Säkulare Stagnation, Spar­schwemme oder die Rolle der Noten­banken

Am 23. Oktober 2021 spreche ich in meinem Podcast mit Thomas Mayer. Professor Mayer war von 1991 bis 2002 für die Investmentbank Goldman Sachs in London tätig, danach Chefökonom der Deutschen Bank. Seither leitet er für die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch in Köln die Denkfabrik Flossbach von Storch Research Institute. Dort veröffentlichte er diesen Kommentar, der sehr gut auf morgen einstimmt: 

Seit der damalige Vorsitzende der US-Federal Reserve Ben Bernanke im Jahr 2005 eine asiatische „Sparschwemme“ für den Fall der Zinsen in den USA verantwortlich machte, geht die These von der „Sparschwemme“ in der Zunft der Ökonomen um. Vor allem Bernankes Nachfolger in der Federal Reserve und andere prominente Zentralbanker haben das Konzept einer „Sparschwemme“ genutzt, um ihre Niedrigzinspolitik zu rechtfertigen. Die steigende Sparneigung einer alternden Bevölkerung, so ihr Argument, würde einen Zinsverfall bewirken, dem die Zinspolitik der Zentralbanken nur folgen würde.

Das asiatische Gespenst

Befremdlich an dieser Erzählung ist, dass sie trotz der gegen sie sprechenden Fakten seit mehr als 15 Jahren hartnäckig verbreitet wird. So löste sich die von Bernanke 2005 thematisierte asiatische Sparschwemme schon zwischen 2007 und 2012 wieder auf, ohne dass der Rückgang der US-Zinsen dadurch vermindert worden wäre. Da diese Erklärung nun nicht mehr galt, suchte man die Ursache in der Alterung der Bevölkerung.

Das Gespenst der Alterung

Meine Kollegen Agnieszka Gehringer, Gunther Schnabl und ich haben mehrfach darauf hingewiesen, dass alternde Gesellschaften dazu neigen, weniger statt mehr zu sparen (Gehringer und Mayer, 2019, sowie Mayer und Schnabl, 2021a, 2021b). Charles Goodhart und Manoj Pradhan geben dafür weitere empirische Belege (Goodhart und Manoj, 2020). Und nun haben Atif Mian, Ludwig Straub und Amir Sufi bei der “Jackson Hole”-Konferenz der Federal Reserve Bank von Kansas vor einem erlesenen Publikum von Zentralbankern eine Forschungsarbeit vorgetragen, in der sie der These von der Sparschwemme ebenfalls eine Absage erteilen (Mian, Straub und Sufi, 2021). Allerdings versuchen Mian und seine Kollegen mit einem unschlüssigen Argument das Gespenst dennoch am Leben zu erhalten, vermutlich um ihr Publikum gnädig zu stimmen.

Sparverhalten nach Einkommen und Alter

Die Arbeit von Mian und seinen Kollegen hat viel Beachtung gefunden, weil sie das Sparverhalten verschiedener Einkommensklassen und Altersklassen in den USA im Zeitraum von 1963 bis 2019 untersucht. Wenig überraschend finden die Autoren, dass Haushalte mit höherem Einkommen mehr sparen als solche mit niedrigem. Doch finden sie dieses Verhalten in allen Altersgruppen. Das Sparverhalten gleicher Einkommensklassen variiert über verschiedene Altersgruppen nur geringfügig.

Seit Beginn der 1970er-Jahre ist der Anteil der oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher von rund 30 Prozent auf gut 40 Prozent gestiegen. Da diese Einkommensklasse eine hohe Sparneigung hat, trug ihr steigender Anteil zu einem Anstieg der gesamten Ersparnis bei. Jedoch ist die Ersparnis in den USA insgesamt leicht gesunken. Der Grund dafür ist, dass eine Verringerung der Ersparnis der unteren 90 Prozent der Einkommensbezieher etwas größer war als der von den oberen 10 Prozent bewirkte Anstieg.

Zinsrückgang ohne Sparschwemme

Mian und seine Kollegen versuchen das Gespenst der Geldschwemme mit dem Schluss zu retten, dass die höhere Ersparnis der reicheren Einkommensbezieher die Zinsen nach unten gedrückt hätte. Dadurch hätten sich die weniger reichen höher verschulden können, statt mehr sparen zu müssen. Aber wenn dies zuträfe, hätte der Anstieg der Verschuldung die Zinsen wieder steigen lassen müssen. Auch haben die weniger Reichen weniger Sicherheiten, die sie zur Schuldenaufnahme verpfänden können, wenn sie Vermögenswerte verkaufen. Allenfalls steigt ihr Geldvermögen, das sie zur Steigerung ihrer Konsumausgaben verwenden können. Dadurch fällt – wie beobachtet – ihre Sparquote, aber die Zinsen bleiben davon unberührt. Schlussendlich können Zinsrückgänge nicht mit einer Sparschwemme begründet werden, wenn es diese auf gesamtwirtschaftlicher Ebene gar nicht gegeben hat.

Umverteilung durch die Zentralbanken

Andererseits könnten von der Zentralbank vorangetriebene Zinsrückgänge die Veränderung in der Einkommensverteilung und im Sparverhalten bewirkt haben, die Mian und seine Kollegen beobachtet haben. Denn wenn niedrigere Zinsen die Bewertung von Vermögenswerten erhöhen, haben Vermögensbesitzer mehr Sicherheiten, gegen die sie Kredite aufnehmen können. Wenn sie damit mehr Vermögenswerte erwerben, die laufende Erträge abwerfen, steigen ihr Einkommen und ihr Anteil am gesamten Einkommen.

Dagegen steigen die Einkommen derer, die weniger Vermögen haben, auch weniger, da sie nicht in gleichem Maß Schulden zum Erwerb von rentierlichen Vermögenswerten aufnehmen können. Ihr Anteil am gesamten Einkommen fällt. Wollen sie ihren Konsum erhöhen, bleibt ihnen oft nur der Weg über eine Absenkung der Sparquote.

Mian und seine Kollegen vergleichen die durchschnittlichen Sparquoten einzelner Haushalte zwischen den Zeitperioden 1963–1982 und 1995–2019. In diesem Zeitraum sank der Zins gemessen an der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um 3,7 Prozentpunkte von im Schnitt 7,5 Prozent in 1963–1982 auf 3,8 Prozent in 1995–2019. Das erscheint genug, um wie beschrieben den Anstieg des Anteils der oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher am gesamten Einkommen um 12 Prozentpunkte zu erklären.

