Uscitalia: Die Stimmen der anderen

Heute Morgen hatten wir meinen Kommentar aus der letzten Woche zu den Vorgängen in Italien. Was da passiert, ist nicht wirklich überraschend, finde ich, umso überraschender, dass es so viele Leute überrascht hat. Hier Auszüge aus ein paar Kommentaren zu dem Thema, die ich noch interessant fand.

Zunächst blickt die Welt etwas genauer hin:

  • „Potenziell am meisten Sprengkraft hat ein Passus des Koalitionsvertrags, der als erster Schritt Richtung Parallelwährung verstanden werden könnte. Die entsprechende Formulierung in dem 57 Seiten dicken Schriftstück mit der Überschrift „Contratto per il governo del cambiamento“ (Pakt für eine Regierung des Wandels) ist zwar bewusst schwammig gehalten, doch kündigen die Radikalkoalitionäre an, dass öffentliche Verbindlichkeiten im Inland künftig mit Schuldscheinen statt mit Euro bezahlt werden könnten.“ – bto: Das ist der Schritt in Richtung Parallelwährung, den man gar nicht genug loben kann. Es ist einfach smart und bringt die neue Regierung in eine starke Verhandlungsposition. Kein Wunder, dass die anderen Länder toben. Frankreich offen, Deutschland verdeckt, wobei ich dabei großzügig annehme, dass es unsere Regierung auch versteht.
  • „Mit anderen Worten: Wenn der italienische Staat ausstehende Rechnungen zum Beispiel bei Handwerkern oder Lieferanten hat, bekommen sie unter Umständen keine Euro, sondern Schuldtitel, teilweise auch IOU (für englisch I owe you) oder in Italien Mini-BOTs (das sind kurz laufende Kredite des italienischen Schatzamts) genannt.“ – bto: Und weil man damit Steuern zahlen kann, sind sie die besten denkbaren Zahlungsmittel.
  • „Sollte Rom tatsächlich dazu übergehen, Handwerkerrechnungen mit kurz laufenden Schuldverschreibungen und Ähnlichem zu begleichen und nicht mit der offiziellen Währung des Landes, wäre das zumindest ein weiterer Kanal fürs Schuldenmachen, wenn nicht gar der Einstieg in ein zweites Zahlungsmittel, das fortan in der drittgrößten Volkswirtschaft des Euro-Raums kursieren würde.“ – bto: Streichen wir doch „wenn nicht gar“. Es ist genau das.
  • „Die Reaktion der Kapitalmärkte ließ nicht lange auf sich warten. Der Mailänder Aktienindex verlor am Freitag 1,5 Prozent und damit stärker als andere Börsen. Die Kosten für die Kreditaufnahme des Landes stiegen. Zum Ende der Handelswoche musste Rom für zehnjährige Staatsanleihen 2,2 Prozent Zinsen bieten (…). Noch Anfang Mai musste auch Italien Investoren nur 1,7 Prozent bieten, massiv unterstützt durch die Anleihenkäufe der Europäischen Zentralbank (EZB), die den Rentenmarkt seit Jahren stützen.“ – bto: Was zeigt uns diese Reaktion? 1. Dass die Börse vermutlich bald zulegen wird, denn das Programm der Regierung wird auf jeden Fall die Konjunktur beflügeln, da es Keynes pur ist. 2. Die Finanzmärkte erwarten, dass die EZB kauft und die anderen Europäer – allen voran Deutschland – sich erpressen lassen. Denn sonst würden die Märkte kollabieren und das tun sie ja nicht!
