„Das Ende von Papier- und Schuldgeld?“

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Dieser Kommentar von mir erschien bei der WirtschaftsWoche Online:

Der Aufstieg von Bitcoins ist auch die Folge eines Vertrauensverlustes in unser Geldsystem. Dieser ist sicherlich berechtigt. 2018 könnte schon die nächste Euro-Krise vor der Tür stehen.

Vorige Woche habe ich mich an dieser Stelle kritisch mit der Wertentwicklung von Bitcoins befasst. Dass die Gebrüder Winklevoss, bekannt durch ihren Rechtsstreit mit Mark Zuckerberg über die Gründung von Facebook und von Hollywood im Film The Social Network nicht gerade als intellektuelle Leuchten porträtiert, mit Bitcoins Milliardäre geworden sind, ändert an dieser Einschätzung nichts. Sie haben elf Millionen US-Dollar aus der Abfindungszahlung von Zuckerberg vor etwas mehr als vier Jahren in Bitcoins angelegt. Heute, nach einer Preissteigerung um sagenhafte 10.000 Prozent, ein Betrag von über einer Milliarde. Nicht schlecht.

Abnehmendes Vertrauen in Geldordnung

Ein maßgebliches Argument der Anhänger von Kryptowährungen ist, dass es sich hierbei um Geld handelt, welches nicht auf Kreditbeziehungen basiert und nicht von Staaten und Notenbanken manipuliert werden kann. In der Tat wirken Kryptowährungen eher deflationär als inflationär und es würde weder zu Inflation, übermäßig steigenden Vermögenswerten noch zu Spekulationsblasen kommen. Nur in unserem schuldbasierten Geldsystem ist es denkbar, dass sich über Jahre die Vermögenswerte nachhaltig schneller bewegen als die realwirtschaftliche Aktivität. Reich werden mit Leverage ist dann nicht so leicht möglich, wie in den vergangenen 46 Jahren, seitdem wir die letzte Bindung zu Gold als beschränkenden Faktor aufgegeben haben.

Spiegelbildlich zu diesem Aufschwung der Vermögenswerte ist auch die weltweite Verschuldung auf nie geahnte Werte gestiegen. Kritiker wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich weisen immer lautstärker darauf hin, dass wir uns in einer Spirale abnehmender Zinsen und steigender Geldmengen befinden, nur mit dem Ziel einen Zusammenbruch unseres Schuldenturmes und damit auch der Vermögensblasen zu verhindern. Auf Dauer kann dies nicht gut gehen. Und das wissen wir alle.

Kein Schuldgeld ist sicher

Insofern ist es nur konsequent, aus dem bestehenden System zu flüchten. Krachen die Schuldner, verlieren die Gläubiger und damit letztlich all jene, die ihre Ersparnis in Kreditgeld aufbewahren. Konten bleiben keine sichere Aufbewahrungsstelle. Zu groß die Gefahr bei der nächsten Runde der „Bankenrettung“ an den Kosten beteiligt zu werden, zu groß die Gefahr, dass es doch noch gelingt, das Vertrauen in die Geldordnung so zu zerrütten, dass eine Hyperinflation die Folge ist.

Ob Bitcoin und Co. dafür die richtige Antwort sind, bezweifle ich sehr. Sie basieren zwar auf einer guten Logik und einer interessanten Technologie, dennoch ist die Bewertung nicht konsistent zur Bewertung anderer Wertaufbewahrungsmittel, wie beispielsweise dem Gold. Ganz nach dem Motto: wenn wir schon dem bestehenden Geldsystem kritisch gegenüberstehen, dann bitte konsequent. Statt also der Blase in den Kryptowährungen hinterherzulaufen, sollten die Skeptiker, den Bestand an Gold und Silber in physischer Form aufstocken.

Dabei gilt die Skepsis all jenen Schuldgeldsystemen, in denen die Verschuldung relativ zum Bruttoinlandsprodukt zu hoch ist. In diesen Regionen besteht die größte Notwendigkeit und damit Gefahr, über eine Entwertung des Geldes die Schuldenlast zu drücken.

Ist der Euro gar nicht so schlecht?

