie sich nicht wiederholt haben.

        Wie immer man dies auch sieht bezüglich der Verluste an individueller Lebensgestaltung und der Übermacht des Staats – es ist bisher GELUNGEN.

        Deshalb:

        Wo immer man unten zugreift und was immer man da fasst – es ist KEIN akutes Veränderungspotenzial.

        Wer will Transparenz, wenn es hinreichend gut läuft?

        Niemand, außer einigen Besorgten, die als Kassandra abgetan werden, wenn man sie überhaupt zur Kenntnis nimmt.

        Es gibt aber VERÄNDERUNGEN.

        Offensichtlich gelingt es immer WENIGER, die Ansprüche der Menschen zu befriedigen.

        Man kann darüber streiten, ob sie mittlerweile z. T. unangemessen hoch sind, um sie in voller Breite befriedigen zu können oder ob man mit „Projekten“ wie etwa der Energiewende dabei ist, die Basis für ihre Befriedigung zu zerstören.

        Wie auch immer, die VERÄNDERUNGEN werden möglicherweise oder wie ich glaube, wahrscheinlich derart sein, dass irgendwann UMWÄLZUNGEN nicht mehr zu vermeiden sein werden.

        Die gesellschaftlichen und politischen Anzeichen sind nicht zu übersehen; die Hilflosigkeit, die darin besteht, mit Geld zuzupflastern, was sich an Abgründen auftut, auch nicht.

        Ich bin nicht sicher, sehe aber auch nicht, warum die zukünftigen Umwälzungen weniger irrational als in der Vergangenheit ablaufen sollten.

      • Avatar
        Bauer sagte:

        @ D. Tischer

        >> „Was ist in unserer Gesellschaft UNTEN?“

        Gute Frage, sobald jeder sein Spülklosett und die übrigen Annehmlichkeiten hat. Aber der Mensch lebt nicht vom Brot allein (das ist nicht von mir!). Man sollte es aber vielleicht in unserer Zeit mehr im übertragenen Sinne deuten. Es ist doch eher das ’nicht mehr gehört werden‘, bzw. ’sich überflüssig fühlen‘, also Gefühle, die heute schon die jüngeren Jahrgänge erfahren – die Alten kennen es sowieso – und das trotz oder gerade wegen der weitverbreiteten Halbbildung. Wenn dazu dann noch der Frust kommt, dass mit 30+ Jahren das Gehalt immer noch nicht reicht zur Familiengründung, dann …….

        Die Amnesie durch Wohlleben wird sich nicht endlos verlängern lassen.

        Im übrigen, auch ‚Machtsucht‘ ist eine Verteilungsfrage, jedoch von unten betrachtet.

      • Avatar
        Bauer sagte:

        @ weico

        >> „Bewegungen von „Oben“ können durchaus sehr erfolgreich sein :
        Glasnost (Gorbatschow) , Chinas Öffnungspolitik (Deng Xiaoping) usw.“

        Da haben Sie ausgerechnet zwei Beispiele erwischt, die die Einstufung als Umwälzungen nicht verdienen. Die Folgen waren/sind aus unserer Sicht vielleicht umwälzend, für die betreffenden Völker waren es jedoch lediglich deutlich fühlbare Richtungswechsel der Politik, keine Spur von Putsch oder Revolution, das Gros der politischen Klasse ist am Ruder geblieben.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ weico

        Man kann das Thema natürlich zu Tode reiten.

        Wenn man UMWÄLZUNGEN sagt und GESCHICHTLICHE, dann scheiden „Hypes“ und „Occupy Wall Street“ schon einmal aus.

        Man kann auch darüber streiten, ob Glasnost und Chinas Öffnungspolitik URSÄCHLICH von OBEN kamen.

        Natürlich wurden sie oben, d. h. von den jeweiligen Machthabern vollzogen, weil es FRIEDLICHE waren.

        Man kann aber auch sagen:

        Mao musste China erst endgültig an die Wand fahren, damit UNTEN die BEREITSCHAFT für eine de facto-Umwälzung der Gesellschaft gegeben war.

        Ähnliches für die UDSSR.