Es ist schlüssig, dass der von den Zentralbanken bewerkstelligte Rückgang der Zinsen für die von Mian und seinen Kollegen beobachteten Veränderungen in der Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie im Sparverhalten verantwortlich war. Dagegen erscheint der Umkehrschluss, dass die Veränderung der Verteilung den Zinsrückgang bewirkt hätte, falsch.

Unrealistische Inflationsziele und übertriebene Zinssenkungen

Wie Goodhart und Pradhan ausgeführt haben, übersahen die Zentralbanken, dass in dem betrachteten Zeitraum die Inflation aufgrund von demografischen Veränderungen, technischem Fortschritt und zunehmender Globalisierung fiel. Statt diesen von ihnen nicht zu beeinflussenden Rückgang zu berücksichtigen, verfolgten sie jedoch mechanisch unrealistische Inflationsziele mit übertriebenen Zinssenkungen und fatalen Folgen für die Finanzstabilität.

Vermutlich werden die Zentralbanken auch weiterhin das Gespenst von der Sparschwemme beschwören, um von ihrer Fehleinschätzung abzulenken. Angesichts der damit verbundenen gravierenden Folgen für Wirtschaft und Gesellschaft ist es nachvollziehbar, dass sie davor die Augen verschließen.

Seine Kommentare findet man hier: → Flossbach von Storch Research Institute

Kommentare (36) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Alexander
    Alexander sagte:

    Geldpolitik (ZB und Staatsverschuldung) manipuliert DEMOGRAPHIE, nicht nur Zinssätze.

    Wo?
    Japan, USA, Europa zuletzt China.

    Begründung –
    Die Einkommen wachsen nicht proportional zu den Vermögenspreisen. Unter der Bedingung muss mehr / länger in Berufsausbildung investiert (loans!) werden, was Familiengründung und Fertilität verspätet /verunmöglicht. Dito. gescheiterte Familien aus ökonomischen Gründen…das Schicksal der Alleinerziehenden und geplünderten Väter wirkt trendverstärkend…

    Parallel muss länger, disziplinierter angespart werden um überteuerte Immobilien überhaupt finanziert zu bekommen, wenn man an der Spekulaton teilhaben möchte was zulasten von Familien führt, wenn der Lebensstandard mit Kindern nicht gehalten werden kann…

    Bsp. China
    https://youtu.be/24H7ltivcSY

    “It´s economy stupid”

    Antworten
      • Namor
        Namor sagte:

        @alexander
        Ob wir hier im Kommentarbereich die 2,1 Kinder schaffen?

        Unnützes Wissen am Sonntagmorgen: im Schwergewichts-Weltmeisterboxkampf von neulich, haben 14 Kinder den beiden Vätern 28 Daumen gedrückt.

    • Axel
      Axel sagte:

      @Alexander

      “Die Einkommen wachsen nicht proportional zu den Vermögenspreisen. Unter der Bedingung muss mehr / länger in Berufsausbildung investiert (loans!) werden, was Familiengründung und Fertilität verspätet /verunmöglicht. Dito. gescheiterte Familien aus ökonomischen Gründen…”

      Im Gegenteil: Hierzulande ist die einzig gangbare Möglichkeit eine Großfamilie zu Gründen, eben nicht arbeiten zu gehen. Sich der Arbeitswelt zu verweigern und von der rechtschaffenden Bevölkerungs aushalten zu lassen ist die Grundvorausetzung für Normalsterbliche, der Fertilität freien Lauf zu lassen. Für mich das Synonym Nummero Uno, daß unsere Gesellschaft mitlerweile völlig den Kompaß verloren hat…

      Antworten
      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ axel 23.oktober 2021 23:12
        >> Für mich das Synonym Nummero Uno, daß unsere Gesellschaft mitlerweile völlig den Kompaß verloren hat…<<

        NEIN ! teile der gesellschaft passen sich den rahmenbedingungen an.
        diese rahmenbedingen schaffen die regierungen und führungekräfte.

        die dekadente führung ist für den zustand und fehlentwicklungen verantwortlich; – (die gesellschaft zu nennen, ist viel zu pauschal)

      • Axel
        Axel sagte:

        @foxxly 08:34h

        “die dekadente führung ist für den zustand und fehlentwicklungen verantwortlich; – (die gesellschaft zu nennen, ist viel zu pauschal)”

        Und wer wählt die Regierung oder rebelliert gegen diese? Sorry, daß ich 80% pauschal “die Gesellschaft” genannt habe.
        Übrigens halte ich “Differenzierungen” gerade im gesellschaftlichem Sektor oft für unmöglich, da dort oft gelogen wird, um nicht anzuecken oder sich ein aufpoliertes öffentliches Image zu verpassen!

        Das was geäußert wird und in den Statistiken als Argumentationsgrundlage dient, weicht oftmals dramatisch von den wirklichen Motivationen der befragten Subjekte ab.

        Haben Sie beispielsweise schon mal von einem Sportler gehört, daß er wegen der Kohle den Verein wechselt? Nein, niemals. Natürlich nicht!
        Immer sind es die “sportlichen Herausforderungen”, die ihn in die Ferne ziehen…

        Oder wie wollen Sie beispielsweise differenzieren, wie gut Migranten aus muslimischen Ländern integriert sind?
        Hr. Stelter sprach im letzten Podcast, daß gelungene Integration vor allem durch den Arbeitsplatz geschieht. Ich bin da skeptischer: Ich arbeite im sozialen Beruf mit Arabern zusammen. Die sollten also gut integriert sein. Wie oft entfernen die sich jedoch vom zum spontanen Gebet vom Arbeitsplatz? Oftmals wird sich für komplette 4 Wochen für den Ramadan krank gemeldet. Geschenke aus einem Kibuz werden abgelehnt, weil semitisch. Homosexualität wird offen als “nicht zu unserem Kulturkreis” gehörend abgelehnt, usw…
        Werden sie aber offiziell befragt, loben sie Werte unserer Gesellschaft natürlich in den höchsten Tönen und werden in den Statistiken als “hervorragend integriert” aufgeführt…

        Weiteres siehe z.b. : https://www.amazon.de/Ihr-Scheinheiligen-Doppelmoral-Parallelwelt-Deutscht%C3%BCrken/dp/3453604733

        Ich weiß, daß ich nur ein Mikrokosmos betrachten kann. Mir fehlt aber der Glaube, daß mit so unterschiedlichen, teils konträren Mentalitäten die es mitlerweile in unserer Gesellschaft gibt, ein “Neues Wir Gefühl” entstehen kann, von dem Politiker in letzter Zeit so häufig geschwafelt haben…

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Axel

        Ich stimme Ihnen zu:

        Es ist NICHT die „dekadente Führung, die für den Zustand und die Fehlentwicklungen“ verantwortlich ist.

