„ECB stress tests vastly understate risk of deflation and leverage“

Schon am Montag habe ich den Stresstest als Theaterstück für die Provinzbühne bezeichnet und auf die völlig unzureichenden Stressannahmen hingewiesen, unter anderem das völlige Fehlen eines Deflationsszenrios, weil eben nicht sein kann, was nicht sein darf. Zu Ergänzung nochmals die Zusammenfassung von Ambrose Evans-Pritchard im Telegraph. Die Kernpunkte:

  • George Magnus von der UBS (den ich schon mehrfach hier zitiert habe) hält es für einen groben Fehler, Deflation nicht geprüft zu haben, da diese die Solvenz der Banken nachhaltig belastet. Vor allem, weil ein großer Teil der Krisenländer bereits in der Deflation steckt oder kurz davor ist.
  • Im schlimmsten Fall erwartet die ECB für 2014 eine Inflation von ein Prozent – dabei liegt sie schon jetzt bei 0,3 Prozent und faktisch null, wenn man die Steuereffekte rausrechnet.
  • Der Kapitalbedarf von nur 9,5 Milliarden ist unglaubwürdig bei einer Bilanzsumme aller Banken im Euroraum von immerhin 22 Billionen.
  • Eine neue Studie beziffert alleine den Kapitalbedarf der 39 größten Banken in einem echten Stressszenario, welches auch die Wechselwirkungen zwischen den Banken berücksichtigt, auf 450 Milliarden. (bto: Ein ziemlich deutlicher Unterschied!)  Dabei orientierten die Wissenschaftler an dem echten “Leverage”, also der Eigenkapitalquote relativ zur Bilanzsumme und nicht am von der EZB und allen Bankenaufsehern verwendeten Konzept der risikogewichteten Assets, in die bekanntermaßen Staatskredite als risikofrei einfließen. Generell können diese Risikomodelle relativ frei manipuliert werden.
  • Was ich schon am Montag vermutet habe. In einem wirklichen Stressfall wären es vor allem deutsche und französische Banken, die Kapitalbedarf haben. Dass es im Test der EZB eher kleinere Banken aus kleineren Ländern (abgesehen Italien) trifft, sagt damit mehr über die Kompetenz im Manipulieren der Risikomodelle aus als über wirkliche Krisenfestigkeit. Nur eine Frage der Zeit, bis es auffliegt.
  • Eine ehemaliger Berater der EU-Kommision bringt es auf den Punkt: Die Aufsichtsbehörden und Banken stecken unter einer Decke und die EZB wird nichts machen, was Deutschland oder Frankreich verärgert. Folge: Provinztheater.
  • Damit bleiben wir fest auf dem Weg in das japanische Szenario. 1990 gab es in Japan noch 20 große Banken, heute nur noch 3. Deflation führt zur Verwüstung, weil die Schulden untragbar werden.

The Telegraph: „ECB stress tests vastly understate risk of deflation and leverage“, 27. Oktober 2014