Vor der existenziellen Krise der Eurozone?

Wolfgang Münchau hatte ich schon länger nicht mehr bei bto. Er ist einer der besten Beobachter der Entwicklung in Deutschland und der Eurozone, wobei auch er das Problem hat, dass ihm der Stoff, etwas Neues zu schreiben, ausgeht. Es ist nun mal so, dass die Krise der Eurozone vor sich hin köchelt und es nur eine Frage der Zeit ist, bis es knallt.

Kommt nun die Rezession in Deutschland und damit in Europa, die dem Drama den nächsten Akt beschert?

  • „Over the course of the past week, we learnt two new things about the eurozone. Germany has closed the doors on serious reform. Angela Merkel and Emmanuel Macron’s meeting in Berlin exposed deep differences about the German and French leaders’ visions of the future.“  bto: wobei ich daran erinnere, dass es eben nur Symptomdoktoreien sind, die vor allem dazu dienen sollen, die Verschuldungskapazität in der Eurozone zu erhöhen (zu unseren Lasten!).
  • „(…) there has been a sudden decline in the eurozone’s economic activity. The latter is puzzling. It could be a fluke, but a number of recent indicators have all surprised on the downside. German industrial production has been weak since December. But it took a real dive in February, when it fell by 1.6 per cent against January. The European Automobile Manufacturers Association reported that car sales were down by 5.3 per cent in March. One of the more reliable gauges is the business cycle indicator of IMK, the German economic institute. It now registers a recession probability of one-third, up from almost zero a month earlier.“  bto: Dann geht es erst recht bergab hier, weil dann die Kosten der Zuwanderung richtig spürbar werden.
  • „We know for certain that Germany will not agree to a central eurozone budget to weather macroeconomic shocks. There will be no single safe asset. There will be no common deposit insurance. The big project of a European banking union will remain forever uncompleted.“ bto: Übrigens, die Holländer und einige andere wollen das auch nicht!
  • „Then add something really dangerous — a recession — into the mix. (…) there are other reasons to suspect that something else might be afoot.The first has been the appreciation of the euro. The daily nominal trade-weighted exchange rate of the euro has increased by almost 7 per cent over the past year. For an economy with an extreme degree of export-dependency this is a big move. Most of the change occurred last year, but it would be normal for the economic impact only to become notable with a delay. Second, the financial crisis may have lowered the eurozone’s potential output permanently. The reported strong growth rates during 2016 and 2017 could have been a blip — a temporary relief after years of austerity. What is now disguising itself as a downturn may in time be revealed as a return to a depressed normality.“  bto: nicht zu vergessen die demografische Entwicklung!!
  • „Italy has registered almost no productivity growth since becoming a founding member of the eurozone in 1999. Yet, 2017 was a relatively good year for the economy. It matters a great deal whether a country with a debt-to-GDP ratio of 132 per cent can manage average real growth rates of less than 1 per cent or 2 per cent. That gap is the difference between solvency and insolvency.“  bto: Auch bei uns ist die Produktivität nicht mehr so gestiegen, wie in den Jahren zuvor.
  • „The EU has no instruments to cope with an Italian sovereign debt crisis. Italy is too big to fail and too big to save. The European Stability Mechanism, the rescue umbrella, is too small to cope. I have no doubt that the euro itself will survive in some form or other, but without reforms the risks of a fracture are greatly increased.“  bto: Ohne die Solvenz Deutschlands  die, wie Leser von bto wissen  keineswegs so gut ist, wie alle tun, ist der Euro nicht zu halten.
  • „Even President Macron’s reform agenda does not fully address this problem. But it would at least open the door to the infrastructure that is needed to do the heavy lifting in a crisis — a single safe asset and a fiscal backstop to the financial sector. The German position has been to reject these ideas from the outset.“  bto: Ich denke, sie sind wirkungslos bis schädlich.
  • „After years of following the eurozone debate, I have come to the conclusion that Germany will not agree to reforms unless it is confronted with a take-it-or-leave-it choice. A eurozone break-up would be a disaster for Germany. It would destroy the country’s export-led business model, and shrink its massive stock of external assets.“  bto: Im Klartext setzt Münchau auf eine erfolgreiche Erpressung. Doch wozu? Selbst wenn wir eine Transferunion gründen, bringt sie nichts. Oder würde Frankreich für Deutschland bezahlen?

ft.com (Anmeldung erforderlich): „Eurozone downturn and lack of reform presage existential crisis“, 22. April 2018

23 Kommentare
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    Ondoron sagte:

    Witzige Diskussion hier. Ob da die Argumente von Dr. Stelter verstanden wurden? Wohl kaum bei einigen. Also: Mehr Schulden, mehr Last auf Deutschland, und die Eurozone ist gerettet. So einfach liegen die Dinge also. Die Apologeten der Euro-Thinktanks und die Merkelianer feiern hier Urständ.