        Verantwortlich dafür ist die ÜBERWIEGENDE Anzahl der Menschen, die die Führung WÄHLEN.

        REALITÄT, beispielsweise:

        In Berlin haben die Leute bei der letzten Wahl vor den Wahllokalen Schlange stehen müssen – Bilder, die wir aus dem Kongo kennen oder sonst woher, aber bisher nicht aus Deutschland.

        Statt sich mal zu sagen, genug ist genug, jetzt müssen es mal andere machen, kreuzen sie was an?

        RRG.

        Die Leute, die ver****** werden, wollen offensichtlich weiter ver****** werden.

        Das ist das PROBLEM, nicht die „dekadente Führung“, die man abwählen könnte, stattdessen aber im Amt bestätigt.

      • Alexander
        Alexander sagte:

        @Axel

        Wer Geldpolitik, Konjunkturpolitik, Bildungspolitik, Innenpolitik, Außenpolitik und die Berichterstattung darüber beherrscht, braucht sich vor seinen Wählern nicht zu fürchten.

        Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn.
        Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen.
        Bekümmert sich ums Ganze, wer nichts hat?
        Hat der Bettler eine Freiheit, eine Wahl?
        Er muß dem Mächtigen, der ihn bezahlt,
        um Brot und Stiefel seine Stimm’ verkaufen.
        Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen.
        Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
        wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.

        [Demetrius I. (Sapieha), Friedrich Schiller]

        Die Wähler dagegen sollten solche Politik fürchten, die sich ganz offensichtlich von ihnen verabschiedet hat….Unterwerfung ist kein Allheilmittel inmitten der tödlichsten Pandemie seit 700 Jahren.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ axel, tischer 11:40
        ….. wir sind in einer “henne und ei” -diskussion.
        wenn es sachlich, reel und positiv im besten sinne verlaufen würde, dann haben sie recht.
        aber, dies ist nicht der fall!

        mit der öffentlichen/staatlichen meinungspropaganda bekommt man fast jede gewünschte politisch und gesellschaftliche richtung hin.
        ich stelle auch fest, dass gerade viele akademiker sehr unbeweglich sind in ihrer auffassung.
        der “corona-hype” ist ein ziemlich einseitiges beispiel.
        für eine funktionierende demokratie, wäre ein wechsel der politischen führung in viel kürzeren zeitabschnitten dringend notwendig.
        wie kann der bürger noch eine neutrale und evtl notwendige andere entscheidung treffen, wenn andere denke, auffassungen, meinungen, stark bedenklich diffamiert werden?
        oder denken sie in den betrieben, wer waagt es eine andere meinung offen zu sagen?

        natürlich und leider stehen interessen über den willen und notwendigkeit anders zu handeln.
        es nutzt aber nichts, wenn die erkenntnis da ist, anders handeln zu sollen, aber dies nicht getan wird.

        mehrheitsentscheidungen, sind immer freie entscheidungen!
        und sind bei weiten nicht immer die notwendig besseren entscheidungen.

        desweiteren, denken sie, wie die ” echten, ehrlichen demokraten”, die wahlergenisse auslegen und verbiegen zb. die eu-wahlen. die von der leyen wird präsidentin, obwohl sie nicht zur wahl stand.
        ja, sie haben insoweit recht: die bevölkerung müsste entschieden reagieren, gegen diese vorgehenweise.

        ich bleibe dabei: wir haben eine dekadente führung, ganz oben und durchaus einige etagen nach unten!

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ auch passend zu “dekandente führung”
        “propaganda neusprech” ………. von wem wird dies wohl gesteuert?

        .youtube.com/watch?v=_mp0bvrrpzI

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ foxxly

        >natürlich und leider stehen interessen über den willen und notwendigkeit anders zu handeln.>

        Sie reden mal wieder um die REALITÄT herum.

        Das Interesse zu VIELER, wenn nicht der MEISTEN ist:

        NICHT anders zu wählen und damit die Dinge so zu belassen, wie sie sind.

        Wenn das so ist, besteht WELCHE Notwendigkeit, anders zu handeln?

        KEINE.

        Die Minderheit, die anders wählt, hat eine ANDERES Interesse, definiert aber KEINE Notwendigkeit.

        >es nutzt aber nichts, wenn die erkenntnis da ist, anders handeln zu sollen, aber dies nicht getan wird.>

        Welcher Nutzen?

        Es wird gewählt, wie gewählt wird – der NUTZEN daraus ergibt sich.

        >mehrheitsentscheidungen, sind immer freie entscheidungen!>

        So ist es hierzulande.

        Daher sind die ERGEBNISSE dieser Mehrheitsentscheidungen auch HINZUNEHMEN (im Rahmen der Verfassung).

        Ich verstehe nicht, wo INSOWEIT – das VERFAHREN betreffend – die Probleme sind.

        Und was die Ergebnisse des Verfahrens anlangt, gibt es normalerweise auch KEINE grundsätzlichen Probleme.

        Es ist kein grundsätzliches Problem, wenn in einer anderen, auch mehrheitlich gewollten Parteienkoalition ein neuer Nutzen bestimmt und verfolgt wird (eine Partei wechselt den Koalitionspartner) – oder es Neuwahlen gibt.

        Bei der Bundestagswahl im Sept. wurde ANDERS gewählt, so dass jetzt eine MEHRHEITLICH gewollte Parteienkoalition einen anderen “Nutzen” als Ziel ihres Regierens formuliert.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ tischer
        ich verstehe ihre ausführungen durchaus.
        aber mir geht es um das zustandekommen der wahlentscheidungen der bürger durch gezieltes framing und meinungsmanipulationen durch die herrschenden.
        dass dies ein großer nachteil und schaden ist, kann man sich schon vorstellen.
        ohne manipulationen, würden regierungen viel früher wechseln.
        und es gäbe weniger, oder geringere korruptionen da oben!

        anderes: ein kanditat scholz kann kanzler werden, weil die presse sehr milde ist in der angelegenheit com ex, in dessen scholz involviert war.

        zu anderen, in früheren zeiten, hätte die presse einen solchen kanditaten “zerlegt” und diese würde sicher kein kanzler werden.
        dies nur als beispiel.

