Die Warnungen des Bärenmarktes der 1970er

Dass wir vor einem neuen Bärenmarkt stehen, dürften immer weniger kritische Beobachter bezweifeln. Zehn gute Jahre liegen hinter Aktionären und Vermögensbesitzern. Die Frage ist, was nun kommen wird. Ein Crash und eine Depression wie 1929 ff, eine kurze, tiefe Krise wie nach 2008 oder aber eine lange Baisse wie in den 1970ern, die auch eine erhebliche Vermögensvernichtung geschafft hat, wenngleich dank der „Geldillusion“ weniger schmerzhaft. Die meisten merkten gar nicht, wie viel sie real verloren.

Daran erinnert ein Kommentator der FT:

  • „The first quarter of 1975 saw the end of the most savage bear market for stocks since the 1930s. Inflation was in double figures, the financial system was close to collapse (…). An entrenched feature of the capital markets was the reverse yield gap whereby the yield on gilts far exceeded the yield on equities.“ bto: ja, ein Bärenmarkt, der mit den 1930ern verglichen wurde.
  • „Could any of this sorry tale be repeated today? (…) For good measure, a financial crisis is not only possible but likely since such crises are an inbuilt feature of the capitalist system. Only the timing and extent of the damage are ever at issue.“ bto: Die FT schreibt, dass eine Krise nur eine Frage der Zeit ist. Damit ist sie weitaus realistischer als die meisten Beobachter.
  •  „(…) the IMF’s revised World Economic Outlook argues that downside risks to world financial stability have increased in the past six months. It highlights the risk of a trade warfollowing the imposition of tariffs by the US and worries that, after years of ultra-low interest rates, stretched valuationsof risky assets leave markets vulnerable to severe disruption if interest rates increase rapidly.“ bto: Die BIZ war mit der Warnung früher und nicht weniger klar.  
  • „(…) the IMF does not think inflationposes a serious threat to global growth. And it is hard to believethat inflation will return remotely near to the levels of the mid-1970s. One reason is the move to greater central bank independence. Another is that the power of the unions has been brokenand the globalisation of the labour market continues to keep a cap on wages. A much remarked feature of low unemployment numbers across the developed world is that the traditional relationship between unemployment and prices has been suspended.“ bto: Zum einen würde ich die Unabhängigkeit der Notenbanken bezweifeln, zum anderen denke ich, dass es mehr eine Vertrauensfrage ist als nur die Frage der prinzipiellen Angebots- und Nachfrage-Relationen.
  • „Investors today also enjoy greater protections against inflation and volatility. There were no index-linked government IOUs in 1975, so gold, property, works of art and other real asset were the only available boltholes. (…) the scope for portfolio diversificationhas multiplied while alternative asset classes have burgeoned.“ bto: Ich würde auch heute auf Realwerte setzen, da die Emittenten der Indexanleihen – die Staaten – den Index selber berechnen. Ich glaube nicht, dass das Ergebnis stimmen wird.
  • „(…) perils lurk, not least among the high-frequency trading fraternity that provides only fairweather liquidityto the markets. A growing proportion of money is managed pro-cyclicallyand in ways that are insensitive to price or value.“ bto: Ja, so ist es. Die Märkte spielen prozyklisch schönes Wetter. Das wird zu einer massiven Flucht führen.
  • „More broadly, levels of debt are higher than before the great financial crisis and the leverage implicit in derivative instruments is on a scale that would have seemed unimaginable back in 1975.“ bto: Das wissen wir und es ist immer wieder gut, daran zu erinnern.
  • „If there is a risk that inflation is being underestimated in the advanced economies, it is at its greatest in the US. The economy is growing at a good pace and is being deluged with fiscal largesse when already close to full employment. Treasury yields are increasingly sensitive to the risk of overheatingand that in turn (…) has made Treasuries less attractive as a hedge, diverting some haven flows to the gold market. Gold, of course, was just the place to be in the bear market of 1973-74.2″ bto: Das wiederum ist eine Sicherheit. Gold muss im Portfolio sein.

ft.com (Anmeldung erforderlich): „We must heed warnings from the 1970s bear market“, 25. April 2018

35 Kommentare
  1. Johann Paischer sagte:

    Kryptowährungen sind meiner Meinung eine Spekulation auf hohen Stromverbrauch.
    Solange ausreichend Investoren in das Mining (= hoher Stromverbrauch) investieren läuft es rund.
    Bei Bitcoin ist die kritische Zone derzeit bei etwa 1000$. Geht der Kurs unter diesen Wert droht ein Totalverlust. Tendenz steigend, da die Rechenleistung für Transaktionen immer höher wird und damit auch der Stromverbrauch. Dadurch steigt auch die kritische Zone wo ein Totalverlust droht.
    Also nicht mit Gold zu vergleichen. Gold ist an die Inflation gekoppelt. Also relativ uninteressant für Spekulationen.

    Antworten
    • Nikolai sagte:

      @Johann Paischer: Vielen Dank für Ihre Antwort.

      Sie haben grundsätzlich damit recht, dass viele Kryptowährungen aktuell einen hohen bis sehr hohen Stromverbrauch haben. Dies liegt zum Teil auch an einem Konzept namens „Proof of Work“ (PoW), bei dem neue Coins/ Tokens durch Rechenleistung freigeschaltet werden.

      Mittelfristig soll bei vielen Kryptowährungen „Proof of Work“ durch ein neues Konzept namens „Proof of Stake“ (PoS) ersetzt werden. Die Tokens werden hierbei durch einen Konsens-Algorithmus erzeugt. Zur Erläuterung von PoW und PoS siehe z.B. auch https://coin-hero.de/proof-of-work-vs-proof-of-stake/ .

      Sobald ein Großteil der Kryptowährungen auf PoS umgestiegen sind, wird der Stromverbrauch drastisch sinken. Das ist auch das Problem des Bitcoin. Hinter dem Bitcoin steht, im Gegensatz zu anderen Kryptos, kein Entwicklerteam. Andere bekannte Kryptos wie Ethereum, Ripple oder IOTA haben eine sehr aktive Entwicklercommunity. Sobald PoS adaptiert wurde, dürfte Bitcoin meiner Meinung nach massiv an Wert verlieren, weil Bitcoin beim PoW „stehen bleiben“ wird.