    Der Euro ist ein politisches Projekt wie der Sozialismus früher im Osten. Schon deshalb wird er kollabieren; dabei verursacht dieses Projekt für Deutschland einen Schaden wie ein verlorener Krieg. Eigentlich freue ich mich auf den Kollaps, denn jeder Sozialismus scheitert.

    Mit Hilfe der ganzen Migrantenströme ist dann auch wenigstens sichergestellt, dass sich Europa nie wieder erholen wird. Das ist kein Pessimismus, sondern ein freier Blick auf die Dinge. Aber bei solch hochwertigen „Diskussionsbeiträgen“ wie hier im Forum, wo doch alle Probleme so schön wunderbar gelöst werden, kann man nur resignieren.

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    Alexander sagte:

    Die Kehrtwende von Wolfgang Münchau verbinde ich mit seinem Dienst für die „european council of foreign relations“ Denkfabrik.

    Auch die Financial Times verkündet nur Tatsachen aus der Vergangenheit, erste unmissverständliche Signale für einen Konjukturdämpfer gibt es seit Spätherbst 2017. Die Ursachen sind so breit gestreut, dass ich mich wundere, warum sich Münchau wundert.

    Die Transferunion wäre Absicherung der Finanzprobleme z.B. Frankreichs oder Italiens zum Stand heute. Grundlage wären Bilanzgewinne in der BRD, welche, kühlt sich die Nachfrage weiter ab – ausbleiben. Eine Rezession verstärkt die Probleme der Pleitestaaten und Berlin bräuchte selbst Hilfe.

    Eigentlich eine gute Konstellation für die angeschlagene Kanzlerin der Herzen und ihr Expertenkabinett – vor den anstehenden Landtagswahlen.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >A eurozone break-up would be a disaster for Germany.>

    Mindestens vorübergehend und nicht nur für Deutschland – davon MUSS man schon ausgehen.

    Wer will ein solches Desaster?

    Niemand.

    Daher die Konsequenz:

    >„Even President Macron’s reform agenda does not fully address this problem. But it would at least open the door to the infrastructure that is needed to do the heavy lifting in a crisis.<

    Das System also krisenfest zu gestalten durch eine NICHT mehr rückgängig zu machende Institutionalisierung von Transfers, ist doch im Interesse Deutschlands, oder nicht?

    Ja, ist es – nach DIESER Logik.

    Das ist aber NICHT die VOLLSTÄNDIGE Logik.

    Zu ihr gehört, dass wir uns intern SCHWÄCHEN würden mit Macrons Rezept, das System krisenfest zu machen.

    Für eine solche SCHWÄCHUNG wird es vielleicht heute und auch morgen hierzulande noch eine gewisse Zustimmung geben, aber irgendwann NICHT MEHR.

    Das ist spätestens dann der Fall, wenn wir die nationalen Aufgaben, die wir als dringlich ansehen nicht mehr bewältigen können.

    Naheliegendes, greifbares, immer dringlicheres Beispiel ist das PFLEGEPROBLEM.

    Es kocht bereits hoch und ist pausenlos in den Medien mit Überforderung, Mangel an Personal, schlechter Ausbildung und Bezahlung.

    Es ist nur ein Problem einer ganzen Anzahl von Problemen unter immerhin hervorragenden Wirtschaftsbedingungen.

    Wer glaubt, dass angesichts dieser Entwicklung deutsche Regierungen den Vorstellungen von Macron, Lagarde oder Münchau folgen und einen Dauerauftrag in mehrstelliger Mrd.-Höhe einrichten, hat keinen Realitätssinn.

    Aber gut, vielleicht habe ich keinen und der Dauerauftrag wird eingerichtet.

