Thomas Mayer stimmt mir zu: Ohne Vollgeld stirbt der Euro

Man könnte fast glauben, Thomas Mayer hätte von mir abgeschrieben, aber das hat er nicht nötig:

„Die Schweizer Lösung für die Eurokrise“

Inhaltlich kommt er in seinem Kommentar in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung allerdings zu einer ähnlichen Schlussfolgerung wie ich in meinem Kommentar für manager magazin online:

  • Vollgeld ist wie ein theoretisch wirksames Krebsmedikament, das von der Schulmedizin (noch) nicht akzeptiert ist. Man nimmt es nur, wenn der Krebstod sonst unausweichlich erscheint. Vollgeld wurde durch die Erfahrung des finanziellen Nahtods während der Finanzkrise populär. Mit dem Abklingen dieser Erfahrung hat es an Attraktivität verloren.“ – bto: Und es bietet die Möglichkeit des Taschenspielertricks zur Entschuldung!
  • Im moribunden Euroraum könnte es ein Comeback erleben. (…) Statt die notwendige Anpassung durchzusetzen, haben sich viele Euroländer hoch verschuldet. Nachdem die eigene Tragfähigkeit der Schulden nicht mehr gegeben war, wurden andere Länder über den Europäischen Stabilitätsmechanismus und das System europäischer Zentralbanken zu Hilfsträgern verpflichtet. Die Kreditforderungen des ESM und seiner Vorgänger betrugen im April dieses Jahres 355 Milliarden Euro, die im Interbankzahlungssystem Target2 aufgelaufenen Außenstände der Zentralbanken von Ländern mit Zahlungsbilanzüberschüssen 1,3 Billionen Euro.“ – bto: So ist es knapp zusammengefasst.
  • „Dennoch fordern Länder wie Italien noch mehr „europäische Solidarität“ durch die Vergemeinschaftung öffentlicher Schulden, des Restrisikos bei Bankabwicklungen und der Versicherung von Bankeinlagen. Dem stemmt sich eine Nordallianz kleinerer Staaten entgegen, sodass die Zentrifugalkräfte in der EWU wachsen.“ – bto: glücklicherweise! Denn Frau Merkel würde bedenkenlos unser Geld opfern für einen Formelkompromiss in der Flüchtlingskrise. Immer deutlicher wird, dass die Währungsunion mit den herkömmlichen Mitteln nicht zu retten ist. Dadurch könnte Vollgeld ins Spiel kommen.
  • „Die Europäische Zentralbank könnte zum Beispiel die Banken zum Angebot einer „sicheren Einlage“ veranlassen, die durch die Hinterlegung von Zentralbankgeld vollständig gedeckt wäre. Damit gäbe es eine sichere Anlage, und die kontroverse Diskussion über die Einführung von staatlichen Gemeinschaftsanleihen zu diesem Zweck und über eine gemeinsame Einlagenversicherung würde sich erledigen.“ – bto: was die Schuldner natürlich nicht wollen, ich denke, das Angebot der Entschuldung ist politisch relevanter!
  • „Die von vielen beklagte tödliche Verbindung zwischen Staaten und Banken würde aufgelöst, da die sichere Einlage (wie Bargeld) von der Zahlungsunfähigkeit von Banken und Staaten nicht berührt würde. Konventionelles Kreditgeld wird dagegen vernichtet, wenn die Kredite, mit denen es geschaffen wurde, ausfallen. Folglich wären konventionelle Einlagen wie andere Schuldverschreibungen von Banken mit einem höheren Risiko und daher höherer Verzinsung und einem variablen Preis relativ zur sicheren Einlage.“ – bto: Das ist richtig, aber so kann man es den Politikern nicht verkaufen, weil die Schulden dann ja noch da sind.
  • „Der Aufbau des für die Deckung der sicheren Einlage notwendigen Bestands an Zentralbankgeld könnte durch einen weiteren Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB erfolgen. Da die EZB die Anleihen als Deckungsstock für das Zentralbankgeld und die damit besicherte sichere Einlage dauerhaft halten würde, könnte durch die Umstellung sogar die an den Märkten zu finanzierende Staatsverschuldung verringert werden.“ – bto: Jetzt sind wir beim Thema. So kann man die Politiker gewinnen, allerdings muss es radikaler sein, wie ich in meinem Artikel geschrieben habe.
  • „Doch würde mit der Umstellung des Euros auf Vollgeld durch die Einführung einer sicheren Einlage den Staaten und Banken die Quelle verlorengehen, die ihnen heute Geld über Kreditvergabe wie von Zauberhand in beliebiger Höhe schaffen kann. Vom Gold spinnenden Rumpelstilzchen würde die EZB auf ihre ursprünglich in den EU-Verträgen vorgesehene Rolle als neutrale Instanz zur Geldemission zurückgestutzt. Staaten und Banken wären wie jeder Bürger für ihre Finanzen selbst verantwortlich und müssten mit dem Bankrott rechnen, wenn sie sich in Euro überschuldeten.“ – bto: Deshalb muss die Entschuldung heute umso radikaler sein, damit das funktioniert.