Was dann zu der Frage führt, wie denn eine Rangordnung der Schuldgeldwährungen aussehen würde. Ist der Euro – wie von mir an dieser Stelle immer wieder betont – wirklich so schlecht oder sind nicht US-Dollar, Pfund, Rubel und Renminbi mindestens genauso schlecht? Selbst der Schweizer Franken wird von einer Notenbank repräsentiert, die wie keine andere in der Welt die eigene Bilanz relativ zum Bruttoinlandsprodukt aufgebläht hat, um eine weitere Aufwertung des Frankens zu verhindern.

Die erste Aussage dazu ist leicht: Alle diese Schuldgeldsysteme sitzen im gleichen Boot. Zunächst versuchen die Notenbanken über eine relative Abwertung einen (kurzfristigen) Vorteil zu erzielen. Auf Dauer unterscheiden sie sich nur in der Geschwindigkeit der Entwertung und dem Verlauf der Krise. Hier nun kommt meine Skepsis bezüglich des Euro zum Tragen.

Der Euro hat gegenüber den anderen Währungen verschiedene Nachteile:

  • Er dient nicht einem einzigen Land, sondern mehreren Ländern mit divergierenden Interessen (Gläubiger/Schuldner). Dies macht eine Reform so schwer.
  • Die EZB handelt zwar für den Euro, verbindet damit aber zwangsläufig eine Umverteilung zwischen Ländern, was die Reaktionsfähigkeit auf Krisen einschränkt.
  • Der Euro wird am Ende politisch scheitern, weil eines oder mehrere Länder die mit dem Euro verbundenen echten oder empfundenen Nachteile nicht mehr akzeptieren wird.

Der Euroraum ist deshalb mit Blick auf die sich abzeichnende nächste Phase der Krise der Schuldgeldsysteme besonders schlecht aufgestellt. Es kann dabei sogar sein, dass er temporär weiter und deutlich gegenüber den anderen Währungen aufwertet, was aber kein Zeichen besonderer Euro-Qualität wäre, sondern nur ein Symptom rascherer Entwertung in anderen Regionen, zulasten der Wirtschaft hier. Im Wettlauf nach unten ist der Euro – man mag es kaum glauben – verglichen mit anderen im Nachteil.

Nächste Eurokrise schon 2018

Schon im kommenden Jahr kann der Euro wieder unter Druck geraten. Die derzeitigen Umfragen versprechen für Italien eine Mehrheit für EU- und Euro-skeptische Parteien. Nun wissen wir, dass die Umfragen nicht unbedingt eintreten müssen und auch, dass Parteien und Politiker nach Wahlen nicht immer das tun, was sie zuvor versprochen haben. Wir wissen auch, dass Italien wohl eher uns Deutsche (erfolgreich) erpressen wird, als den Euro zu verlassen. Dennoch ist es ein weiteres Warnsignal, dass der Euro eben nicht auf Dauer überleben kann. Die „Rettung“ wird immer teurer.

Taktisch müssen wir uns als Geldanleger auf die nächste Phase der Eurokrise einstellen. Strategisch auf die nächste Phase der Krise unseres Schuldgeldsystems. Die Erfahrung spricht dafür, dass auf diese mit noch mehr und noch billigerem Geld reagiert werden wird. Spätestens dann ist ein Umstieg in werthaltige Sachwerte angezeigt. Aktien, Immobilien und Gold gehören dazu. Bitcoins wohl eher nicht.

→ WiWo.de: „Das Ende von Papier- und Schuldgeld?“, 7. Dezember 2017

23 Kommentare
    • Michael Stöcker says:

      Mayer ist auf der ehrlichen Suche nach dem korrekten Verständnis leider in eine weitere Sackgasse geraten. Das Kreditgeldsystem ist kein Bug, sondern das notwendige Feature eines erfolgreichen Geldsystems. Geld ist KEIN Tauschmittel, Herr Mayer. Es nutzt nichts, wenn man den einseitigen Blick von der Passivseite einer Bilanz nun einseitig auf die Aktivseite richtet. Soziale Interaktion besteht immer aus Kontrakten. Kontrakte dieser Art sind immer mindestens zweiseitig. Und somit gehört zu jedem Kontrakt sowohl eine Forderung als auch zugleich die korrespondierende Verbindlichkeit. Und dann wirft er auch noch Vollgeld mit 100 % Money in einen Topf.

      Wer sich weiter verwirren lassen möchte, der ist bei Mayer gut aufgehoben. Wer anschließend die Lösung für Mayers Evolutionsgedanken sucht, der wird bei Bernhard Lietaer reichlich beschenkt: https://zinsfehler.com/2017/12/08/bancor-geldevolution-oder-geldrevolution/. Viel Stoff für den 2. Advent.