        Richtig ist aber schon:

        Es gibt hinter und unter den geschichtlichen Umwälzungen fortwährende Veränderungen, etwa wie die seismografischen ERKENNBAREN Veränderungen VOR einem Erdbeben oder dem Ausbruch eines Vulkans.

        >„China überholt erstmals die USA als wichtigster Handelspartner der EU“>

        Das ist die Feststellung einer SIGNIFIKANTEN Veränderung.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Ich sehe aber KEIN Unten, d. h. niemanden, der materiell in einer so elenden Situation ist, dass er nichts weiter als seine Ketten zu verlieren hat, wie es einer der letzten Sätze des Kommunistischen Manifests für das damalige Proletariat behauptet.“

        Das ändert sich gerade. Für viele fährt der Fahrstuhl schnell nach unten, inbesondere dank „Corona-Maßnahmen“. Hier ein Gruß aus Sachsen, von ersten Medienberichten abgesehen kaum überregional beachtet, viele Details weiter völlig unklar oder zumindest der Öffentlichkeit unbekannt:

        https://www.tag24.de/dresden/lokales/dresden-mann-zuendet-sich-vor-landtag-an-und-stirbt-1837238

        Die Aggression, die der Mann gegen sich selbst gerichtet hat, hätte er zum Beispiel auch gegen das Landtagsgebäude richten können. Den Benzinkanister hatte er schon dabei und der sächsische Landtag ist wirklich nur ein paar Schritte von dem Ort entfernt, dort bin ich selbst schon entlang gelaufen.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Man muss solche tragischen Vorfälle einordnen.

        Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings verbrannte sich 1969 der Student Jan Palach.

        Erst 40 Jahre später ist mit dem Fall des Eisernen Vorhangs Entscheidendes passiert.

        Ich sage ausdrücklich, dass es signifikante VERÄNDERUNGEN gibt und dass sie erkenntlich immer weniger beherrschbar sind.

        Bis zur Revolution ist es dann aber noch ein Weg.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Das geht manchmal auch schneller.

        Im Juni 1963 verbrannte sich der vietnamesische Mönch Thich Quang Duc in Saigon aus Protest gegen die damalige vietnamesische Regierung. Eine weltberühmte Szene: https://rarehistoricalphotos.com/the-burning-monk-1963/

        Die damalige vietnamesische Regierung wurde im November 1963 weggeputscht und Präsident Diem von den Putschisten erschossen.

  5. Avatar
    foxxly sagte:

    ….. das bashing der rentner und den hohen staatszuschuss anzuführen, ohne zu sagen, dass der selbe staat runde 30Mrd.€ mehr aus der rentenkasse rausholt, -über versicherungsfremden leistungen,- ist schon als tendenziös zu werten. zumal dies keine kleinigkeit ist.

    daraus folgend weiß man nicht, wie die weiteren zahlen einzuordnen sind!

    richtig, – und überfällig würde, die vielen krankenkassen zu reduzieren, zb 16, je bundesland eine krankenkasse würde vollens genügen: allerdings auch die aufhebung der privatkassen!

    oder, warum sind die medikamente europaweit, bei uns in deutschland am teuersten?

    – die hohen sozial-ausgaben: dabvon werden die zuwanderer bezahlt, welche kräftig konsumieren, – davon profitiert die industrie. dies zu bemängeln ist mindesten zweischneidig. (generell ist die zuwanderung nicht die lösung, aber mit schlimmen folgen)

    in dem eingangsthema, geht es sehr viel um investitionen; – um noch mehr zu produzieren??
    in der vergangenheit wurde bereits kräftig investiert und immer wieder rationalisiert.
    und ein weiteres davon soll dann die lösung sein??

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @foxxly

      „– die hohen sozial-ausgaben: dabvon werden die zuwanderer bezahlt, welche kräftig konsumieren, – davon profitiert die industrie. dies zu bemängeln ist mindesten zweischneidig. (generell ist die zuwanderung nicht die lösung, aber mit schlimmen folgen)“

      Da sieht man, wie weit sich der vulgärkeynesianische Nachfrageschwachsinn schon ins Bewusstsein der Gesellschaft gefressen hat.