      Gold hat natürlich den Vorteil, dass sein Werterhalt in der Vergangenheit über mehrere tausend bzw. zehntausend Jahre nachvollzogen werden kann. Kryptowährungen fehlt dieser Test der Zeit.

      Kryptowährungen haben hingegen den Vorteil, dass sie im Gegensatz zum physischen Gold sehr einfach weltweit transportiert bzw. transferiert werden können und so einem etwaigen Goldverbot/ Kryptoverbot nicht so leicht zum Opfer fallen.
      Zusätzlich erfüllen Kryptos meiner Meinung nach die „Zahlungsmittelfunktion“ von Geld deutlich besser, da man sie in allen erdenklichen Größen teilen kann. Beim Bäcker könnte man ggf. sehr viel einfacher ein Brot für x Einheiten einer Kryptowährungen kaufen, als dass man mal eben etwas von seiner Unze Gold abschneidet.

      Trotzdem sind Kryptowährungen zum jetztigen Zeitpunkt natürlich kein vollwertiger Ersatz für Gold. Doch es ist meiner Meinung nach auf jeden Fall eine Überlegung wert. Eine Übersicht kann man ggf. auch hier erhalten: https://coinmarketcap.com

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  2. MSt sagte:

    „For good measure, a financial crisis is not only possible but likely since such crises are an inbuilt feature of the capitalist system“.

    Die Frage ist, ob wir noch ein kapitalistisches System haben. Ein „inbuilt feature“ von Kapitalismus ist eine marktwirtschaftliche Preissetzung für Kapital (=Zins) sowie auf Angebot und Nachfrage basierte Kapitalverfügbarkeit (=Liquidität). Beides wurde durch eine staatliche Instanz (=Zentralbank) seit Jahren außer Kraft gesetzt und durch eine zentralistische Preissetzung sowie unbegrenzte Verfügbarkeit ersetzt. Somit sehe ich eher „inbuilt features“ von Sozialismus in Spiel. Die Frage ist nun, ob ein sozialistisches System genauso zu Krisen neigt wie ein kapitalistisches. Die Erfahrung von UdSSR und DDR zeigt, dass es durchaus mehrere Jahrzehnte dauern kann, bis eine solche Krise ausbricht. Und zwar ausgelöst nicht durch ein Crash auf dem Markt sondern als Folge von anhaltender Erosion von Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit, verursacht durch staatlich gelenkte Missallokation von Ressourcen bis die Akzeptanz des Systems bei der Bevölkerung nicht mehr vorhanden ist.

    So gesehen kann die Party noch lange gehen. Darauf setzt auch Janet Yellen, die zu ihrer Lebenszeit keine Finanzkrise mehr erwartet.

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      @MSt: vielleicht weiß Frau Yellen mehr als wir alle. Wäre kein Wunder mit dem Informatiosvorsprung aus ihrem früheren Job…
      Wenn ich von der Oktoberrevolution bis zum Ende der UdSSR rund 70 Jahre rechne und grob kalkuliere, dass wir erst seit knapp 10 Jahren eine sozialistische Geldpolitik haben, bleiben noch 60 Jahre…^^
      Da die Dame ihre Teenagerjahre schon etwas hinter sich hat, wird sie wohl realistischerweise zurecht davon ausgehen, dass sie bei ähnlichem Verlauf in sechzig Jahren nicht mehr unter den Lebenden weilt. Mit dieser Prognose für die Dauer der aktuellen Geldpolitik und deren Institutionen würde sie auf diesem Blog wohl eine Außenseiterposition vertreten…
      Ich glaube selbst auch nicht daran, denn wenn die Klimaerwärmung so weiter geht, haben wir schon in dreißig Jahren Umweltprobleme, gegen die die Schwierigkeiten der Sowjetunion ein Witz waren. Das lässt auch in der Geldpolitik dauerhaft keinen Stein auf dem anderen.

      Antworten
      • ikkyu sagte:

        @ W. Selig
        Zitat:
        „Ich glaube selbst auch nicht daran, denn wenn die Klimaerwärmung so weiter geht, haben wir schon in dreißig Jahren Umweltprobleme, gegen die die Schwierigkeiten der Sowjetunion ein Witz waren.“

        Ein Problem hätten wir dann, wenn es kälter wird und nicht, wenn es wärmer wird. Lesen Sie dazu nur die Geschichtsbücher.

        Neuerdings wird in den Medien auch nicht mehr vor der katastrophalen anthropogen verursachten Klimaerwärmung gewarnt, sondern bereits der stets stattfindende Klimawandel ist schon die Katastrophe, die es zu verhindern gilt.
        Diese Prognose hat den Vorteil, dass man immer richtig liegt, egal, ob es kälter (Abbruch des Golfstroms ) oder wärmer (sogenannter Treibhauseffekt) wird!

        Warum sollte es auch durch einen steigenden CO2-Gehalt in der Atmosphäre zu einem katastrophalen Anstieg der Temperatur kommen?

        Die Atmosphäre ist physikalisch kein Treibhaus.
        Gehen Sie einen Berg hinauf und sie werden sehen, dass es mit zunehmender Höhe kälter und nicht wärmer wird.

        Aber wie sollen die höheren und kälteren Luftschichten jetzt die unteren und wärmeren Luftschichten durch die CO2-Gegenstrahlung immer weiter erwärmen ohne gegen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik zu verstoßen?

        Außerdem folgt die Absorption elektromagnetischer Strahlung dem Lambert-Beer´schen Gesetz. ( Formel: I = I(0) x exp(-e x c x d) , mit e als Extinktionskoeffizienten, c als CO2-Konzentration und d als Schichtdicke)
        Da die Strahlungs-Absorption im Wellenlängenbereich der CO2-Bande schon fast 100% beträgt, erhöht eine steigende CO2-Konzentration die absorbierte Energiemenge so gut wie nicht mehr.

        Das Problem der „Klimaforschung“ ist in meinen Augen die politische Agenda, die dahinter steckt.
        Es gibt durchaus konträre Meinungen, die hauptsächlich von emeritierten Wissenschaftlern vertreten werden. Für Junge wäre dies sehr abträglich für die angestrebte Karriere.

