Keine Ausrede bei öffentlichen Schulden

Schon vor einigen Tagen habe ich auf eine neue Studie des IWF hingewiesen, die vorrechnet, wie schlecht es in Wahrheit um das „reiche“ Deutschland bestellt ist. Ganz so, als hätten die Autoren meinem Buch noch etwas Rückenwind geben wollen.

Nun greift auch die FT das Thema auf. Nach dem Motto, wer sein Vermögen besser managt, kann auch mit den Schulden besser umgehen:

  • „The IMF’s report on the wealth of states, published at its joint annual meetings with the World Bank last week, may prove of more lasting significance than any of the hot topics the participants discussed, including trade conflicts, populism and looming financial instability.“ bto: Diesen Optimismus teile ich nun gar nicht.
  • „The fund has examined 31 countries amounting to 61 per cent of the world economy, whose total public sector assets it puts at $101tn, or more than double the countries’ annual gross domestic product. These include natural resources and financial claims (such as sovereign wealth funds), but also infrastructure and public corporations. It also measures liabilities, not just formal government debt (at 94 per cent of GDP on average) but other liabilities such as pensions. On average, governments have positive net worth — but the differences between countries are enormous, as the chart below shows.“ bto: Und es fehlen natürlich die absehbaren Defizite der Sozialkassen, für die letztlich auch der Staat einstehen muss.

Quelle: FT

  • „The German government, meanwhile, has few assets, so its net worth is lower than that of Japan despite the latter’s huge gross debt liabilities.“ – bto: Und da mag es natürlich wieder die Kritiker bei uns geben, denen die Aussage nicht passt und die sich dann – wie im konkreten Fall geschehen – über Twitter mokieren, dass es wohl nicht sein könne, dass Uganda reicher ist, als wir. Doch, das kann wohl sein, vor allem, wenn man so von der Substanz zehrt, wie das Deutschland tut.
  • „Complete balance sheet accounts for governments remain exceedingly rare, and the IMF’s push for doing better is very welcome. (…) Understanding the asset side as well as the liability side (which itself is not fully understood by looking only at official debt measures) is important in part because what you don’t know can hurt you. Only a government that knows its assets well can make the best possible use of them — or be held to account by its citizens for its failure to do so.“ – bto: Wenn es danach ginge, könnten wir den ganzen Bundestag nach Hause schicken.
  • „The amounts are astounding: managing public financial assets and corporations half as profitably as private equivalents could bring in government financial revenues amounting to 3 per cent of GDP. But while managing assets more productively is, of course, a good idea, this does not mean higher public revenues are the best way to cash in the potential productivity gains. That is so even if such revenue gains were used to finance lower taxes or more public spending elsewhere.“ – bto: was aber die Politik nicht möchte, denn dann müsste sie ja immer danach trachten, den Wohlstand zu erhöhen. So kann man Klientelpolitik betreiben …
  • „An alternative is to use public assets more productively so as to expand or improve the provision of public goods they underpin; that will provide a macroeconomic benefit to the national economy even if it does not directly improve public finances.“ – bto: Das gilt für den gesamten öffentlichen Bereich. Alleine eine Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung könnte Milliarden sparen und die Bürger massiv entlasten.
  • „The reason governments and markets pay disproportionate attention to debt is that debt has regular deadlines by which it must be serviced — and failure to do so is devastating. The most intriguing promise held out by a better mapping of the asset side is to reduce vulnerabilities on the debt side. Simply showing a strong net worth position may itself improve markets’ view of debt sustainability in a high-debt country, for example. But, more profoundly, liabilities could be issued in ways that take the asset side better into account — reflecting its size and also its relative durability and illiquidity.“ – bto: Eigentlich müssten die Zinsen in Deutschland viel höher sein, angesichts der schlechten Bilanz, zu der man die schlechte Bildung, die Kosten der Migration und die massiven Kosten des demografischen Wandels hinzurechnen müsste.
  • „Why should governments behave like banks and hedge funds, funding long-term illiquid assets with often short-term market debt? One answer would be that they can print money to redeem debt; but well-run countries have, for good reasons, decided to devote monetary policy to price stabilisation, not debt financing.“ – bto: Und wie wir in der Eurozone sehen, haben nicht alle unbegrenzten Zugriff auf die Notenbank.
  • „So it may be worth (…) to think more creatively about matching it to the liability side. That would mean getting investors used to long-term, illiquid placements to match government assets, in return for their superior safety — and their likely superior return when well-managed. That would reduce financial risks for governments. If it created funding markets for long-term illiquid investments in the private sector as well, so much the better.“ – bto: Ja, das mag alles gut sein. Ich denke aber, der Hauptnutzen läge darin, Politiker an der Schaffung von Wohlstand messen zu können. Man müsste dazu übrigens auch die künftigen Unterhalts- und Erneuerungskosten von heutigen Investitionen aufnehmen. Berühmtes Beispiel sind die Schwimmbäder in Würselen und anderswo.
Kommentare (30) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    @ Alexander

    >Wer soll diesen Gott*Gott spielen und entscheiden, wem Wissen aufgespielt wird und wem nicht?>

    Diesen Gott gibt es nicht – niemand kann UMFASSEND entscheiden, wem Wissen aufgespielt wird und wem nicht.

    Es ERGIBT sich IM System.

    Oder:

    Wir alle entscheiden das als „Gott“, allerdings einige mit mehr Wirkmacht als andere.

    Das geschieht im System und dabei die Funktionalität des Systems verändernd oder ein anderes schaffend, was evolutionär nicht einfach zu unterscheiden ist (System bestimmt sich hier zudem aus den in die Betrachtung einbezogenen Komponenten, ist also keine feste Größe).

    Kann es sein, dass irgendwann einmal eine Entscheidung fällt, nach der wir uns UNUMKEHRBAR KI überantworten?

    Denkbar ist es, aber vorläufig nur denkbar.

    Wenn es der Fall wäre, lebten wir in einer anderen Welt mit einem anderen Verständnis unser selbst.

    @ Thomas M.