      Unqualifizierte Zuwanderung ist definitiv negativ für die Zielgesellschaft als ganzes – dadurch kommen nämlich Leute, die konsumieren wollen und gleichzeitig selbst nichts produzieren können.

      Das funktioniert nur, wenn man den unqualifizierten Zuwanderern Transferzahlungen gibt. Bestenfalls profitieren dann einzelne Sektoren (ein bisschen die Industrie, hauptsächlich aber Einzelhandel, Immobilien im Billig-Segment und natürlich die ganze staatliche oder quasi-staatliche Asyl- und Betreuungsindustrie mit ihren kirchlichen Tentakeln), deren zusätzliche Umsätze kommen aber aus dem Staatshaushalt, langfristig bezahlen das also alle Erwerbstätigen über höhere Steuern und Abgaben.

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        troodon sagte:

        Ein Hoffnungsschimmer, wenn eine sozialdemokratische Regierungschefin sagt:
        „Wir können Null Asylsuchende nicht garantieren, aber wir können die Vision davon ins Leben rufen, so wie wir es bereits vor der Wahl gemacht haben. Wir wollen ein neues Asylsystem, und wir werden tun, was wir können, um es einzuführen.“
        „Politiker hätten in der Vergangenheit grundsätzlich falsch gehandelt, indem sie Ausländern zu wenig abverlangt hätten. Etwa die Forderung sich selbst zu versorgen und die dänischen Werte anzunehmen.“
        https://www.nordschleswiger.dk/de/daenemark-politik/regierungschefin-null-asylbewerber-daenemark

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Lese ich richtig, dass hier eine Sozialdemokratin das Wort ABVERLANGEN in den Mund genommen hat?

        Das ist alarmierend.

        Wer garantiert, dass sie damit bei den Ausländern bleibt?

        Morgen heißt es vielleicht:

        Den DÄNEN ist in der Vergangenheit zu WENIG abverlangt worden.

        Wehret den Anfängen, kann man da nur sagen.

        Aufrechte Sozialdemokraten sollten wie Scholz sagen, dass wir uns leisten können, was wir uns leisten wollen, weil wir in der Vergangenheit so gut gewirtschaftet haben.

        Anerkennung dafür, was wir alles gestemmt haben – da fühlt man sich viel besser ;-)

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        Ja, Mette Frederiksen aus Dänemark ist schon eine außergewöhnliche Figur. Wenn man es vereinfachend auf Deutschland übertragen wöllte, dann wäre es damit vergleichbar, dass eine SPD unter Kanzler Sarrazin sich der AfD in Deutschland politisch annäherte. Stellen Sie sich mal den Aufschrei der Haltungsjournalisten und der Gutmenschen in Deutschland vor – und dann zieht nicht mal die Nazi-Keule und eine Frau ist Frederiksen auch noch. ;)

        Aber sie wird schon aus eigener Erfahrung wissen, wovon sie spricht – Frederiksen hat einen Gewerkschafts-Hintergrund und war erst Arbeitsministerin und dann Justizministerin bevor sie Regierungschefin wurde, und anders als deutsche SPD-Politiker ist sie offensichtlich lernfähig.

        Dabei darf man auch nicht vergessen, dass Dänemark nur knapp 6 Millionen Einwohner hat und im Norden an Schweden und im Süden an Deutschland grenzt. Da wäre ich in der Ausländerpolitik auch nochmal restriktiver als ich es sowieso schon bin, wenn ich als kleines Land so von völlig verrückt gewordenen Nachbarn eingeklemmt wäre…

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Wer garantiert, dass sie damit bei den Ausländern bleibt? Morgen heißt es vielleicht: Den DÄNEN ist in der Vergangenheit zu WENIG abverlangt worden.“

        Nicht auszuschließen aber unwahrscheinlich. Abverlangt werden soll ja den Zuwanderern die Integration in die dänische Gesellschaft, die eingeborenen Dänen sind sowieso schon integriert.