        Als Beispiel ein Paper von den deutschen Physikern Prof. Gerlich und Dr. Tscheuschner:

        https://tinyurl.com/yap87qh6

        Die Klimakatastrophe ist ein Geschäfts- und Erklärungsmodell für den angestrebten Umbau der Gesellschaft und den Transfer von Mrd. -Beträgen in unterentwickelte Regionen der Erde (z.B. Afrika).
        Die anderen Absatzmärkte sind weitgehend gesättigt (siehe z.B. Markt für Turbinen – Siemens) und da wir von den Afrikanern nichts kaufen, haben die kein Geld um bei uns einzukaufen. Tja schlecht für die Industrie.

        Deswegen die Drohung:
        Wir müssen Afrika mit Mrd. Euro unterstützen, damit dort moderne Umwelttechnik installiert werden kann. Wenn nicht, wird Europa mit Mio von „Klimaflüchtlingen“ überschwemmt.

        Neuerdings nennt man das dann „Bekämpfung der Fluchtursachen“:

        https://www.welt.de/politik/deutschland/article176520233/Kosten-fuer-die-Fluechtlingspolitik-ein-Grossteil-geht-ins-Ausland.html

        Zum Schluß noch ein Zitat von Prof. Lindzen (MIT):

        „Doubling CO2 involves a 2% perturbation to this budget. So do minor changes in clouds and other features, and such changes are common. In this complex multifactor system, what is the likelihood of the climate (which, itself, consists in many variables and not just globally averaged temperature anomaly) is controlled by this 2% perturbation in a single variable?
        Believing this is pretty close to believing in magic.
        Instead, you are told that it is believing in ‘science.’ Such a claim should be a tip-off that something is amiss. After all, science is a mode of inquiry rather than a belief structure.“

        „The accumulation of false and/or misleading claims is often referred to as the ‘overwhelming evidence’ for forthcoming catastrophe. Without these claims, one might legitimately ask whether there is any evidence at all.“

      • mg sagte:

        @ikku: vielen Dank für den Link auf den arXiv-Artikel.

        Lüning (Diplom-Ingenieur) vertritt in seinem VBlog die Null-Hypothese:
        https://youtu.be/Kvo2KwnX3TM

        Prof. Lesch (Physiker) beschreibt die Hypothese:
        https://youtu.be/HwQE7rR3ics

        Wenn Sie die beiden Modelle „eindampfen“, läuft es auf die Frage hinaus „Strahlt das CO2 und Methan in der Atmosphäre Energie zurück auf die Erdoberfläche?“ und „Geschieht das in relevanter Menge?“.

        Für Wasserdampf kann man beide Fragen guten Gewissens mit Ja beantworten. Das können Sie auch selber ausprobieren: Schlafen Sie im Sommer nachts mit identischer Ausrüstung (Sommerschlafsack)
        a) in einem Zelt
        b) ohne Zelt unter bewölktem (Wasserdampf und kondensierte Wassermoleküle) Himmel
        c) ohne Zelt unter sternenklarem Himmel

        Vorsicht: bei Setup c) besteht akute Erfrierungsgefahr.

        Mir ist nicht ganz klar, wie Lüning darauf kommt, dass das CO2 die gesamte zwischenzeitlich aufgenommene Energie in den Weltraum abstrahlt. Etwas mehr als die Hälfte geht in den Weltraum, die übrige Menge geht in Richtung Erdoberfläche. Wenn Wasserdampf und Methan vermögen relevante Mengen zurück auf die Erdoberfläche zu strahlen, dann erscheint mir das für CO2 jedenfalls auch möglich. Zumindest mehr als O2 und N2 Moleküle es tun.

        Wenn man sich nun gegen 99% der Wissenschaft positioniert, würde ich erwarten, dass man sich etwas genauer als Lüning mit der Wärmeaufnahme- und Wärmeabgabekapazität von CO2 beschäftigt. Mal gucken, ob der Artikel
        von Gerlich und Tscheuschner da aufschlussreicher ist.

        > Aber wie sollen die höheren und kälteren Luftschichten jetzt die unteren und wärmeren Luftschichten durch die CO2-Gegenstrahlung immer weiter erwärmen ohne gegen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik zu verstoßen?

        Dass Schicht A (warm) sich weniger abkühlt wenn Schicht B (kalt) weniger kalt ist, verstößt meiner Ansicht nach nicht gegen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik. Da wäre ich für eine Erklärung dankbar.

      • ikkyu sagte:

        @mg
        Zitat:
        „Dass Schicht A (warm) sich weniger abkühlt wenn Schicht B (kalt) weniger kalt ist, verstößt meiner Ansicht nach nicht gegen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik.“

        Da haben Sie natürlich recht.
        Aber eine Netto-Erwärmung der wärmeren Luftschichten durch die kälteren Luftschichten durch eine CO2-Gegenstrahlung verstößt gegen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik, nach dem Wärme freiwillig nur vom wärmeren zum kälteren Gegenstand übergehen kann.

        Meine Kritik bezieht sich hierbei in erster Linie auf die in den Medien und mittlerweile auch an Schulen und Kindergärten propagierte Analogie zwischen der Atmosphäre und einem Treibhaus, womit vermutlich der Bevölkerung die große Gefahr einer Erwärmungskatastrophe veranschaulicht werden soll, die nur durch radikale Maßnahmen und einer großen gesellschaftlichen Transformation (weg vom Kapitalismus) bekämpft werden kann.

        Gerlich und Tscheuschner zeigen klar, dass diese Analogie physikalischer Schwachsinn ist.

        Aber warum wird es weiter propagiert?

        Es ist wohl so wie es H. L. Mencken geschrieben hat:

        “The whole aim of practical politics is to keep the populace alarmed (and hence clamorous to be led to safety) by an endless series of hobgoblins, most of them imaginary.”

        P.S.
        Ein aktuelles wissenschaftliches Modell des Treibhauseffektes findet man z.B. bei Prof. Lindzen:

        „Taking Greenhouse Warming Seriously“
        http://www-eaps.mit.edu/faculty/lindzen/230_TakingGr.pdf

        Beste Grüße

      • mg sagte:

        > Aber eine Netto-Erwärmung der wärmeren Luftschichten durch die kälteren Luftschichten durch eine CO2-Gegenstrahlung verstößt gegen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik.

        Da stimme ich Ihnen zu. Aber was hat das mit dem anthropogenen Anteil des sogenannten Treibhauseffektes zu tun?