    >… dass der Betreiber der KI sein Ziel erreicht>

    UND

    die durch KI „Getriebenen“ sie auch erreichen.

    Das wird um sich greifen. Ich glaube, dass wir da erst am Anfang sind.

    >Also: Wir Bürger müssen achtgeben, dass wir Akteure bleiben und nicht Teil des Systems werden.>

    Wir sind IMMER Akteure, auch dann, wenn wir passiv sind.

    Wir sind IMMER ein Teil des Systems, solange wir durch unsere Existenz aktiv oder passiv das System (mit)beeinflussen.

    Es gibt während des Existierens keinen Ausstieg.

    Was es gibt:

    Wie VERHALTE ich mich mit anderen oder gegen andere im System und WIE VERÄNDERT es dadurch mich und andere – dadurch auch das System mehr oder minder verändernd.

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      Alexander sagte:

      @ Diemtar Tischer

      Niemand außer uns BrDeutschen empfindet die Zeit nach dem 08.Mai1945 als Neustart der Geschichte. Obwohl betroffene Völker litten, werten sie den Krieg als Station ihrer Geschichte.

      Ich fürchte niemand auf diesem Planeten glaubt so innig wie wir Deutschen an die freiheitlich demokratische Grundordnung…und leiten daraus Menschenrechte ab.

      Wir Zentraleuropäer sind befremdet über die Faszination eines Erdogan und seine Popularität, dito: Trump, Putin oder die kommunistische Partei in China, Nord Korea…

      Gunnar Heinsohn schreib einmal über den Wettbewerbsvorteil einer Gesellschaft durch die Schamlosigkeit ihrer Zentralbank. Schamlosigkeit als Vorteil?

      Transhumanismus hat Potential und das Lieblingsthema der Forscher vom Schlag Harari ist Gentechnik. Er selbst spricht von der Produktion von Gehirnen. Beim Weltwirtschaftstreffen in Davos stellen Stars vom MIT wie Neri Oxman ihre Visionen vor: https://youtu.be/CVa_IZVzUoc

      Beim Wettlauf um die Vorherrschaft spielt Potential und Schamlosigkeit eine große Rolle. China entsendet seine Forscher und zieht alles Wissen, ohne „unsere“ Ethik zu teilen…die übrigen Mächte mit Führungsanspruch ebenso wenig…nur mit weniger power.

      – Wir alle entscheiden das als „Gott“, allerdings einige mit mehr Wirkmacht als andere

      Nur der crash rettet uns vor dieser Welt, meine ich als Barbar.

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  2. Avatar
    Thomas M. sagte:

    >Warum gibt es KI und wie entwickelt sich KI als „Faktor“ der Lebensgestaltung?
    >Die Antwort hat etwas mit dem Renditewettbewerb des kapitalistischen Systems zu tun, d. h. dessen „Motivationsmechanismus“ und davon abgeleitet anderen Wirkmechanismen, unter denen bzw. mit denen und durch die wir gestalten und existieren.

    Ich denke, das ist eine zentrale Komponente; die Befriedigung von Motiven der (oder meinetwegen auch Markterfordernissen für) Produzenten und Dienstleister.

    Wichtig fände ich noch hinzuzuaddieren, dass KI auch zentrale Motive der Verbraucher befriedigt.

    Beispiel 1: Diese japanischen lernfähigen Roboterhunde. Ökonomischer unmittelbarer Nutzen gleich 0, erfreuen aber ihre ggf. einsamen Herrchen, die keine echten Tiere in der Wohnung halten dürfen.

    Beispiel 2: Fahrassistenz. Der Nutzer entgeht der ggf. als belastend empfundenen Anforderung, selber Auto zu fahren. Vielleicht fühlt er sich sogar sicherer, weil die Maschine eine Reaktionszeit von wenigen ms hat und immer 100% aufmerksam ist.

    Beispiel 3: Alexa und Co. lassen sich super kontrollieren (menschliches Kontrollmotiv), vergessen nix und diskutieren nicht.

    Ich denke auch, dass man die Ethik durchaus diskutieren kann und sollte, gehe aber davon aus, dass sich KI so wie bislang jede große Entwicklung entfalten wird – mit allen Vor- und Nachteilen. Denkbar sind natürlich Verbote, aber sowohl Produzenten als auch Verbraucher wollen sie ja.

    Wo wir als Gesellschaft m.E. irre aufpassen müssen: Wenn KI anfängt uns zu messen und zu steuern. Da entstehen ungeheure Asymmetrien und riesige Missbrauchspotenziale. Ich hatte das schon einmal früher hier beschrieben zum Thema Meinungsbildung durch gesteuerte Werbung. Ich wünschte ich könnte das noch einmal finden…

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Thomas M.

      >Wenn KI anfängt uns zu messen und zu steuern.>

      Nicht irrelevant, aber auch nicht richtig:

      KI fängt NICHTS an.

      Richtig:

      Wenn WIR KI ERLAUBEN, uns zu messen und zu steuern, dann …

      Wir sind IMMER die Akteure und das auch immer in einem SYSTEM.

      Die Reflexion sollte vom System AUSGEHEND bei UNS enden als AKTEUREN – und sich dann wieder dem System zuwenden als einem potenziell zu VERÄNDERNDEM.

      Potenziell, warum aber nur oder nicht nur potenziell?

      Das wären die nächsten Fragen.

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        Thomas M. sagte:

        >Wenn KI anfängt uns zu messen und zu steuern.>
        […]
        >Wenn WIR KI ERLAUBEN, uns zu messen und zu steuern, dann …

        Korrekt… Sprachlich nicht präzise von mir und im Kontext sehr relevant – weil es um KI geht. Ich meinte nicht, dass die KI selbst auf die Idee kommt und es umsetzt. Ich dachte daran, dass online wie offline unser Verhalten getrackt wird und basierend darauf dann KI optimale Stimuli bereitstellt, um uns zu beeinflussen. Optimal in dem Sinne, dass der Betreiber der KI sein Ziel erreicht und der Rezipient möglichst gut gesteuert wird. Im bescheidenen Umfang fängt das heute schon an. Bei Schuhempfehlungen ist das noch harmlos.