      LG Michael Stöcker

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  1. Michael Schulze says:

    Die Welt: Und nun?

    Armstrong: Es gibt nichts mehr, wo man sein Geld guten Gewissens reinstecken kann. Vielleicht wird es in Amerika nach dem Platzen der Staatsanleihenblase noch mal die Möglichkeit geben, nach einem Rücksetzer bei Aktien, einzusteigen. Aber auch dann ist irgendwann Schluss.
    http://chalaux.org/nw/escrits/martin-armstrong-zwei-interviews-de.htm

    Die Welt: Was sagt Ihr Modell?

    Armstrong: Der große Crash wird kommen. 2017 oder 2018.

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  2. Wolfgang Selig says:

    bto: „Schon im kommenden Jahr kann der Euro wieder unter Druck geraten. Die derzeitigen Umfragen versprechen für Italien eine Mehrheit für EU- und Euro-skeptische Parteien.“
    Dazu kann ich nur sagen: Gott sei Dank! Wenn Italien einen Euro-Austritt prüft, ist das politisch ganz etwas anderes als wenn Deutschland das machen möchte. Nur über ein Land, das erstens groß genug ist, um die Bedeutung des Euros zu schwächen, und zweitens kein Nettozahler ist, der sofort als Egoist angefeindet würde, kann mit der planmäßigen Rückabwicklung des Euro begonnen werden. Es wäre schlimmer, wenn es beim margin call zum unkontrollierbaren Zerfall der Eurozone oder zu anderen schlimmen Verwerfungen (z.B. extreme Inflationsraten) kommen würde.

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  3. Walter Roth says:

    Kryptogeld ist nichts ……..nur eine Illusion.

    Hat sich hier schon mal jemand gefragt was ist wenn der Bitcoin auf Null abstürzt.
    Kann man irgendwo sein Recht in Sachen Bitcoins einfordern, durchsetzen ?
    Wo kann man klagen und was gibt’s für Paragraphen dazu ?
    Wer steht hinter den Bitcoins…. ausser jenem „Japaner“ glaube ich, den man nicht wirklich mit den Coins in Verbindung bringen kann, von dem man aber sagt er habe das Programm entwickelt, oder den ca. 100 Spekulanten die ca. 51% der Coins halten und also faktisch über dessen Entwicklung bestimmen ?
    Wenn das ganze nur eine Spekulation war und ist, was ist wenn das Spiel unredlich geführt wird, also wenn man die Bitcoin Jünger betrügt ?
    Natürlich, die sagen Blockchain verhindere das und je mehr und grösser die Kette wird, umso effektiver.
    Aber, sind wir sicher das diese Technologie nicht kontrolliert werden kann, sprich manipulierbar ist ?
    Ich finde es immer wieder erstaunlich wie Menschen derart viel …..jederzeit einsetzbares Geld in etwas derart nebulöses umtauschen.
    Ist blanke Gier die Triebfeder ?
    Wie kann der Bit etwas wert sein wenn keinerlei Arbeit dahinter steckt ?
    Mining wollen wir doch hier nicht als wertschöpfende Tätigkeit betrachten, oder ?
    Wenn der Coin stützt, und das wird er, haben einige ungeheuer gut verdient und viele kleine alles verloren, aber dann beginnt das Spiel von neuem. „Rien ne va plus“
    Natürlich sollte jeder der das macht, eigenverantwortlich sein und die Risiken abschätzen können.
    Aber ist dem wirklich so ?

    Nichts als Fragen………………. und niemand will die Antworten wissen, er steigt und steigt ja…..((((-:

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    • siri says:

      Post aus einem anderen Forum:

      A word of caution in regard to Bitcoin and cryptocurrencies…

      I’d like to repeat what counterfeited money is, again, as we shift to bitcoin:
      Again, to repeat: Money is counterfeited when it is created without reflecting a trade imbalance.
      Now, we shift to the new technology, High Frequency Trading. What happened is that money (as trade imbalance) was now created electronically at microsecond speed.
      So, what does HFT (High Frequency Trading) do? HFT counterfeits dollars in microseconds time spans. It is illegal, it is a crime, but the law somehow doesn’t cover microseconds.
      HFT firms have no dollars, but they can buy anything that is traded electronically by use of algos. And they buy/sell without having any dollars. They simply counterfeit money, look at your positions, buy securities without having any dollars, sell them, pocket the profit.
      Now, that requires GREATER FOOLS, it requires HUMANS which would be the victims of HFT. Usually, it is the institutions which control world markets, not simple people. Hence, Greater Fools understand the game and walk out, eventually.
      When the greater fools walk out, these are called: MARKET CRASHES.
      Now, we shift to Bitcoin. The thing with Bitcoin is that Greater Fools are now the world citizens, not corporations and institutions, as this is a global game accessible to all simple people.
      Major players are now using HFT technology, to buy Bitcoin without having any money at all. If Dow could go 400% higher from 2009 in 8 years, using HFT for 70% of the trades, Bitcoin has gone galactically higher in a very short time.
      Why? Because the game is global now, accessible to all simple people with a computer and internet access, whereas Dow, stocks, bonds, commodities are mostly traded by corporations and institutions.
      So, major players, without having any money, just because such access is granted, they simply counterfeit dollars via algorithms. it is that simple. The simply counterfeit electronic dollars by use of algos. It is not dollars, it heat, just heat.
      Back to original concept of money: Money is a legal document showing trade imbalances among citizens.
      As you see, money created via HFT and in Bitcoin exchanges is simply counterfeited, as it does not show any trade imbalance. Major players have been allowed access to do that.it is that simple.
      So, anybody with preferred access to bitcoin exchanges, can create an algo which creates counterfeit money, which buys bitcoin, which waits for greater fools worldwide to come in with their real money to sell them to.
      And that is why Bitcoin now keeps going up by $1000 in mere hours, because players with preferred access design algos which look at the positions of the greater fools, which now come from all over the world, from anybody with a computer and internet.
      So, assume you are that Major Player with preferred access. You design an algo, and buy bitcoin at $16000 right now. You do not need any money for it, you simply counterfeit it, just because. It is a crime, but law has not covered that yet
      So, greater fools worldwide, with a computer and internet access, rush in to buy bitcoin at $16000 from you. You sell, you make the profit, without having any money at all, just big computers, great quants and preferred access
      Now, you have noticed that Bitcoin can drop $3000 in few hours. Yes, it can, when algos push it up by $3000, but no greater fools appear to sell to. Since they had no money, they have to drop their positions until greater fools appear. Hence, sudden drops.
      You see, the point is to make a profit, not to hold securities or bitcoin. You can’t hold it, because you used no money to buy it anyway. You get the point?

      So, everything depends on the constant inflow from greater fools. And since Bitcoin is accessible to many greater fools worldwide, it can go on until no greater fools remained.
      Now, you’d ask? Why does the Government allow this, being a Madoff scheme on top of counterfeiting money? That is a trillion dollar question. I have an idea, but that is for another thread.

      mathematical fact: http://market-ticker.org/akcs-www?post=232646

      So my last question to you would be this: Do you believe in exeptions from the laws of mathematics?

      Antworten
    • eth says:

      > Aber, sind wir sicher das diese Technologie nicht kontrolliert werden kann, sprich manipulierbar ist ?

      Ja. Sind wir. Die verwendeten kryptographischen Verfahren sind wasserdicht. Bis auf weiteres. Mag sein, dass wir in 30 Jahren Quantenrechner im Arbeitszimmer stehen haben, die über genügend Rechenpower verfügen um in ein paar Minuten eine 171Gb lange Bitcoin-Blockchain neu zu berechnen. Oder dass Kryptoanalysten eine Möglichkeit finden die Komplexität des SHA-256d-Algorithmus mit einem Kniff massiv (10 hoch 30) zu reduzieren. Beides würde ich vorsichtig optimistisch als unwahrscheinlich einstufen.

      In meinen Augen ist der springende Punkt ein anderer: Bitcoin et al sind Privatwährungen. Niemand muss seine Steuern, seine Immobilienhypothek oder seinen Geschäftskredit in Bitcoin bezahlen. Oder seine Stromrechnung. ;-)

      Apropo Stromrechnung: das Mining wird immer stromintensiver. Deshalb wäre es in der Tat interessant zu sehen, was passiert, wenn der Bitcoinkurs längere Zeit unterhalb der anfallenden Stromkosten rangiert, die es erfordert um einen neuen Block mit gültigem Nonce und Hash zu produzieren und damit einen Bitcoin vom Protokoll zugeschrieben zu bekommen. Nach einer gewissen Zeit wird es auch dem fleissigstem Miner (bzw. Minerpool) zu teuer werden. Dann werden die Entwickler das Protokoll bzw. den Code ändern müssen, um die Komplexität der kryptografischen Aufgabe zu reduzieren, und es käme zu einem erneuten Hardfork.

