Exzellente Beschreibung der Lage: „The New Fragile“

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Bereits im März 2009 habe ich über die „New Realities geschrieben. Ein Begriff, der später bei Pimco abgewandelt als „New Normal“ promotet wurde. Im Kern ging es schon damals um das Thema der Eiszeit, also einer Periode geringen Wachstums mit häufigeren Rezessionen und mageren Kapitalerträgen. Die These: Ohne eine Bereinigung der Schuldenlast wird es nicht zu einer nachhaltigen Erholung kommen. Dies gilt auch noch heute.

Thomas Mayer bringt nun einen vielleicht noch passenderen Begriff: the New Fragile, also eine Periode mit hoher Unsicherheit und Volatilität zwischen den Krisen. Wir leben in einer fragilen Periode nach der großen Finanzkrise und vor der nächsten Krise, die nicht weniger und wahrscheinlich sogar noch schwerer sein wird als die letzte, hält er nüchtern fest.

Die Argumentation geht so:

  • Politiker und Notenbanker verstehen die Gefahr der Situation nicht und werden die falsche Politik fortsetzen, bis sie scheitert.
  • Die Mainstream-Ökonomen nutzen das IS-LM-Modell. Danach gibt es am Schnittpunkt beider Kurven einen idealen Zustand. Investitionen (I) und Sparen (S) sind ausgeglichen, wie auch Angebot (M) und Nachfrage (L) nach Geld.
  • Indem die Notenbanken die Zinsen senken, kommt es zu einer Belebung der Realwirtschaft durch billigeres Geld, also eine Verschiebung der IS-Kurve nach rechts. Tiefere Zinsen und mehr Produktion wäre dann die Erwartung.
  • Das Modell geht offenbar davon aus, dass die Notenbanken das Geldangebot kontrollieren (falsch) und Kapitalmärkte sowie Verschuldung spielen keine Rolle (ebenfalls falsch).
  • Das ist natürlich in der heutigen Situation besonders problematisch, weil gerade die hohe Verschuldung Krisenauslöser war und ist.
  • Statt die Modelle anzupassen und vor allem die Rolle der Verschuldung mehr zu berücksichtigen, halten die Akteure an dem Modell fest und im Falle der Notenbanken erhöhen sie nur die Dosis.
  • Dabei bieten sowohl die österreichische Schule der Nationalökonomie wie auch die Arbeiten von Hyman Minsky gute Ansatzpunkte. bto: die von Steve Keen gut weiterentwickelt wurden.
  • Die Anwendung der österreichischen Schule erläutert Mayer mit dieser Abbildung:

Mayer1

Quelle: Flossbach von Storch Research Institute

  • bto: Sehr schön sieht man hier das Trendwachstum (letztlich Erwerbsbevölkerung und Produktivitätszuwächse) und die Abweichung vom Trend. Zunächst die Boomphase, in der Geld zu billig ist (also unter der natürlichen Rate), gefolgt vom unweigerlichen Platzen der Blase von Fehl- und Überinvestitionen, die man dann mit noch billigerem Geld bekämpft, was aber nichts bringt, weil zunächst einmal ein Deleveraging stattfinden muss. Im Gegenteil, das billige Geld verzerrt den Prozess des Deleveraging, weil das Bereinigen von Fehlinvestitionen und Überkapazitäten verhindert wird und damit Zombies länger am Markt bleiben.
  • Mayer dazu: Weil die Erholung nach der Krise schwach ist, kommt es auch zu keiner Inflation, was die Schulden noch schwerer macht. Deshalb halten die Notenbanken an den tiefen Zinsen fest, was die Bereinigung weiter verhindert. Die Wirtschaft bleibt in einem Umfeld von wenig Wachstum, tiefer Inflation und tiefen Zinsen gefangen. bto: in der Eiszeit.
  • Damit verstärken sich die negativen Effekte. Die Strukturprobleme verhärten sich, jede Anpassung wird noch schwerer und noch schmerzvoller. Für Mayer liegt eine Lösung nur noch in einer erneuten Krise. bto: Das klingt schon fast so, als ob der Crash die Lösung sei. Richtig ist natürlich, dass eine solche Krise für den Euro tödlich sein wird.
  • Mayer zeigt dann noch die empirischen Daten für die USA, um zu belegen, dass das obige Modell zur Erklärung taugt. Dabei stellt er die private Nachfrage in Bezug zur Kreditaufnahme. Offensichtlich treibt die Verschuldung die Nachfrage und wie ich ergänzen würde die Vermögenspreise:

Mayer2

Quelle: Flossbach von Storch Research Institute

  • Mayer bezieht sich sodann auf die Forschungen von Nassim Taleb und betont, dass Systeme umso krisenanfälliger werden, je zentraler sie gesteuert sind, je stärker die einzelnen Bausteine mit einander verbunden sind und je geringer die Toleranz für Fehler ist. All dies sieht er heute gegeben. Die Notenbanken steuern zentral. Über den Wechselkurs, den jeder möglichst tief halten möchte, sind die verschiedenen Länder und Regionen miteinander verbunden, während schwaches Wachstum, niedrige Inflation und hohe Schulden nur noch wenig gar keinen Raum für Fehler lassen. bto: eine glasklare Analyse.

Danach beantwortet Mayer die entscheidende Frage, was das Ganze für Konsequenzen für die Geldanlage hat. Die Investoren haben drei Optionen:

  • Weiter mitspielen im Spiel der Notenbanken und auf das Beste hoffen. bto: also Anleihen, Aktien, Immobilien, gerne auch auf Kredit.
  • Auf den Zusammenbruch setzen. bto: Problem ist hier das Timing, wie ich auch in der Eiszeit schreibe. Märkte können länger falsch liegen, als wir Geld haben, gegen sie zu wetten.
  • Sich mit dem Portfolio darauf einstellen.

Wenig verwunderlich: Mayer ist (wie Stelter) für die letzte Option. Und er ist auch genauso langweilig wie ich, wenn es um die Investitionen geht (nachzulesen in der Eiszeit und in der Serie Was tun mit dem Geld):

  • Robuste Geschäftsmodelle mit stabilen Cashflows und geringem staatlichen Einfluss. bto: was ich Qualitätsunternehmen nenne.
  • Mit geringer Verschuldung. bto: vor der ich auch warne.
  • In einem gut diversifizierten Portfolio, um Risiken zu streuen. bto: wozu aus meiner Sicht zwingend eine internationale Streuung gehört.

Mayer hat recht. Wir wissen nicht, wann es knallt und auch nicht wie. Deshalb ruhig und diszipliniert anlegen und dabei auf die Kosten achten.

Flossbach von Storch Research Institut: The new Fragile, 7. Juni 2016

11 Kommentare
  1. Katalin says:

    Hallo,

    die Banken schöpfen Geld aus Nichts, d.h. brauchen keine Ersparnisse um Kredite zu vergeben. Geld ist zu billig, d.h. unter der „natürlichen Rate“ – wie bestimmt man den diesen „natürlichen Zins“ wenn Ersparnisse (Keine Midestreserve z.B. in Großbritanien) bei der Kreditvergabe gar kein oder eine untergeordnete Rolle spielen. Was ist den das Angebot und was die Nachfrage.

    Bitte um Antworten

    Danke

    Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    >Politiker und Notenbanker verstehen die Gefahr der Situation nicht und werden die falsche Politik fortsetzen, bis sie scheitert.>

    Mayer weiß nicht, was Politiker und Notenbanker verstehen und ich weiß es auch nicht.

    Ich bin aber überzeugt davon, dass diese Aussage falsch ist.

    Warum sollten Politiker und Notenbanker mit ihren Beraterstäben weniger verstehen als Mayer?

    Richtig muss es m. A. n. heißen:

    Politiker und Notenbanker VERSTEHEN die Gefahren der Situation und werden DESHALB eine Politik betreiben, die eine UNMITTEBARE DESTABILISIERUNG des Finanzsystems mit unkalkulierbaren Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu verhindern sucht.

    Da die Politik aufgrund unterschiedlicher nationaler und internationaler Interessen weitgehend UNFÄHIG ist, die Destabilisierung zu verhindern, besteht ein unausgesprochener Konsens, die Verhinderung der Destabilisierung den Notenbanken als „saver of last resort“ zu überlassen.