    Ich bin sicher, dass irgendeine spätere deutsche Regierung ihn WIDERRUFEN wird.

    Denn unsere Problemagenda wird ganz gewiss nicht durch Daueraufträge für Zahlungen über die Grenze verschwinden.

    Kurzum, was Münchau und andere vorbeten, ist letztlich nichts weiter als die Ausblendung von Realität.

    Übrigens:

    Der Stoff geht nicht aus.

    Er wird lediglich subtil dramatischer.

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      deutelmoser1994 sagte:

      man darf nicht alles glauben was man bezüglich der Pflege in den Medien liest und hört. Tatsache ist, dass in den Seniorenheimen so um die 50 Euro je m² und Monat an MIETE zu zahlen sind, wobei etwa die Hälfte dieses Betrages als Investitionskostenzuschuss „getarnt“ ist. Und bei jährlich mindestens 3%iger Erhöhung der Heimkosten kann es eigentlich nicht so schlecht um die Bezahlung des Personal stehen – es sei denn der Investor (meist kirchlich oder öffentlich) steckt sich das Geld in die eigene Tasche.

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        Veking sagte:

        Die Pflegeheimkosten setzen sich tatsächlich aus dem Investitionskostenzuschuß (Raummiete), Personal- und Verpflegungskosten zusammen. Das Problem ist, daß der staatlich geförderte Kostenrahmen eben begrenzt ist und in allen drei Bereichen selten ausreicht. Z.B. steigen die Anforderungen an Räumlichkeiten ständig und müssen vom Betreiber umgesetzt werden (Bestandsschutz gibt es da nicht). Der staatlich garantierte Investitionskostenzuschuß reicht also oft nicht für den Umbau eines Bestandsgebäudes oder gar Neubau. Und da in Deutschland bekanntlich nicht jeder privat für eine Zusatzrente spart, steigt die Anzahl der Menschen, die im staatlich garantierten Rahmen in Pflegeheimen untergebracht werden müssen. Derzeit stehen Pflegeheimbetreiber aufgrund der privaten Zusatzzahlungen noch gut da. Die Aussichten sind aber alles andere als gut, wie oben von Herrn Tischer angesprochen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ deutelmoser 1994

        Ich habe nicht über den ZUSTAND der Pflege geurteilt.

        Ich habe lediglich zum Ausdruck gebracht, dass sich an der ZUNEHMENDEN medialen Präsenz des Themas und daran, WIE es diskutiert wird, zeigt, dass sie als wachsendes Problem wahrgenommen wird.

        Es kommt letztlich nicht auf die objektiven Sachverhalte, sondern auf die öffentliche Wahrnehmung als Problem an, um davon auf eine Korrelation zu der Bereitschaft zu schließen, Transfers zuzustimmen

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      Axel sagte:

      Der Fachkräftemangel (nicht nur) in der Pflege ist ganz einfach zu beheben: Die Rente weiter senken, so daß keine Fachkraft mehr davon leben kann und bis zum umfallen schuften muß…
      Die Rentenkasse wird jetzt schon mit ca. 60Mrd Euro jährlich subventioniert. Wie sieht die Alimentierung des Rentensystems beim abzusehenden demographischen Wandel, steigenden Sozialkosten und einem (total unwahrscheinlichem) wirtschaftlichem Abschwung wohl aus? Ich mag gar nicht daran denken…

      Aber auch so: Ab 2025 liegt der Rentensatz bei 43%. D.h.: Eine Altenpflegerin erhält dann ca 700,- Euro Rente nach heutigem Einkommen und bei bester wirtschaftlicher Lage.
      OK, es wird auf Hartz IV aufgestockt und nochmal 10% „Lebensleistungsrente“drauf, so der Plan. Dann erhält sie ungefähr soviel wie ein Sozialhilfeempfänger, mit seinen Extraleistungen für Elektrogeräten, Reparaturen und Heizungskosten.