  • „Dennoch ist es noch ein weiter Weg bis zur ersten Parallelwährung in der Euro-Zone – und noch ein viel weiterer Weg zu einer erfolgreichen Parallelwährung, die dem Euro Konkurrenz macht. Solche Konstruktionen haben nämlich ein Problem: Lauten sie auf Euro, sind sie keine Parallelwährung, sondern nur eine weitere Art der Staatsverschuldung, lauten sie auf Lira oder einen anderen Namen, ist kaum zu erwarten, dass jemand sie freiwillig nimmt: Außerhalb Italiens wären die Titel nichts wert, könnten also kaum zum Einkauf von Roh- und Grundstoffen genutzt werden.“ – bto: Eine interessante Einschätzung finde ich. Ich denke, auf Euro lautende BoTs können mit einem Federstrich Lire-BoTs werden. Zum anderen müssen die außerhalb Italiens auch nichts wert sein, wichtig ist, dass man mit ihnen Steuern zahlen kann. Immer verdrängt schlechteres Geld gutes Geld. In Italien dürfte bald nur noch mit BoTs gezahlt werden.
  • „Und auch im Inland wäre es bei allen Erfahrungen der Vergangenheit fraglich, ob sie die öffentliche Verwaltung langfristig eins zu eins in Euro umrechnen und verbuchen würde. „Wenn sich die Empfänger der Mini-BOTs oder wie die Papiere auch immer heißen mögen, nicht darauf verlassen können, dass sie von jedermann im Land akzeptiert werden, wird sie kein Lieferant und kein Handwerker annehmen“, erklärt Krämer.“ – bto: Er würde sie nehmen, wenn er damit Steuern bezahlen kann. Und die Kunden würden sie nehmen, um damit zu bezahlen, weil sie sie loswerden wollen. Dann wird der Euro nur noch zur Wertaufbewahrung genommen.
  • „Aus Sicht vieler Volkswirte weist ein Großteil des Regierungsprogramms von Lega und Fünf Sterne in die falsche Richtung beziehungsweise geht an den wahren Problemen des Landes vorbei. Italien hat eine schlechte Verwaltung und ein schwaches Rechtssystem, was den Unternehmen das Leben schwer macht, benennt Commerzbank-Volkswirt Krämer zwei der Probleme. Entscheidungen von Behörden und Gerichten dauern oft Jahre.“ – bto: Das stimmt. Es zu ändern, scheint unmöglich zu sein oder Jahre zu dauern. Die Bevölkerung hat allerdings nach Jahrzehnten stagnierender Wirtschaft keine Geduld und Hoffnung mehr.
  • „Wenige Ökonomen haben Zweifel daran, dass Italien grundlegende Reformen und auch kreative Lösungen braucht, um aus seiner Misere herauszukommen. Die extrem hohe Staatsverschuldung ist die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich sind die Verbindlichkeiten nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch in Relation zur Bevölkerung immens.“ – bto: Die „kreative Lösung“ ist die Schuldenannullierung über die EZB-Bilanz.
  • „Obwohl Italien mehr als 20 Millionen Einwohner weniger hat als Deutschland, sind die Schulden um mehr als 300 Milliarden Euro höher. Auf jeden Italiener kommen allein öffentliche Verbindlichkeiten in Höhe von 38.000 Euro, verglichen mit 23.700 Euro in Deutschland. Je Arbeitnehmer türmt sich die Schuldenlast sogar beinahe auf 100.000 Euro.“ – bto: wobei Italien die verdeckten Verbindlichkeiten für Renten und Pensionen in den vergangenen Jahren deutlich reduziert hat, im Unterschied zu Deutschland!