        Eine Netto-Erwärmung der Erdoberfläche und der mit ihr in Kontakt stehenden Luftschichten benötigt die Sonneneinstrahlung. Die Sonne erwärmt den Planeten. Und dass die Erdatmosphäre und die Erdoberfläche einen Teil der Strahlungsenergie der Sonne in Brownsche Molekularbewegung umsetzen, befindet sich in perfektem Einklang mit dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik.

        Der Anteil der Strahlungsenergie, der von der Atmosphäre in „Wärme“ umgesetzt wird, hängt zweifelsohne von der Zusammensetzung derselben ab. Auf unserem Mond beispielsweise, der sich ungefähr im selben Abstand zur Sonne befindet wie unsere Erde und dessen Atmosphäre ziemlich dünn ist, ist das Wetter und das Klima deutlich langweiliger als auf der Erde. Helle Seite heiß, dunkle Seite kalt. Durchschnittstemperatur irgendwo bei -50 C°.

        „Kalte Schichten erwärmen keine warme Schichten“ ist ein Blödsinnsargument, da die Treibhaushypothese das Gegenteil davon gar nicht behauptet.

        https://en.wikipedia.org/wiki/Greenhouse_effect

        Die Treibhaushypothese beschreibt vielmehr warum sich das Absorptionsverhalten der Atmosphäre verändert, wenn sich ihre Zusammensetzung ändert.

        Das von Lüning verwandte Argument „Korrelation ist nicht Kausalität“ ist irreführend. Es ist zwar sachlich richtig (in jedem Zusammenhang), aber die Kausalität zu erklären ist ja gerade die Leistung der allgemein anerkannte Hypothese des anthropogenen Treibhauseffekts. Sie beschreibt die kausalen Zusammenhänge und die Beobachtung, dass CO2-Anstieg und Erderwämung miteinander korrelieren, deckt sich mit der Theorie. Dass der Zeitraum der Veränderungen mit 50 Jahren ein erdgeschichtlich extrem kurzer ist, weißt ebenfalls auf den anthropogenen Ursprung beider Phänomene hin und verbessert nicht wirklich die Prognose. Positive Rückkopplungseffekte wie das Auftauen der Pole oder das Schmelzen des Permafrostes halten möglicherweise noch einige unangenehme Überraschungen für uns bereit.

        Das Lambert-Beersches Gesetz ist ebenfalls nicht zielführend. Die im oben genannten Wikipedia-Artikel aufgeführten Absorptionsspektren veranschaulichen die Energieabsorption durch die Atmosphäre deutlich besser. Und klar, die Menge der absorbierten Energie ist von der Menge der absorbierenden Moleküle abhängig.

        Zu Lünings Venus-Argument: die Atmosphäre der Venus besteht zu ungefähr 95% aus CO2, ist einer höheren Strahlungsdichte als die Erde ausgesetzt und nimmt deutlich mehr Strahlungsenergie als die Atmosphäre der Erde auf. Wenn man letzteres wie Lüning auf die höhere Dichte der Atmosphäre zurück führt – die Venus ist der Erde in Größe, Masse und Beschleunigung von auf ihr befindlichen Massen sehr ähnlich – dann erkennt man zumindest an, dass sich CO2 physikochemisch anders verhält als ein N2/O2 Gemisch.

        Der Name H. L. Mencken sagt mir nichts, aber was die Wikipedia über ihn schreibt, lässt ihn als Quelle von Zitaten ziemlich ungeeignet erscheinen. FUD wird von Ideologen und Propagandisten aller Couleur eingesetzt.

      • ikkyu sagte:

        @mg
        Naja, Wikpedia als seriöse Quelle?

        Zitat Wikpedia:
        „If a planet’s atmosphere contains radiatively active gases (i.e., greenhouse gases) they will radiate energy in all directions. Part of this radiation is directed towards the surface, warming it.“

        Wenn Sie das glauben, dann glauben Sie auch, dass Wärme freiwillig vom kälteren Gegenstand zum wärmeren übergeht, da die Oberfläche ja wärmer als die Luft ist.
        Diese Erklärung verletzt offensichtlich den 2. Hauptsatz, da die Entropie bei diesem Vorgang abnehmen würde.
        Einfach Gerlich und Tscheuschner lesen und wenn das nicht hilft, hilft halt nichts mehr.

        Über Herrn Lüning habe ich nichts geschrieben und kenne ihn auch nicht.

        Mein Argument mit dem Lambert-Beer´schen Gesetz haben Sie offensichtlich nicht verstanden, obwohl ich extra die Formel angegeben habe.

        Der exponentielle Zusammenhang impliziert doch, dass die Abnahme der Lichtintensität direkt proportional zum aktuellen Wert der Lichtintensität ist.

        Es ist also nicht so, dass eine Verdoppelung der CO2-Konzentration zu einer Verdoppelung der Absorption führt (das wäre ja ein linearer und kein exponentieller Zusammenhang, gell?)

        Und da im Wellenlängenbereich der CO2-Bande durch die Atmosphäre bereits fast 100% des Lichts absorbiert ist (schauen Sie nur ihren tollen Wikipedia Artikel an), ändert eine Erhöhung der CO2-Konzentration so gut wie nichts mehr an der Gesamtabsorption in der Atmosphäre.

        In der Erdgeschichte gab es Zeiten mit viel höheren CO2-Konzentrationen wie aktuell. Wenn es stimmen würde, dass durch das CO2 die Temperatur steigt und durch die steigenden Temperaturen wieder die CO2-Konzentration steigt (z.B. Ausgasung aus den Meeren) dann hätten die Temperaturen nie wieder fallen dürfen.

        Offensichtlich gibt es also noch Einflussfaktoren, die zu einer Abnahme der Temperatur und nicht zu einer Erwärmungskatastrophe führten.

        Zum Schluss noch eine Frage:

        Glauben Sie jetzt, dass die Atmosphäre physikalisch ein Treibhaus ist oder nicht?

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu + mg

        Ich will mich nicht auch noch auslassen zum 2. Satz der Thermodynamik etc.

        Mir ist nur der folgende Satz aufgefallen mit der Begründung, die er enthält:

        >Ein Problem hätten wir dann, wenn es kälter wird und nicht, wenn es wärmer wird. Lesen Sie dazu nur die Geschichtsbücher.>

        Die Geschichtsbücher können natürlich aufzeigen, dass wir ein Problem hätten, wenn es kälter würde.