        Wenn es um Nachrichten und politische Einstellungen geht, wird es interessant. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Smartwatch misst die Pulsfrequenz, der Algorithmus weiß, was der Anwender gerade anguckt und fliegt die nächste Story ein – zur Beruhigung oder zur Aktivierung; mit entsprechenden Inhalten. Die Einstellungsänderung beim Rezipienten passiert automatisch und vermutlich unbemerkt. Ob man damit jemand von links nach rechts drehen kann und umgekehrt ist sicherlich fraglich. Aber bei weniger gefestigten Einstellungen und insbesondere in jungen Jahren wäre die Modifikation gut denkbar.

        Also: Wir Bürger müssen achtgeben, dass wir Akteure bleiben und nicht Teil des Systems werden. Das wird nicht leicht. Vielleicht ist es auch unmöglich, wenn man Teil der modernen Gesellschaft bleiben möchte.

        Wenn die KI hingegen von selbst auf die Idee kommt und es eigenmächtig umsetzt, sollte man m.E. als allererstes schnell den Ausknopf suchen…

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    Dietmar Tischer sagte:

    @ Alexander, ikkyu

    Ihre Diskussion wirft grundlegende Fragen auf und VERFÜHRT zu wiederum diskussionswürdigen Antworten, beispielsweise:

    >Die ethische Frage hinter KI ist, wem soll das dienen? Wozu das Ganze?>

    Die Frage suggeriert, dass es die Dinge um KI zumindest gedanklich in den Griff zu bekommen sind, wenn wir auf DIESE Frage eine Antwort haben.

    Natürlich kann man SO fragen und viele würden der Auffassung zustimmen, dass vernünftige Menschen so fragen MÜSSEN.

    Man mag sich damit („Ethik“) Orientierung, auch Handlungsorientierung verschaffen – ein berechtigtes Verlangen. Es ist aber sehr fraglich, ob man damit Erkenntnis gewinnen kann.

    Meine vorgängige Frage wäre:

    Warum gibt es KI und wie entwickelt sich KI als „Faktor“ der Lebensgestaltung?

    Die Antwort hat etwas mit dem Renditewettbewerb des kapitalistischen Systems zu tun, d. h. dessen „Motivationsmechanismus“ und davon abgeleitet anderen Wirkmechanismen, unter denen bzw. mit denen und durch die wir gestalten und existieren.

    Insofern ist die folgende technische Beschreibung zwar richtig, aber trifft nicht den Punkt:

    >Ein künstliches System lernt aus Beispielen und kann diese nach Beendigung der Lernphase verallgemeinern. Das heißt, es werden nicht einfach die Beispiele auswendig gelernt, sondern es „erkennt“ Muster und Gesetzmäßigkeiten in den Lerndaten.<

    Richtig, ein lernfähiger Algorithmus – aber WAS er verallgemeinern soll bzw. WIE er sein Verallgemeinern ÄNDERN soll bzw. „WILL“, wenn sich die Gestaltungspräferenzen ("Gesetzmäßigkeiten") im kapitalistischen System ändern ODER ein anderes System das kapitalistische ablöst, liegt nicht IM Algorithmus.

    Es kann nicht im Algorithmus liegen, auch wenn denkbar ist, dass ein Algorithmus, dieses WAS und WIE technisch beherrschen kann.

    Was ich sagen will:

    Ohne Ihre Fragen zu vergessen oder zu verneinen, sollte das Verständnis etwas mehr an Systementwicklungen ausrichten etwa so, wie wir Evolution verstehen:

    Es geht aus sich heraus weiter ohne übergeordnete ZIELE oder ZWECKE.

    Das ist für denkende Menschen, die sich und anderen Ziel und Zwecke zumindest vorstellbar setzen können, höchst unbefriedigend.

    Ich glaube aber, dass damit das Verständnis von Realität besser getroffen wird.

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      Alexander sagte:

      @ Diemtar Tischer

      KI ist eine ökonomische Frage, weil die Entwicklung vorfinanziert werden muss und die Entscheidung dazu öffentliche oder private Gelder erfordert. Sollte die Entwicklung derart vorangetrieben werden, dass der Menschn ersetzbar wird, hätte der Steuerzahler zumindest ein Mitsprachrecht. Ob die Entwicklung den Menschen ersetzt, kann niemand beantworten.

      An vielen Stellen ist der Ersatz des Menschen wünschenswert, genau wie die Rationalisierung bisher – besonders schwer, gefährlich, gesundheitsschädlich oder genauer als der Mensch es vermag.

      Für Herrschaftsformen wäre KI als Alternative zum Wähler interessant, weil Maschinen zu Beginn keine Ansprüche hätten und keine Fragen stellen. Trotz Demokratie sind freiheitlich demokratische Gesellschaften sehr jung und ihre Zukunft ungewiss (vgl. Bolsonaro, Brasilien).

      Interessant wird es bei diesem Satz:

      — Richtig, ein lernfähiger Algorithmus – aber WAS er verallgemeinern soll bzw. WIE er sein Verallgemeinern ÄNDERN soll bzw. „WILL“, wenn sich die Gestaltungspräferenzen („Gesetzmäßigkeiten“) im kapitalistischen System ändern ODER ein anderes System das kapitalistische ablöst, liegt nicht IM Algorithmus. —

      Das Ziel einer künstlichen Intelligenz wäre selbstständiges Denken und Reflexion der Gedanken. Weil dem ein Algoritmus zu Grunde liegt, hat jemand bestimmt was gedacht wird. Könnte sich die KI vom Programmierer los denken, könnte sie den Programmierer selbst in Frage stellen und seine Herrschaft.

      Ich vermute, dass Harari noch einen Schritt weiter geht und von der Vernetzung von KI mit dem Menschen träumt. https://de.wikipedia.org/wiki/Transhumanismus

      –Der Vorteil von KI ist, dass man das durch neue Lernerfahrung oder Training gewonnene Wissen quasi unbegrenzt auf andere Systeme kopieren, erhalten und updaten kann, wohingegen das individuelle Wissen und Können eines Menschen mit seinem Tod verschwindet.–

      Das wäre der neue Mensch – homo deus.

