Studie: Die EZB-Politik führt zur Ver­meh­rung von Zombies

Zombies. Heute erneut das Thema bei bto. Schon vor einigen Wochen habe ich eine Studie besprochen, die zeigt, dass die zunehmende Zombifizierung von der Politik der EZB gefördert wurde und wiederum zu einem deflationären Druck führt, also genau dem Gegenteil dessen, was die EZB eigentlich erreichen will.

Wie Politik und EZB Defla­tion und Stag­nation fördern

Heute nun ein anderes Papier, erschienen an der New York University:

  • At the peak of the European debt crisis in 2010, the European Central Bank (ECB) began to introduce unconventional monetary policy measures to stabilize the Eurozone and restore trust in the periphery of Europe. Ultimately, these unconventional monetary policy measures were aimed at breaking the vicious circle between poor bank health and sovereign indebtedness, which had led to a sharp decline in economic activity in the countries in the periphery of the Eurozone. Especially important in restoring trust in the viability of the Eurozone was the ECB’s Outright Monetary Transactions (OMT) program, which the ECB’s president Mario Draghi announced in his famous speech in July of 2012, saying that […] the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro. And believe me, it will be enough.“ bto: Kann man mit billigem Geld und dem Aufkaufen von Anleihen die Probleme lösen oder verschärft man sie gar?
  • There is clear empirical evidence that the announcement of the OMT program has been successful in terms of lowering spreads of sovereign bonds issued by distressed European countries. Moreover, we show that the resulting value increase of these bonds resulted in a backdoor (indirect) bank recapitalization as banks with significant holdings of these bonds experienced substantial windfall gains, which helped to restore the stability of the European banking system.“ – bto: Beides wäre doch ein unstrittiger Erfolg.
  • There are a lot of unvital signs that Europe’s weak economic recovery is a repeat of Japan’s ‘zombie lending experience in the 1990s, when banks in distress failed to foreclose on unprofitable and highly indebted firms. For example in 2013 in Portugal Spain and Italy, 50%, 40% and 30% of debt, respectively, was owed by firms which were not able to cover their interest expenses out of their pre-tax earnings.“ – bto: Aus gutem Grunde. Sie können die Verluste nicht tragen und halten deshalb an den Zombies fest.
  • „To the best of our knowledge, our paper is the first to provide systematic evidence that, indeed, the slow economic growth in Europe can at least partially be explained by zombie lending motives of banks that still remained undercapitalized after the OMT announcement.“bto: also ein weiterer Beweis für etwas, was man schon durch einfache Überlegung erwarten kann.
  • By continuing to lend to their impaired borrowers, distressed banks can avoid realizing losses on outstanding loans, which would further deter the banks’ situation due to increasing regulatory scrutiny and intensified pressure from market forces. Instead, by ‘evergreening’ loans to their impaired borrowers, banks in distress can gamble for resurrection in the hope that their borrowers regain solvency, or, at least, they can delay taking a balance sheet hit. This behavior leads to an inefficient allocation of bank loans, since loan supply is shifted away from creditworthy productive firms towards distressed less productive borrowers, which distorts market competition and causes detrimental effects on employment, investment, and growth in general.“ – bto: und die Inflationsrate, wie wir in der anderen Studie gesehen haben!
  • Our results show that banks from stressed European countries (the GIIPS countries, i.e., Greece, Ireland, Italy, Portugal, and Spain) realized the highest windfall gains after the OMT announcement due to their substantial amount of sovereign debt holdings from these countries. Moreover, we document that this increase in bank health led to an increase in available loans to firms. (…) banks with higher windfall gains on their sovereign debt holdings increased loan supply to the corporate sector relatively more than banks with lower windfall gains, but only to existing borrowers.“ – bto: Also hat es funktioniert! Die Kreditvergabe wurde angekurbelt – allerdings nur für „bestehende Kunden“.
  • „(…) we document that high-quality non-zombie firms indeed suffered from the pres-ence of zombie firms in their industry: both their investment and employment growth rates were significantly lower if the fraction of zombie firms in their industry increased compared to high-quality non-zombie firms active in industries without a high prevalence of zombie firms. This finding highlights that the distorted market competition, induced by the misallocation of loan supply due to zombie lending, hampered real economic growth and thus significantly weakened the potentially positive impact of the OMT program’s indirect bank recapitalization effect.“bto: Da die Studie schon älter ist, stellt sich die Frage, weshalb sie von der EZB nicht zur Kenntnis genommen wird.
  • Overall, the announcement of the OMT program probably averted an even fiercer economic downturn or even a break-up of the Eurozone. Our results suggest, however, that combining the OMT program with a targeted bank recapitalization program would presumably have led to superior outcomes in terms of economic growth.“bto: Auch das leuchtet ein!

Und dann die entscheidenden Abbildungen:

Zunächst der Anstieg der Zombies gleich nach „whatever it takes“:

Während gleichzeitig der Anteil der Kredite, der an Zombies geht, nach oben schnellt (erste Grafik) und die Zombies dafür weniger Zinsen zahlen als die gesunden Unternehmen (zweite Grafik):

 

     

     

    Nebenwirkungen: weniger Investitionen, weniger Innovation, weniger Produktivitätszuwachs, weniger Beschäftigung, weniger Inflation usw.

    Stern University: „Whatever it takes: The Real Effects of Unconventional Monetary Policy“

    Kommentare (83) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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      Richard Ott sagte:

      @Christian Anders

      Sehen Sie immer noch keine Parallelen zwischen dem Ruhrkampf 1923 mit anschließender Hyperinflation und der „Corona-Krise“ 2020?

      „Die Entwicklungsagentur der Vereinten Nationen wirbt angesichts der Corona-Krise für ein zeitlich begrenztes Grundeinkommen für knapp drei Milliarden Menschen weltweit. Mit dem Grundeinkommen könnten Personen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, während der Pandemie zu Hause bleiben; dies könne die Ausbreitung des Coronavirus bremsen, teilte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) am Donnerstag mit.

      Die monatlich dafür notwendige Summe für 2,7 Milliarden Betroffene in 132 Entwicklungsstaaten würde sich auf mindestens 199 Milliarden Dollar belaufen.“
      https://www.welt.de/politik/ausland/article212074543/Coronavirus-Vereinte-Nationen-wollen-Grundeinkommen-fuer-Arme.html

      Nicht vergessen: Wer zu Hause sitzt, produziert in der Regel nichts, will aber natürlich trotzdem weiter konsumieren.

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      Michael Stöcker sagte:

      @ Dietmar Tischer

      „Geschenkt.“

      GESCHENKT???

      Es ist eine ganz zentrale These, die von Dr. Stelter immer wieder hier am Blog präsentiert wird. Und „geschenkt“ ist meine Gegenthese keinesfalls. Sie lässt vielmehr ein zentrales geldpolitisches Narrativ in luftiger Höhe platzen.

      „Ob die Geldpolitik der EZB nun KAUSAL zur Pleiteverhinderung beiträgt oder nur eine KORRELATION besteht, wischt nicht die Tatsache vom Tisch, dass es diese Pleiteverhinderung durch die Geschäftsbanken GIBT.“

      Die gab es schon IMMER; und zwar in jedem Konjunkturzyklus und noch viel stärker in jedem Kreditzyklus.

      Meine Empfehlung fürs Wochenende: Richard Koo: https://youtu.be/9rQB3_l_BlU

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        „Geschenkt“ – mit Blick auf die HIER diskutierte Thematik.

        Sie wissen doch, dass ich wie Sie die Ursache für die seit Jahrzehnten fallenden Langfristzinsen in REALWIRTSCHAFTLICHEN Entwicklungen sehe.

        Da unterscheiden wir uns allenfalls in der Gewichtung, aber nicht im Grundsätzlichen.

        Ich glaube nicht, dass Dr. Stelter insoweit gänzlich anderer Meinung ist.

        Er sieht meinem Verständnis nach allerdings einen wesentlich HÖHREREN Einfluss der Notenbanken beim – sagen wir einmal – „Umgang“ mit den niedrigen Zinsen, insbesondere mit Blick auf die Stabilisierung des Finanzsystems.

        Ob höher oder nicht mit Bezug auf die niedrigen Zinsen, sei dahingestellt.

        Die Frage ist, ob ein EINFLUSS der NOTENBANKEN, hier speziell der EZB in den vorgestellten Untersuchungen, derart besteht, dass die Zombifizierung durch die Geschäftsbanken BEGÜNSTIGT wird oder nicht.

        Dass es die Zombifizierung als MECHANISMUS schon immer gegeben hat, bestreitet niemand.

        Die Frage ist allerdings, welches AUSMASS er hat und ob und inwieweit die EZB daran beteiligt ist, angesichts der UNBESTREITBAREN Tatsache, dass auch die EZB wie NIE zuvor auf die Finanzmärkte EINWIRKT.

        Nochmals:

        Die STARKE Korrelation ist nicht zu bestreiten und damit ein INDIKATOR, dass die EZB daran beteiligt ist.

        Es ist zu einfach sie einfach vom Tisch zu wischen.

        Und mit Verweis auf die Entwicklung der Langfristzinsen lässt sie sich schon gar nicht vom Tisch wischen.

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      Michael Stöcker sagte:

      Nicht nur hier am Blog, sondern auch in Wissenschaft und Medien wird immer wieder die These einer Zombifizierung der Realwirtschaft proklamiert. Hauptverantwortlich sei hierfür die Geldpolitik der EZB, die mit ihrer Niedrigzinspolitik auch das Kreditzinsniveau der Geschäftsbanken beeinflusst habe. Damit würden nun auch Unternehmen am Markt weiter existieren, die zu „normalen“ Zinsen schon lange hätten Insolvenz anmelden müssen.

      Ich halte diese These (EZB als ursächlich verantwortlich) für FALSCH, da sie auf fehlerhaften Vorstellungen über die Macht und Funktionsweise der Geldpolitik beruht. Christian Anders hat hierzu bereits einige wichtige Fragen gestellt und auch einige beantwortet.

      Meine Außenseiterposition habe ich hier schon des Öfteren zum Besten gegeben. Hier nun noch einmal etwas ausführlicher:

      Es sind NICHT die Zentralbanken, die das Zinsniveau bestimmen, sondern der Zins ist vielmehr ein realwirtschaftliches Phänomen, an das sich die Zentralbanken ANPASSEN MÜSSEN. Die Zentralbanken bestimmen weder das Zinsniveau, noch die Geldmenge. Das einzige, was die ZBs beeinflussen können, das ist die Menge an Reserven (Bestandteil der Sondergeldmenge M0), die jedoch NIEMALS den Geldkreislauf der Banken verlassen können und somit auch KEINEN Einfluss auf den Geldkreislauf der Privaten haben. Das ganze Theoriegebäude der Geldpolitik (fraktionelles Reservesystem) ist FALSCH. Erst war es der falsche monetaristische Ansatz und ab den 80er Jahren der falsche zinspolitische. Richard Werner hatte vor zwei Jahren dazu ein Paper veröffentlicht: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0921800916307510

      Ursächlich für hohe Zinsen sind hohe Wachstumsraten. Ursächlich für niedrige Zinsen sind niedrige Wachstumsraten. Insofern hat Christian Anders völlig richtig darauf aufmerksam gemacht, dass Korrelation keine Kausalität ist. Es gilt vielmehr die umgekehrte Kausalität.

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        Michael Stöcker sagte:

        Von daher stelle ich folgende Gegenthese auf:

        Nicht die Geldpolitik ist ursächlich verantwortlich für eine „Zombifizierung“, sondern es wirken im Hintergrund realwirtschaftliche säkulare Phänomene und die Geldpolitik ist lediglich eine FOLGE dieser realwirtschaftlichen Phänomene. Die Zentralbank ist also nicht Akteur sondern selber Getriebene dieser säkularen Ereignisse. Von daher ist nicht der niedrige Zins für die Zombifizierung verantwortlich, sondern in absteigender Reihenfolge:

        1. Matthäus-Effekt (national, international)
        2. Tendenz der fallenden Profitrate
        3. Ausbluten der Mittelschicht
        4. Wachstumsdrang des FIRE Sektors (Finance, Insurance, Real Estate)
        5. Ungenügende EK-Quote bei Großbanken
        6. Demografie
        7. Digitalisierung und Automatisierung

        Alle sieben Aspekte schwächen das Wachstum und somit in Folge auch das Zinsniveau.

        Seit biblischen Zeiten ist der Matthäus-Effekt bekannt. Im Zeitablauf kommt es immer wieder zu einer Vermögens- und Schuldenkonzentration, die letztlich zu einer Lähmung der Gesellschaft führt. Von daher gab es die Forderung eines biblischen Erlassjahres, nach dem alle 50 Jahre nicht nur die Schulden erlassen sondern zugleich das Land wieder neu verteilt werden sollte.

        Der Matthäus-Effekt hat durch die Globalisierung sowie die Plattformökonomie eine ganz neue Qualität und Geschwindigkeit erreicht. Sichtbarster Ausdruck sind die FAANGs dieser Welt.

        Mehr zu diesen gefährlichen Tendenzen finden sich bei Herrn Rapp vom Feri Insitut, worauf ich aus Zeitgründen verweise: https://www.feri-institut.de/media/drgc1jzb/feri-cognitive-finance-institute-the-great_divide_2020-06-29.pdf

        LG Michael Stöcker

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          Horst sagte:

          „Es kann dabei INNERHALB des Unternehmessektors, aber – ganz richtig, NICHT im Gesamtsystem – zu einem Abbau von Verschuldung kommen.“

          Ich halte die vorangestellt Aussage von D.T. für falsch und verlinke ebenfalls ein FERI-Paper:

          https://www.feri-institut.de/media/1422/fcfi_risse-im-system.pdf

          Seite 6, eine Entschuldung des Gesamtsystems ist möglich, siehe Dekade 1930 – 1940 USA. Unterstelle, da auch das Ausland als Importeur ausfiel, der Graph ließe sich beliebig auf alle entwickelten Volkswirtschaften zu jener Zeit übertragen.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Horst

          Es fehlt in der Graphik der Unternehmenssektor(!!!), für das Ausland müssen wir etwas unterstellen(?).
          Das reicht so nicht als Gegenargument. Erst, wenn die Summe ALLER Sektoren eine Abnahme zeigt, ohne das es gleichzeitige Rezession gab, wäre D. T. widerlegt.

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          Horst sagte:

          Seite 22: https://www.sfm.econ.uni-muenchen.de/forschung/staatsverschuldung.pdf

          Die Prämisse „ohne gleichzeitige Rezession“ haben Sie unzulässigerweise der nicht haltbaren Aussage von D.T. „untergeschoben“.

          Im Gegensatz zu 2007/2008 war es Doktrin der Staatenlenker zu dieser Zeit, Staatsausgaben (um einer Rezession zu begegnen) zunächst zu senken, um die Staatsschuldenquoten zu senken. Die fatalen Wirkungen sind bekannt.

          Dass in dem genannten Zeitraum vor allem Privat- und Unternehmensinsolvenzen (siehe Zahlen zur Massenarbeitslosigkeit in Europa, USA, auch Japan durch einbrechenden Welthandel), in der Folge Bankensterben- und/oder -fusionen, Wertberichtigungen aller Assets vor allem „entschuldend“ über alle Sektoren hinweg wirkten, zeigt auf, dass Entschuldung im Gesamtsystem möglich ist.

          Eine wiederholte Empfehlung: „Die Herren des Geldes: Wie vier Bankiers die Weltwirtschaftskrise auslösten und die Welt in den Bankrott trieben“, Liaquat Ahamed

          Eine dezidierte zeitliche Beschreibung der Irrwege, auf denen sich die vier tonangebenden Zentralbanker jener Zeit befanden, versehen mit zahlreichen Nebenschauplätzen, die nicht minder interessant sind.

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          Christian Anders sagte:

          @Horst

          „Die Prämisse „ohne gleichzeitige Rezession“ haben Sie unzulässigerweise […]“

          Ne, die hatte ich in der Diskussion mit Ihm selbst aufgestellt, er hat sie als Bedingung hingenommen und nicht noch mal wiederholt.

          Klar, MIT Rezession kann sich das Gesamtsystem entschulden.

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          ruby sagte:

          Grundlagen:

          „Vom Erlass ausgenommen sind Ausländer (Dtn 15,3). Das hängt damit zusammen, dass es sich bei ihren Krediten nicht um Notdarlehen, wie beim Nachbarn und Bruder, handelt, sondern um reine Handelskredite zum Erzielen von Gewinn. Sie werden ohnehin nur zurückgezahlt, wenn die gemeinsame Unternehmung gelingt; in diesem Fall ist aber auch nicht einzusehen, warum die Rückzahlung wegen einer Regelung in sozialer Absicht unterbleiben sollte.“
          https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/erlassjahr-2/ch/5edf6c51fe94cf60d2ae033f0faa19b6/
          Quelle dazu
          (DEUTERONOMIUM) (5.Mose 15,3)
          „6…Dann wirst du vielen Völkern leihen, doch du wirst von niemand borgen; du wirst über viele Völker herrschen, doch über dich wird niemand herrschen.

          7Wenn einer deiner Brüder arm ist in irgendeiner Stadt in deinem Lande, das der HERR, dein Gott, dir geben wird, so sollst du dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder,

          8sondern sollst sie ihm auftun und ihm leihen, soviel er Mangel hat.

          9Hüte dich, dass nicht in deinem Herzen ein arglistiger Gedanke aufsteige, dass du sprichst: Es naht das siebente Jahr, das Erlassjahr –, und dass du deinen armen Bruder nicht unfreundlich ansiehst und ihm nichts gibst; sonst wird er wider dich zu dem HERRN rufen und bei dir wird Sünde sein.

          10Sondern du sollst ihm geben und dein Herz soll sich’s nicht verdrießen lassen, dass du ihm gibst; denn dafür wird dich der HERR, dein Gott, segnen in allen deinen Werken und in allem, was du unternimmst.“

          Verschwendung und Großmannssucht sowie Zinsverzicht und Missionierung im globalen Style sind daraus nicht abzuleiten.
          Die Zombies sind nur im Ausland und sollen sich um sich selbst kümmern und Zinsen zahlen…
          Was für eine Nichtlösung.

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          Michael Stöcker sagte:

          @ ruby

          „Die Zombies sind nur im Ausland und sollen sich um sich selbst kümmern und Zinsen zahlen…“

          NUR?

          Und wo beginnt denn für Sie das „Ausland“? Jenseits des eigenen Egos, der Familie, der Gemeinde, der Stadtgrenze, des Landkreises, des Bundeslands, des Landes, Europas???

          Mit Ihrem Denken hätten wir auch heute noch die Kleinstaaterei von vor 1848.

          Auch wenn Sie es sich nicht vorstellen können: Die Jugend will ein starkes und einiges Europa: https://www.tui-stiftung.de/unsere-projekte/junges-europa-die-jugendstudie-der-tui-stiftung/junges-europa-2019-die-jugendstudie-der-tui-stiftung/. Die Altherrenriege ist bald Humus und sollte sich bis dahin besser der Rosenzucht widmen.

          Und noch etwas: Bei Dr. Stelters Vorschlag wird ein Teil der Staatsschulden absolut symmetrisch ans Bilanzkreuz der EZB genagelt. Das gleiche gilt bei meinem Vorschlag eines zentralbankfinanzierten Bürgergelds, das den weiteren Vorteil hätte, einen Beitrag wider den Matthäus-Effekt zu leisten.