        Nur ist das keine Begründung dafür, dass wir KEIN Problem hätten, wenn es wärmer wird, als wir es aus den Geschichtsbüchern kennen.

        Es WIRD wärmer.

        Das lässt sich empirisch, d. h. messbar feststellen.

        Die Folgen sind zumindest in Ansätzen sichtbar:

        Zunehmende Trockenheit, Wassermangel, schrumpfende Anbauflächen für Nahrungsmittel …

        Wie gehen wir damit um?

        Soweit ich erkennen kann, braucht man weder für die Feststellung der Erwärmung, noch der absehbaren Folgen den 2. Satz der Thermodynamik.

        Um die Frage zu verstehen, braucht man ihn auch nicht.

        Und bei der oder den Antworten fragt auch keiner nach dem 2. Satz der Thermodynamik.

      • Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Tischer: Tja, letzten Endes ist es eine Frage des Vertrauens, wenn man selbst nicht vom Fach ist. Vertraut man Herrn Lüning oder Herrn Prof. Lesch? Ich vertraue Herrn Lesch. Ikkyu und mg tun das aus Gründen, die sie für richtig halten, nicht und haben sicher recht mit der Annahme, dass der Klimawandel von einigen Leuten dafür zweckentfremdet wird, unter einem Vorwand Gelder abzuzweigen. Damit liegen sie übrigens auf einer Linie mit dem Parteiprogramm der AFD, ich zitiere: „Das Klima wandelt sich, solange die Erde existiert. Die Klimaschutzpolitik der Bundesregierung beruht auf
        bisher unbewiesenen hypothetischen Klimamodellen.“

        Ich schaue die geschrumpften Gletscher meiner Jugend in den Bergen an und spare mir die weitere Debatte. Ich brauche keine weiteren Beweise, mir reichen die Indizien. Daher nur ein Schlusszitat aus der Bibel: „Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören.“ (Mätthäus 13:16)

      • ikkyu sagte:

        @ Selig + DT

        Erdgeschichtlich kommen wir gerade aus einer Eiszeit.
        Folglich ist es nicht verwunderlich, dass es wärmer wird.
        Am Ende einer Warmzeit sind die Pole komplett eisfrei.

        Die Erwärmung eines hochkomplexen, nichtlinear gekoppelten Systems wie die Atmosphäre monokausal mit dem Anstieg der CO2-Konzentration zu erklären ist nicht wissenschaftlich und auch etwas naiv.

        Die einzige bis dato gemessene und mit Fakten unterlegte Wirkung des zunehmenden CO2-Gehaltes ist die Vergrünung der Erde durch den Düngeeffekt.

        https://climate.nasa.gov/news/2436/co2-is-making-earth-greenerfor-now/

        @ Selig

        Meine Argumentation mit dem Parteiprogramm der AfD in Zusammenhang zu bringen und nicht auf die dargelegten physikalischen Zusammenhänge einzugehen, spricht nicht gerade für ihre Kompetenz im naturwissenschaftlichen Bereich und zeigt nur den Mangel an Argumenten.
        Am Ende hilft halt nur der Glaube, wie ihr Bibel-Zitat beweist.

        Oder glauben Sie wirklich, dass die Atmosphäre physikallisch ein Treibhaus ist?

      • ikkyu sagte:

        Und immer dran denken:

        „Think beyond the obvious“ :-)

        und

        „Science is the belief in the ignorance of the experts“
        (R. P. Feynman)

        Beste Grüße

        P.S.
        Warum gibt es eigentlich auf den deutschen Autobahnen kein generelles Tempo-Limit, wenn die Gefahr durch das CO2 so lebensbedrohend ist?

        Antwort:
        Weil man kein Geschäft damit machen kann!

      • mg sagte:

        @Herrn Selig:
        > Ich vertraue Herrn Lesch. Ikkyu und mg tun das aus Gründen, die sie für richtig halten, nicht und haben sicher recht mit der Annahme, dass der Klimawandel von einigen Leuten dafür zweckentfremdet wird, unter einem Vorwand Gelder abzuzweigen.

        Mein Verständnis des anthropogenen Klimawandels entspricht ebenfalls dem von Prof. Lesch bzw. dem wissenschaftlichen Konsensus. Da haben Sie mich anscheinend missverstanden.

        Dass ich es für sinnvoll halte Autoritäten zu misstrauen bzw. den Ehrgeiz habe den Dingen selber auf den Grund zu gehen, ist ein anderes Thema. Selbstverständlich kann ich mit dem bisschen Schulphysik und -mathematik nicht gegen die universitäre Forschung anstinken. Und natürlich kann ich zu Hause nicht jedes Experiment nachbauen. Das dürfte spätestens beim LIGO oder beim ATLAS wirklich schwierig werden. ;-)

        Aber die allgemeine Hochschulreife sollte uns doch mindestens befähigen, Sachverhalte nachzulesen und zu hinterfragen. Meiner unmassgeblichen Meinung nach, muss man in der Lage sein einen Sachverhalt mit eigenen Worten auszudrücken, wenn man ihn verstehen will.

      • mg sagte:

        > Ich schaue die geschrumpften Gletscher meiner Jugend in den Bergen an und spare mir die weitere Debatte. Ich brauche keine weiteren Beweise, mir reichen die Indizien. Daher nur ein Schlusszitat aus der Bibel: „Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören.“

        Also das ist jetzt ein bisschen dünn. :-)))

      • mg sagte:

        > Glauben Sie jetzt, dass die Atmosphäre physikalisch ein Treibhaus ist oder nicht?

        Der Begriff Treibhaus (Greenhouse) ist ungeschickt gewählt, weil in einem Gewächshaus (für Tomaten, etc.) völlig andere Verhältnisse herrschen als in unserer Atmosphäre.

        Die Formulierung anthropogener (Anteil am) Klimawandel ist zutreffender.

        > Wenn Sie das glauben, dann glauben Sie auch, dass Wärme freiwillig vom kälteren Gegenstand zum wärmeren übergeht, da die Oberfläche ja wärmer als die Luft ist.

        Das wäre in etwa so, als würde ich Ihnen unterstellen, dass Sie glauben der Schaumstoff in Ihrer Kühlschrankwand würde Ihre Küche aktiv aufwärmen.