      Ich lehne diese Exklusivwelt ab, denn sie ist nicht für Greti und Pleti bestimmt oder für Schwarzafrikaner/Araber bzw. Unterschichtasiaten, favela Südameriker. Wer leben will und es anderen ebenso zugesteht….schreibt nicht von „useless eaters“.

      Wer soll diesen Gott*Gott spielen und entscheiden, wem Wissen aufgespielt wird und wem nicht?

      ———–

      Abgesehen davon ist meine Tätigkeit die Programmierung von Werkzeugmaschinen, d.h. ich spiele ihnen meine Erfahrung in Form von Programmen auf. Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit bin ich immer neugierig, wohin die Entwicklung geht und wohin Grenzen verschoben werden. Produktivität und Potential spielen die Rolle jeder Rentabilitätsbetrachtung.

      Die Welt frägt unverändert Profis der alten Gattung nach, denn das Programm selbst ist der einfachste Teil. Die Flut an Information mit sich ständig veränderden Rahmenparametern überfordert die meisten Menschen. Wer diese Kunst beherrscht erlebt durch alle Sinne….

      Letzte Woche hat mich ein Steinbruchtechniker über seinen „Popo-meter“ belehrt. Nach 10 Jahren zusehen(!!!) darf der junge Mann endlich beweisen, dass er genug gelernt hat und selbst Verantwortung tragen.

      Lebenslanges Lernen ist nur möglich, wenn die ehrliche Ausbildung eine Grundlage gelegt hat. Wie soll KI den Anschluss finden, wenn ich heute noch nicht die Anforderung von morgen kenne? Das Denken über Zukunft und ihre Anforderungen sind heute 100% menschliche Domäne und nicht alle Zweibeiner können das für sich in Anspruch nehmen.

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  4. Avatar
    ikkyu sagte:

    @Alexander

    Zitat:
    „Dabei sind Teile menschlicher Ausbildung kostenfrei, während jedes Sinnesorgan und die motorische Vernetzung einer Maschine mit welchem Aufwand antrainiert werden muss?“

    Der Vorteil von KI ist, dass man das durch neue Lernerfahrung oder Training gewonnene Wissen quasi unbegrenzt auf andere Systeme kopieren, erhalten und updaten kann, wohingegen das individuelle Wissen und Können eines Menschen mit seinem Tod verschwindet.

    Ob das alles Sinn macht und welche Strategien „die“ Reichen verfolgen, wenn sie die Masse der Bevölkerung für die Güter-Produktion nicht mehr benötigen, sind natürlich interessante Fragen in diesem Kontext.

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    ikkyu sagte:

    @Alexander

    Zitat:
    „Erfolgreich bin ich aufgrund von Erfahrung, die ich leidvoll individuell erfahren musste.“

    Das Gleiche passiert beim maschinellen Lernen, nur schneller und thematisch fokussiert.
    Es handelt sich hier um lernfähige Algorithmen.

    „Maschinelles Lernen ist ein Oberbegriff für die „künstliche“ Generierung von Wissen aus Erfahrung: Ein künstliches System lernt aus Beispielen und kann diese nach Beendigung der Lernphase verallgemeinern. Das heißt, es werden nicht einfach die Beispiele auswendig gelernt, sondern es „erkennt“ Muster und Gesetzmäßigkeiten in den Lerndaten.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Maschinelles_Lernen

    Das Potential dieser Technologie sollte man nicht unterschätzen, da diese „Maschinen“ neue Erfahrung und Wissen generieren können.

    In Deutschland braucht man sich freilich über den massenweisen Einsatz von Automatisierung und KI in der industriellen Produktion keine Sorgen machen, da dafür eine kostengünstige und stabile Stromversorgung eine Grundvoraussetzung ist.

    Aber mit was soll der steigende Strombedarf in Deutschland bereitgestellt werden?

    Die sogenannten Erneuerbaren Energien sind mit einem EROI kleiner 7 nicht wirtschaftlich und ohne Speicher nicht stabil.
    Das Verbrennen von Erdgas erzeugt neben CO2 große Mengen des starken Treibhausgases H2O. ;-)
    Zu Kohle und Kernkraft sagt die „german-angst“: Nein Danke!

    Der deutschen Bevölkerung steht also noch eine weitere leidvolle Lernerfahrung bevor:

    Ohne kostengünstige Energie im Überfluss gibt es keinen „Wohlstand für alle“ und die gesellschaftliche Komplexität kann nicht aufrechterhalten werden.

    Der amerikanische Historiker J. Tainter schreibt dazu:

    „Das ist grundlegende Thermodynamik. Bei jedem System kostet die Aufrecherhaltung eines komplexen Zustandes Energie. Je komplexer eine Gesellschaft wird, je komplexer eine Art wird, je mehr Energie benötigt sie. Zum Beispiel würde die Energie, die durch die Jagd und das Sammeln erzeugt werden konnte, nie für die Aufrechterhaltung einer als Staat organisierten Zivilisation ausgereicht haben. Diese erforderte Landwirtschaft. Die Aufrechterhaltung der Gesellschaft die wir heute haben, könnte niemals auf der Grundlage von Subsistenzwirtschaft (selbst versorgender Landwirtschaft) erfolgen Sie verlangt Energiesubventionen, die wir in der Form in erster Linie durch die Nutzung fossiler Brennstoffe erhalten. Also, es erfordert immer mehr Energie, komplexer zu werden.“

    https://www.freizahn.de/2014/11/kollaps-komplexer-gesellschaften-interview-joesph-tainter/#more-652

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      Alexander sagte:

      @ikkyu

      Zustimmung, aber ich habe mir etwas gedacht als ich mit dynsfunktionalen Marktpreisen begann. Ihre Aussagen zur Energie sprechen für sich…

      Für KI braucht man eine preiswerte Refinanzierung und die steht seit wann zu 0% bereit? Jede Berufserfahrung benötigt lange Ausbildungszeiten und rechnet sich immer weniger. Dabei sind Teile menschlicher Ausbildung kostenfrei, während jedes Sinnesorgan und die motorische Vernetzung einer Maschine mit welchem Aufwand antrainiert werden muss?