Die FINANCIAL TIMES wirft auch einen Blick auf die BoTs:

  • „Conventional BoTs are electronic book-entry securities but the mini-BoTs would be printed, reportedly using the state lottery’s ticket presses, and the designs have been selected. Private parties would not be obliged to accept mini-BoTs as payment. While mini-BoTs would almost certainly trade at a discount in the marketplace, the paper (or book entries) could be used to settle tax debts or pay public-sector entities at the mini-BoTs’ par value.“ bto: was natürlich einen Anreiz bietet, sie anzunehmen, zumindest in Höhe der erwarteten Steuerlast.
  • „(…) Lega Nord and the Five Star Movement, continue to insist that mini-BoTs would not be a parallel currencyor a backdoor way to add to the national debt. (…)  Mini-BoTs, they say, are simply a way of creating a transferable record of (future) tax receipts.“ bto: Ökonomisch ist es natürlich was anderes und das wissen alle Beteiligten.
  • Since the mini-BoTs would not be currency, transfers from account to account or hand to hand would not be subject to the €3,000 legal limiton cash payments within Italy. That would be convenient for anyone whose business could be more easily carried out with large cash, sorry, mini-BoT transactions. Mini-BoTs, then, would stimulate the vibrant informal sector of Italy’s economy.” bto: was natürlich auch die Frage aufwirft, ob das wirklich so schlecht ist. Schließlich liegt die italienische Wirtschaft am Boden.
  • „The Eurocrats believe mini-BoTs will be a veiled way to finance populist deficit spending. If that is permitted, the establishment thinking goes, the conventionally minded eurozone voting public would rebel at the debasement of their currency. The populist retort would be that Italian compliance with orthodoxy has led to stagnation and youth unemployment.“ bto: Das fasst doch sehr schön zusammen, weshalb der Euro nicht funktionieren kann.
  • „(…) the big profits would go to those who would buy mini-BoTs from pensioners and state creditors at a discount, say 20 or 30 per cent. They will then sell the quasi-currency to deep-pocketed buyers of Italian goods and services, or property and equities. There would also be an internal redistribution. Roughly speaking, northern Italian industry and skilled workers would receive the value of export subsidies, and payments to southern Italian pensioners and state employees would get haircuts.“ bto: Das mag so sein. Sicherlich werden die Mini-BoTs schnell die „guten“ Euro verdrängen.
  • If mini-BoTs are introduced on a large scale, political strains would eventually force either Italy or Germany out of the euro. Having done its damage, the mini-BoT scheme would ultimately be wound up.bto: Die Frage ist, ob es wirklich „damage“ wäre oder nicht viel mehr das erzwungene Ende eines Projektes, das auf einen immer lauteren Krach zuläuft?

Ambroise Evans-Pritchard beschäftigt sich derweil mit der Reaktion aus Deutschland:

  • „The German establishment has reacted with fury to a leaked plan by the Lega and the Five Star Grillini to overthrow the disciplinary architecture of the euro project, warning that it kills off any chance of German assent to shared debts or tentative fiscal union.bto: Das ist ja fast so, als könnten wir den Italienern dankbar sein, dass sie noch größeren Blödsinn verhindern, wie ihn deutsche Volkswirte, auch Clemens Fuest, Nachfolger des großen Hans-Werner Sinn propagieren.
  • Prof Fuest said the original draft text prepared by the two radical parties exposed their ideological reflexes and fatally damaged trust, even if the final text is being toned down. It has confirmed people’s worst fears and had a very bad impact in Germany. How can you have a shared deposit insurance (for banks) with a government like that in Italy? It is just unthinkable, he said.“ bto: was mich zu der Frage führt, ob er wirklich so naiv war anzunehmen, diese Maßnahmen wären geeignet, die Eurokrise zu überwinden?
  • Whether the fall-out from Italexit really could be contained is an open question. Many think contagion would spin out of control. Furthermore, it is the express intention of some Lega-Grillini hardliners to force Germany to leave the euro by making it unworkable. They would retaliate by issuing a parallel currency within the eurozone and sending troops into the Bank of Italy if necessary. This vastly complicates the picture.“ bto: Nein, das macht es deutlich.
  • Willem Buiter, Citigroup’s chief economist and a former UK rate-setter, says weaker EMU central banks are little more than currency boards. They can go bankrupt and are not credible counterparties. He argues that the ECB may ultimately have to suspend funding lines to irreparably insolvent central banks in order to protect itself.“ bto: Das führt mich natürlich zu der Frage, was das für die Bundesbank bedeutet? Wir wissen es: 1.000 Milliarden Euro Forderungen entpuppen sich als das, was sie sind. Wertlos.
  • Hans-Werner Sinn, a celebrated economist at Munich University, said there is no mechanism for Germany to retrieve the vast sums that it has sunk into the eurozone, including the €923bn of Target2 credits owed to the Bundesbank. We will never get the money back. It is already lost, he said.“ bto: ja, 12.000 Euro pro Kopf der hier lebenden Bevölkerung! Super, Frau Merkel.
  • Prof Sinn said the structure is equally unworkable for Europe’s North and South, leaving both in a state of smouldering resentment. “There is no possible solution to this. The catastrophe is happening. This is going to lead to the destruction of Europe, to say it bluntly. It will also bring AfD (Right-wing populists) to power in Germany,” he told The Daily Telegraph.bto: So klar hat er es in Deutschland, glaube ich, noch nicht gesagt. Ich denke, er hat recht.