      • Tom96
        Tom96 sagte:

        @ Alexander
        Es ist meine wichtige persönliche Spurensuche, seit wann ich mich vom “Demokratieillusionssystem BRD und Grundgesetzt” und dessen Propandisten von absoluter Mehrheit habe belügen lassen bzw. ich selber darauf hereingefallen bin.
        Das mag harte Konsequenzen nach sich ziehen, aber diese sind es zu jeder Lebenszeit und Lebensphase wert, ehrlich und nüchtern akzeptiert zu werden.

        Friedrich Schiller ist etwas sehr Beeindruckendes gelungen, mehr als unmögliche “Wissenschaft”, das Wort sollte abgeschafft werden, weil es Irreales vortäuscht (Selbstbelügung), in Politik erreicht hat.

        A great travel for one man!

      • Axel
        Axel sagte:

        @foxxly 21:01h

        “aber mir geht es um das zustandekommen der wahlentscheidungen der bürger durch gezieltes framing und meinungsmanipulationen durch die herrschenden”

        Das hat auch keiner Bestreitet. Dennoch hat uns die Politik nicht betuppt. Sie spielt mit offenen Karten und wir kriegen genau die Politik, die uns versprochen wurde. Niemand kann daher die Politiker bezichtigen, wenns schief läuft. Die überwältigende Mehrheit hat der Politik grünes Licht für die Umgestaltung der Gesellschaft gegeben, ist also selber Schuld, wenns im Schlamassel endet.

        Aber natürlich ist Propaganda ein alltägliches Instrument der Politik, um uns in die gewünschte Richtung zu manipulieren und ihr Mandate zu verschaffen.

        Leider klärt uns das Fernsehen nur auf, wie Rechtspopulismus fuktioniert, nicht aber, welcher Mittel sich die “demokratischen Parteien” bedienen.

        Und wie funktioniert deren Manipulation?

        Ich wiederhole mich:
        Meines Erachtens hat Buddha vor 2.500 Jahren schon ein wesentliches Element der geistigen Natur auf den Punkt gebracht: Der Mensch (das Leben insgesamt) funktioniert im Grunde ganz simpel. Suche nach angenehmen Empfindungen, Vermeidung von unangenehmen Empfindungen.
        Selbst der Masochist empfindet den Schmerz der Peitsche immer noch angenehmer, als mit seinen Schuldkomplexen zu leben.
        Auch die Kuh geht im Sommer lieber in den Schatten oder stellt die Haxen ins Wasser, als in der Sonne zu brüten. Einfach, weil Kühle eine angenehmere Empfindung ist als Hitze.
        Auf psychologischer (politischer) Ebene kommt es also darauf an, die Deutungshoheit darüber zu Gewinnen, was “Gut” ist, und ein “gutes Gefühl” zu generieren, denn es steht ja nicht im Himmel geschrieben, was eigentlich “Gut” und “Schlecht” ist, und ist auch nur sehr rudimentär in uns von Geburt an verankert.

        Daher greift man gerne auf das gesellschaftlich/religiös Überliefertes zurück. Die Wucht der Tradition und Gesellschaft gibt mir Halt und Sicherheit.

        Früher war es “Gut”, nationalistisch zu sein, im Islamismus ist es “Gut”, den Ungläubigen den Kopf abzuhacken, für die Christen ist es “Gut”, Barmherzigkeit zu leben, für die Konserativen eben Traditionen und Werte beizubehalten und für die Linken, sich um die Bedürftigen zu kümmern (sehr vereinfacht ausgedrückt).

        Aus der Werbepsychologie weiß man indes, daß das “Image” ein fundamentaler Trieb- (Kauf)faktor ist. Ich kauf eben nicht die Brause, sondern das “Gute” Sonnyboy Image, nicht die Uhr, sondern das Draufgänger/Frauenheldimage.
        In der Flüchtlingskrise z.b. haben die Politikberater in unserer Gesellschaft positiv besetzte Begriffe (Humanität, christliche Nächstenliebe, etc.) mit Merkels fataler Fehlentscheidung verknüpft. Wenn ich diese Werte vertrete, habe ich also was für ein Image, in welche Richtung schwenkt dann meine Psyche, trotz eines vielleicht flauen Gefühls im Magen, ein? Richtig. In die, was sich in mir “Gut” anfühlt (trotz vielleicht eines hadernden Verstandes).

        Umgekehrt: Welches Image hat dann automatisch jemand, der sich Merkels Entscheidung kritisch gegenüber stellt? Richtig! Psychologisch gesehen wird der Gegner offener Grenzen entmenschlicht, da ihm von höchster staatlicher Autorität Humanität und Nächstenliebe abgesprochen werden. Er ist also ein emotionales Monster. Und will ICH so jemand sein?

        Und es hat funktioniert. Trotz noch so überzeugenden Argumente, umgibt den Marner der ungeordneten Einwanderung etwas dumpfes und ethisch Minderwertiges. Will ich selber mit so einem Schmuddelimage behaftet sein? Also in welche Richtung tendiert wohl die Mehrheit der Psychen?

        Die große Gefahr der Kampagne besteht allerdings darin, daß die tragenden Werte unserer Gesellschaft erodieren, wenn sie für politische Fehlentscheidungen mißbraucht werden.

        Wenn Humanität und Nächstenliebe bedeuten, daß hundertausende (?) ins Land gelassen werden, die ihre Identität nicht preisgeben, unsere Werte verachten und das sich Abends keiner mehr sicher in den Innenstädten fühlt, dann wende ich mich von diesen Werten ab. Und was dann? Was ist dann eigentlich noch die Basis unserer Gesellschaft, die uns zusammenschweißt und für die sich zu kämpfen lohnt?

        Ein brandgefährliches Spiel..

      • weico
        weico sagte:

        @Axel

        “Dennoch hat uns die Politik nicht betuppt. Sie spielt mit offenen Karten und wir kriegen genau die Politik, die uns versprochen wurde. Niemand kann daher die Politiker bezichtigen, wenns schief läuft. Die überwältigende Mehrheit hat der Politik grünes Licht für die Umgestaltung der Gesellschaft gegeben, ist also selber Schuld, wenns im Schlamassel endet.”