      Gutverdienende werden seinerzeit ihre Schäfchen zeitig ins trockene manövriert haben.
      Harzvierler haben nichts zu befürchten, der Status Quo bleibt.
      Wer aus dem Mittelstand kommt und nichts erbt, wird wohl sein blaues Wunder erleben…

      Es ist eine Schande für unsere Politiker, daß Rückrat der Gesellschaft nach einem langen Arbeitsleben mit Almosen abzufertigen und Abermilliarden für illegal Eingewanderte und osteuropäische Sozialhilfetouristen rauszuballern.
      Ob das mal gut geht…..? Wird die Warnung vor den „Populisten“ dann noch funktionieren oder im Winde verhallen?

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    Susanne sagte:

    „A eurozone break-up would be a disaster for Germany. It would destroy the country’s export-led business model, and shrink its massive stock of external assets.“ Deutschland’s Wirtschaftsmodell war doch schon vor der Euro-Einführung stets exportlastig, da muss man sich fragen, wie wir die ganzen Jahrzehnte vor dem Euro ökonomisch überlebensfähig waren. Und um was handelt es sich bei dem „massive stock of external assets“, sind damit etwa die Target-Salden gemeint? Dieses Geld ist m.E. ohnehin perdu. Münchau hat schon vor Jahren stets gegen das „Spardiktat“ angeschrieben, war Helikoptergeld nicht abgeneigt und hätte im Rahmen eines „echten Föderalismus“ am liebsten die ganz große Transferunion zu Lasten des deutschen Steuerzahlers eingerichtet. Er ignoriert dabei beharrlich, dass auch ein europäischer Finanzminister, der nach Münchau’s Willen zudem kein Sparkommissar sein soll, die Probleme der Eurozone nicht lösen kann. Lesenswert finde ich nachstehende Einschätzung von italienischen (!) Ökonomen zu Münchau’s Ideen, ich habe mir den Artikel aus 2013 aufgehoben :

    Alesina und Giavazzi über das Märchen von der bösen Sparpolitik
    Der Kolumnist Wolfgang Münchau hat im Leitartikel der Montagsausgabe der Financial Times behauptet, dass der Sparkurs von Premier Mario Monti Italien in die Rezession geführt hat. Das Märchen von der bösen Sparpolitik erfreut sich offenkundig immer größerer Beliebtheit, bedauern die Ökonomen Alberto Alesina und Francesco Giavazzi in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera: „Die Haushaltsdisziplin soll also der Grund für die anhaltende Rezession und die hohe Arbeitslosigkeit sein. … Sogar der Internationale Währungsfonds mahnt Europa nun, etwas sachter mit der Haushaltsdisziplin zu verfahren. Wolfgang Münchau stößt ins gleiche Horn und vergleicht Mario Monti mit Heinrich Brüning, dem letzten Kanzler der Weimarer Republik, dessen Versuch, Ordnung in den Staatshaushalt zu bringen, das Ende des letzten demokratischen Experiments vor der Machtergreifung des Nazis herbeigeführt haben soll. … Eine lockere Haushaltspolitik hätte in Italien wie auch in anderen EU-Ländern nicht zu mehr Wachstum, sondern zu steigenden Risikoprämien auf Staatsanleihen und womöglich zu einer Umschuldung geführt und zudem an den Bankenbilanzen gerüttelt. Sie hätte also ein zweites Krisenjahr 2008 heraufbeschworen. … Es ist erstaunlich, dass die Financial Times solchen Quatsch veröffentlicht.“ (Quelle: Eurotopics 22.01.2013)

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        Susanne sagte:

        Lieber Herr Stöcker,
        die gesamte internationale ökonomische Elite? Bernanke war zu Zeiten der Finanzkrise Fed-Chef und hört bekanntlich gerne die Druckerpresse rotieren („Die US-Regierung verfügt über eine Technologie, genannt Druckerpresse (oder heute ihr elektronisches Äquivalent), die ihr die Produktion so vieler US-Dollars erlaubt, wie sie wünscht – und das ohne Kosten.“), Draghi ist seit längerem dabei, das Finanzsystem voll gegen die Wand zu fahren, Philipp Hildebrand plädierte unlängst für die Bankenunion inkl. gemeinsamer Einlagensicherung, Rubin, so steht es in dem Artikel, auf den Sie verweisen, war für die Liberalisierung der Finanzmärkte verantwortlich, die letztlich die zentrale Ursache für die Finanzkrise 2007/2008 war, Coeuré hätte gerne einen EU-Finanzminister mit eigenem Budget, damit man bei der Verschuldung nochmal ordentlich was draufsatteln kann, und Barry Eichengreen fällt auch immer nur noch mehr Umverteilung ein. Wenn das die ökonomische Elite sein soll, braucht man sich über den finanziellen Zustand der Welt nicht zu wundern.
        Zu Carmen Reinhart, ebenfalls in der Keynesianischen Revolution 2.0 erwähnt, und Romer & Romer: Die amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff haben einmal festgestellt, dass sich irgendwo oberhalb einer Schuldenquote von 90 Prozent der Wirtschaftsleistung die Lage verschlechtert. Dabei unterlief ihnen zwar ein peinlicher Excel-Fehler, doch auch nach der Korrektur dieses Fehlers hatte ihr Ergebnis weitgehend Bestand. Romer und Romer testen für ihre Analyse eine weitere Grenze. Sie nehmen an: Bei einem Schuldenstand von 130 Prozent der Wirtschaftsleistung kann eine Regierung nicht mehr ordentlich auf eine Krise reagieren. Aber schon vorher verschlechtern sich ihre Voraussetzungen kontinuierlich. Das passt auf jeden Fall zu ihren Ergebnissen. (aus „Soll der Staat wirklich so viel Geld ausgeben“)

        Staatsverschuldung in den Mitgliedsstaaten im 4. Quartal 2017 in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (Quelle: de.statista.com):
        Griechenland: 178,6%
        Italien: 131,8 %
        Portugal : 125,7 %
        Belgien: 103,1 %
        Spanien: 98,3 %
        Zypern: 97,5 %
        Frankreich: 97%

        Die o.g. Länder können also schon jetzt nicht mehr auf eine Krise reagieren. Ich denke, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Eurokrise zurückkehrt – mit Italien als Epizentrum. Und da soll die Abkehr von der Austeritätspolitik, im Klartext ein noch größerer Schuldensumpf, der richtige Weg sein?

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne

        >Und da soll die Abkehr von der Austeritätspolitik, im Klartext ein noch größerer Schuldensumpf, der richtige Weg sein?>

        SELBSTVERSTÄNDLICH ist das der RICHTIGE Weg.

        Es ist der richtige, weil es KEINEN anderen gibt, auf VERTRÄGLICHE Art und Weise der Malaise zu hoher Verschuldung zu entkommen. Hier am Blog ausgiebig diskutiert.

        Man darf nur nicht den DENKFEHLER begehen und glauben, dass mit dem Mechanismus, den Sie angesprochen haben – Monetisierung der Staatsfinanzierung – die Probleme GELÖST werden könnten.

        Gelöst ist die Finanzierung von Staatsausgaben und gelöst ist auch bei kontinuierlich umfassender Staatsfinanzierung durch die Notenbanken das Verschuldungsproblem des Staates.

        Gelöst ist NICHT und wird durch Staatsnachfrage auch nicht, dass die REALWIRTSCHAFT in einem dysfunktionalen Zustand ist.

        Ob damit nicht NEUE Probleme geschaffen werden oder es doch gelingt, die Realwirtschaft anzupassen, steht zumindest in den Sternen.

        Darüber hört man wenig, obwohl das Anpassungsgelingen eine STARKE Begründung wäre, auf Monetisierung zu setzen.

        Es ist klar, dass man darüber so gut wie nichts hört.

        Es liegt nicht nur an der fehlenden Erfahrung, sondern auch daran, dass es um Krisenvermeidung geht und sonst nichts.

        Die Debatten werden nicht ehrlich geführt.

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        jobi sagte:

        @D Tischer

        1. Die praktizierte Krisenvermeidung bedeutet Krisenverstärkung.
        2. Der dysfunktionale Zustand der Realwirtschaft ist Folge von Punkt 1 und kann nur durch die Krise selbst geheilt werden.

        „Ob … es doch gelingt, die Realwirtschaft anzupassen, steht zumindest in den Sternen“

        Ich möchte wissen, welche Kristallkugel Sie hoffen lässt ..