Ich bleibe dabei: Wir können den Italienern dankbar sein, dass sie das Schauspiel der Euroretter beenden.

welt.de: „Italien: Neue Regierung will Verbindlichkeiten mit Schuldscheinen bezahlen“, 19. Mai 2018

ft.com (Anmeldung erforderlich): „March of Italy’s mini-BoTs may split the euro“, 18. Mai 2018

telegraph.co.uk: „Italy’s insurgents enrage Germany and risk ECB payment freeze „, 17. Mai 2018

27 Kommentare
  1. Alexander sagte:

    Alles zukünftige Verhandeln hängt von der Konjunktur, d.h. den Exportüberschüssen.

    Wenn ich meinen Kanarienvogel hier im Bergwerk so ansehe und mich erinnere wie aufgeregt der seit 2015 (ESZ QExx…) herumsprang, ist diese Träge vielsagend. Diverse Ereignisse hinterließen Spuren (Brexit, Dieselaffairen..), aber das jetzt ist Abschwung….und wie mir andere Vögelchen zwitscherten auch in der Schlüsselindustrie der BRD.

    Falls das stimmt kommt viel Verantwortung auf die AfD zu.

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      @Alexander: Es kommt ganz sicher viel Verantwortung auf die AFD zu, weil in den anderen Parteien niemand in eine verantwortungsvolle Position gelassen wird, der sich ernsthaft mit dem Problem befassen kann oder will. Ob Peter Gauweiler bei der CSU, Frank Schäffler bei der FDP oder Oswald Metzger bzw. Boris Palmer bei den Grünen; jeder der zu einer eigenen unideologischen Meinung beim Euro fähig ist, wird abserviert. Also bleibt leider keiner übrig, wenn der Italexit kommt.

      Und bei den Mainstreammedien sieht es offensichtlich nicht besser aus…

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      • Alexander sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Die von ihnen genannten Figuren sind keine FANG Aktien, der betreffenden institutionalisierten Demokratiekirchen? Ihre hohen Priester sind schon auf Ebene der Gemeinderäte so von Vorzügen korrumpiert, dass sich Widerspruch von selbst verbietet.
        Besuchen sie eine Parteiveranstaltung ihrer Wahl und staunen sie über den unsichtbaren Gehorsam, like N-Korea.

        Selbst wenn der Gauweiler einmal den Mut zu einem echten Machtkampf gefunden hätte, zwischen EU Diät und Kanzlei, der Führer allein gewinnt keinen Krieg. Das Problem dahinter sind die von Mitläufern besetzten Schlüsselpositionen in den Verwaltungen, für die eine AfD nicht einmal Mitläufer hat.

      • Michael Stöcker sagte:

        „Ob Peter Gauweiler bei der CSU, Frank Schäffler bei der FDP oder Oswald Metzger bzw. Boris Palmer bei den Grünen; jeder der zu einer eigenen unideologischen Meinung beim Euro fähig ist, wird abserviert.“

        Gauweiler, Schäffler und der Metzger? Unideologisch??? Meine Einschätzung in Reihenfolge: Dumm, Dümmer am DÜMMSTEN. Bei Palmer erlaube ich mir keine Einschätzung. Sorry, Herr Selig, aber der liebe Gott – oder wer auch immer – möge uns vor solchen irrlichternden Schwätzern bewahren.

        LG Michael Stöcker

      • Wolfgang Selig sagte:

        @Alexander und Michael Stöcker: Ich behaupte nicht, dass die genannten die Heilsbringer sind, ganz sicher nicht. Aber das Problem ist m.E., dass die Debatten, die die von mir genannten Personen in der eigenen Partei anstoßen wollen, dort noch nicht einmal mehr geführt werden dürfen. Und das sehe ich als Hauptproblem. Ich würde es nicht mit Nordkorea vergleichen, aber der Begriff „unsichtbarer Gehorsam“ trifft es m.E. ganz gut.