      > und niemand will die Antworten wissen, er steigt und steigt ja.

      Was mit der Enge des Marktes zusammen hängt. Trotzdem werden irgendwann auch die leidenschaftlichsten Spekulanten bemerken, dass es sich um digitale Tulpenzwiebeln handelt.

      Antworten
      • eth says:

        @ws: Kommen Sie denn zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie ich?

        Informationen zur Funktionsweise in allgemein verständlicher Form finden Sie einen Klick weit entfernt (mitnichten Lichtjahre ;-) ):

        https://en.bitcoin.it/wiki/Block
        https://en.bitcoin.it/wiki/Hash
        https://en.bitcoin.it/wiki/Nonce

        Das Original von Satoshi Nakamoto finden Sie hier:
        https://bitcoin.org/bitcoin.pdf

        Es schadet natürlich nicht, wenn man sich vorher schon etwas mit Kryptographie beschäftigt hat. :-)

        Bitcoin bietet Fälschungssicherheit – sicherlich ein wichtiges Geldmerkmal. Herr Stöcker – der Forenteilnehmer von dem ich annehme, dass er sich am intensivsten mit dem Wesen von Geld auseinander gesetzt hat – könnte uns vermutlich am Besten sagen, welche Eigenschaften Geld sonst noch innewohnen müssen, damit es als Zahlungs-, Wertaufbewahrungs- und Schuldentilgungsmittel geeignet ist.

        Beim Bitcoin hat es bereits zwei bedeutende Forks gegeben (BCH und BTG). Weitere werden folgen, vermutlich mit dem Ziel die bestehenden Schwachpunkte auszumerzen. Die Stromkosten steigen derweilen designbedingt (!) exponentiell, die Zahl der Transaktionen pro Zeiteinheit ist viel zu gering um irgendeine der wichtigen Währungen bedrohen zu können.

        Aber nehmen wir mal für einen Moment mal an, die USA, China, Russland und/oder andere mächtige Staaten lassen zu, dass ihre Währungen durch Privatwährungen verdrängt werden. Immerhin hat man andere Wirtschaftssektoren auch privatisiert bzw. dereguliert. Zur Zeit stehen die deutschen Autobahnen zur Disposition. Also warum nicht auch das Währungsmonopol des Staates?

        BTC wäre dann so etwas wie das neue Gold. Damit geht man nicht einkaufen. Die Kursverläufe, die wir zur Zeit sehen, sind typisch für enge Märkte und Spekulatenhypes und ich rate ausdrücklich nicht zum Kauf (obwohl ich „Gold“ gesagt habe). Viele Marktteilnehmer halten gar keine eigene Bitcoin-Wallet auf ihrem Rechner sondern nutzen einen Dienstleister dafür, d.h. sie vertrauen hier auf eine Verbriefung von BTC. Die Ziele mit denen BTC gestartet ist, werden damit bereits konterkariert. Zur gleichen Zeit versuchen über 1300 andere Kryptowährungen sich zu etablieren, viele davon werden ge-mined und haben damit ähnliche Performance- und Energiekostenprobleme wie BTC.

        Das sind Punkte, die von IOTA und Ripple angegangen werden. Hier entfällt das stromintensive Mining, zu dem jeweils verwendeten Konsensussytem habe ich mir noch keine abschliessende Meinung gebildet. Bemerkenswert ist, dass sich Ripple Labs den Banken regelrecht anbiedert. Werfen Sie mal einen Blick auf die Investoren und Gründungsmitglieder, die bei XRP und MIOTA mit im Boot sitzen.

        Sollten Kryptowährungen als Konkurrenz zu den etablierten Währungen tatsächlich zugelassen werden, ja, vielleicht irgendwann einmal sogar gefördert (und reguliert :-) ) werden, dann dürfen Sie dreimal raten, welche Kryptowährungen die besseren Chancen haben sich durchzusetzen.

        Was mich interessieren würde… und ich bezweifele, dass man hierzu verlässliche öffentlich zugängliche Informationen findet… wo stehen Unternehmen wie Alphabet, Facebook und Amazon? Oder Investoren wie Peter Thiel? Und Goldman Sachs? Für diese Unternehmen arbeiten die hellsten Köpfchen des Planeten.