        Die Dänen haben schon ganz richtig begriffen, was unser Problem in Europa ist. Aus troodons Artikel:

        „Der Regierung nach verfolgen zu viele muslimische Einwanderer im Land antidemokratische Werte. Diese Strömungen will die Regierung bekämpfen.

        Verschiedene Gesetzesvorschläge werden zurzeit im Folketing behandelt, die islamistischen Extremismus in Dänemark bekämpfen sollen. Eine Mehrheit im Parlament will negative soziale Kontrolle der körperlichen Gewalt gleichstellen. Zudem soll die Strafe erhöht werden für Imame und Prediger, die dafür sorgen, dass Frauen gegen ihren Willen in einer Ehe gebunden sind. Auch sollen Schenkungen aus Saudi-Arabien und Katar an dänische Moscheen verboten werden.“

        Ziel ist der Kampf gegen islamistische Subversion. Dabei haben die Dänen noch Glück, dass es nicht besonders viele Türken in Dänemark gibt, sonst könnte man zu Saudi-Arabien und Katar noch einen weiteren extremistischen Problemstaat in die Aufzählung im letzten Satz aufnehmen.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        „ist sie offensichtlich lernfähig.“
        Und diese Lernfähigkeit kann selbst in D ganz schnell einsetzen, WENN es wirtschaftlich dauerhaft nicht mehr bergauf oder sogar mehrjährig bergab geht. Noch gilt eben das Scholz Mantra „wir können es uns leisten“ auch in diesem Bezug.
        Auch z.B. Südekum sprach ausdrücklich von qualifizierter Einwanderung.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        „Auch z.B. Südekum sprach ausdrücklich von qualifizierter Einwanderung.“

        Die hilft uns auch nicht weiter, wenn gleichzeitig ein Vielfaches an Unqualifizierten zuwandert und Deutschland nur einen Bruchteil der Ausreisepflichtigen tatsächlich abschiebt. Der Weg zur Erkenntnis in Deutschland ist noch sehr, sehr, sehr lang.

        Südekum würde übrigens auch stundenlang über Staubsauger reden (und zwar genauso kenntnislos und anbiedernd wie bei jedem anderen Thema) wenn die Bundesregierung eine „Deutsche Staubsauger-Strategie 2030“ entwickelt und er dadurch seine Aussichten auf Aufträge für politische Gefälligkeitsstudien verbessern kann.

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        troodon sagte:

        @Richard Ott
        Es ist doch klar, dass Südekum bei den aktuellen politischen Verhältnissen NICHT direkt sagt, er sei gegen Einwanderung von Unqualifizierten. Ohne die Stelle jetzt noch einmal anzuhören, meine ich er hätte ebenfalls einen notwendigen „positiven Beitrag“ der Einwanderer in Bezug auf die Sozialsysteme erwähnt. Er formuliert es politisch sensibel. Wenn er Kandidat für den SVR ist, sollte man nichts anderes erwarten.

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        Richard Ott sagte:

        @troodon

        „Kenntnislos“ gefällt Ihnen nicht? Sie meinen er hat tatsächlich Kenntnisse, versteckt das aber, weil er so gerne eine von Merkels Hofschranzen im „Sachverständigenrat“ werden will?

        „Es ist doch klar, dass Südekum bei den aktuellen politischen Verhältnissen NICHT direkt sagt, er sei gegen Einwanderung von Unqualifizierten.“

        Warum? Weil die Regierung und die Journalisten als Adressaten seiner Äußerung in der Südekum-Exegese so feinfühlig sind und den Wink mit dem Zaunpfahl sofort verstehen?

        Völlig falscher Ansatz, und naiv noch dazu. Die sind beratungsresistent. Denen muss man laut ins Gesicht sagen: „Unqualifizierte Zuwanderung ist schlecht, wie sollten diese Zuwanderer schnellstmöglichst abschieben oder sogar überhaupt nicht ins Land lassen“, sonst kapieren sie es nicht.

        „Er formuliert es politisch sensibel.“

        Er formuliert es anbiedernd und so, wie Merkel es hören will.

        Als echter Berater wertlos. Könnte auch von einem Schauspieler mit Sprechzettel aus dem Kanzleramt ersetzt werden.