      • Alexander sagte:

        @Wolfgang Selig
        Vor meinem CSU Austritt habe ich es mehrmals gewagt das Eurothema, anlässlich Jahreshauptversammlungen, an zu sprechen. Ziel meiner Anfrage war z.B. die örtliche MdL. Schnippisch abgefertigt untertreibt ihre Antwort, wobei die Stimmung im Saal gegen mich sprach. Der Landrat hatte das Bedürfnis mich als dritten Ersatzdeligierten für den „Kreis“ zu verhindern.
        Später sollten altgediente Parteisoldaten das gleiche Erlebnis haben dürfen…

        Anlässlich der erneuten Glyphosatzulassung//Poduimsdiskussion (2017) erlaubte ich mir wieder die Dame ins Visier zu nehmen um später von ihrem Mitarbeiter photographiert zu werden…

        Nach jeder Aktion stille Zustimmung durch Bürger, welche sich Widerspruch nicht öffentlich „leisten“ können. Wer integriert ist, hat keine Chance.

        Seit 2011 keine Veranstaltung, keiner Partei, in meiner Region zur Eurokrise.
        Im Unterschied zu Nordkorea haben wir in Bayern reichlich Gichtkranke…

  2. Hellequin sagte:

    Erstaunlich ist, wie schnell die Pläne zum Euro-Austritt wieder in der Schublade verschwanden. Anscheinend hat jemand (?) den Italienern zu verstehen gegeben, wo und bei wem der Hammer äh Brotkotb hängt. Darüber hinaus wird sich in Italurn nie etwas ändern, so lange die Korruption in der Verwaltung nicht bekämpft wird. Wie ein Forist schrieb, der letzte, der hier etwas tat, war Mussolini…

    Antworten
    • Jonas B. sagte:

      @Hellequin: „Anscheinend hat jemand (?) den Italienern zu verstehen gegeben, wo und bei wem der Hammer äh Brotkotb hängt.“

      Was denken Sie, wer diese Person ist warum möchte sie, dass Italien in der Eurozone bleibt? Würde mich mal interessieren, weil ich absolut keine Vermutung habe, wen Sie meinen.

      Antworten
  3. Dietmar Tischer sagte:

    Werden die Italiener mal kreativ, dann ist die Aufregung groß.

    >„If mini-BoTs are introduced on a large scale, political strains would eventually force either Italy or Germany out of the euro. Having done its damage, the mini-BoT scheme would ultimately be wound up.“>

    So ist es – large scale, großes Volumen ist der Schlüssel.

    Wenn man einmal damit angefangen hat und es funktioniert anfangs (bei kleinem Volumen), wird das Volumen schnell erhöht. Denn DIESE Verschuldung kostet den Staat nichts. Warum noch in Euro verschulden, wenn es mit Schuldscheinen billiger ist?

    Das Geschrei ist vollkommen berechtigt, weil die minis die Staatsverschuldung erhöhen – theoretisch unbegrenzt –, ohne als solche zu gelten.

    Die Eurozonen-Autoritäten und die nationalen Regierungen können offiziell nichts tun, weil es andernfalls hieße, dass grundsätzlich in die NATIONALE Souveränität eines Staates eingegriffen werden könne.

    Kommen die mini-BoTs, ist das ein Ereignis wie nach der Euro-Einführung kein zweites.

    >„Prof Fuest said … ‚It has confirmed people’s worst fears and had a very bad impact in Germany. How can you have a shared deposit insurance (for banks) with a government like that in Italy? It is just unthinkable,‘>

    Endlich hat der auch mal etwas Entscheidendes begriffen.

    >„Prof Sinn said the structure is equally unworkable for Europe’s North and South, leaving both in a state of smouldering resentment. “There is no possible solution to this. The catastrophe is happening. This is going to lead to the destruction of Europe, to say it bluntly. It will also bring AfD (Right-wing populists) to power in Germany,”>

    Auch der Meister ist jetzt einen Schritt weiter in der Erkenntnis.

    Ich ergänze mal:

    Im Bundestag hat es mittlerweile auch schon eine Mehrheit geschnallt.

    Es wird daher u. a. vorerst auch keine Bankenunion geben.

    Merkel kann sie im Bundestag nicht durchsetzen.

    Der Versuch, es zu wollen, wäre ihr Scheitern.