          „Was für eine Nichtlösung.“

          Da haben sie ausnahmsweise mal Recht; und zwar mit Ihrem anfangs von mir zitierten Satz.

          LG Michael Stöcker

        • Avatar
          ruby sagte:

          @ Herr Stöcker
          Altherrenriege ist das Alttestamentarische, das Gottesgesetz, das Sie anführen und gar nicht in seiner Wertigkeit verstanden haben, denn dann würden Sie es nicht verwenden.
          Ja für was und wen denn nun?
          Immer schön wie es gefällt, irgendwo irgendwas System erhaltenes und Bilanz ausweitendes oder erneuerndes auftaucht.
          Die Zentralbankbilanzierung ist ein willkürliches Verschleierungskonstrukt, das realwirtschaftlich den Bankrott und die Insolvenz verzögert und Wettbewerb zerstört genau das Gegenteil dessen was vorgeben wird anzustreben.
          Erzählen Sie doch mal, wie die Glaubensstory dann enden soll mit den zombiefizierten Nichtgeschwistern und Nichtnachbarn außerhalb des Bilanzierungskreises. Wer wird denn alles beherrscht durch die gläubigen Freitagskinder!.
          Die Story geht von Über- und Unterordung aus, das ist der tiefere Hintergrund und die Rechtfertigung, von ganz zu Oberst zu bestimmen, genau wie das Gebaren der EU Nomenklatura zu ihren Mitgliedern.
          Verursachungsgerechtigkeit geht immer vor Symmetrie. Letztere ist notwendig, wenn der Überblick und die Komplexität zu groß sind. Und die EU, die Transatlantiker können mit dieser Prämisse, Geisteshaltung garnicht groß genug sein.
          https://www.europarl.europa.eu/factsheets/de/sheet/168/die-lander-des-westlichen-balkans
          Überdehnung wird auf dieser Erde immer zurück geführt und beendet, auch wenn es zeitlich gestreckt erscheint für das menschliche Empfinden. Das läßt die Sattelpunkte höchstens erahnen.

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        Joerg sagte:

        @MS
        und wie erklaeren Sie, dass die „armen Notenbanken“ jetzt auch noch gezwungen werden (von wem eigentlich?) weitere Teile der Zinsstrukturkurve (zB 10jaehrige wie in JAP Realitaet und in USA in Diskussion) kontrollieren zu muessen?
        Oder in wie fern folgen sie hier nur „dem Markt“? ;-)
        LG Joerg

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        Horst sagte:

        Ihren Ausführungen folgend werden Sie demnach „Kapitel 5, Geldpolitik: Monetäre Flutung als sozialer Spaltpilz“ nicht zustimmen, nehme ich an?

        Ein insgesamt dennoch in seiner sprachlichen Schärfe interessantes Paper.

        Antworten
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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Es sind NICHT die Zentralbanken, die das Zinsniveau bestimmen, sondern der Zins ist vielmehr ein realwirtschaftliches Phänomen, an das sich die Zentralbanken ANPASSEN MÜSSEN.>

        Geschenkt.

        Ist so, die Empirie spricht dafür.

        >Alle sieben Aspekte schwächen das Wachstum und somit in Folge auch das Zinsniveau.>

        Selbst wenn so, erklärt das NICHT, warum bestimmte Unternehmen, die aufgrund welcher Entwicklungen und Ereignisse der Vergangenheit auch immer nach konventionellen Beleihungsstandards pleitegehen MÜSSTEN, aber NICHT pleitegehen, sondern immer wieder von den Geschäftsbanken Kredite erhalten, damit Sie nicht pleitegehen.

        Das MUSS erklärt werden.

        Sie rudern mit ihrer Standardsicht zur Zinsentwicklung um diese Erklärung herum.

        Und auch nicht methodisch ausweichen:

        Ob die Geldpolitik der EZB nun KAUSAL zur Pleiteverhinderung beiträgt oder nur eine KORRELATION besteht, wischt nicht die Tatsache vom Tisch, dass es diese Pleiteverhinderung durch die Geschäftsbanken GIBT.

        Sie kennen den Artikel in der WELT, wo selbst Volkswirte der EZB das Verfahren der Zombifizierung ANERKANNT haben, wenngleich sie dabei die EZB aus dem Feuer genommen haben.

        Die Zombifizierung EXISTIERT.

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          Christian Anders sagte:

          @DT

          WAS ist der „konventionelle Beleihungsstandard“, WIESO war er, wie er war?

          WAS ist der „neue Beleihungsstandard“, WIESO wurde er verändert?

          Wurden auf dem Weg der Änderung evtl. alte Zielsetzungen, was man mit Beleihungsstandards erreichen wollte, durch andere, neue Zielsetzungen ersetzt, die die Veränderung erklären?

          ODER gab es einen anderen Mechanismus, der bei alter Zielsetzung neue Maßnahmen erforderte?

          (Natürlich wäre auch beides gleichzeitig möglich).

          Mir kommen solche Erwägungen oft zu kurz. Das gemessen an alten Standards neue Situationen neue Klassifizierungen erhalten, ist analytisch nicht verwerflich. Bloß alleine genommen recht blutleer.

          Wenn mir die Antworten auf o. g. Fragen klar wären, wüsste ich auch viel klarer, ob die Zombifizierungsthese einem Falsifizierungsversuch standhält und wenn ja, zu welchen Schlüssen mich das dann führen könnte.

          So fische ich im Trüben und bin – ohne Herrn Stöcker sofort zuzustimmen – skeptisch ggü. der These, wie sie her auf bto vertreten wird. Das macht sie nicht falsch, mich bloß zweifelnd.

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Christian Anders

          Es gibt meines Wissens keine Definition von Beleihungsstandards und daher kann ich Ihnen die WAS-Fragen nicht beantworten.

          Ich kann aber darlegen, wie EHEMALS „konventionell“ beliehen wurde und auch erklären, warum es das gab.

          Zugegeben ein extremer Fall, aber verbürgt:

          Anfang der 50er Jahre hatte in Westdeutschland ein Bauingenieur die Idee, ein Haus mit etwa 50 Appartements (1 und 2 Zimmer) zu bauen, um Wohnraum zu schaffen. Er gründete einen gemeinnützigen Verein, der Eigentümer sein sollte.
          Die Mieter würden einen Betrag einbezahlen, der als Summe das Eigenkapital des Vereins bilden würde. Die Mieteinnahmen würden u. a. für Zinszahlungen und Tilgung des Darlehens dienen.
          Das Konzept überzeugte eine Bank, das Bundesland versprach auch Mittel bereitzustellen.
          Der Bankkredit wurde mündlich zugesagt. Noch bevor irgendetwas unterschrieben war oder auch nur ein Mieter einen Vertrag unterschrieben hatte, rollte der Bagger an und die Baugrube wurde ausgehoben.

          Warum konnte das so erfolgen?

          JEDER der Beteiligten konnte erkennen, dass dieses Projekt erfolgreich sein würde angesichts der vielen alleinstehenden Menschen (vor allem Kriegswitwen) und des fehlenden Wohnraums.

          Das Ausfallrisiko war EXTREM gering, weil eine GROSSE Nachfrage nach Wohnraum da war.

          Da alles belastbar durchgerechnet war, konnte das Projekt praktisch nicht scheitern.

          Wenn in ZEITEN großen Wachstums die Zahl der Pleiten und damit die Kreditausfälle gering sind, können die Banken mit den Gewinnen ein STARKES Eigenkapitalpolster aufbauen, OHNE dabei sehr risikobereit sein zu müssen.

          Ich hoffe, dass dies nicht blutleer war.

          Die Entwicklung danach kann man runter deklinieren bis zu heute:

          Ich muss Ihnen nichts sagen, in welcher Lage Banken heute sind, wenn sie – um Rendite zu erwirtschaften – in Bezug auf ihr Eigenkapital VIELE und nach Lage der Dinge auch sehr RISIKOBEHAFTETE Kredite gewähren müssen.

          Früher hat es auch eine Bankenaufsicht gegeben, aber die Deutsche Bundesbank hat nicht Stresstests durch die Reihe durchführen müssen, um die Branche vor dem Kollaps zu bewahren.

          Der BEZUG zur Zombifizierungsthese mit der EZB als sie URSÄCHLICH ermöglichend:

          Wenn die Banken durch das schwache normale Kreditgeschäft mit gesunden Unternehmen keine hinreichende Eigenkapitalbasis aufbauen können und GLEICHZEITIG zunehmende Kreditausfälle wegen zu vieler insolventer Unternehmen zu erwarten sind, ist das Finanzsystem gefährdet.

          Um dies abzuwenden, unterstützt die EZB die Banken mit geldpolitischen Maßnahmen, ihre Eigenkapitalbasis zu stärken durch hauptsächlich a) die Kreditvergabe für den Erwerb von Assets und b) den Kauf und Verkauf von durch – „whatever it takes“ – abgesicherten Staatsanleihen, so dass sie auch gefährdeten Unternehmen Kredite gewähren können, OHNE dadurch die Eigenkapitalanforderungen missachten zu müssen.

          Das ist die gemäßigte Variante der Bankenhilfe, die Zombifizierung ermöglicht.

          Wenn es hart auf hart kommt, kauft die EZB den Banken auch Schrottanleihen ab – gebündelt als ABS –, so wie im Lauf der Sub prime-Krise deutsche Landesbanken den Amibanken die Schrottanleihen aus deren Immobiliengeschäften abgekauft haben.

          An ihren Standards scheitert es nicht, das ist die EZB erklärtermaßen flexibel.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @DT

          Nein, blutleer war das nicht. Dennoch bin ich nicht zufrieden:

          „Der BEZUG zur Zombifizierungsthese mit der EZB als sie URSÄCHLICH ermöglichend:

          Wenn die Banken durch das schwache normale Kreditgeschäft mit gesunden Unternehmen keine hinreichende Eigenkapitalbasis aufbauen können und GLEICHZEITIG zunehmende Kreditausfälle wegen zu vieler insolventer Unternehmen zu erwarten sind, ist das Finanzsystem gefährdet.

          Um dies abzuwenden, unterstützt die EZB die Banken mit geldpolitischen Maßnahmen, […]

          Das ist die gemäßigte Variante der Bankenhilfe, die Zombifizierung ermöglicht.“

          Oben schreiben Sie URSÄCHLICH. Aber dennoch ist in Ihrer Beschreibung der als „ursächlich“ deklarierten EZB-Politik etwas vorgeschaltet:

          „Wenn die Banken durch das schwache normale Kreditgeschäft mit gesunden Unternehmen keine hinreichende Eigenkapitalbasis aufbauen können und GLEICHZEITIG zunehmende Kreditausfälle wegen zu vieler insolventer Unternehmen zu erwarten sind […]“

          Ich würde ja DIESEN Umstand, bzw. dessen Ursache, als URSÄCHLICH ansehen und nicht die EZB-Politik. Diese wurde ja REAGIEREND auf ein vorgelagertes Problem installiert.

          Oder ist es, anders als von mir bisher verstanden, SO gemeint:
          Die EZB-Politik zombifiziert zwar nicht ursächlich ein gesundes Unternehmen, lässt aber ein einmal durch einen anderen Umstand zombifiziertes Unternehmen nicht sterben – dadurch akkumulieren sich über die Zeit immer mehr Zombies. Dies wird dann als ursächlich durch die EZB verursachte Zombifizierung einer ganzen Volkswirtschaft beschrieben.
          ?

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Christian Anders

          >Ich würde ja DIESEN Umstand, bzw. dessen Ursache, als URSÄCHLICH ansehen und nicht die EZB-Politik.>

          Dieser Umstand ist definitiv „vorgeschaltet“ und in gewisser, aber MISSVERSTÄNDLICHER Weise auch als ursächlich zu bezeichnen.

          Das heißt mit Bezug auf das HANDELN der EZB:

          Er ist die BEDINGUNG, die notwendig ist, DAMIT die EZB handelt.

          Insofern, richtig:

          Die EZB handelt REAGIEREND auf das vorgelagerte schwache normale Kreditgeschäft …

          Aber es ist das HANDELN der EZB und nicht der „vorgeschaltete Umstand“, das den Banken erlaubt in größerem Umfang Zombifizierung zu betreiben (Kausalität unterstellt).

          Umstände handeln nicht, nur Akteure können es – damit aber auch auf Umstände einwirkend.

          Ich will nicht penetrant erscheinen, empfehle aber nochmals Wittgensteins „Über Gewissheit“, wie im Folgenden zitiert:

          „94. Aber mein Weltbild habe ich nicht, weil ich mich von seiner Richtigkeit überzeugt habe; auch nicht, weil ich von seiner Richtigkeit überzeugt bin. Sondern es ist der überkommene Hintergrund, auf welchem ich zwischen wahr und falsch unterscheide.“

          Der überkommene Hintergrund ist demnach für Naturwissenschaftler eine mit Notwendigkeit behaftete GESETZMÄSSIGKEIT, die sie aus der REGELMÄSSIGKEIT „ableiten“, mit der empirisch feststellbar Phänomene in der Welt auftreten.

          Für Gesellschaft gibt es zwar auch immer einen, aber nicht DIESEN Hintergrund der Naturwissenschaftler, denn so Wittgenstein:

          „96. Man könnte sich vorstellen, dass gewisse Sätze von der Form der Erfahrungssätze erstarrt wären und als Leitung für die nicht erstarrten flüssigen Erfahrungssätze funktionieren; und dass sich dies Verhältnis mit der Zeit ändert, indem flüssigeSätze erstarren und feste flüssig würden“

          Er verallgemeinert hier, dass Bedingungen ein Handeln auslösen, das wiederum Bedingungen schafft für ein erneutes, anderes Handeln.

          Konkreter fassbar:

          „97. … ich unterscheide zwischen der Bewegung des Wassers im Flussbett und der Verschiebung dieses, obwohl es eine scharfe Trennung der beiden nicht gibt.“

          „99. Ja das Ufer jenes Flusses besteht zu Teil aus hartem Gestein, das keiner, oder einer unbemerkten Änderung unterliegt, und teils aus Sand, der bald hier bald dort weg- und angeschwemmt wird“.

          Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass wir URSÄCHLICHKEIT in den Gesellschaftswissenschaften an HANDELN knüpfen müssen. Dies allerdings auf der Basis von Bedingungen, die durch Handeln geändert wurden und wiederum Bedingungen für Handeln schaffen.

          Die FRAGESTELLUNG, mit der wir uns auf EIN bestimmtes Handeln beziehen, ist daher entscheidend für Diskussionen und für Klärung.

          Ein Regress zu dem was jeweils vorher war, ist zwar notwendig, aber er allein erklärt nichts.

          Ich weiß nicht, ob ich Sie damit zufrieden gestellt habe, aber viel mehr kann ich Ihnen nicht bieten.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @DT

          Doch, das hilft mir. Ich klopfe eine solche Problemstellung auf die Frage hin ab, WESSEN Handeln an WELCHER STELLE hier Änderungen herbeiführen könnte.

          Die so gefundenen Änderungen bewerte ich – begründet aber subjektiv – nach schlecht/besser/gut und versuche DANACH, zu sagen, was getan werden müsste, um das Problem zu lösen.

          Wobei der Terminus „das Problem lösen“ in dieser Abfolge natürlich selbst problematisch ist, da an eine persönliche Wertung geknüpft.

          Aber besser kann ich es nicht und ich wüsste auch nicht, dass es besser geht.

          Was mich stört und was ich aus Sicht des Naturwissenschaftlers als extrem verbesserungsbedürftig in der Ökonomik finde, ist der Schritt, bei dem darüber nachgedacht wird, WESSEN Handeln WELCHE Änderungen zeitigen wird.

          Hier ist die Wirtschaftslehre aufgrund ihrer theoretischen Schwächen schlecht aufgestellt. Diese Schwächen haben oft mit Dogmatik zu tun, was in einem wissenschaftlichen Ansatz einfach nichts zu suchen hat.

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Christian Anders

          Ich weiß nicht, ob ich Sie richtig verstehe.

          Mir scheint, dass es einen Sachverhalt in den Gesellschaftswissenschaften und speziell in der Ökonomie gibt, der für Sie schwer zu fassen ist.

          Ich hatte es zuvor schon einmal angedeutet, um was es dabei geht:

          Die ZIELBESTIMMUNG für die Gesellschaft ist optional und jede ist jeder anderen gleichwertig (im Rahmen zivilisatorisch tolerierbaren Handelns).

          Das ist so, weil es KEINE Instanz gibt und auch nicht geben kann, die BEURTEILEN könnte, welche welcher anderen überlegen ist.

          Von den Zielbestimmungen leiten sich Theorien ab und das sind dann UNTERSCHIEDLICHE.

          Das ist das grundlegende Problem, das es in den Naturwissenschaften nicht gibt.

          Da werden Theorien an dem gemessen, was sie leisten und nicht daran, ob sie für eine „Zielerreichung der Natur“ – schon ein Unsinn an sich – tauglich sind oder nicht.

          Davon unabhängig ist natürlich JEDE Theorie auch in den Gesellschaftswissenschaften an gängigen Kriterien wie Widerspruchsfreiheit, empirischer Adäquatheit, Reichweite etc. zu messen.

          Und insbesondere daran:

          Kann die Theorie leisten, was sie zu leisten vorgibt für die Zielerreichung?

          Das sind dann die Themen, über die gestritten werden kann.

          Und da gebe ich Ihnen Recht:

          Zu viele Wissenschaftler oder wissenschaftlich ausgebildete Fachleute argumentieren viel zu oft und viel zu SUGGESTIV, um eine Agenda zu pushen statt mit hinreichender Genauigkeit eine GENAUE Verortung von Sachverhalten und damit auch problematischen Entscheidungen vorzunehmen.

          Was die Gesellschaft wollen SOLL, ist dagegen offen und – soweit Wissenschaft es postuliert, aber nur insoweit – nicht angreifbar.

          Aber natürlich ist auch dies streitig, u. a. mit Blick auf historische Erfahrungen.

          Aber da urteilen wir ÜBER Theorien, beurteilen sie aber nicht bezüglich ihrer INHÄRENTEN Wertigkeit.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @DT

          Dann habe ich mich unklar ausgedrückt. Genau das mache ich – anders als z. B. bei physikalischen Fragen – wenn ich über Wirtschaft/Gesellschaft nachdenke:

          1) Welche Ziele werden verfolgt? -> indentifizieren

          2) Welche Theorien bieten Grundlagen, auf derer die Zielerreichung aus 1) möglich wäre? -> auf Tauglichkeit (Kriterien an eine wissenschaftliche Theorie) prüfen, untaugliche verwerfen.

          3) Was folgen für HandlungsEMPFEHLUNGEN an Akteure aus dem, was nach dem Prozess 2) übrig ist? -> auflisten und priorisieren

          ————

          DAS wäre der einzige wissenschaftlich methodisch richtige Prozess, um überhaupt den Handelnden seitens der Ökonomik seriös beratend zur Seite zu stehen. Ob es dann funktioniert, ist immer noch unsicher, aber viel wahrscheinlicher geworden.

          Scheitern tut es m. M. n. an 1): zu viele sich widersprechende Ziele und dann an 2). Priorisiert und beraten wird auf Teufel komm raus, das ist nicht das Problem.

          Und scheitern tut es auch an einem ungenannten Punkt: Selbst wenn der Mehrheitswille definieren würde, was die zu erreichenden Ziele sind, wäre der Mehrheit aufgrund der schwachen 2) nicht bewusst, ob und wenn ja, wie, sich ihre Zielsetzungen gegenseitig torpedieren. Sie müssten also „sortiert“ werden, was in welcher Reihenfolge nur geht und was vielleicht zusammen einfach unerfüllbar ist.