    Da die Notenbanken nur über das Instrumentarium der Geldpolitik verfügen, können sie auch nur das einsetzen. Es ist nicht nur BESCHRÄNKT hinsichtlich zunehmender Stabilitätsgewinnung, sondern VERSCHÄRFT vielmehr die Krise, weil Geldpolitik der Lage nach VERSCHULDUNGPOLITIK ist.

    Daraus folgt das scheinbare Paradox:

    Die Geldpolitik der Notenbanken verhindert zwar den UNMITTELBAREN Crash des Finanzsystems und das daraus folgende Desaster der Realwirtschaft, STEUERT aber UNAUSWEICHLICH auf einen Crash und die dann folgende Destabilisierung durch ein vermutlich noch größeres Desaster zu.

    Das genau dies das Handeln der Notenbank ist, kann man u. a. am Herumgeeire der Fed ablesen. Deren AUFGABE ist es nicht, ihre Geldpolitik an deren INTERNATIONALEN Auswirkungen zu orientieren. Sie tut es aber, wie oben dargelegt.

    Kurzum:

    Mayer liegt falsch mit seinem Verständnis, warum die Notenbanken handeln wie sie handeln. Recht hat er m. A. n. mit der Analyse, was die FOLGEN deren Handelns sein werden.

    Zur Anlageempfehlung:

    Im Crash ist nichts mehr robust und einen stabilen Cashflow wird es dann auch nicht geben.
    Was ich empfehle:

    Wie Mayer/Stelter OHNE VERSCHULDUNG in (bisher) erfolgreich betriebene SACHWERTE investieren, selbstverständlich mit internationalem foot print, und zwar in solche, die am WAHRSCHEINLICHSTEN und SCHNELLSTEN nach der Krise wieder auf den Beinen sind, d. h. realwirtschaftlich VERDIENTE Erträge erwirtschaften werden.

    Ein Kandidat für die Nr. 1 ist Nestle – ein no-brainer.

    Deshalb sind hier auch schon viele drin und die Aktie ist nach konventionellen Standards nicht billig.

    Macht aber nichts, RENDITEGESICHTSPUNKTE sind völlig abwegig, wenn man vom ultimativen Crash überzeugt ist.

    Es geht letztlich NUR um WERTSICHERUNG.

    Antworten
  3. Dieter Krause says:

    Politiker und Notenbanker VERSTEHEN die Gefahren der Situation und werden DESHALB eine Politik betreiben, die eine UNMITTEBARE DESTABILISIERUNG des Finanzsystems mit unkalkulierbaren Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu verhindern sucht.

    Sie wissen anscheind nicht, WIE Politik funktioniert, Herr Tischer: Wer hat denn in der US-Finanzkrise den Kurs bestimmt? Erst Finanzminister Henry Paulson (Ex-Goldman-Sachs-Chef) – und ganz bestimmt kein George W. Bush (der dürfte nur gebetet haben), dann Timothy Geithner (Ex-Fed-Chef von New York) – also auch kein Barack Obama! Und in Deutschland Josef Ackermann (was schon bei der Verstaatlichung der IKB-Bank begann: „Ich würde sie nicht pleite gehen lassen, Herr Steinbrück!“):
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/ikb-krise-deutsche-bank-erkannte-die-gefahr-und-handelte-a-497921.html

    In der Finanzkrise waren der Bundestag – also DIE POLITIKER – völlig irrelevant! Die Bankenrettungs-schirme wurden innerhalb von wenigen Wochen quasi von der Exekutive durch das Parlament gedrückt: There’s no alternative! – Wäre noch zu fragen: Was versteht eine Merkel – die „schwäbische Hausfrau“ – eigentlich von Ökonomie? Wahrscheinlich herzlich wenig. Was ihr vor zwei Jahren auch mal ein paar Nobelpreisträger auf der Insel Mainau deutlich bestätigt haben:

    Nobelpreisträger rechnen mit Merkel ab

    Bei ihrem Treffen in Lindau haben die Wirtschafts-Nobelpreisträger Kanzlerin Angela Merkel heftig kritisiert. Die von ihr verordnete Sparpolitik habe weitreichende Folgen für die Euro-Zone. Von Holger Zschäpitz

    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) posiert in Lindau (Bayern) mit Nobelpreisträgern und Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg, Präsidentin des Kuratoriums, für ein Gruppenfoto
    Foto: dpa Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) posiert in Lindau (Bayern) mit Nobelpreisträgern und Bettina Gräfin Bernadotte af Wisborg, Präsidentin des Kuratoriums, für ein Gruppenfoto
    Eric Maskin und Angela Merkel gaben ein harmonisches Paar ab. Der Nobelpreisträger und die Physikerin plauderten in der Inselhalle in lockerem Ton über die Unterschiede ihrer wissenschaftlichen Disziplinen.Die Bundeskanzlerin war zum ersten Mal nach Lindau an den Bodensee gekommen, um das renommierte Treffen der Wirtschaftsnobelpreisträger zu eröffnen. Doch die Harmonie zwischen Merkel und Maskin trog.

    Denn die inhaltlichen Gräben sind tiefer als gedacht. „Merkel verfolgt in Europa eine völlig falsche Politik. Der von ihr verordnete Sparkurs wird die Euro-Zone in die Depression schicken“, sagte der in Harvard lehrende Maskin der „Welt am Sonntag“.Über wenige Dinge herrschte beim Nobelpreisträgertreffen so viel Einigkeit wie über Merkels Auftritt in Lindau. Mit kollektiver Ablehnung hat die Elite der internationalen Wirtschaftsforschung die Vorschläge der Bundeskanzlerin zur Lösung der Euro-Krise (Link: http://www.welt.de/themen/euro-krise/) quittiert.Merkel hatte betont, die „Konstruktionsfehler des Wirtschaft- und Währungssystems“ müssten durch härtere Sanktionen gegen Schuldensünder und Reformverweigerer behoben werden. Deutschland habe bewiesen, dass man auch mit einer konsequenten Haushaltskonsolidierung aus einer Krise wachsen könne.

    Die Merkel-Kritik reicht durch alle ökonomische Schulen

    Ohne konkrete Länder der Euro-Zone beim Namen zu nennen, schleuderte sie in Richtung Italien und Frankreich (Link: http://www.welt.de/131216431) die Frage, ob „man sich für Wachstum eigentlich immer verschulden“ müsse. Nach den jüngsten enttäuschenden Konjunkturzahlen in der Euro-Zone werteten die Nobelpreisträger die Äußerungen der Kanzlerin fast schon als Provokation. Bemerkenswert dabei ist, dass die Kritik quer durch sämtliche ökonomische Schulen reichte. Nicht nur die üblichen Verdächtigen, also keynesianisch geprägte Ökonomen, warnten vor den verheerenden Folgen der Sparpolitik. Auch Spieltheoretiker und Makroökonomen konservativer Universitäten stimmten ein ins Merkel-Bashing. Die frontale Attacke der klügsten Köpfe (Link: http://www.welt.de/131420413) zeigt nicht nur, wie weit sich Politik und Ökonomie voneinander entfernt haben, gerade wenn es um Themen wie die Euro-Krise geht. Sie macht auch deutlich, dass es für Deutschland noch schwerer werden dürfte, seine orthodoxen wirtschaftspolitischen Vorstellungen in Europa durchzusetzen. Die Ökonomen rechnen deshalb auch damit, dass Merkel weitere deutsche Positionen räumen muss, will sie nicht den Euro riskieren. „Ich habe nicht mehr viel auf den Euro gegeben und war überrascht, wie stark der politische Wille an der Gemeinschaftswährung ist. Aber wenn man sich für den Euro entschieden hat, muss man auch etwas dafür tun“, sagt Lars-Peter Hansen. Der Professor von der University of Chicago spricht sich angesichts der wirtschaftlichen Stagnation für Investitionen in Bildung oder die Infrastruktur aus. „Einem Land, das bereits am Boden liegt, mit weiteren Strafmaßnahmen zu drohen, halte ich für keine so gute Idee“, sagt Hansen.