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    Bauer sagte:

    Wenn ich den Eingangskommentar von Dr. Stelter auf seine Untertitel reduziere, so kann ich meine Meinung ziemlich kurz zusammenfassen.
    n.
    Für die letzten sechs Untertitel gilt, dass totale Kostentransparenz genügen würde, die als wesentlich erkannten Mängel abzustellen. Man könnte natürlich die Änderungen auch mit Einzelgesetzen bewirken, würde sich aber dabei verzetteln und hätte am Ende noch mehr Paragrafen, so dass bestimmt niemand mehr den Durchblick hat.

    Ein Mantelgesetz, welches nebenbei auch den Kameralismus der öffentlichen Haushalte durchbricht und auf allen Ebenen Kostentransparenz erzwingt, würde genügen. Den Rest würde der Wandel in der öffentlichen Meinung bewirken, bzw. die entsprechenden unablässig bohrenden Fragen provozieren. Der Bürger schläft nicht, wenn man ihn herausfordert!

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    Bauer sagte:

    @ Frau Dr. Fischer, @ R. Ott

    Ja, das nennt man Transparenz. In Frankreich wird ein Arzt/Klinik/Apotheke sofort bei Ende des Besuchs bezahlt. Anschliessend kann dann der Patient die quittierte Rechnung bei seiner Versicherung einreichen. Die Methode ist kurz und transparent und wirkt mit Sicherheit erzieherisch, denn die Preise sind typisch kaum mehr als die Hälfte der deutschen, bzw. ein Drittel der schweizerischen.

    Im übrigen bin ich der Meinung, dass Gesundheit eine höchstpersönliche Angelegenheit ist wie Religion. In beiden Fällen ist der Erfolg, nämlich das Paradies, bzw. ein langes beschwerdefreies Leben nicht käuflich zu erlangen, sondern bedarf eigener Anstrengung. Der Ablasshandel hat da schon seine engen Grenzen.

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      Dr.LucieFischer sagte:

      @Monsieur Bauer,
      Zustimmung, und ich bin davon überzeugt, dass eine Transparenz-Initiative von den meisten Patienten sogar begüsst würde. ( weniger von Pharma-Lobby, den GKVen und den KV-en den ärztlichen Standesvertretern, anderes Thema).
      Wenn Patienten klar würde, wie sehr sie sich durch Medikamenten und Industrie-food/ Zucker/ Transfette / Aromen/ E-Nummern-Zusatzstoffe selbst schaden würden, wäre die Hölle los ( hoffe ich). Eigenverantwortung ist überhaupt das Zauberwort für alles, was auf uns zukommt . Die Forderung danach ist fast risikolos, und wer versucht, everybody´s darling zu sein, ist halt everybody´s depp.
      Mein Lieblingsautor N.N.Taleb weist ausserdem auf das agency-Problem bei medizinischen Interventionen/ Iatrogenik hin ( Antifragilität S. 163 ff) :
      “ Wenn Sie jemandem umbringen wollen, organisieren Sie ihm einen Leibarzt“.
      Durch von Ärzten angerichtete Schäden verursachen in den USA mehr Todesfälle als irgend eine einzelne Krebsart, wobei die durch Krankenhauskeime ausgehenden Risiken noch nicht mitgerechnet sind ( MRSA-Keime , 20 Tausend Todesfälle alleine in D) .

      “ opioid drug pushing firm Mc Kinsey has agreed to pay $573 million to settle investigations for its role that “ turbocharged“ opioid sales. Mc Kinsey worked to drive sales of Purdue Pharma OxyCotin amid opioid epidemic that led to 450 000 deaths“
      nytimes. com/ 2021/02/03

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    weico sagte:

    @Stelter

    „Es gibt vielfältige Ansatzpunkte, um den Umfang der Erwerbsbevölkerung zu stabilisieren beziehungsweise dessen Rückgang zu verlangsamen. Sie reichen von einer höheren Erwerbsbeteiligung aller Bevölkerungsschichten über eine Erhöhung des Renteneintrittsalters bis zu einem Wachstum der Jahresarbeitszeit.“

    Länger und mehr arbeiten, und als „Dank“ schröpft der Staat dann bis aufs Hemd. Als „Zusatzdank“ dann noch mögliche Rentenkürzungen (wegen den Auswirkungen der Nullzinsen/Zinseszinsen..) sonstige Umverteilungs- und Ergänzungsabgaben die jetzt schon politisch „angedacht“ werden ,steigende CO2-Steuern usw. !