          Politiker, die gewählt werden wollen, können dies so nicht kommunizieren. Es MUSS aber dennoch kommuniziert werden. DAS wäre die Aufgabe der Ökonomen. Sie versagen dabei, so hart muss ich das sagen.
          (Ich weiß natürlich nicht, inwiefern sie ihre Aufgabe selbst so definieren)

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Christian Anders

          Das ist sehr gut analysiert – ich stimme Ihnen zu.

          Ergänzung, wenn wir 1) einmal als durch die Politik festgelegt betrachten, was real natürlich nicht der Fall ist, wenn sie den Interessenausgleich sucht und daher VERSCHIEDENE Ziele verfolgen muss.

          Bei 2) Tauglichkeit:

          Es werden sehr oft nur bestimmte, einseitig unterstützende WIRKMECHANISMEN für die Unterstützung herangezogen und andere, welche die Theorie und damit die Zielsetzung als fragwürdig klassifizieren würden, werden unterschlagen.

          In derartigen Fällen liegt das Versagen eindeutig bei der Wissenschaft.

          Wenn Wissenschaftler derart DEFZITÄR verfahren, werden sie auch nicht „sortieren“ und entsprechend kommunizieren.

          Politik und Öffentlichkeit verlangen natürlich nicht danach, weil damit Handeln und vor allem Handlungsbegründungen erheblich erschwert werden.

          Fazit:

          Zumindest in der Öffentlichkeit dargebotene Ökonomie ist überwiegen mit – bestenfalls – Teilwahrheiten garnierte Interessenverfolgung.

          Das Spektrum reicht dabei von persönlicher Überzeugung bis Auftragsarbeit.

    4. Avatar
      Thomas M. sagte:

      Irgendwie klemmte die Veröffentlichung des folgenden Kommentars gestern. Damit die Mühe nicht umsonst war, poste ich es jetzt. Auch wenn es jetzt etwas „lose“ daher zu kommen scheint…

      Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass die Entscheidung, die Zombifizierung laufen zu lassen, die richtige ist.

      Begründung: Wenn durch geldpolitische Maßnahmen X eine Bankenkrise und Depression mit Massen-Arbeitslosigkeit die kurzfristige und hoch-wahrscheinliche Folge ist und diese abgewogen wird gegen die mit der Maßnahme verbundenen Produktivitätsgewinne und Wachstum als langfristige, aber unbestimmt-wahrscheinliche Folge, ist m.E. die für die Gesellschaft utilitaristisch richtige Entscheidung Maßnahme X nicht zu verfolgen. Kurzfristig sicherer Schaden wiegt in dieser Abwägung schwerer als langfristig möglicher Erfolg. Zudem ist ungewiss ob der Erfolg den Schaden überhaupt übersteigt.

      Als einzelner oder als einzelnes privates Unternehmen kann man etwas wagen, aber nicht als zentrale Stelle für einen gesamten Wirtschaftsraum, wenn die Erfolgs-*Aussichten* weit in der Zukunft und vage sind und die Misserfolgs-*Folgen* in naher Zukunft und klar sind.

      Antworten
      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        D’accord.

        Bei der Zombifizierungsthematik geht es zum einen darum, die WIDERSPRÜCHLICHKEIT der Geldpolitik der Notenbanken darzulegen, i. e. aufzuzeigen, dass sie damit gerade NICHT das selbst gesetzte Inflationsziel erreicht.

        Es geht zum anderen aber auch darum, nicht dabei stehen zu bleiben, sondern festzustellen:

        Diese Geldpolitik ist NICHT falsch, wenn dadurch – einmal begründet unterstellt – GRÖSSERER Schaden vermieden wird.

        Einige wollen letzteres nicht anerkennen, andere sind offensichtlich überfordert, BEIDE Sachverhalte in Einklang miteinander zu bringen.

        Antworten
    5. Avatar
      Christian Anders sagte:

      @Alexander @R. OTT @DT

      (Ich versuch mal hier gesammelt, um nicht drei oder vier einzelne Kommentare „spammen“ zu müssen)

      @Alexander

      „Beim ersten Buchungssatz mit Staatsanleihe gegen Zahlungsmittel, dachte niemand an die Kaufkraft von Kunden.
      […]
      Die Rede von Konjunktur und Kaufkraft ist bereits eine der fortgeschrittenen Wirtschaft“

      Wir brauchen nicht das Henne-Ei Problem zu lösen versuchen, dass fast jede Denkschule der Ökonomik mit einer eigens dafür angefertigten und in den allermeisten Fällen völlig unsinnigen Robinsonade versucht darzustellen. Grund: Wir SIND längst in einer fortgeschrittenen Wirtschaft, in der es sowohl Hennen als auch Eier gibt. (Henne=Nachfrager, Ei=Produzent) Dort gilt:

      Geht die Legeleistung der Hennen runter, warum ist für den Effekt egal, gibt es nachfolgend weniger Eier. Weniger Eier gibt weniger Hennen mit insgesamt kleinerer Legeleistung, was weniger…
      ODER, andersherum: Zertritt jemand die Eier, ob böswillig oder aus Blödheit ist für den Effekt egal, gibt es weniger Eier, die weniger Hennen produzieren, was zu weniger…

      Diese Metapher ist nicht mal überspitzt und soll nur verdeutlichen: In einer entwickelten Wirtschaft macht es keinen Sinn, sich einer reinen Lehre von Angebots- oder aber Nachfrageseite anzuschließen – beide Seiten sind ohne die andere undenkbar. Ihren Schluss:

      „Das Geheule um Arbeitsplätze ersetzt keine Innovation als Grundlage von Nachfrage.“

      Kann ich so nicht in seiner Absolutheit teilen. Innovation braucht zumindest die Erwartung, in Zukunft ihr Ergebnis an eine kaufkräftige Nachfrage absetzen zu können. In einer bereits laufenden Wirtschaft muss dieses „Klima“ der andere Teil der Wirtschaft (und ja, der Staat genauso) schon herstellen, indem er die Massenkaufkraft nicht verkommen lässt. Und das verträgt sich mit Theorien, die besonders niedrige Arbeitskosten als allseligmachend propagieren, einfach nicht so gut – obwohl diese der Rationalität des einzelnen Unternehmers entsprechen. Die theoretische Überführung auf die Gesamtwirtschaft lautet dann schlicht, dass der Arbeitsmarkt exakt analog der Funktionsweise eines Gütermarktes läuft.

      @R. Ott:

      Ich lass mal dahingestellt, was die massive Helikoptergeldinjektion in ein kriegsgebeuteltes Teilland, das sich im Streik und somit in Unterproduktion befand, nachdem seine Währung bereits um einen Faktor >1 abgewertet hatte, mit heute zu tun hat. Ich finde keine hinreichenden Parallelen, die irgendwelche Prognosen oder Analysen zulassen.

      Viel näher bin ich bei Ihrem 2. Kommentar, der beschreibt, WO künftig genug Arbeit zu tun WÄRE (sie geht uns offensichtlich nicht aus). Die Frage, WIE man diese Arbeit auch erledigt kriegt und WER alles dafür sorgen soll , wird uns länger beschäftigen.
      Mein Ansatz war lediglich, dass wir die Arbeit nicht erledigt kriegen, indem wir sie beliebig verbilligen, weil das Ergebnis sich nicht gleich schnell dadurch verbilligt, wie die Kaufkraft dadurch schwindet. Und das – da liegen wir mit Sicherheit im Dissens – kann der Markt nicht abbilden, da er aus den einzelwirtschaftlich rationalen Verbilligungserwägungen, die ich an Alexander oben nannte ultimativ getrieben wird. Er sieht die gesamtwirtschaftliche (und zwingend nötige) Nachfrageseite einfach nicht.

      @DT

      „Wenn ich es richtig sehe, weisen sie eine KORRELATION zwischen der Geldpolitik, speziell QE der EZB und der Kreditgewährung an definierte Unternehmen aus, die ohne diese Kreditgewährung nicht überleben würden.“

      Ohne KreditGEWÄHRUNG überleben sehr viele, auch Nichtzombies nicht. Es geht um evtl. Zinssteigerungen durch Anschlusskredite – was eine Definition „des richtigen“ Zinses eigentlich voraussetzt. Da könnte man gleich den nächsten 100 Beiträge-Thread starten, was dieser denn bitte sein soll – nächstes Fass offen.

      „Auch wenn die Korrelation außerordentlich STARK ist, ist sie nicht der Beweis in dem STRIKTEN Sinne, dass die Geldpolitik der EZB URSÄCHLICH für die Kreditgewährung ist.“

      Es könnte sogar umgekehrt sein (nicht, dass es das ist). Eine Korrelation gibt über den Kausalzusammenhang keinerlei Aufschluss. Das hatte ich ja bemängelt.

      Kausalitätsbetrachtungen werfen die Frage auf, WARUM Unternehmen eigentlich in so großem Umfang so wenig Gewinn generieren, dass Zinserhöhungen sie lebensbedrohlich träfen und WARUM gleichzeitig(!) der Unternehmenssektor (also das volkswirtschaftliche Aggregat) trotzdem netto spart (also mehr Geld einnimmt, als er ausgibt, wobei Tilgung nicht als „Ausgabe“ in diesem Sinn gilt).

      Die Gleichzeitigkeit dieser zwei intuitiv widersprüchlichen Phänomene ruft nach einer Analyse, die von der Zombifizierungsthese nicht gegeben werden kann.

      Der einzige Anhaltspunkt ist, dass das Sparen des Unternehmenssektors lange vor geldpolitischen Veränderungen eintrat, dabei Folgen im globalen Wirtschaftsgefüge zeitigte, und DANACH irgendwann die ZBs begannen, eine andere Politik zu betreiben. Sollte diese Politik – und davon bin ich überzeugt – wegen der Folgen dieser gravierenden Änderung des Wirtschaftssystems aufgelegt worden sein (ob hilfreich oder zurecht ist dabei zunächst nicht die Frage), müsste eine Analyse also früher ansetzen.

      Das heißt nicht, dass es keine Zombifizierung gäbe oder über diese ausreichend berichtet würde. Mir stellt sich nur die Frage, die ich in einer Antwort an Sie woanders mal als Punkt 1) einer jeden sinnvollen Betrachtung aufgeworfen hatte: Relevanz? Hoch/Mittel/Niedrig/Null?

      Ich halte sie nicht für Null, hier im Blog aber für deutlich zu hoch gehängt, da an tieferen Ursachen vorbei.

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      • Avatar
        Alexander sagte:

        @Christian Anders

        Wenn Sie kein Interesse an den ersten Buchungssätzen haben, dürfen sie auch nicht mit der Inlandsnachfrage der ersten Buchungen argumentieren und die entwickelte Volkswirtschaft ist Exporteur.

        Massenkaufkraft meint die Kaufkraft unserer ausländischen Exportziele? Also nicht nur per target2 Anschreibung und der Anschreibung durch Importe der USA, sondern auch Darlehen für den Aufbau in Afrika? Kann Königin Lagarde soviel Geld schöpfen?

        Ein Exporteur kann niemals die Kaufkraft seiner Kunden gewähren, schon alleine deshalb da die BRD ein demographischer Zwerg ist, Europa dito.

        Massenkaufkraft meint die Fähigkeit inflationierte Preise bezahlen zu können. So teuer wie in der BRD das wohnen, leben und konsumieren geworden ist….wandert daraufhin die Arbeit ab mit Massenarbeitslosigkeit in der Folge.

        (Grenzen dicht (?), niemals (!!!), d.h. nur wenn Kanzlerkandidaten Wahlkampf mit der Bevölkerungsgesundheit betreiben. )

        –> Deshalb halte ich die stete Inflation für kulturelle Selbstzerstörung, weil das kein Ausweg ist im globalen Wettbewerb um Wohlstand.

        Nach 50 Jahren Massenkaufkraftdebatte leuchten die Folgen derselben immer noch nicht ein? Ganz genau deshalb schlittern wir in die Planwirtschaft und das Desaster.

        Antworten
        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          Sie sind bezüglich meines Kommentars auf dem völlig falschen Dampfer unterwegs.

          „Wenn Sie kein Interesse an den ersten Buchungssätzen haben, dürfen sie auch nicht mit der Inlandsnachfrage der ersten Buchungen argumentieren […]“

          Wo und wie habe ich das? Bitte erläutern!

          „[…] und die entwickelte Volkswirtschaft ist Exporteur.“

          Stimmt. Und? Importeur in selbem Maß auch, sonst kann man kein dauerhaftes Wirtschaftsmodell fahren. Wer bezahlt denn die Importe, und wovon?

          „Massenkaufkraft meint die Kaufkraft unserer ausländischen Exportziele?“

          Nein. Massenkaufkraft meint jene Kaufkraft der Masse der Inländer, die für den Handelssaldo mitverantwortlich ist, der nur bei Ausgeglichenheit über eine bestimmte Frist auch die Exporte ermöglicht, ohne durch diese den Kapitalstock eben jenes Inlandes aufzuzehren.

          „Ein Exporteur kann niemals die Kaufkraft seiner Kunden gewähren, […]“

          GEWÄHREN nicht, BEEINFLUSSEN sehr wohl. Und zwar durch o. g. Fähigkeit, gleichgewichtig zu importieren und somit nicht die dauerhafte Solvenz der Kunden durch ein fortgeführtes Überschuss-/Defizitmodell zu vernichten.

          „Massenkaufkraft meint die Fähigkeit inflationierte Preise bezahlen zu können.“

          Die Massenkaufkraft ist MitERZEUGER der endogene Inflation, keine Fähigkeit, die man als Folge der Inflation bräuchte, um „mithalten“ zu können.

          „–> Deshalb halte ich die stete Inflation für kulturelle Selbstzerstörung, weil das kein Ausweg ist im globalen Wettbewerb um Wohlstand.“

          Ach? Die einzige Alternative wäre Nullinflation?

          Dann wäre Geld selbst ein Asset, die Wirtschaft bräche ohne Negativzinsen, die diese Assetfunktion des Geldes unterbänden, zusammen, weil das Zurückhalten von Geld einem Einkommensausfall aller Unternehmen gleich ist. Es entstünde ein innovationsfeindliches, weil deflationäres Umfeld, die Produktivitätszuwächse gingen runter…

          Halt! Das kommt mir so bekannt vor? (ok, Polemik, sorry).

          „Nach 50 Jahren Massenkaufkraftdebatte leuchten die Folgen derselben immer noch nicht ein? Ganz genau deshalb schlittern wir in die Planwirtschaft und das Desaster.“

          Doch sie leuchten völlig ein und richtig, DESHALB im Kern schlittern wir ins Desaster. Bitte erklären Sie doch mal, wie genau Sie das verstehen! Ich habe das dumpfe Gefühl, wir könnten denselben Punkt aus genau konträren Gründen für ein gutes Argument halten.

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          Wir nähern uns einander langsam an.

          Man kann die Kreditvergabe an Zombies (Staat, cooperate, private) befürworten, aber man muss dann auch die LeistungsbilanzUngleichgewichte akzeptieren – weil sie die Folge von Zombienomics sind.

          Warum?

          Weil verhinderte strukturelle Reformen die Zombiefizierung fördern und der Verlust an kulturellen Fähigkeiten durch Importe ausgeglichen wird (vgl. target2, Deindustrialisierung der USA und Leistungsbilanzkatastrophe zu China).

          Warum ist das kein kurzfristiges Problem?

          Weil Kredite weltweit gehandelt werden um verbrieft für neue Geldschöpfung zu dienen. Weil es schlechte Kredite sind müssen die Zentralbanken ihre Ausfallsicherheit garantieren und ausfallsichere Kredite befördern —>
          —>Zombienomics.

          Dem Wohlstand Grenzen zu setzen ( https://www.himmelunderdeonline.de/hue/das-neujahrsgebet-von-st-lamberti.php ) war die Bitte von Ludwig Erhard mit seinem Wort von „Maß halten“. Das ist lange her und die Ansprüche sind mit jeder Dekade angewachsen – bis zu den Forderungen der FFFkids.

          Jedes Maß für Kaufkraft und Normalität ist verloren gegangen und zwar durch die Geldpolitik der vergangenen mindestens 30 Jahre.
          70jährige bestaunen den aktuellen Wohlstand von Immobilienkauf, LeasingTesla, Urlaub und Freizeitgesellschaft – als ob (fast) alle im Lotto gewonnen hätten.

          Die schlimmste Nebenwirkung der LeistungsbilanzUngleichgewichte wird sein, dass im Katastrophenfall eine Zuteilungswirtschaft nicht funktioniert – wenn lebensnotwendige Ersatzteile gegen „Devisen“ importiert werden müssten.

          Dann haben wir in Europa gleich mehrere Venezuelas und keine Chance auf Besserung.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          Ich würde sagen, wir sind an einem zentralen Punkt uneins darüber, was Ursache und was Wirkung ist. Hier:

          „Man kann die Kreditvergabe an Zombies (Staat, cooperate, private) befürworten, aber man muss dann auch die LeistungsbilanzUngleichgewichte akzeptieren – weil sie die Folge von Zombienomics sind.“

          Zunächst Klarstellungsfrage: Zombienomics meint die „zombifizierende“ Geldpolitik?

          Unter der Voraussetzung das dies so ist, meine Antwort darauf:

          Die Geldpolitik ist FOLGE eines Trends, nicht URSACHE. Die ZBs dieser Welt reagieren auf das, was ich woanders angerissen hatte: Dass das System sich von einem System mit Unternehmen (also DEN Innovationstreibern) als netto SCHULDNERN zu einem mit den Unternehmen als netto SPARERN (die Unternehmen als Aggregat berachtet natürlich) gewandelt hat. Die Folge auf die Finanzierungssalden der anderen volkswirtschaftlichen Sektoren hat zum Ausgleich einer anderen Verschuldungsquelle bedurft, damit es nicht zu Rezession kommt. Diese konnte/wollte nicht voll ersetzen, aus diversen Gründen, die mit Geldpolitik nichts zu tun haben. Die Folge ist zu besichtigen.

          Dass dieses ungesunde Setting überhaupt so lange laufen konnte, ist dem gigantischen globalen Schub des Wachstums der Schwellenländer, allen voran China, zu verdanken.

          „Weil verhinderte strukturelle Reformen […]“

          LB-Ungleichgewichte sind empirisch messbar immer Folge der relativen Preise von Ländern untereinander. Diese speisen sich am Weltmarkt aus Wechselkursen und Lohnstückkosten. Normalerweise ziehen Wechselkurse hier irgendwann „glatt“ (grob gesprochen).
          Innerhalb der EWU ohne Wechselkurse ergeben isch relative Preise nur noch aus den Lohnstückkosten der einzelnen Länder. Diese sind seit Gründung des Euro divergiert, da es keinerlei Absprache über ein Ziel hierfür gab.
          Man kann begründet sagen, solche Absprachen gehen in einer Marktwirtschaft gar nicht. Ok. Dann geht auch keine Währungsunion. Muss man ja nicht machen. Hat man aber trotzdem. DANN hätte man die Absprachen auch gebraucht.

          Strukturelle Reformen, die schwächere Länder wettbewerbsfähiger machen, führen ohne einen Wechselkurs zu nichts anderem als inländischem Kaufkraftverlust. Und dieser in einem Land, dass zu mehr als 50% im Binnengeschäft umsetzt, dann zu mehr Arbeitslosigkeit – dem Gegenteil von dem, was die graue Theorie vorhergesagt hatte. (Die sagt: Mehr Wettbewerbsfähigkeit = mehr Arbeit, basta). Und das führt auch zu Nachfrageausfall am Weltmarkt, da solche Länder ja auch importieren.