    Merkel habe den „Ernst der Lage nicht kapiert“

    Seine Äußerungen sind bemerkenswert, gilt Chicago doch als erzliberale Kaderschmiede unter den US-Universitäten. Hier lehrten einflussreiche Größen wie Milton Friedman oder Friedrich Hayek.Noch weniger Zurückhaltung gegenüber dem Kurs von Merkel übt Edmund Phelps von der New Yorker Columbia University. „Europa ist intellektuell und in Sachen Einfallsreichtum bankrott“, poltert der Nobelpreisträger von 2006. Die Rede der Kanzlerin sei eine einzige Katastrophe gewesen und habe jegliche Vision für den Kontinent vermissen lassen: „Merkel scheint den Ernst der Lage nicht kapiert zu haben.“ Auch Cambridge-Professor James Mirrlees hält die Kanzlerin für wirtschaftlich falsch beraten. „Immerhin hat sie bereits erkannt, dass der Euro Konstruktionsmängel hat. Nur zieht sie daraus die falschen Schlüsse,“ so Mirrlees. Der Nobelpreisträger von 1996 räumt dem Euro keine großen Überlebenschancen ein.

    Ökonomen wehren Kritik an ihrer Zunft ab

    Die dramatisch hohen Arbeitslosenraten in einzelnen Mitgliedsstaaten drohten den Euro zu sprengen. „Die Kosten für das Festhalten an der Gemeinschaftswährung sind hoch. Die man muss man bereit sein zu tragen.“Zu Befremden hat auch Merkels harsche Kritik an der Ökonomen-Zunft (Link: http://www.welt.de/131431998) geführt. Die Kanzlerin hatte die Wissenschaftler gefragt, warum viele sachverständigen Prognosen, „so schwer neben der Realität“ gelegen hätten. Die Ökonomen sollten in ihrer Politikberatung ehrlicher sein und Fehler zugeben. „Die Politik sucht sich in der Regel ökonomische Berater, die von ihren Thesen sehr überzeugt sind“, sagt dazu Hansen. Da müsse sich Merkel über fehlende Ehrlichkeit nicht wundern. „Die Politik muss damit leben, dass Prognosen immer mit Unsicherheit behaftet sind und niemand die Zukunft klar vorhersagen kann“, so Hansen. Der Mann weiß, wovon er spricht. Er ist 2013 für seine Forschungen zu Risiken und Unsicherheit bei der Entscheidungsfindung mit dem Nobelpreis geadelt worden.

    Auch Eric Maskin kann mit der Ökonomenkritik nichts anfangen. „Nur eines scheint klar: Merkel hat die falschen ökonomischen Berater.“

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Sie wissen anscheind nicht, WIE Politik funktioniert, Herr Tischer: Wer hat denn in der US-Finanzkrise den Kurs bestimmt? Erst Finanzminister Henry Paulson (Ex-Goldman-Sachs-Chef) – und ganz bestimmt kein George W. Bush (der dürfte nur gebetet haben), dann Timothy Geithner (Ex-Fed-Chef von New York) – also auch kein Barack Obama! Und in Deutschland Josef Ackermann (was schon bei der Verstaatlichung der IKB-Bank begann: „Ich würde sie nicht pleite gehen lassen, Herr Steinbrück!“)>

      Was ich weiß oder nicht weiß, lasse ich mir gern von anderen bestätigen. Allerdings müssen die erst einmal zu denen gehören, die MICH verstehen.

      Dazu gehören Sie nicht.

      Denn Ausführungen dazu, WER in welcher Krise der VERGANGENHEIT den Kurs BESTIMMT hat, ist keine Antwort auf meine Feststellung und kann daher keine Kritik meiner Auffassung sein. Auch Ausführungen darüber, ob jemand mit Blick auf die Folgen in der Vergangenheit richtige oder falsche Auffassungen gehabt hat, sind keine Antwort.

      Denn es geht hier

      a) nur um die GEGENWÄRTIGE Krise – „die Gefahren DER Situation“ habe ich gesagt –

      und

      b) nur darum, wer (Politik oder Notenbank) etwas oder nichts tun kann, wenn sie als eine begriffen wird, die zu UNMITTELBARER DESTABILISIERUNG führen könnte.