    Da sagt wohl selbst der „dümmste (Zahl)Michel“ … Nein danke !

    Erzählen sie mal solche „Ideen“ den Franzosen,Italiener oder Griechen …..Ups..

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      Skeptiker sagte:

      Auch bei den Gewerkschaften spricht es sich langsam herum, dass Gehaltserhöhungen auch in Form von kürzerer Arbeitszeit „ausgezahlt“ werden können. Die Malocher, denen man bisher nach der Arbeit nur Bier, BILD und Fußball zugetraut hat, fangen inzwischen an zu rechnen. Bei jeder Lohnerhöhung kann man mit wenig Aufwand ( Vergleich zum Vormonat ) die Grenzbelastung des Einkommens bestimmen. Work- Life- Balance ist dann nicht mehr nur das Wohlfühlthema für Frauen.

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    Dr.LucieFischer sagte:

    Eine Bemerkung zu den gesetzlichen Krankenkassen:
    Es wäre sehr leicht, allen Versicherten sofort die Kosten für jede Art von Diagnostik und Therapie mitzuteilen.
    Die ärztliche Abrechnungspraxis ist vollkommen intransparent und lädt zum Missbrauch gerade zu ein.
    Abrechnungsziffern werden gemolken, und so lange der betrügende Arzt nicht grob auffällt, existiert keine Kontrolle. Auch Patienten sollten auf Kostenbewusstsein achten können, unsinnige Krankenkassen-Angebot wie Fitness-, life-style- Programme u.ä. belasten das Budget und fördern zusätzlich eine unendliche Anspruchshaltung von GKV-Mitgliedern, die sich „ihren Beitrag wieder rausholen“.
    Kuren sind -bis auf ganz wenige Ausnahmen- Ferien auf Krankenschein, sollten zumindet i.A. mit sehr hohem Eigenanteil gewährt werden. ( Kuren gibt es im Ausland überhaupt nicht!) . Die wirklich schwer Kranken würden von radikalen Massnahmen profitieren, alle „Zivilisations“-Krankheiten ( = Leiden, die noch vor 50 Jahren fast unbekannt waren) sollten der Eigenverantwortung der Patienten überlassen werden. ( nach Übergangszeit und Aufklärung).

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      Richard Ott sagte:

      @Doc Fischer

      „Es wäre sehr leicht, allen Versicherten sofort die Kosten für jede Art von Diagnostik und Therapie mitzuteilen. Die ärztliche Abrechnungspraxis ist vollkommen intransparent und lädt zum Missbrauch gerade zu ein.“

      Mich als Privatpatienten (hihi) betrifft es zwar nicht direkt, aber in Deutschland haben auch gesetzlich Krankenversicherte einen Rechtsanspruch darauf, die Abrechnung vom Arzt zu sehen – wenn sie es denn wissen und wollen. Verwirrenderweise nennt man das dann nicht mehr einfach „Arztrechnung“ oder Liquidation, sondern „Patientenquittung“, die Gesundheitslobby wird schon wissen, wieso. ;)

      Aber es geht:

      „Als Mitglied der Gesetzlichen Krankenkasse erfahren Sie nicht automatisch, welche Leistungen der Arzt abrechnet und welche Kosten damit verbunden sind.