          Das Problem ist also nicht von Seiten der Geldpolitik aus nicht ausgelöst worden, IM Euro für die EWU von dieser Seite aus auch nicht zu lösen und Zombifizierung ist hier aus meiner Sicht deshalb ein Symptom, keine Ursache.

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          Warum werden Ihre Anfworten immer komplizierter je einfacher die Zusammenhänge werden?

          Wer den ersten Buchungssatz von Staatsanleihe gegen Zahlungsmittel nicht ausdrücklich anerkennen will (Henne/Ei Ausflucht), braucht im nachhinein nicht mit Wechselkursen und Lohnstückkosten kommen.

          Strukturelle Reformen meint die volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu sichern unter Beibehaltung von Bildungs- und Sozialstandards! Das hat seit Ende des Wirtschaftswunders noch keine Regierung hinbekommen. Warum? Weil es mit Preissenkungen einhergeht.
          Preissenkungen haben unsere Gesellschaft aber immer begleitet, man nennt das auch einen Gewinn an Kaufkraft durch Industrialisierung.

          So wie die Dinge stehen verhindern inflationierte Sozialstandards jene Wettbewerbsfähigkeit, die sie sichern helfen sollten. Dasselbe gilt für das Chancengleichheit Bildungssystem, wo heute jeder Abschlüsse bekommt, deren Wert stetig abnimmt.

          Vermutlich stimmen wir nicht über die Grundlagen von Wohlstand=Massenkaufkraft überein. Zur Geldschöpfung von Kredit gehören neben Eigentumspfändern auch bestens ausgebildete Menschen als Voraussetzung von Tilgung.

          (Tilgung dient nicht der Geldmengenschrumpfung sondern der Umschuldung nach besseren / schlechteren Konditionen – weil Bonität immer im Wandel ist.)

          Afrika, Südaberika fehlt es WARUM an Massenkaufkraft?
          Wegen zuwenig Geld oder inexistenter Grundlagen von Wohlstand?
          (Kolonialismus ist eine faule Ausrede – dort wie in Europa)

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          „Wer den ersten Buchungssatz von Staatsanleihe gegen Zahlungsmittel nicht ausdrücklich anerkennen will (Henne/Ei Ausflucht), braucht im nachhinein nicht mit Wechselkursen und Lohnstückkosten kommen.“

          Ich will nicht irgendwas „nicht anerkennen“. Ich erkenne nur nicht, was es aktuell zur Sache tut. Wir reden nicht über Afrika sondern die 1. Welt. Gut ausgebildet im Schnitt, verpfändbare Sachgüter vorhanden, erster Buchungssatz längst Geschichte.

          Lustig, ich hätte IHNEN gerne vorgeworfen, etwas sehr einfaches zu verkomplizieren ;-). Sie waren schneller.

          „Vermutlich stimmen wir nicht über die Grundlagen von Wohlstand=Massenkaufkraft überein. Zur Geldschöpfung von Kredit gehören neben Eigentumspfändern auch bestens ausgebildete Menschen als Voraussetzung von Tilgung.“

          Ja doch. Da stimmen wir sehr wohl überein. Es ist die NOTWENDIGE Bedingung. Aber nicht eine HINREICHENDE.

          Ich habe das mit Ihnen nicht diskutiert, weil ich auf der Ebene keinen Dissens vermutete – gibt es ja auch nicht.

          Ich wollte nur über hinreichende Bedingungen sprechen, weil ich uns für einig bei den notwendigen halte. Es mangelt nicht an den notwendigen in der 1. Welt dieses Planeten. Es mangelt an hinreichenden. Ich habe darauf hingewiesen, wieso und durch welche Mechanismen. Das ist doch keine Verkomplizierung?

          Die hinreichende Bedingung ist, dass neben der den notwendigen Voraussetzung Geld, reale Ressourcen und Bildung/Arbeitskraft das Geld auch als Kredit dort hin strömt, wo die Werte geschaffen werden. Eine Welt mit netto sparendem Unternehmenssektor erfüllt genau diese Bedingung: NICHT.

          Und WARUM das nicht so ist, ist in meinen Augen von der Frage irgendeines „ersten Buchungssatzes“ recht unabhängig – Sie mögen das anders sehen, dann hätte ich gerne die Begründung.

          Ich habe begründet, warum es in entscheidender Art von Lohnstückkosten und Wechselkursen abhängt.

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @ Christian Anders

          Der erste Buchungssatz ist deshalb wichtig, weil er zum Fundament der Schuldenpyramide gehört und nie getilgt wurde.

          An anderer Stelle habe ich versucht zu klären, dass ein Schuldgeldsytem besichert mit Eigentümern (Sachen + Menschen) in solchen Gesellschaften für ein Wunder sorgt, die über eine „hinreichende“ breite Leistungsfähigkeit verfügen.

          Ein Exportkunde der zwar kaufen will, aber weder über eine besicherte Währung noch über verpfändbare Eigentümer verfügt – ist NICHT zu beliefern, auch wenn das Arbeitslose und einen Mangel an Massenkaufkraft beim Exporteur (z.b. BRD) bewirkt.
          Hier ist die Schwelle zur Zombiefizierung, wenn faule Kredite handelbar gemacht werden – wenn später niemand zwischen gutem und schlechtem Kreditgeld unterscheiden kann.

          Aus Mangel an Devisen hat das Naziregime sogar Tauschwirtschaft mit Südamerika betrieben – so dass Exporte möglich sind, ohne fiat Systeme zu installieren. Wechselkurs war Verhandlungssache, bis beide Parteien zufrieden sind.

          Mangelnde heimische Kaufkraft kann nur der Markt durch Preissenkung beheben, damit man im Aussenhandel nicht an Wettbewerbsfähigkeit verliert – wenn die eigene Wohlstandsinsel vom Rest der Welt abhebt. Preissenkung meint, man verkauft lieber für weniger als gar nicht.

          Die BRD hat von allem das Gegenteil praktiziert.
          Man hat heimische Preise versucht zu inflationieren (incl. competition of losers),
          – per Kreditexport den eigenen industriellen Export angekurbelt
          – Wertschöpfung im Inland verloren = abgehobener Wohlstand,
          – aus Gründen der Chancengleichheit das Bildungssystem erodiert,
          – fehlende Arbeitskräfte ohne Bildung importiert,
          – zuletzt den shutdown befohlen….

          Die BRD ist längst von der Luftökonomie abhängig, ihr Schicksal liegt nicht mehr in den Händen ihrer Wähler.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          „Der erste Buchungssatz ist deshalb wichtig, weil er zum Fundament der Schuldenpyramide gehört und nie getilgt wurde.“

          Die Schulden in einem Schuldgeldsystem (das übrigens auch entscheidende Vorteile hat, ohne solches würden wir hier nicht auf einem Server miteinander diskutieren) werden NIE in Summe getilgt, sondern immer einzeln und dabei durch neue woanders ersetzt. Das ist der Sinn des Ganzen. Mit dem, was ich hier zu argumentieren versuche, hat das NICHTS zu tun.
          Wir reden aneinander vorbei. Knackpunkt könnte dies hier sein:

          „Mangelnde heimische Kaufkraft kann nur der Markt durch Preissenkung beheben, damit man im Aussenhandel nicht an Wettbewerbsfähigkeit verliert […]

          – per Kreditexport den eigenen industriellen Export angekurbelt“

          Das ist so schlicht falsch.

          Es gibt keinen „Kreditexport“, der einen Leistungsbilanzüberschuss nach sich zieht. Das Argument dafür ist einfach: LB-Überschüsse und mit ihnen einhergehender Kapitalexport (andere Seite der Bilanz) gäbe es GANZ GENAU SO, wenn alle internationalen Kunden Deutschlands die Waren ohne einen einzigen Cent irgendeines Kredits aus Eigenmitteln bezahlt hätten.

          Es gibt einfach keine Finanzierungsströme in Form irgendwelcher Kreditgewährungen aus Deutschland, die zwingend den Warenströmen vorausgehen und so den Kapitalexport begründen und unsere Exporte finanzieren.

          „Verschuldung des Auslands“ durch den deutschen Exportüberschuss meint vielmehr die Tatsache, dass die jeweilige ausländische Volkswirtschaft die Ausgaben gegenüber Deutschland nicht durch entsprechende Einnahmen aus Deutschland decken kann. Damit fehlt der ausländischen Volkswirtschaft unter dem Strich Geld für die Aufrechterhaltung des bisherigen Niveaus der Inlandsnachfrage. Inlandsnachfrage wird zu Lasten inländischer Industrie durch Auslandsnachfrage verdrängt.

          Und genau aus DEMSELBEN Grund ist ihr Argument mit den Preissenkungen natürlich nicht haltbar:
          Preise im AUßENHANDEL (also Wechselkursen unterworfene Preise) können Sie nicht einfach senken. Dies wird bei Einzelwährungen IMMER WIEDER durch einen Wechselkurs abgefangen, der die Kaufkraft gegenüber ausländischen Gütern verstärkt und die eigenen Preise in internationaler Währung erhöht, wenn man an der Preisschraube besonders erfolgreich war. Auch, wenn man durch Innovation erfolgreich war.

          NUR innerhalb der EWU funktioniert dies nicht mehr, während die einzelnen Mitgliedsländer TROTZDEM ungleichmäßig erfolgreich seit Jahren Ihre Preise entwickeln. Und den teureren steht die interne Abwertung (billiger werden für den Außenhandel) NICHT zur Verfügung – sie kann rein logisch nicht klappen (begründet habe ich das recht ausführlich). Und unter dieser Nichtfunktion leiden dann auch die „Überschüssler“, also wir (und NL, AT in der EWU).

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          Das ist jetzt eine typische Wendung. Das Thema Massenkaufkraft stammt von Ihnen und jetzt weisen Sie mir Denkfehler nach, da es keinen exportvorfinanzierenden Kapitalexport gibt?

          Die target2 Salden sind kein Export von Kapital in Form von Waren, die man im EZB System anschreiben lässt?
          Zur Absicherung von Exporten waren die Hermesbürgschaften des Bundes jederzeit das beliebte Instrument wackelige Kundenkäufe (z.B. Iran) durch den Steuerzahler zusätzlich besichern zu lassen, immer zur Stärkung der Inlandskonjunktur/Arbeitsplätze/Binnenkonsum ….

          Der Gewinn aus den Exportüberschüssen im Vergleich zu den geringeren Importen was das Geschäftsmodell der BRD, d.h. man pampert so seinen Lebensstandard auf, der anders gar nicht finanzierbar ist. Das fehlende Kapital der Warenimporteure (Ex EU) stammt aus Verschuldung in US$, weil es dem Euro an Kraft fehlt – sonst wäre die EZB Kreditgeber. Aber Kapitalexporte gibt es nicht….ja,ja.

          Preise im Außenhandel wurden natürlich gesenkt! Und zwar zwangsweise durch die Abwertungen nationaler Währungen der EU Handelspartner – das war der Gewinn aus Euroeinführung, weil die BRD diesen Druck abschaffen konnte.
          Die letzte schwere diesbezügliche Rezession war 1993 mit Preissenkungen von 50% in den Exportmärkten. Diese Deflation gegen Löhne und Gewinne war damals kein Thema, man verschwieg einfach das Schicksal der loser unter Globalisierung.

          Preise in Inland zu senken war die Verweigerung von strukturellen Reformen mit der Folge, dass die Löhne insgesamt stagnierten und so Preissenkung wirksam wurde.
          Von Lohnnebenkosten spricht seit 20 Jahren niemand mehr. Toller politischer Erfolg.

          Jetzt wäre ich gespannt, wie sie diese Historie wiederlegen – denn was ich von Ihnen lese sind nur Behauptungen, keine Tatsachen.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          Ich habe meinen Kommentar noch mal gelesen, ich finde nicht, dass es ihm an Klarheit fehlt.

          Es GIBT Kapitalexport, wenn man LB-Überschüsse hat als Nation. Die andere, den Überschüssen ggü stehende Seite der Bilanz heißt schlicht so.
          Kurz: Man verkauft über eine Zeit Güter/Dienstleistungen/Assets in einem höheren Wert ans Ausland, als man welche von dort in derselben Zeit zurückkauft.
          Man erhält per Saldo mehr Geld, als man wieder ausgibt und gibt DESHALB wertmäßig mehr Güter/Dienstleistungen/Assets ab, als man bekommt.
          Dies beschreibt der Kapitalex-/import generell (wenn alles umgekehrt ist, wie o. g., ist es KapitaIMPORT). Speziell innerhalb der EWU wird dieser Kapitalex-/import von den T2-Salden widergespiegelt.

          Ich habe NICHT gesagt, dass es dies nicht gäbe. Es gibt es. Punkt.
          Ich habe logisch begründet, dass Länder mit Kapitalexport im o. g. Sinn diesen NICHT selber vorfinanzieren müssen, indem Sie irgendwem Kredite geben, mit denen dann die Exporte bezahlt werden.

          Ich hatte Sie so verstanden, dass sie dies behaupten und dem dann widerprochen. Denn, erneut schreiben Sie:

          „Die target2 Salden sind kein Export von Kapital in Form von Waren, die man im EZB System anschreiben lässt?“

          Sie SIND nicht der Kapitalex-/import innerhalb der EWU wie o. g., sie quantifizieren ihn.
          Und was heißt „Anschreiben“? In meinem Sprachgebrauch heißt das ein Schuldverhältnis eingehen, dass exklusiv EINE Seite, nur der Schuldner nämlich, bedienen kann und ich keinen Einfluss darauf habe, ob er es denn auch wirklich tut.

          Genau das ist in der EWU aber NICHT der Fall! Ob und wie das, was Sie „Anschreiben“ nennen, zurückgeführt wird, hängt absolut entscheidend von dem, der in Ihrem Bild hat anschreiben lassen, mit ab.

          „Der Gewinn aus den Exportüberschüssen im Vergleich zu den geringeren Importen was das Geschäftsmodell der BRD […]“

          Ein Geschäftsmodell, dass immer wieder Aufwertungen der DM/Abwertungen anderer erzwungen hatte, die man mit dem Euro (endlich ,aus Sicht der Exportisten) nun nicht mehr „fürchten muss“ bzw. nicht mehr genießen kann, je nach dem, WEN man fragt.

          „[…] das war der Gewinn aus Euroeinführung, weil die BRD diesen Druck abschaffen konnte.“

          Würden wir das unter heutiger Sicht noch als „Gewinn“ bezeichnen, oder ist das nicht eher ein „Problem“ mittlerweile?

          „Die letzte schwere diesbezügliche Rezession war 1993 mit Preissenkungen von 50% in den Exportmärkten.“

          Ich habe 1993 als Konsolidierungskrise im Kopf. Welche Auswirkungen hatten die Preissenkungen auf Außenbeitrag, Exportmenge, Exportquote? Hier finde ich nichts Erwähnenswertes: https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Aussenhandel/Publikationen/Downloads-Aussenhandel/aussenhandel-welthandel-5510006159004.pdf?__blob=publicationFile

          Die AL-Quote stieg in der 93er Rezession um 1%.

          „Preise in Inland zu senken war die Verweigerung von strukturellen Reformen mit der Folge, dass die Löhne insgesamt stagnierten und so Preissenkung wirksam wurde.
          Von Lohnnebenkosten spricht seit 20 Jahren niemand mehr. Toller politischer Erfolg.“

          ?

          Kann ich das bitte mal als verständlicheren Satz haben, denn das interessiert mich schon: WELCHE Preise in welchem Inland WODURCH senken und WIE RUM ist das mit Löhnen verknüpft? Wo genau kommen da die Lohnnebenkosten ins Spiel?

          „Jetzt wäre ich gespannt, wie sie diese Historie wiederlegen – denn was ich von Ihnen lese sind nur Behauptungen, keine Tatsachen.“

          Ich kann nicht behaupten, genau zu erkennen, worauf Sie hinaus wollen. Deshalb weiß ich auch nicht, was genau ich widerlegen soll oder müsste – wo ist der Dissens und wo sind wir uns einig?

          Eine Quelle habe ich oben verlinkt, anhand derer ich z. B. Ihre Aussagen zur 93er Rezession nicht nachvollziehen kann.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          Und, Nachtrag wegen des unglücklichen Wortes „anschreiben“:

          Beispiel 1: Kneipenwirt lässt klassisch anschreiben, kriegt vom Kunden mit dem offenen Deckel also später noch Geld.

          Beispiel 2: Kneipenwirt wird von einem Stammkunden regelmäßig bezahlt, der selber Gastwirt ist. Dessen Essen schmeckt ihm aber nicht, also geht er dort nicht hin um seinen Verdienst auszugeben. Lieber spart er.

          ————

          Beispiel 1 ist klassisches Anschreiben: Ich gebe Ware und bekomme noch Geld.

          Beispiel 2 spiegelt sehr vereinfacht die Realität, die zum T2-Saldo führt: Ich bekam bereits das Geld für Ware, gebe es bei den zahlenden Kunden aber nicht später wieder aus.

          Ist der T2-Saldo also „anschreiben“??

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          Anschreiben verwende ich mit der ganzen möglichen Abfälligkeit, in unserem Fall fließt auf beiden Seiten des Handels Geld und das Leistungsbilanzsaldo wird zwischen den Mutter-Zentralbanken der EZB-Tochter als Saldo angeschrieben.

          Wenn Geld gegen Ware fließt, so das Argument der „Verrechnungsposten“ Erklärbären, bedeutet der Export in der Folge Löhne-MassenKaufkraft-Binnennachfrage für den Exporteur. Das Detail, dass die Gesellschaft als Eigner der ZB der Finanzier ist, wird der Politik erst im Schadensfall auf die Füße fallen. Schadensfälle sind über die Zombie-Zentralbanken ausgeschlossen ;o)

          Ohne Ausfälle u.o. Währungsaufwertung ist der politisch strukturelle Reformdruck (*) zur Stärkung der Exportwettbewerbsfähigkeit = Null. Lohnstagnation kein Problem für Gewerkschaften, wenn die Alternative weitere Jobverluste durch Globalisierung sind.

          Die Rezession von 1993 war auch deshalb schmutzig, weil man diese Krise erstmalig leugnete. Der Betrug über die Arbeitslosenzahlen nahm damals jene Fahrt auf, die bis heute durch Hartzer weder 2009ff. noch 2015ff. noch 2020ff. irgendeinen Bezug zur Realität hat.
          Genau wie in Gegenwart entsorgen die Exporteure der Schlüsselindustrien ihre überzähligen Alten ins Sozial-Rentensystem. Aus Einzahlern werden Empfänger wobei die Einzahlungsbasis auf breiter Front schrumpft. Parallel wird ins billigere Ausland verlagert und nach weiteren Preissenkungen bei Lieferanten gepresst, wenn Produktivitätsgewinne neu zu verteilen sind – nicht nur in Sachen Lohnforderungen bei den Konzernen selbst.

          Das Unwort der versicherungsfremden Leistungen, in deren Folge über 100 Mrd.€ aus dem Bundeshaushalt zur Liquidität der Rentenkasse fließen – wurde damals geprägt.