        Korrekt !

        Demokratie ist heute so ein abgelutschter medialer Begriff geworden, dass sich fast jedes Land damit rühmen kann, eine “Demokratie” zu sein.

        Parteien und ihre Kandidaten wählen…. und schon ist man “Demokratie”.

        Je nach “Sichtwinkel” wird dann die “Demokratie” einfach noch etwas unterteilt bzw. klassifiziert.
        Dann werden hübsche Studien und Listen erstellt und je nach “Sichtwinkel” liegt dann die “Demokratiequalität” von Deutschland ….. noch vor der Schweiz ! Ups..

        https://www.demokratiematrix.de/ranking

        Nebenbei (aus der Webseite):
        Demokratiematrix basiert auf der Merkmalsmessung und bezieht weitere relevante Faktoren ein, welche die Demokratiequalität eines Landes beeinflussen und die Messung der Demokratiequalität insgesamt “realistischer” ausfallen lassen.

      • Jacques
        Jacques sagte:

        @Axel:
        Wenn man sich die Nutzerkommentare bei Spiegel auf Facebook oder Spiegel Online zu den aktuellen Migrationsnachrichten durchliest, kann man schon einen deutlichen Stimmungsumschwung über die letzten Jahre erkennen.
        Ich denke mittlerweile sind die Bürger mit großer Mehrheit überhaupt nicht zufrieden mit der deutschen “Migrationspolitik” .
        Trotzdem scheint der Leidensdruck bei Wahlen noch nicht groß genug bei diesem Thema.

  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Schlussendlich können Zinsrückgänge nicht mit einer Sparschwemme begründet werden, wenn es diese auf gesamtwirtschaftlicher Ebene gar nicht gegeben hat.>

    Der Satz ist natürlich richtig.

    Aber davon ausgehend ist nicht umstandslos auf die Geldpolitik der Zentralbanken zu schließen als URSACHE für die Zinsrückgänge.

    Ursache für die Zinsrückgänge kann sein

    a) eine selektiv beachtlich zu geringe Nachfrage nach denjenigen Gütern und Dienstleistungen, was weniger Investitionen zur Folge hat. Das heißt z. B., dass die Nachfrage, die europäische und amerikanische Touristen in exotischen Gegenden der Welt generieren, zuhause fehlt, um Investitionen und damit die Kreditvergabe mit letztlich höheren Zinsen zu generieren.

    und/oder

    b) ein zunehmender Wettbewerb unter den Banken, der zu vermehrten Kreditangeboten geführt hat.

    Derartige Ursachen unbeachtet gelassen, wird die Zentralbank ins Spiel gebracht:

    >Andererseits könnten von der Zentralbank vorangetriebene Zinsrückgänge die Veränderung in der Einkommensverteilung und im Sparverhalten bewirkt haben, die Mian und seine Kollegen beobachtet haben. Denn wenn niedrigere Zinsen die Bewertung von Vermögenswerten erhöhen, haben Vermögensbesitzer mehr Sicherheiten, gegen die sie Kredite aufnehmen können. >

    Mehr Kredite haben sie aufgenommen, um Vermögenswerte zu kaufen, die daraufhin im Preis gestiegen sind.

    Warum sind durch diese Kreditnachfrage die Zinsen NICHT gestiegen?

    Weil die Zentralbanken die Zinsen tief gehalten haben?

    Die Kredite für den Kauf von Vermögenswerten gewähren nicht die Zentralbanken, sondern die Geschäftsbanken.

    Das kann also nicht die Ursache sein.

    Wenn dennoch darauf besteht, müsste nachgeweisen, dass die Zentralbanken so auf die Geschäftsbanken eingewirkt haben, dass diese die Zinsen für die Kredite zum Kauf von Vermögenswerten tief halten MUSSTEN.

    Dieser Nachweis fehlt.

    Im Übrigen:

    >Mian und seine Kollegen vergleichen die durchschnittlichen Sparquoten einzelner Haushalte zwischen den Zeitperioden 1963–1982 und 1995–2019. In diesem Zeitraum sank der Zins gemessen an der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen um 3,7 Prozentpunkte von im Schnitt 7,5 Prozent in 1963–1982 auf 3,8 Prozent in 1995–2019. Das erscheint genug, um wie beschrieben den Anstieg des Anteils der oberen 10 Prozent der Einkommensbezieher am gesamten Einkommen um 12 Prozentpunkte zu erklären.

    Es ist schlüssig, dass der von den Zentralbanken bewerkstelligte Rückgang der Zinsen für die von Mian und seinen Kollegen beobachteten Veränderungen in der Verteilung von Einkommen und Vermögen sowie im Sparverhalten verantwortlich war. Dagegen erscheint der Umkehrschluss, dass die Veränderung der Verteilung den Zinsrückgang bewirkt hätte, falsch.>

    Interessant ist, dass er Zeitraum 1982 bis 1995 übersprungen wurde.

    Immerhin hat sich die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in diesem Zeitraum von 10 % (Ende 1982) auf 5,75 % (Ende 1995) entwickelt.

    Hier:

    https://www.macrotrends.net/2016/10-year-treasury-bond-rate-yield-chart

    Die Schlussfolgerung von Mayer ist weniger stark belegt, was sie dadurch aber nicht schon als falsch erscheinen lässt.

    Hingegen:

    Der Link zeigt auch die Entwicklung der 10-year-treasury-bond-rate-yield für die Zeit 2008 bis 2019 (vor der Corona-Pandemie).

    Das sind die Werte: 2,16 % (Ende 2008) und 1,8% (Ende 2019).

    Knapp 0,4% Zinssenkung in 11 Jahren durch die Zentralbank.

    Wenn so, dann zeigt dies die UNGLAUBLICHE Zinssenkungsmacht der Zentralbanken.

    Toller Nachweis, Herr Mayer.

    Antworten
    • Joerg
      Joerg sagte:

      @Herr Tischer, zur [angebl. winzigen] Veraenderung der 10 Year Treasury Rate (10YTR) 2008-2019 in der Argumentationskette: Wo ist der Einfluss der FED?