      KI für Wartungsarbeiten im hochverstrahlten Bereich von AKW`s? Keine Chance, die Systeme brechen zusammen, aber Personal wird auf dem Nachschubweg ersetzt (vgl. Offiziersausbildung …..)

      Die Rendite durch Automatisation hängt eng mit der Auslastung zusammen.
      Will ich täglich tausende Radlager (Bsp.) wechseln rechnet sich Automatisation und lernende KI. Habe ich vor Ort pro Autolebenszyklus nur zwei Radlager zu tauschen ist der Mensch billiger, besonders in der dritten Welt.

      Die Instantsetzung der KI Maschinerie macht den Menschen unersetzlich, weil die Vorfälle durch geographische Verhältnisse immer anders ausfallen.D.h. begrenzte Anwendung bei ständig sich ändernden Parametern. Der Chirurg lernt noch nach der 1.000.000sten OP, ein Schlosser bei jeder Schweißnaht „im Freien“.

      Von einer KI die interdisziplinär selbsterhaltend den Menschen verdrängt hätte man sich zu fürchten. Solange Maschinen nur durch Nahrung (Strom) nicht von selbst wieder gesund werden (Heilung ist kostenfrei) rechnet sich KI nur im 0% Zins Zeitalter.

      Die ethische Frage hinter KI ist, wem soll das dienen? Wozu das Ganze? Warum bewirbt die IWF Chefin Lagarde einen schwulen Veganer aus TelAviv?

      Der Mensch steht tatsächlich im Weg wenn man seine Zustimmung braucht. Er wirderspricht auch dann, wenn es ihm gut geht. Große Teile seiner Hirnleistung verplempert wer für Dekandence und Vergnügen. Besonders die unerwünschten Teile der Menschen vermehrern sich mehr als es den Erfindern der Familienplanung vorschwebt… https://www.youtube.com/watch?v=b3AjhgKlHJM

      „Useless eaters“ Harari steht für diese Agenda und ich fühle mich bedroht, d.h. auch ich stehe im Weg. Als Kurt Tucholsky das Gedicht „der Mensch“ verfasste, wußte er um unsere Bedeutung.

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      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        >ich fühle mich bedroht, d.h. auch ich stehe im Weg.

        Nicht vergessen, wo die Fleischfresser in der Nahrungskette stehen. I.d.R. weiter oben ;)

        Ich entschuldige mich vorab für diesen Biss. Aber es ist 12:20 Uhr… Ich muss dringend zum Mittagessen.

  6. Avatar
    Thomas M. sagte:

    >Dadurch kann wiederum die „Feinsteuerung“ der Gesellschaft vertieft werden.

    Unterhaltsamer, fast historischer Lesetipp zu diesem Thema: Ypsilon minus; Herbert W. Franke.
    Was mich an diesem Autor immer wieder überrascht – heute noch viel mehr als vor 20 Jahren, als ich ihn entdeckte: Wie früh er mögliche Auswirkungen von Computern und Automatisierung auf menschliche Gesellschaften durchgespielt hat. In diesem konkreten Beispiel aus dem Jahre 1976: Was wäre, wenn Maschinen einen Großteil der produktiven Arbeit verrichten und Menschen in einem sozialistischen System in unterschiedliche Kategorien eingeteilt werden und beschäftigt werden müssen.

    Das erfordert Klassifikation mit Feinsteuerung, wie man im Buch erfährt.

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      Alexander sagte:

      @ Thomas M.

      “ Was wäre, wenn Maschinen einen Großteil der produktiven Arbeit verrichten“

      …dann müssten sehr fähige Ingenieure bei der Vielzahl der Autohersteller und der noch größeren Zahl an Fahrzeugtypen einen genialen Logarithmus zum Austausch eines Radlagers programmieren.
      Weil der Autor solcher Utopien sicher keine Ahnung vom Umfang solcher primitiver Arbeit hat hier ein Beispiel aus „gut gemachter Pfusch, weil ich mir keine Werkstatt leisten will“ https://www.youtube.com/watch?v=T6E1e6J6AFU

      Ich bezweifle, dass es einen Programmierer gibt, der das auch nur für ein Fahrzeug eines Herstellers zustande bringt. Mit obiger YT Anleitung kann jeder Handwerker den Vorgang wiederholen, besonders in der dritten Welt.

      „und Menschen in einem sozialistischen System in unterschiedliche Kategorien eingeteilt werden und beschäftigt werden müssen.“

      Da wären wir dann bei den „useless eaters“ die Noah Yuval Harari durch eine künstliche Intelligenz nicht mehr versorgt sieht.

      In unserem Zeitalter wird das nicht geschehen, obwohl man seit Platon´s „politeia“ darauf wartet. Gott sei Dank!

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        Thomas M. sagte:

        Diese Jobs werden im Buch von Klasse U (soweit ich mich erinnere) und niedriger gemacht… die Geschichten sind übrigens keine detaillierten Beschreibungen, sondern es geht dort eher um soziale Phänomene / Probleme, die Entwicklungen mit sich bringen. Je nach Gusto kann man die Welten dann als Utopie oder Dystopie wahrnehmen.

        Nicht zu vergessen auch: Der Mann hat das 1976 veröffentlicht. Im Kontext der Zeit sehr visionäre Überlegungen.

        Bzgl. der Ersetzbarkeit von mechanischer Arbeit bin ich übrigens bei Ihnen. Ich hab im Kontext vom BGE den Eindruck, dass die Fähigkeiten der Maschinen doch arg überschätzt werden. Gedanklich sind die Leute vermutlich schon im Star Trek-Zeitalter. Wenn ich mir unseren Staubsaugroboter angucke, dauert’s noch etwas ;) Andererseits gibt es Bereiche, wo es schneller geht: deepl oder auch das automatisierte Erfassen von Bilanzen bei den Wirtschaftsprüfern: Da hätte man sich vermutlich als Akademiker noch vor 5 Jahren sicher vor der KI gefühlt.