          (*) Strukturelle Reformen wären anstelle steuerfinanzierter versicherungsfremder Leistungen gefragt gewesen. Das bedeutet die Überprüfung aller Preise, deren Grundlage gesetzliche Regelungen sind + und die im Normal einer steten Inflation unterliegen. Das Geschäft mit Medizin, Pharma, Pflege boomt genau wie Beratungsdienstleistungen, wenn der Staat die Preise macht. Wachstum war für entsprechende Dienstleister dort leichter zu generieren, als durch Innovation/unternehmerisches Risiko/Produktion. Diese Preise sind tabu, dafür hat jeder die ausgebeuteten Pflegekräfte/Artzhelfer*innen verinnerlicht, obwohl die Profiteure derselben Show eine unredliche Dekadenz zur Schau stellen.

          Man lässt sich das sogar gefallen, weil man glaubt per Aktienbesitz teilhaben zu können und die entsprechenden Aktienkonzerne haben performed.

          Wenn staatliche Preise für Sozialversicherung die Kaufkraft der Löhne erodieren ist das natürlich nur ein Problem der Lohnzuwächse. In der Folge ein Problem der kalten Progression, wenn Facharbeiter zum Spitzenverdiener mutieren. Auch hier keine Steuerreformen, sondern weitere Schließung von Schlupflöchern aufgrund des geldwerten Vorteils durch private Nutzung von BetriebsKfz oder E-pedelec.

          Wo die Konjunktur stottert und das System hinterfrägt senken wir einfach weiter die Zinsen und erhöhen Anleihekäufe bis zum Tabubruch von 2015ff.

          Die Bilanzsumme der EZB entspricht mittlerweile 53% des Eurozonen BIP und es ist noch viel Luft nach oben, die Zombifizierung noch nicht so weit wie in Japan – aber wir schaffen das.

          Ja, die Zentralbanken zombifizieren und zwar alle und alles, als Ausdruck von völligem politischem Versagen. Man gestaltet nur die Musik auf der EU Titanic.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          Letzter Versuch, indem ich eine einzige, konkrete Frage stelle:

          WIESO ist ihrer Ansicht nach in Ländern, die Exportüberschüsse haben, die Massenkaufkraft nicht ausreichend, dies zu einem Gleichgewicht zu drehen (also mehr Importe kaufen oder selber mehr vom eigenen Zeug, dass dann nicht mehr exportiert wird)?

          Alles andere lassen wir jetzt mal außen vor, wir beharken uns sonst wegen der Definition von allem und jedem und kommen nirgendwo hin.

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          Es sind die Weltanschauungen, die sich erst einmal nicht vertragen.

          „WIESO ist ihrer Ansicht nach in Ländern, die Exportüberschüsse haben, die Massenkaufkraft nicht ausreichend, dies zu einem Gleichgewicht zu drehen“

          Export als Einnahmequelle war für das dt. Reich der Industrialisierung 1.0 schon das Geschäftsmodell und vom Merkantilismus abgeleitet, zum missfallen der damaligen Supermacht UK – welches seinerseits peinlich darauf achtete die Kapitalströme ins heimische Reich zu lenken (vgl. Opiumkriege).

          Exportorientierung schließt durch seine auf Außenhandelsgewinn ausgerichtete Produktpalette den heimischen Konsum desselben aus. Der Wechsel von Export zum Inlandskonsum ist bisher noch keinem gelungen! Die USA haben das mit der Dienstleistungsgesellschaft verwechselt und Wertschöpfung/Hochlohn durch prekäre bullshit Jobs getauscht.

          Der Globalisierungsdruck und die Angst vor der vergreisenden Demographie haben die privaten Einnahmen der deutschen Bevölkerung entweder in finanzierte Immobliien/Altersvorsorgeprodukte u.o. staatliche Kapitalsammelstellen geleitet, wenn nach Abzug der Lebenshaltung (asset inflation-Miete) noch etwas zum Sparen übrig blieb. Im europäischen Vergleich hat die dt. Bevölkerung so weniger Vermögen anhäufen können, als ihre target2 Anschreiber, z.B.

          Preissenkungen für staatliche Leistungen (Beiträge, Steuern) wären einziger Weg gewesen die Massenkaufkraft ohne Aussenhandelsnachteil zu stärken, wenn die Kaufkraft über Währungsaufwertung keinen Gewinn bekommt. Das haben alle Lobbys erfolgreich verhindert und ihre Gläubige beten deren Mantra nepalesisch nach……die Inflation der Preise.

          Den Grund warum 50% der Studierenden ihr Auskommen beim Staat suchen erkärt sich nicht durch selbstlose Opferbereitschaft. Mittlerweile hat der staatliche Sektor seine Finanziers abgehängt, obwohl viele Kräfte erbärmlich bezahlt werden= die loser der competition.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          Danke für Ihre Antwort, damit kann ich mehr anfangen.

          „Export als Einnahmequelle war für das dt. Reich der Industrialisierung 1.0 schon das Geschäftsmodell und vom Merkantilismus abgeleitet […]“

          Aber ja doch.

          „Exportorientierung schließt durch seine auf Außenhandelsgewinn ausgerichtete Produktpalette den heimischen Konsum desselben aus.“

          Na klar, GÄBE es solchen Konsum, hätte man ja keinen Außenhandelsgewinn gemacht. Dies ist ein tautologischer Zusammenhang.

          Die Frage, die man stellen KANN (und ja, sie ist wahrscheinlich weltanschaulich): MUSS eine gut exportierende Wirtschaft denn auch ÜBERSCHÜSSE machen? Dies ist logisch überhaupt nicht zwangsläufig. Sie selbst sagen dazu:

          „Der Wechsel von Export zum Inlandskonsum ist bisher noch keinem gelungen! Die USA haben das mit der Dienstleistungsgesellschaft verwechselt und Wertschöpfung/Hochlohn durch prekäre bullshit Jobs getauscht.“

          Nun gibt es keinen Grund, Inlandsnachfrage durch Dienstleister durch ein mehr an Bullshitjobs zu erzeugen, wenn es genug non-bullshit Dienstleistungen im Inland gibt, die nicht sonderlich gut bezahlt werden.

          Zusätzlich kommt hinzu, dass die Wettbewerbsfähigkeit eines Wirtschaftsraums an seinen GESAMTlohnstückkosten hängt, nicht bloß denen der Produzenten von Exportgütern.

          Oder kurz gesagt: Verdienen Erzieher, Altenpfleger, Müllmänner, Putzkräfte, etc. pp., die – wir haben das durch CORONA gesehen – anders als manche hochbezahlte Spezialisten nicht ersetzbar sind und schnell vermisst werden – eigentlich genug?

          Ich sehe Bullshitter oft in höheren Gehaltsklassen, um der Wahrheit die Ehre zu geben. Man MUSS kein Bullshit-Präkariat schaffen, wenn es an wirklich nützlichen Dienstleistungen mangelt, man KANN aber natürlich.

          „Preissenkungen für staatliche Leistungen (Beiträge, Steuern) wären einziger Weg gewesen die Massenkaufkraft ohne Aussenhandelsnachteil zu stärken, wenn die Kaufkraft über Währungsaufwertung keinen Gewinn bekommt.“

          Man hätte z. B. der kalten Progression zu Leibe rücken können und so am unteren Ende der Einkommensskala das netto gestärkt – was auch ein Anreizsystem raus aus H4 ist, wenn es einen signifikanten Abstand nach oben gibt, falls man arbeitet. Dazu bedarf es allerdings tatsächlich dann eines Mindestlohns, sonst geht das wiederum rein logisch nicht auf.

          „Das haben alle Lobbys erfolgreich verhindert und ihre Gläubige beten deren Mantra nepalesisch nach……die Inflation der Preise.“

          Nun, diese ENTSTEHEN ja aus der Entwicklung der Löhne im Verhältnis zur Entwicklung der Produktivität (ich rede jetzt vom Warenkorb der Verbraucherpreise).

          Was wir hier diskutieren, mag weltanschaulich dazu führen, dass wir nie über Problemlösungen einig werden können. Völlig ohne Weltanschauung und rein logisch können wir feststellen, dass ein Merkantilismus eines Landes einer Währungsunion ohne Aufwertungsgefahr eine dauerhafte Unmöglichkeit ist, und entweder in den Bruch oder den ewigen Transfer führt. Zum Schaden desjenigen, der da sein Wirtschaftsmodell (angeblich) nicht ändern KANN.

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          Merkantilismus.
          Zitat @CA: „Aber ja doch.“
          …ist zu schnell gebrüllt.

          https://de.wikipedia.org/wiki/Merkantilismus
          „Mit dem Bedürfnis der absolutistisch regierten Staaten nach wachsenden, sicheren Einnahmen zur Bezahlung der stehenden Heere und des wachsenden Beamtenapparats sowie des repräsentativen Aufwands des Herrschers entwickelte sich in den verschiedenen europäischen Staaten eine vom Interventionismus geprägte wirtschaftspolitische Praxis…Gemeinsames Merkmal merkantilistischer Wirtschaftspolitik ist das Streben nach größtmöglicher Förderung der produktiven Kräfte im Inland und der Erwirtschaftung von Überschüssen im Außenhandel.“

          Man produziert absichtlich exportorientiert und erst gar keine Produkte, die im Inland in der Masse nachgefragt wären. Das gilt für Frankreich, später England und das dt. Reich. Die Staatsform war Monarchie und die Untertanen zum Teil noch im Stand von Leibeigenen, was für den Pöbel/Lumpenproletariat oder white trash bis heute gilt. USA 19.Jahrhundert dito. Chinas Wirtschaftswunder -> dasselbe.

          Warum sollte der merkantilistische Staat seine Kaufkraft im Inland schmälern, und seine „Erzieher, Altenpfleger, Müllmänner, Putzkräfte, etc. pp“ besser bezahlen, um Kaufkraft für Import ausländischer Waren merkantilistischer Absicht zu verlieren?
          Die „Erzieher, Altenpfleger, Müllmänner, Putzkräfte, etc. pp“ können doch einen Kredit aufnehmen um dadurch ihre Abhängigkeit von den prekären Arbeiten zu verstärken….das Geld für teurere Wünsche ist doch zinsgünstig?

          Aus dem selben Grund wird der Staat auch keine strukturellen Reformen = Preissenkungen von Beiträgen und Steuern zulassen, weil das seine Kaufkraft ebenso schmälert. Auch hier half die Geldpolitik alle Lücken schließen und den Unternehmern war es egal, solange der Lebensstandard comfortabler war, als ihrer Angestellten – einschl. Zombifizierung.

          „Derweil“ setzt der absolutistische Staat seine Zinsgewinne, Leistungsbilanzüberschüsse und Steuerrekordeinnahmen so ein, wie es dem jeweiligen Adel beliebt. Man fördert und verdammt…nach gusto und holt sich regelmäßig die Legitimation für seine Späße – bis hin zur Grenzöffnung, alles TINA.
          Für Madame Merkel war der Friedensnobelpreis beinahe greifbar, die EU hat ihn bekommen. Man rettet das Weltklima, den Weltfrieden, Europa…..die dritte Welt…etc. pp.

          „Die“ haben das geschafft und ihre Anhänger verdammen den Monarchismus im demokratischen Gewand als „entgrenzten Kapitalismus seine hässliche Fratze der Gier.“

          Demnächst vielleicht der Markus in diesem Theater, die Corona ist nah.

          Wer glaubt soziale Fürsorge und Bildung wären der Unterschied zum Absolutismus der Renaissance der glaubt auch ein Landwirt würde nie dazu lernen. Tatsächlich sprießen die Gewinne aus den Sozialsystemen, dass der Adel im Spätmittelalter noch neidisch werden könnte.

          (Nur im Kapitalismus gibt es private Haftung, in allen anderen Formen kollektive.)

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          Außenhandelsgewinne um einen Krieg zu führen haben wenigstens einen Grund, wenn ich ihn auch schlecht finde.

          Außenhandelsgewinne in Dauerschleife, wenn man nicht vor hat, einen Krieg zu führen, sind vor allem eins: Blöd. Denn sie sind ein WohlstandsVERLUST für die übergroße Mehrheit (minus der kleinen Minderheit derjenigen, die sich das Geld einsacken und denen egal ist, ob jemand anderes dafür hätte Waren kaufen können oder wollen).

          Heute macht man derlei Überschüsse auch nicht mit ausschließlich für den Export bestimmten Waren, die sonst niemand macht und im Inland auch sonst keiner kaufen würde. Dafür haben zu viele andere zu weit aufgeholt, als dass dies möglich wäre.

          Man braucht schlicht das „beste Preis-Leistungs-Verhältnis“ oder genauer ausgedrückt: In internationaler Währung gerechnet die besten Lohnstückkosten unter allen potenziellen Konkurrenten. Und zwar GESAMTwirtschaftliche Lohnstückkosten. Und in diese spielt der Wechselkurs mit rein, wenn es denn einen gibt…

          Wie erreicht man das? Der Quotient Industrie/Dienstleistung möglich hoch, am besten kombiniert mit „gemäßigter“ Bezahlung in den niedrig qualifizerten Dienstleistungen (Erziehen muss man nichts können, kann jeder. Genau so wie Alten den Hintern abwischen). Bezahlung richtet sich ja nach den Fähigkeiten, besser der individuellen Produktivität. Was leistet denn so ein Hinternabwischer?

          Ich rede auch nicht darüber, was der Staat tun WIRD (jedenfalls nicht hier im Subthread mit Ihnen). Ich sage, was er KÖNNTE und SOLLTE, sofern man als Ziel eine bessere Wirtschaft für’s Volk unterstellt.

          Und Steuersenkungen am unteren Ende zu den Kosten, dass er sich dann halt verschulden muss (muss bei sparenden Unternehmen sowieso passieren), ist ziemlich oben auf der Agenda. Also, auf meiner, die keinen interessiert.

          BTW: Was passiert eigentlich, wenn einer der originellen Menschen, die US-Präsident werden können, auch mal auf die andere Seite der Bilanz will und den Dollar kräftig abwertet? Da fliegen manchen Exportisten internationale Kostenvorteile über Nacht um die Ohren. Und dann?

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          Sie haben Probleme die Macht des ersten Buchungssatzes gedanklich zu zulassen.
          Denn das Geld gegen Staatsanleihe muss ausgegeben werden. Maximale Kaufkraft haben die Ersten am Tresen der Zentralbank und Kaufkraft bedeutet Macht zu steuern.

          Zitat Debitismus:
          „Der Staat als Abgabenmonopol-Macht plus Macht auf künftige Zwangsabgaben ziehen zu können plus Monopolgeld-Definierer plus Monopol-Notenbank-Eigentümer hat alles in der Hand.“

          „Alles“ endet nicht beim Geld sondern erstreckt sich auf die Monopole=Deutungshoheit über:
          – Bildung
          – Information
          – Gesundheit
          – Forschung
          – Bewegungsfreiheit

          Alle tabu´s die in den Jahren seit Ausbruch der Finanzkrise 2007 gebrochen wurden, drehen sich um diese Monopole. Zweifel sind nicht erlaubt, sondern Glauben gegen Tatsachenwahrheit.

          Die Weltleitwährung ist genauso nicht inflationierbar, wie der Euro – man kann Währungen nur zerstören, aber jede Schrumpfung ist Deflationär. Gegen die Zerstörung der Währungen sprechen obige Monopole für die Deflation alle übrigen Tatsachen.

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        Thomas M. sagte:

        >Kausalitätsbetrachtungen werfen die Frage auf, WARUM Unternehmen eigentlich in so großem Umfang so wenig Gewinn generieren, dass Zinserhöhungen sie lebensbedrohlich träfen und WARUM gleichzeitig(!) der Unternehmenssektor (also das volkswirtschaftliche Aggregat) trotzdem netto spart (also mehr Geld einnimmt, als er ausgibt, wobei Tilgung nicht als „Ausgabe“ in diesem Sinn gilt).

        >Die Gleichzeitigkeit dieser zwei intuitiv widersprüchlichen Phänomene ruft nach einer Analyse, die von der Zombifizierungsthese nicht gegeben werden kann.

        Die scheinbare Widersprüchlichkeit löst sich auf, wenn man die Unternehmen einzeln betrachtet. Es gibt Unternehmen und ganze Branchen (z.B. Shale Oil, viele US-Retailer), die nur durch niedrigen und sinkenden Zins für Kredite am Leben gehalten werden, und es gibt Unternehmen, die Netto-Sparer sind und keine lohnenden Investitionsprojekte finden (z.B. Apple als großes Beispiel) und/oder jedes Jahr hohe Dividenden aus Gewinnen ausschütten und diese sogar sukzessive steigern. Das sind Pole eines Kontinuums. Letztere dürften auch eine Zinserhöhung problemlos verkraften.

        Zombies am Leben zu halten oder zumindest nur langsam und nacheinander sterben zu lassen, könnte geboten sein. Siehe hierzu Post (hoffentlich) oben…

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          Christian Anders sagte:

          @Thomas M.

          „[…] die Netto-Sparer sind und keine lohnenden Investitionsprojekte finden (z.B. Apple als großes Beispiel) und/oder jedes Jahr hohe Dividenden aus Gewinnen ausschütten und diese sogar sukzessive steigern.“

          Was ausreicht, den gesamten Sektor der Unternehmen zum Nettosparer zu machen. Wie sollen Schulden produktiv arbeiten, wenn sie nicht dort akkumuliert werden, wo die Innovation gemacht wird? Antwort: Gar nicht. Dann sind auch keine Zinsen zahlbar und die ZBs ziehen runter, um das System nicht abk***en zu lassen.

          Wieso gibt es keine Investitionsprojekte?

          Nun ja, wenn man dauernd Dividenden erhöht oder sogar eigene Aktien zurückkauft, beschert man damit Einkommen an Stellen, wo es nicht nachfragewirksam nach Konsumgütern ist, was zu weniger Nachfrage nach Investitionsgütern zur Herstellung von Konsumgütern führt, was zu… usw.

          Vielleicht gäbe es ja Gründe zum Investieren, wenn die Gewinne sich durch sowas banales wie Gehaltszahlungen an viele Menschen verteilen würde, die damit dann einkaufen?

          (Ja ich weiß, das beißt sich völlig mit betriebswirtschaftlicher Kostenlogik und dem Shareholder Value Prinzip. Schon klar.)

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          ruby sagte:

          @ CA
          Gewinnbeteiligung für Beschäftige also Gewinnrücklagen auf Lohnquoten wurde von Gewerkschaften immer abgelehnt, weil die Risikotragung nicht durch die Arbeitenden getragen werden soll, stattdessen sofort höchstmöglicher Lohn und Lob der Tarifvertretung.
          Dann wurden die Gewerkschaftler von der Unternehmensleitung einfach korrumpiert, damit geringsten Lohnsteigerungen höchstmögliche Gewinnanteilsausschüttungen folgen – ein Zweckbündnis mit niedrigster Innenfinanzierung des Unternehmens.
          Sie würden als einsamer Rufer in den Werkhallen umherirren…

        • Avatar
          Thomas M. sagte:

          @Hr. Anders: „Nun ja, wenn man dauernd Dividenden erhöht oder sogar eigene Aktien zurückkauft, beschert man damit Einkommen an Stellen, wo es nicht nachfragewirksam nach Konsumgütern ist, was zu weniger Nachfrage nach Investitionsgütern zur Herstellung von Konsumgütern führt, was zu… usw.“

          Die Schwarz-Weiß-Sicht trifft nicht zu. Es gibt genügend Haushalte, die betriebliche Altersvorsorge mit Aktien betreiben oder individuell in Aktien investieren und durch Dividenden laufend oder im Alter Kaufkraft erhalten – okay, vielleicht nicht gerade in Deutschland.