      Zunaechst, was bietet sich bei starken Zick-Zack-Verlaeufen wie bei macrotrends.net/2016/10-year-treasury-bond-rate-yield-chart an?
      Eine Perioden-Glaettung! Wenigstens in der visuellen Interpretation (Sie hatten “zufaellig”? die lokalen Minima Dec. 22.12.08 2,2% bis 1,8% 30.12.19 herausgesucht?!). [Erinnert das nicht an die Brennglas-Beobachtungen von der Alhambra-Website, die Herr Stoecker so gerne als Indiz der (kurzfristigen!) Wirkungslosikeit der FED anfuehrt?]

      Im Prinzip ist aber sehr schoen die generelle, mittelfristige Korrelation zu sehen:
      2006-2007 lagen die 10YTR nahe 5%. 2015-2016 nahe 2%. Ganz wie es auch sein sollte, die FedFundsRate steuert die 10YTR doch ganz passabel?!
      siehe https://www.macrotrends.net/2015/fed-funds-rate-historical-chart.

      Die Geschichte geht also so: Das FED schleuste von einem Plateau 2006-2007 bei 5,25% die Zinsen in der Finanzkrise sehr schnell auf 0% (Ende 2008) und beliess sie dort bis Ende 2015. In vorsichtigen Stufen (0,25%) stiegen sie dann bis Mitte 2019 auf 2,5%. Schliesslich wurden sie wieder schnell bis Mrz’2020 auf 0% gesenkt.

      Entgegen Ihrer Verbiegung der Geschichte durch DataPicking “Das sind die Werte: 2,16 % (Ende 2008) und 1,8% (Ende 2019). Knapp 0,4% Zinssenkung in 11 Jahren durch die Zentralbank.”
      Sind es vom Top 5,2% 10YTR im Jul’07 bis zum Tief 1,4% im Jul’16 eine “Wirkung”? um 3,8 Prozentpunkte Zinssenkung oder eine Reduktion der Zinsen in den 10YTR um 73%!
      FED: “Check, Job done”?!

      Oder wo ist mein Fehler?

      LG Joerg

      Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Joerg

      >Sie hatten “zufaellig”? die lokalen Minima Dec. 22.12.08 2,2% bis 1,8% 30.12.19 herausgesucht?!>

      Ich hatte nichts zufällig herausgesucht und was ich herausgesucht habe, ist SYSTEMATISCH, eben das jeweilige Jahresende.

      Das ist Data-Picking, richtig, als Antwort auf das „Data-Omitting“, mit dem in der Studie argumentiert wurde.

      Natürlich kann man eine Periodenglättung vornehmen.

      Das ist kein Fehler.

      Sie begehen aber einen anderen, wenn Sie sagen:

      >Im Prinzip ist aber sehr schoen die generelle, mittelfristige Korrelation zu sehen:
      2006-2007 lagen die 10YTR nahe 5%. 2015-2016 nahe 2%. Ganz wie es auch sein sollte, die FedFundsRate steuert die 10YTR doch ganz passabel?!>

      KORRELATION ja, aber STEUERUNG, d. h. URSÄCHLICH bewirkend?

      Einen richtigen Sachverhalt führen Sie als Beweis an.

      Die REALITÄT:

      Wir haben mehr als 30 Jahre geglättet FALLENDE Federal Funds Rates.
      WIE passt das mit den ebenfalls mehr als 30 Jahre geglättet FALLENDEN 10-year-treasury-bond-rate-yield zusammen?

      Die fallenden Funds Rates sollen laut Lehrbuch-Wirkmechanismus eine höhere Kreditvergabe bewirken und damit HÖHERE Langzeitzinsen.

      Das ist aber NICHT erfolgt.

      Wie kann man daraus SCHLIESSEN, dass die Fed Funds Rate am langen Zinsende STEUERT, d. h. BEWIRKT?

      Die Daten geben nicht her, dass sie das kann.

      Antworten
      • Joerg
        Joerg sagte:

        @Herr Tischer, FederalFundsRate (FFR) vs 10YearTreasuryRate (10YTR) – wer ist die Henne, wer das Ei? oder doch der Osterhase?

        Welche Merkmale koennte es geben, um bei einer multifaktoriell beeinflussten 10YTR, einen erheblichen Einfluss den FFRs zuschreiben zu koennen?
        a) wer veraendert sich zuerst (wer folgt wem)?
        b) wieviel wird ueber/untersteuert?
        c) was noch?

        Schauen wir auf ein paar Daten, an den Zyklus-Wendepunkten:

        1. Rezession von 31.12.1979 bis 23.06.1980, drastische Zinssenkung von 19,85% auf 8,60% durch die FED
        09.06.1980 FFR Bottom bei 8,60% vorauslaufend, abweichend nach unten ca 1%
        16.06.1980 10YTR Bottom bei 9,49%
        2. Aufschwung von 23.06.1980 bis 29.06.1981 drastische Zinserhoehung von 9,27% auf 20,61% durch die FED
        15.06.1981 FFR Top bei 20,61% vorauslaufend, abweichend nach oben ca 4%
        21.09.1981 10YTR Top bei 15,68%
        3. Rezession von 29.06.1981 bis 01.11.82, drastische Zinssenkung von 19,83% auf 8,75% durch die FED
        16.08.1982 FFR Bottom bei 8,75% vorauslaufend, abweichend nach unten ca 2,5%
        01.11.1982 10YTR Bottom bei 10,48%
        4. Aufschwung von 01.11.82 bis 02.07.1990, mehrere Peaks and Troughs, geringere Amplituden
        25.06.1984 10YTR Top bei 13,84% vorauslaufend, abweichend nach oben ca 2%
        13.08.1984 FFR Top bei 11,77%
        5. Rezession von 02.07.1990 bis 25.02.1991, Zinssenkung von 8,32% auf 5,9% durch die FED
        14.01.1991 FFR Bottom bei 5,90% vorauslaufend, abweichend nach unten ca 2%
        04.02.1991 10YTR Bottom bei 7,78%
        6. Aufschwung von 25.02.91 bis 05.03.2001, mehrere Peaks and Troughs, geringere Amplituden
        28.12.1992 FFR Bottom bei 2,66% vorauslaufend, abweichend nach unten ca 2,5%
        11.10.1993 10YTR Bottom bei 5,19%
        31.10.1994 10YTR Top bei 8,04%
        27.03.1995 FFR Top bei 6,30% nachlaufend, keine Abweichung nach oben (laufen lassen?)
        28.09.1998 10YTR Bottom bei 4,31% (LTC-Krise)
        28.12.1998 FFR Bottom bei 4,07% nachlaufend, kaum Abweichung nach unten
        28.01.2000 10YTR TOP bei 6,79% (Internet-Blase)
        26.06.2000 FFR Top bei 6,86% nachlaufend, keine Abweichung
        und so geht es ab jetzt weiter :(

        Kurz: auf dem kleinen USA-“Binnen-See” klappte es mit der “Steuerung” der 10YTR durch die FED bis Anfang der 1990er Jahre einigermassen.
        Dann auf dem riesigen Ozean (Japan-Bubble, Globalisierung, wachsende, komplexere Weltwirtschaft, Bedeutung der Weltreservewaehrung wird schwaecher, etc) gibt es immer schwereres Wetter und die Binnenschiffkapitaene bei der FED werden hin und her geschuettelt …

        und OK, Herr Tischer, ab dann: weder im zeitlichen Verlauf an den Wendepunkten noch in der ueber/unterschiessenden Abweichung der FED-Massnahmen laesst sich ein “steuerndes” Element hinein interpretieren?!