    Antworten
  4. RW sagte:

    Man kann sich im Falle von Italien aufregen oder Chancen ergreifen. Wenn schon Keynes in Italien umgesetzt wird, gibt es auch hier etwas zu verdienen. Wenn also die Target-II-Salden hier landen, sollte man als Anleger zumindest etwas davon nach Hause zurückholen können, denn auch die AfD wird dies nicht schaffen. Die Unternehmen, die etwas von sich halten, werden Italien verlassen und woanders ihre Zelte aufschlagen. Und schwupp hat man schon wieder eine neue Chance. Statt lamentieren und Trübsal blasen ob der großen Ungerechtigkeit, müsste es heißen: „Ran an die richtigen Buletten.“

    Antworten
  5. Zweifler sagte:

    An die Pensionisten, die ihre Pension dann in Parallelwährung bekommen, denkt bto nicht. Alles was im Ausland hergestellt wird, kostet plötzlich das Doppelte. Kein Italiener kann sich dann ein deutsches Auto leisten. Man nimmt an, daß eine Parallelwährung um 50% abwerten wird, den folgenden Bankrun und Kapitalflucht will ich mir gar nicht vorstellen. Was da so smart sein soll, entzieht sich meiner Kenntnis.

    Antworten
    • Thomas sagte:

      Ich habe es so verstanden, dass der Trick ist, dass der Staat seine Auftragnehmer mit diesen Schuldscheinen bezahlt und die Auftragnehmer ihre Steuern wiederum mit diesen Schuldscheinen begleichen können.

      Wenn man als Unternehmen dann nicht zu 100% für den Staat tätig ist, hat man ja weiterhin auch Euro-Einnahmen. Die Steuern, die auf diese Euro-Einnahmen / Gewinne anfallen, kann man dann mit den Schuldscheinen begleichen.

      Dadurch kann sich der Staat zusätzlich und außerhalb des Euro-Systems verschulden und den Betrieben blieben sogar mehr Euros auf dem Konto.

      (So habe ich das zumindest verstanden. Gerne korrigieren.)

      Antworten
      • Zweifler sagte:

        Der Staat zahlt mir 100 für eine Leistung. Ich zahle ihm 30 an Steuern zurück, alles in Schuldscheinen. Mir bleiben 70 an Schuldscheinen, für die ich nichts bekomme, kein Benzin, keine Autos, keine Medikamente, gar nichts. Ein Venezuela mitten in Europa? Das wird sehr schnell auf andere Euroländer übergreifen und dann wird es auch in DE finster.

      • Earl Grey sagte:

        Die benannte Rechnung von „Zweifler“ könnte man doch weiter verfolgen: In der ersten betrachteten Periode bezahlt der Handwerker aus 100 [BOT] Einkommen für seine Leistung Steuern i.H.v. 30 [BOT] an den Staat und hebt die 70 Übrigen auf. In Periode zwei und drei kann er wiederum seine Steuerlast von 30 an den Staat bezahlen und in der vierten Periode könnte er immerhin 10 von 30 durch [BOT] bezahlen. Auch der Tankstellenbetreiber, der den Lieferwagen des Handwerkers betankt, könnte sich mit einer Bezahlung in [BOT] einverstanden erklären; wenigstens bis zur Höhe seiner geschätzten Steuerlast (wie es einer der Vor-Kommentatoren schon bemerkt hat).

        An dieser Stelle könnte der Staat das System erweitern, indem er auch für staatliche Leistungen und Gebühren (bspw. Bearbeitungsgebühren auf der Kfz-Stelle oder beim Beantragen eines neuen Personalausweise) die Bezahlung in [BOT] ermöglicht, sodass noch mehr Wirtschaftsteilnehmer einen Anreiz haben, [BOT] zu akzeptieren.

        Ich verstehe den Handwerker in diesem Bild so, als dass er seine Schuld gegenüber dem Staat in „Naturalien“, ergo handwerklichen Leistungen direkt für den Staat, bezahlt. Das System der [BOT] ist also ein umlauffähiger Anspruch auf Schuldentilgung gegenüber dem Staat, ergo eine beschränkte Form von „Geld“ .