faz.net: „Ohne Vollgeld stirbt der Euro“, 16. Juni 2018

19 Kommentare
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    Dr. Arda Sürel sagte:

    Im Grunde handelt es sich bei Vollgeld doch nur um eine Verschaerfung der Mindestreserveanforderungen, die nunmehr die Höhe der Sichteinlagen haben müssen. Also nur restriktive Geldpolitik und eine anfaengliche relative Beschraenkung der Kreditvergabemöglichkeiten von Banken.

    Banken würden nach Erreichen dieser Grenze bei neuen Krediten ihre Kreditnehmer auffordern, den Kreditbetrag bis zum Ende des Tages zu überweisen (die durch die Überweisung auftretende Verringerung der Zentralbankeinlage würde über den Bankenmarkt – irgendjemand bekommt ja die Überweisung – ausgeglichen), oder dazu zuzustimmen, dass der Überschussbetrag als T+1, T+2, T+x-Einlage gebucht wird. Die Kreditvergabemöglichkeiten von waeren Banken waeren nach der anfaenglichen Verschaerfung kaum veraendert.

    Im Falle neuer Einlagen würden Banken dann mit den Kunden vereinbaren, dass diese wieder weitestgehend als T+x gebucht werden. Auch hier waeren die Kreditvergabemöglichkeiten nicht besonders und nach einiger Zeit fast kaum beschraenkt.

    Was haette sich abgesehen von einer anfaenglichen Verschaerfung der Geldpolitik und einer anfaenglichen Kreditrestringierung bei Vollgeld geaendert? Es scheint mir keinen grundlegenden Unterschied zur Erhöhung von Mindestreserveanforderungen zu geben. Inwiefern Vollgeld also bei gegebenen Kreditbedarfen zur Systemstabilisierung beitragen soll, scheint mir zweifelhaft.

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    SB sagte:

    bto: glücklicherweise! Denn Frau Merkel würde bedenkenlos unser Geld opfern für einen Formelkompromiss in der ‚Flüchtlingskrise‘.

    „Würde“ ist schon wieder veraltet. Richtig ist jetzt „wird“: https://www.tichyseinblick.de/daili-es-sentials/merkel-auf-einkaufstour/

    Merkel macht D platt, aber so richtig. Sie ist tatsächlich Honeckers späte Rache.

    Vollgeld wird es mit Merkel, Macron etc. nicht geben. Es nimmt ihnen nämlich die Möglichkeit, Europa weiterhin mit Hochdruck in einen internationalsozialistischen Einheitsstaat mit (vorübergehend) sehr heterogener Mischkultur zu transformieren. Das funktioniert nur mit immer mehr Schulden.

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      jobi sagte:

      Das Volk glaubt mehrheitlich das, was ihm die Politik laufend versichert: dass sich nichts verändern muss.
      Oder macht sich der Schweizer darüber Sorgen, dass seine Nationalbank bei einem 40%-igen Rückgang des US Aktienmarktes pleite wäre ? – Eher nicht. Selbst hier im Forum gibt es einige, die das für unproblematisch hielten.
      Im übrigen sollte man die Dinge trennen: Das Schuldenproblem und eine – durchaus wünschenswerte – Geldreform.
      Für das Schuldenproblem gibt es viele theoretische Lösungen. Die praktizierte, die finanzielle Repression, ist in der notwendigen Größenordnung politisch nicht durchzuhalten.
      Bleibt also die realistische: der Zusammenbruch.
      Erst danach wird sich eine – wenn auch geringe – Chance zur Neuauflage eines „Chicago Plans“ bieten.

