Vom Zins zu Geld und Banken – Eigentumsökonomik III

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In den letzten zwei Wochen haben wir die Dynamik unseres Wirtschaftssystems mit Privateigentum, Schulden und Zinsen erklärt, basierend auf der Theorie der Eigentumsökonomik der Professoren Heinsohn und Steiger. Heute nun der Blick auf Geld und Banken.

Mit zunehmender Kreditvergabe stieg das Bedürfnis nach Dokumentation und Beurkundung durch einen neutralen Dritten, eine Aufgabe, die meist den Priestern übertragen wurde und so zu einem Aufgabenwandel der Tempel beitrug. Immer mehr übernahmen die Tempel die Aufbewahrungsfunktion für die Privateigentümer, die sich so von der Vorratsbewirtschaftung entlasten konnten. Die Tempel waren es auch, die eine Verwertung der eingelieferten Tilgungen und Zinszahlungen übernahmen. Damit war die Grundlage für eine neue Branche gelegt: die Banken. Es verwundert nicht, dass selbst in heutiger Zeit, die eine oder andere Bank architektonisch an einen Tempel erinnert.

Die wachsende Lagerhaltung der Tempel/Banken führte wegen der Verderblichkeit der gelagerten Güter zu steigenden Kosten. Man brauchte also einen Ersatz. Schon zuvor hatte man einen „Geldstandard“ eingeführt, zum Beispiel Silber, um die Kredite zu bewerten. Dies diente meist nur der Dokumentation, und es wurde noch in Getreide bezahlt.

Nun ging man einen Schritt weiter: Man erfand das eigentliche „Geld“. Münzen wurden geprägt, um damit einen Anspruch auf das Vermögen der Bank zu dokumentieren. Wer Geld weitergibt, zum Beispiel weil er etwas kauft, überträgt folglich eine Forderung, ein Anrecht auf Eigentum. Die Prägung diente dazu, Rechtssicherheit zu schaffen und Fälschungen zu erschweren. Diese Münzen hatten einen Wert, weil sie eine Forderung gegen das Eigentum der Bank darstellten, welches wiederum zu einem guten Teil aus Forderungen gegen andere Schuldner bestand, die mit deren Eigentum, zumeist Grund und Boden, besichert waren. Noch heute heißt es auf US-Dollar-Noten, dass diese als „gesetzliches Zahlungsmittel für öffentliche wie private Schulden gelten“ – ein klarer Hinweis auf die dahinterliegenden Kreditkontrakte, die das Entstehen von Geld erst ermöglichen. Der Wert dieser Münzen ergibt sich nicht nur daraus, dass sie aus Silber oder Gold geprägt wurden. Dies wurde gemacht, um die Fälschungssicherheit zu erhöhen, weil diese Metalle knapp waren, also ähnlich dem Wasserzeichen auf den heutigen Banknoten und um dem Gläubiger direkt Sicherheit an die Hand zu geben. Der Goldstandard ist somit nur eine Unterform der Besicherung von Geld und keineswegs erforderlich, um stabiles Geld zu schaffen. Stabiles Geld setzt lediglich voraus, dass die kreditgebenden Banken nur gegen gute Sicherheit Kredite gewähren.

Die Beleihung von breiter definiertem Eigentum, also Grund und Boden, Maschinen und „immateriellen Gütern“, ermöglicht das nachhaltige Wachstum einer Wirtschaft und ist keineswegs unsolide. Unsolide wird es erst, wenn die Zentralbank Geld herausgibt, ohne derartige gut besicherte Schulden anzukaufen, sondern Schulden mit geringeren oder gar keinen Sicherheiten in Form von Eigentum. Dies ist der Fall, sobald von Seiten der Zentralbanken in eine umfangreiche Finanzierung des Staates eingestiegen wird, weshalb die Staatsfinanzierung durch die Notenbank zu Recht in vielen Notenbankgesetzen verboten wird.

So praktisch die Erfindung von Geld als „umlauffähig gemachte Schulden“ ist, so problematisch ist es für die Schuldner. Diese müssen in etwas zurückzahlen, was sie nicht selber herstellen können. Sie müssen es sich durch Verkauf ihrer Erzeugnisse auf dem Markt beschaffen. Dabei konkurrieren sie mit anderen Schuldnern, die genau dasselbe wollen. Der Druck nimmt also nochmals zu, durch Kreativität und Innovation entweder besser oder zumindest billiger zu sein als der Wettbewerb.

Alles Geld basiert folglich auf vorausgegangenem Kredit. Kredit basiert auf vorhandenem, verpfändbarem Eigentum. Um an Geld zu gelangen, muss der Schuldner es am Markt verdienen.

Doch wieso kommt es zu Krisen im System? Der Frage gehen wir im letzten Teil unserer kleinen Serie am kommenden Mittwoch nach.

Schulden sind gut – Eigentumsökonomik I

Vom Kredit zum Zins – Eigentumsökonomik II

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