      • Michael Stöcker sagte:

        Aber selbstverständlich bekommen Sie etwas für die anderen 70 EUR, sofern es der Staat mit der Parallelwährung nicht übertreibt, da nicht alle ihre Leistungen vom Staat bezahlt bekommen, aber alle Steuern zahlen müssen. Insofern ist Ihr Beispiel nicht zu Ende gedacht. Und: Es wird sich sehr schnell ein Wechselkurs bilden, der einen weiteren Anreiz schafft die Parallelwährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren.

        Eine weitere Möglichkeit wäre die Gründung einer Bank nach Schweizer Vorbild: https://www.wir.ch/ueber-wir/wer-und-was-ist-wir/

        LG Michael Stöcker

      • Thomas sagte:

        Um bei einem einfachen Beispiel zu bleiben (so wie ich die Mechanik aktuell verstehe).

        Ich – Unternehmen A – habe aktuell 100 € Einnahmen als Betrieb und muss 30 € Steuern zahlen, weil ich Geschäfte mit anderen privaten Unternehmen mache.

        Jetzt kommen zusätzlich sagen wir 100 Schuldscheine dazu, weil ich einen neuen Auftrag vom ital. Staat bekomme, für die Einnahmen muss ich auch 30% Steuern zahlen. *Alle* Steuern kann ich aber mit den Schuldscheinen bezahlen.

        Praktisch also:
        100 € Einnahmen aus privaten Aufträgen
        100 Schuldscheine aus öffentlichen Aufträgen
        -60 Schuldscheine für Steuern (für die privaten und öffentlichen Aufträge)
        -> bleiben
        100 €
        und 40 Schuldscheine, die man nach einem sich frei (?) bildenden Wechselkurs umtauschen kann

        Z.B. anderes Unternehmen ohne Staatsauftrag muss 40 € Steuern zahlen. Es kauft nun auf dem freien Markt für sagen wir 30 € 40 Schuldscheine und begleicht damit seine Steuern. Unternehmen A ist damit die Schuldscheine los und hat nun 30 € auf dem Konto und Unternehmen B hat dann 10 € statt 0 €, hat also einen Wechselgewinn.

        (Wie gesagt: Stark vereinfach und so verstehe ich die Mechanik; gerne korrigieren. Ich denke man muss es mit solchen Beispielen verständlich machen, wie das in der Praxis funktionieren würde.)

        Bzgl. des Übertreibens. Das kommt dann wie üblich später ;-)

      • Dietmar Tischer sagte:

        >… sofern es der Staat mit der Parallelwährung nicht übertreibt …>

        Das ist der Knackpunkt.

        Wird der italienische Staat es übertreiben oder nicht?

        Er wird, so sicher wie das Amen in der Kirche.

        Der Grund:

        Es ist für ihn – EXTREM hoch verschuldeter Staat – BILLIGER, es zu übertreiben, als die Schuldenlast in Euro zu erhöhen und dafür Zinsen zu zahlen.

        Deshalb wird jede Neuverschuldung tendenziell eine in der Parallelwährung sein.

        Das heißt im Klartext:

        Der italienische Staat entzieht sich als Wirtschaftssubjekt tendenziell der geltenden Währung Euro zumindest was seine Binnenaktivitäten angeht.

        Das ist Dynamit für das Währungssystem Euro.

    • Wolfgang Selig sagte:

      @Zweifler: Daran ist smart, dass die bereits vorhandene, aber noch nicht realisierte Pleite offensichtlich wird und die Arbeitnehmer wettbewerbsfähig werden. Ich finde es sehr wohl smart, wenn die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa massiv sinken würde. Und ich finde es nicht smart, ein deutsches Auto zu exportieren, deren Bezahlung dann indirekt die Bundesbank übernimmt und nicht der Käufer bzw. das kaufende Land. Insofern ist das Ganze einfach nur das Ende der Illusionen. Und je früher diese enden, umso besser.

      Folgenden Artikel dazu finde ich ganz brauchbar:

      https://www.cicero.de/aussenpolitik/italien-regierung-berlusconi-fuenf-sterne-lega-salvini-di-maio-conte

      Antworten
  6. Zweifler sagte:

    Die ersten staatlichen Leistungen, die in Parallelwährung ausbezahlt werden, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Renten und staatlichen Gehälter. So ähnlich hat in der Geschichte immer schon Enteignung begonnen, die Kaufkraft der Bürger schwindet dramatisch. Italien ist aber nicht isoliert, wie Argentinien oder Venezuela, es hängt tief in der Eurozone und daher wird es folgenschwere Dominoeffekte geben.