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    Michael Stöcker sagte:

    Es ist schon interessant, wie man auf Basis fehlerhafter Systembeschreibung dennoch zu den (fast) richtigen Schlussfolgerungen kommt. Staatsgläubige Vollgeldadvokaten werden von staatsskeptischen (Halb)Austrians hofiert. So wird das in der Tat nichts mit einer evolutionären Weiterentwicklung des Geldsystems.

    Richtig ist allerdings, dass es ohne eine monetäre Injektion via Zentralbank keine Zukunft für den Euro geben wird. Die bessere Variante ist und bleibt ein Zentralbankfinanziertes Bürgergeld. Warum, das ist wohl mittlerweile den meisten hier bekannt. Wenn nicht, dann einfach hier nachlesen: https://zinsfehler.com/2016/09/25/ein-geldpolitisches-manifest-fuer-europa/. Und den Kritikern, die meinen, dass es nicht gerecht sei, dass auch Gregor Gysi und Martin Winterkorn den gleichen Betrag erhalten wie Lieschen Müller, denen sei gesagt: Kein Problem, liebe Politiker: Ihr könnte gerne den Grenzsteuersatz erhöhen und wieder für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen.

    Insofern: 100 %-Money JA, Vollgeld: NEIN.

    LG Michael Stöcker

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      Alexander sagte:

      @ Michael Stöcker

      > Staatsgläubige Kreditgeldanhänger vs. staatsgläubige Austrians

      Guter Punkt. Ludwig v. Mises schimpfte sie alle Sozialisten.

      Das Vorfinanzierungsproblem des Staates (Ausgaben vor Einnahmen) kann der Staat nicht lösen. Staatliches Geldmonopol zu brechen hieße, ihm seiner Zwangsmöglichkeiten zu berauben und ohne patriarchalen Vater Staat ist Leben unvorstellbar….

      Privatrechtsgesellschaften sind Utopie wie Kommunen nach Fourier.

      Die Lösung kann kein Pardon sein –
      > Vollgeld bietet die Möglichkeit des Taschenspielertricks zur Entschuldung
      …denn Gelegenheit macht Diebe.

      Naheliegend ist nicht die Lösung des Problems sondern der Crash. Weder Politik noch Gesellschaft wollen die Lebensweise ändern, die zur Krise führte…darin sind sich alle einig.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      >Die bessere Variante ist und bleibt ein Zentralbankfinanziertes Bürgergeld.>

      Finanzierung durch die ZENTRALBANK ist nicht staatsgläubig und auch nicht staatsskeptisch, sondern WAS (als die vermeintlich bessere Variante)?

      Ihre Antwort interessiert mich, weil ich nicht glaube, dass die Zentralbank ein Gebilde ist, das im luftleeren Raum entstanden ist und dort unantastbar herumschwebt.

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      Walter Roth sagte:

      Mannnnn Stöcker……………

      ich habe als Schweizer die Vollgeldinitiative angenommen, wusste aber das sie nicht durchkommt.
      Das Thema ist Herr und Frau Stimmbürger nicht nahezubringen, ist ihnen viel zu kompliziert und den Finanzern trauen sie ohnehin nicht über den Weg.

      Aber ihr obiger Kommentar zeugt auch nicht von rationalem Denken und schon gar nicht von politischem Weitblick.

      Sie wollen nun eine neue Karte ins Spiel bringen, eine mehr, ….eine unnütze mehr.
      Es ist nunmal so das Vollgeld ein Experiment wäre, aber es wurde von den Initianten der Schweizer Initiative immerhin so weit gebracht das es uns zur Abstimmung vorgelegt wurde.
      Und das braucht auch hierzulande sehr viel Engagement, Durchhaltevermögen und auch Geld.
      Die Initianten waren dabei geradezu Vorbildlich. Sie haben in allen möglichen Städten in Restaurants ihre Abende und Vorträge gehalten.
      Hier in St. Gallen mehrmals……. nun ja, einige der Initianten kommen von der HSG.

      Es gab also nur diese eine Möglichkeit um etwas zu ändern, und sogar wenn man wie ich glaubt das es nicht der beste Weg wäre, musste man die Idee unterstützen.
      Bis hierzulande eine Initiative etwas verändert, kann es 3 bis 10 Jahre dauern.
      Stöcker, ein weiter so führt uns …..wohin ?