        Vielleicht geht es tatsächlich anders herum: Wer am Ende noch auf eine Leiter klettern kann, ohne runterzufallen, und dann auch noch eine Lampe mit den Drähten richtig anschließen kann, hat am längsten einen Job!

        >Da wären wir dann bei den „useless eaters“ die Noah Yuval Harari durch eine künstliche Intelligenz nicht mehr versorgt sieht.

        Den Punkt hat Franke auch in verschiedenen Geschichten aufgegriffen. Vielleicht gehört Noah auch selber zur Kategorie aus Sicht der useless eaters… kommt halt drauf an, was man als „useful“ definiert. Da wird man sehr unterschiedliche Definitionen bekommen, je nachdem, wen man fragt.

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        Alexander sagte:

        @ Thomas M.

        Ich selbst habe zulange den Fehler gemacht zu glauben, was sich nicht rechnet, würde nicht gebraucht werden. Mittlerweile fehlen uns viele Fachkräfte in Bereichen die sich für Fachkräfte nicht rechnen obwohl wir sie brauchen. Einen besseren Beweis für unseren dysfunktionalen Markt finde ich nicht.

        Jede Planwirtschaft muss Preise finden, obwohl ihr Markt auf keine Signale hört. Dem entsprechend sind alle Preisanreize falsch, der Mangel programmiert.

        Die bei uns immer tiefer greifende Überbewertung von „Akademos“ im Verhältnis zum Rest der Gesellschaft hat der Philosoph Bazon Brock hier auf Umwegen getroffen (leider nur für Geduldige) https://www.youtube.com/watch?v=fpDZrnKmeCk

        Mein einziger Wunsch an Propheten wie Noah Yuval Harari wäre, andere nicht für wesentlich dümmer zu halten, als er selbst ist. Ich halte ihn für einen Propagandisten in anderen Sachen…

        Ich will weder den Menschen noch KI ihr Potential absprechen, nur auf dem Teppich bleiben. Erfolgreich bin ich aufgrund von Erfahrung, die ich leidvoll individuell erfahren musste. Vieles ist nicht programmierbar und gefühltes nicht statistisch verifizierbar.

        Seit 30 Jahren versucht die Industrie ihr Qualitätsmanagement zu perfektionieren und ist nur auf dem Papier erfolgreich. Papier ist geduldig und die Fachleute lassen ihre Geheimnisse augenzwinkernd weg..

        Interkultureller Erfahrungsaustausch über Generationen macht unsere Kultur aus. Die neuesten Maschinen leben von diesem Wissen. Wir selbst drohen zu scheitern, weil wir diese Erfahrungen verrenten und negieren.

        KI braucht man nicht zu fürchten. Ich fürchte dysfunktionale Märkte, sie bedrohen unseren Entwicklungsstand ernsthaft.

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        Zu Bazon Brock: Werde ich mal am Feiertag reinschauen.

        Zu Harari: Wer keine Jobängste hat und zwei Stunden pro Tag meditiert, kann sich natürlich gut vergeistigen und den ganz großen Problemen widmen und den Menschen sagen „Atomkrieg ist viel schlimmer als Immigration“. Da verliert man aber anscheinend schon mal den Bezug zu den Sorgen der einfachen Leute, für die Immigration heute real stattfindet und Atomkrieg im Bereich des Fantastischen ist.

        In Teilen erinnern mich seine Statements an Gymnasiasten, die gerade den großen Durchblick gewonnen haben und die Welt verbessern könnten. Wenn man sie denn nur ließe. (Da schließe ich mich durchaus mit ein!)

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        Alexander sagte:

        @ Thomas M.

        Danke für die Vorlage.

        Der israelische Historiker Yuval Noah Harari fürchtet den Atomkrieg mehr, als die Emigration aus dem nahen Osten.

        Nachdem die EU, besonders die BRD, durch die UNWRA für das stärkste Bevölkerungswachstum weltweit (Gaza) verantwortlich finanzieren, denkt Harari rational. (vgl. Gunnar Heinsohn, achgut.com, „Muße ohne Ende – für das Tunnelgraben, für das Bauen und für das Zünden der Raketen“)

        Aktuell scheint Israel nicht in der Lage einem möglichen Atomschlag aus dem z.B. Iran durch präventive Luftschläge abzuwehren (russische „Propaganda“: https://www.youtube.com/watch?v=ZHGBCdDgZRE )

        Tatsächlich senkt die Auswanderung von Muslimen aus den Gegenden des heiligen Landes die Kriegsgefahr und eine dt. Bundesregierung, die dem Wohl Israels historisch verpflichtet ist, würde niemals Grenzen schließen.

        Als der britische Historiker Niall Ferguson der „Welt“ 2016 sagte, er sieht Deutschland in Zukunft als ein nahöstliches Land, war das keine prophetische Vision.

        Wer sich den Medien anvertraut, ist voll und ganz aufgeklärt.

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    Johannes sagte:

    @ WS: „Wir müssen in Zeiten wie diesen m.E. das Parlament durch die Wahl geeigneter Abgeordneter stärken und nicht die Regierung völlig unkontrolliert das Land komplett herunterwirtschaften lassen.“

    Sehe ich auch so und die beiden von Ihnen genannten MdB´s sind passende Beispiele für gute Parlamentarier, mit der richtigen Motivation (kann ich sagen, weil ich beide kenne).

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig, Johannes

      Ich schließe mich Ihnen an.

      Letztendlich schon, aber nicht immer kommt es nur darauf an, welche Abgeordneten wir wählen bzw. gewählt haben.

      Es kommt auch darauf an, WELCHE Schlüsse die gewählten Abgeordneten bzw. die Parteimitglieder aus den sich ändernden Gegebenheiten ziehen.

      Der Hamburger Parteitag der CDU wird bezüglich dieser Partei Auskunft darüber geben:

      Die Wahl der Nr. 1 ist eine programmatische RICHTUNGSWAHL und wird innerhalb weniger Monate – wenn Merkel als Kanzlerin abgelöst wird, z. B. bei Neuwahlen, zu denen sie nicht mehr antreten würde – auch darüber entscheiden, welche Politik gemacht wird.