      Was ich dazu sage, lässt sich mit den Aussagen und dem Handeln von Politikern und Notenbankern belegen.

      Beispielhaft:

      Warum hat Draghi in welcher Situation „whatever it takes …“ gesagt? Und was war die Folge, nachdem er es gesagt hatte?

      Sie müssen sich um keine Antwort bemühen.

      Wühlen Sie einfach weiter im Web und zitieren Sie an der Sache vorbei.

      Antworten
      • Dieter Krause says:

        Warum hat Draghi in welcher Situation „whatever it takes …“ gesagt? Und was war die Folge, nachdem er es gesagt hatte?

        Das müssen wir ja nicht weiter erörtern oder? Draghi wußte RELATIV GENAU, wie die Wirkungen seines Satzes auf die Kapitalmärkte (und hier insbesondere auch die Spekulationen gegen den Euro) sein würden.

        Aber Sie haben oben DIE POLITIKER angeführt. Ich glaube nicht, dass der slowakische oder österreichische Staatschef soviel Einfluß wie eine Bundeskanzlerin Merkel auf die europäische Politik (und damit auch auf die Lösung der Euro- oder Asylkrise) hat. Was dann aber bedeutet, dass deren falsche Analysen (und auch deren falsches politisches Handeln und auch ihre politische Feigheit!) viel größere – positive wie negative – Folgen als die Entscheidungen der Staatschef der kleineren Euro-Länder haben.

        Im übrigen gibt es schon längst – neben Legislative, Exekutive und Judikative – eine Monetative (EZB). Nur schwebt die relativ frei im politischen Raum oder? Was politisch definitiv nicht gut ist. Sie müßte längst in das verfassungsmäßige Arrangement in der EU mit eingebunden sein. Was eine der nächsten großen politischen Diskussionen mit werden wird. Aber erst mal müssen die Politiker ads verstanden haben.

        Eine unmittelbare fundamentale Destabilsiierung der Finanzmärkte sehe ich im übrigen nicht – auch nicht zukünftig! Herr Stelter beschwört sie in diesem Blog ja auch schon seit Jahren. Weil alle verantwortlichen Notenbanker und Finanzminister – wirtschaftsgeschichtlich meist auch gut gebildet (was ich hoffe) – viel zu genau wissen, was das bedeuten würde. In so einer Situation würden dann auch die Notenbanken sehr deutlich KONZERTIERT AGIEREN! Zur Not auch ganz völlig unkonventionell.

        Für bestimmte gesetzliche Korrekturen (z.B. Auftrag und Struktur der EZB) liegt die Initiative aber erst mal beim Rat der EU – also Frau Merkel & Co.! Und dann beim EU-Kommissionspräsidenten. In jedem Falle kann man Merkel hier aber fundamentales Versagen vorwerfen! Die Calvinistin im Bundeskanzleramt setzt eben wohl immer Schuld mit Schulden gleich oder? Sie sollte sich mal von einem guten Ökonomen über die wirklichen makroökonomischen Zusammenhänge aufklären lassen:

        Raus aus der Dauerkrise. Wie Europa sich (und den Euro) retten kann

        Joseph Stiglitz ist einer der schärfsten Kritiker jener Sparpolitik, die aus Sicht der deutschen Bundesregierung der einzige Weg aus der Eurokrise ist. Doch kein noch so hartes Spardiktat, so Stiglitz, kann die Geburtsfehler der Gemeinschaftswährung ausgleichen. Damit die gemeinsame Währung Europas Einheit nicht vollends zerstört, müssen die Mitgliedsstaaten der Eurozone vielmehr neue Wege beschreiten. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz zeigt, wie diese Wege aus der Krise aussehen könnten. Schonungslos legt Joseph Stiglitz in seinem neuen Buch dar, warum die Austeritätspolitik Europas Einheit ebenso gefährdet wie das europäische Wirtschaftswachstum und warum die Europäische Zentralbank falsch liegt, wenn sie zur Krisenbekämpfung vor allem auf Inflation setzt. Statt diese fehlgeleitete Politik weiterhin als »alternativlos« darzustellen, zeigt Stiglitz, wie drei mögliche Wege aus der Krise aussehen könnten: erstens eine grundlegende Reform der Eurozone und der Auflagen, die den Krisenländern gemacht werden; zweitens eine geregelte Auflösung der Europäischen Union; oder drittens die Etablierung eines neuen europäischen Finanzsystems – des »flexiblen Euro«. Mit seinem Buch bringt der Nobelpreisträger neue Argumente in eine Debatte, die viel zu lange um die ewig gleichen Fragen gekreist hat. Und er eröffnet einen Ausblick, wie die Eurokrise wirklich gelöst werden kann.
        http://www.randomhouse.de/Buch/Europa-spart-sich-kaputt/Joseph-Stiglitz/e502450.rhd