      Richtig Herr Stöcker, Sie habens erkannt….(-:

      Nun reden Sie aber von 100% Geld….

      Das ist etwa so, wie wenn einer am Abgrund steht und gleich abzustürzen droht, aber darüber nachdenkt ob er nun das neben ihm hängende Seil ergreifen soll ……oder ob ein gar nicht vorhandener Gleitschirm nicht doch die angenehmere Lösung wäre……..

      Vollgeld wurde in der Schweiz abgelehnt, das war abzusehen.
      Aber nun ?
      Was nun?
      Weiter so?

      haben wir etwas erreicht indem wir unser krankes System behalten ?

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        Michael Stöcker sagte:

        „Das Thema ist Herr und Frau Stimmbürger nicht nahezubringen, ist ihnen viel zu kompliziert und den Finanzern trauen sie ohnehin nicht über den Weg.“

        Ja, die Vollgeldinitiative hat alles viel zu kompliziert gemacht, Herr Roth.

        „Sie wollen nun eine neue Karte ins Spiel bringen, eine mehr, ….eine unnütze mehr.“

        Nein, ich bringe keine neue Karte in Spiel, sondern setze genau auf eine Karte, die auch die Vollgeldinitiative als Variante aufführt. Dazu Huber:

        „Ein weiterer Weg, neues Geld in Umlauf zu bringen, liegt in einer nationalen Pro-Kopf-Dividende. Das heißt, das neue Geld würde vom Finanzamt per Kontogutschrift an die einzelnen Bürger ausgezahlt. In Deutschland wären das zuletzt Beträge in der Größenordnung um etwa 500 Euro pro Kopf pro Jahr gewesen.“

        „Es ist nunmal so das Vollgeld ein Experiment wäre, aber es wurde von den Initianten der Schweizer Initiative immerhin so weit gebracht das es uns zur Abstimmung vorgelegt wurde.“

        Ja, Vollgeld ist ein Experiment. Mit der wichtigsten sozialen Errungenschaft der Menschheit sollte man nicht herumexperimentieren; auch dann nicht, wenn der Groll gegen die Finanzparasiten übergroß ist. Auch hier gilt der Grundsatz: Sine ira et studio.

        „Und das braucht auch hierzulande sehr viel Engagement, Durchhaltevermögen und auch Geld.
        Die Initianten waren dabei geradezu Vorbildlich. Sie haben in allen möglichen Städten in Restaurants ihre Abende und Vorträge gehalten.“

        Ja, das braucht es. Und das war auch sehr wichtig, damit dieses Thema überhaupt in die breite Öffentlichkeit getragen werden konnte.

        „Nun reden Sie aber von 100% Geld….“

        Ja, es ist die alte Idee aus dem Chicago Plan mit gestandenen konservativen Ökonomen wie Irving Fisher:

        To the extent that monetary forces play a part in our great economic problems – as, for example the problems of full production and employment, and equitable prices for farm products – to that extent the monetary reforms here proposed are a part of our task to make our form of Government work and enable it to survive. When violent booms and depressions, in which fluctuations in the supply of money play so vital a part, rob millions of their savings and prevent millions from working, constitutions are likely to become scraps of paper. We have observed this phenomenon in other countries. It is probably no accident that the world depression coincided with the destruction of popular Government in many parts of the world. In most every case where liberal government broke down, the money system, amongst other disturbing elements, had broken down first. That free exchange of goods and services on which people in industrial countries depend for their very existence had stopped functioning; and, in utter desperation, the people were willing to hand over their liberties for the promise of economic security.

        In this manner the decline of democracy has set in elsewhere, and unless we take intelligent action, it may happen here. https://web.archive.org/web/20121103110209/http://home.comcast.net/~zthustra/pdf/a_program_for_monetary_reform.pdf

        “Was nun?“

        Statt Vollgeld 100 % Bürgergeld. Jeder Bürger erhält monatlich 100 EUR, im Gegenzug müssen die Banken sukzessive ihre Reserven bei der Zentralbank auf 100 % erhöhen. Zeitsynchron müssen alle großen systemrelevanten Banken ihr Eigenkapital bis auf 25 % aufstocken. Zudem werden Kreditbanken alle Arten von Eigengeschäften untersagt (Trennbankensystem).