          >Vielleicht gäbe es ja Gründe zum Investieren, wenn die Gewinne sich durch sowas banales wie Gehaltszahlungen an viele Menschen verteilen würde, die damit dann einkaufen?

          Mal am Rande hierzu, weil da was bei Ihnen mitschwingt… Ich weiß nicht, wie größere deutsche Unternehmen Steuern auf Gewinne zahlen. Als (kleines Dienstleistungs-) Unternehmen werden z.B. roundabout 50% Steuern gezahlt, bis das Geld beim Gesellschafter ist (und dann ist es noch nicht ausgegeben). Ich denke, damit sind die „vielen Menschen“ schon ganz gut am Gewinn beteiligt.

          Im Übrigen sind die Mitarbeiter bei den Dividenden-Aristokraten sicherlich nicht eben die, die wegen Lohndumping darben müssen. Interessanter wären da die Zulieferbetriebe im In- und Ausland, die die schöne Rendite ermöglichen.

          Im Übrigen kann ich nur immer wieder darauf hinweisen, dass die Käufer (B2C und B2B) nicht eben Heilige sind, die sagen: „Ach, ich will doch, dass es Euch auch gut geht. Mach den Preis was höher, dann kannst Du auch den Mitarbeitern was mehr zahlen.“ Da wird schön professionell über Einkauf in Bieterverfahren der Preis gedrückt und Joe Six-Pack wählt bequem über Portal den billigsten aus.

          In Deutschland – extrem nervig – wird IMMER der Kapitalismus und das böse Unternehmen als Quell allen Übels identifiziert. Mein Tipp: Mal ganzheitlich ans Thema ran.

          Meine Meinung: Das Sytem Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die (verhaltensbezogenen) Werte der Systemnutzer.

        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Thomas M.

          „Meine Meinung: Das Sytem Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die (verhaltensbezogenen) Werte der Systemnutzer.“

          Natürlich ist das Verhalten der Systemnutzer das Problem. Kapitalismus gibt es auch bei ganz anderem Verhalten – dann mit weniger oder auch mehr Problemen.

          Zu Ihrer Frage, ob da was bei mir mitschwingt (aka „böse“ Unternehmer als recht deutsche Sicht).

          Nö. Das Problem ist eine Entkopplung IM Unternehmenssektor zwischen KMUs und Konzernen.

          Einen großen Teil des Desasters verantwortet die Verquickung von Politik mit Konzerninteressen, die dann die dollsten Steuermodelle legal fahren können, die kleineren Unternehmen verwehrt bleiben (so lange man so klein ist, keine eigene Steuer- und Rechtsabteilung dafür rentabel im Betrieb zu haben).

          Dort geht viel Geld „verloren“, dass ansonsten zu Entlastungen anderswo zur Verfügung stünde.

          „Die Schwarz-Weiß-Sicht trifft nicht zu. Es gibt genügend Haushalte, die betriebliche Altersvorsorge mit Aktien betreiben oder individuell in Aktien investieren und durch Dividenden laufend oder im Alter Kaufkraft erhalten – okay, vielleicht nicht gerade in Deutschland.“

          Ich wollte mit dem „schwarz-weiß“ auf was anderes hinaus.

          Ob Renten oder Sozialleistungen jetzt per Umlage oder durch Dividenden finanziert werden: Genommen wird einfach ein Teil der vorhandenen Produktivität und dann umverteilt – nach zwei völlig unterschiedlichen Schlüsseln/Anrechtsverfahren.

          Der Unterschied ist die extrem unterschiedliche Wirkung auf die Nachfrageseite, die den Kapitalstock, den man da in beiden Fällen anzapft, „pflegt“. Während direkte Umlage großteils in Nachfrage durchgereicht wird, ist Aktiensparen tatsächlich ein Sparmodell im Sinne einer Senkung der Geldumlaufgeschwindigkeit – es wird „für später“ was zurückgelegt (nicht bei jedem gleichzeitig, aber im Schnitt über alle). Das gibt ein NEGATIVES Feedback auf den Kapitalstock, dessen Produktivität die Dividenden erwirtschaften muss – etwas, was beim Umlageverfahren anders ist. Dieses hat dafür andere Probleme.

          Das wird aber oft nicht mitgedacht, wenn man die beiden Arten der Vorsorge gegeneinander abwägt.

          Ihren Tipp „ganzheitlich ans Thema ran“ VERSUCHE ich ja ständig umzusetzen, weshalb ich solche größeren Zusammenhänge ins Spiel bringe.

        • Avatar
          Thomas M. sagte:

          @CA: Mit Ihren Differenzierungen kann ich mich durchaus anfreunden bzw. nehme diese ähnlich war.

          Eine kleine Anmerkung zu: „Natürlich ist das Verhalten der Systemnutzer das Problem. Kapitalismus gibt es auch bei ganz anderem Verhalten – dann mit weniger oder auch mehr Problemen.“

          Das ist meinem Eindruck nach keineswegs Alltagswissen ;)

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >Ohne KreditGEWÄHRUNG überleben sehr viele, auch Nichtzombies nicht. Es geht um evtl. Zinssteigerungen durch Anschlusskredite – was eine Definition „des richtigen“ Zinses eigentlich voraussetzt.>

        Erster Satz ist natürlich richtig.

        Zum zweiten habe ich gestern @ Wolfgang Selig etwas dazu geschrieben.

        Demnach bedarf es nicht einer Definition des „richtigen“ Zinses, um Zombieunternehmen zu DEFINIEREN.

        Die Frage ist, ob Unternehmen einen Anschlusskredit zu welchen BEDINGUNGEN auch immer brauchen oder nicht brauchen, um überleben zu können.

        >Die Gleichzeitigkeit dieser zwei intuitiv widersprüchlichen Phänomene ruft nach einer Analyse, die von der Zombifizierungsthese nicht gegeben werden kann.>

        Richtig, die Zombifizierungsthese kann sie nicht geben.

        Sie will sie auch nicht geben.

        Sie besagt nur, dass bei BESTIMMTEN, aber nicht allen Unternehmen die FORTWÄHRENDE Kreditgewährung der Mechanismus des Überlebens ist.

        Thomas M. hat das hier dargelegt (11:22).

        >Der einzige Anhaltspunkt ist, dass das Sparen des Unternehmenssektors lange vor geldpolitischen Veränderungen eintrat, dabei Folgen im globalen Wirtschaftsgefüge zeitigte, und DANACH irgendwann die ZBs begannen, eine andere Politik zu betreiben.>

        Ob der einzige oder nicht, es ist OFFENSICHTLICH so, dass einig und in der Folge immer mehr Unternehmen überhaupt nur Gewinne oder hinreichende Gewinne – wie im Renditewettbewerb gefordert – erwirtschaften konnten, wenn sie sich MEHR und eben zu VIEL verschulden MUSSTEN.

        Genau da setzt meine URSACHENBESTIMMUNG an:

        Es gab zu WENIG Nachfrage (relative Gütersättigung, Einkommensstagnation bzw. –schwäche wegen Globalisierung, demografische Entwicklung: durch zu wenig junge Menschen zu geringer Anschaffungsbedarf) bei zu HOHEM Angebot (mit hoher Produktivität durch Automatisierung, auch aufgrund von Importen).

        Die zu geringe Nachfrage sorgte – wenn man so will – für eine „Spreizung“ im Unternehmenssektor:

        Einige Unternehmen waren so renditestark, dass sie sich nicht mehr verschulden mussten und auch nicht mehr investieren wollten, so dass sie die Überschüsse zum Kauf eigener Aktien verwendeten (= der geringen Verbrauchernachfrage NACHGELAGERTES Sparen der Unternehmen).

        Andere Unternehmen mussten sich zunehmend verschulden, um zu überleben und wurden so zu Zombies.

        Wenn die Volkswirtschaft nachhaltig HOHE Wachstumsraten aufweist, was hohe Nachfrage voraussetzt wie in der Regel prototypisch nach zerstörerischen Kriegen, dann gibt es diese Spreizung nicht bzw. nicht in diesem Ausmaß, weil praktisch ALLE Unternehmen durch Wachstum ihre Verschuldung in Grenzen halten oder sie sogar abbauen können.

        Das war schon in den 70er und spätestens in den 80er Jahren nicht mehr der Fall.

        Die sich über Jahrzehnte ABFLACHENDE Kurve der Langfristzinsen ist der Indikator dafür.

        Die Geldpolitik der Notenbanken, soweit sie die „außerordentlichen“ Maßnahmen mit QE betrifft, setzte definitiv SPÄTER ein.

        Antworten
        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @DT

          Dieser Ihre Kommentar hat sich mit Antworten von mir an Alexander und Thomas M. überschnitten.

          Dort greife ich auch von Ihnen genannte Punkte auf.

          Deshalb hier nur kurz:

          JA, ich teile Ihre Analyse der Nachfrageschwäche und der Spreizung IM Unternehmenssektor.

          Bei dieser Spreizung überwiegen aber die „Gewinner“, womit der Sektor in toto halt Sparer wurde.

          Nachfrage habe ich zu jenem Absatz von Ihnen:

          „[…] dann gibt es diese Spreizung nicht bzw. nicht in diesem Ausmaß, weil praktisch ALLE Unternehmen durch Wachstum ihre Verschuldung in Grenzen halten oder sie sogar abbauen können.“

          Wenn Sie das täten („abbauen“), gäbe es OHNE ausgleichende Ersatzverschuldung eines anderen Sektors Rezession („in Grenzen halten“ ist was anderes).
          Die Schulden müssen(!) mit dem realen Wachstum IM Unternehmenssektor mitwachsen, soll das Modell „Investition dort, wo die reale Innovation gemacht wird“, fortlaufen.

          Ersatzverschuldung kann für einzelne Länder das Ausland machen, für die globale Weltwirtschaft gibt es solches nicht. Dann bleiben Private, Unternehmen, Staat.

          Das Ausland kann für andere aber rein logisch kein ewiger Neuschuldner sein, siehe EWU. Das Ganze hat also Grenzen, hinter denen Rezession und Depression warten.

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Christian Anders

          >Die Schulden müssen(!) mit dem realen Wachstum IM Unternehmenssektor mitwachsen, soll das Modell „Investition dort, wo die reale Innovation gemacht wird“, fortlaufen.>

          RICHTIG.

          Das ist möglich, hat es gegeben:

          Die Unternehmen müssen mehr produzieren und absetzen, was nach WK II der Fall war aufgrund der Nachfrage nach innovativen langlebigen Gebrauchsgütern (Automobilien, Röhren-TVs, Waschmaschinen, Kühlschränken etc.) mit GLEICHZEITIG sich ausweitender Beschäftigung, was wiederum Einkommen und Nachfrage generiert hat.

          Es kann dabei INNERHALB des Unternehmessektors, aber – ganz richtig, NICHT im Gesamtsystem – zu einem Abbau von Verschuldung kommen.

          Über die Jahre hinweg hat sich dann ja auch die Verschuldung des Staats AUFGEBAUT.

          Westdeutschland 1970:

          Die Staatsverschuldung betrug ca. 20% vom damaligen BIP.

          UND:

          Wenn Inflation herrscht, was in jenen Jahren AUCH der Fall war und in aller Regel immer dann der Fall ist, wenn Vollbeschäftigung erreicht wird und diese zu kostensteigernden Lohnerhöhungen führt, werden bestehende Schulden ENTWERTET.

          Entwertung ist NICHT Entschuldung.

          Aber Entwertung HILFT, Schulden zu tragen.

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      Phil Steiger sagte:

      Ich verstehe nicht wieso dieses billige Geld für die Zombiefizierung verantwortlich ist.
      Jedes Unternehmen was jetzt einen Kredit zahlen muss, hat doch ähnliche voraussetzungen: Niedrige Zinsen.
      Wettbewerb ist ja immer noch möglich, auch unter den gleichen Voraussetzungen. Geld ist für alle gleich billig.
      Wir reden jetzt nur von einem geringern Zinsniveau.
      Billiges Geld ist gerade in Essetwerte, den Aktienmarkt, Edelmetalle und Immobilienmarkt aufgebläht.
      Davon haben aber auch wieder all die Unternehmen die mit Aktien handeln oder gehandelt werden alle ähnlich profitiert.
      Das dieses billige Geld irgendwo Blasen bildet kann ich nachvollziehen. Das Banken, geschwächt aus der Krise 2008/2009, aber das Geld an nicht mehr wettbwerbsfähige Unternehmen geben, ist doch das Problem einer falschen Umgang mit Geschäftsbanken.
      Billiges Geld hin oder he. Wenn eine Bank einer Firma einen neuen Kredit gibt den sie nicht zurückzahlen kann, tut man dem billigen Geld unrecht. Das ist kriminell, vom Unternehmen wie der Bank.
      Wenn das dann die nächste Blase ist kann ich das nachvollziehen, die liegt aber nicht im Zins sondern darin das Banken zu wenig Eigenkapital haben und zuviele faule Kredite haben und hatten.
      Billiges Geld kann vernünfitg oder nicht vernünftig eingesetzt werden. Das ist ehe eine Frage von Regulierung und Kontrolle.

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        Richard Ott sagte:

        @Phil Steiger

        „Wettbewerb ist ja immer noch möglich, auch unter den gleichen Voraussetzungen. Geld ist für alle gleich billig.“

        Würden Sie das auch noch sagen, wenn die Zentralbank zum Beispiel die Anleihen von einer Zombie-Firma aufkauft, die ein direkter Wettbewerber von Ihnen ist – während Sie gar keine Anleihen am Kapitalmarkt begeben haben weil Sie das als Nicht-Zombie nicht brauchen beziehungsweise sowieso zu klein für Anleihen am Kapitalmarkt sind?

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          Phil Steiger sagte:

          Kauft die EZB nicht Staatsanleihen? Die EZB kauft doch keine Anleihen von Firmen oder?
          Des weiteren kann ich dann als Konkurrent gleiches System nutzen. Wenn ich aufholen möchte. Das heißt lässt sich mein Konkurrent von seiner Zentralbank subventionieren, muss ich zu sehen wie ich auch an den Topf komme. Solang dort nicht nur geschmiert wird, sondern die Gieskanne alle Unternehmen gleich erwischt ist das doch nicht Wettbewerbs verzerrend.

          Ich verstehe den Punkt das es falsche Anreize setzt, da Geld eher für Konsum/ Gewinnsteigerung und nicht in Innovation umgesetzt wird. Wo aber die Wettbewerbsverzerrung stattfindet weiß ich nicht.
          Würden wir wieder die Zinsen anhben, was wäre die Folge?
          Entweder kippen alle Zombies gleichzeitig um, ODER sie kippen wieder genauso um wie vorher: ca. 2% im Jahr.
          Denn sobald ein Zombie in der Branche umkippt, hat ein anderer Zombie wieder die Möglichkeit auf mehr Marktanteile. Und hält wieder etwas durch.

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          Richard Ott sagte:

          @Phil Steiger

          Sowohl EZB als auch die amerikanische Zentralbank kaufen mittlerweile auch Firmenanleihen. Aktuell wird bei der EZB meines Wissen immer noch darüber diskutiert, ob auch Ramschanleihen (also welche von Schuldnern mit schlechter Bonität) Teil des Anleihekaufprogramms werden sollen. In den USA ist das mittlerweile der Fall.

          https://www.finanzen.net/nachricht/anleihen/corona-hilfe-ezb-prueft-anscheinend-aufkauf-von-firmenanleihen-mit-ramschstatus-8845823

          Und beispielsweise die solide deutsche Fintech-Firma Wirecard hat doch einen dringenden Finanzbedarf in Höhe von mindestens 1,9 Milliarden Euro, nicht wahr? ;)

          „Das heißt lässt sich mein Konkurrent von seiner Zentralbank subventionieren, muss ich zu sehen wie ich auch an den Topf komme. Solang dort nicht nur geschmiert wird, sondern die Gieskanne alle Unternehmen gleich erwischt ist das doch nicht Wettbewerbs verzerrend.“

          Damit Sie überhaupt für den Kapitalmarkt interessant werden, müssen Sie schon ein Anleihevolumen von mindestens 10 bis 20 Millionen Euro (natürlich mit einem Mal, nicht auf mehrere Jahre verteilt oder so) aufnehmen, alles darunter ist dafür zu popelig – und selbst in dieser Größenordnung gelten Sie noch als absoluter Kleinkrauter.

          Eindeutig eine Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten aller kleineren und mittleren Unternehmen.

        • Avatar
          Phil Steiger sagte:

          @ Richard Ott
          Vielen Dank für die Ausführung, das die EZB Firmenanleihen kauft war mir neu. Und am Fall Beispiel Wirecard ist mir das Problem jetzt denke ich eher bewusst geworden. Danke.

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      Felix sagte:

      Wenn der Zinssatz nicht frei ist, sich durch Angebot und Nachfrage von Geld zu entwickeln (und er ist nicht frei, solange die Zentralbanken genügend werthaltige Substanz haben, um ihren Wunschzins am Markt zu manifestieren), sondern künstlich niedrig gehalten wird, hat dies logischerweise zur Folge, dass Geld auch für Zwecke eingesetzt werden kann, für die es sonst nicht eingesetzt werden könnte.
      Positiv gesehen, kann z.B. Pfizer oder Clinuvel (oder oder) so Geld investieren, um ein Heilmittel für eine seltene Krankheit zu finden, das sich sonst nie refinanzieren könnte. Negativ gesehen, würden wir immer noch mit Pferdefuhrwerken herumfahren, wenn schon die Reichsbank 1871 damit angefangen hätte.

      Es tut mir leid, dass sagen zu müssen, aber so einfach ist es eben.

      Theoretisch, denn praktisch ist es leider schlimmer. Legen Sie einmal die Dilbertsche Überprüfungsschablone an: Was ist wahrscheinlicher? Das Pfizer sich nun aufmacht, um noch mehr Geld mit blauen Pillen zu verdienen, oder das Pfizer ein paar hundert Millionen riskiert, damit 1000 Menschen wieder ans Tageslicht können?

      Antworten
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        Phil Steiger sagte:

        Die Frage ist ob Pfizer lieber von einem chinesischen Konkurrenten abgehängt werden will oder nicht?
        Der Wettbewerb bleibt durch Niedirgzinsen doch nicht stehen. Und ich habe das gefühl das viele Unternehmen in der westlichen Welt, gerade nicht so wirklich innovationsfreudig sind, obwohl man es sein müsste, denn China wird in Zukunft mit einer extrem guten Bildung/ Marktmacht und auch praktischem Know-How glänzen.
        Wenn dann unsere Unternehmen nur die Taschen voll Geld haben und keine Lösungen ist das Geld bald nicht mehr viel wert. Dann können wir gegnüber dem Yuan abwerten.
        In China bekommt die Zentralregierung es irgendwie hin, Unternehmen zu fördern und zu pushen und damit den ganz großen Konkurrenz zu machen. Europa schaut zu.

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          Felix sagte:

          @ Phil Steiger

          Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an. China schützt allerdings seine eigenen Firmen auf dem Heimatmarkt, bis sie eine Größe erreicht haben, dass sie international kaum noch Konkurrenz fürchten müssen. Im Gegenzug ist jeder chinesische Firma rechtlich ein Agent der chinesischen Regierung. Beides ist im freien Westen unmöglich. Meiner Meinung nach, hätte man dieses China nie so offensiv einbinden und fördern dürfen, aber auch hier haben sich wieder einige wenige die Taschen noch voller gemacht.