      Wenn Sie dies wünschen, können Sie nach § 305 Abs. 2 SGB V vom Arzt, Zahnarzt oder Krankenhaus eine Patientenquittung mit Kosten- und Leistungsinformationen in verständlicher Form erhalten. Dabei haben Sie die Wahl: Lassen Sie sich vom behandelnden Arzt entweder direkt im Anschluss an die Behandlung oder nach Ablauf des Abrechnungsquartals eine Patientenquittung ausstellen. Für die quartalsweise schriftliche Unterrichtung wird eine Gebühr von einem Euro erhoben. Möchten Sie die Patientenquittung per Post zugeschickt bekommen, müssen Sie die Versandkosten übernehmen. “
      https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/patientenrechte/patientenquittung.html

      Im Sinne der Kostentransparenz würde ich es auch begrüßen, wenn ich meinen Beschäftigten den Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung erstmal ausbezahlen könnte und die dann den kompletten Betrag selbst an die Krankenkasse weiterleiten. Vielen wird überhaupt nicht klar sein, dass die tasächlichen Beiträge für das Gesundheitssystem ungefähr doppelt so hoch sind wie die auf dem Lohnzettel als Abzüge vom Bruttolohn abgerechneten.

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        Dr.LucieFischer sagte:

        @Richard Ott
        Dass es formal bereits möglich ist, eine “ Quittung“ zu bekommen, ist klar.
        Allerdings setzt das Eigeninitiative und Eigenverantwortung von Patienten voraus.
        Das zu fordern wagen sich viele Patienten nicht, ( sie fühlen sich oft fast infantil abhängig von der Gunst/ Zuneigung/ des behandelnden Arztes) denn auch Ärzte
        ( “ Igel-Leistungen“) haben oft kein besonderes Interesse an Transpanrenz. Ausnahmen, klar.
        Im Gesundheitswesen auf Eigenverantwortung zu bestehen wäre auch psychologisch ein sehr heilsamer Abschied von der Voll-Kasko-Versorgungs-Mentalität, die m.E. bewusst unterhalten wird: kollekive Korruption: Alle für einen , unlimited. Das „Solidaritäts-Prizinp“ auszubeuten, wird derzeit nicht beanstandet, von keiner Instanz.
        Und Privat-Versicherten droht ständig der staatliche Eingriff, die Begierde auf die Rücklagen der privaten Krankenkassen werden eher noch zunehmen.

      • Avatar
        P. Grotmann sagte:

        @R.Ott: aus Erfahrung darf ich Ihnen verraten, dass bisher kein(!) Kassenpatient eine solche Quittung sehen wollte.

        Auch die Kassen forcieren das nicht, denn sie fürchten, dass sich die Patienten fragen, wo ihre Beiträge bleiben, beim (Kassen)Arzt eher nicht.

        Dabei sind die Quittungen sogar falsch hoch, denn sie enthalten die abgerechneten Gebührenpositionen.
        Dieses Geld bekommt der Arzt aber nicht, weil ein Honorarverteilungssmassstab davor geschaltet wurde, der das dem Arzt zustehende Honorar auf auf das zur Verfügung stehende kürzt.

        In Nordrhein z.B. auf 14€.
        Nicht pro Besuch, sondern pauschal alle 3 Monate!
        Das zum Thema Motivation…. ;-)

      • Avatar
        Bauer sagte:

        @ P. Grotmann

        >> „Dabei sind die Quittungen sogar falsch hoch, denn sie enthalten die abgerechneten Gebührenpositionen.
        Dieses Geld bekommt der Arzt aber nicht, weil …
        In Nordrhein z.B. auf 14€.
        Nicht pro Besuch, sondern pauschal alle 3 Monate!“

        Mit Verlaub, da muss man schon ausgewiesener Masochist sein, um unter diesen Bedingungen noch einen sogenannten freien Beruf auszuüben.

      • Avatar
        AJ sagte:

        @Grotmann: Warum sollte man auch eine Quittung sehen wollen, deren Erstellung mit einer (wenn auch niedrigen) Gebühr belegt ist. Die Leute gehen zum Arzt, weil sie Behandlung brauchen, nicht weil sie eine Quittung kaufen wollen.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @AJ

        Die Leute gehen auch zum Autohändler, weil sie ein Auto brauchen und nicht weil die zugehörige Rechnung so dekorativ aussieht.

        Wie viel das Auto kostet, interessiert die Leute aber trotzdem – und zwar weil sie es direkt selbst bezahlen müssen und es keine vom Staat subventionierte „gesetzliche Autokostenversicherung“ gibt…

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