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ jobi

        1. Ja, kann man so sehen, auf jeden Fall Krisenverlängerung.

        2. Ich bin da ziemlich sicher für die Eurozone, würde es aber nicht so GENERELL wie Sie sehen.

        So wahr wie es ist, dass – wenn überhaupt, dann viel zu schwache Anpassungen erfolgt sind in der Eurozone und auch in großen Teilen in der EU – so sehr muss man auch die eine signifikante Ausnahme anerkennen:

        Die USA haben die Restrukturierung ihrer Volkswirtschaft von der – natürlich vereinfacht ausgedrückt – Güterproduktion zu den Dienstleistungen auf beeindruckende Weise geschafft.

        Die Gültigkeit der Zahlen hin oder her:

        Das Land ist nahe bei Vollbeschäftigung.

        Klar, höchst prekäre Arbeitsverhältnisse bei unteren Dienstleistungs-Jobs, vergleichsweise schwache Sozialleistungen etc.

        Das ist ganz klar Anpassung nach UNTEN.

        Es ist aber ANPASSUNG der Realwirtschaft.

        Ich spreche hier nichts heilig, verweise allerdings darauf, dass die Fed mit ihrer Geldpolitik eine erneute große Depression verhindert hat.

        Zugegeben, das Spiel ist noch aus:

        Die Fed wird die Zinsen erhöhen, der Staatshaushalt der USA läuft in ein Krisendefizit ersten Ranges und das Riesenheer fanatischer Trump-Anhänger kann noch zu vielem fähig sein …

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        Walter Roth sagte:

        Falsch……………….. Herr Stöcker.

        Natürlich schaffen die „Verbrecher“ in unseren Beamten und Regierungsapparaten es nicht mehr „Austerität“ herzustellen, nach ihr zu handeln.
        Trotzdem ist sie das einzige Modell welches langfristig überleben kann.

        Zitat :
        Viele Ökonomen haben dies mittlerweile begriffen und die Seite gewechselt.
        —————-
        Herr Stöcker, dass haben die nur weil es Deffätisten sind, weil sie lieber mit dem grossen Haufen heulen denn alleine zu sein, beim Untergang.
        Die wollen lieber noch 20 Jahre so weiterwursteln und dabei gut Leben, denn die Zukunft für ihre Kinder ( die sie meist eh nicht haben ) zu retten.

        Also, wir können keinesfalls mehr zu einer Austerität gelangen. Natürlich wollen die vereinigen Sozis unserer Welt das auch gar nicht, jedoch schaffen das auch Konservative niemals mehr.

        Es gibt angesichts der ungeheuren Schuldenberge und der Luftwerte nur noch einen Weg dorthin, dass alte System muss weg, ja es muss erst noch Crashen bevor man vielleicht ein besseres neues beginnt, sich auf die Ökonomie als Richtschnur besinnt.

        Und selbst dann kann man nur eine bessere Politik beginnen wenn alle Sozis endlich verschwunden sind, wenn die in die Löcher gekrochen sind in die sie gehören, seitdem deren berühmtester Kollege, der „Nationale Sozislist“ dieses Gesellschaftsmodell vollständig diskreditiert hat.
        Naja, man hat aus dem einfach einen „rechten“ gemacht damit man die Welt weiter mit staatlichem Mord, Diebstahl und Diktatur beglücken kann.

        Niemand kann mehr das Wunder schaffen und zu einer gesunden Politik zurückkehren, niemand………….. ausser eben, es gibt einen Crash oder eine Währungsreform, also einen öffentlich eingestandenen Konkurs.

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      Alex sagte:

      Sie blenden im Falle der Exportlastigkeit Deutschlands andere Länder aus. Export und Import bedingen sich ein wenig. Deutschland hat schon rein durch seine Bevölkerung einen hohen Bedarf an fossilen Brennstoffen sowie weiteren Rohstoffen. Dies trifft aber auch auf andere Länder zu die durch Export ihren Bedarf decken. Deutschland hat bei ökonomischen Durststrecken die durch geopolitische Ereignisse entstanden sind Maßnahmen des Protektionismus, Exportförderung (zugebilligt), expansiver Fiskal- und Geldpolitik genutzt um durchzukommen.

      Eine kurze Replik des Anfangs von der Exportlastigkeit:
      http://www.bpb.de/izpb/10131/wirtschaft-in-beiden-deutschen-staaten-teil-1?p=all
      Zusätzlich gibt es gute Artikel wie Deutschland (BRD) ökonomisch überlebensfähig war.