        „haben wir etwas erreicht indem wir unser krankes System behalten ?“

        Was hätten wir erreicht, das eine kranke System durch ein anderes kränkelndes System zu ersetzen? Insofern: Keine Vollgeld-Experimente, sondern eine evolutorische Weiterentwicklung unseres Geldsystems unter Berücksichtigung der vielen positiven Ansätze der Vollgeldbewegung.

        Ein solches 100 % Bürgergeld ist weder staatsgläubig noch staatsskeptisch, Herr Tischer, weil eine staatliche Institution damit beauftragt wird, einen Teil der Geldmenge zentral zu erzeugen und dezentral zu verteilen (monetäre Bürgerfinanzierung statt monetärer Staatsfinanzierung). Somit entscheidet nicht eine lobbyistisch infizierte Staatsgewalt über die Verwendung dieser Mittel, sondern der mündige Bürger.

        Und eine solch einfache Botschaft (100 Euro für jeden pro Monat von der Zentralbank) Herr Roth, die versteht jeder Bürger.

        LG Michael Stöcker

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Und eine solch einfache Botschaft (100 Euro für jeden pro Monat von der Zentralbank) Herr Roth, die versteht jeder Bürger.>

        Das glaube ich auch.

        Des Weiteren glaube ich, dass jeder Bürger auch die noch einfachere Botschaft versteht, dass 200 Euro mehr sind als 100 Euro.

        Sie werden daher dafür sorgen, dass die staatliche Institution BEAUFTRAGT wird, jeden Monat 200 Euro an jeden Bürger zu verteilen.

        Ich sehe jedenfalls NICHT, wie das VERHINDERT werden kann, wenn mündige Bürger statt eine lobbyinfizierte Staatsgewalt das Sagen haben.

        Es ist immer wieder ein Erlebnis zu erfahren, wie schön einfach die Welt des Geldes funktioniert, wenn man die Weisheiten eines M. Stöcker besitzt:

        Verteilt werden nicht Euro 101 und auch nicht Euro 99, sondern Euro 100.

        Denn 100 Euro für jeden Bürger ist 100% richtig.

        Zum anderen wird derart „BEAUFTRAGT“, dass eine Entscheidung, die sich bei irgendwelchen Leuten besonderer Eingebung gebildet hat, umstandslos zu 100% umgesetzt wird:

        Keine Interessen, keine Fragen, keine Debatten, keine Hick-Hack irgendwelcher Art.

        Wozu auch – 100% sind doch 100%.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Sie werden daher dafür sorgen, dass die staatliche Institution BEAUFTRAGT wird, jeden Monat 200 Euro an jeden Bürger zu verteilen.“

        So so. Genau aus diesem Grund sorgen die Bürger also auch so erfolgreich dafür, dass sich das Kindergeld jedes Jahr verdoppelt???

        „Ich sehe jedenfalls NICHT, wie das VERHINDERT werden kann, wenn mündige Bürger statt eine lobbyinfizierte Staatsgewalt das Sagen haben.“

        Ich schon: Es gibt das Inflationsziel der EZB. Und es sind nicht allein die Bürger, die darüber zu entscheiden haben. Die Bürger entscheiden allerdings ganz unabhängig darüber, wofür sie diesen zusätzlichen Betrag nach Abzug von Steuern verwenden.

        „Verteilt werden nicht Euro 101 und auch nicht Euro 99, sondern Euro 100.

        Denn 100 Euro für jeden Bürger ist 100% richtig.“

        Das ist nun aber ganz weit unter Ihrem Niveau, Herr Tischer. Sie wissen genau, dass es sich hierbei um eine gerundete Größe handelt, die aufs Jahr hochgerechnet in etwa dem Budgetdefizit entspricht, das in der längeren Frist zwischen 2 bis 3 Prozent liegt.

        LG Michael Stöcker

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Es gibt das Inflationsziel der EZB. Und es sind nicht allein die Bürger, die darüber zu entscheiden haben.>

        Wenn das so ist, dann entscheidet zumindest wieder „eine lobbyistisch infizierte Staatsgewalt“ mit.

        Wenn Sie endlich mal einsehen würden, dass sie dem PROBLEM, wer bestimmt, nicht entkommen können.

        Entweder sind es die Bürger direkt, die bestimmen, dann ist es in aller Regel eine Mehrheit, die nicht genug kriegen kann und daher versucht, immer mehr zu bekommen.

        Oder man unterwirft die Bestimmung einem institutionalisierten Mechanismus, der letztlich WILLKÜRLICH entscheidet.