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      @Zweifler: Darauf will ich jetzt mal antworten: Natürlich wird es Dominoeffekte geben. Ja und? Die wird es eh geben, denn wenn Sie so etwas privat machen, wird es Ihnen genauso gehen: Sie können den Dispokredit oder was auch immer bei Ihrer Bank so lange bei höheren Ausgaben als Einnahmen überziehen wie diese es erlaubt und sich einen Lebensstandard über Ihrem Einkommen leisten. Wenn das Kreditlimit erreicht ist, fallen Sie zurück. Und genau das passiert mit Italien. Und auch bei uns, denn die Exporte müssen wir irgendwann reduzieren, auch wenn das die Exportarbeitsplätze treffen wird. Die Frage ist nur, wer der böse Bube (Mädchen?) sein wird, der dann der Sündenbock ist mit dem Überbringen der schlechten Nachricht.

      Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Ich habe die ganze Sendung bei Phönix gesehen.

      Sehr bezeichnend, wie hier die an der Diskussion Beteiligten aus ihrer INTERESSENLAGE heraus argumentierten, alle mit einer Selbstverständlichkeit, dass dies die ANGEMESSENE Sicht der Dinge sei:

      Bankenvertreterin:
      Die Regulierung habe die Lage verbessert, z. B. wird mehr Eigenkapital bei den Banken verlangt

      Politikerin:
      Noch ist nicht alles perfekt, aber wir arbeiten daran

      Anlageberater:
      Wir brauchen die Durchsetzung des Haftungsprinzips

      Wissenschaftler (Prof. Sinn):
      Die Krise ist längst nicht vorbei, insbesondere faule Kredit in den Bankbilanzen – wie von Ihnen verlinkt

      Außer Prof. Sinn war offensichtlich NIEMAND an den KRISENURSACHEN und –MECHANISMEN interessiert und der Moderator hat die anderen auch nicht gefragt, WAS in ihrem Metier zur Krisenbekämpfung im Sinne der BESEITIGUNG der REALWIRTSCHAFTLICHEN Ursachen getan wird.

      Es wäre auch sinnlos gewesen danach zu fragen.

      Denn jeder hätte sagen können und ehrlicherweise auch sagen müssen:

      Ich tue meinen Job – und der hat doch etwas mit der Realität zu tun.

      Muss ich noch mehr zur unserer Verfasstheit sagen und dazu, warum sich die Dinge so entwickeln, wie sie es tun?

      ¬¬¬¬¬¬

      Antworten
      • Thomas sagte:

        Vielleicht nicht nur Verfasstheit, sondern zeitlich überdauernde Persönlichkeit.

        Gerade kam mir der Gedanke: Was, wenn diese Leute im Schnitt einfach keine sonderlich ausgeprägte Motivation haben, den Dingen auf den Grund zu gehen, wenig Neugierde, oder – um es messbar zu machen: keine Offenheit/Openness im Big 5-Persönlichkeits-Modell.

        „This review shows that researchers in different countries do find consistent personality differences. Psychology and arts/humanities students score high on openness and neuroticism; political science students score high on openness; economics, law, medicine, and political science students score high on extraversion; medicine, psychology, arts/humanities, and science students score high on agreeableness; and arts/humanities students score low on conscientiousness. Statistically speaking, the group differences were often medium sized for all Big Five traits and regularly even large for openness, so these differences are far from trivial.“

        Die kreativen, neugierigen Menschen, die den Dingen gerne und gewohnheitsmäßig auf den Grund gehen, sind vermutlich im Finanzsystem – im weitesten Sinne – unterrepräsentiert.

        Goldman Sachs sucht anscheinend auch schon mal keine Leute, die besonders offen für Neues sind:
        https://news.efinancialcareers.com/jp-en/292397/goldman-sachs-personality-test

        Hat seit 8 Jahren nicht geknallt. Daraus folgt: „Will I say there will never, ever be another financial crisis? No, probably that would be going too far. But I do think we’re much safer and I hope that it will not be in our lifetimes and I don’t believe it will.“

        Alles schön stabil.

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