        Der in Betrieb befindliche Kühlschrank wärmt ihre Küche tatsächlich auf – allerdings über die Wärmepumpe und den Radiator. Der Schaumstoff verhindert lediglich, dass die „Wärme“ in Ihrer Küche zurück in den Kühlschrank gelangt.

        Den Sachverhalt können Sie in etwa auf Sonne-Erde-Weltall übertragen, wenn Sie von der Richtung Innen-Aussen absehen und die Kühlschranktür zulassen.

        Wärmepumpe+Radiator stellen in diesem Bild die Sonne dar, Ihre Küche die Erde und der Schaumstoff die Atmosphäre. Wenn die Wärmepumpe läuft, scheint für Ihre Küche die Sonne, ist sie aus, ist es Nacht. Verändern Sie den Schaumstoff, verändert sich das Gleichgewicht. Bei Ihrem Kühlschrank hat eine bessere Dämmung die Konsequenz, dass die Wärmepumpe seltener oder kürzer arbeiten muss. Hält sich die Wärmepumpe nicht daran, wird es in Ihrer Küche wärmer und im Inneren des Kühlschranks kälter. Gegen den 2. Hauptsatz der Thermodynamik verstösst da nichts.

        Wasserdampf, Methan und Distickstoffmonooxid (überwiegend natürlichen Ursprungs), aber eben auch diverse Gase menschlichen Ursprungs unter anderem das CO2 verändern die Strahlungsgleichgewichte zwischen Erdboden, Atmosphäre und Weltall.

        Aber ich werde mir den Artikel von Gerlich und Tscheuschner durchlesen und bin gespannt ob sie mich eines Besseren überzeugen können.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ W. Selig, ikkyu, mg

        >Die Erwärmung eines hochkomplexen, nichtlinear gekoppelten Systems wie die Atmosphäre monokausal mit dem Anstieg der CO2-Konzentration zu erklären ist nicht wissenschaftlich und auch etwas naiv.>

        Dem stimme ich zu.

        Aber ERKLÄRUNGEN sind das eine und sicher auch etwas, das nicht nur WISSEN schaffen und bereiten will, sondern auch dazu genutzt wird, spezielle INTERESSEN zu befördern.

        Wir kommen um Erklärungen nicht herum, weil sie URSÄCHLICHKEIT benennen (wenn es wirklich Erklärungen sind, die den Namen verdienen) und weil uns damit RATIONAL beurteilbare Handlungsoptionen eröffnet werden.

        Erklärungen beruhen übrigens auf Annahmen, d. h. einer Überzeugung oder eines „Glaubens“, wobei es mir im vorliegenden Fall als UNERHEBLICH erscheint, ob ich glauben oder nicht glauben soll/muss, dass die Atmosphäre physikalisch ein Treibhaus ist oder nicht ist.

        Erklärungen liegen vor uns und fordern die Beantwortung der Frage, was zu tun ist.

        Wenn es KOSMISCH bedingt wärmer wird und auch die ZIVILISATORISCH bedingte CO2-Konzentration zur Erwärmung beiträgt – mit auf sie beziehbaren Konsequenzen im Kontext der auch kosmisch verursachten GESAMTERWÄRMUNG – muss man sich vertiefende Gedanken machen.

        Ich meine, dass es DARAUF ankommt, mit Blick auf die wirtschaftlichen, sozialen und politischen Gegebenheiten und Tendenzen in der Welt.

      • ikkyu sagte:

        @mg

        Für Ihre Skeptiker-Bibliothek wärmstens zu empfehlen:

        Direkt aus dem deutschen Wissenschaftsstandort Nr.1 – Bayern:

        „Scrutinizing the atmospheric greenhouse effect and its
        climatic impact“

        https://file.scirp.org/Html/9233.html

        Und ein Zitat aus der Replik von Gerlich und Tscheuschner auf die massive Kritik der „mainstream“- Klimaforscher, die eigentlich alles sagt:

        „One should keep in mind that we are theoretical physicists with experimental experience and, additionally, a lot of experience in numerical computing.
        Joshua Halpern and Jörg Zimmermann, for example, are chemists.
        We are not willing to discuss whether they can be considered as laymen in physics, in particular laymen in thermodynamics.“

        Wie gesagt, sehe ich als größte Gefahr der vereinfachenden Klimakatastrophenforschung die politische Agenda für den geplanten gesellschaftlichen Umbau – auch große Transformation genannt.

        Oder „in their own words“:

        “Government in the future will be based upon (or incorporate, depending on the level of breakdown of civilisation) a supreme office of the biosphere. The office will comprise specially trained philosopher/ecologists.”

        “These guardians will either rule themselves or advise an authoritarian government of policies based on their ecological training and philosophical sensitivities. These guardians will be specially trained for the task.”
        (Professor David Shearman, an Assessor for the Intergovernmental Panel on Climate Change 3rd and 4th Assessment Reports -The Climate change Challenge and the Failure of Democracy. David Shearman & Joseph Wayne Smith (Praeger Publishing: Wesport, 2007). p134

        “In short, Shearman and Smith argue that liberal democracy – considered sacrosanct in modern societies – is an impediment to finding ecologically sustainable solutions for the planet.”
        [intro. p.xi]

        “In chapters 8 and 9 we argue that authoritarianism is the natural state of humanity, and it may be better to choose our elites rather than have them imposed.”

        “We analyze authoritarian structures and their operation ranging from the medical intensive care unit and the Roman Catholic Church to corporatism with the conclusion that the crisis is best countered by developing authoritarian government using some of the fabric of these existing structures.”

        http://climatechangepredictions.org/category/in_their_own_words

        Viel Spass beim Einlesen!

      • ikkyu sagte:

        @mg

        Nochmal zum 2. Hauptsatz.

        Die Formulierung in dem von Ihnen verlinkten Wikipedia-Artikel lautet doch:
        „If a planet’s atmosphere contains radiatively active gases (i.e., greenhouse gases) they will radiate energy in all directions. Part of this radiation is directed towards the surface, warming it.“

        d.h. die kältere Luft erwärmt die wärmere Oberfläche.

        Ohne Verletzung des 2. Hauptsatzes müsste man so formulieren:

        …leaving the surface in a warmer state than without the back-radiation..

        Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass in den bodennahen Luftschichten Wärme hauptsächlich durch Konvektion, Verdunstung und Wärmeleitung und nicht durch Strahlung transportiert wird.

      • mg sagte:

        @ikkyu: was wer gesagt oder geschrieben hat, spielt im Grossen und Ganzen keine Rolle, da es nichts am Sachverhalt, an den nackten Tatsachen, ändert.

        Wie auch immer, beide verlinkten Reviews (eingehend peer-reviewed) machen auf mich den Eindruck eines mathematischen Äquivalent zum rhetorischen Roten Hering. Das spricht natürlich für das Niveau dieses Forums. Als Nicht-Mathematiker bzw. -Physiker kann ich das jedoch nicht abschließend beurteilen und so kann mich lediglich qualitativ mit dem Thema auseinandersetzen.

        Es läuft im Grunde auf die Frage hinaus, ob die anthropogene Änderung der Zusammensetzung der Erdatmosphäre das Rückstrahlvermögen der Erdatmosphäre in das Weltall vermindern und auf diese Weise das Strahlungsgleichgewicht und den Wärmehaushalt verändert.

        Dass die Atmosphäre einen wärmeisolierenden Effekt hat, darf ich als unbestritten voraussetzen, weil wir hier sonst Wetter- und Klimaverhältnisse hätten wie auf bzw. hintern dem Mond. Solche Verhältnisse lehne ich ganz grundsätzlich ab. ;-)

        Wie gehabt bin ich mir nicht zu Schade die Wikipedia zu verlinken (und das bleibt auch so):
        https://de.wikipedia.org/wiki/Idealisiertes_Treibhausmodell

        Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hat eine Kollegin von mir ein paar Fotos von einer Veranstaltung gemacht, auf welcher der Sachverhalt wesentlich deutlicher zur Darstellung kam. Dazu bei anderer Gelegenheit vielleicht mehr.

      • mg sagte:

        Zitat:
        > Folglich strahlt die Atmosphäre im langwelligen Infrarotbereich auch in Richtung Boden, was Atmosphärische Gegenstrahlung genannt wird. In diesem Modell erwärmen die Treibhausgase die Planetenoberfläche auf eine höhere Temperatur, als ohne sie beobachtbar wäre.

        Das ist ganz offensichtlich Quatsch (siehe 2. Hauptsatz der Thermodynamik). Es müsste m.E. heissen:
        > Das Strahlungsgleichgewicht zwischen Erdoberfläche und Atmosphärenschichten verschiebt sich derart, dass weniger Wärme via Strahlung ins Weltall abgegeben wird.

        Oder übersehe ich da etwas?

      • ikkyu sagte:

        @mg

        Für mich ist das bereits oben verlinkte Modell von Prof. Lindzen für den Treibhauseffekt am verständlichsten.
        Entscheidend ist demnach das Abstrahlvermögen der oberen Schichten der Atmosphäre in den Weltraum (bestimmt durch Temperatur und optische Dichte).

        „Taking Greenhouse Warming Seriously“
        http://www-eaps.mit.edu/faculty/lindzen/230_TakingGr.pdf

        Man sollte aber nie vergessen, dass jedes Modell nur eine Vereinfachung der Wirklichkeit darstellt. Deshalb sind die darauf basierenden Prognosen immer mit Vorsicht zu genießen.

        Climate science is not settled!

        Das war die ursprüngliche Intention für meine Replik auf das Katastrophen-Szenario von Herrn Selig.

        Beste Grüße

      • mg sagte:

        @ikkyu: Great, I love Yes, Minister.

        Dachte ich mir doch, dass Sie nur den Advocatus Diaboli spielen. Können Sie in ein paar Sätzen erklären, wie ein Anstieg der Konzentration der sogenannten Treibhausgase dazu führt, dass die Strahlung abgebende Schicht nach außen wandert?

      • ikkyu sagte:

        @mg

        Da haben Sie mich verkehrt verstanden.

        Ich teile die Kritik von Gerlich und Tscheuschner an der Berechnung des Treibhauseffekts (33 K).
        Desweiteren bin ich der Meinung, dass die doppelt falsche Analogie der Atmosphäre und eines Treibhauses bewusst gewählt wurde, um die Bevölkerung zu ängstigen und die Mehrheitsmeinung in eine bestimmte Richtung zu lenken (die Erde hat Fieber usw.).

        Grundsätzlich stimme ich dem zu, was Sie weiter oben geschrieben haben:
        Man soll sich an die nackten Tatsachen halten.

        Und da schaut´s halt für die Klimaastrologen schlecht aus, wenn man die relevanten Temperatur-Daten vergleicht (siehe auch Prof. Lindzen).

        https://judithcurry.com/2015/12/17/climate-models-versus-climate-reality/

        Und falls die Katastrophen-Apologeten wirklich richtig liegen sollten, dann ist das Kind eh schon in den Brunnen gefallen, da die Latenz-Zeit von CO2 im Bereich von 50 Jahren liegt und eine massive Senkung der CO2-Immissionen nicht realistisch ist.

        Den Menschen wird also nichts anderes übrig bleiben, als sich anzupassen.
        So wie es immer schon war.

        Die einzige Konstante in der Natur ist die Veränderung!

      • mg sagte:

        > Ohne Verletzung des 2. Hauptsatzes müsste man so formulieren:
        >
        > …leaving the surface in a warmer state than without the back-radiation..

        Das sehe ich auch so.

        > Dabei ist jedoch nicht berücksichtigt, dass in den bodennahen Luftschichten
        > Wärme hauptsächlich durch Konvektion, Verdunstung und Wärmeleitung
        > und nicht durch Strahlung transportiert wird.

        Hmmm. Tagsüber mag das zutreffen. Aber gilt das auch nachts? Vor allem wenn der Himmel wolkenfrei ist?

      • ikkyu sagte:

        @mg

        In der Nacht sind die Verhältnisse natürlich andere als wenn die Sonne den Boden erwärmt.

        Man sollte dabei auch berücksichtigen, dass die Erde größtenteils mit Wasser bedeckt ist. Hier spielt sicherlich die Verdunstung eine große Rolle.

        Der wichtigste bestimmende Faktor für das Klima ist nach meiner Meinung der Wasserhaushalt der Atmosphäre (neben der Stärke der Sonnenstrahlung).