        Was ist ein Inflationsziel wert?

        Es ist weder in Stein gemeißelt noch schützt es vor – mal vorsichtig ausgedrückt – sehr ungewöhnlichen Maßnahmen, wie die Notenbanken mit ihrem QE gezeigt haben.

        Letztlich hängt alles an INTERESSEN.

        Wenn so, ist die Frage, wie diese mit welchen Mechanismen kanalisiert werden.

        Zum Niveau der gerundeten Größe:

        Ich will Ihnen damit nur sagen, dass auch Sie WILLKÜRLICH agieren mit ihren Festlegungen auf eine bestimmt Größe.

        Sie sollten sich mindestens um ein Verfahren bemühen, dass ADAPTIV auf sich verändernde Umstände eingeht.

        Damit sind Sie wieder mit der Frage konfrontiert, wer bzw. welche Interessen bestimmen.

        Die Kunst ist es, INTERESSEN Raum zur Entfaltung zu geben und zwar derart, dass – optimal – das System sich mehr stabilisiert statt zu kollabieren.

        WIE das geschieht, ist entscheidend.

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    Johannes sagte:

    Dann wird der Euro wohl sterben, denn Vollgeld werden wir alle unseren Lebtag nicht sehen. Die Politik will kein Vollgeld. Woher sollen die Kredite kommen, die sie so sehr braucht? Vollgeld würde – wie sehr treffend ausgeführt – die bisherigen Kreditquellen nahezu vollständig zum Versiegen bringen. Und die Politik braucht viel Geld.
    Nein, so schön es wäre, wenn es theoretisch halbwegs disruptionsfrei gelänge, auf Vollgeld umzustellen; aus Sicht der Politik hat es diesen riesen Pferdefuss…

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Johannes: und weil es diesen Pferdefuss hat, wird es nicht kommen. Genauso wenig wie eine Golddeckung. Politiker wollen bzw. müssen sich zusätzliche Verschuldungskapazitäten sichern, weil die Mehrheit der Wähler in den meisten Ländern das von Ihnen fordert, um Wahlgeschenke zu erhalten, die sich das Land eigentlich nicht leisten kann (was aber viele nicht hören wollen).

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        SB sagte:

        @Wolfgang Selig: „…weil die Mehrheit der Wähler in den meisten Ländern das von Ihnen fordert, um Wahlgeschenke zu erhalten…“

        Das ist aber nur der eine Teil, der mittlerweile eher gering ausfällt. Die Politik braucht aktuell hohe Verschuldungskapazitäten, um ihre großteils von den Interessen der Bevölkerung grob abweichenden Pläne auszuführen: Islamisierung und Afrikanisierung Europas, sowie Errichtung eines sozialistischen europäischen Zentralstaats mit institutionalisiertem Umverteilungsmechanismus.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Johannes, Wolfgang Selig

      Klar, der Staat ist ein schwergewichtiges Wirtschaftssubjekt und die Politik braucht daher Geld.

      Aber verfallen Sie nicht in den Fehler der hier argumentierenden Debitisten, dass ALLES von Staat abhänge.

      Ich lasse einmal dahingestellt, ob er sich im Vollgeldsystem nicht hinreichend finanzieren könnte. Die Zentralbank wäre ja nicht ganz aus dem Spiel.

      Viel schwerwiegender ist m. A. n. ein anderer Aspekt:

      Die Kreditvergab der Banken wäre sehr viel restriktiver und damit würde letztlich deren Geschäftsmodell entwertet.

      Das ist gegen diese Branche in normalen Zeiten nicht durchzusetzen.

      Ob Vollgeld nach einem Fundamental-Crash durchzusetzen wäre, ist Spekulation.

      Die m. A. n. STÄRKSTE Begründung für die Umstellung auf Vollgeld wäre ein umfassender, das gesamte Wirtschaftssystem in SCHOCKSTARRE versetzender Bank Run.

      Den gäbe es bei Vollgeld nicht, weil das Bargeld ja „da“ ist.

      Abgesehen davon, dass er mit konventionellen Mitteln verhindert werden kann – siehe Griechenland –, muss er erst einmal ERFARHREN worden sein, um eine hinreichende Motivation für eine derartige Änderung zu generieren.

      Kurzum:

      Diskussionen über Vollgeld sind bis auf weiteres Gedankenspielereien.

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