Aufregung um „Blueprints“ – warum?

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Da hat der IWF wieder einmal ein Paper geschrieben. Nach der Diskussion über Vermögensabgaben zur Lösung von Schuldenkrisen, der Konkretisierung derselben für Europa und den ersten Gedanken zur „Restrukturierung“ von Staatsschulden, nun also das offizielle Paper: wenn Staaten nicht mehr können, sollen die Gläubiger einfacher als bisher „enteignet“ werden. Über einen Schuldenschnitt. Wen das jetzt überrascht, der verfolgt nicht die Medien und der versteht auch nicht die Dimensionen um die es bei unserer Schuldenkrise geht.

Da ändert Österreich Gesetze, um die Gläubiger der bankrotten Bank Hypo Adria an den Kosten zu beteiligen. Obwohl Kärnten für die nachrangigen Anleihen gebürgt hat, sollen diese in Form eines „bail-ins“ an den Kosten beteiligt werden.

FT (Anmeldung erforderlich): Europe rethinks how to cure its debt hangover, 26. Juni 2014

Neu? Nein. In Zypern wurde es uneleganter gemacht aber es war im Kern dasselbe. Und wie der damalige Chef der Euro-Finanzgruppe, der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem so treffend festhielt: eine Blaupause.

Jetzt haben wir also die Blaupausen für die Lösung: es verlieren jene, die zu dumm waren, maroden Staaten und Banken das Geld zu leihen. Dies ist durchaus gerecht, wie der Chefvolkswirt der Wirtschaftswoche so treffend anmerkte. Ich bleibe trotzdem skeptisch:

  • Wenn man in diese Richtung geht, gibt es eine Flucht aus diesen Anlagen und auch (noch) solide Adressen geraten in Gefahr. Folge: Chaos.
  • Es ist zu unpopulär. Die Politik wird weiter versuchen, dass Problem anders zu lösen. Idealerweise über die EZB die damit zu einem inoffiziellen, demokratisch nicht legitimierten Schuldentilgungsfonds mit Lastenverteilung nach Kapitalanteilen wird.
  • Da wäre eine Finanzierung über Vermögensabgaben wie sie Piketty in seinem Buch fordert in der Tat gerechter.

Aber das alles dauert noch. Genießen wir den Sommer, die Fußball-WM und die ewig steigenden Immobilien und Aktienpreise. Aufwärts ohne Ende!

2 Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Ich finde Zypern überhaupt NICHT gerecht. Denn: a) es waren nur Bankgutghaben getroffen, nicht alle Vermögen b) die Filialen in London blieben offen, so dass einige dort noch ihr Geld retten konnten. Beides finde ich nicht gerecht. Gerechter wäre alle Vermögen zu belasten. Wohlgemerkt unter einer Grundannahme: die 5 Billionen Schulden die nicht bedient werden können, werden ohnehin nicht bezahlt. Dann geht es darum, wie die Gläubiger verlieren: Inflation, ungeordnete Pleiten, Umschuldung, Steuer. Die Wahl zwischen schlechten Alternativen. Ich mag keine, wenn ich aber eine nehmen muss (und wir müssen, denke ich), dann die Lösung Restrukturierung und bezahlen über Steuern. Liebe Grüße. DSt

      Antworten

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