      Diese Zitierung von Alesina und Giavazzi ist komplett nutzlos. Kein einziges Argument außer der Aussage im letzten Satz, dass die Financial Times Quatsch veröffentlicht. Ich könnte vllt. etwas aus der Aussage, dass der IMF Haushaltdisziplin fordert, konstruieren.

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    SB sagte:

    Münchau: „A eurozone break-up would be a disaster for Germany. It would destroy the country’s export-led business model, and shrink its massive stock of external assets.“

    Von welchen Vermögenswerten spricht Herr Münchau? Etwa von denen hier:
    Professor Sinn: Fast die Hälfte des deutschen Auslandsvermögens ist verloren
    http://www.freiewelt.net/nachricht/professor-sinn-fast-die-haelfte-des-deutschen-auslandsvermoegens-ist-verloren-10074155/

    Im Übrigen kann und sollte das deutsche Exportmodell soweit angepasst, also zurückgefahren werden, wie die Waren ohnehin nur gegen wertlose Forderungen verschenkt werden. Aber welcher Politiker will schon den schönen Schein zerstören und den Wähler mit der harten Realität konfrontieren? Das wäre einfach nicht gut für seinen Joberhalt.

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      Jacques sagte:

      So siehts aus.

      Der deutsche Exportirrsinn ist eben vor allem irrsinnig, zeigt er im Grunde doch nur wie schwach die Binnenkonjunktur ist. Kein Wunder bei der Entwicklung der Reallöhne in den letzten 20 Jahren, dazu aber stetig steigende Steuern und Abgaben und die Inflation bei Immobilien. Wer soll da deutsche Premiumautos kaufen?

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    betongold sagte:

    Es ist die große Frage was zukünftig passiert, wenn die Wirtschaftsleistung des Baugewerbes sinkt und Immobilienblase in den deutschen Großstädten – erwartungsgemäß – platzt.

    Es gab schon einmal ein tiefes Tal der Tränen von 1998 bis 2009:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-26270973.html

    https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/immobilien/die-gute-seite-einer-pleite/617510.html

    Da heute im Gegensatz zu damals mehr eigengenutzte Immobilien im Interesse der Anleger stehen, so werden diese zukünftig bei Preisrückgängen im Falle einer Fremdfinanzierung mehr oder weniger ihr Eigenkapital verlieren, sofern diese verkaufen wollen oder müssen.

    Immerhin kann man in einer selbstgenutzten Immobilie vorläufig noch weiter wohnen, auch wenn diese von der Beleihung her „unter Wasser“ steht. So erging es auch vielen japanischen Immobilienkäufern seit den 90er Jahren bis heute:

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13499789.html

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    Friedenseuro sagte:

    In dem Zusammenhang sei daran erinnert, daß Länder wie Spanien und Irland 2006 noch ein AAA – Rating für ihre Staatsverschuldung besaßen:

    http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/laender-ratings-nur-19-von-113-laendern-bekommen-die-bestnote-1385347.html

    M. E.hatte damals nur Griechenland als einziges EU – Land ein Rating schlechter als A, was ab der Finanz- und Wirtschaftskrise mit einem Überspringen von mehreren Ratingstufen sank, entsprechend dem sprunghaften Ansteigen der Staatsverschuldung.

    Die in der Finanz- und Wirtschaftskrise ab 2007 sowie nachfolgenden Eurokrise ab 2011 angehäuften Staatsschulden sind gerade bei den Ländern mit schlechtem Rating bisher kaum reduziert worden, sie steigen – trotz der Null- und Niedrigzinspolitik – nur vorläufig nicht mehr weiter an.

    Für zukünftige Krisen ist ein weiteres Fortschreiten auf dem japanischen Weg sicher zu erwarten, wenn es bei der unglückseligen Einheitswährung Euro bleibt.

    ______________________________________________________________________________

    „Initiative Pro D-Mark“ von Bolko Hofmann Anfang 1998:

    „Eine zu frühe Einführung des Euros führt entweder zu einer enorm hohen Staatsverschuldung, die einen weichen Euro bedingt, oder durch strikte Sparmaßnahmen zu einer Destabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in fast allen Mitgliedsländern.“

    https://www.explorermagazin.de/eurotour/euro_ende.htm

    Und so kam es dann auch…

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