      • Wolfgang Selig says:

        @eth: ich kann mir nicht im Ansatz vorstellen, dass irgendein Staat das Geldschöpfungsmonopol aufgibt. Und das ist m.E. auch der Grund dafür, warum die großen IT-Konzerne nicht mitmachen. Der Staat würde sofort zuschlagen und bei der Gelegenheit das bisher noch geduldete Quasi-Monopol (egal, ob Suchmaschine, soziales Netzwerk oder onlinehandel) mit erledigen, weil er einen Aufhänger hat. Der unausgesprochene deal lautet: ihr bleibt aus der Politik draussen und verhaltet euch systemkonform; wir lassen Euch Geld verdienen, solange Ihr brav bleibt. Wer dagegen verstößt, kann einpacken. Sehr schön zu sehen bei nahöstlichen Staatschefs, die den Petrodollar abschaffen wollten. Die waren nur nicht so clever wie Jeff Bezos und Kollegen…

      • Dietmar Tischer says:

        >… welche Eigenschaften Geld sonst noch innewohnen müssen, damit es als Zahlungs-, Wertaufbewahrungs- und Schuldentilgungsmittel geeignet ist.>

        Ich nenne drei notwendige, wenn auch sicher nicht hinreichende Eigenschaften, wobei ich technische und regulative Sonderheiten, wie z. B. einen Annahmezwang ausblende:

        a) ALLGEMEINE Akzeptanz

        Bitcoin wird nur dann so gebräuchlich wie unser heutiges Geld werden, wenn es von ALLEN akzeptiert wird. Mein Bäcker nimmt nämlich mein Bargeld, d. h. verkauft mir Brötchen gegen Zahlung mit Euro-Münzen oder –Scheinen NUR, weil er sich SICHER sein kann, dass auch sein Mehllieferant diese Scheine akzeptiert. Generell: Gutschriften und Abbuchungen allgemein akzeptiert werden.

        Dahin müssen Bitcoins erst einmal kommen.

        b) KEINE Wertschwankungen

        Wenn Bitcoin oder andere Digital-Währungen zwar allgemein akzeptiert werden, aber aus welchem Grund auch immer im Wert so wechseln können, dass diese Woche ein Produkt Y x Bitcoins kostet, nächste Woche aber 2 mal x, dann wird dieses Geld nie Zahlungs- oder Wertaufbewahrungsmittel werden können.

        Die Frage ist, wer diese Wertstabilität für Bitcoins sichert.

        c) GESICHERTE Verfügbarkeit

        Man muss Bitcoins bekommen können, wenn man sie haben will (vorausgesetzt natürlich, dass man über die Bonität verfügt, sie bekommen zu können). Wenn der Bankautomat aus irgendeinem Grund ausfällt, muss man – Stand heute – z. B. bei Obi Geld ausgezahlt bekommen können.

        Bestehen Zweifel daran, dass dies bei Bitcoin der Fall ist, wird es sich im Wettbewerb mit bestehendem Geld nicht durchsetzen können.

        Kurzum:

        Die Hürden sind HOCH, wenn die Bitcoin gewöhnliches Geld werden will. Das gilt für die Technik der Geldproduktion ebenso wie für die praktische Handhabung. Ich bezweifle, dass diese ohne staatliche Regulierung realisierbar ist. Verglichen damit halte ich positive Merkmale wie Fälschungssicherheit für untergeordnet, wenn es nicht um spezielle Erfordernisse, sondern um ein flächendeckendes Zahlungsmittel geht.

      • eth says:

        > ich kann mir nicht im Ansatz vorstellen, dass irgendein Staat das Geldschöpfungsmonopol aufgibt

        @ws: Ja, das sollte man meinen.

        Wenn man aber mal genau hinschaut… die Geldschöpfung liegt schon lange nicht mehr in der Hand des Fürsten oder der Regierung, sondern ist Privileg der Banken. Und was die Währungshoheit angeht, haben zumindest die Euro-Länder diese in grossen Teilen abgegeben. Manche Länder können ihr gesetzliches Zahlungsmittel auch gar nicht durchsetzen, weil die Bürger lieber USD oder EUR verwenden.

        Wie ich an anderer Stelle bereits geschrieben habe, halte ich es auch für am wahrscheinlichsten, dass die Datenbankeinträge in zukünftigen Ledgers/Blockchain/Tangles in herkömmlichen Währungseinheiten geführt werden. Daher die Formulierung „nehmen wir mal für einen Moment an“.