  4. Dietmar Tischer says:

    @ Dieter Krause

    Ja, Draghi hat eine begründet gute Vorstellung davon, was sein Satz bewirken würde.

    Der Punkt ist, warum er ihn gesagt hat bzw. sagen musste.

    Er musste ihn sagen, weil NUR er und nicht die Politik verhindern konnte, dass die Märkte über die Spreads für Staatsanleihen der Peripherie die Eurozone sprengten.

    Das und nichts anderes sage ich.

    >Ich glaube nicht, dass der slowakische oder österreichische Staatschef soviel Einfluß wie eine Bundeskanzlerin Merkel auf die europäische Politik (und damit auch auf die Lösung der Euro- oder Asylkrise) hat.>

    Es geht nicht darum, wer wieviel Einfluss auf was hat oder nicht hat.

    Lesen Sie bitte, was ich gesagt habe und beziehen Sie sich NUR auf das, wenn Sie mir widersprechen wollen. Alles andere ist für eine Klärung, ob meine Auffassung richtig oder falsch ist, unbedeutend.

    Insofern nur noch ein Wort zu Stiglitz:

    >Damit die gemeinsame Währung Europas Einheit nicht vollends zerstört, müssen die Mitgliedsstaaten der Eurozone vielmehr neue Wege beschreiten. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz zeigt, wie diese Wege aus der Krise aussehen könnten.>

    Was den ersten Satz betrifft, wäre darüber nachzudenken, ob es überhaupt Wege gibt, der Zerstörung zu entkommen. Es ist nicht sicher, dass es sie gibt.

    Ein Beispiel dafür, was ich meine (anschaulich, aber keine genaue Analogie):

    „Wenn die Uhr nicht stehen bleiben soll, muss die Batterie ersetzt werden“. Dieser Satz ist richtig. Die Frage ist, ob jemand die Uhr öffnen kann oder will. Wenn das niemand kann oder will, wird die Uhr stehen bleiben. Daran ändert der Satz überhaupt nichts, so richtig wie er ist.

    Was heißt das mit Bezug auf Stiglitz?

    JEDER der drei Punkte, die Sie nennen, mag ein Weg sein, der aus der Krise führt, WENN man ihn ginge. Man geht aber keinen dieser Wege, weil sie mit NACHTEILEN für das eine oder andere Land bzw. deren Bevölkerung verbunden sind.

    Insofern ist es eine akademische Fingerübung und nicht mehr, was Stiglitz betreibt. Intellektuell vielleicht interessant, aber für eine Krisenlösung unerheblich.

    Genauso die Forderung, die Dr. Stelter hier immer wieder aufstellt:

    Eine verfahrensgeregelte Entschuldung als Bedingung, für einen erfolgreichen Neustart.

    Die Auffassung ist richtig, aber für den Neustart unerheblich.

    Das ist so, weil Deutschland als Land der Gläubiger keiner geregelten Entschuldung zustimmen wird. Denn würde unsere Regierung einer solchen zustimmen, würden Millionen Deutscher bezüglich ihrer Ansprüche enteignet (egal, ob es FAKTISCH nicht bereits mehr oder minder wertlose Ansprüche sind) – und daraufhin das Land nicht mehr regierbar sein.

    Kurzum:

    Die Politik kriegt es nicht gebacken, auch wenn noch so viele Nobelpreisträger schöne Rezepte präsentieren.