        Ich nehme es also zurueck und stimme in den Chor ein: “die Zentralbanken, werden scheinbar vom Markt getrieben, ihr Einfluss wurde ueber die Zeit geringer, sie reagieren (statt agieren) und koennen weniger bewirken als gedacht”. Damit das Vertrauen ins Geld nicht schwindet: “Marionettentheater” aufrecht erhalten.

        Irgendwann ist der Riss im Staudamm zu gross und sie koennen den Dammbruch nicht aufhalten. Die Inflation kommt ins Laufen (was alle wollen/brauchen) und die Zinsen werden steigen (was keiner braucht und will)?! Spannende Zeiten!

        LG Joerg

  3. jobi
    jobi sagte:

    Die Fehleinschätzungen der Vergangenheit haben dazu geführt, dass die Zentralbanken sämtlichen Handlungsspielraum verloren haben.

    Die “rettende” Hilfe durch die Fiskalpolitik hat das Dilemma der ZB’n nicht gemindert – im Gegenteil:

    Angesichts der durch fiskalische Überreaktion herbeigeführten Inflation kämpfen sie nun an zwei Fronten – und sind doch zur Untätigkeit verdammt. Zunehmende Kritik am Personal wegen offensichtlich bestehender Interessenkonflikte verschärft die Situation noch.

    Eine weitere Fehleinschätzung könnte bereits zum finalen Vertrauensverlust führen.

    Antworten
    • troodon
      troodon sagte:

      @jobi
      ” die Zentralbanken sämtlichen Handlungsspielraum verloren haben”
      Die ZB sind weit davon entfernt jeglichen Handlungsspielraum verloren zu haben.
      Alleine die Änderung des Inflationsziels der EZB im Sommer zeigt, dass die noch lange nicht am Ende sind.

      Antworten
      • weico
        weico sagte:

        @troodon

        “Alleine die Änderung des Inflationsziels der EZB im Sommer zeigt, dass die noch lange nicht am Ende sind.”

        Blödsinn !

        Was hat das imaginäre “Wunsch-Inflationsziel” der EZB mit den REALEN ZB-Zinsen zu tun..?

        NICHTS !

      • troodon
        troodon sagte:

        @weico
        Was den Handlungsspielraum betrifft, hat Hr.Tischer ausgeführt, was noch problemlos geht.

        Wenn man zudem die Ziele selbst ändern kann, hat man zudem automatisch wieder neuen Spielraum.

    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ jobi

      >Die Fehleinschätzungen der Vergangenheit haben dazu geführt, dass die Zentralbanken sämtlichen Handlungsspielraum verloren haben.>

      Man kann darüber diskutieren, ob die Zentralbanken in der Vergangenheit die Situation falsch eingeschätzt haben.

      Aber selbst wenn das der Fall sein sollte, haben sie nicht sämtlichen Handlungsspielraum verloren.

      Sie können z. B. eine beträchtliche AUSWEITUNG der Fiskalpolitik ermöglichen oder, wie im Fall Italiens z. B. dafür sorgen, dass Staaten nicht durch HOHE Finanzierungskosten in die Pleite getrieben werden.

      Ihren Handlungsspielraum auf die Schaffung von Inflation (der Verbraucherpreise) zu REDUZIEREN, ist nicht angemessen.

      Antworten
      • jobi
        jobi sagte:

        Ok, mit Handlungsspielraum meinte ich die Anwendung geldpolitischer Instrumente zur Infla/Defla-Bekämpfung innerhalb ihres Mandates.

        Staatsfinanzierung durch die Druckerpresse zähle ich nicht dazu – sie ist die einzig verbliebene Option.

        So lässt sich Inflation erzwingen nicht aber Stabilität im Finanzsystem.

  4. weico
    weico sagte:

    @Ticinese

    “Nebenbei: Es gibt auch Leute, welche die Oligarchie der Putinschen Diktatur und den totalitären Staatskapitalismus Pekings nicht unbedingt der seit 1776 bestehenden amerikanischen Demokratie vorziehen.”

    Klar gibt es auch solche Leute.

    Man darf aber auch nicht vergessen, wieviel Kriege und Elend diese amerikanische “Demokratie” schon angezettelt/verursacht und die Welt gebracht hat.

    Antworten
  5. foxxly
    foxxly sagte:

    @ das kreditgeldsystem gibt die richtung vor, in der wir, die wirtschaft und gesellschaft, gehen.
    es ist im grunde nichts zufällig, was passiert ist und weiter passieren wird.

    das geldsystem ist verantwortlich, dass die realwirtschaft und konsument stets mehr unter druck gerät; – im gegensatz der finanzsektor. dieser geldüberhang ist sytemisch begründet.

    -daraus folgt zunächst die niedrieren zinsen.
    -die wirtschaft wächst schneller, als der konsument kaufen kann.
    -kleine unternehmer müssen aufgeben, – die großen haben die marktmacht.
    -dann folgt die teuerung, – aber der konsum stagniert.
    -also noch mehr gelddruck. dieses aber löst nicht das problem, es steigert sie noch weiter.
    -der wirtschaftskriegt tobt weltweit.
    -das ende ahnen wir…………….

    die notenbanken haben dies alles möglich gemacht und gesteuert.
    aber bedingt durch das selbsgeschaffene geldsystem, haben sie keine andere möglichkeit, als so zu handeln, wie sie es tun.

    sie haben sehrwohl ahnung, was sie tun.
    für sie ist es die aufgabe und das ziel, dieses umverteilungssystem möglichst lange am laufen zu halten.
    denn dabei wird arbeitsleistung der masse in wenige großreiche hände umverteilt.
    das ist das ziel !
    alles andere sind unsere gedanken, die konträr sind und kopfschüttel bei uns bringt, nicht mehr oder weniger.

    dieses geldsystem ist niemals zum wohle der allgemeinheit geschaffen worden.
    das sollte uns immer wieder bewusst werden.