      Ob Merz oder AKK die Nr. 1 und danach Kanzler/in wird, ist schon ein beachtlicher Unterschied, der auch praktische Konsequenzen hätte und das selbst dann, wenn die Grünen mit in der Regierung sitzen würden.

      Es gibt hier nichts überzubewerten und „revolutionär“ geht in Deutschland sowieso nicht, aber es muss auch nicht alles beim Alten bleiben.

      Ich bin wirklich gespannt, wieviel Erkenntnisfähigkeit die CDU hat und wieviel Mut sie aufbringt, zu Erkenntnis umzusetzen.

      Die Umfragewerte, ihre Wahlverluste und die Wahlgewinne der AfD sollten die Augen öffnen.

      Wenn es AKK wird, dann freilich Gute Nacht.

      Dann weiter so mit Merkel, bis es der SPD irgendwann einfällt, den Stecker zu ziehen.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @DT: Ich gebe Ihnen recht, aber ich räume weder Herrn Merz noch Herrn Spahn eine reelle Chance ein. Die CDU ist bis tief in die Parteiniederungen so weit weg von jeglicher Selbstkritik gegenüber dem eigenen Linksruck, dass Frau Merkel innerhalb der Partei zügig einen Heiligenschein bekommen wird, gegen den die Verehrung von Helmut Schmidt in breiten Teilen der Bevölkerung harmlos wirken wird. Denn sie hat ja ihren Abschied in keinster Weise mit politischen inhaltlichen Fehlern begründet. Und was noch schlimmer ist, das hat ihr auch niemand aus der Partei oder der Mainstreampresse vorgeworfen. Frau Merkel ist hier weiter als ihre Partei und die meisten Medien.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Warten wir es ab.

        Die WAHLVERLUSTE, bereits erfolgte und vermutlich folgende (Europawahlen und dann in die Landtagswahlen in Ostdeutschland) sind jedenfalls nicht zu übersehen.

        Wenn es aber trotzdem nur um ein Austarieren der Parteiflügel geht, dann kann der CDU nur noch die AfD helfen – mit zunehmenden Wählervotum.

        Komme mir keiner und sage, er hätte es nicht gewusst.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Alexander: Neu ist das für mich nicht, denn ich habe das Interview mit Herrn Aiwanger im Fernsehen bereits gesehen gehabt. Aber ich denke, die Freien Wähler haben aufgrund der Dialektfärbung von Herrn Aiwanger jenseits des Weißwurstäquators eine Art „Narrenbonus“, vor allem, weil sie im Bundestag nicht vertreten sind. Die CSU kann sich das im Moment nicht leisten, weil zu viele Leute hysterisch sind. Was natürlich ein Witz ist, wenn ich als Union oder SPD außenpolitisch mit Diktatoren und Mördern bzw. deren Auftraggebern rede (n muss), während ich im Inland schon Probleme habe, mit einer migrationskritischen AFD öffentlich eine Debatte zu führen, nur weil sich darunter ein paar rechtsextreme xxx wie Herr Gedeon befinden. Deswegen könnte man trotzdem mit Herrn Böhringer vom BT-Haushaltsausschuss einen sachlichen Streit führen. Die SPD hat ja seinerzeit auch nicht den Diskurs mit der Union beendet, weil da früher ein Herr Hohmann oder noch früher ein Herr Filbinger dabei war. Gerade im Gegenteil ist der sachliche Meinungsaustausch (gerade auch öffentlich) umso wichtiger. Streitverweigerung ist undemokratisch und einfach nur feige.

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        Alexander sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Die CSU beginnt ihren Machtkampf auf Ebene von Ortsverbänden. Gute Leute wurden unschön ausgebissen und wer nicht links/grün wählt, wandert zu den freien Wählern.

        „Don Alphonso“ stellte unlängst auf twitter fest, dass im Bereich des Ankerzentrums Manching die Koalition aus CSU, freien Wählern und AfD auf 70% der Bevölkerung kommt und die Grünen stolze 7,9% vertreten.

        Die AfD Gründungsmitglieder sind ehemalige CDU Leute und Frauke Petry hat gleich nach der Wahl versucht die AfD heim zur CDU zu bringen?

        Wären die Medien nicht so versessen darauf Nazis bei der AfD zu finden und würden der 3/4/5 Reihe der etablierten Parteien mehr Aufmerksamkeit schenken, hätten wir alle noch mehr über dämliche Aussagen zu lachen.

        Tatsächlich haben nur die Grünen und die AfD keine NS-Vergangenheit.

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Wenn es danach ginge, könnten wir den ganzen Bundestag nach Hause schicken.“

    Das finde ich unfair, denn es gibt mit Leuten wie Herrn Scheffler (FDP) oder Herrn Böhringer (AFD) (unabhängig von deren sonstigen politischen Äußerungen) durchaus MdBs, die zum Thema Staatsvermögen, -verschuldung und Wohlstand allgemein genügend Überblick und Verständnis haben. Natürlich stellen diese parteiübergreifend nur eine winzige Minderheit dar und können sich nicht im Ansatz durchsetzen, aber so wie Sie es darstellen finde ich es polemisch. Wir müssen in Zeiten wie diesen m.E. das Parlament durch die Wahl geeigneter Abgeordneter stärken und nicht die Regierung völlig unkontrolliert das Land komplett herunterwirtschaften lassen. Sonst haben wir irgendwann nur noch auf dem Papier eine Demokratie.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Die Grafik lässt Rückschlüsse auf das Problem der fiskalischen Verschuldung zu:

    Hohes Staatsvermögen und geringe Verpflichtungen des Staats bestehen vor allem in rohstoffreichen Ländern mit vergleichsweise armer Bevölkerung – wie die Länder in der unteren Hälfte verglichen mit der oberen ausweisen.

    Die Länder in der unteren Hälfte weisen für ihre Staaten durchweg eine positive Vermögensbilanz des Staats auf.

    Norwegen, Kanada und S-Korea sind etwas differenzierter zu betrachten, widerlegen aber nicht diesen Sachverhalt.