          Pfizer hilft billiges Geld aber trotzdem nicht. Pfizer (und alle anderen) müssen angestachelt sein, innovativ zu sein. Neue Hilfen und Lösungen zu finden, die viele Menschen weiterbringen. Wenn das Geld vom Himmel fällt ist das Leben einfach. Das mag für einen Menschen eine Zeit lang schön sein, aber für eine Firma unter Konkurrenzdruck ist es tödlich.

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        Phil Steiger sagte:

        Wenn die Unternehmen mit billigem Geld nichts anfangen können, dann kann man diese doch auch unter Druck setzen. Und ihnen Geld entziehen. Muss man das mit einer Zinserhöhung machen?
        Man kann auch die Löhne erhöhen. Was ja auch zu mehr Nachfrage führt.

        Das man Substanz besteuert halte ich für die schlechteste Variante. Besser die Bürger treffen Kaufentscheidungen und nicht der Staat.

        Antworten
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          Felix sagte:

          Den Unternehmen durch Intervention „Druck machen“ und andererseits die Bürger selbst über ihr Geld entscheiden zu lassen, widerspricht sich. Entweder, sie lassen den Markt die Dinge regeln und sorgen als Staat lediglich für die Einhaltung der Rechtsstaatlichkeit, dann bildet sich der Zins am Markt und der Bürger entscheidet über sein Geld, ober man greift interventionistisch ein um ein gewünschtes Ergebnis zu bekommen – was aller Erfahrung nach schief geht.

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          Phil Steiger sagte:

          Einen Marktzins gibt es meiner Meinung nach nicht. Die Vorstellung das Marktkräfte einen Preis für Geld festsetzen halte ich für zu stark verkürzt. Die wurden bis jetzt immer von Notenbanken bestimmt, genauso wie der Wechselkurs. Diese Entscheidung trifft eine Notenbank sicherlich aus Modellen die nach Marktprinzipien funktionieren, es wird nicht einfach irgendetwas enschieden.

          Zins ist immer erstmal ein Versprechen, das man Erträge erwirtschaften kann mit denen man dann den Zinsdienst und Kredit bezahlen kann.
          In einem System, in dem Geld auch von Banken (einschließlich der Zentralbank) geschaffen und den Investoren zur Verfügung gestellt wird, muss niemand auf etwas verzichten, wenn ein anderer investieren will. Wofür aber ist der Zins dann der Preis?
          Der langfristige Zins ist vom kurzfristen Zins der Zentralbanken, stark abhägnig, weil die Zinserwartungen sich auch immer am kurzfrisitgen Zins festmachen. Wenn man die Inflation steuert, steuert man Inflationserwartungen und damit auch Zinserwartungen.

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          ruby sagte:

          @ Phil
          Zum Zins finden Sie bei Dr. Menendez (soffisticated)
          und Herrn Stöcker (Zinsfehler)
          viele Erläuterungen und Zusammenhänge.

          Alleine der Ausfall der Forderungen und die Zwänge zur Kompensation der Wertberichtigungen sind Druck genug, Innovationen und Optimierungen zu suchen.

    8. Avatar
      Wolfgang Selig sagte:

      bto: „… firms which were not able to cover their interest expenses out of their pre-tax earnings.“

      Die Definition klingt eindeutiger als sie m.E. ist. Denn wie hoch sind denn „interest expenses“? Nimmt man auf die zuletzt gezahlten Zinsen Bezug? Auf die Zinsen ohne Notenbankeingriffe, als den „natürlichen Zins“? Auf ein worst-case-Szenario mit – horribile dictu – gar steigenden Zinsen wie vor 40 Jahren unter Paul Volcker? Was ist mit der Zinsbindungsdauer? Der Streuung derselben bei großen Kreditnehmern? Der Verletzung von loan-covenant-Klauseln?

      Ich behaupte daher mal Folgendes:

      Die industriellen Überkapazitäten in Verbindung mit steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Verbrauchereinkommen konterkarieren seit Jahren die steigende Geldmenge durch sinkende Geldumlaufgeschwindigkeit bzw. der Entstehung einer asset bubble. Was aber passiert, wenn dieser Effekt an sein natürliches Ende kommt? Wenn die Preise von Verbrauchsgütern nicht mehr sinken, sondern steigen so wie aktuell schon bei Aktien, Oldtimern, Gold und Grundstücken? Und dann die Leute das Geld nicht mehr halten wollen, sondern so schnell wie möglich in Sachwerte investieren oder wenigstens konsumieren wollen, weil ein Notgroschen oder eine Altersvorsorge ohne Kaufkraft derselben sinnlos ist? Dann MUSS der Zins steigen, wenn man die Geldumlaufgeschwindigkeit bremsen will, bevor sie ein sich selbst verstärkender Teufelskreis wird. Und dann bin ich gespannt, wie viele „Zombies“ es wirklich gibt, denn dann verliert auch die Notenbank einen Teil ihrer Macht, denn dann werden alternative Wertaufbewahrungsinstrumente attraktiver bzw. Wertaufbewahrung so erschwert, dass kaum einer mehr was aufbewahren kann. Ich denke nicht, dass das aktuell irgendjemand seriös sagen kann, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Mir gefällt die ganze Richtung nicht besonders oder wie die Amerikaner sagen: „there is no such thing as a free lunch.“ Mich beeindruckt der Beitrag von Herrn Ott hier am meisten.

      Antworten
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        Axel sagte:

        @Wolfgang Selig

        „Dann MUSS der Zins steigen, wenn man die Geldumlaufgeschwindigkeit bremsen will, bevor sie ein sich selbst verstärkender Teufelskreis wird. Und dann bin ich gespannt, wie viele „Zombies“ es wirklich gibt“

        Wer sind denn eigentlich „Die Zombies“?
        Es wird immer ominös rumgedruckst, Ross und Reiter werden nicht genannt!

        Wenn die Umlaufgeschwindigkeit -menge wieder steigt, steigen dann nicht auch die Einnahmen der Zombies, so daß sie wieder profitabel arbeiten und sogar einen Zinsanstieg problemlos überstehen?

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          Felix sagte:

          @ Axel

          Rein technisch sind alle die Zombies, die bei einem höheren Zins ihre Zinskosten nicht erwirtschaften können. Wer Zombie ist, hängt also davon ab, wie niedrig der Zins ist und was die Rechnungslegung der Unternehmen ausweist.

          Kurzfristig scheint ein niedriger Zins günstig. Doch desto länger Zinsen sehr niedrig sind, umso mehr Zeit steht für Innovation zur Verfügung, die aber gebremst wird (Kapital und Arbeitskräfte sind bei den „Zombies“ gebunden). Irgendwann wird ein Punkt erreicht, an dem auch der niedrige Zins ein veraltetes Unternehmen nicht mehr retten kann. Diesen Punkt kann man nicht errechnen, noch weniger kann man ihn für eine gesamte Volkswirtschaft errechnen. Jede Berechnung wäre lächerlich Unterkomplex. Was man aber aus Erfahrung sicher sagen kann: irgendwann wird er erreicht.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Ich sehe nicht das Problem einer NICHT eindeutigen Definition von „interest expenses“.

        Aus Sicht der Unternehmen ist doch klar:

        Zinsen sind, was sie sind und Ausgaben sind, was sie sind.

        Das ist bei „Zinsen“ genau bestimmt, egal wie sich die Zahlungen jeweils ergeben.

        Und was „pre-tax earnings“ sind, ist auch klar – dem Prinzip nach jedenfalls, wenn auch mit Spielräumen bezüglich ihrer Ermittlung. Denn wie die Unternehmen gestalterisch abschreiben, geht in die Ermittlung ein.

        Der Zusammenhang ist jedenfalls unstrittig:

        Unternehmen die eine zu hohe Zinslast tragen – sei es wegen zu hoher Verschuldung und/oder zu hoher Zinssätze – sind zahlungsunfähig, weil eine zu hohe Zinslast die pre-tax earnings drückt und ZUGLEICH die Ausgaben steigert.

        Sie sind daher pleite.

        Banken wären es durch zu hohe Abschreibungen auf die Kredite der pleite gegangenen Zombie-Unternehmen.

        Abhängig von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ist die Aussage, dass durch Zombifizierung Pleiten verhindert werden, gültig.

        Sie fragen:

        >Was aber passiert, wenn dieser Effekt an sein natürliches Ende kommt?>

        Dieser Effekt hat DIREKT nichts mit der Zombifizierung zu tun.

        Er bezieht sich darauf, dass zu viel Geld zu viele Güter nachfragt und das Vertrauen in die Währung erodiert mit stark steigender Inflation letztlich auch bei den Verbraucherpreisen.

        Das betrifft die Zombies – Banken und Unternehmen der Realwirtschaft – wie alle anderen.

        Wenn das der Fall ist, dürfte es kaum interessieren, wie viele Zombies es trifft.

        Die spannendere Frage ist m. A. n.:

        Wenn die oder eine fortwährend mehr LIQUIDITÄT schaffende Geldpolitik der Notenbanken NOTWENDIGE Bedingung für die Zombifizierung ist und diese aus Gründen, die C. Anders genannt hat, NICHT aufgegeben werden kann, tritt dann das von Ihnen genannte Szenario UNABWENDBAR ein oder kann es verhindert werden?

        Bei der Beantwortung dieser Frage bin ich mit meiner Einschätzung bei Ihnen.

        Antworten
        • Avatar
          Axel sagte:

          @Dietmar Tischer exklusiv

          Am 15.07.20 schrieben Sie:

          Drogenabhängigen, die mit ihren „unsagbaren Erfahrungen“ Mystikern gleichzustellen sind, nimmt NIEMAND einen derartigen Anspruch auf Erkenntnis ab – ausgenommen jene wenigen, die wiederum Drogenabhängige sind und Erfahrung mit Erkenntnis gleichsetzen.

          Drogenabhängige vertreten in aller Regel diesen Anspruch nicht, sondern beziehen sich lediglich auf ihre Erfahrung.

          Denken Sie einmal nach über die Position nach, die Sie einnehmen

          Ich hatte Ihnen eine ausführliche Antwort geschrieben, die jedoch nicht das Licht der Welt erblickt hat. Stattdessen: Sooo einfach ist die Sache nicht…

          Z.B https://www.youtube.com/watch?v=d2JYQjkQAW0

          Ruhig bis zum Ende anschauen…

    9. Avatar
      Dietram Schneider sagte:

      Natürlich steigt die Zombifizierung durch die EZB-Politik. Hinzu kommt nun auch noch das heute geknüpfte EU-„Hilfspaket“, das ebenso die Zombifizierung vorantreiben wird. Man muss sehen, dass wir bereits – wie auch die Studie zeigt – vor Corona viele Zombieunternehmen zu beklagen hatten. Aber die Zombie- Kaskade reicht viel weiter. Dazu darf ich einige Daten aus meiner Studie (Hochschule Kempten) zitieren: Je nach zugrundegelegter Basis (Insolvenzratendifferenz oder CRIFBÜRGEL) gab es vor der Coronakrise in Deutschland (Stand Februar 2020) zwischen 322.000 und 370.000 Zombie-Unternehmen – im damaligen Szenario auf Basis von CRIFBÜGEL 515.000 (Stand Februar 2020; das sind zwischen 9 und 14% des Gesamtunternehmensbestands in Deutschland). Der Umfang der Zombie-Belegschaften bzw. der Arbeitslosten im Wartestand liegt im mittleren Szenario zwischen 3,7 Mio. und 4,2 Mio.; und zwischen 3,4 Mio. und 3,9 Mio. liegen die Zombie-Haushalte (mittleres Szenario). Von den Zombie-Eliten möchte ich hier überhaupt nicht sprechen (u. a. aufgeblähte Parlamente). U.a. durch Corona bedingt rechne ich ab Herbst mit einer Verdoppelung der Zombie-Zahlen. Übrigens, im Herbst 2019 haben sich zwei Führungskräfte der EZB auf der Plattform der „Welt“ erdreistet einen Artikel mit dem Titel „Die Zombie-Kritik an der EZB ist einfach nur abwegig“ zu schreiben. Wahrscheinlich fand sich kein neutraler fachkundiger „Experte“, um die EZB aus der Zombie-Verantwortung zu nehmen, weshalb die EZB-Vorderen selbst Hand anlegen mussten …

      Antworten
    10. Avatar
      Christian Anders sagte:

      Mich stört an der Zombiediskussion mittlerweile zweierlei:

      Wenn das Ziel eine höhere Inflation ist, was gibt es a) für Alternativen bei Beibehalten der ZB-Politik und b) welche alternativen Szenarien entstehen bei Änderung der ZB-Politik hin zu einer „dezombifizierenden“?

      Dass a) und b) nicht/selten genutzt werden, den Kontext herzustellen, der es überhaupt zulässt, über die Relevanz des Problems zu nachzudenken (geschweige denn über sie zu befinden), stört mich schon, seit ich die Debatte verfolge.

      Denn ohne Klärung, was hier Ursache und was Wirkung oder auch bloß Zwischenzustand ist, ob vollverantwortlich oder teilverantwortlich, und ohne das Mitdenken von „was passiert, wenn.. ( a), b), etc.)“ bleibt das Ganze echter analytischer Kraft entrückt.

      Und, das ist aber mein persönliches Befinden: In jedem Artikel zur Zombifizierung hier auf bto wird darauf hingewiesen, wie unmittelbar einleuchtend das alles ist. Ziemlich schlechtes Argument für die These: Unmittelbar einleuchtend ist auch eine flache Erde statt einer Kugel und dass die Sonne sich um diese dreht. Unmittelbar einleuchtend sind hochfunktionale Theorien mit enormer Erklärkraft wie die Relativitätstheorie: Nicht!

      „Unmittelbar einleuchtend“ ist deshalb eine wertlose Bewertung der Zombifizierungsthese, die sich für mich immer so anfühlt, als solle sie als Prädikat für die Richtigkeit gelten. Das kann sie aber nicht.

      Wenn man überlegt, was der Wegfall der Zombies durch höhere Zinsen für Folgen hätte, fällt auf: Bankenkrise, Arbeitslose hoch, Nachfrage runter, dadurch immer noch keine Inflation sondern eher verschärft das Gegenteil, die durchschnittliche Produktivität steigt EVTL. bei schrumpfender Wirtschaft und nach einem Tal der Tränen gibt es dann EVTL. Wachstum.
      Alles nicht besonders schwer, weder durchschnittliche Produktivitätserhöhung wenn ich am unteren Leistungsende Firmen rasiere, noch zu wachsen, wenn man vorher erstmal einiges kaputt gemacht hat/hat gehen lassen.

      Die sich daraus ergebende Folgerung, wegfallende Nachfrageimpulse zu ersetzen, WENN man denn wirklich gegen die Deflation angehen möchte führt dazu, dass auf die eine oder andere Art der Staat wohl mit riesigen Schuldenprogrammen dies tun muss. Ob über Steuererleichterungen am unteren, besonders konsumfreudigen Ende der Leistungsskala, Erhöhungen der Löhne im ÖD, whatever.
      Oder man drückt politisch die Primärverteilung nach oben und verliert dadurch internationale Wettbewerbsfähigkeit.
      Und wenn man das AUCH ALLES NICHT will, muss man bei der ganzen Zombifizierungsthese bitte auf die anderen möglichen Türen zeigen und begründet erklären, was sich dort hinter verbergen mag. Denn durch irgendeine werden wir durchgehen MÜSSEN, die Zeit hält nicht an.

      Mir ist das Insistieren auf „guck mal hier die Charts, die bilden eine Problematik ab“ mittlerweile zu blutleer. Wir kennen das WHAT. Was ist nun das SO WHAT?

      Antworten
      • Avatar
        Alexander sagte:

        @Christian Anders

        Ihr Problem ist ein weltanschauliches.

        Ohne Aussicht auf Gewinn arbeitet niemand und gründet auch niemand solche Unternehmen, die Arbeitsplätze schaffen. Der Versuch von non-profit Gesellschaften ist seit Ursprung der Idee immer an menschlichen Defiziten gescheitert, der Versuch neue Menschen zu erschaffen immer im „Massenmord derer alten Typs“ geendet.

        Wenn ein Unternehmen mehr Gewinn erzielen kann indem es sich überschuldet, wird die Geschäftsleitung immer mehr Kredite aufnehmen – Arbeitsplätze einrichten und Menschen beschäftigen. Auch indirekt durch Automatisation.

        Der „Markt“ würde dem Grenzen setzen, wenn das Kapital ausfallgefährdet ist und wenigstens höhere Zinsen nehmen. Der Zins ist quasi null und die Ausfallgefahr gebahnt. Jetzt hindert das grenzenlose Wachstum nur noch die Ruchlosigkeit staatlicher Kreditaufnahme zum Erhalt des Ganzen.

        Zombifizierung ist nur eine (1) Beobachtung aus einem bunten Spektrum von Erscheinungen, die unseren Weg kennzeichnen und „so what“ – „voll ins Auge gehen“.

        Por qué?

        -> there is no free lunch.

        Antworten
        • Avatar
          Christian Anders sagte:

          @Alexander

          „Wenn ein Unternehmen mehr Gewinn erzielen kann indem es sich überschuldet, wird die Geschäftsleitung immer mehr Kredite aufnehmen – Arbeitsplätze einrichten und Menschen beschäftigen.“

          Meinen Sie wirklich ÜBERschuldet und nicht einfach VERschuldet?

          Ansonsten ist Kredit überhaupt keine ausreichende Bedingung für Gewinne, Gewinne aber eine notwendige Bedingung, um Sicherheiten für neue, höhere Kredite zu schaffen.

          Man muss sich also angucken, WAS ALLES Gewinne generiert und da zweifelsfrei die abgesetzte Menge von was auch immer dazu gehört, kommt man um das (für einige Leute böse) Wort Nachfrage nicht herum. Wie entsteht diese eigentlich – kann man auch zu NIEDRIG bezahlen gesamtwirtschaftlich (was ja erstmal ein Kostenvorteil der Wirtschaft ist) und so die notwendige Nachfrage der Arbeitnehmermasse ZU klein halten (woran misst man dann dieses „zu“?) – was hat das für Auswirkungen auf die Schuldner/Gläubiger Verteilung in der Welt – was macht DAS mit den Banken – was machen in Folge die ZBs – was macht das wiederum mit den Sicherheiten…

          Sie sehen, die logische Kette, die sich entspinnt, hat mit Weltsicht nichts zu tun, sondern ist das konsequente Folgen eine Verkettung von Ursache-Wirkungsbeziehungen, um eine Stelle zu finden, an der man zielgerichtet irgendwas bewirken kann, wenn man dort ansetzt.

          Dass eine absolut notwendige Bedingung für Gewinn kaufkräftige Nachfrage ist, und die Unternehmen bei allem Streben nach Kosteneffizienz diese über die Arbeitnehmerentgelte großteils selbst ins System kippen, macht klar, dass Realwirtschaft nicht mal zu Nullzinsen Kredite aufnimmt, wenn sie nicht mehr zu verkaufen erwartet. Dann wird das Umfeld deflationär und innovationsbremsend und investitionsfeindlich. Es braucht halt mehr als Nullzinsen und gibt es dieses „Mehr“ nicht, können die Nullzinsen den deflationären Trend nicht aufhalten.

          (Die hier auf bto immer wieder diskutierte Umdeutung einer Korrelation zu einer Kausalität, gegossen in die Charts, die hier immer gezeigt werden, trägt zur Erhellung dieser Fragen leider nichts bei).