    Antworten
  5. Dieter Krause says:

    >Damit die gemeinsame Währung Europas Einheit nicht vollends zerstört, müssen die Mitgliedsstaaten der Eurozone vielmehr neue Wege beschreiten. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Stiglitz zeigt, wie diese Wege aus der Krise aussehen könnten.>

    Was den ersten Satz betrifft, wäre darüber nachzudenken, ob es überhaupt Wege gibt, der Zerstörung zu entkommen. Es ist nicht sicher, dass es sie gibt.

    Sie klingen ein bisschen wie Oswald Spengler in DER UNTERGANG DES ABENDLANDES, Herr Tischer! Thomas Mann sagte dazu nur mal – in seiner Rede VON DEUTSCHER REPUBLIK (1923): Ein Snob! Ich nenne Sie jetzt einen fatalistischen Obskurantisten! Weil es immer einen Weg gibt, die Katastrophe zu verhindern. Wer etwas anderes behauptet, ist für mich gläubiger Fatalist! Nur muss man dazu vielleicht ein paar ökonomische Ideologien entsorgen – und einige ihrer Anhänger in der Politik! Und dann neu anfangen zu denken (und zu handeln) – aber mit der richtigen Ethik und Anthropologie!

    Antworten
    • Dieter Krause says:

      Sehr geehrter Herr Tischer – sie klingen für mich immer auch ein bisschen wie die deutsche Heeresführung am Ende des Ersten Weltkrieges: Nach dem Diktatfrieden von Brest-Litowsk (gegenüber den russichen Bolschewiki) im Febraur 1918 wollte man mit den dort frei werdenden Heeresreserven im Westen den SIEGFRIEDEN unbedingt noch erzwingen (um dann natürlich auch dem Gegner eine saftige Krigsentschädigung auferlegen zu können – so wie 1871 im Frankfurter Frieden gegenüber Frankreich)! Klappte dann aber nicht – auch weil die Amerikaner schon im Sommer 1918 mit drei Millionen Mann in Frankreich standen. Und am Ende kam für Deutschland der Versailler Vertrag – eine genauso große politische Dummheit der Franzosen und Briten, da die Deutschen niemals diese dari festgelegten Reparationen aufbringen konnte (was Keynes in seiner Schrift KRIEG UND FRIEDEN von 1921 schon vorhersah) – so wie heute eben die Südländer sich auch nicht aus der Krise sparen können!

      Zurück zu Ihrem Beispiel: Es wird immer eine Lösung geben – aber die mit dem krachenden Austritt Italiens aus dem Euro (die z.B. von Herrn Stelter in dem Blog immer wieder mal als Möglichkeit mit anführt) und anderer südlicher Euro-Länder wird Deutschland definitiv kolossal viel Geld kosten, was es momentan durch seine abstruse Austeritätspolitik noch vermeiden kann (und seiner Weigerung, einem Schuldenschnitt Griechenlands zuzustimmen). Am Ende wird aber Deutschland der große ökonomische UND politische Verlierer sein: Mit Verlusten von sicherlich über einer Billion Euro und einem fatalen Imageschaden in Europa (und der Welt), in dem dann die politischen Karten völlig neu verteilt werden. Weshalb Frau Merkel auch als ein politisches Megadesaster in die deutsche und europäische Geschichte eingehen könnte (dass die SPD ihr willfähriger Assistent dabei war, wird man wohl bald vergessen haben). Weil sie zu feige war, überhaupt eine vernünftige Entscheidung zur Lösung der Euro-Krise zu treffen und diese nur aussitzen wollte!

      Antworten
      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Ich sehe das Versagen von Frau Merkel in Europa bekanntlich genauso. Statt Probleme zu lösen, wurden diese verschärft. Und sollte es zum Brexit kommen, wäre dies – wie auch die WamS gestern schrieb, weniger eine Schuld der EU als von Frau Merkel, die unilateral Dinge durchgesetzt hat und die anderen mit auf eine Reise zwingen wollte. Wenn ich es mir so überlege: Wenn ich schon mit den anderen Schlitten fahre, dann doch wenigstens für ein Projekt, welches Deutschland nutzt!

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