        Wasser verdunstet (endotherm) und kondensiert in den Wolken (exotherm) und transportiert dadurch latente Wärme in die oberen Schichten der Atmosphäre.
        Zusätzlich wirkt Wasserdampf noch als Treibhausgas und auch die Wolken haben einen bedeutenden Einfluß auf das Klima.

        Wenn man z.B. eine Region großflächig abholzt, verändert sich der Wasserhaushalt (+Albedo) und das lokale Klima wird arider.

        In der Wüste kühlt es in der Nacht stark ab, trotz sengender Hitze am Tag.
        Ohne Wasserdampf und Wolken strahlt der Boden die Wärmeenergie ungehindert ab (trotz CO2-Gegenstrahlung).
        In den feuchten Tropen bleibt es hingegen auch in der Nacht warm.

        Der Effekt der CO2-Gegenstrahlung ist offenbar sehr gering.

      • mg sagte:

        @ikkyu: gutes Beispiel. In der Wüste hat es kaum Wasserdampf, das Gasgemisch was wir Luft nennen hat eine verhältnismäßig schlechte Wärmeleitfähigkeit und für Wärmeverlust durch Konvektion gibt es links und rechts erst einmal keine kalten Gasmoleküle. Und trotzdem wird es nachts in der Wüste nicht so kalt wie auf der dunklen Seite des Mondes. Zugegeben die Nacht auf dem Mond ist deutlich länger. ;-)

        Ich greife mal ein Argument der sogenannten Klimaskeptiker auf: wie kann eine Zunahme von 280ppm auf 400ppm (oder mehr) zu einem Anstieg der durchschnittlichen Oberflächentemperatur über zwei C° führen? Das ist zwar fast eine Ver-1,5-fachung der gasförmigen CO2-Menge, aber lediglich ein Anstieg von knapp 0,03 auf 0,04 Prozent der CO2-Konzentration.

        Das Modell sagt, die Schicht oder der Bereich der Atmosphäre, von dem aus die IR-Strahlung ins Weltall abgegeben wird, wandert aufgrund der anthropogen Treibhausgase weiter nach oben. Höher bedeutet kälter und deshalb hat die dort ins Weltall abgegebene Wärmestrahlung weniger Energie.

        Aber warum? Oder viehloosophisch präziser gefragt: wie funktioniert das?

        Bevor ich mich mit der Antithese von Gerlich und Tscheuschner beschäftige, würde ich gerne die sogenannte „allgemein anerkannte“ These verstehen.

        Zugegeben… während mir dieser Artikelabschnitt
        https://de.wikipedia.org/wiki/Idealisiertes_Treibhausmodell#Modellrechnung
        einleuchtet, kommen mir dieser Abschnitt
        https://de.wikipedia.org/wiki/Idealisiertes_Treibhausmodell#Temperaturänderung_durch_Strahlungsantrieb
        und dieser Artikel
        https://de.wikipedia.org/wiki/Strahlungsantrieb
        schon reichlich esoterisch vor.

      • ikkyu sagte:

        @mg

        Die Wärmeleitfähigkeit von Luft ist zwar niedrig aber bei der Dichte am Boden nicht zu vernachlässigen.
        Deswegen verwendet man z.B. Vakuumplatten zur Gebäudedämmung.

        Links und rechts braucht es für die Konvektion auch keine kalten Gasmoleküle.
        Warme Luft ist leichter als kalte Luft und steigt deshalb nach oben, wo sie sich infolge der adiabatischen Expansion wieder abkühlt.
        Der Boden wird durch die Konvektion gekühlt.

        Bei Ihrem Mondvergleich machen Sie den gleichen Fehler wie der Lesch.
        Man kann nicht einen Planeten mit Atmosphäre mit einem Planeten ganz ohne Atmosphäre vergleichen und den Unterschied dann Treibhauseffekt nennen.

        Richtiger wäre es, einen Planeten mit IR-aktiver Atmosphäre mit einem Planeten ohne IR-aktive Atmosphäre zu vergleichen.

        Aber auch das ist problematisch, weil die Erde ja kein Gesteinsbrocken (Lesch) ist, sondern größtenteils mit Wasser bedeckt ist (der blaue Planet ist sicher kein idealer schwarzer Strahler, Food for thought!) und Wasser wiederum ein IR-aktives Gas ist.

        Um den Einfluß von CO2 wirklich zu quantifizieren, müsste man den Planeten Erde mit und ohne CO2 modellieren.

        Das Niveau des Herrn Lesch ist also im Bereich Physik nicht sonderlich hoch und nach seiner Sendung über David Hume kann ich sagen, im Bereich Philosophie auch nicht.

        So und nun werde ich mich wieder den wichtigen Dingen im Leben widmen
        (an den Finanzmärkten tut sich ja gerade was) und Herrn Stelters Blog nicht weiter mit Klima-Fragen belasten.

        Beste Grüße

      • mg sagte:

        Das ist Schade. Wie Ihnen sicher erinnerlich ist, haben Sie den OT-Thread aufgemacht. Und nachdem ich die Nebelkerzen als solche benannt habe, blieb eigentlich irgendwie nicht viel übrig außer „Wasserdampf ist viel wichtiger“.

        > Der wichtigste bestimmende Faktor für das Klima ist nach meiner Meinung der Wasserhaushalt der Atmosphäre (neben der Stärke der Sonnenstrahlung).

        Aber eben nicht der ausschließliche Faktor.

        > Der Boden wird durch die Konvektion gekühlt.

        Nachts verliert er häufig noch mehr über Strahlung. Wenn Morgens der Boden kälter ist als die Luft, können Sie das Ergebnis sehen.

  3. mg sagte:

    Offenbar scheinen sich vielen nicht daran zu erinnern, wie damals in den 80er der Melmac explodiert ist. Alf und seine Kumpels haben alle zum gleichen Zeitpunkt ihre Haartrockner eingeschaltet. Ich erkenne da gefährliche Parallelen zum Bitcoin.

    Was den Proof-of-Stake angeht: das ist ja noch ein grösserer Betrug. Wer zuerst Coins aus dem Nichts geschaffen hat, kann mehr Transaktionen validieren als diejenigen, die noch keine Coins aus dem Nichts geschaffen oder gekauft haben? Tolle Wurst.

    Meine Buchtipp für heute: „Making Money“ von Terry Prachett

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