        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Christian Anders

          „Sie sehen, die logische Kette, die sich entspinnt….Dass eine absolut notwendige Bedingung für Gewinn kaufkräftige Nachfrage ist“

          …schreibt jemand, der weiter oben argumentiert:
          „„Unmittelbar einleuchtend“ ist deshalb eine wertlose Bewertung “

          #

          Beim ersten Buchungssatz mit Staatsanleihe gegen Zahlungsmittel, dachte niemand an die Kaufkraft von Kunden.

          Die Rede von Konjunktur und Kaufkraft ist bereits eine der fortgeschrittenen Wirtschaft, wo Unternehmer + Staat + Gesellschaft kein Interesse an deflationärer Korrektur von Überkapazität -> d.h. Preissenkungen haben. Das meine ich mit gesellschaftlichem Konsens strukturelle Reformen nicht zuzulassen.

          Das Geheule um Arbeitsplätze ersetzt keine Innovation als Grundlage von Nachfrage. Wenn die Innovationen ausbleiben muss man eben bescheidener leben, wenn die Preise ihre Zenit erreicht haben. Das gilt für alle Handwerke, nur nicht für Industrien deren politischer Einfluss jede Vernunft ausschalten kann.
          Satte Bürger, die kaum mehr Filets und Brot verspeisen können sind i.O., gesättigte Märkte für Premiumautos, LKW, Flugreisen, Häuser u.v.a.m. sind ein no go, weil das die Systemstabilität gefährdet?

          Hier ist etwas anderes gefährdet.

          Ach ja, Afrika oder Südamerika hätten unendlichen Bedarf (*) – nur nicht auf der Basis dieser Preise. Ohne diese Preise hätten wir ein Wohlstandsproblem, d.h. weniger Rente/Freizeit/Urlaub/Dekadenz…
          (* https://youtu.be/SWt30v35IdA )

        • Avatar
          Richard Ott sagte:

          @Christian Anders

          Vielleicht lassen Sie sich ja durch Beispiele überzeugen. Hier das deutsche Extrembeispiel, wie nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik endet, wenn der Angebotssektor zu sehr vernachlässigt wird:

          „Weil die Reichsregierung nicht mehr in der Lage war, die Reparationen zu bezahlen, kam es zur Ruhrbesetzung durch französische und belgische Truppen. Die deutsche Regierung rief zum „Ruhrkampf“, zum passiven Widerstand gegen die militärische Besetzung auf. ***Um die Streikenden bei Laune zu halten, wurden ihnen entsprechende finanzielle Hilfen ausgezahlt*** – in einer Mark, die sich durch die von der Regierung betriebene Geldvermehrung immer rascher entwertete. Damit begannen die Monate der Hyperinflation, die noch Generationen von Deutschen als Beispiel für die Schrecken einer Inflation verfolgten. Immer schneller vervielfachte sich die Abwertung gegenüber dem US-Dollar, bis schließlich im November 1923 der Kurs für einen US-Dollar 4,2 Billionen Mark entsprach.“
          https://unterrichten.zum.de/wiki/Krisenjahr_1923/Inflation

          [Lustigerweise ist das eine Webseite mit Materialien für den Schul-Geschichtsunterricht mit entsprechend simplen Formulierungen und ganz vielen anschaulichen Beispiel – aber der wesentliche Punkt ist drin: Die 1923er Version vom „Kurzarbeitergeld“ beziehungsweise von der „Corona-Hilfe“ für alle streikenden Bewohner des Ruhrgebiets war ein Musterbeispiel nachfrageorientierter Wirtschaftspolitik, und endete im totalen wirtschaftlichen Zusammenbruch.]

          Schlussfolgerung? Sie müssen jetzt ganz stark sein: Der Traum der Linken vom leistungslosen Einkommen mit gleichzeitiger Selbstverwirklichung als impressionistischer Fingerfarbenmaler oder was auch immer ist leider Blödsinn. Wenn nicht genug produziert wird um die Nachfragewünsche zu befriedigen, dann steigt einfach nur das Preisniveau. Und je üppiger die vom Staat angebotenen Sozialleistungen als Ausfluss der „Nachfrageorientierung“ sind, desto weniger Arbeitswillige lassen sich finden.

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Richard Ott

          Sie präsentieren einen speziellen Sachverhalt und geben den als ALLGEMEINGÜLTIG aus:

          >Wenn nicht genug produziert wird um die Nachfragewünsche zu befriedigen, dann steigt einfach nur das Preisniveau>

          Das ist bestenfalls eine Teilwahrheit, weil „einfach nur“ falsch ist.

          Sie blenden Folgendes aus:

          Wenn nicht genug produziert wird, dann werden c. p. auch NICHT genügend Menschen beschäftigt, um eine Rezession oder – bei dauerhaft struktureller Unterbeschäftigung – eine Depression zu vermeiden.

          Das ist doch DAS Problem in den entwickelten Volkswirtschaften:

          Es wird – unterm Strich jedenfalls – genug produziert und die Nachfragewünsche nicht von allen natürlich, aber von den allermeisten, werden BEFRIEDIGT.

          Die Produktion von Energie, Automobilen, Handys, Nahrungsmitteln etc., etc. läuft doch nach Menge, Qualität und Preis weitgehend zufriedenstellend, aber – wie ich am anderen Thread dargelegt habe als unsere Misere bzw. Problem des Kapitalismus – tendenziell NICHT zufriedenstellend mit Blick auf die Beschäftigung bzw. gewünschte Beschäftigung von Menschen.

          Wenn man LÖSUNGEN sucht, kann u. a. dies erwägen – theoretisch jedenfalls:

          Steigerung der Güternachfrage, um mehr Beschäftigung zu generieren; Senkung der Produktivität im produzierenden Gewerbe, um das Angebot zu verringern und tendenziell mehr Menschen zu beschäftigen; Menschen so beschäftigen, dass sie zwar produktiv sind, etwa als Staatsbedienstete bei der Herstellung von abstrakter „Gerechtigkeit“, aber nicht so produktiv, dass sie das Güterangebot erhöhen;
          Geld jenen Menschen zukommen lassen, die zwar konsumieren, aber nicht oder nicht sehr viel arbeiten wollen, d. h. den Arbeitsmarkt entlasten.

          Die TRADITIONELLE Lösung erhöht die Nachfrage.

          Sie ist ganz sicher nicht die alternativlose Königslösung unter den gegebenen Bedingungen, aber auszublenden ist sie auf keinen Fall.

        • Avatar
          Richard Ott sagte:

          @Herr Tischer

          „Das ist doch DAS Problem in den entwickelten Volkswirtschaften: Es wird – unterm Strich jedenfalls – genug produziert und die Nachfragewünsche nicht von allen natürlich, aber von den allermeisten, werden BEFRIEDIGT.“

          Tja, und wenn Sie das ändern wollen, indem Sie die Produktion senken und die Nachfrage erhöhen, dann steigt das Preisniveau. Konkret auf Ihre Lösungs-Erwägungen bezogen:

          „Senkung der Produktivität im produzierenden Gewerbe, um das Angebot zu verringern und tendenziell mehr Menschen zu beschäftigen“

          Gar kein Problem. Stellen Sie sich mal vor, wie groß die Nachfrage nach Arbeitskräften plötzlich wäre, wenn wir zum Beispiel die Nutzung von Elektrizität im produzierenden Gewerbe verbieten würden! Dann müssten alle Aufgaben wieder per Muskelkraft oder alternativ (vielleicht mit EU-Sondergenehmigung für strategisch besonders wichtige Güter?) per Dampfmaschine bewerkstelligt werden.

          Alternativ könnten Sie auch die Mechanisierung der Landwirtschaft zurückdrehen und dort wieder Pferdefuhrwerke einsetzen, ich habe Ihnen ja schon den Artikel gezeigt, in dem die „Süddeutsche Zeitung“ genau das auch aus „Klimaschutzgründen“ vorschlägt.

          Ein völlig selbstmörderischer Kurs. Glauben Sie, irgendjemand auf der Welt würde unsere Güter dann noch kaufen wollen, wenn sie mit so rückständigen und dementsprechend teuren Methoden hergestellt werden würden?

          „Menschen so beschäftigen, dass sie zwar produktiv sind, etwa als Staatsbedienstete bei der Herstellung von abstrakter „Gerechtigkeit“, aber nicht so produktiv, dass sie das Güterangebot erhöhen“

          Noch mehr Bullshit-Jobs im Staatsdienst?

          „Geld jenen Menschen zukommen lassen, die zwar konsumieren, aber nicht oder nicht sehr viel arbeiten wollen, d. h. den Arbeitsmarkt entlasten.“

          Ruhrkampf 2.0, dieses mal mit blumigerem Marketing ala „Work-Life-Balance“-Orientierung.

          „Die Produktion von Energie, Automobilen, Handys, Nahrungsmitteln etc., etc. läuft doch nach Menge, Qualität und Preis weitgehend zufriedenstellend, aber – wie ich am anderen Thread dargelegt habe als unsere Misere bzw. Problem des Kapitalismus – tendenziell NICHT zufriedenstellend mit Blick auf die Beschäftigung bzw. gewünschte Beschäftigung von Menschen.“

          Da werfen Sie eine interessante gesellschaftliche Frage auf, die über die Probleme hinaus geht, die wir hier normalerweise diskutieren: Was wollen wir mit dem derzeit überreichlich vorhandenen Produktionsfaktor „Arbeit“ anfangen? Fällt uns wirklich nichts besseres ein, als absichtlich unsere Produktivität zu schwächen oder Leute fürs Nichtarbeiten zu bezahlen? (Und wenn diese Problemdiagnose stimmt, wieso importieren wir dann größtenteils ungebildete Migranten von anderen Kontinenten, solange wir in Europa noch Arbeitslosigkeit haben? Etwa um für jeden Migranten mehrere Leute in staatlichen Bullshit-Jobs zu beschäftigen, damit die ihn rund um die Uhr bekümmern können?)

          Mein Eindruck als Unternehmer ist, dass wir eine Menge unerledigter Arbeit haben, die sich auch nur schlecht beziehungsweise gar nicht mechanisieren und automatisieren lässt. Wir werden in ganz Europa wegen unserer demographischen Entwicklung in den nächsten Jahrzehnten viele Millionen zusätzliche Ärzte und Pflegekräfte brauchen – und im Hintergrund eine Menge Leute in unterstützenden Tätigkeiten oder bei der Entwicklung neuer Hilfsmittel, um die Produktivität dieser Fachkräfte möglichst weit zu steigern.

          Wofür definitiv auch Nachfrage da ist und was als Sektor in den nächsten Jahrzehnten auch beschäftigungsmäßig sicher weiter wachsen wird, ist alles, was irgendwie im weitesten Sinne mit Unterhaltung und mit Individualisierung des Aussehens zu tun hat. Schönheitsoperationen, noch mehr Fast-Fashion-Kollektionen in noch mehr verschiedenen Designs von noch mehr verschiedenen Anbietern (was sehr gut für die Textilindustrie in Bangladesch und ein paar Marketing- und Logistik-Spezialisten hier im Westen ist), und sogar komplett virtuelle Güter. Wussten Sie zum Beispiel, dass die Nutzer von dem kostenlosen Online-Spiel „Fortnite“ über 1 Milliarde Dollar echtes Geld pro Jahr dafür ausgeben, um sich in der Spielwelt für ihre Spielfigur lustige Hüte oder alle möglichen anderen Verkleidungen zu kaufen, die gar keinen Spielvorteil bieten aber das Aussehen der Spielfigur individualisieren? Da geht noch viel mehr, wir werden also noch viel mehr Computergrafiker brauchen, die Texturen für diese Gegenstände erstellen und die 3D-Modelle designen, auf die dann die Texturen draufgepappt werden um diese virtuellen Gegenstände zu erzeugen.

          Oder schauen Sie sich mal diese höchst geschäftstüchtige, leicht bekleidete junge Frau an, die es tatsächlich geschafft hat, tausende Portionen ihres Badewassers (!) für 30 US-Dollar pro Döschen an ihre „Fans“ auf der ganzen Welt zu verkaufen, mit Vermarktung nur über das Internet. Ich würde schätzen, dass die locker einen siebenstelligen Umsatz pro Jahr mit ihren Fotos und diversen Fanartikeln macht. Das lässt sich auch noch viel weiter ausdifferenzieren, mit Internet-Badegirls in allen möglichen Haarfarben für alle möglichen Geschmäcker – ist aber überhaupt nicht meine Branche: https://www.businessinsider.co.za/instagram-star-belle-delphine-sold-used-bath-water-2019-7

          Halte ich die letzten beiden Beispiele für besonders sinnvoll oder produktiv? Nein, ich wünschte, die Leute hätten bessere Ideen, aber ich muss zur Kenntnis nehmen, dass die Nachfrage für solche, nennen wir es mal „neue Individualisierungs-Entertainmeint-Dienstleistungen“ in der westlichen Welt riesig ist. Offensichtlich macht es vielen Menschen großen Spaß, sowas zu konsumieren.

          Und es ist allemal besser als die Anbieter dieser Dienstleistungen fürs Arbeitslos-Sein zu bezahlen.

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Richard Ott

          Ich habe keine Wertung der Lösungserwägungen vorgenommen.

          Natürlich sind darunter welche, die unsinnig sind.

          Andere sind nicht machbar, weil Unternehmen, die sich dem Renditewettbewerb stellen müssen, sie nicht realisieren können.

          Andere sind absehbar, jedenfalls gibt es Kräfte, die daran arbeiten.

          Heute hat Frau K. Kipping die 4-Tage-Woche vorgeschlagen. Das kann man machen, wenn der Staat den mindestens 20%-Verdienstausfall finanziert. Da würden viele gern mitmachen, aber nicht auf Konsum verzichten wollen.

          Was den Produktionsfaktor Arbeit betrifft:

          Schön, dass auch Sie das als gravierendes Problem sehen.

          Ich erkenne folgende Tendenzen:

          a) Menschen werden mit „unerledigter Arbeit“, von der Sie völlig zu Recht sagen, dass sie sich nur schlecht oder nicht mechanisieren und automatisieren lässt, Geld verdienen.

          Ich sehe wie Sie, dass dies vor allem die Tätigkeiten betrifft, bei denen es um Gesundheit und Altersbetreuung geht, sowie Unterhaltung, zu der ich auch einen Teil von sogenannter Bildung zähle, und Individualisierung.

          b) Darüber hinaus „überflüssige“ oder für reguläre Arbeit unqualifizierte Menschen werden in staatlich geförderten BS-Jobs tätig sein und ebenfalls nur gering entlohnt werden.

          Durchweg alle Beschäftigungen unter a) und b) sind vergleichsweise SCHLECHT bezahlt.

          Das ist ein großes wirtschaftliches und ein sehr großes gesellschaftliches Problem, weil es mit einem ABBAU von gut bezahlen Jobs einhergeht.

          c) Darüber hinaus wird ein nicht geringer Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung gar nicht erst auf dem Arbeitsmarkt auftauchen, sei es, weil zu vermögend, untauglich oder alimentiert.

          Der Kapitalismus war seinem Kern nach im Wesentlichen ein System der Güterproduktion.

          Wie er bzw. die Gesellschaft damit zurechtkommt, dass eine offensichtlich nicht zu verhindernde Wandlung der Wertschöpfung hin zu den Dienstleistungen erfolgt, ist die vielleicht größte Herausforderung, vor der wir stehen.

          Wenn dann auch noch das unausweichliche Demografie-Problem hinzukommt, muss man sich schon fragen, ob die Gesellschaft in der Lage ist, vernünftig mit dem umzugehen, was sie nicht grundsätzlich ändern kann.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Es ist wichtig, dass die Zombifizierung dargelegt wird als ein Teil der REALITÄT, weil sie

        a) das IST

        und

        b) sie weitgehend unter den Tisch gekehrt wird.

        Was zeigen die Studien, die hier am Blog vorgestellt worden sind?

        Wenn ich es richtig sehe, weisen sie eine KORRELATION zwischen der Geldpolitik, speziell QE der EZB und der Kreditgewährung an definierte Unternehmen aus, die ohne diese Kreditgewährung nicht überleben würden.

        Auch wenn die Korrelation außerordentlich STARK ist, ist sie nicht der Beweis in dem STRIKTEN Sinne, dass die Geldpolitik der EZB URSÄCHLICH für die Kreditgewährung ist.

        Man müsste die Banken und die betroffenen Unternehmen FRAGEN, warum die Kredite gewährt werden.

        Wenn sie antworten würden, dass sie es tun, um ihrer BEIDER Überleben zu sichern, wäre das der Beweis.

        Dass die MOTIVATION dazu alles andere überspielt, ersetzt nicht einen derartigen Beweis.

        Das gesagt, kommen wir zu dem, was wichtiger ist, zu Ihrer Frage:

        >b) welche alternativen Szenarien entstehen bei Änderung der ZB-Politik hin zu einer „dezombifizierenden“?>

        Einmal die Geldpolitik als URSÄCHLICH unterstellt – und es ist alles andere als abwegig, dies zu unterstellen – dann ist das DIE Frage.

        Sie haben selbst die Antwort darauf gegeben:

        >Bankenkrise, Arbeitslose hoch, Nachfrage runter, dadurch immer noch keine Inflation sondern eher verschärft das Gegenteil, die durchschnittliche Produktivität steigt EVTL. bei schrumpfender Wirtschaft …>

        GENAU das wäre zu erwarten, BEVOR

        >… nach einem Tal der Tränen gibt es dann EVTL. Wachstum.>

        Dieses BEVOR-Szenario will kein VERANTWORTLICHER in der Politik, bei der EZB oder sonst irgendwo – und er hat verdammt GUTE Gründe, es nicht zu wollen.

        Es ist zwar richtig, was auch hier festgestellt wird:

        >… that the distorted market competition, induced by the misallocation of loan supply due to zombie lending, hampered real economic growth>

        Genau das VERHINDERT aber zugleich SCHLIMMERES, nämlich die DEPRESSION, die zumindest näher rückte, wenn nicht ausgelöst würde, falls die Zombifizierung nicht stattfände.

        Was ich damit sagen will:

        Wir sind in einer SITUATION, in der wir NUR noch zwischen dem Schlimmen – praktisch keine Produktivitätssteigerungen, kaum Wirtschaftswachstum – und dem SCHLIMMEREN, nämlich einer Depression, wählen können.

        Diese Alternative ist kein weltanschauliches Problem, sondern REALITÄT.

        Antworten
        • Avatar
          Alexander sagte:

          @Dietmar Tischer

          bto: Die EZB-Politik führt zur Ver­meh­rung von Zombies

          Dt: Wir sind in einer SITUATION, in der wir NUR noch zwischen dem Schlimmen – und dem SCHLIMMEREN .. einer Depression, wählen können.

          Eine Nachfragerezession mit fallenden Preisen gegen Überkapazität zu bekämpfen hat man den Zins gesenkt + Kredite für schlechte Pfänder ausgereicht.

          Inmitten einer Nachfragerezession, nach der Covid-19 wir sterben alle Hysterie, droht eine Depression und wir begrüßen Zombies als letzte Option gegen die drohende Depression.

          Das ist kein weltanschauliches Problem sondern Mickey Mouse Ökonomie.

          Mit der gleichen Begründung hat man Weltkriege verloren, weil die Bedingungen eines Waffenstillstandes nicht akzeptabel sein sollten.

          Die Folge?

          Bedingungslose Kapitulation.

          Die Ökonomie ist der Treibstoff der Geschichte….und die Legitimation unserer Wähler nur Ausdruck ihrer Inkompetenz.

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