        > Der unausgesprochene deal lautet: ihr bleibt aus der Politik draussen und verhaltet euch systemkonform; wir lassen Euch Geld verdienen, solange Ihr brav bleibt.

        Vermutlich haben sie Recht. Wer die Vorherrschaft des US-Dollars in Frage stellt, hat mutmasslich gute Chancen de-Margerie-t zu werden.

        @dt: Alles richtig was Sie schreiben. Bitcoin fehlen alle notwendigen Mindestvoraussetzungen. Auch XRP und MIOTA haben Eigenheiten, die mit einer modernen Währung nicht kompatibel sind. Zum Beispiel ist die Zahl der Einheiten limitiert. Damit wären sie – wenn man sie verwenden wollte – inherent deflationäre Währungen.

      • Walter Roth says:

        Eth……………

        Ich dachte gar nicht daran das „Diebe“ den Code ändern könnten, sondern das der Erschaffer des Bitcoin-Systems sich eine Hintertüre gesichert hat.
        Tatsache ist, alle die mit Bitcoin zu tun haben sind auf etwas angewiesen was sie nicht kennen.
        Es ist keine Kontrolle da ausser eben das Blockchain-System das sich selber schützen soll, dessen Entwickler wir aber nicht kennen.

        Das Bitcoins eine „Privatwährung“ sein können, warum nicht…. das habe ich nichts dagegen, nur ändert das nichts an meinen Fragen, denn „Privat“ bedeutet keinesfalls Narrenfreiheit.

      • eth says:

        Immer diese Hintertüren. ;-)

        Aber der Reihe nach:
        1. die Mathematik… ist wie gesagt sicher.
        Nach heutigem Stand der Wissenschaft haben kryptographische Methoden eine Lebensdauer von ungefähr 30 Jahren. Früher oder später finden Mathematiker einen Kniff (Kryptoanalyse) die einen Angriff um einen hohen Faktor vereinfacht, die Leistungsfähigkeit der Computer nimmt um einen hohen Faktor zu, oder beides.
        (siehe z.B. https://de.wikipedia.org/wiki/MD5 )

        2. das Design… ist sehr vermutlich wasserfest.
        Das Protokoll liegt offen. Das heisst nicht notwendigerweise, dass es keine Fehler aufweist. Wenn solche gefunden werden, ist es wahrscheinlich, dass sich die Developer-Community in relativ kurzer Zeit auf eine Veränderung des Protokoll einigt und das Problem behebt.

        3. die Implementierung… ist immer der Schwachpunkt.
        Sie dürfen davon ausgehen, dass der Code nicht fehlerfrei ist. Ab einer gewissen Softwarekomplexität sind Fehler eine statistische Notwendigkeit. Das gilt auch für Open-Source-Projekten mit grösserer Entwicklercommunity. In der Vergangenheit wurden auch schon gezielt Fehler (Hintertüren) in den Code von Projekten eingeschmuggelt – open- wie closed-source.

        Bisher basierten die meisten Diebstähle auf Angriffe gegen Handelsbörsen bzw. deren Server. Es hat aber auch schon Angriffe gegeben, die Fehler im Projekt-Code für Diebstähle ausgenutzt haben.

        Um Ihre Frage also etwas allgemeiner als gestellt zu beantworten: es gibt keine 100%ige Sicherheit. Das gilt natürlich für alle Einrichtungen und Institutionen, die sie im Alltag verwenden.

        Oder noch allgemeiner: das Leben ist schmutzig, nur die Mathematik ist sauber und rein. ;-)

        Ein Teil der Sicherheit der Cryptocurrencies basiert übrigens darauf, dass (sehr) viele Rechner einen Konsens herstellen müssen. Wenn jemand also den aktuellen (!) Block der Bitcoin-Blockchain manipulieren will, muss er mindestens 51% der kollektiven Rechenkapazität unter seine Kontrolle bringen. Viel Spass dabei.

        > Das Bitcoins eine „Privatwährung“ sein können, warum nicht…. das habe ich nichts dagegen,

        Wenn Sie Dr. Stelters Blog längere Zeit lesen, oder das von Herrn Stöcker, werden sie verstehen, warum Privatwährungen – abgesehen von Gold, wenn man es denn als solche betrachten wollte – nicht funktionieren können.

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