    Antworten
    • weico
      weico sagte:

      @foxxly

      “dieses geldsystem ist niemals zum wohle der allgemeinheit geschaffen worden.
      das sollte uns immer wieder bewusst werden.”

      Einem Geldsystem kann man nicht die Schuld geben, wenn die Politik dauern ins System eingreift.

      Die Politik greift dauern ein, um Vorteile daraus zu erlangen . Die Nachteile muss dann halt die Allgemeinheit (mit)tragen.
      Die Allgemeinheit ist aber durchaus auch Mitschuld am ganzen Dilemma !

      Felix Somary dazu:

      Das sechzehnte Gesetz: Je schwächer der Staat, desto höhere Forderungen werden an ihn gestellt. Wenig wurde von Washington verlangt, als das Bundesbudget trotz Freiheit von direkten Steuern mit Ueberschüssen abschloß; von dem Staat aber, der mit Schulden überlastet ist, verlangt eine immer stürmischere Bewegung die Lösung aller sozialen Fragen. Das führt in seinen Wirkungen zum nächsten;

      Siebzehnten Gesetz: Je mehr Geld ausgegeben wird, desto geringer ist der gesamte Geldwert. Die Sanierung ist am leichtesten, je tiefer der Geldwert gefallen ist. Daraus ergeben sich zwei Folgen:

      Das achtzehnte Gesetz: Je mehr die Oekonomie Erhöhung des Zinses verlangt, desto mehr senkt ihn die Politik herunter.

      Und das neunzehnte Gesetz: Je schwächer die Staatsfinanzen, desto höher die Ausgaben. Nie hat man so luxuriöse Amtsgebäude wie in der Zeit vor dem Bankrotte; zu keiner anderen Zeit wächst der Parasitismus so wild in die Höhe. In solchen Tagen beginnen die seltsamsten Geldquacklehren zu wuchern. Das einzige Heilmittel ist das restlose Auslaufen des Geldes, das dann zur Besinnung zwingt.

      Das zwanzigste Gesetz: Je größer Reichtum macht, desto geringer die Sättigung, desto stärker der Drang nach weiterer Vermehrung.
      Daraus resultiert Konzentration der Vermögen in der Privatwirtschaft und Konzentration der Gewalt im Völkerverkehr.

      DIE WIRKUNG DER SOZIALGESETZE
      Volkssouveränität und Gefahr der Welttyrannis.

      Wer die Gesetze der verkehrten Proportion kennt, wird die Ursachen der großen Erfolge der Tyrannis weniger erstaunlich finden. Nie war die Unabhängigkeit der Individuen und der Staaten so schwer gefährdet, nie der Gegensatz zwischen Subjekten und Objekten der Macht so tief und so weltenweit. usw….

      Antworten
  6. weico
    weico sagte:

    @Ticinese

    “Von der Unabhängigkeit der Zentralbanken ist nicht mehr viel übriggeblieben. Sie haben sich in den Dienst der Schuldenorgien der Staaten gestellt.”

    Richtig !

    ..diese starken Auflösungserscheinungen und staatliche Übernahme hat Felix Somary schon 1951, in seinen …”Die zwanzig Sozialgesetze der verkehrten Proportion”…TREFFEND vorausgesehen:

    Wer die Sozialgesetze Nr.16-20 durchliest , Seite 408, sieht sich in die HEUTIGE Zeit versetzt .

    https://www.e-periodica.ch/cntmng?pid=alp-004:1951:19::871

    Antworten
  7. Ticinese
    Ticinese sagte:

    Von der Unabhängigkeit der Zentralbanken ist nicht mehr viel übriggeblieben. Sie haben sich in den Dienst der Schuldenorgien der Staaten gestellt.
    Thomas Mayer in „Die Vermessung des Unbekannten“: »Am Ende ihrer Wirksamkeit angekommen, vereinigen sich Keynesianismus und Greenspanismus im »Keltonismus«. Dessen Grundlage ist die Modern Monetary Theory.«
    Und Alan Greenspan handelte als chair of the Federal Reserve (1987-2006) als Zyniker: »In the absence of the gold standard, there is no way to protect savings from confiscation through inflation. Deficit spending is simply a scheme for the confiscation of wealth. Gold stands in the way of this insidious process. It stands as a protector of property rights«. (A. Greenspan, 1967)

    Antworten
  8. weico
    weico sagte:

    Es rächt sich halt, wenn man dauernd in das wirtschaftliche Geschehen und den “freien” Markt eingreift .

    Die USA und ihre westlichen US-Marionetten, haben mit dem Plaza-Abkommen und Louvre-Abkommen das ganze Finanz-und Währungsschlamassel ja SELEBR ausgelöst. Alles zum Wohle der USA und des US-Dollars..Ups..

    Nun hat Keiner der “Helden” eine Ahnung, wie man aus der Niedrigzinsfalle wieder entkommt, ohne das Einem das ganze System “um die Ohren” fliegt. Viele lustige und alte Theorien sind jetzt wieder im Umlauf.

    Nicht umsonst startet die USA, zusammen mit den “üblichen Verdächtigen”, wieder eine “Blockbildung” … gegen die “bösen” Chinesen und Russen . Neue “Werte-Kandidaten” wie Indien usw. sind ebenfalls gerne im US-geführten Block willkommen, um die USA und den Dollar aka die “westlichen Freiheitswerte”…. zu “unterstützen”.

    Übrigens :
    Sowas nennt man im Westen ….. DEMOKRATIE und FREIE MARKTWIRTSCHAFT ! Ups…

    Antworten
    • Ticinese
      Ticinese sagte:

      Jede Fiat-Währung hat nur eine begrenzte Lebenszeit. Man denke nur an die vier Währungs-reformen Deutschlands in den letzten 100 Jahren.
      Nebenbei: Es gibt auch Leute, welche die Oligarchie der Putinschen Diktatur und den totalitären Staatskapitalismus Pekings nicht unbedingt der seit 1776 bestehenden amerikanischen Demokratie vorziehen.

      Antworten

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