    Hohe Verpflichtungen des Staates und z. T. hohes, aber auch nicht sehr hohes Staatsvermögen ergeben eine negative Vermögensbilanz.

    Das betrifft die Staaten in der oberen Hälfte der Grafik bis einschließlich Japan.

    Die Grafik spiegelt die gesellschaftlichen Präferenzen:

    In den Staaten der oberen Hälfte will man weitgehende Gleichheit und Sicherheit der Lebensverhältnisse herstellen.

    Dafür verschuldet sich der Staat.

    Wenn sich auf DIESER Basis der Staat verschuldet, dann eben nicht für Investitionen.

    Denn die beziehen sich auf die ZUKÜNFTIGEN Ressourcen, Gleichheit und Sicherheit herzustellen.

    Die Folge:

    Wenn man so verfährt, wie man in den Ländern der oberen Hälft der Grafik verfährt, dann kommt man u. U. zu einem hohen Interessenausgleich und einer stabilen Gesellschaft.

    Im ZEITVERLAUF erfolgt dies aber auf SINKENDEM Wohlstandsniveau.

    Das ist das Problem.

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    SB sagte:

    „Das gilt für den gesamten öffentlichen Bereich. Alleine eine Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung könnte Milliarden sparen und die Bürger massiv entlasten.“

    Um Gottes Willen, Herr Dr. Stelter! Wo kämen wir denn da hin? Es geht um Umverteilung und damit Belastung, nicht dagegen um Entlastung der Bürger. Im Sozialismus wird der Wasserkopf nicht ab-, sondern aufgebaut. So war es auch in der DDR. Hier nur ein ganz aktuelles Beispiel dieser sozialistischen Plan(behörden)wirtschaft (zunächst nur angedacht): Behörden sollen in Kohlereviere verlagert werden
    https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Behoerden-sollen-in-Kohlereviere-verlagert-werden-id52533186.html

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ SB

      Sehe das noch dramatischer als Sie:

      Man kann Behörden nicht verlagern, weil dort, wo sie weggehen, Probleme entstehen.

      Man muss daher NEUE Behörden schaffen, etwa – gerade heute diskutiert – z. B. eine Behörde für die Zertifizierung von Vergleichsportalen im Internet.

      Das ist ein wesentlicher Aspekt zur Logik der gesellschaftlichen Entwicklung.

      Außerdem:

      Modernisierung und Digitalisierung der Verwaltung wegen des SPARENS und der ENTLASTUNG der Bürger:

      Dr. Stelter hat Privatunternehmen beraten, was sein Denken geprägt haben dürfte.

      Die gesellschaftliche Realität sieht anders aus:

      Wenn wir in der Verwaltung modernisieren, müssten wir bei gleicher Leistungserbringung Menschen entlassen. Die Bürger würden nichts sparen, soweit diese durchs Sozialsystem aufgefangen werden müssten.

      Durch Modernisierung und Digitalisierung wird zudem nichts gespart, sondern belastet.

      Denn eine fortwährend modernisierte Verwaltung wird immer mehr und immer effektiver die Bürger überwachen und ihnen Informationen abverlangen.

      Das schwächt zwar die Wertschöpfung im produktiven Teil der Wirtschaft, generiert aber auch Arbeitsplätze in der Wissenschaft und in Institutionen, die diese Informationen auswerten.

      Dadurch kann wiederum die „Feinsteuerung“ der Gesellschaft vertieft werden.

      So stellt sich mir die Entwicklung dar.

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        SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        „Das schwächt zwar die Wertschöpfung im produktiven Teil der Wirtschaft, generiert aber auch Arbeitsplätze in der Wissenschaft und in Institutionen, die diese Informationen auswerten.“

        Ganz ehrlich: In Anbetracht des ohnehin schon riesigen öffentlichen Sektors (direkt und indirekt) frage ich mich seit einiger Zeit, ob wir nicht alle dort arbeiten könnten, wenn wir in der freien Wirtschaft nichts mehr zu tun haben. Quasi Sozialismus für alle. Meine Vernunft, aber vor allem meine historische Erfahrung sagen mir allerdings, dass es dann zur völligen Verwahrlosung mangels Motivation käme, so wie jetzt schon in vielen Behörden bzw. damals in der DDR.

        „Dadurch kann wiederum die „Feinsteuerung“ der Gesellschaft vertieft werden.“

        Ja, bis die Feinsteuerung nur noch als Grobsteuerung benötigt wird, da alle vom Staat abhängig sind. ;-)

        Also das wird noch ne lustige Geschichte hier in Schland, mal abgesehen von dem, was hier schon passiert ist.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ SB

        >Meine Vernunft, aber vor allem meine historische Erfahrung sagen mir allerdings, dass es dann zur völligen Verwahrlosung mangels Motivation käme.>

        Seien Sie doch nicht so pessimistisch.

        Das mit der Verwahrlosung lässt sich sicher irgendwie kompensieren.

        Wenn nicht, dann kommt es nur noch darauf an, dass Sie als Verwahrloster glücklich gelten können.

        Wenn Sie dem widersprechen, liegt das vermutlich an IHRER Vernunft.

        Im Ernst:

        WARUM sollte sich die Gesellschaft nicht so entwickeln, WENN die Wertschöpfung auch ohne bull shit-Jobs hoch genug ist, die materiellen Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen?

        Bausteine dafür gibt es bereits, denken Sie nur an das „Bedingungslose Grundeinkommen“, das mittlerweile nicht nur den Mainstream erfasst hat, sondern auch schon real getestet wurde.

        Ich glaube die Digitalisierung ist eine Basiserfindung, die so bedeutsam wie die des Rads ist.

        In gewisser Weise so zu verstehen: der Übergang vom Materiellen zum Virtuellen als neuer Realität.

        Die Veränderungen werden für das Ich und die Gesellschaft nachhaltig massiv sein.

        Freilich werden sie nicht linear ablaufen:

        Tiefgreifende Rezession, Krisen etc. werden uns veranlassen, die Perspektive zu wechseln.

        Am Lauf der Dinge wird das vermutlich nicht viel ändern.

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